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verbände", der Hauptschriftleiter der Verbands- blätter, Syndikus Dr. Kunz (Frankfurt a. M.) über „Das Erlanger Verbände- und Ehrenab- lommen" und „Die Bedeutung der Presse". Langerichtsdirektor Schtlling-Trygopho- ru6, Dannstadt über „Der Ehrenschutz nach dem Entwurf zum neuen Strafgesetzbuch" und der Leiter des Grenzlandamtes, Referendar Trinkans, Frankfurt a. M., über „Grenz, und Auslandfragen". Der an Arbeit reiche Verbandskonvent fand in der Beteiligung aller Tagungsteilnehmer am Stiftungsfest der Darmstädter Verbandskorporation einen gesellschaftlichen Abschluß.
Oberhesfen.
Landkreis Gießen.
£ Wieseck. 21. 3uni. Dem Gemeinderat lag in seiner jüngsten Sitzung ein Gesuch des Ziegenzuchtvereins Wieseck vor, worin dieser um pachtweise Ueberlasfung eines Geländestückes an der Philosophenstraße und um Abgabe von Stangenholz zum Tarifpreise ersuchte. Der Ziegenzuchtverein will auf diesem Platze eine Musterweide anlegen, der Platz soll zunächst mit Holz, später mit einer Weißdornhecke ein- gezäunt werden. Die erforderlichen Arbeiten beabsichtigt der Verein durch Selbsthilfe auszuführen. Bürgermeister und Gemeinderctt stellten sich einmütig auf den Standpunkt, daß derartige Bestrebungen unter allen Umständen gefördert werden müssen. Demgemäß wurde beschlossen, den beanspruchten Platz dem Ziegenzuchtverein zur Verfügung zu stellen, irgendwelche Pacht soll hierfür nicht gezahlt werden. Dem zweiten Teil^des Gesuchs, äleberlassung von Stangenholz zum Larpreis, konnte nicht entsprochen werden, da der Gemeinde derartige Holzsortimente nicht zur Verfügung stehen. — Die Bewohner des neuen Gemeinde-Doppelwohnhauses im Eichenröder Weg ersuchten um Herabsetzung ihrer Miete. Da die ganze Materie gelegentlich der in Bälde ftattfindenden Voranschlagsberatung geregelt werden soll, wurde dieser Punkt von der Tagesordnung abgesetzt. — 3ni Nachtrag zum Ortsstatut über den DezugvonWasseraus der Gemeindewasserleitung machten sich verschiedene Acnderungen notwendig. Der Gemeinderat beschloß, sich den vorgelegten Vorschlägen anzuschließen. Ausgenvmemn hiervon wurden die Abgaben für Großvieh, die der Gemeinderat von jährlich 3 Ml. auf 2 Mk. herab-- sehte Für Badeeinrichtungen sollen, um eine größere Beweglichkeit zu erhalten, statt den vor- geschlagenen 3 bis 5 Mik. 3 bis 15 Mk. im Orts- statut eingesetzt werden. 3m Verlaufe der Verhandlungen kamen eine ganze Reihe Beschwerden über den Ausschlag des Wassergeldes an einzel- stehende Personen und solche, die im Haushalt eines anderen leben, zur Sprache. Die teilweise Berechtigung dieser Beschwerden wurde an- crformt. Um diese in Zukunft abzustellen, sott nach Austragen der Wasserzettel eine Frist von 8 Tagen gegeben werden, in der Beschwerden gegen die Veranlagung vorgebracht werden können. Hierüber entscheidet bann der Gemeinderat. — Der Ausbau des Lichtenauer Wegs ist mit einer beträchtlichen Erhöhung des Straßenprofils verbunden. Zur Befestigung des Straßenbaues ist die Errichtung einer Mauer .rotwendig, die den Gemeinderat schon in früheren Sitzungen beschäftigte. Nunmehr beschloß er. die Mauer bis zur Höhe der Straße aus Gemeindekosten heruzstellen. Die im Ortsbaustatut vorgeschriebene Mauer an Vorgärten usw., b. h. der ■ Teil, der sich über das Straßenprofil erhebt, ist Sache der betr. Anlieger. Um für die Zukunft alle . Zweifel über diese Angelegenheit aus der Welt zu schaffen, soll in der nächsten Sitzung eine dies- l bezügliche Ergänzung des Ortsbaustatuts vorgenommen werden. — Die Daukommission berichtete I über verschiedene vorgenommene Besichtigungen, die vorgeschlagenen Reparaturen wurden im Sinne der * Kommission beschlossen. Darunter befindet Üch die Renovierung des Gemeindebackhause ? der Brau'hausc;asse, die ziemlich bedeutenden Umfanges ist. Bei dieser Gelegenheit brachte der Bürgcrn'.c'ster berechtigte Beschulden darüber vor, daß mit diesem Teil des Gemei.Meeigemums sehr wemg schonend umgegangen wird. Teilweise mür- Jücn bi2 Backhäuser nach Gebrauch in einem unwürdigen Zustand zurückgelassen, andererseits würden aber auch mutwillige Zerstörungen vorgenommen. In einer der nächsten Sitzungen wird sich der Ge- meinderat mit der Abstellung dieses Mißstandes beschäftigen müßen. — Die Finanzkommission berichtete über die Auszahlung derletztenRate
zuvörderst einer hohen Obrigkeit, dann dem ehrbaren Gerichte und ganzer Gemeinde gehorsam und treu zu sein, deren Schaden zu wahren und Frommen zu mehren, allen Geboten und Verboten fleißig nachzukommen, alle Meuterei und anderes, so zur .Uneinigfeit, Aufruhr und Zerrüttung gemeiner Ordnung führt, fleißiglich zu meiden, und wenn dergleichen heimliche Praktiken vorhanden, sie zu vermeiden und nicht zu verschweigen, was der Herrschaft und der Gemeinde zum Bösen gedeihen möchte.
Was halfs? Die 24 Spatzenköpfe wurden nicht geliefert. Die Nebellion der vier Deutsch- ordenA-Untertanen war osfensichtlich, eine diplomatische Verwicklung unvermeidlich. Die Federschlacht um die 24 Epatzenköpfe begann.
Ein wohlerwogener, ebenso langer wie scharfsinniger Bericht des Amtsvogts ging nach Würzburg, schwer belastet mit gravierenden Beilagen, der sich in langen und gelehrten Deduktionen dahin aussprach: Da die vier Rebellen als Orts- nachbarn tote alle anderen Landesuntertanen verpflichtet seien zum Wachen, Frohnen, Botengehen, Soldatenhalten, Hand- und Spanndienste zu leisten, hätten sie auch gleich anderen Dorfnachbarn zu den Spatzenköpfen betzutragen und „also dieselbe von dieser beyhülff sich nicht exempt machen sotten, sondern wenn sie etwa vermeinen, daß sothane liefferung zum hiesigen Amt ihnen nachteilig wäre, Sie allerwenigftens die Köpf atthier vorzeigen und gleichwohlen alßdann gleichwie in mehr anderen Fürstenthumben auch beschießt, solche ihrer Herrschaft, dem Teutsch- oerrischen Herrn Verwalter nach Würzburg ein- liefern müßten." Das vom 21. März 1747 datierte Schreiben legte „dem Hochwürdigsten des Hl. römischen Reichs Fürsten und Herrn, Herrn Anselm Franz, Bischof zu Würzburg und Herzog zu Franken, seinem gnädigsten Fürsten und Herrn^ schließlich die schwierige, staats- und privatrecht- liche Frage vor, „oo mehrgedachte 4 Teutsch- herrrsche qua Besitzer einer so namhaften Güterzahl a 2173/* Morgen frei zu lassen oder aber zur Lieferung der Spatzenköpf qua verpflichtete Dorsnachbarn anzuhalten seien? und darüber die gnädigste Entscheidung submifsest erwartet".
der Beihilfe an private Bauherren. Danach sollen die Geldempsängcr nicht mit den Geldbeschaffungskosten belastet werden. — Auf Beschluß einer früheren Sitzung hatte die Armenkommission unter Mitwirkung^ zweier Vertreter der Erwerbslosen die Bedürftigsten der Erwerbslosen. die für die Gewährung einer Sonderheit hslie in Frage kommen, ousgewählt. In Betracht kommen 13 Personen, Ledige wurden von vornherein ausgeschlossen. Der Gemeinderat trat bem Vorschlag bei. In einem Falle wurde die Weiterzahlung einer Armenunterstützung abgelehnt, in einem andern um etwas erhöht. — Den Vorschlägen der Wohnungskommission, darunter einer Beschlagnahme, schloß sich der Gemeinderat ebenfalls an.
—.— Lang-Göns, 20. 3uni. ©in Misst o n s f e st mit Dekan a issest fand heute hier statt. Aus der gesamten Umgegend hatten sich zahlreiche Teilnehmer eingefunden. Der Hauptgottesdienst in der Kirche war überaus stark besucht. Zum Eingang spielte der Pos au nen- chor Lang-Göns, verstärkt durch Bläser aus Klein-Linden, unter Leitung vonD oller- Lang- Göns einen Choral. Festprediger Trommers - Haus aus Frankfurt sprach über die Worte des verlorenen Sohnes: „Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen." Den Altardienst versah der Ortsgeistliche Pfarrer Wahl. Der Ktrchengesangverein Klein-Linden sang unter Leitung seines Dirigenten Germer zwei Chöre: „Die gülden Sonne" und „Nach deiner Macht". Die beiden Nachmittagsgottesdienste wurden vor der Kirche abgehalten, es sprachen Pfarrer Trommershaus über die Weisen aus dem Morgenland. Dekan Guß- m a n n * Kirchberg und die Vertreter der Hermannsburger unb Baseler Misstonsgesellschaften über die Aeußere Mission in den verschiedensten Missionsgebieten von Asien. Afrika und Guinea. Eine Kollekte für die Aeuß?re Mission schloß sich an die Gottesdienste.
:—: Bersrod, 20. Juni. Seit einiger Zell gehen in unserem Dorfe die Masern um. Es werden namentlich jüngere Kinder, meist in den ersten Schuljahren, von der Krankheit heimgesucht. In einem Falle ist ein noch nicht schulpflichtiges Kind an der Krankheit und ihren üblen Nebenerscheinungen gestorben.
df, Langsdorf. 19. 3uni. Die Arbeiten an der Wasserleitung schreiten trotz des schlechten Wetters weiter rüstig fort. Der Autoverkehr durch unser Dorf ist sehr lebhaft, es wäre daher zu begrüßen, wenn die Kreisverwaltung die Straße, die nun sehr holperig geworden ist und in absehbarer Zeit einer Reparatur bedarf, mit einer staubbindenden Schicht versehen lassen würde.
Hreis Friedberg.
WSN. Bad-Nauheim, 19. Juni. Der indische Philosoph lind Dichter Rabindranath T a g o r e ist gestern aus Italien hier zu einem längeren Kuraufenthalt eingetroffen.
y. Wölfersheim, 19. 3uni. Mit dieser Woche geht die Kanalisation des tieferliegenden Teiles unseres Ortes zu Ende. Sie dauerte etwa 6 Wochen und gab einer Anzahl Arbeitsloser von hier Beschäftigung. Die Wasserableitung hat sich dadurch als nötig erwiesen, daß die früheren Hofbrunnen, die künstlichen Wassersammler, nach Einrichtung der Wasserleitung zugeworfen wurden, wodurch das Grundwasser stieg und in die Keller gelangte. — Da die Kreisstraßenverwaltung die ganze Kirschen- ernte der Kreisstraßen Friedbergs in vier Nummern zur Bewerbung ausschrieb, ist es dem einzelnen Privatmann sehr erschwert, seinen kleineren Bedarf an diesem wertvollen Obst zu decken. Jedenfalls wäre die Einnahme des Kreises bei Einzelversteigerung — auch bei Abzug aller Unkosten — größer als bei Abgabe im großen.
Kreis Büdingen.
„?" Ni dd a, 20. 3uni. 3e näher das ® a u- turnfest heranrückt, desto bunter und farbenprächtiger wird das H ä u s e r b i l d unseres Städtchens. Schon jetzt gleicht es einer Palette, auf der alle Farben vertreten sind. Nidda kann vielleicht den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, ba$ farbenfreudigste aller oberhessischen Städtchen zu sein. Eine ernste Gefahr darf aber nicht verkannt werden. Rücken die bunten Häusergewänder mit ihren satten Farbtönen zu'-'dicht zusammen, so wird der Gesamteindruck stark beeinträchtigt, wenn die nachbarlichen Farben nicht gut aufeinander a b-
Nun hatten die hohen Herren in Würzburg, des Bischofs Räte, des Iuliusspitals getstliche und weltliche Vorsteher, gerade genug zu tun. Schriftstücke liefen hin und her, wieder und wieder kamen imd gingen die steifen, würdevollen Herren in Halskrause und pelzverbrämten Samtmänteln mit Barett und Degen von der Hofstube zur Residenz, von der Residenz zur Hofstube, berieten, ratschlagten und kalkulierten. Das Ergebnis der Schlußsitzung vom 7. April 1747 zeugt für die Gelehrtheit der juristischen Stützen des fürst- bischöflichen Thrones: „Nachdem die Executio, deren Hochfürstl. Land-Mandanten nicht cx capite der Oberdorfsherrschaft, sondern des Territorii vollzogen, letzteres hingegen von feiten des Hochfürstl. Iulier-Spithals auf die 4 Deutschherrischen Untertanen zu Bergrheinfeld nicht probiert werden kann", so wurde dem Amtsvogt der Bescheid. „daß die Einlieferung deren Spahenköpfen von besagten fremdherrischen Untherthanen nicht ferner zu erigieren, gleichwohlen aber zu Absetzung eines anderen präjudicii die Renitenten unter der Hand dahin zu verständigen habe, daß er den herrschaftlichen Befehl dieserhalb annoch gewärtig fei.“
So ward der gefahrdrohende Kanzleistreit uni 24 Spatzenköpse beigelegt, ohne die Rechte einer ausländischen Macht, der Deutschordens-Kommende Würzburg, zu kränken und ohne dem gottgewollten Respekt der Untertanen vor der Staatsautorität Abbruch zu tun.
Wie lange wohl die Dergrheinselder auf die Entscheidung der Frage gewartet haben?
Aber 24 Spatzen war das Leben gerettet.
Die Stabilisierung öes Hilms.
Von Arnolt Bronnen.
Wenn ein Dramatiker über den Film schreibt, so machen sich die Herren vom jenseitigen Ufer meist auf eine herbe Kritik gefaßt. Kommt man säuselnd mit Flötentönen, so werden sie erst recht unruhig, und vermuten die gezückten Manuskripte für ihre allzu gefüllten Archive. Sie werden enttäuscht sein: es soll im folgenden ohne
gestim m t sind. Gerade in diesem Stadium muß die Wahl der Farben mit besonderer Ueber- legung vorgenommen werden und darf nicht dem Wunsch des Hausbesitzers überlassen bleiben. Nur dem geläuterten Geschmack des erfahrenen Fachma nns muß es Vorbehalten sein, die Farben zu bestimmen, tainit Mißgriffe nach Möglichkeit vermieden werden. Vielleicht fönnten auch einige ruhige und weniger gesättigte Farbtöne den Reigen bunter Farbenbilder unterbrechen, um zu vermeiden, daß in der Anordnung der Farben die gerade Linie des guten Geschmacks verlassen wird.
le. B l e i ch c n b a ch , 20. Juni. Die hiesige S ch u l st e l l e, die der jetzt in den Ruhestand versetzte Lehrer Wilhelm Höhn 14 Jahre lang versah, ist nach ihrem Ausschreiben kommissarisch dem Lehrer ©inner in Michelnau, Kreis Büdingen, übertragen worden. — Hier ist eine Raiffeisen- Sterbekasse gegründet morden, der bisher 66 Mitglieder beitraten.
Kreis Schotten.
—Gedern, 20. 3uni. Aus dem Gemeinderat: Wie in früheren 3ahren, so soll auch im Herbst dieses 3ahres eine Prämiierung der schönsten Blumenfenster vorgenommen werden. Eine Kommission soll jetzt schon eine Besichtigung vornehmen zur Gewinnung eines Ueberblicks. — Der Bürgermeister wurde ermächtigt, für die demnächst zu eröffnende K l e i n k i n d e r s ch u l e die Stelle einer K i n bergärtnerin auszuschreiben. — Der vom Bürgermeister erstattete Bericht über das Ergebnis des Prä miierungs Marktes lautete günstig. Der erzielte Ueberschuß sott zum weiteren Ausbau späterer Märkte Verwendung finden.
Kreis Alsfeld.
—er. Homberg a. d. O h m, 20. 3uni. Die etwa 300 Mann starke Arbeiterschaft der Basaltwerke Nieder-Ofleiden der Mitteldeutschen Hartsteinindustrie ist wegen Lohndifferenzen mit der Firma in den Streik getreten. Das Unternehmen beabsichtigte wegen, derzeitiger xmgünftiger Absatzverhältnisse eine Lohnherabsetzung um zehn Prozent vorzunehmen, die die Arbeiterschaft durch den Ausstand abzuwehren sucht. Die Firma hat den Streikenden die Entlassung angedroht, falls sie nicht alsbald zur Arbeit zurückkehren.
Starkenburg.
WSN. Darmstadt, 20. 3uni. Gestern abend brach in der 3n sei st raße plötzlich, wohl durch die andauernden Regenfälle veranlaßt, die Straße ein. Die Einbruchstelle bildet ein trichterförmiges Loch. An dieser Stelle ist dies bereits der dritte Fall eines Straßen einbruchs.
Preußen.
Maingau.
WSN. Frankfurt a. M., 20.3uni. Das Verkehrsflugzeug Darmstadt—Mün- chen muhte gestern nachmittag kurz nach dem Start, aus noch nicht festgestellter Ursache, eine Notlandung in einem Getreideacker vornehmen. Das Flugzeug wurde leicht beschädigt und muhte deshalb abmontiert werden. Personen wurden nicht verletzt.
Lpd. Frankfurt a. M., 19. Juni. (TU.) Heute nachmittag gegen 5 Uhr wurde im Südausgang des Frankfurter Hauptbahnhofs ein etwa 20jähriges Mädchen aus Kassel bei Gelnhausen von einem gleichaltrigen jungen Mann durch mehrere oti) ü ff e niederge- st r e ck l. Das Mädchen brach schwerverletzt zusammen; es wurde sofort ins Krankenhaus geschafft und operiert. Der Täter gibt an, das Mädchen, das lungenleidend ist, auf dessen Verlangen niedergeschossen zu haben.'Er selbst wollte sich nach der Tat gleichfalls erschießen, wurde jedoch daran gehindert und von der Polizei festgenommen.
WSN. Frankfurt a, M., 19. 3uni. Die Arbeitslosigkeit ist auch in der vergangenen Woche wieder etwas größer geworden. Zu Beginn der Woche standen 24 799 Arbeitsuchende zur Verfügung. Dazu kamen 1639 Neumeldungen, so baß die Gesamtzahl der zur Verfügung stehenden Arbeitslosen 26 438 betrug. Am Schluß der Derichtswvche standen noch 24 955 Arbeitsuchende zur Verfügung. Die Zahl der angebotenen und besetzten Stellen ist ungefähr die gleich geblieben. — Wie wir hören, soll in einer besonderen Tagung des Schwurgerichts die Er-
Kritik und ohne Flötentöne zugehen. Aus einem einfachen Grunde: der Film ist heute stabilisiert, die Grenzen zwischen Theater und Film werden allmählich von Kontrollkommissionen abgesteckt, der Kampf eines 3ahrzehntes ist vorbei.
Rückblickend muß man sagen, daß in diesem Kampfe der Film durchaus der aggressive Teil gewesen ist. Ausgehend von einigen äußerlichen Merkmalen, gestützt auf ein, vor allem in Deutschland, gleichartiges Material, war die Eroberung der Theater ein offenes, wenn auch nicht offen ausgesprochenes Ziel. Ein Krieg, der die Kinos mit allen Reizen der Aktualität beschenkte, während er die Theater auf nebensächliche Gebiete drängte, schuf bereits eine gleichwertige Stellung zwischen den beiden Gegnern. Bis dann die ersten 3ahre der Nachkriegszeit die tatsächliche Stellung des Films zur dominierenden innerhalb unserer Kunstinteressen machte, ilnber- gessen sind die großen Filnre dieser Zeit, vom Caligari bis zur Tragödie der Liebe, bis zur Austreibung. Sie waren die eigentlichen, die wesentlichen Erlebnisse dieser 3ahre.
Es ist kein Zufall, daß den Verfasser dieser Zeilen, als er noch Löfselerbsen ohne Speck bei Aschinger aß, der Eintritt in den Film mehr reizte, als her Eintritt ins Theater. Ein Erfolg auf der Bühne vermochte diese Entwicklung nur zu hemmen, nicht aufzuhalten. Er war nicht der einzige. Die gesamte produktive 3ugenb Deutschlands kannte damals nur eine wesentliche Ausdrucksform: den Film. Alle liefen wir herum, Filme im Kopf und in der Drusttasche. Wir kannten die Telephonnummern selbst der kleinsten Betriebe, und wir saßen unermüdlich in den Ateliers (sofern man uns hineinließ) mit starrenden Augen. Das war vor fünf Jahren.
Hat uns der Film enttäuscht? Haben wir den Film enttäuscht? Oder sollen jene Leute recht haben, welche der allgemeinen Unprobuktivi- tät der Zeit die Schuld an allem (außer an ihrer eigenen Unproduktivität) geben? Der Verfasser dieser Zeilen, der selbst ein Jahr lang Dramaturg der Ufa war, der einen schlechten Film schrieb, der gemacht wurde, und einen anderen, der nicht gemacht wurde, wagt es, der Ansicht zu fein, daß Film und Literatur überhaupt nichts,
leöigung des Falles 51 c j f a itatifinöen. Voraussichtlich soll her Termin noo; i'i: 'uli an* gesetzt werden. - Ein 21jähriger Schlosser. Josef Rombach aus Mü-.sterbusch, machte mit der 2ljährigen Köchin Christine Franse aus Stollbecg einen A'sflug an dc.i Rhein. Sie stahlen boxt einem Hotelier, bei dem sie sich einlogiert hatten, d.e ganze B a r i d) a f t in Höhe von 1 800 Mark. Mit dem Gelde fuhren sie nach Franksurt a. M.. kauften sich neue Kleider, u. a. auch einen seidenen Mantel, wahrscheinlich um sich für ihren weiteren Wirkungskreis salonfähig zu machen. Recht erstaunt waren die beiden jedoch, als sie nach dem Frühstück in einem hiesigen Hotel von ihrem Tisch- nachbar zu einer besonders vertraulichen Aussprache eingeladen wurden. Der Tischnachbar war ein Beamter des E i n h r u ch l o m m i s s a - riats, der den Dergnügungslustigen noch einen Betrag von 1400 Mark des gestohlenen Geldes abnahm und sie hinter schwedische Gardinen verbrachte.
WER. Höchst a. M. 20. 3uni. Gestern nachmittag ist das 2 i '■> jährige Söhnchen eines Arbeitslosen in dem gegenwärtig stark ange- schwollenen Liederbach ertrunken. Der Kleine war mit zwei älteren Bub<U einem B a l l nachgesprungen, wobei alle" FW in den Bach stürzten. Ein zufällig vorbeikommender Maurer konnte einen Jungen retten, einer rettete sich selbst, während der Kleinste von der Strömung fortgeriffen wurde. Bis jetzt konnte die Leiche noch nicht gelänget werden.
Dillkreis.
bl. D i 11 c n b u r g. 18. Juni. Der Kreis- tag des Dillkreises trat am Freitag int Kreishause zusammen. Auf der Tagesordnung stand die Erstattung des Derwaltungsbe- r i ch t e s und die Beratung des Haushaltsvoranschlages für 1 92 6. Der stellvertretende Landrat, Regierungsrat Dr. Jünger, erstattete den Verwaltungsbericht, der erkennen läßt, daß die Kreisverwaltung bestrebt war. nach jeder Richtung hin fruchtbringende Arbeit zu leisten. An die Erstattung des Verwaltungsberichtes schloß sich eine lebhafte Debatte an. Dann wurde zur Etatsberatung geschritten. Der stellvertretende Landrat ging einleitend kurz! auf die Schwierigkeiten ein, die sich bei der Zusammenstellung des Planes in diesem Jahre ergeben hätten. In der Generaldebatte wurde allgemein Stellung genommen ju den Steuern und verlangt, daß diese möglicherweise in niedrigen Grenzen gehalten werden. Der Etat der Kreisverwaltung wurde in Einnahme und Ausgabe auf den Betrag von 1 476 000 Mark festgesetzt. Der Voranschlag des Kreiswohlfahrtsamtes schließt in Einnahme mit 542 345 Mark, und in Ausgabe mit 674 345 Mark ab. Der Etat des Arbeitsnachweis- a m 1 e s stellt sich in Einnahme und Ausgabe auf 1 068 000 Mark. An Kreis st euerumlage werden 30 Prozent erhoben. Ein Antrag auf Erhebung von 20 Prozent wurde abgelehnt. Der Kreistag beschloß bann noch die Aufnahme eines Darlehens bis zum Betrage von 1 00 000 Mark zum Zwecke der Unterstützung " der Neubautätigke i t.
Rundfunk-Programm
des frankfurter Senders.
(Aus der „Radio-Umschau".)
Dienstag, 22. Juni.
4.30 bis 5.45 Uhr. Konzert des Hcms^ orchesters: Giacomo Puccini. 5.45 bis 6.05 Ufjr: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45 11br: „Die Blumen in Wald und Feld", Vortrag von Hermanni Schulz, Kassel. 6.45 bis 7.15 Uhr: Funkhochschule „Das Heufieber", Vortrag von Professor Dr. Alwens. 7.30 bis 7.45 Uhr: Englische Literaturproben. 7.45 bis8.1511.hr: Englischer Sprachunterricht. 8.15 bis 9.15 Uhr: „Alte Nachtmusik". 9.15 bis 10.15 Uhr: Uebertragung von Kassel: Konzert des Streichquartetts des Kasseler Staatstheaters.
Sommerkur für 4582ss Nervenkranke u. Nervös-Erschöpfte. Spezialkuranstalt Hofheini i, Taunus bei Frankfurt a M.
Prospekte durch Dr. M. Schulze - Kahleyss, Nervenarzt.
daß Film und Drama noch weniger miteinander zu tun haben. Das bedeutet, daß die faktische Eroberung der Theater dem Film gezeigt hätte, daß er nichts gewonnen hatte, lind jene Generation, die der Film sozusagen gefangen genommen hatte, entdeckte sehr bald, daß sie unter Neger, bildlich, geraten war. Doch wie hätte sie es nun anstellen sollen, schwarz zu werden? Sic wurde nicht schwarz.
Die Meinungen stabilisierten sich. Film und Drama kehrten zu sich selbst zurück. Bald wird auch der Filmdichter der Geschichte angehören. Der natürliche Weg ist: Film ist dort, wo nicht gesprochen wird. Wenn die Bibel des Dramatikers beginnt: Am Anfang war das Wort, so beginnt die Bibel des Filmschöpfers: Am Anfang war das Schweigen. (Nämlich jenes Schweigen, das bann Licht und Tat um so lieber erzeugt.)
3e mehr das Theater zu seinem natürlichen Quell, dem Wort, zurückkehren wirb, um so mehr wird es den Film zwingen, in seinen Grenzen zu bleiben. Denn der Film, in seinem jugendlichen Uebermut, wird sicher noch manchesmal über die Stränge schlagen wollen. Aber wie ihm diese Grenzerweiterung, schon als er sie bei der Produktion versuchte, mißlang, so wird sie ihm späterhin auch beim Material, nämlich beim Schauspieler, mißlingen. In dem Moment nämlich. wo ein feinfühliger gewordenes Publikum merken wird, daß die Ausstrahlungen von den Brettern und von der Leinwand nicht die gleichen sind, wo die Objektivität der Linse energischer bezweifelt werden wird, und wo schließlich der Schauspieler, wieder mehr erfüllt von der Bühne, vom Theater, feine Leidenschaften nicht mehr dem Bogenlicht preisgibt. Während andererseits allmählich auch in Deutschland jener harte unb sachliche Schauspielertypus heranwächst, dessen männlichere (ober iveiblichere) Seele nur bei Ijunberttaufenben Kerzenstärken an die Fläche seiner Haut, an bas Licht des Tages unb unserer Augen hervorgelockt wirb.
Unb fast möchte man, nachbem man so im rohesten Umriß einige stabilisierte Grenzen gezeichnet hat, wieder Filmschriftsteller werden.
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