nistischen Partei Deutschlands auszuschlie- ßen, weil sie auf eine Spaltung der Partei hingearbeitet hätten. Ruth Fischer wird aufgefordert, sofort ihr Reichstagsmandat niederzulegen. Das Zentralkomitee hat ferner einen weiteren Abgeordneten wegen ehrlosen, unproletarischen Verhaltens aus der Partei ausgeschlossen und ihn zur sofortigen Aieder- legung seines Reichstagsmandates aufgefordert.
Ergebnislose Lohnverhandlungen im Ruhrbergbau.
Essen, 19. Aug. (WTB.) Heute nachmittag fanden Lvhnverhandlungen zwischen dem Zechen- verband und den Bergarbeiterverbänden statt. Es konnte keine Einigung erzielt werden, so daß die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen wurden. Es ist anzunehmen, daß die Verbände den Schlichter anrufen werden.
KaiserWilhelm schwer erkrankt?
Berlin, 20. Aug. Rach einer Londoner Funkmeldung soll Kaiser Wilhelm II. sehr schwer au der Grippe erkrankt fern. Gestern besuchte ihn der holländische Minister des Innern, der sich, falls der Zustand des Patienten eine äleberführung überhaupt ermöglicht, dafür ins Mittel legen will, daß dem früheren Kaiser die Reise in ein milderes Klima gestattet wird.
Um die Rückgabe Eupen und Malmedys.
Der Dawespla». — Dementis in Paris und Brüssel.
London, 19. Aug. (Sil) Zu der Frage einer möglichen Rückgabe Eupen und Malmedys an Deutschland gegen finanzielle Gegenleistung berichtet der diplomatische Korrespondent des ..Daily Telegraph", daß sich in diplomatischen Kreisen beträchtliches 3ntereffe zu erkennen beginne. Bisher sei die Angelegenheit nur inoffiziell durch Schacht und Delacroix behandelt worden. Holländische und deutsche Bankiers hätten sich für ein solches Geschäft ausgesprochen, das in der Wallstreet und in der City von London nicht ohne Anhänger sei. Die starken Einwände Frankreichs seien offenbar aus der Befürchtung heraus entstanden. die französisch-belgische Solidarität gegenüber Deutschland könne durch eine so ausgesprocheiie Versöhnung zwischen Brüssel und Berlin geschwächt werden. Außerdem frage man sich, wie Deutschland, das jetzt bereits behaupte, daß dieDürde des Dawesplanes zu schwer sei, den Betrag für die „Desatzungsmark" oder für die Stabilisierung des Frankens aufbringen wolle. Weiter sage man, daß, wenn eine solche Summe in Deutschland verfügbar sei, sie unter die Alliierten auf der Basis des Londoner Vertrages verteilt und nicht auf das Konto einer einzigen Macht transferiert werden dürfe. Das sei ein weiterer Grund, weshalb es sich um eine Frage handele, die die Alliierten angehe. Unter solchen Umständen müsse sich die belgische Regierung sehr vorsichtig verhalten.
Wie die „Information" mitteitt, fet in Paris nichts darüber bekannt, daß Berlin der belgischen Regierung neue Vorschläge wegen des Austausches von Eupen und MalmedH unterbreitet habe. Die belgische Gesandtschaft in > Paris dementiert formell, daß ein Rotenwechsel deswegen mit dem Quai d'Orsay statt- F gesunden habe. Die vom „Rew Bork Herald" verbreitete Meldung, daß diese Angelegenheit zu einer diplomatischen französisch-belgischen Auseinandersetzung geführt habe und daß Frankreich die Lage als sehr ernst ansehe, entspräche nicht den Tatsachen. Andererseits meldet man aus Brüssel, daß die belgische Regierung ebenfalls kategorisch dementiert, daß Belgien geneigt sei, Deutschland die Gebiete Eupen und .. Malmedh abzutreten.
Einberufung der Studienkommission.
B e 111 n, 20. August. (MTB. Funkfpruch.) Wie wir hören, ist der R e i ch s r e g i e r u n g heute durch Vermittlung des Generalsekretärs des Völkerbundes telegraphisch die Einberufung der Kommission zum Studium der Reorganisation des Völkerbundsrates für den 30. August mitgeteilt worden.
Wie der „Lokalanzeiger" bemerkt, gilt diese Mitteilung zugleich auch als Einladung zur Teilnahme an der Kommission. Ein besonderes Einladungsschreiben wird in Berlin nicht erwartet, da es sich um eine in ihrem Stande bereits im Laufe des Iahres festgelegte Kommission handelt. Die deutsche Regierung wird, wie erwartet, diesmal lediglich durch den deutschen Botschafter in Paris v. Hösch vertreten werden, während Ministerialdirektor Gans in Berlin bleibt.
Die französischen Truppen im Saargediet.
London, 20. Aug. (W. T. D. Funtspruch.) „Daily Rews" meldet, eine dec Fragen die auf der kommenden Sitzung des Völkerbundsrates zur Entscheidung kommen werde, werde die Frage der Anwesenheit französischer Truppen im Saar geb iet sein. Das Blatt schreibt, der kanadische Präsident der R e g i e r u n g s k o m m i s s i on im Saargebiet ist der Ansicht, dah die französischen Truppen im Saargebiet sehr Wohl bis zur Grenze zurückgezogen werden können, von wo aus sie in der Lage wären, die Verbindungswege im ganzen Saargebiet zu sichern.
DieGenfsrAbrüstungsKonferenz
(Senf, 19. Aug. (Schweizerische Depeschen- Agentur.) Der militärische älnterausschuß der vorbereitenden Kommission für die Abrüstungs- lonferenz hat mit Stimmenmehrheit die Schaffung einer aus unparteiischen Sachverständigen zusammengesetzten Kommission in Gens beschlossen, die die Klagen über Richtbeachtung der Abrüstungsbedingungen zu r rufen, Untere suchungen anzuraten und festzustellen hat,. ob die Rüstung eines Landes aggressiven oder defensiven Charakter hat. Die ans Vertretern von Grohbrrtannien, Chile, heu Vereinigten Staaten, Italien, Iapan und Schweden zusammengesetzte Minderheit erklärt in ihrem Minderyeits» bericht, dah sie nicht in der Lage sei. die In- ftitution anzuerkennen, welche einer inquisi
torischen Hern mreisenden Kommission gleichen würde. In der Diskussion über die Kontrolle gab die deutsche Delegation eine Erklärung ab, in welcher gesagt wird, dah eine Kontrolle, wie sie in Deutschland besteht, mit der Hoheit eines Staates nicht vereinbar ist. Die deutsche Delegation gab hierzu eine formelle Erklärung ab, in der festgestellt wird, dah eine Kontrolle gleich derjenigen, die Deutschland zur Zeit trage, der Würde und Souveränität eines Staates widerspreche und dah diese Kontrolle nur von einem Staat angenommen werden konnte, der einer Welt von Feinden erlag.
Tanger.
Rach spanischen Meldungen aus Tanger sollen dort große revolutionäre Umtriebe im Gange sein, die eine Gefahr für die Aufrechterhaltung der Ordnung in der Tangerzone bedeuten. Man sieht noch nicht klar, wer der geistige Urheber dieser Bewegung ist und gegen wen sie sich in erster Linie richtet. Gin großer Gene r a l st r e i k in Tanger besagt noch nicht, dah die Situation so ernst ist, wie spanische Blätter zu melden wissen. Zweifellos besteht bei einem Teil der Stämme des Tangergebietes eine starke Unzufriedenheit mit der internationalen Verwaltung, die sich in der Hauptsache aus Franzosen und Spaniern, aber auch aus Engländern zusammensetzt. Am stärksten ist unter der Bevölkerung das spanische Element vertreten, die sich gegen die französischen Mitglieder der Verwaltung richtet, während der französische Teil der Bevölkerung gegen die Spanier hetzt. Dieser alte Gegensatz zwischen Franzosen und Spaniern in Tanger ist ja nicht neu, da beide um den Haupteinfluß in der internationalen Verwaltung kämpfen. Die Erklärung Primo de Riveras, dah Spanien Tanger seiner Marokkozone einzuverleiben verlange, hat natürlich auch in der Tangerzone selber Unsicherheit und Unruhe hervorgerufen zumal die Franzosen bestrebt sind, die spanischen Absichten mit allen Mitteln zu hinter- treiben. Sie haben sich bereits hinter den Völkerbund gesteckt, der jetzt eingreifen soll. Dadurch glauben die Franzosen, Tanger den spanischen Begehrlichkeiten entziehen zu können. Es tauchen bereits Pläne auf. Lager als Mandatsgebiet dem Völkerbunde zu überfragen, der dann das Mandat entweder an Frankreich, an Spanien oder an eine andere Macht überträgt. Eine französisch-spanische Einigung wird sich sonst wohl kaum erzielen lassen. Die „Liberte" seht sich für die Zuteilung von Sanger an Spanien ein und führt die gegenwärtigen Konflikte auf die Empfindlich? feit der Engländer zurück, von denen man auch fernerhin in Vieser Angelegenheit Schwierigkeiten zu erwarten habe. Jedesmal, wenn es sich um eine Meerenge handle, dürfe man glauben, dah man damit England erwürge oder vielmehr ersticke. Wenn England für Tanger das internationale Regime gewünscht habe, das so traurige Ergebnisse gezeitigt habe, so sei es nur deswegen. damit feine andere Macht Hand darauf habe legen können. Das gleiche fei der Fall gewesen nach der Uebergabe Äbd el Krims, als die englische Presse sich bei dem Gedanken erregt habe, dah Frankreich und Spanien sich auf freundschaftliche Weise wegen der Grenzberichtigung in Marokko verständigen könnte. Bei einer derartigen Geisteseinstellung werde man schliehlich die früheren Stellungen der franzö- sichen Macht in Afrika und Asien verlieren.
Die Verhandlungen im englischen Bergbau gescheitert.
London, 19. Aug. (TU.) Die heute begonnenen Verhandlungen zwischen den Grubenbesitzern und Bergarbeitern sind ergebnislos abgebrochen worden. Die Bergarbeiter- exekutive hielt an ihren alten Forderungen auf ein nationales Lohnabkommen und auf den Siebenstundentag fest und wollte die neue Lohnregelung erst nach erneuter Prüfung der Reorganisationsmöglichkeiten im Bergbau erörtert wissen. Außerdem hielten die Bergarbeiter weitere Regierungssubsidien für erwünscht. Die Grubenbesitzer dagegen sprächen sich für die Erhöhung der Arbeitszeit und die örtliche Lohnregelung aus. Rach dem Scheitern der Verhandlungen begaben sich die Bergarbeitersührer zum Gewerkschaftsvat, um die Fortsetzung des Streiks und die Propaganda für den Streikfonds zu besprechen. Das Ergebnis der Verhandlungen wurde dem Ministe rprä- f ib en t en Baldwin mitgeteilt, der daraufhin lange Unterredungen mit verschiedenen Regie- | rungsbeamten hatte. Der Abbruch dec Verhand- 1 hingen habe in Politischen Kreisen wenig überrascht, obgleich man das Mißlingen der Konferenz bedauere. Baldwin habe beschlossen, seinen Urlaub in Alx les Bajns zu verbringen.
Schatzkanzler Churchill sprach in einer unionistischen Versammlung in Swansea über die Lage im Kohlenbergbau. Er erklärte, den Konflikt müßten die Bergarbeiter und Grubenbesitzer selbst regeln. Es gehe nicht au, daß ein Teil der englischen Bergarbeiter auf Kosten der Allgemeinheit staatliche Unterstützung erhalte. Außerdem würde eine Fortsetzung der Subvention absurd gewesen fein, weil die ausländischen Wettbewerber, besonders Deutschland. England deutlich zu verstehen gegeben hätten, daß sie das gleiche tun würden, falls England fortfahre, den Bergbau zu unterstützen. Das würde zur Folge haben, daß der Wettbewerb genau so stark geführt würde wie früher, nur mit dem Unterschied, daß die Preise niedriger würden und daß die Schatzämter der einzelnen Länder den Unterschied zu zahlen hätten.
Fortsetzung des Streiks.
London, 19. Aug. (WTB.) Eine Mit- teliung der Bergarbeite-Organisation erklärt, daß angesichts der Haltung der Bergwerksbesiher kein anderer Ausweg bleibe, als von den Bergarbeitern zu verlangen, daß sie in ihrem Widerstand gegen die Bedingungen der Bergwerksbesitzer verharren, denn wenn diese Bedingungen angenommen werden würden, sei dies gleichbedeutend mit einer sklavischen Armut der '"Bergarbeiter. Die Bergarbeiterorganifationen haben sich neuerdings an die Oeffentlichkeit um weitere Unterstützung der Bergarbeiter und ihrer Familien gewandt. Der Sekretär der Vergarbeitergewertschast, Cook, teilt mit, daß die Exekutive der Bergarbeitergewerkschaft morgen früh zufammentreten werde, um die qegen- toärtige Lage zu prüfen. Weitere Verhandlungen
mit den Bergwerksbesitzern seien unmöglich, da diese sich weigerten, über eine Regelung der Streitfrage in ganz England zu verhandeln. Die Bergarbeiter hätten nicht die Teilnahme der Regierung an den Verhandlungen gefordert.
Die Laße in Mexiko.
Mexiko City, 19. Aug. („Associated Preß".) Mexikanische Geschäftsleute, die zum großen Teil römisch-katholischer Konfession sind, haben der Regierung und dem Episkopat vorgeschlagen, eine Konferenz zur Beilegung des Kirchenstreites abzuhalten. Die Geschäftsleute fühlen anscheinend immer stärker die Auswirkungen des wirtschaftlichen Boykotts und fürchten, daß einige von ihnen wirtschaftlich zu Grunde gehen werden, wenn nicht eine günstige Aende- rung in der bisherigen Lage des Konfliktes herbeigeführt werden kann. Besonders beunruhigend wirkt auf die Geschäftswelt der Umstand ein, dah die katholischen Kreise selbst von den Folgen des Wirtschaftsbo yk o 11 s betroffen werden, da der größere Teil der Geschäftsleute sich aus Katholiken zusammensetzt. Ein Schreiben des Episkopats an Calles fordert den Präsidenten auf, der Kirche ihre Freiheit zurückzugeben und die Verfassungsartikel über religiöse Fragen einer völligen Umwandlung zu unterziehen. Rur so könnte der alte religiöse Konflikt, der Mexiko sehr viel geschadet habe, beigelegt werden. In der amtlichen Umgebung des Präsidenten wird abgelehnt, sich offiziell über diese Vorschläge zu äußern, jedoch erklären Kreise, die der Regierung nahe stehen, mit großer Bestimmtheit, dah Calles nicht gewillt sein dürfte, seine bisherige Haltung zu ändern.
Aufstand in Nicaragua.
Reuhork, 20. Aug. (TU.) In Ricaragua ist eine revolutionäre Bewegung ausgebrochen, von der besonders die Städte Leon, Chinandega, Corinto, Quezaltenango und die Rachbargebiete betroffen sind. Dem diplomatischen Vertreter der Vereinigten Staaten in Mangua hat das Staatsdepartement mitgeteilt. daß die Regierung Schritte unternommen hat, um den Aufruhr zu unterdrücken. Die Telegraphen- und Eisenbahnverbindungen sind gestört. Die Regierungstruppen haben Quezaltenango eingenommen. Zwei andere Städte, die in den Händen der Rebellen sind, werden zur Zeit belagert.
Aus aller Welt.
Der Deutsche Genossenschaststag.
Auf dem Deutschen Genossenschaftstag sprach Bankdirektor K l e e m a n n , Vorstandsmitglied der Dresdner Bank, über das Thema: „Die Bedeutung der Banken für den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft". Mit besonderen Schwierigkeiten sei der Aufbau des Kreditgeschäftes der Banken verbunden gewesen. Die Wirtschaft sei zu Beginn der Stabilisierung mit unerfüllbaren Kreditansprüchen an die Banken herangetreten. Die Banken hätten, soweit es ihre Mittel überhaupt zuließen, Kredite gewährt. Dabei habe sie vor allem die schwere Krise der Industrie zeitweise zu vorsichtiger Zurückhaltung gezwungen. Wegen dieser Zurückhaltung seien den Banken sowohl wie den Kreditgenossenschaften vielfach lebhafte Vorwürfe gemacht worden. Die Entwicklung habe gezeigt, daß diese Vorwürfe unberechtigt gewesen seien. Der derzeitige Stand des Bankgewerbes biete Gewähr dafür, daß auch in der Zukunft die deutsche Volkswirtschaft an dem Bankgewerbe eine feste Stütze für den weiteren Wiederaufbau und die weitere Entwicklung finden werde. — lieber die' Kreditversorgung des Mittelstandes sprach der Präsident der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse, Geheimrat Semper. Das genossenschaftliche Kreditgeschäft unterscheide sich heute dadurch wesentlich von dem der Vorkriegszeit, daß die Kredite nicht mehr in erster Linie auf den durch die Inflation vernichteten alten Mitteln und Depositen aufgebaut werden könnten. Die Genossenschaften seien vielmehr im starken Umfange heute angewiesen auf die Mittel, die ihnen durch ihre beiden Zentral- inftitute, die Preußische Zentralgenossenschafts- kasse und die Dresdner Bank, zugeleitet werden könnten, wodurch in den Zeiten der größten Kreditnot allein die Aufrechterhaltung der Genossenschaftsorganisationen ermöglicht worden sei. Eine der hauptsächlichsten Sorgen sei für die Genossenschaften heute die Frage der A u f t a u u n g der fe ft gefrorenen Personalkredite durch Umwandlung in Realkredite. Dabei fei ein enges und vertrauensvolles Zusammenarbeiten mit den Sparkassen von großer Bedeutung. Besonderer Aufmerksamkeit bedürfe neben der Frage des Umfanges der Krediteinräumungen die Frage der Kreditbedingungen.
Nach Beendigung der Vorträge dankte Geheimer Huftizrat Alberti in feinem Schlußwort allen Teilnehmern und denjenigen, die zum Gelingen des Genoffen fchaftstages beigetragen hätten. Damit waren die Beratungen des 63. Deutschen Genossen- schaftstgZes im wesentlichen beendet. 'Am Nachmittag fand noch eine geschlossene Sitzung der Zentral- foffen statt. Für die nächsten Tage find Ausflüge vorgesehen, worauf die Teilnehmer auf dem Weg über Marienburg—Danzig die Heimreise antreten werden.
Reue Pilzvergiftung.
Unter Vergiftungserfcheinungcn ist die Familie des Arbeiters Ludwig aus der Strom- straße in Berlin so schwer erkrankt, daß der Vater und die beiben Kinder nach dem Krankenhaus Moabit gebracht werden mußten. Dort ist das ältere Mädchen bald nach seiner Aufnahme gestorben. Das Befinden der jüngeren wird als bedenklich bezeichnet, während bei dem Vater I augenblicklich eine Gefahr nicht vorzuliegen scheint. Bei Frau Ludwig zeigten sich nur ganz leichte Erkrankungserscheimmgen, so daß sie in ihrer Wohnung verbleiben tonnte. Soweit sich hat ermitteln lassen, sind die Erkrankungen nach dem Genuß von Pilzen aufgetreten, die die Familie bereits am Dienstag zu sich genommen haben soll.
Eine Protestkundgebung gegen die Gewerbesteuer.
In Frankfurt a d.O. wurden Donnerstag nachmittag von 3 bis 7 Tlhr mit ganz geringen Ausnahmen sämtliche Geschäfte und Gaststätten der Stadt geschlossen, nachdem die Verhandlungen mit dem Magistrat über eine Herabsetzung der Gewerbesteuer gescheitert waren und der Magistrat jedes Entgegenkommen abgelehnt hatte. Ein Antrag der Stadtverord- I netenversammlung zugunsten der Kaufmannschaft 1 wurde ebenfalls abgelehnt.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 20. August 1926.
Die Blitzgefahr unter Bäumen.
In der Zeit der häufigen Gewitter, wie wir ie in den letzten Tagen und Rächten wieder erlebt haben, kommt es vor, daß sich Leute, dis im Freien von einem Gewitter überrascht werden, unter einen Baum flüchten und nicht selten dabei vom Blitz erschlagen a>erben. Deshalb ist die Frage von Interesse: In welche Bäume schlägt der Blitz am häufigsten ein? Ein alter! Spruch darüber sagt:
Vor den Eichen sollst du weichen. Hub die Weiden sollst du meiden. Auch die Fichten such' mit nichten. Doch die Buchen kannst du suchen.
Wir wissen, dah die Dlitzgefahr für die Eichen Piel größer ist, als für die Buchen, und auch über die Tlrsachen dieses verschiedenen Verhaltens haben älntersuchungen Aufschluß gegeben. Die elektrische Leitfähigkeit des Holzes ist abhängig von seinem Oe l geh alt. Diejenigen Bäume, die den größten Oelgechnll^besitzen, erscheinen im höchsten Grade gegen die Dlitzgefahr gesichert: stärkehaltige und ölarme Bäume dagegen werden vom Blitzschläge bevorzugt. Bäume, deren Holz reich an Oel ist, sind der Rußbaum und die Buche; aus ihren Früchten wird Oel geschlagen; Stärkebäume, arm an Oel aber sind: Eiche, Weide, Pappeln, Haselnuß, Flieder, Ahorn, .Hirne, Mehlbeere, Weißdorn und Esche. Ordnet man die Bäume nach der Blitzgefahr, so ergibt sich etwa diese Reihenfolge:
Dlitzgefahr sehr gering: Ruhbaum, Buchn etwas größer: Fichte, Lärche, Wacholder, Eibe; große: Tanne, Eiche, Weide, Pappel und die übrigen Stärkebäume. Gr.
Bornotizen.
— Lageskalender für Freitag, Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Ich gab Dich zum Pfände!" — Palast-Lichtspiele: „Lodernde Glut.-
— Aus dem Stadttheaterbureaui wird uns geschrieben: Dem Sommerpoogramm entsprechend, bringt die nächste Aufführung am Dienstag, 24. August, wieder einen Schwank, und zwar Bach und Arnolds bekannte „Spanische Fliege". Es ist dies die 8. Vorstellung im Sommerabonnement. Das übermütige Werk darf als einer der lustigsten modernen Schwärcks gelten und wird sicher, wie auch in Rauheim, bet seiner Wiedereinstudierung ein dankbares Publikum finden.
I Der Schwimm- und Rudersport-. W e r b c t a g findet am kommenden Sonntag nachmittags am Bootshaus der Gießener Ruder» gefellfchaft von 1877 unter Beteiligung der Ru, dervereine, des Gießener Schwimm- Vereins und der Schwimmabteilung des Turnvereins von 18 4 6 statt. Es Ist ein glücklicher Gedanke gewesen, die beiden Wassersportarten Schwimmen und Rudern in einer Veranstaltung vereint zu zeigen. Hierdurch hat man ein an Abwechslung selten reiches Programm geschaffen, wie man es in Gießen noch nicht gesehen hat. Jeder, ob Sportsmann oder Laie, wird seine Freude an den Darbietungen haben, die sich teils auf volkstümlicher Grundlage bewegen. Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang die Kapelle Topp, die für musikalische Unterhaltung Sorge tragen wird. Sie soll pünktlich mit einem Musikstück den Auftakt geben, dem sich ein Reigenschwimmen der Damen des Gießener Schwimm- vereins, der in dieser Disziplin zum ersten Male an die Oeffentlichkeit tritt, anschliehen wird. Einen schönen Anblick dürfte dann die hierauf folgende Auffahrt der Ruderer in den einzelnen Bootsgattungen bieten. Dann wird wieder den Schwimmern das Feld freigemacht für die Freistilstaffel 8mal 50 Meter, die von zwei Mann- schäften geschwommen wird. Während des Schau- springens, in dem die besten Kräfte des Gießener Schwimmvereins und des Turnvereins von 1846 ihr Können zeigen werden, beginnt sodann das Einerrennen, nach dessen Austrag die einzelnen Schwimmarten (Brust, Seite, Rücken, Freistil) durch eine Lagenstaffel 4mal 100 Meter gezeigt werden. Hierauf ein Vierer- rennen für Schüler, und dann als besonderer Genuß für die Zuschauer ein Gruppen- springen der Herren des Gießener Schwimmvereins und der Damen des Turnvereins von 1846. Die Große Brust staffel 10m a l 5 0 Meter sieht zwei Mannschaften des Gießener Schwimmvereins und eine des Turnvereins von 1846 am Start. Das altbekannte und beliebte Büttenrennen wird sodann für fröhliche Stimmung sorgen. Das Wasserballspiel sieht noch einmal die Mannschaften des Gießener S. D. im Wasser, während den Schluß ein Achter- rennen der Ruderer und der Akte Kameraden- Marsch bilden. Der Zweck der Veranstaltung, für den schönen und gesunden Wassersport in unserer engeren Heimat zu werben, wird sicherlich erreicht werden — vorausgesetzt allerdings, dah der Himmel ein freundliches Gesicht macht. (Siehe morgige Anzeige.)
** Prüfung fürdasDeutscheTurn- und Sportabzeichen. Am Sonntag, 22. August, ist Gelegenheit gegeben, bie Prüfung für das Deutsche Turn- und Sportabzeichen, ebenso für das Reichsjugendabzeichen zu machen. Folgende Sportarten kommen in Frage: Lauf, Sprung und Wurf (auch 10-Km.-Laufen). Beginn der Prüfung pünktlich 9.30 älhr auf dem Wald- sportplatz des V. f. B.
WSR. Vom Sternhimmel. In den sternenklaren Rächten, die wir eben haben, strahlt jetzt der Riesenplanet Iupiter die ganze Rächt hindurch in vollem Glanze am südwestlichen Himmel. Mit einem guten Fernglas, ja schon mit einem Opernglas, kann man auf her rechten Seite des Iupiters vier seiner Monde deutlich erkennen. Zwei weitere Monde des Planeten fini so winzig klein, daß sie nur durch Riefenteleskope erkennbar sind, v, e
*’ Der Bund „Für Haus und Schule veranstaltet nächsten Sonntag nachmittag zuk Pflege der Gemeinschaft eine Familienzusammev' funft bei der Freilichtbühne. Militärmusik, Spiel« der 3ugenb und sonstige schöne Darbietung« werden für Kurzweil sorgen. Auch dürfen b* lieben Kleinen auf große Brezeln rechnen. Sitz- gelegenbeit ist reichlich vorhanden, und wem wider Erwarten das Wetter für den Aufenthav- im Walde nicht günstig sein sollte, dann wirst alles im Saale der Liebigshöhe ftatifmbew- (Siehe morgige Anzeige.)
*• Das zweite Sonderkonzert unserer Reichswehrkapelle unter Leitung von Obefr- Musikmeister 2ober fand gestern abend auf „Liebigshöhe" als Streichmusik statt. Der Desu^


