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Nr. 92 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen) Mittwoch, 21. April {926

Aus dem Reiche der Frau.

Am-ertuberkulosen, die sich hätten vermeiden laßen.

Ton Pros. Dr. Theodor Gott.

In aller Kürze will ich die Geschichte von drei kleinen Kindern mit schwerer Tuberkulose erzählen: die Betonung liegt auf der Vor­geschichte.

1. Ein zweieinhalbjähriges Mädchen wird wegen eines seit zwei Wochen bestehenden, mit Fieber uni) Mattigkeit einhergehenden Hustens ins Kinderkrankenhaus eingelie.ert. Die Unter­suchung ergibt einen großen serösen Erguß im linken Brustscllraum und eine entzündliche Er­krankung der gleichseiligen Lunge: der Verdacht, daß es sich um Tuberkulose handle, bestätigt sich rasch. Vach einigen recht kritischen Wochen bessert sich der Zustand weitgehend, der Erguß saugt sich auf, das Aussehen hebt sich, das Ge­wicht nimmt sehr erfreulich zu und das. Kind kann ohne Fieber und Krankheitszeia en den Eltern zurückgegeben werden. Vur daS Röntgen« bild läßt den tuberkulösen Lungenherd noch deut­lich erkennen.

Tl^otz eindringlichen Fragens war uns die Ursache der tuberkulösen Erkranlung längere Ccit unklar, bis die Mutter eines Tages erzählte, soeben sei ein junger Freund ihres Mannes an Tuberkulose gestorben. Unsere Frage, ob iHv Kind etwa mit ihm einmal zusammengekommen sei, bejahte sie: bis vor sechs Wochen sei er so- aar oftmals in ihr Haus gekommen: seinen Beruf habe der bedauernswerte junge Mann nicht mehr ausüben können und so sei es eine seiner spär­lichen Freuden gewesen, bei ihnen den einen oder anderen Vachmittag zu verbringen und sich mit dem fröhlichen Kind zu necken. Daß er voll­ständig heiser war, da er es im Kehlkopf hatte, sei ihr wohl bedenklich erschienen, aber sie habe es nicht übers Herz gebracht, dem armen Men­schen nahezulegen, von seinen Besuchen abzu­stehen.

2. Ein Knabe von achtzehn Monaten wird ins Kinderkrankenhaus verlegt, weil er seit Ta­gen alles erbricht, die erste Untersuchung schon erweckt den Verdacht daß es sich um eine tuberku­löse Gehirnhautentzündung handle: die Krank­heitsentwicklung be läügt leider diese Annahme und nach etwa zwei Wochen erliegt das Kind dem bekanntlich unbeeinflußbaren Leiden.

Wie war der Kleine tuberkulös geworden? Eltern gesund, niemand Hustender im Haushalt, keine Besuch« von hustender Anverwandten und Bekannten. Qlber: vor drei Monaten war das Kind im kleinen Krankenhaus zu 2E. wegen eines Leistenbruches operiert wovden: Operation und Wundheilung waren glatt verlaufen: das Kind war der Liebling der Pflegerinnen und Patienten, und ganz besonders widmete sich ihm und spielte mit ihm trotz Verbotes des Arztes ein junges Mädchen, das 'sich wegen eines Kehlkopf- leidens mit völliger Heiserkeit seit Wochen im gleichen Krankenhaus befand: es war aus einer Lungenheilstätte alS unheilbare, fortschreitende Tuberkulöse in das betreffende Krankenhaus ent­lassen worden!

3. Vach lange« Krancheit erliegt ein Säug­ling von etwa zehn Monaten einer im Anschluß an eine Lungenluberkulose aufgetre'enen Miliar­tuberkulose. 0cm Barer, ebenso gesund wie die Mutter, war kurz vor der Geburt des Kindes einem Unfall zum Opfer gefallen, worauf das Wohnungsamt des betreffenden Ortes prompt eine ältere Frau in die kleine Wohnung setzte, die ständig hustete und wegen angeblich nicht an­steckender Lungentuberkulose in ärztlicher Be­handlung stand, trotz oller Bitten der jungen Mutter ließ sie es sich nicht nehmen, oft und oft nach dem Säugling zu sehen und ihm, Wenn­er schrie, den Sauger in den Mund zu stecken: ja mehrmals kam die Mutter dazu, wie die Alte das Kind küßte.

Was an diesen Schilderungen aus der Vor­geschichte so besonders schmerzlich berührt, das ist der Umstand, daß diese drei schweren, zu­meist tödlichen Erkrankungen kleiner Kinder bei einiger Einsicht ihrer Umgebung, bei einigem Wissen um die Krankheitsentstehung hätte ver­mieden werden können. Daß uns in vielen Fällen die Hände gebunden sind im Kampf gegen die Tuberkulose, wissen wir alle: es gibt kider Verhältnisse, die stärker sind als der beste Wille. Daß aber Kinder einfach durch Unwissen und Fahrlässigkeit der Angehörigen der Tuberku­lose zum Opfer fallen, das kann und muß ver­hütet werden, das kann sich unser deutsches Volk mit seiner ständig sinkenden Geburtenziffer heute weniger als je leisten. Es scheint mir eine be­deutungsvolle Aufgabe der Veichsgesund- heitswoche zu sein, hier Wissen und Auf- flärung in weite Kreise zu tragen.

Der Mann, dem es gut schmeck.

Don Emma S t r o p p, Berlin.

Da sitzt er und schmunzelt. Das lecker zuberei­tete Hähnchen ladet zum Mahle, und erwartungs­volle Vorfreude verscheucht alle Unannehmlich­keiten, die Leben und Beruf nun einmal mit sich bringen. Ein angenehmer Zustand, für den Sorge zu tragen Pflicht und Kunst einer klugen Frau ist. Im eigensten Interesse: wissen wir doch alle: Die Liebe des Mannes gehl durch den Magen. Daher sollte jede Ehekandidatin kochen, gut kochen lernen, jede reifere Frau aber ihre Kochkenntnisse ständig erweitern, auf daß sie den Tisch des Hauses st-ets mit überraschend neuen und wohlschmeckenden Gerichten besehen kaum Mit den Iahren wachsen bekanntlich die An­sprüche der gestrengen Eheherren auch in bezug auf die häusliche Küche.

Es ist daher nicht zuviel gesagt, wenn man ein gutes Kochbuch als .Bibel der praktischen Hausfrau" bezeichnet, dient es doch gleichfalls der Liebe und dem Frieden dem ehelichen Frieden. In diesem Sinne als ganz vortrefflich zu bezeichnen ist daS .Illustrierte Kochbuch" von Lina M orgenftern, das soeben in der 10. Auf­lage, neu bearbeitet vom Küchenmeister W. Richter im Verlag Heinrich Killrnger, Aordyausen. er­schienen ist. (Preis in Ganzleinen gebunden 14 Mk.)

Mit ihm ist der Frauenwelt ein überaus wertvoller und zuverlässiger Ratgeber geschenkt,

Was zu wissen not tut. läßt sich in einigen wenigen Sätzen sagen: 3c jünger dein Kind :rt, um lo ängstlicher mußt du es vor Tuberkulose schützen. In der tuberhilöcn Umgebung birgt sich die Gefahr. nicht im Stammbaum: nicht dadurch ist dein Kind gefährdet, daß lange vor seiner Geburt Großeltern. Tanten oder andere Anver­wandte an Tuberkulose zugrunde gegangen sind, sondern dadurch, daß hustende oder spuckende Tuberkulöse iWohnungsgenossen, Dlenstfersonal, Freunde des Hauses) mit ihm in Berührung kommen.

Hinter der Rück'iht auf die Gesundheit dei­nes Kindes haben alle anderen Rücksichten zu­rückzustehen: bringe im Votfall den Mut auf. verdäch tigen Tuberkulö'en den Verkehr mit dem Kind zu untersagen. Ihre Kränkung ist, so leid sie dir tut. immer noch weniger schlimm als die Erkrankung deines Kindes.

Mode und Modebttder aus der Dergangr. heit.

Mode bedeutet uns heute ständigen Wechsel. Verschiedenartigkeit, Wandlungen im Lauf kür­zester Zeiträume. In solchem Sinne kann man noch nicht von einer mittelalterlichenMode" sprechen. Die Grundformen, die zum Teil noch auf altrömische Tracht zurückgingen, blieben durch Iahrhunderto bestehen und nur in Einzelheiten, wie etwa hinsichtlich der wechselvollen Länge und Weite der Aermel, zeinten sich Veränderun­gen. Ein ganz anderes Bild bietet sich beim Beginn der neueren Zeit, besonders in dem an Moden ungewöhnlich reichen 15. Iahrhundert. Bezeichnenderweise macht sich damals schon die Bedeutung Frankreichs auf dem Gebiet der Mode, wenn auch noch in schwacher Form be­merkbar. und in der prachtliebenden Königin Isabean von Frankreich, einer bayerischen Prin­zessin, sehen wir um 1400 eine Modelönigin von bestimmendem Einfluß. Die Kunst hat um jene Zeit einen Blick bekommen für alle Aeußer- lichkeiten des bunten Daseins: es ist die Zeit, wo auf den Heiligenbildern die weltlichen Zuschauer überhand nehmen, und wo durch Holzschnitt- und Kupsersticher irndung die moderne Illustration be­ginnt. So haben wir denn Modeschilderungen in überreicher Auswahl die Stiche Isaak van Meckenems z. B. mit den oft so grotesken deut­schen Trachten, den Schnabelschuhen und den bizarrsten Hauben, die Frauen wohl je getragen haben. In Italien gibt um 1490 der Florentiner Ghirlandajo in seinen Fresken die schöne, von jeder Uebertreibung ferne Kleidung der blonden Patrizierinnen in allen Einzelheiten wieder, die vollkommenstenMvdebilder", die fich denken lassen.

In der Hoch- und Spätrenaissance wird mit wachsendem Interesse den Kostümen der ver­schiedenen Länder nachgegangen. Dürer und Hol­bein halten in ihren Skizzenbüchern die Er­scheinungen ihrer Zeitgenossen fest: namentlich sind Holbeins Baslerinnen in jener schweren Re­naissancetracht. die man gewöhnlich alsalt­deutsch" bezeichnet, bekannt geworden. Bald dar­aus entstehen Trachtenbücher, die mehr hand­werksmäßig, ohne großen künstlerischen Ehrgeiz getreu die Trachten wiedergeben. So erscheinen um 1580 in Dürnberg die Bücher von Ivst Amann, unter denen eines den vielversprechenden Titel führt:3m Frawenzirnmer wird vermeld von allerleh schönen Kleidungen und Trachten der Weiber", worin wir dann z. D.die erbaren 3ungfratoen sehen können,wann sie zur Hoch­zeit gehen in Leipzig" und andere städtische Schönheiten in steifen Röcken, zugeknöpft bis zum Kinn, mit Halskrausen und hauswirtschaftlich wirkenden Schürzen über den Besuchskleidern. Gleichzeitig überliefert der Italiener Cesare Vecellio die stattlichen Edelfrauen, Bürgerinnen, Kurtisanen und Bäuerinnen seiner Heimat der Vachwelt, bei deren Trachten es ausfällt, wie sie sich noch eine gewisse Freiheit gegenüber der damals allmächtigen spanischen Mode bewahrten. Letztere in ihrer Steifheit und in ihrer Vorliebe für düstere Farben erschöpft im folgenden Iahr­hundert in den ungeheuren Reifröcken der spa­nischen Fürstinnen ihre letzten Möglichkeiten, um dann endgültig hinter Frankreich zurückzutreten. In Frankreich finden wir in der zweiten Hälfte des 16. Iahrhunderts in Margot, der schönen Tochter der Königin Katharina de Medici doch konnte sie ihrer Vorliebe für beständigen Schriftsteller haben genaue Beschreibungen ihrer Toiletten hinterlassen. Ihre nicht minder rei­zende Schwester Elisabeth, die Gattin Philipps II. von Spanien, vermochte an dem zeremoniösen Hof mit ihrem Geschmack nicht durchzudringen, ein Vorbild der Damenwelt, und zeitgenössische Wechsel dadurch nachgeben, daß sie jedes Kleid nur einmal anlegte. England steht natürlich denn in diesem Werke einer Meisterin hausfrau­lichen Könnens sind die Erfordernisse eines gut- bürgerlichen Haushaltes ebenso ausführlich und gewissenhast behandelt, wie die eines solchen mit höheren Ansprüchen.

Was soll ich kochen? Aus diese tägliche Frage antwortet das Morgensternsche Kochbuch mit unendlicher Mannigfaltigkeit. Eine Anzahl einleitender Aufsätze bringt der Hausfrau viel Wissenswertes über die Einrichtung der modernen Küche, die neuesten kvaft- und zeitersparenden Geräte, über Vahrungsmittellehre und anderes mehr. Es folgt der umfangreiche Rezeptteil. In wohlgegliederter Anordnung werden hier klar und verständlich die Zusammensetzung und Zube­reitung von mehr als 2500 Gerichten, Speisen, Backwerken und Getränken geschildert. Dabei fanden alle Arten des Geschmackes BerücksiwU- gung. In Vord- und Süd-, West- und Ost­deutschland und darüber hinaus kann man die Kochvorschriften Lina Morgensterns verwenden, sie bringen stets das Richtige.

Doch damit nicht genug. Iede Mahlzeit muß eine kleine Feier sein. Deshalb lehrt Lina Mor­genstern, wie man die hausfraulichen Kunst Leistun­gen so anrichtet, daß sie Gaumen und Augen ui gleicher Weise schmeicheln. Sie lehrt, wie man den Tisch deckt und Fleine Festtafeln ruhtet. Aber auch derer ist gedacht, die auf manche, vielleicht viele dieser leckeren Gerichte verzichten müssen. Für sie bietet das KapitelKranken- küche" verständnisvoll einfühlenden Ersatz.

In 549 Abbildungen wird das im Text ®e-

aud> in dieser Hinsicht unter dem Einfluß seiner klagen Elisabeth, der man jedoch Gefallsucht und Eitelteit nicht zu Unrecht nach'agt bei ihrem Tode hinterließ sie nicht weniger als 3000 An­züge!

Das 17. Iahrhundert hat Modeschildercr zuerst in Eallot und in Abraham Bosse, der die niedlichen Lvckei.köpfe der Französinnen aus der Zeil Louis XIII. fo anmutig wiedergibt. Das Vordringen des französischen Einflusses wird immer stärker: dabei sieht man jedoch auS den zahlreiä>en Trachtenbüchern, daß einzelne deutsche Reichsstädte merkwürdig konservativ bleiben und örtliche Eigentümlichkeiten zäh bewahren. So zeichnet Wenzel Hollar in den vierziger Iahren neben der Französin oder Engländerin mit lan­gen Locken und weichem Spitzenkragen über den malerischen Seidengewändern, die Bürg rin auS Frankfurt am Main, die am Mühlsteinkragen und steifen runden Rock ihrer Großmutter immer noch festhält. und selbst noch gegen Ende des Iahrhunderts finden Reisende die Moden in Straßburg oder Augsburg so verwunderlich. ..daß sie nicht zu beschreiben wären". Ein Zeichen, daß man nicht überallä la mode ging, worüber so viel geklagt wurde. Die Höfe freilich starren unverwandt, geblendet nach Versailles, die Mo­den der königlichen Maitreffen sind Gebot. Die Pariser Modekupfer der Brüder Bonnart über­schwemmen Europa mit den Abbildungen der stol­zen, würdevollcm Darocktracht cuiS der Zeit Louis XIV. Das 18. Iahrhundert vollendet den Triumph Frankreichs: alle seine Künstler zeigen solch eingehendes Interesse für die an Stoffen, Zieraten und lichten Farben überreiche Tracht des Rokoko, daß ihre Portraits und Genrebilder zugleich auch immer Modevorlagen abgeben könnten, von Watteau cm bis zu dem graziösen Illustrator der späteren Iahrzehnte, Moreau le jeune. Unter Marie Antoinette erreicht der Modestich einen Höhepunkt. Sie selbst war dauernd bestrebt, durch neue Erfindungen zu glänzen und brachte es darin so weit, daß ihre Mutter, Maria Theresia, ihr Bildnis zurück­schickte mit der Bemerkung, es läge eine Ver­wechslung vor,anstatt der Königin sand ich den Aufputz einer Operntänzerin'. In dieser Zeit scheint in Paris die künstlerisch hochwertige Galerie des Modes": ferner die ersten eigent­lichen Modezeitungen: in Paris dasIournal des Dames", in London dieGcllery of fashion", in Weimar dasIournal des Luxus und der Moden". Unter den deutschen Trachten und <3lt- tenfd)iIberern ist Ehodowiecki der bekannteste ge­worden.

Im 19. Jahrhundert bleibt das Modebild noch eine zeitlang auf seiner alten Höhe, nament­lich in der Wiener Modenzeitung und in den zar­ten Schöpfungen Gavamis. Dann aber folgt ein bedauerlicher Verfall: das Modebild wird scha- blvnenhaft vergröbert, wird langweilig, unkünft- lerisch. Erst in neuester Zeil beginnt mit der allgemeinen Hebung des Kunstgewerbes ein Wandel zum Besseren. Reben die eigentliche Modezeichnung, der sich wieder wirkliche Künstler zuwenden, tritt neuerdings immer häufiger die Photographie, die, wenn bildhaft aufgefaht, auch vom ästhetischen Standpimkt aus befriedigen tarnt.

Ratschläge zur Pflege und Erziehung des Schulkindes.

Dein Schulkind wecke des Morgens eine Stunde, bevor es sich auf den Schulweg machen muß. Rasch steht es auf.

Es wäscht sich gründlich mit Wasser und Seife von oben bis unten und trocknet sich tüchtig ab.

sollen die Zähne gesund bleiben, so müssen sie jeden Tag mit der Zahnbürste geputzt wer­den: dann ist der Mund zu spülen.

Die Haare werden tüchtig gebürstet und ge­kämmt.

Die Sechsjährigen muht du wohl noch waschen oder größere Geschwister tun es. Vom 9. Lebens­jahre an etwa müssen die Kinder es allein machen: und müssen die Mädchen sich dann allein die Haare frisieren. Selbständigkeit der Kinder bei den kleinen täglichen Arbeiten ist dir eine Hilfe, den Kindern eine Freude und Erziehung zu umsichtigem, prak­tischem Tun. Hab Geduld, wenn es zuerst langsam geht! W» seine Kinder durch zu vieles Helsen ver­wöhnt, schadet ihnen fürs Leben.

Dein Schulkind seht fich zum Frühstück an den Tisch.

Eine warme Suppe (Mehl-, Milchsuppe usw.) und Brot oder eine Tasse warme Milch, Kakao oder Milchkaffee und Brot schmecken ihm gut.

Nimm dir die Zeit, dich zu deinem Kinde $u setzen und mit ihm zu frühstücken. Erlaube chm nie,

sagte erläutert. Alle einfachen und schwierigen Handgriffe werden in trefflichen Bildern gezeigt, so daß auch die Anfängerin in der Kochkunst sich an die schwierigsten Aufgaben heranwagen kann. 12 farbige Tafeln veranschaulichen das für die Küche benötigte Material. Davon werden die Fleischtafeln Vovizen der Kochkunst von beson­derem Werte sein.

Beim Durchblättern dieses im bildlichen und konkreten Sinne überaus vielseitigen Buches wen­det sich dankbares Erinnern der verdienstvollen Verfasserin Lina Morgenstern zu. Als Begrün­derin der Volksküche (1868), des ersten (Berliner) Hausfrauenvereins (18Z8) und feiner Kochschule zeigte sie sich auf sozialem Gebiete ebenso weit­blickend, wie bei der Heranbildung tüchtiger Haus­frauen. WaS sie in ihrem langen, gesegneten Leben in bet MaNenspeisung, der Kochschulleitung sowie im eigenen Haushalte erprobte, faßt Lina Morgenstern in die Worte Zusammen:Man muh kochen, nicht nur was sättigt, sondern auch was leistungsfähig macht." Ein goldneS Wort, das heute mehr denn je Geltung besitzt. Inzwischen ist unsere Zeit schnellebiger und in mancher Beziehung auch anspruchsvoller geworden. Dieser Tatsache trägt die vorzügliche Veubearbeitung des Kochbuches durch den bekannten Küchen­meister M. Richter Rechnung, sowohl durch die Bekanntgabe schnell und leicht herstellbarer Ge­richte. als auch durch Zubereitungsvorschriften für feine und feinste Küche. Als Einband schuf Professor Hohlwein. München, eine Pracht­leistung: Ein Mann, dem es gut schmeckt. Doll

in nervöser rinft. ohne Frühstück ober mit dem Bunerbroi in öcr Hand zur Schule zu laufen. Achte auch darauf, daß es vor der Schule dos Klosett auf­such:. Solche Gewohnheit reqeli die Verdauung am besten. Du mußt beinern ,inde von vori.herein sagen, baß es das Klosett m der Schule nur in Ausnahmesällen benugt

Dein Schulkind nimmt sein zweites Früh­stück (am besten 'Butterbrot und Obst) einge- wickelt in Empsana unb geh?

Die Sechsjährigen haft du wohl noch nach dem Taschentuch gefragt. An den rechtzeitigen Gebrauch sind sie bereits vor der Schulzen gewohnt. Er­leichtere ihnen das regelmäßige Miiuehmen durch eine Tasche in jebem Kleid oder in jeder Hose. So­bald dein Schulkind fort ist, öffnest du (bei ledem Wetter» die -"yenftcr in der Wohnung, machst nach Möglichkeit Durchzug, schüttelst die Betten, läßt sie auslüften und räumst die Wohnung auf. Gelüstete Räume Heizen sich leichter als ungel. stete. Erleich­tere deinen .Kindern die Gewöhuung an Ordnung und Sauberkeit auch baburd), daß du ihnen in der Wohnung einen festen Plag gibst für ihre Spiel- und Schulsachen, daß du ihre Kleider und Wäsche heil und sauber am bestimmten Platz verwahrst. Wenn du nur das Nötige ansd asstt, kannst du auch die enge Wohnung ioh.wlich gestalten.

Dein Schulkind 'ommt hungrig aus der Schule. Die Schulbücher legt es auf ihren Platz. Es wäscht sich die Hönde und setzt sich an den Tisch auf feinen Plag.

Du hast dafür gesorgt, dost jeder Lössel, Gabel unb Schüssel für sich hat. Du teilst das warme Esten aus. Achte auf langsames Essen, gutes Kauen. Gib einfache, schmackhafte, gemischte Kost.

Eine Mutter, die ihren Kindern zu Mittag ans Deguemlichkeit Kaffee und Semmeln gibt, begeht ein Unrecht, bas nicht wieder gutzumachen ist und erspart auch nichts: denn Kaffee und Semmeln find nicht billiger als ein warmes Mittagesten. Gewöhne schon die Kleinen daran, alles zu essen, was du ihnen vorsetzt. Laß sie nie Brot ober Obst vor Tisch essen. Liebe Mutter, ob du ahnst, wie schädlich das Esten zwischen den Mahlzeiten ist, welch böse Fol­gen das Naschen von Süßigkeiten für Zähne, Magen unb Verdauung deines Kindes hat? Obst ist besser und gesünder als Süßigkeiten.

Dein Schulkind spielt fröhlich nach dem Essen, bei gutem Wetter, auch im Winter, draußen. Wie genießt das Kind nach dem Still- sitzen in der Schule die Bewegung in frischer Lust.

Laß die größeren Kinder fich täglich im Hause oder auf Botengängen nützlich machen, gib ihnen von Jahr zu Jahr mehr Pflichten. Schaff ihnen aber stets Zeit, Platz und Ruhe für ihre Schularbeiten. Unterbrich sie nicht beim Arbeiten und dulde keine Störung von Geschwistern unb Kameraden. Setzt du dich mit deiner Flick- ober Näharbeit zu ihnen, so ist am besten für Ruhe unb Ordnung gesorgt. Eine Mutter, die mit Nachbarinnen lange Unterhal­tungen pflegt, während die Kinder bei den Schul- arbeiten sitzen, hat nicht darüber nachgedacht, wie schädlich halb verstandene Gespräche der Erwachse­nen für Kinder sind.

Dein Schulkind legt die Bücher für den nächsten Tag bereit, nimmt sein Aden dessen ein, zieht sich aus, wäscht den ganzen Körper, putzt die Zähne, schlüpft in bas Nachtkleid unb legt sich ins Bett.

Zum Abendessen gib warme Milch, Buttermilch oder Saftwasser zum Butterbrot. Fast das Wich­tigste für die Körperpflege ist vor dem Zubettgehen das gründliche Waschen des ganzen Körpers und das Zähneputzen. Halte im Winter warmes Master bereit. Einmal in der Woche, Samstags, wäschst du deinem Kinde den Kopf und trocknest den Mäd­chen sorgsam die Haare mit warmen Tüchern am Ofen. Dann brauchst du Erkältungskrankheiten durch Kopfwäsche nicht zu fürchten. Denselben Abend beschneidest du die Nägel an Händen und Füßen. Feuchte Strümpfe, feuchte Wäsche und nasse Schuhe trocknest du: die übrige Tageskleidung dünstet während der Nacht aus. Keinesfalls soll ein Stück davon nachts andehallen werden. Bedenke, daß dein Schulkind bis zum 11. Lebensjahre all­nächtlich 11 Stunden Schlaf nötig hat. In keinem Raum hält es sich solange auf, wie in der Schlaf­stube. Wähle deshalb den besten Raum (Sonnen­seite) der Wohnung als Schlafstube.

Sorge für ein sauberes Bett für jedes Kind. Kannst du das nicht, so laß zwei Kinder in einem Bette schlafen^ nicht Kinder und Erwachsene zu fammen. Der Mutter, die nach unseren Ratschlägen ihre Kinder pflegt, können körperliche Veränderun­gen (beginnende Rückgratsoerbiegung, Ausschlag, Frost, Wunden usw.) nicht entgehen. Rechtzeitig kann sie den Arzt benachrichtigen und ihr Kind vor Krankheit unb Schmerz behüten.

Mutter, wenn du unermüdlich dein Kind pflegst unb erziehst, lebst du ihm und dir zur Freude! Versuche es!

unb ganz sieht man ihm ein Wohlbehagen an, das jede Hausfrau ihrem Gatten zu verschaffen vermag, wenn sie Lina Morgensterns illustriertes Kochbuch zu Rate zieht.-'Ihrem Gemahl zu Ge­fallen, aber auch aus Klugheit, denn die Wünsche feiner Eheliebsten zu erfüllen wird stets geneigt sein ein Mann, dem es gut schmeckt. 215

Für den Bücherlich der Frau.

Ein Tag aus dem Leben der Wohl­fahrtspflegerin. Bon Dr. Margarete Dyck und Hedwig (Stiebe. 135 eiten -P. Verlag für Kulturpolitik, Berlin 1926. Dieses Buch ist ein erster Versuch, die mannigfachen Bestrebun­gen der Wohlfahrtspflege darzulegen, au zeigen, was der Beruf bedeutet, welche menschlichen und seelischen Qualitäten eine Wohlfahrtspflegerin mitbringen muß. auf welchen Wegen sie sich für ihr Amt ausbildet, welche Aussichten dieser Beruf bietet, wie er den Menschen erfüllt und in Anspruch nimmt Zwei bewährte Wohlfahrts- Pflegerinnen haben diese Fragen beantwortet, in­dem sie. wie der Titel lagt, den Leser einen Arbeitstag miterleben lassen, und zwar sowohl einen Arbeitstag in der Schule die AuSbtl- dung wie den Arbeitstag derpraktizieren­den", beamteten Wohllahrtspflegerin.Das Ganze ist lebendig aus mitschafsender Berufstätig keck und reicher Erfahrung geschrieben, anschaulich, unverblümt, fesselnd, belehreick) und unterhaltend zugleich. 200