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Pfarrer Mahr, Missionar Laut sprechen für Wahrung der Pietät und Eigenart gegenüber der Baseler Mission.

Pfarrer S t a u b a ch - Watzenborn-Steinberg gab den Rechnungsbericht. Einer Einnahme von 450 Mark steht eine Ausgabe von 179 Mk. gegenüber. Dem Rechner wird Entlastung gewährt.

Missionsinspektor D. Dr. Oehler spricht dann überDas Christentum in den chinesi? sch e n Wirre n". Die drei Weltideen des russi­schen Zarentums, des türkischen Kalifats und des chinesischen Kaisertums sind in den letzten Jahren zusammengebrochen und hinterließen fast überall eine antichristliche Bewegung. Die Ideen sind viel­fach von Christentum und Mission eingeführt wor­den. Das Christentum hatte den nationalen Gedanken geweckt, und. der nationale Haß gegen die Fremden hat sich auf das Christentum übertragen. Die Ge­hilfen der Missionare bekommen den TitelJagd­hunde der Fremden" von der Jugend Chinas. Den verarmten Regierungsschulen stehen die reichen Mis­sionsschulen der Amerikaner gegenüber; dazu kommt der Einfluß des Bolschewismus. England ist für China der Feind, und so wird Rußland der beste Freund Chinas durch den politischen Gegensatz gegen England. Wie dieses offiziell der Vertreter des Christentums, so Rußland der des Antichristentums. Die gebildete Jugend erwartet aber im Buddhismus das Heil; die Schüler- und Studentenunionen haben aber die Macht. Daneben die bolschewistischen Bauern- und Arbeiterbünde, die groß sind in der Verbreitung verleumderischer Lügen gegen tue Christen. Die Kantonregierung, zwar bolschewistisch, hat sich doch frei von Moskau gemacht. Der christ­liche General Feng ist mit seiner Ueberzeugungs- treue dem Christentum sehr wertvoll. Weitherzige, geduldige Lieoe wird bei der Jugend das Vertrauen gewinnen; das Vertrauen der Bevölkerung zu den Missionaren in den Missionsschulen war noch nie so stark. Sie sind, teilweise erweitert, bis auf den letzten Platz besetzt; es galt nur, bei Demonstra- tionen durchzuhatten. Trotz der Unruhen hatte Basel in dem letzten Jahre 600 Heidentaufen: die Saat reift langsam. Die einheimische, von Basel ge­gebene Organisation ist ein gutes Ventil für die dortigen Kirchen. Gemeinsames Leiden bindet Mis­sionare und Gemeinden noch mehr zusammen als das Geld. Der Vortragende, der selbst den Welt­krieg in China erlebte, fand dankbare Zuhörer.

Chinesische Poesie.

hr. Am Dienstagabend sprach Missionsinspektor Dr. Oehler, der erst kürzlich mit dem theologischen Doktortitel ausgezeichnet worden ist, im großen Hör­saal der Universität über chinesische Poesie. Der Redner war selbst während 14 Jahren, von 19061920, in China Missionar, und hat Land und Leute liebgewonnen. Seinem Vortrag legte er eine GedichtsammlungDas Frauenherz" (erschienen bei der Union, Deutsche VerlagLgesellschaft, Stuttgart), zu gründe. Aus der ältesten Dichtung des Shi-king etwa 1000600 vor Christi sind uns noch eine Reihe von Volksliedern erhalten, die heute völlig verachtet werden; Berglieder, Klagelieder der Bräute, ferner ernste Lieder. Konfutius hat sie gesammelt, aber er hat sie ganz anders aufgefaßt und ausgelegt, als sie ursprünglich gemeint waren. Er hat die Liebes­lieder symbolisiert, die den Verkehr der Geschlechter untereinander damals viel freier und natürlicher er­scheinen ließen als heute, wo es überhaupt keine Liebeslieder mehr gibt, da die freie Gattenwahl nicht gestattef ist. Die Kunstpoesie ist streng gebun­den im Reim und Rhythmus. Die bedeutendsten Dichter sind Tu-fu und Li-tei-pe. Ihre Verse haben zunächst. Naturmotive zum Inhalt, besonders die Mondnacht; dann gibt es Herbst- und Abschieds­lieder, ferner Lieder, die das Harren und Sehnen der Menschen zum Ausdruck bringen, Lieder voll Anspielung auf Mythologie und Sage, insbesondere die Sage von dem ,Wirten und der Weberin" und schließlich die sog. Westschloßlieder der verstoßenen, zurückgesetzten Haremsfrauen am kaiserlichen Hof, die nicht 'erwählt waren und in Einsamkeit warten mußten. Die Lieder besingen ihr schweres Schicksal. Eine Nachblüte hat im 12. und 13. Jahrhundert stattgefunden, aber die Dichter dieser Periode lebten nicht mehr in ihren Gedichten. Sie sind feingebil­dete Literaten, Gelehrte, aber (Epigonen. Zum ' Schluß verlas dann der Redner noch verschiedene Dichtungen der Gegenwart, auch solche einer chine-? * fischen Dichterin; wenn auch die Männer das Herz der Frau besser kannten und ihre Gefühle besser ' auszusprechen verstanden haben, als die Frau selbst, so zeugten deren Gedichte doch von einer einzig­artigen Schönheit. Alle Lieder und Gedichte sind trotz ihrer Kürze getragen von einem feinen Duft und einer zarten Poesie, so daß man dem Redner, der eine ganze Fülle dieses hehren Stoffes anschau­lich machte und verlas, dankbar fein muß. Viktor v. Strauß, der erste Deutsche, der sich mit chine­sischer Dichtung abgegeben hat, hat einmal gesagt: Man sieht auch hier, wie das rein Menschliche unter allen Zonen und zu allen Zeiten sich gleich bleibt.

Der Kampf um die Amtsgerichte.

Lad-Nauheim wehrt sich kräftig.

Bad-Nauheim, 19. Oft. Das Gerücht, das von der Zusammenlegung der Amts­gerichte in Friedberg und Bad-Nauheim erst zaghaft, dann aber in den letzten Tagen schon recht deutlich sprach, ist Wirklichkeit geworden. Ein Schreiben des Justizministeriums, das der gestrigen Sitzung unserer Stadt­verordneten vorlag, machte mit den Plänen vertraut, die die Regierung beschäftigen. Es sollen durch das Zusammenlegen der beiden Amts­gerichte Ersparnisse an Beamten ge­macht werden, zu prüfen sei nur, an welchem der beiden Orte bei größter Sparsamkeit die er- forderl'chen neuen Amtsräume am billigsten und vorteilhaftesten gestellt werden könnten. Die Stadtverordneten waren einmütig der Ansicht, daß die internationale Da de st ad t mit ihrem Fremdenverkehr, der das Gericht stark in Anspruch nehme, auf keinen Fall das Amtsgericht entbehren könne; es müsse das ganze Land in einem schlechten Lichte er­scheinen. auch in den Augen des Auslandes, wenn die hier weilenden Fremden bei Inanspruch­nahme des Gerichts nach außerhalb gehen mußten. Aber ganz abgesehen davon, brachten Verwaltung und Stadtverordnete in einstimmig angenommener Entschließung die Meinung zum Ausdruck, daß die Amtsgerichteinbeiden Städten erhalten werden mühten. Bürgermeister Dr. K a h s e r verurteilte die über­triebenen Sparmaßnahmen, die nur geeignet seien, Beunruhigung in unsere Bevölkerung zu tragen, unsere Wirtschaft brauche aber Ruhe. Deig. Notar Stahl, der den Dienstbetrieb an beiden Amts­gerichten genau kennt, halt die Zusammen­legung für gänzlich unmöglich. All­gemein wurde mit deutlicher Schärfe verurteilt, daß der Staat die Städte gewissermaßen

Turnen, Sport und Spiel.

Don der I. Klasse des Ardeiter- Turn- und Sportbundes.

Wieseck I Marburg I 5:4 (2:2).

£ Mit einer beträchtlichen Verzögerung, die vom Platzverein verschuldet war, konnte das Spiel dieser Mannschaften seinen Anfang nehmen. Zu allem Aeberfluh war auch noch der verpflichtete Schiedsrichter ausgeblieben, so dah ein Einheimi­scher das Amt des Unparteiischen übernehmen muhte. Die Wiesecker Mannschaft zeigte ein stark jugendliches Gepräge, außer vier Aktiven wirkten sieben Jugendspieler mit, die aber durchweg ihrer Aufgabe gerecht wurden und recht ansprechende Leistungen zeigten. Die Arbeit im Sturm war zufriedenstellend, die Verteidigung war etwas zu schwach. Marburg verlegte, wie immer, seine Angriffe auf die Flügel, und verstand es bann, immer recht gefährlich zu werden. Unter dielen Umständen glaubte niemand an einen Sieg der Wiesecker, die erste Halbzeit zeigte aber, daß sie den Marburgern völlig gleichwertig waren. Das bis zur Pause erzielte 2:2-Refultat ent­sprach dem Spielverlauf. Das erste Lor erzielten die Marburger, Wieseck konnte bald darauf durch einen Hand-Elfmeter ausgleichen. Rach wechsel­vollem Kamps, der manch schöne Momente brachte, wehrte der Marburger Tormann ab, der ab­prallende Ball wurde vom Wiesecker Halblinken zum zweiten Tor verwandelt. Bald darauf wollte der Wiesecker Tormann eine Flanke abfangen, der verfehlte Ball wurde mühelos eingesandt und damit der Ausgleich abermals hergestellt. Rach der Pause zeigte sich zunächst eine Ueberiegenheit der Gäste, die aber alle Torgelegenheiten ver­paßten oder verschossen. Auf der Wiesecker Seite schoß der Halbrechte zwei sichere Bälle knapp über das Tor. Marburg lieh einen Moment nach, und im Zeitraum von wenigen Minuten hatten die Wiesecker das Resultat auf 4:2 für sich gestellt. Die Freude über diesen Vorsprung dau­erte nicht lange, denn in ebenso kurzer Zeit hatte der nun sehr energisch spielende Marburger Sturm die zwei Tore wieder aufgeholt. Ein un­ruhiger Kopf Marburgs, in dieser Beziehung nicht unbekannt, verursachte eine kurze Störung, das Spiel neigte sich dem Ende zu, jede Partei wollte den Sieg an sich reißen. Ein wegen regel­widrigen Angehens verhängter Elfmeter brachte die Entscheidung, er wurde von Wieseck ver­wandelt. Der Rest des Spiels zeigte kne Mar­burger wieder stärker im Angriff, die aber feine Erfolge damit herausholen konnten. Das Spiel hat gezeigt, dah Wieseck in seinem Nachwuchs eine starke und gute Reserve hat, die aber bis zu Len nächstjährigen Verbandsspielen pfleglich behandelt werden muß.

Lollar 1 Heuchelheim I 3:4.

Zwei alte Rivalen standen sich in Lollar gegenüber. Das vorausgesagte kleine Plus der Heuchelheimer drückt sich auch im erzielten Resul­tat aus. Der geringe Torunterschied zeigt, daß hart um die Entscheidung gerungen wurde und dah sich Lollar mit aller Energie der Niederlage widersetzt hat. Sofort nach dem Anstoß setzte ein lebhaftes Spiel ein, bei dem beide Mannschaften ein recht gutes Zusammenspiel zeigten. Lollar, das etwas hoch spielte, erzielte aus einem Ge­dränge heraus das erste Tor. Kurz darauf konnte der Linksaußen Heuchelheims ausgleichen. Der Kampf um die Führung brachte eine härtere Note in das Spiel. Durch einen Elfer kam Heuchelheim abermals in Vorteil, den Lollar, ebenfalls durch Elfmeter, einholen konnte. 3n der zweiten Halbzeit war das Spiel wieder ru­higer. Jetzt war es aber Lollar, das durch Elf­meter die Führung übernahm, und abermals durch Elfmeter konnte Heuchelheim ausgleichen. Der nun einsetzende scharfe Kamps, der auf beiden Seiten recht gute Leistungen zeitigte, brachte kurz

vor Schluß Heuchelheim das vierte und Sieges­tor. Der Torschütze war der Halbrechte.

Naunheim I Alsfeld I 7:1.

Zu ihrem letzten Derbandsspiel standen sich diese Mannschaften in Naunheim gegenüber. Dah Naunheim Sieger blieb, stand von vornherein fest, ebenso, dah sie auf eigenem Platz ein höheres Resultat erzielen würden. Eine besondere lieber» raschung bringen die obigen Ziffern also nicht. Die einzige und gröhte Ueberraschung ist die, dah es der Als selber Ersten während der ganzen diesjährigen Derbandsspieie versagt blieb, auch nur ein einziges Spiel für sich zu entscheiden, sie konnten lediglich einen einzigen Punkt aus einem unentschieden gebliebenen Spiel für sich buchen.

Damit haben in der ersten Klasse die dies­jährigen Verbandsspiele ihr Ende gesunden.

Das vorge'ehene Gesellschw tssp'el G i e h e n I gegen Dorheim! fand nicht statt, da Dorheim am Sonntag noch ein Verbandsspiel auszutragen hatte.

Wetzlarer Sport.

B. C. 5. L. Niedergirmes 3:0 (0:0).

h. Zum ersten Male seit feinem Bestehen muhte der S. C. Niedergirmes einen Lokal- kamps in der Ligaklasse austragen. Man kann ihm als Neuling das Zeugnis ausstellen, dah er seine Sache recht gut gemacht hat. Dies gilt besonders für sein Spiel der ersten Halbzeit, das er grösstenteils leicht überlegen gestalten konnte. Mit großem Eifer, gepaart mit Schnelligkeit und forschem Draufgehen, lieh er feinen technisch besseren Gegner nicht zur Geltung kommen und hielt das Spiel vor allem durch die guten Leistun­gen seiner Hintermannschaft unentschieden 0:0, hätte aber gleichwohl mit einem Tore im Vor­teil sein können. Erst als ihm nach Seitenwechsel durch eine zu harte Entscheidung des Schieds­richters. der linke Läufer, der bis dahin fehler­los sowohl spielerisch, als auch sportlich gear­beitet hatte, verloren ging, kam der Ballspiel- Club auf und verlegte das Spiel mehr und mehr in des Gegners Hälfte. Ein direkt von Links­außen verwandelter Strafstoh und ein kurzer Schuh des M. St. waren die beiden ersten Tore für die Plahinhaber. In drei nachgespielten Minuten gab der Schiedsrichter noch 2 Elf­meter für den D. E. von denen einer verwandelt wurde. Mit nur zehn Mann kam Niedergirmes nur noch vereinzelt über die Mitte. 3m all­gemeinen war das Spiel nur vor der Halb­zeit interessant. Der Sieger zeigte eine aus­geglichene Leistung mit guter Läuferreihe und erfolgreichem Flügelspiel. Sein Sieg war den Verhältnissen nach verdient. Mit 5 Spielen und 7 Punkten rückt er nunmehr mit einem Spiel weniger auf den zweiten Platz hinter Germania Marburg. Niedergirmes hatte seinen besten Mannschaftstell in der Verteidigung, die aber dadurch, dah der Sturm den Ball nicht lange genug hielt, überlastet wurde. Dieser Ur­sache ist die Niederlage vor allem zuzuschreiben.

Vormittags trat Nredergirmes zweite auf eigenem Platz der Ligareserve des F. C. 05 gegenüber, die, mit nur 10 Mann antretend, dennoch mit 1:0 - gewannen, nach­dem der zehnte Marrn auch noch vor Halbzeit herausgestellt wurde.

Giehen 1900 I. Jugend war zu Gaste bei Riede rg irmes I. Jugend und gewann überlegen mit 5:0.

3.6. Wehlar in die Lahnkrelsliga eingereiht.

Am Samstag abend wurde in der Sitzung des Bezirksvorstandes von Hessen-Hannover der F. C. Wetzlar in die Liga des Lahnkreifes ein* gereiht. Damit erhöht sich der Bestand der Lahnkreisliga zahlenmähig auf 11 Vereine.

gegeneinander aufhetze, um so auf dem Wege des Meistgebots zu feinem Ziele zu kommen durch Abwälzung neuer Lasten (Schaffung der neuen Amtsräume) auf die Städte. Von verschie­denen Rednern wurde daher der Standpunkt vertret en, dah von keiner der Städte dem Staat eine Zusage betreffs Schaffung der Amtsräume (man hat für unsere Stadt vorläufig die Summe von 85 000 Mk. berechnet) gemacht werden dürfe, die Forderung vielmehr klipp und klar abzulehnen sei. Schließlich fand aber doch noch ein Passus mit Mehrheit Annahme, worin zum Ausdruck gebracht wird:Sollte die Zu­sammenlegung der beiden Amtsgerichte nicht zu umgehen sein, dann könne nur Dad-Na u- heim als Sih des Gerichts in Frage kommen, auch wenn der Stadt durch Umgestal­tung und Vergrößerung des derzeitigen Amts- gerichtsgebüudä Kosten auserlegt würden.'' Eine Reihe von Stadtverordneten hatten vor der An­nahme dieses Antrages gewarnt.

Die Klärbeckenfrage, die schvn seit Jahren schwebt und im letzten Sommer wieder zu einemEingesandt-Krieg" in einem Friedberger Blatte geführt hatte, tritt nun in das Stadium ihrer Lösung. Auf Grund eines Beschlusses des Kreisausschusses wurde unserer Stadt die Kon­zession zur Errichtung einer neuen Klär? an läge zwischen Bad-Nauheim und Friedberg erteilt. Es lag ein Antrag vor, der die Be­willigung der Mittel und die Genehmigung &e£ sofortigen Baubeginns forderte. Mit großer Mehrheit wurde der Antrag angenom­men. Die Baukosten belaufen sich nach dem vom städtischen $:cfbauamt aufgestellten Voranschlag auf 266 000 Mk. Hiervon werden 31 200 Mk. als Zuschuß des Arbeitsnachweises und 156 000 Mark als Darlehen aus der produktiven Erwerbslosenfürsorge aufgebracht. Zu decken bleibt noch ein Rest von 78 000 Mk., zu dem aller Voraussicht nach auf Grund einer älteren Ver­pflichtung der Badefiskus einen Teil besteuern wird, zumal das Bad an der modernen hygieni­schen Anlage in erster Linie mit interessiert ist.

Für Herstellungsarbeiten in der Moltkestraße werden 9000 Mk. bewilligt. Gutgeheißen werden die Wirtschaftsrechnungen für den städtischen Neubau Forst haus st raße 24 in Höhe von 77 485 Mk. und für die Wiederherstellung des Waldhauses in Höhe von rund 13 000 Mk.

Lin Protest aus Hungen.

7^ Hungen, 19. Okt. Hat die F'nanznot des Hessischen Staates seiner Zeit zu einem großen Beamtenabbau geführt, so will man, wix es scheint, die Sparmaßnahmen jetzt durch Auf­hebung von Aemtern fortsetzen. Es sind des­halb feit Wochen Erhebungen der Regierung im Gange über eine eventuelle Aufhebung

des Amtsgerichts Hungen. Dies hat Auf­regung nicht nur in Hungen selbst, sondern auch in den zum hiesigen Amtsgerichtsbezirk ge- hörigen Gemeinden hervorgerufen. Aus diesem Grunde fand gestern abend im großen Rathaus­saal hier eine aus allen Schichten der Bevölkerung außerordentlich stark besuchte ' P r 0 t e st 0 e r - s a m m l u n g statt, bei der entschiedener Ein­spruch erhoben wurde gegen eine Aufhebung des hiesigen Amtsgerichtes. Wie von dem Versamm­lungsleiter, Bürgermeister Fendt, und in der folgenden Aussprache in noch überzeugenderer Weise von fachmännischer Seite dargelegt wurde, werde neben der großen Schädigung unserer Geschäftswelt die Ersparnis für den Staat nicht groß genug sein, um eine derartig einschneidende Maßnahme vorzu­nehmen und zu rechtfertigen. Es darf nach den mit den maßgebenden Stellen eingeleiteten Verhand­lungen mit Bestimmtheit angenommen werden, daß unserem Städtchen sein Amtsgericht erhal- t e n bleibt.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

* Lang-Göns, 19. Okt. Am Sonntag be­endete der hiesige Kriegerverein sein dies­jähriges Preisschießen. Den ersten Preis (29 Ringe) erhielt Otto Rudolf, weitere Preis­träger waren Wilh. G ö r l a cb , Otto B i n k, Otto Heikel, Karl Spies, je 28 Ringe, Richard Wiffig, Wilh. Bink, Friedrich Höfer, je 27 Ringe, Heinrich F la ch (26 Ringe), K. S ö h n g e, Hans A l t h a u s , August H e r b e l, August Kra­mer, je 25 Ringe, Heinrich Schöck -Holzheim (24 Ringe), Karl A u tz, Wilhelm Eckhardt, Kon­rad B r ü ck e l, je 23 Ringe.

! I Daubringen, 19. Okt. Der Krie­gerverein hielt am Sonntag das Schluß- schießen seines diesjährigen Preis schie­bens ab. Als beste Schützen kamen heraus: mit dem ersten Preis: Löb er, Fronhausen; zweiten Preis: Johannes Reif, Daubringen; dritten Preis: Wilhelm Walther, Daubringen (Präsident des Vereins) mit je 34 Ringen. Der neu errichtete Schießplatz befindet sich in der alten Sandgrube, ist mit versenkbaren Schei­ben angelegt und ermöglicht es, ohne beson­dere Vorbereitungen ein jährliches Schießen ab­zuhalten.

:: Beuern, 19. Okt, Bei der am Sonntag oorgenommenen Wahl eines Gemeinde­rechners war die Wahlbeteiligung sehr rege. Es beteiligten sich bei rund 690 Wahlberechtigten 520 an der Abstimmung, das sind 75 Prozent. Ungültig waren 22 Stimmen. Don den 10 Kandidaten waren vor der Wahl zwei zurückgetreten. Die höchste Stimmenzahl vereinigte Landwirt Üudw. Stein II.

mit 132 Stimmen auf sich. Dann folgen der Reihe nach Daniel Ludwig Sommerlab, Landwirt, mit 116, Wilhelm Fuhr, Steinhauer, mit 64, Philipp Wilhelm S 0 m m e r l a d , Kriegsbeschädig­ter, mit 54, Heinrich Bell 0 ff II., Kriegsbeschädig- ter, mit 38, Heinrich Koch III., Kriegsbeschädigter, mit 35, Heinrich Kumpf III., Landwirt, mit 33 und Philipp Karl Linden st ruth, Landwirt, mit 26 Stimmen. Zwischen den beiden ersteren, Ludwig Stein II. und Daniel Ludwig Sommerlab, finbet Stichwahl statt, bie am nächsten Sonntag oorgenommen wirb.

* K e I f e l b a ch, 19. Okt. Unter starker Be­teiligung der Einwohnerschaft von hier und aus den Nachbarorten wurde jetzt das Denkmal sürdieGefallenen unsererGemeinde feierlich geweiht. Das Ehrenmal, von Architekt Schmidt, Gießen, stammend, ist mit dem Denk­mal von 1870 71 vereinigt. Architekt Schmidt übergab das Dankes- und Erinnerungszeiel.en an Bürgermeister Weber, der es namens der Ge­meinde in Schutz und Pflege übernahm und in seiner Ansprache dem Architekten und allen hoch­herzigen Förderern bei der Schaffung des Ehren­mals herzlichen Dank sagte. Pfarrer Hof­mann, Londorf, hielt die Weiherede, Schulkinder sagten Gedichte auf, die Vereine ließen Kranz­spenden niederlegen, und der Gesangverein um­rahmte die Feier mit würdigen Gesängen. 3m Tiamen der noch lebenden fünf Veteranen von 1870/71 sprachen die Herren M e i s i n g e r und Schomber, ferner sprachen noch die Herren Becker für den Gesangverein und Dietz für den Turnverein.

t. Reiskirchen, 19. Okt. Nachdem in der Umgegend die Maul- und Klauen­seuche herrschte, hat sie nun and>«auf unser Dorf übergegriffen. Bei einem Landwirt mußten bereits zwei Stück Vieh abgeschlachtet werden. Da die Aussaat noch nicht beendet ist, kommen viele Landwirte mit den Herbstarbeiten, die zwar durch die frühe Ernte wett vorgeschritten waren, nun wieder in Rückstand.

* Lich, 19. Okt. Im GasthausZum Adler" fand die Preisverteilung zum diesjährigen Abschießen des Schützenoereine1913" verbunden mit einem Familienabend statt. Die Be­grüßungsansprache hielt Fr. G 0 n d 0 l p h. Die Würde des Schützenkönigs für 1926'27 erwarb sich Heinrich B r i e g e l. Friedrich G 0 n d 0 l p h , Her­mann S ü ß e l und Ludw. Volz III. wurden In­haber des Schützenkreuzes 1926 27. Beim Preis- schießen errangen Friedrich G 0 n d 0 l p h , Hermann ^rüßel, Ludwig Volz III., Friedrich Trechs« l e r, Karl Schöne, Jakob S ü ß e l, Karl Röhm, Hermann Lemmer, Heinrich B riegel, Her­mann U h r h a n , Heinrich Müller, Wilhelm Kraus, Friedrich Walz, Christian Mix und Karl Schmidt den 1. bis 15. Preis. Ferner ge­langten noch 13 Trostpreise zur Verteilung. Wilhelm Kraus, Hermann Lemmer und Karl Schöne, sowie Heinrich B r i e g e l, Hermann U h r h a n und Ludwig Volz III. wurden je 1 Gruppenpreis zu­erkannt.

# Bellersheim, 19. Okt. Am nächsten Sonntag, unserer Kirchweih, sollen untere neuen Kirchenglocken eingeweiht wer­den. Seit der Glockenablieferung bestand unser Geläute seither noch aus zwei Glocken, wozu nun die beiden neuen hinzugekommen find, von denen die größte das ansehnliche Gewicht von 28 Ztr. aufweist.

Kreis Friedberg.

'Friedberg, 19. Oft. Die Handels­kammer in Friedberg hat sich nun auch entschlossen, dem Beispiele anderer Kammern zu folgen und Prüfungen für Geschäfts- stenographen abzuhalten. Die erste Prüfung findet am Sonntag, 28. November, statt, und zwar für Prüflinge aus den Kreisen Fried­berg, Büdingen und Schotten. Da die Relchs- kurzschrift nun amtlich überall eingeführt wird, werden in der Abteilung 150 Silben nur noch Bewerber in der Reichskurzschrist zugelassen, während in den Abteilungen 180 Silben und höher auch nach anderen Systemen geschrieben werden darf. Da die Geschäftswelt immer mehr Wert auf das amtliche Zeugnis von Geschäfts- stenographen legt, ist zu erwarten, daß recht viele junge Kaufleute und Beamte in Erkennt­nis der Wichtigkeit sich an der Prüfung be­teiligen werden.

B. Rodheim v. d. Höhe, 19. Oft. Am Sonntag veranstaltete die E v a ng elische Jungmännervereinigung Vilbel hier im Saalbau eine Hans-Sachs-Feier, bei der der Nürnberger Dichter in Prosa und Poesie zu Wort kam. Auf der Bühne wurden die be­kannten Schwänke:Der fahrende Schüler im Paradies" undDer Rohdieb zu Fünsing" von den Dilbelern wirkungsvoll dargestellt. Der eben­falls anwesende Wartburgverein Fried­berg ergötzte durch den Vortrag von Dichtungen Peter Geibels in Wetterauer Mundart. Die Veranstaltung, die einen Einblick in das frische und frohe Treiben der Jugendvereine gab, stand unter Leitung von Pfarrassistent Hahlinger, Vilbel.

Kreis Büdingen.

I! Büdingen, 19. Ott. Die jünfte Ge­rn e i n d e r a t s si tz u n g wurde hier mit Span­nung erwartet, was auch der zahlreiche Besuch im Zuhörerraum bewies. Als erster Punkt stand auf der Tagesordnung: Ausschlag der meindeumlagen in 192 6. Insgesamt waren von 82 000 Mark auszuschlagen. Nach längeren Verhandlungen wurden folgende Aus- schlagssähe beschlossen: 0,20 Pf. auf je 100 Mark Steuerwerk der Gebäude und Bauplätze, 0,46 Pf. auf je 100 Mark Steuerwert des land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundbesitzes, 0,30 Pi. auf je 100 Mark Steuerwerk des land- und forstwirtschaftlichen Anlage- und Betriebskapitals, 0,30 Pf. auf je 100 Mark Steuerwerk des ge­werblichen Anlage- und Betriebskapitals, 1 Pf. auf je 1 Mark des für das Rechnungsjahr 1925 festgestellten staatlichen Gewerbeertragssteuer­solls, 0,48 Pf. auf je 1000 Mark Steuerwerk der Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz. Weiter wurde beschlossen, dah die neue Wasserlei­tung nunmehr sofort ausgebaut werden soll. Der Pferdsbachbrunnen soll zu diesem Zweck von der fürstlichen Verwaltung unter den von dieser gestellten Bedingungen gekauft werden. Die Stadt baut auf ihre Kosten eine Pumpstation die das Wasser aus der genannten Quelle auf den Christinenhos pumpt. Die Kosten dieses Projekts sind mit 7000 Mark veranschlagt. Weiter zahll die Stadt eine jährliche Anerkennungsge­bühr von 200 Mark und endlich gibt die Stadt die Wohnung im Oberhof, die seither von Pfarre« Adam bewohnt war, der fürstlichen Verwaltung frei.

# Stockheim, 19. Okt. In dem benach- 1 barten H eegheim ereignete sich dieser Tage