e Die Tolle Herzogin
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Die tolle Herzogin.
Roman von Ernst Klein.
Copyright by Carl Duncker. Verlag. Berlin.
46. Fortjegung ’Jladjörurf verbalen
„Haben Sie in den Fächern des Portugiesen erwas von Bedeutung gesunden?"
„Private Korrespondenzen, die für unseren Fall nicht weiter von Interesse sind. Aber ich bin noch nicht ganz zu Ende, Sir Walter. Am andern Morgen schickte ich meinen getreuen Ibrahim mit dem Dokumente nach Ostende, wohin ich nachkommen wollte, sobald ich die Neugierde der Behörde gestillt hatte. Leider machte mir am nächsten Abend ein Sandsack einen Strich durch die Rechnung. Anstatt nach Ostende kam ich ins Hospital, und Ibrahim, der allein nicht weiter wußte, telegraphierte händeringend um Madame Läonie, die von da ab mit ungewohnter Ueberlegenheil die Leitung der Angelegenheit übernahm. Sie brachte mich aus dem Hospital heraus und hierher. Sie überwachte Sie an Bord, Sir Wolter, und sie war es, die der Frau Herzogin die Botschaft auf der Zigarette sandte."
Sir Walter wiegte in stiller Billigung den Kopf.
„Hm — meine Anerkennung! Saßen Sie im Saale, gnädige Frau?"
„Selbstverständlich."
„Aber ich habe Sie nicht bemerkt."
„Das ist kein Zeichen für Ihren guten Geschmack, Sir Walter. Herr Wood würde mich sofort bemerkt haben."
Nachdem sie diesen Giftpfeil auf Sir Walter, nein — auf Gloria abgeschossen, begann sie mit großer Hingebung eine glacierte Maroni zu knabbern.
„Ich gebe ohne weiteres zu," sagte Sir Walter, „daß Herr Wood mir bedeutend überlegen ist. Die Frau Herzogin wird sich erinnern, was ich ihr noch an Bord des Schiffes sagte. Nur eines erscheint mir als ein Fehler, Herr Wood! Warum schossen Sie —
warum ließen Sie nicht die Herzogin von Sainsbury schießen? Das wäre doch für Sie viel bequemer gewesen?"
„Hm — erstens wußte ich, daß die Herzogin ihn nicht treffen würde--und zweitens — — Sir
Walter —" und James Wood richtete sich langsam auf, sah Gloria an, dann ihn —--„wäre es
Ihnen lieber gewesen, die Herzogin von Sainsbury als Mörderin zu verhaften?"
„Verdammt", schrie Sir Walter. „Von dieser Seite habe ich die Angelegenheit noch gar nicht betrachtet. Das wird der triftigste Grund sein, mit dem ich meinem nach Gebühr bewunderten Onkel auf den Leib rücken werde. Und er wird ihn billigen, denn er weiß ebenso wie ich zu schätzen, was das heißt: ein Gentleman. Herr James Wood, ich bitte um die Ehre, Ihre Hand schütteln zu dürfen."
„Gott, wie rührend!" flötete Madame Löonie und verdrehte spitzbübisch die Augen. „Und wo bleibe ich, Sir Walter?"
„Sie, gnädige Frau?" Sir Walter nahm eine schnelle Generalinspektion ihrer bezaubernden kleinen Person vor. „Sie erlaube ich mir zu einem fach, männischen Besuche des Spielsaales einzuladen und bitte Sie, dort mit mir diese hier begonnene Champagnerorgie fortzusetzen. Scotland Pard erweist sich einmal nobel und zahlt."
Die Damen waren sofort bereit. Sir Walter warf sich zum Ritter LSonies auf und half ihr in ihre Montilla. James Wood legte Gloria den Hermelinmantel um, langsam, bedächtig, jedes Zehntel dieser Sekunde auskostend. Die beiden andern engagierten sich Hals über Kopf in eine formidable Wortschlacht und sahen nichts, hörten nichts.
James Wood stand hinter Gloria und wie er ihr das weiche, seidengefütterte Fell über die Schultern legte, zog er sie leise an sich heran. Und sie, die Stolze, Hochfahrende, ließ sich ziehen, bis sie ganz an seiner Brust lag. An ihrem Haar den Hauch seines Mundes spürte. Mit dieser einen Bewegung gab sie sich ihm zu eigen.
„Ich liebe dich, Gloria Sainsbury", flüsterte er.
„Und ich werde dich lieben bis an mein Lebensende,"
3 0. Kapitel.
Sie waren noch nicht recht im Spielsaal, als Sir Walter schon bei einem Banko vierzig Louis losgeworden war.
„Unglück im Spiel — —", sagte er und rollte bedeutsame Blicke auf Madame ßSonie.
„Ich bin nicht für eisgraue Sprichwörter", gab diese kühl zurück. „Bei mir muß der Mann spielen — und gewinnen. C’est comme ta, Sir Walter. Wenn Sie so weitermachen, sehe ich schon kommen, daß die International Agency die Spielschulden von Scotland Pard bezahlen muß. Und den Champagner obendrein."
„Wie wäre es, wenn wir in Kompagnie gingen?" schlug Sir Walter vor.
James Wood lachte.
„Was ist da zu lachen?" knurrte Sir Walter und ließ das Monokel funkeln.
„Madame ßSonie — ist eine geschworene Feindin des Hazards. Sie geht nur auf totsicher."
„Stimmt." Und Madame ßSonie äugte ihn mit seltsamem Blick an. „Aber mitunter irre auch ich mich und — verliere. Kommen Sie, Sir Walter!^ Und sie schleifte ihn kopfüber hinein in das Gedränge um den Roulettetisch.
James Wood führte Gloria an einen der Tische vor dem Büfett und dort, mitten im ßärmen, Hasten des Spielsaales erzählte er ihr fein ßeben — unausgeschmückt, ruhig — —
Der Krieg — — die Heimat in Böhmen verloren — Gefangenschaft in Sibirien — Offizier bei Koltschak — Flucht nach Tientsin. Dann von einer Station zur anderen die ostasiatische Küste hinunter bis Singapore. Spielhäuser — Schlimmeres oft--.
Messerstiche — Revolverschüsse — — wilde Romantik, blutige Realistik. Vermögen gewonnen — Vermögen verloren, ßetzte Station Alexandrien. Das letzte Pfund--.
„Sehen Sie, Frau Herzogin, — so ist es--
wenn mich der Neger nicht hinaufgelassen hätte—"
Sie antroorteie nicht.
„Keine besondere Geschichte, die Geschichte so vieler, die im Krieg die Illusion ihres ßebens, ihrer Erziehung, ihres Glaubens verloren haben. Man« cher hat sich hinübergerettet auf den festen Boden bürgerlicher Existenz. Wohl dem, der's konnte. Ich war immer ein Spieler. Bin ein Spieler--und
werde trotz aller guten Vorsätze ein Spieler bleiben."
„Kommen Sie!" sprach sie leise. „Es ist hier so heiß —"
Draußen war das Meer — —. Schwarz, verlassen lag die Digue — nur das Meer war da, das ewige, unvergängliche, erhabene — — Woge an Woge rollte heran, brauste zurück — —. Draußen am verschimmernden Horizont glänzten drei, vier ßeuchttürme — — wie aus einer anderen Welt -----. lieber ihnen Stern an Stern---.
Sie lehnte sich an das Gitter und blickte mit verschleiertem Blick weit hinaus---.
„Und was wollen Sie jetzt beginnen?" fragte sie.
„Da fragen Sie mich zu viel. Vielleicht bleibe ich mit Madame ߀onie zusammen — —"
Em schneller Atemzug hob Glorias Brust —. Ihre Lippen preßten sich zusammen---. Er
lachte.
„Aber — aber! Sie gibt mir Arbeit, gibi mir Verdienst! Ich bin ein Angestellter ihrer Agenrur --. Sehen Sie, Frau Herzogin, als ich den Vertrag Ihres Herrn Vaters in dlL. Hände bekam, dachte ich einen Moment daran: Das""wäre etwas für mich. Wie machte es sich, wenn ich als Belohnung mir eine schöne, anständige Stelle nusbe« hingen würde? So einen Posten draußen — —. Mit viel Arbeit, viel Freiheit — —! Aber dann habe :ch's aufgegeben--ich bin verdorben--
so fünf Jahre die asiatische Küste herunter--ich
bin em Vagabund geworden---"
(Schluß folgt.)
Lichtspielhaus, Bahnhofstr. 34
Ab morgen bis anf weiteres:
Die tolle Herzogin
Personen der Handlung:
Heute zum
Das Mädel von Pontecuculi
Evi Eva
Walter Janson Alfred Gerasch Jack Trevor Heinrich Schroth Henry Bender Louis Brody
Herzogin Gloria Herzog von Burnham Lady Grace Neville, seine Tochter . .
Lord Neville.. Graf Las Valdas Ein Abenteurer Steen berg Der Spielsaaldirektor Ibrahim ........
Nach dem gleichnamigen Boman im Gießener Anzeiger von Ernst Klein. Manuskript und Regie Dr. Willi Wolf.
Ellen Richter
Adolf Klein
Um allen denjenigen, die den Boman \ Im Gießener Anzeiger gelesen haben, Gelegenheit zu geben, den Film zu sehen, bleibt dieses Programm bestimmt 8 Tage auf dem Spielplan. Wegen des zu erwartenden großen Andrangs zu den Abendvorstellungen bitten wir höflichst, nach Möglichkeit die Vorstellungen um 4 und 6 Uhr besuchen zu wollen.
letzten Hal:
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