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oder Klerikale, fanden vielfach, was sie mit sicherem Instinkt suchten. Sie sind also zufrieden. Ob die nun von ihnen geführte, von ihnen benutzte, gebrauchte Menge auch auf ihre Kosten kommt, das ist Neben­sache. Wenn sie einmal murren oder grollen sollte, hat man wieder Möglichkeiten genug, sie zu be­ruhigen und keimende Opposition zu dämpfen.

All das gab Frankreich einzigartige Chancen in Elsaß-Lochringen. Mit diesen Elementen, deren ganze Lebensinstinkte sie nach der französischen Seite zog, arbeitete die Regietung; ihrer bediente sie sich, um Nebel über das Land zu legen, um künstliche öffentliche Meinung zu schassen, um Suggestion zu erzeugen, und unsere Heimat bietet ein Schulbeispiel dafür, was schließlich da doch ausgerichtet werden kann. Man konnte es den Franzosen wirklich nicht so übel nehmen, wenn sie sich für berechtigt glaubten, daß Elsaß und das deutschsprachige Lothringen wie Departements des Innern zu behandeln, und die Tatsache, daß es sich um asten deutschen Volks- und Kusturboden handelt, einfach zu ignorieren. Bour­geoise, intellektuelle, politische Streuer wiesen ihnen dazu den Weg, und das traurigste dabei war in die­sen Jahren, daß man sich nicht entblödete, die einstige autonomistische Bergangenheil glatt zu verleugnen oder um mildernde Umstände für sie zu plädieren: Die Autonomie hätte die einzige Möglichkeit geboten, sich vor der Germanisation zu schützen.

Es ist also das geistige Elsaß daran schuld, daß Frankreich so naiv und so brutal darangehen konnte, mit all den in Schulen und allen öffentlichen Insti­tutionen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln das deutsche angestammte Kulturerbe systematisch zu vernichten. Die Ergebniffe dieser Kampagne in der Schule liegen jetzt vor. Die Verwüstung ist eine er­schreckende Tatsache, von der man sich zur Stunde auch offen Rechenschaft gibt. Wohl verstehen sich be­sonders die Kinder der städtischen Schulen ziemlich auf das französische Plappern, es werden wunder­volle Fortschritte im französischen Unterricht fest- acstellt, Poincare hat in Präparandenschulen junge Leute gesehen,die mit erstaunlicher Tiefe über Werke französischer Schriftsteller dissertierten,rüh­rend" der Franzose ist immer gerührt war ihm ganz besonders derheilige Eifer, der bald in einem Wort, bald in der Betonung zum Ausdruck kam". Aber zu gleicher Zeit konstatiert die Straßburger Handwerkskammer, daß das sachliche Wissen der Schüler bei der Gesellenprüfung mehr als minimal ist, mehr als 50 Prozent haben ein ungenügendes Wissen, sie können sieh weder auf deutsch noch auf französisch über die Sachen, die sie praktisch be­herrschen, ausdrücken. Nur der Dialekt steht ihnen noch zu Gebote, keine Bildungssprache mehr. Daher sind die Kenntnisse im Rechnen, in der Geographie, in der Bürgerkunde durchschnittlich ungenügend. Der theoretische Teil bei den Gesellenprüfungen muß in­folgedessen völlig ausfallen . . .Nur noch in Aus­nahmefällen wird den Elsässern Meisterschaft im Handwerk möglich sein."

Das ist deutlich. Aber auch Poincare scheint eine Ahnung bekommen zu haben von dem Ernst der Situation. Durch die blumigen Phrasen schimmert doch etwas von Sorge. Es wird dekretiert:Beim Verlassen der Schule sollen die Kinder fließend hoch­deutsch^ sprechen und schreiben." Das soll ein Wort sein! Aber leider ist französisch daß alles nur beim Wort bleibt.

Indes es laßt sich nicht leugnen: Die franzö­sische Regierung hat es seit einiger Zeit doch für nötig gehalten, nach dem Rechten zu sehen. Was hat sie aber zum Aufsehen gemahnt? Das dumpfe Murren und Grollen des Volkes, das Jahre hin­durch keinen Dolmetscher feiner Klagen fand in den zunächst dazu berufenen Parteien oder Kreisen des kommerziellen, industriellen und intellektuellen Bür­gertums. Ausgenommen und weitergeleitet wurde das malaise in erster Linie von dem organisierten einheimischen Beamten- und Lehrerstand. Da war ein geschlossener Block von Söhnen des Landes, die sich mit wachsendem Selbstbewußtsein gegen die Zurücksetzung, Mißachtung, die sie von den ihnen überall gesetzten Herren erfuhren, aufbäumten und für die Erhaltung der ihnen aus der deutschen Zeit überkommenen Beamtenwerte und Beamten­rechte wehrten. Diesen Beamten- und Lehreroer­bänden ist es in erster Linie zu danken, wenn die Entwicklung des Landes nicht zur politisch geistigen Versumpfung führte. Bourgeoisie, Parteiklüngel, . Berufs- und Geschäftspolitik hatten alles getan, um der Stagnation Vorschub zu leisten. Die Bour- l geoisie war die erste Nutznießerin des Systems, und die Parteihäuptlinge waren nur damit beschäftigt, ? nach dem Pariser Wind ihre Segel zu stellen. Was , sie an elsässischen Forderungen anmeldeten, das r taten sie vorwiegend unter dem Druck der Beamten­organisation.

Aber dieser Beamten- und Lehrerblock mußte ja nach außen hin strengstens innerhalb der Grenzen der Berufsfragen bleiben, er konnte nicht direkt in den Gang der öffentlichen Dinge eingreifen, und die, welche er unter Druck setzte, sind schließlich den - schwersten Problemen aus dem Wege gegangen.

Aber die Gährung blieb. Aus diesem Herd der lokalen Verbände heraus erhielt sie stets neue Nah­rung. Diese gährende Unruhe mußte einmal elemen­tar durchbrechen, und sie brach durch mit derZ u - tun ft". Ihr Erfolg zeigt, daß die Zeit erfüllt war.

DieseZukunft", und erst recht in ihrer organi­sierten Form des Heimatbundes, hatte von vornherein alles gegen fick, was noch Herkommen die politische Führerrolle für sich beansprucht, also die Bourgeoisie, die entsprechend der Struktur des französischen Staates wieder politische Morgenluft witterte, und alle Parteien, die sich in ihrem Be­stand bedroht sahen durch eine solche überparteiliche, rein völkisch-heimatlich eingestellte Bewegung. Alles klafft ob des Druckes, der von den Leuten aus­geht, die das Banner Heimat- und Volksrechte ent­rollten, auseinander. Die Arbeiterpartei ist hoffnungslos zerrissen, da der kommunistische Flügel der schärfste Widersacher der bourgeoismäßigen, opportunistischen, sozialistischen Politik ist und mit um lautesten in die autonomistische Trompete bläst. Die radikale Partei, die der bürgerlichen Linken das parteipolitische Dach gewährt, ist ganz entzwei, und in der k l e r i f a I e n wogt es so durch­einander, daß man eigentlich kaum mehr weiß was dort jeweils oben auf ist. Die bisherige imponie­rende Geschlossenheit des politischen Kacholizismus ist nicht mehr infolge des Eindringens diesesGif- les" des Heimat- und Dolksaedankens. Darum muß das Gift wieder hinaus, und zwar schon aus rein kirchlichen Gründen: denn die katholische politische Partei wird durch diese innere Gespaltenheit als Organ für die katholisch kirchlichen Interessen un­tauglich. Darum erklärt der Bischof der Heimatbe- wcgung den Krieg und ruft die Geistlichen, die darin stehen, zur Ordnung. Durch Herausziehen der Offi­ziere aus der Front will man diese zum Zusammen­brechen bringen. Bleibt dann noch als unsichtbare Gegnerschaft die zähe Masse derer, die nichts als Ruhe wollen.

Was kann bei so viel Feinden, die im eigenen Lande der Ide« der moralischen Autonomie Elsaß-

Lochringens einstmals war ein Ekkard wärmster Verfechter dieser Idee erstanden sind, diese für eine Zukunft haben?

Auf diese offenen und stillen Widersacher im eigenen Hause verläßt sich heute Frankreich in erster Linie; es hat alles Interesse, nut noch mehr Scheidewasser in das Volk hineinträufeln zu lassen. Es meint: Ein in sich zerrissenes, mit sich selbst im Kampfe liegendes Äsaß kann letztlich der Aus­saugung durch das französische Genie nicht entgehen. Aber Frankreich könnte sich am Ende dach irren, soviel Bundesgenossen es in der elsaß-lothringischen Festung auch hat. Zu tief ist der Gedanke der Un­natur Dieter von den Franzosen bisher betriebenen Zwangsasiimilation ins Gemembewuhtsein Überge­gangen. Zu sehr steht man in der Masse des werk­tätigen Volkes und jetzt allmählich auch in einem Teil der jungen Intellektuellen unter dem nieder- schlagenden Eindruck von dem katastrophalen Ab- f int en ganzer Schichten unter die Kultur- und Bil­dungshöhe, zu sehr hat heute das elsässische Volk um sich herum die Vorbilder von Nationolstäten und Nationalitätssplittern, die alle im Kampfe stehen zur Wahrung ihrer Volks- und Kulturrechte. Sollte man denn jämmerlicher fein als irgendeine dieser Volksgemeinschaften in einem europäischen Winkel? Wenn sie also ihren Mann stehen, sollte sich die elsässische Rasse nicht auch Treue zu sich selbst schuldig sein? Man hat erst angefangen, die Schicksalsge- meinschast mit all diesen Völkern, die ihre Persön­lichkeit in fremden Staaten wahren wollen, zu empfinden. Die Idee der nationalen Minderheit hat in Elsaß-Lothringen kaum erst die Oberfläche der Volksseele berührt. Wenn sie mal in die Tiefe bringt und das ganze Volksbewuhtsein aufrüttelt, so kann sie auch da noch einen Strom entfesseln, der das heute noch Widerstrebende oder gar schon Ent­wurzelte mit sich fortreißt. Jeder Mensch, jedes Volk ist das, was es aus sich macht. Das elsässische Volk zeige, was in ihm ist, und was es aus sich zu machen willens ist.

Die Koaliftonspo itik des Zentrums.

Eine Rede Steflcrtvalds.

Osterfeld. 19. Rov. (£11.) Hier sprach in einer Versammlung der Zentrumspartri Mi­nisterpräsident a. D. Dr. Stegerwald über: Das Zentrum und die deutsche Polit k." Der Redner beschäftigte sich eingehend mit d:r Frage der Erweiterung der Aegierungs- koalition. Der Reichstag habe zu entscheiden, ob er lediglich fortwursteln oder ob er Taten sehen wolle. Will der Reichstag weiter wursteln, so führte Stegerwald aus, dann genügt die gegenwärtige M nderheitsregierung, will er aber Politik machen, dann muh baldigst eine Aegierungsverbreiterung vorgenonr.nc.r wer­den. Einer Aegierungsderbreiterung ab:: stehen große Hindernisse entgegen. Die Hindernisfe nach links liegen darin, dah die Sozialdemokratie der Deutschen Dolkspartei und die Deutsche Delks- Partei der Sozialdemokratie nicht traut. Die Schwierigkeiten nach links bestehen weiter darin, dah in der Sozialdemokratie ein großer Flügel vorhanden ist, der sich um die Derant- wortungherumdrücken möchte, so im Hin­blick auf die Derabschiedung des Arbeitslosen- Versicherungsgesetzes und des Arbeiterschuh­gesetzes.

Gegen eine Verbreiterung nach rechts be­stehen im Zentrumslager die größten Deden- len, weil bei der Rechtskoalition die Anhänger der monarchistischen Staatsform innerhalb der Koalition in der Mehrheit sind und weil starke Kräfte in den Rechtsparteien immer noch nach der alten privilegierten Äastenherrfchaft streben, und 'babei von einem grohen Kreis der höhe­ren Beamten, die ebenfalls rechts stehen, nach­drücklichst unterstützt werden.

Als seine persönliche Meinung erklärte Steger- wald, dah wir über den Winter nicht mehr mit einer Minderhritsregierung hinübeckommen könnten. Ob die Zentrumspariei künftig mehr mit rechts oder mit links arbeiten müsse, hänge größtenteils von dem Verhalten der Sozial­demokratie ab. Zum Schluß feiner Rede erörterte Stegerwald die Ausgaben während des Win­ters. Er nannte als die drei Hauptaufgaben den Abschluß weiterer Handelsverträge, die Kräftigung des inneren Marktes durch Steigerung der 'Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft, Erleichterung des Steuerdruck es, aitide Lohnpolitik sowie drit­tens die Fürsorge für die Erwerbslosen, die sich nach der Seite der Arbeitsbeschaffung und nach der Seite der Unterstützung auswirken müsse.

Die Fridericusmarke.

Aus dem Verwaltnrrqsrat der Neichspost.

Berlin, 19. Rov. 3n der Sitzung des Ver­waltungsrats der Reichspost vom 19. Rovember fand neben einer Besprechung des Nachtrags- etats für 1926 eine eingehende Aussprache über die Fridericusmarke statt. Dem Verwaltungs­rat lagen Anträge des sozialdemokratischen Abge­ordneten S t e i n k o p f und des kommunistischen Abgeordneten T o r g l c r vor, die die Ausgabe der Fridericusmarke nicht billigten und deren Zurückziehung forderten. Von den Reichs- tagsabgeordneten M o r a t h (D. Dp.), Körner (5>n.) und Mollath (Wirtsch. Dergg.) wurde die Ausgabe dieser Marke durchaus gebilligt und angesichts der geschichtlichen Größe Friedrichs des Großen betont, dah es sich um eine schone historische Erinnerung handele. Auch Prof. Salomon (Frankfurt a. M.) sah keinen Anlaß zu politischen Erörterungen über diese Marke, deren Ausgabe eine grobe Tat des Ministers sei. Demgegenüber blieben die Abgeordneten Steinkopf und Torgler dabei, daß die Fridericus­marke eine monarchistische Provokation der re­publikanischen Bevölkerung bedeute und Mini­sterialdirektor Ao biS (Preuhen) hätte ge­wünscht, dah die neuen Marken vorher dem Verwaltungsrat vorgelegt worden wären.

Reichspostminister Dr. S t i n g I verteidigte eingehend und ei.tdringlich seine Maßnahme, die im Einvernehmen mit dem Reichs- k u n st w a r t und dem Graphiker Zabel erfolgt sei und bei der er lediglich an die geschicht­liche Gröhe Friedrichs des Großen, aber in teiner Weisö daran gedacht Hobe, daß dieser ein Monarch gewesen fei. Auch Repu­blikaner, wie Staatspräsident H e l l p a ch und Staatssekretär Dr. A b e g g hätten die ge­schichtliche Gröhe Friedrichs anerkannt.

Der sozialdemokratische Antrag aus Miß- billigung der Fridericus-Marke und ihre Zu­rückziehung aus dem Verkehr wurde gegen fünf Stimmen der Sozialdemokraten, Demokraten,

Kommunisten und des Vertreters von Baden a b- gelehnt, ebenso auch ein ähnlicher kommu­nistischer Antrag. Weiter verfielen der Ableh­nung sozialdemokratische Anträge auf Wied e r» einführung des Achtstundentages im Postbetrieb im Interesse der Erwerbslosen und auf Erlaß der Rundfunkgebühren für Erwerbslose.

Die Regierungsbildung in Sachsen.

Dresden, 19. Aov. (TU.) Gestern nach­mittag fanden zwischen den Landtagsparteien, und zwar von den Altsozialisten bis zu den Deutschnationalen, erneute Ver­handlungen über die Regierungsbildung statt. Tie Verhandlungen, die sich bis zum späten Abend hinzogen, führten jedoch zu keinem positiven Ergebnis. Tie Altsozialisten gaben die Erklärung ab, dah es ihren nicht möglich sei, in eine Regierung einzutreten, an der auch die Deutschnationalen beteiligt seien Darauf begannen die Verhandlungen über die Wahl des Ministerpräsidenten.

Arbeiter

und Reichswirtschaftsrat.

Berlin, 19. Rov. (TA.) Die Vertreter des Reichsausschusses we r k s g e m e i n scha f t- licher Verbände wurden dieser Tage vom Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius emp­fangen Die Abordnung wies daraus hin, daß es aus Gründen der Gerechtigkeit unb mit Rück­sicht auf die Re'.chsverfassung unerläßlich sei, daß auch dienichtgewerkfchaftliche Ar­beiterschaft im endgültigen Re.chswirt- schastsrat zu einer Vertretung komme. Don 20 bis 21 Millionen deutscher Arbe tnehmer seien heute nur noch allerhöchstens 5 Millionen bei den Gewerkschaften organisiert. Die werksgemein- schaflliche-wirtschaftsfriedliche Arbeitnehmerbewe­gung sei in ihrer Zusammenfassung bereits erheb­lich stärker als die Hirsch-Dunckerschen Gewerk­schaften

DerBsrgarbsiterkonsiikt in England.

Die Berqarbciterexckutive empfiehlt bezirksweise Abmachungen.

London, 19. Rov. (TA.) Die Bergarbeiter- exekutive hat der heutigen Delegiertenkonferenz der Bergarbeiter empfohlen, mit den Gruben­besitzern bezirksweise Abmachungen zu den bestmöglichen Bedingungen zu treffen. Doch soll kein Bezirk eine endgültige Regelung c.imehmen, bevor nicht eine natio­nale Konferenz obgehallcn worden ist. der Berichte über alle Einzelverhandlungen vorgelegt werden sollen. Die Delegiertenkonferenz nahm dann einen sehr stürmischen Verlauf. Zunächst wurden die Resultate der Abstimmung in den Be­zirken befamitg.geben. Danach haben 460 806 Bergarbeiter gegen die Regierungsvorschläge und 343 200 r die Vorschläge gestimmt. Die Konferenz sah sich zwei Tatsachen gegenüber: aus der einen Seite das negative Abstimmungs­resultat, auf der anderen Seite die weitere Zu­nahme der Arbeitswilligen, und zwar 40 000 innerhalb der letzten 14 Tage. Unter den ge­mäßigten Führern herrscht lebhafte Beunruhigung über die Ausdehnung des kommunisti­schen Elements innerhalb der Gewerkschaften. Die Delegiertenkonferenz wird wahrscheinlich noch heute abmd zu den Vorschlägen der 'Bergarbeiter» exekutive Stellung nehmen.

Der Ausstand auf Java.

Batavia, 19. Rov. (Wolff.) Ein Tele­gramm aus Surakarta meldet, daß 40 'Bewaff­nete um Mitternacht einen Polizeiposten im Innern des Landes angegriffen haben, daß sie aber zurückgeworfen wurden. Einer der Aufständischen wurde gefangen gertonim.n und er­klärte, daß 500 Ausständiiche beabsichtigten, in derselben Rächt eine Polizeikaserne zu überfallen, um 92 Männer zu befreien, die darin gefangen gehalten waren. Lurch die t>on den Be­hörden ergriffenen Maßnahmen wurde der g e- plante Angriff vereitelt. 3n Ljokuja» karta sowie in den westlichen Teilen Javas herrscht Ruhe, doch werden kleine Plänteleie-v zwischen der Polizei und den Aufständischen ge­meldet, tooE-ei ein Mann getötet wurde. Ein Kanonenboot bewacht die Sundastraße, um eine Flucht her Führer des Aufstandes nach Sumatra zu verhindern.

Kunst und Wissenschaft.

Reichsmuseum für Gesellschafts- und Wirkschaf ts- künde in Düsseldorf.

In Düsseldorf fand in Anwefenheit von Der- tretern der Reichs- uni) Staatsregierung sowie der Wirtschaft und des Geisteslebens die Grün­dungsversammlung des Aeichsmuseums für Ge» sellschafts- und Wirtschaftskunde statt. General­direktor Vogler bezeichnete es in feiner De» gnlßungsansprache als den Zweck des neuen Museums, zunächst das wertvollste ^estzuhalten, waK die große Ausstellung Düsseldorf 1926 gebracht habe und darüber hinaus dem Stu­dium der G esel l schaf ts - und Wirt­schaftskunde zu dienen. Ministerialdirektor Dr. Ritter überbrachte die Grüße der Reichs­regierung und der preußischen Staatsregierung. Exzellenz v. Miller (München) gab in einem längeren Vortrag wertvolle Anregungen für die weitere Ausgestaltung des Museums. Hierauf erfolgte die Gründung eines Vereins, her die Erhaltung unb weitere Entwicklung des Museums 8um Ziele Hot.

Wilhelm v. Scholz, Vorsitzender der Dichlerakademie.

Die S e k t i o n f ü r D i ch i k u n st der Akademie der Künste hotte in ihrer konstituierenden Versamm­lung einen Arbeitsausschuß gebildet, der aus Ludwig Fulda, Arno Holz, Georg Kayser, Bern­hard Kellermann, Oskar Loenke, Walter v. Molo und Wilhelm o. Scholz besteht. Der Ausschuß hat zum Präsidenten der Sektion Wilhelm von Scholz, der vor kurzem seinen Wohnsitz vom Bodensee nach Berlin verlegt hatte, und zum Vize­präsidenten Ludwig Fulda gewählt.

Roethes Rachfolger an der Berliner Akademie.

Die Berliner Akademie wählte zum Rach­folger Gustav Roethes für den Poften eines der vier Sekretäre der Akademie den Geheimen Justizrat Professor Dr. Ernst Hey mann, Or­dinarius für deutsches Recht, Handelsrecht und bürgerliches Recht an der Universität Berlin.

Alfred Weder nach Hamburg berufen.

Der Heidelberger Prozessor Alfred Weber hat einen Ruf auf eine neugegrüitbetc Pro­fessur s ü r Soziologie an die Aniversität Hamburg erhalten.

Ein Darmstädter Ehrendoklor.

Die Technische Hochschule hat dem Generaldirektor Bernhard Beyer der Firma Henschel & Sohn, Lokomotivsabrik m Kassel, den Dr. ing. h. c. verliehen.

Aus aller Welt.

Schweres Ersenbahttuuglück in England.

Der Expreßzug DortBristol fuhr am Jteifag an einer Schienenkreuzung auf den letzten Wagen eines aus entgegengesetzter Richtung kom­menden Güierzuges. Der letzte Wagen des Güter­zuges entgleise und riß einen Signahnafl um, ver die Dächer von zwei Wagen des Expreßznges abschlug. Jleun Reisende sind getötet unb acht schwer verletzt worden. Das Hindernis, das von dem Führer des Lxprehzuges anscheinend übersehen worden war. wurde von der Maschine und den ersten drei wagen des Zuges passiert, ohne Scha­den zu nehmen. Die Seitenwände der Wagen sind abgestreift worden, als ob sie mit einem riesigen Mester abgeschnitten worden wären.

Das (Sroßfener in Murren.

Aach neueren Meldungen über ben Brand in Mürren konnte bas Palast Hotel ge­rettet werden. Auch bas Kurhaus ist außer Gefahr. Abgebrannt ftnb bas Hotel©bei- we i h" mit 30 Betten, das Hoteldes Alpes" mit 80 Betten, ein Bazar unZL ein Photo­graphenatelier. Personen wurden nach ben bisherigen Meldungen nicht verletzt. Der Brand in ben umliegenden Wäldern wütete weiter und gefährdete einige Ortschaften. Die Feuer­wehren der Umgebung waren während der Rächt mit der Bekämpfung deS Brandes beschäftigt. Aber erst durch die Regenfälle, die Frei lag ein­setzten, wurden die Waldbrände oberhalb unb unterhalb von Murren gelöscht. Der Föhnwinb hat nachgelassen. Das Feuer ist, wie inzwischen festgestellt wurde, in der Waschküche des HotelsEdelweiß" ausgebrochen. In dem Hotel wohnten nur die Direktoren mit ihren Familien, Die sich alle retten konnten. Die mangelhafte Wasserversorgung trug sehr zur raschen Ausbreitung des Feuers bei. Murren liegt 1650 Meter hoch auf einer Berg» ierrasse über dem Cautecbcunner Tal im Berner Oberland. Es ist durch feine glän ende Aussicht auf das Jungfraumassiv und die umliegenden Gipfel des Berner Oberlandes berühmt unb einer her ältesten Luftkurorte der Schweiz.

Großer Waldbrand am Semmering.

Auf ben Hängen des Stuhleck südlich vom Semmering fingen beim Abbrennen einer Wald, robung bie angrenzenden Waldstücke durch Fun­kenflug Feuer. Infolge des herrschenden Windes griff der Brand auf die ausgedehnten staatlichen Forsten über. Den Feuerwehren aus ben um­liegenden Ortschaften und den mit bet Eisenbahn herbeigehvlten Militärabt ilungen gelang es nur durch angestrengte Arbeit während der ganzen Rächt unb am folgenden Vormittag ben aus­gedehnten Waldbränd einigermaßen einzu­dämmen, hoch war er Freitag mittag noch nicht ganz gelöscht. Große Bestände find ein- geäschert. De Haben läßt sich noch gar nicht abfchätzen. D n umfangreichen Löfcharbeitcn leistete eine i in der Rächt ins Tal gelegte Feldtelcp.. nleitung gute Dienste.

Explosion eines Oeklankschlffes.

In Baltimore ist in bem Trockendocks der Bethlehem Steel Cy. ein Tank des norwegischen OeltankschifseSMantllla" explodiert. 'Das Schiff geriet durch die Explosion in Brand und auch bas Dock und Die benachbarten Gebäude wurden be­schädigt. Es sollen fünfzehn Personen ge­tötet unb 75 verletzt worden fein. Die Ret­tungsarbeiten wurden durch die Gefahr weiterer Explosionen erschwert.

Spiel mit Streichhölzern.

In Edenkoben (Pfalz) bemerkte der Lehrer während des Turnunterrichts, daß aus der H o f en­tasch e eines Schülers der ersten Dolksschulklasse Flammen herausschlugen, die noch rechtzeitig er­stickt werden konnten, bevor sie an die Haut des Knaben gelangten. Es stellte sich heraus, daß der Iunae bengalische Streichhölzer in der Tasche gehabt hatte, die während der turnerischen Ueouna und der dadurch verursachten Reibung sich entzündet hatten.

Ein taubstummer Mörder verhaftet.

Am 12. d. M. wurde in R o st o ck ein Taub­stummer unter dem bringenden Verdacht, den Kaffeehausbesitzer Wilkens im Seebad Ahlbeck erschossen zu haben, icftgenommen. Der Ver­haftete namens Joseph Winkler ist von der Stettiner Polizei an Hand eines am Tatorte gefundenen Fingerabdruckes als Täter festgestellt worden und hat nunmehr ein Ge­ständnis abgelegt.

Das Lastauto im Postamt.

In Hollfeld (Franken) fuhr ein beladenes Lastauto einer Firma aus Kulmoach, das vor einem Gasthofe Halt machte und dessen Motor abgestellt war. als die Führer das Auto verlassen hatten, aus bisher noch nicht aufgeklärte Weise von selbst in gerader Linie die Straße entlang und rannte der­art heftig gegen das Postamt, daß die Wank völlig eingedrückt und ein Postveamtet schwer verletzt wurde. Das Auto mußte schließ­lich von einem anderen Lastauto wieder?, aus dem Postamt herausgeholt werden. Ä

Eine indische Hochzeitsgesellschaft erfrupfen.

In Radjamahendry sind von einer cuislTO Per fönen bestehenden Hochzeitsgesellschaft 5 6 Per­sonen im Godaoarifluß infolge Kenterns eines Dampfbootes ertrunken.

Der Segen des Meeres.

Die Heringssifcherei im nördlichen Ka­nal unb in ber Aorbsee hat biefes Jahr einen ungeheuren Ertrag. Die He.ingsschlrärme sind stellenweise so dicht, bah manche Fisch­kutter nicht in ber Lage sind, ihre Rotzes aus eigener Kraft an Bord zu hissen, sondern fremde Hilfe herbeirufen müssen. >

££ ttervoranssage.

Weitere Abkühlung, wolkig bis aufklarend, nur vereinzelt Niederschläge in Schauern.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 12,3 Grad Celsius, Minimum: 6 Grad Celsius. Nieder­schläge: 0,8 Millimeter. Heutige Morgentempera tur: 6.4' Grad Celsius.