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r~ w- Das 6, AbvnnementSkonzert unserer R e i ch sw e hr kap ell e am mor­gigen Donnerstag, 22. Juli, auf der Liebigshöhe verspricht, wie man uns schreibt, einen genuß­reichen Abend. Aus der vorgesehenen Musik- solge sind außer Stücken aus Opern usw.Das LiebeSmahl der Apostel' von R. Wagner, sowie -Prinz Eugen der edle Ritter" und historische Märsche von 1400 bis 1900 besonders hervorzu­heben. Es sei noch darauf hingewiesen, daß bei ungünstiger Witterung bas Konzert durch Streich­musik ausgeführt wird.

Der Oberhessische Geschichtsverein in Schotten.

Anfang Juli unternahm der O b e r h e s s i - sche Geschichtsverein (wie wir in Ar. 157 bereits kurz berichteten. D. Red.) seinen dies­jährigen Svmmerausflug nach Schotten, an dem etwa 40 Personen teilnahmen. Der Dür- cermüster von Schotten, Rechtsanwalt M e n g e l. Daurat Rodnagel und eine Anzahl weiterer - i rren hatten sich zur Begrüßung am Bahnhof cir.uJunten.

Rach einem kurzen Gang durch die Stadt.

dem Daural Rodnagel kurz über das C-: I o ß und andere Bauwerke sprach, ging es - ach dem Rathaus. Der offizielle Empfang L . Vereins durch den Bürgermeister hatte einen außerordentlich herzlichen Ton. Aus alten Bil­dern, Büchern und Han.schriften war imSitzungs- saal eine kleine Ausstellung veranstaltet worden. Aach einer kurzen Begrüßungsansprache bot der Bürgermeister den Willkomm-Trunk in den alten Silberbechern der Stadt.

Aach einer halben Stunde begab man sich in die gegenüber gelegene Kirche, wo Real- lebtet Dotter aus Alsfeld in seinem Dortrag übet dasCollegium Musicum in Schotten folgendes aus führte:

DasCollegium Musicum, eine bürgerliche (Vereinigung zur Pflege der Kirchenmusik, ent­stand in der letzten Hülste des 16. Jahrhunderts. Es bestand auS 6 privilegierten Schottener Dün­gern, die allsonntäglich instrumentaliter und vocaliter die musica sacra pflegten. Leiter dieses Chorus musicus war der Konrektor an der Schot- lener Lateinschule, der auch den Organistendienst zu versehen hatte. Zur Unterstützung der Kirchen­musik wurden die Lateinschüler, roie sog.Dis- lanlistenknaben" herangezogen. Für ihre De- mühungen wurde den Musikanten aus kirchlichen Mitteln alljährlich eine Summe Geldes, der .Singwein", gegeben, den sie miteinander ver­kehrten. Mitunter wurden auch Aoten und In­strumente aus diesen Mitteln angeschafft. Seine höchste Dlüte hatte das Collegium in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Aufschwung und Aiedergang hingen aufs engste mit den Verhält- nissen an der Lateinschule zusannnen. Aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind noch reiche Aoten- bestände in der Kirchenbibliothek vorhanden, die der Dortragende in den Jahren 1908 und 1920 eingehend durchforscht hat. Es finden sich dar­unter mehrstimmige Gesänge von Dodenschatz, Hammerschmidt, Walliser u. a., ferner mehrere Jahrgänge Kirchenkantaten von G. PH. Tele­mann und Liebhold, einem zu seiner Zeit be­kannten Komponisten, über dessen Persönlichkeit aber heute undurchdringliches Dunkel lagert. Mit dem Derfall der Lateinschule um die Wende des Id. und 19. Jahrhunderts ging auch das Collegium Musicum seinem Ente entgegen. 1824 wurde es, ungeachtet des hefttgen Protestes seiner Mitglieder, auf behördliche Anweisung hin auf- ce'öst.

Rach dem gemeinsamen Mittagessen imhessischen Haus", bei dem Bürgermeister Menge! und Bau- r it N 0 dnagel noch einmal ihrer Freude über den Besuch des Vereins Ausdruck gaben und Geheime- rot Behaghel besten Dank für die freundliche Auf­nahme sagte, hielt Prof. Rauch in der Kirche einen Vortrag über diese.

Zur Baugeschichte der Liebfrauenkirche ist zu be­merken, daß in den drei bedeutendstenBauperioden die Bauabsicht ganz verschieden war. Man hat den ältesten Chorbau, den romanischen Westbau und den spätgotischen Neubau der Mitte und des Chores zu unterscheiden. Der Westbau gehört der hessischen Bauschule der Frühgotik an, und sollte, wie die St. Elisabeth-Kircke in Marburg, zwei hohe Westtürme erhalten. Dieser um die Wende des 13. Jahrhun­derts begonnene Dau sollte die kleine romanische Kirche ersetzen, an die er angeschlosten wurde. Aber die Kräfte reichten zu dem geplanten Werk nicht aus, und ein halbes Jahrhundert stand der Neubau unfertig, bis um 1350 wieder aber nun mit einem anderen Gedanken begonnen wurde. Man wollte jetzt statt der langgestreckten Priesterkirche eine Hal­lenkirche errichten, wie sie öfters in Oberhessen zu finden ist, weit und einheitlich im Raum über un­gefähr quadratischem Grundriß. Zunächst ließ man nun den begonnenen Westbau liegen und fing im Osten an. An Stelle der beiden Westtürme sollte ein stattlicher Dierungsturm treten. Den ursprünglichen Gedanken, den Westbau abzutragen, führte man jedoch nicht aus, sondern schloß auf beiden Seiten den neuen und den älteren westlichen Bau durch Treppentürme zusammen. Im Innern mußten die beiden Räume, so gut es ging, zusammengeflickt werden, und so entstand das unorganisch wirkende schmälere Gewölbejoch zwischen den breiteren statt­lichen Gewölbeseldern. Die eckigen Pfeiler, die ehe­mals den Dierungsturm trugen, mußten im 18. Jahrhundert erneuert werden und wurden durch zwei stämmige Rundpfeiler ersetzt. Im Innern ist die Entwicklungsgeschichte des Baus an verschiedenen Merkmalen zu beobachten. Besonders bemerkenswert sind die feinen, an Marburg und Wetzlar erinnern­den Blottformverzierungen der Kapitale der Pfeiler. Das Westportal ist mit einer Anbetung der Könige (um 1370) geschmückt, die man sich, wie alle mittel- all erliche Plastik, farbig vorzustellen hat. Am Süd­portal findet sich eine Statue der Mutter Gottes und zweier betender Stifter. Die Figuren des Haupt- norials erinnern an das Grabmal des Mainzer Erz­bischofs Gerlach im Kloster Eberbach (geft. 1371) und gleichzeitig an die Gestalt des heiligen Severus

in der Kirche in Erfurt (etwa 137080). Aeußerlich beachtenswett an der Kirche ist der schiefe Turm, der 1,80 Meter aus dem Lol fleht. In der Innen­ausstattung beansprucht der Aitar besonderes In­teresse. Er stammt aus dem Ende des 14. Jahrhun­derts und gehört neben dem Friedberger und Otten- berger zu den namhaftesten Werken mittelrheinischer Malerei. Die Gemälde haben sich in voller Schönheit erhalten. Harmonie ist bei kräftiger Farbengebung durch den neutral wirkenden Goldgrund erreicht. Die Skulpturen bleiben an Wert hinter den Altar- gemälden zurück. Die Hauptfigur, eine Mutter Got­tes, hat durch die Wiederherstellung ihre reizvoll zarte echte mittelrheinische Schönheit wiedergewon­nen. Es ist ein typisch mittelrheinisches Kunstwerk, da der geistige Ausdruck durch die Beachtung des Körperlichen gemildert ist. An einer Seitenwand der Kirche ist das große spätgotische Triumphkreu; (Jesus am Kreuz, Maria und Johannes) angebracht, das früher auf dem Lettner, der Bühne zwischen Chor und Langhaus, stand. Im ganzen stellt sich so die Schottener Liebfrauenkirche als ein fünft- und kulturgeschichtliches Bauwerk von hoher Bedeutung dar.

Trotztem während ter Besichtigung ter Kirche ter Regen wieder eingesetzt hatte, wan­derte man nach dem schöngelegenen Lugins­land hinauf, wo bei Kaffee und Kuchen selbst ein Tänzchen nicht fehlte. Der Rückweg führte zunächst zu dem Denkmal der gefallenen hessischen Forstbeamten. Don stiller Höhe blickt dies Mal wett hinaus ins Tal. Daurat Aodnagel sprach h-ier und an dem kurz zuvor berührten! alten Derterdigungswall einige Worte. In rasche­rem Abstieg wurde ter Bahnhof bald erreicht, und um 7 Uhr verlieb der Verein den Daten ter gastlichen Stadt Schotten. Die Teilnehmer des manchmal etwas feuchten Ausflugs waren voll befriedigt in dem Dewußtsein, wieder ein­mal ein Stück unseres rauhen und doch reizvollen Vogelsberges näher kennen gelernt, und ihir Wessen ter Heimatgeschichte bereichert zu haben.

Dr. Walbrach.

ch Schülerfahrt an den Rhein. Rund tausend Volisschüler aus dem Kreise Dießen unternahmen am gestrigen Dienstag eine Fahrt an den Rhein. Der Svnterzug brachte die Teil­nehmer bereits um 9 Uhr vormittags nach Mainz-Kastel. Mit zwei Dampfern wurde die Strecke von Mainz nach Koblenz durchfahren. Allen Teilnehmern werden die Eindrücke der in allen Teilen wohlgelungenen Fahrt unver­geßlich fein. Die Vorbereitungen zu der Fahrt hatte der Vorsitzende des Kreislehrervereins Gießen, Lehrer Sommer von Grohen-Linten, übernommen.

** Aushebung der Preistreiberei- Verordnung. Im »Reichsgesehblatt" wird in den nächsten Tagen das Gesetz über die Aufhebung der Preistreiberei-Verordnung und die damit zusammenhängenden Verordnungen verössentlicht. Durch dieses Gesetz werden die Preistreibereiverordnung, die Verordnung gegen verbotene Ausfuhr lebenswichtiger Gegenstände, die Verordnung über die Aotstandsversorgung und die Verordnung über die Preisprüfungs­stellen aufgehoben. Ferner kommen folgende Teile der Verordnung über die Handelsbeschränkungen in Fortfall: die Vorschriften über die Preis­schilder und Preisverzeichnisse, die über den Marktverkehr und Versteigerungen und die über Zeitungsanzeigen. Das Gesetz sieht ferner vor, daß Vergehen gegen die hiernach aufgehobenen Destimmungen der notwirtschaftlichen Gesetz­gebung, soweit sie noch nicht rechtskräftig abge­urteilt sind, straflos bleiben. Die Destimmungen ter Verordnung über Handelsbeschränkungen, über Untersagung des Handels, Schließung von Geschäftsräumen und über äußere Kennzeichnung von Waren, sowie Destimmungen ter Verordnung über die Auskunftspflicht bleiben in Geltung.

* Gießener Schwimmverein. Man schreibt uns: Am kommenden Sonntag veranstal­tet der Gießener S. V. in ter Müllerschen Date­anstalt einen Städtewettkampf im Schwimmen gegen Kassel. Die kurhessische Hauptstadt wird vertreten durch den Kasseler Schwimmverein von 1 89 8, ter über eine leistungsfähige Mannschaft verfügt und in den sechs Wettkämpfen, die für ten Städtewettkampf qualifizieren, unseren Gießener Schwimmern einen gleichwertigen Gegner darsteltt. Das übrige Pro­gramm wird durch einen Klubwettkampf ter Jugendmannschaften des Wetzlarer Schwimmver­eins und des Gießener S. D. ausgefüllt werden. Außerdem wird die Sprungriege des Gießener S. V. im Turm- und Kunstspringen zeigen, was sie in den letzten Monaten durch eifriges Trai­ning erlernt hat. Das Wasserballspiel gegen Kassel dürfte ein äußerst interessantes Spiel geben und auch zur -Unterhaltung ter Zuschauer viel beitragen. Ferner kommen einige Damen- wettkämpfe über kurze und lange Strecken zum Austrag. Die Pausen füllen die Damen des Darmstädter Schwimm-Clubs .Jung­deutschland" durch Reigen- und Figuren- schwimmen: ein Gebiet des Schwimmsportes, das vielen Gießenern vollkommen neu ist. Dieser Damenmannschaft geht em guter Ruf über ihr schwimmerisches Können voraus. Dei großen Schwimmfesten hat sie es immer verstanden, durch die exakte Ausführung ihrer Reigen und Figuren reichen Deifall zu gewinnen. Zusammengefaht, darf man wohl sagen: es wird eine erstklassige schwimmspottliche Veranstaltung werten, die einzige dieser Art in diesem Sommer. (Aäheres siehe gestttge Anzeige.)

Schwalben und Spatzen. Ein Illeser unseres Dlattes in Aieder-Flor stabt be­richtet uns: An meiner Wohnung ist seit Jahren ein Schwalbennest, das seine Bewohner schon öfter gewechselt hat. Ein Jahr hausten Spatzen darin, dann hatten es die Schwalben wieder für ein Jahr im Desih. In diesem Frühjahr war es vom Winter her von ten Spatzen noch be­schlagnahmt, und ich konnte nicht beobachten, daß bei ihrer Rückkehr die Schwalben sich darum

bemüht hätten. So brachte ter Sperling seine Drut ungestört heraus, aber jetzt sitzen die Schwalben in dem Aest, und sie scheinen sich, nachdem sic das verfallene Heim ausgebessert haben, recht wohl darin zu fühlen. Von einem Kamps konnte nichts beobachtet werten, ter Bc- sihwechsel war auf einmal Tatsache. Weder daS alte Sperlingspaar noch die junge Brut ließen sich seither wieder sehen. In früheren Jahren war öfter ein erbitterter Kampf zwischen ten beiten Vogelarten zu beobachten.

Kirche und Schule.

Synodaltagung

für den Kreis Wetzlar.

4 Lützellinden, 20. Juli. Zu einem denkwürdigen Ereignis im kirchlichen Leben un­serer Gemeinde g^taltele sich die Synodal­tagung der Kreisgemeinde der Pfarrer und Kirchenältesten des Kreises Wetzlar, die am Sonntag und Mon­tag in unserem Orte stattfand. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Koch, hatte gemeinsam mit dem Kirchen- vorstand die umsichtigen Vorbereitungen zu der Veranstaltung getroffen.

Den Auftakt bildete ter Gottesdienst am Sonntagnachmittag, in dem Pfarrer Bier­man n - Ebersgöns in der Predigt die Vorbe­reitung zu dem Fest bot. Als Text batte der Redner Markus 8, 19 feiner Ansprache zugrunde gelegt. Rachtem die hiesigen Gemeinde­glieder an ihren Festgästen nach uraltem Brauch Gastfreundschaft geübt, bildete der am Sonntag veranstaltete Gemeindeabend den nächst­folgenden Teil der Tagung. Eröffnet wurde dieser von dem Supettntendenten der Kreissynode Wetz­lar, Pfarrer Wieder- Garbenheim, ter die Ta­gung als Vorsitzender leitete. Rach kurzem Dankesgruh an die zahlreich erschienene Ge­meinde für die freundliche Ausnahme der Synode legte er in kurzen Zügen die Aufgaben der Synode dar und schloß mit der Ditte, um tatkräf­tige Mitarbeit und Fürbitte der Gemeinde. Es folgten hierauf kurze Berichte ter Geist­lichen aus ihrer Tätigkeit auf den ver­schiedenen Arbeitsgebieten der evangeli­schen Kirche. Als erster erzählte Pfarrer Kappell, Klein-Rechtenbach, von ter schwieri­gen Ausgabe und großen Bedeutung des Gustav-Adolf-Dereins für unsere evan­gelischen Mitbrüder in der Diaspora, und warb mit herzlichen Worten neue Freunde für diese gute Sache. Der Vertreter des Evangeli­schen Bundes, Pfarrer Schmidt, Wetzlar, wies in kurzen Ausführungen auf die Bedeutung dieses Bundes für unser deutsches Volk und die evangelische Kirche hin. Pfarrer L ü h l, Wetzlar, berichtete hieraus von ter Tätigkeit der Preu­ßischen Hauptbibelgesellschaft, wor­auf Pfarrer Heider, Dorlar, Bilder aus ter Aeuheren Mission erzählte. Hieran an­schließend berichtete der Ortsgeistliche Pfarrer Koch aus der Tätigkeit ter Inneren Mis­sion innerhalb der Synode. Hiernach entwarf Pfarrer Schmidt, Wetzlar, ein anschauliches Bild über das Wirken ter Rheinischen Frauenhilfe: darnach sprach Pfarrer Pfaff, Volpertshausen, über Evangelische Ju­gend- und Wohlfahrtspflege. Im Schlußwort erzählte Pfarrer Hartmann, Oberkleen, rückschauend auf die Vergangenheit, von dem Entstehen der Reformation und ihrer Ausbreitung in unserer Gegend. Der hie­sige Posaunenchor gab mit seinen Musik- vorträgen dem Abend einen würdigen Rahmen, wie auch der Gemischte und der Jung­frauenchor unter Leitung des Dirigenten Altenheimer zu einem erhebenden Verlaus wesentlich beitrugen. Mit Gebet und Segen des Superintendenten Wieder wurde der Abend beendet, der bei ten zahlreichen Besuchern einen starken Eindruck hinterließ. Die Kollekte aus den beiten Veranstaltungen wurde der Rheini­schen Provinzialstudienanstalt zugeführt.

Die Beratungen am Montag, an denen sich etwa 40 Synodalvertreter beteiligten, nah­men um 8 Uhr morgens in ter Kirche ihren Anfang. Rach längeren Ausführungen des Superintendenten Wieder über das Thema: Kirche und Volksbildung", erstattete dieser hier­auf den Geschäftsbettcht aus dem verflossenen Geschäftsjahr. 3m weiteren Verlauf ter Tagung, die am Rachmittag im Gvang. DereinShaus stattfand, bildeten kirchliche Angelegenheiten den Gegenstand ter weiteren Verhandlungen. Gin Kaffeekränzchen am Rachmittag bildete den Ab­schluß der in allen Stücken wohlgelungenen Ver­anstaltung.

Erweitertes Schöffengericht Gießen.

-Gießen, 19. Juli. Der Arbeiter Sch. aus L. war angeklagt, bei einer Witwe, mit ter er ein Verhältnis unterhalten haben soll, einen sträf­lichen Eingriff vorgenvmmen au Haden. Die Frau, die an einem Samstagabend noch Kuchen ge­backen hatte und vollständig gesund war, er­krankte am folgenden Tag, wurde mehrere Wochen bettlägettg unb endlich in die hiesige Klinik ein­geliefert. Hier starb sie alsbald nach der Ein­lieferung. Die Todesursache war Blutvergiftung, die, wie die Aerzte in zweifelloser Weise fest­ste! len konnten, auf einen strafbaren Eingriff zurückzuführen war. Die Anklage lautete deshalb auch außerdem auf fahrlässige Tötung. Der An­geklagte leugnete die Tat. Direkte Beweise standen nicht zur Verfügung. Die Staatsanwaltschaft war nur in der Lage, einen Indizienbeweis zu führen. Rach umfangreicher Beweisaufnahme gelangte das Gericht zur Freisprechung mangels ausreichenden Beweises. Bei der ür- teilsVerkündung wurde aber hervorgehoben, daß ter Angeklagte sehr schwer belastet und nach wie vor bringend verdächtig sei.

Amtsgericht Wetzlar.

ü Unter der Anklage ter Unterschlagung hatte sich ein Kaufmann au3 Wetzlar zu ver­antworten. Der Angeklagte hatte als Vertreter einer Margattnesirma u. a. einen Betrag von 17 Rm. kassiert und nicht abgeliefert. Durch Strafbefehl wurden dem Angeklagten 70 Rm. Geldstrafe. Hilfsweise 14 Tage Gefängnis,- bittiert. Auf seinen Einspruch erzielte er Fret - sprechung, da seine Angabe, eS sei ihm bei ter Buchung ein Irrtum unterlaufen, nicht zu widerlegen war.

Einen, Anstteichermeister auS Wesel, zu­letzt in Riederquembach, wurde Betrug zur Last gelegt Der Angeklagte hatte von einem Wetzlarer Geschäftsmann Waren bezogen, für deren Bezahlung er einen Wechsel hingao. Einen Tag nach Fälligkeit des Wechsels ging ter An­geklagte zu dem Geschäftsmann und erklärte seine Zahlungsunfähigkeit. Hierin erblickt ter Geschäftsmann Betrug Der Angeklagte bestritt jede Detrugsadsicht und behauptete, auch er sei von seinen Kunden mit ter Bezahlung im St uh gelassen Worten. Das Gericht vermochte keinen Betrug festzustellen und criannte auf kostenlose Freisprechung mangels Beweise-.

Degen Betrugs im Rücksalle stand ein Land­wirt, ter zur Zeit im Gefängnis in Heidelberg sitzt, unter Anklage. Der schon mehrfach vor­bestrafte Angeklagte kam eines Tages im März ds. Js. zu einem in Wetzlar lebenden Bürger. Er stellte sich fälschlicherweise als Bruder eines dem Bürger bekannten Offizier- vor und erzählte weiter allen möglichen Schwindel, so, daß er wegen seiner politischen Gesinnung von ter Poli­zei gesucht werte und daher nach dem Rorden wolle, um in Sicherheit zu sein. Die Weiterreise müsse er sicherheitshalber mit dem Auto troll- führen, da ihm die Dahn zu gefährlich sei. Es gelang ihm dann noch in ten Besitz eines Dar- leheirs von 150 Mark zu gelangen, dessen baldige Rückzahlung er versprach ohne jedoch bis beute einen Pfennig zurückerstattet zu haben. M't die­sem Geld verschwand dann der Angeklagte r.iv bekannt wohin. Auf die Anzeige des Geschädigten hin wurde er in Heidelöe.g entdeckt und hinter Schloß und Riegel gesetzt. Der Angellagte war geständig, und will m Rot die strafbare Hand­lung begangen haben. Seinem Antrag auf Straf­freiheit gemäß § 51 StGB, vermochte bad Ge­richt nicht au entsprechen, da er laut ärztlichem Gutachten für sein Tun voll verantwortlich sei Das Gericht sah einfachen Betrug als vorliegend an und erkannte auf 3 Monate Gefängnis und Auferlegung der Kostem Der Anttag der Staatsanwaltschaft lautete auf 4 Monate Ge­fängnis.

Ein Landwirt aus Wetzlar, ter dadurch baß er mit einem Undichten Faß Jauche durch die Straßen von Wetzlar fuhr, diese mit lieblichen Gerüchen erfüllte, erhielt durch polizeiliche Straf- Verfügung 10 Mark Geldstrafe. Sein Antrag auf gerichtliche Entscheidung hatte Erfolg, beim er wurde fr ei gesprochen, da seine Angaben, bas Faß sei durch bas F ihren auf dem holperi­gen Straßenpflaster undicht geworden, nicht zu widerlegen waren.

Gerichtsfaal.

15 Jahre Zuchthaus für «inen Totschläger.

Karlsruhe, 20. Juli. (WSR.) Dao Schwurgericht verurteilte ten 44jährigen, aus Reckarbischossheim gebürtigen, in Pforzheim zu­letzt wohnhaften Schuhmacher Karl F a n tz we­gen Totschlages zur höchstzulässigen Strafe von 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Fantz sollte nach jahrelangen güt­lichen Versuchen zwangsweise aus ter Woh­nung entfernt werden. Deshalb erschoß et die Hauseigentümerin Augenstein, Mutter von neun Kindern, ter Mann ist schwer­kriegskrank auf dem Treppenflur vor seiner Wohnung, als ihm wenige Stunden vorher die zwangsweise Räumung ter Wohnung über­mittelt worden war.

Aus dem -lmtsvertündigungsblatt.

' Das Amtsverkündigung-blatt Rr. 58 vom 20. Juli enthält: Hegezeit für Enten. -Bekämpfung von Viehseuchen. Belehrung der Pilzsammler. Maul- und Klauenseuche in Reinhards Hain. Abgabe von Betriebsstoffen an Kraftfahrzeuge. Kreisstraßensperren Beihilfe an die Volksbibliotheken Heimat­kundliche Arbeitsgemeinschaften. Feldbereini­gung Lindenstruth. Straßensperren. -Dienst- nachrichtem

Rundfunk-Programm

de- Frankfurter Tenders.

(Aus der.Radio-Umschau".)

Donnerstag, 22. Juli.

4,30 bis 5,45 Uhr: Konzert deS Hausorche­sters: Ouvettüren von Adolph Adam. 5,45 bis 6,05 Uhr: Die Lesestunte. 7,15 bis 7,45 Uhr: Stenographischer Fottbildungskursus für Anfän­ger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). 8,30 Uhr: »Sin Wend der Gegen­sätze". Anschließend bis 12 Uhr: ilebertragung von Berlin: Tanzmusik ter Berliner Funkkapelle.

Briefkasten der Redaktion.

Hundesteuer. Der in Wetzlar angemeldete Hund muß, da er sich mit Ihnen auch hier aufhält, in Gießen ebenfalls zur Steuer angemeldet werden.

fi. 5L in weilershain. Die Hundesteuer ist eine I a y r e s steuer, deren Erhebung nur zur Erleichte­rung für den Steuerpflichtigen halbiert worden ist. Sie müssen auch noch für das zweite Halbjahr be­zahlen.

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