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Dr. Fnedr Wilh. Lange. Derantworllich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot.- für den übrigen Teil Ernst Dlumschcin: für den An« zeigenteil Hans Füstel, sämtlich >n Eceßen.

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Siebener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle

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poftschemlonto: Frankfurt am Main 11686.

ttr. 194 Erstes * 176. Zahrgang Zrettag, 20. August 1926

SichenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Das Attentat auf den Berlin-Kölner 0-gug.

Die Zugentgleisung bei Lehrte. - 21 Tote. - Auf der Spur der Verbrecher.

Hannover. 20. Aug. (Wolff.) Das Eisen- bahnunalück, das durch die Entgleisung des Der- Iln-Körner Rachi-D-Zuges zwischen Meinersen und Leiferde m der Rahe von Lehrte entstanden, ist, stellt sich als weit schwerer heraus, als es die ersten dürftigen Meldungen vermuten liehen. Es geht uns darüber folgender Bericht zu:

Der D-Zug 8. der fahrplanmäßig Berlin abends um 10.34 Uhr vom Schlesischen Bahnhof -.uS verlädt, trifft nachts um 2,45 Uhr in Han­nover ein. Der Berliner D-Zug hatte Isen­büttel bereits passiert unb näherte sich ~ c Pr t k. Plötzlich bemerkten die Fahrbeamten und Reisenden ein knirschen dem wenige öcfunSen darauf ein Krochen folgte. Der Zug war e n t g l e i st, rollte noch eine geringe Strebe neben den Schienen, wobei durch die plötzliche Verlangsamung des Tempos -mehrere D-Zug- wagen sich ineinanderschoben. Dann stürzte die Lokomotive und die vordersten Wagen von dein Bahnkörper dir Böschung herab und blieb liegen.

Ls folgte eine furchtbare Panik.

Die meisttn Reisenden hatten im Augenblick des Unfalles geschlafen und suchten nun im ersten drecken, sich zu befreien, ohne dah es ihnen zunächst gelang, die demolierten Wagen zu ver­lassen. Die unverletzt gebliebenen Passagiere sowie das Zugpersonal leisteten dabei die e r ft c Hilfe. Glücklicherweise war auch der Unfall bald bemerkt worden, und von der Blockstatwn >69 aus wurde sofort die Strecke ge- ipcrrt, da in kurzen Abständen zwei Güter» 'itge nach Hannover folgen muhten. Die Station Zfenbüttel benachrichtigte Hannover und Lehrte von dem schrecklichen Unfall, und in kurzer Zeit wurden von Harmover, Lehrte und Isenbüttel ^vei Hilfszüge abgesandt, nachdent die ganze Strecke füt den Personen- und Güterverkehr gesperrt worden war. Bon den in der Umgegend gelegenen Städten und Ortschaften eilten Äerzte und Pflegerpersonal in Automobilen an die Unsallsteile, um sich an den ersten Rettungs- arbeiten zu beteiligen.

Die Rettungsaklion gestältete sich recht schwierig. da man zunächst tm Dunkeln arbeiten muhte, bis die Hilfs» züge. die Fackeln mit sich führten, zur Stelle waren. Die Bevölkerung der umliegenden Ort­schaften eilte mit Petroleumlampen. Lalqlichtern usw. an die Unfall st eile und mit Aorten und Brechstangen öffnete man die zum Teil ver­klemmten Wagentüren, um die verletzten Reisen- den zu bergen. Die Toten wurden auf Trag­bahren nach Leiferde gebracht, während die Verletzten in Automobilen in die nächstgelegenen Städte gebracht wurden, wo sie in Kranken- Häusern Unterkunft fanden. Rachdem in aller Morgenfrühe Reichsbahndirektor Dr. Kilp von der Hauptverwaltung und Geh. Oberbaurat Z i r k l e r vom Reichsverkehrsministerium an die Unsallstelle gefahren waren, begab sich im Laufe des Vormittags auch Generaldirektor Dorpmüller dorthin. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Der Schnellzugverkehr wird über Braunschweig ge­leitet.

An der Unfallstelle.

Die Unsallstelle bietet ein schauriges Bild der Derwüstung und Iaht ziemlich deutlich ernen­nen, wie die Katastrophe in der Rächt sich ab- gespielt hat. Die Unsallstelle, die fast genau in der Mitte zwischen Leiferde und Meinersen bei Gishorn liegt, ist auf freiem Felde ge­legen. Der Bahnkörper erhebt sich an dieser Stelle glücklicherweise nur etwa einen Meter über den Boden, und diesem Umstand ist es zu verdanken, dah das Unglück nicht noch einen Deit größeren Umfang angenommen hat. Die Lokomotive mit dem Kohlenwagen liegt rechts -rmgekippt auf freiem Felde, die nächsten beiden Wagen liegen gleichfalls auf der Seite dicht da- ßinter, und die nächt'-en beiden Waggons sind cufcinanber ausgefahren, und zwar so. dah der ßhwach besetzte Wagen 1. und 2. Klasse auf den sack besetzten Waggon 3. Klasse sich aufgescho- ken Hal. Die anderen fünf Wagen, normale D-Zug-Waggons. stehen zum Teil noch im Gleis, -zum Seil sind sie mit zwei Achsen in den Land gefahren. Die Lokomotive hat, wie Eie Bertiefungen in den Holzschwellen deutlich Sägen, hinter der Schwelle, wo sie aus dem Schienenstrang herausgesprungen ist, noch drei- tzchn Meter zurückgelegt und ist bann erst um« Sachlagen.

Der Lokomotivführer, der ebenso wie

Heizer mit geringfügigen Verletzungen davongekommen ist, konnte heute vormittag, nach­dem beide Beamte sich von den ersten Schrecken e-:holt hatten, dem Staatsanwalt und denReichs- »ujningenieuren bereits eine Schilderung geben, leibe berichteten übereinstimmend, dah der Zug "H1* einer Geschwindigkeit von etwa 80 bis A -Kuonwter gefahren sei, als der Lokomotiv- unter sich ein furchtbares Klirren u ia d K r a ch e n vernahm. Instinktiv habe er den Regulator zurückgerissen und gleichzeitig bie 4-u f t ö r u a b r c m f c voll geöffnet. Diese Darstellung entsprich zweifellos den Tatsachen.

- llus den Bremsspuren hervorgeht. Weiter c-üären die Beamten, bah die Maschine noch k'.re oder zwei Sekunden geradeaus gefahren und

sich dann nach der rechten Seite über* gelegt habe. Heizer und Lokomotivführer klam­merten sich gefühlsmäßig an die offenen Fenster unb konnten schon wenige Sekunden nach dem Unglück die Lokomotive verlassen.

Mit dem Morgengrauen gingen die Rct * tungskolonnen an die Bergung dec Toten und Verwundeten. Während die beiden ersten umgestürzten Wagen sich verhältnismäßig leicht offnen liehen, war es unmöglich, in die beiden aufeinandergeschobenen Waggons einzudringen. Infolgedessen wurde das Dach des D-Zua» Wagens 3. Klaffe mit Aexten und Sägen auf* gcriffen und nur sehr langsam konnten die Mannschaften durch das Gewirr der Eisenträger und Holzbalken Vordringen. Die Rettungsarbeiten schritten nur langsam fort, da einzelne Eisen­träger mit Sauerstoffapparaten durchschnitten toerben mußten, damit man überhaupt an die Ictiten Abteile herangelangen konnte.

Der Bericht eines Augenzeugen.

Berlin. 19. Aug. Ein Reisender, der sich m dem entgleisten l)°Zug Berlin-Köln be­fand, gibt folgende Schilderung: Der Zug, der mit großer Geschwindigkeit fuhr, wurde vlbtz- lich von einem fürchterlichen Stoß erschüttert. Die Lokomotive des Zuges war etwa 150 Meter weit außerhalb der Schienen in den rechts vom Bahnkörper gelegenen Bir­kenwald gefahren und hatte sich dort auf die Seite gelegt. Der Schlafwagen schob sich auf ben vor ihm fahrenden l)-Zugwagen. In diesen beiden Wagen, die stark beseht waren, gab es die meisten Toten und Verletzten. Die Rettungs­aktion gestaltete sich schwierig, da man bis zum Eintreffen der Hilfszüge, die Fackeln mit sich führten, tm Dunkeln arbeiten mußte. Die Bevölkerung der umliegenden Ortschaften eilte mit Petroleumlampen, Talglichtern usw. an die Unfallstelle und mit Ae-tten und Brechstangen offnele man die zum Teil verklemmten Wagen- türen. Verschiedentlich mußten die Toten und schwerverletzten aus den Trümmern her­ausgeschweißt werden. In einem der zu- sai^nengeschobenen Wagen 2. Klasse befand sich eine ätau mit einem kleinen Kind, die beide wre durch ein Wunder unverletzt geblieben lind, während gleichzeitig in demselben Abteil vier Tote gesunden wurden. Ein noch furcht- bareres Unglück konnte dadurch verhütet werden, daß ein Personenzug nach Berlin, der zu gleicher Zeit die Unglücksstelle passieren mußte, im lehren Augenblick durch die nächste Dleckstcttion das Haltesignal bekam.

Die Ursachen des Unglücks Der (Seneraldirektor der Reichsbahn über den Befund.

Berlin, 19. Aug. (TU.) Der General- drrektor der Reichsbahn, Dorpmüller, der persönlich an der Unglücks stelle weilte, ist heut^ abend nach Berlin zurückgekehrt. Er sowohl wie die Staatsanwaltschaft und ein Vertreter des Reichsverkehrsministers sind übereinstim­mend zu der Ueberzeugung gekommen, daß ein verbrecherischer Ans chlag vorliegt. Der Oberbau der Strecke ist der beste, den es über­haupt in Deutschland gibt. Die schnurgerade Strecke wird scharf befahren und zwar in einer Durchschnittsgefchwindigkeit von 90 Kilometer Reparaturen find an der Strecke seit einigen Monaten überhaupt nicht nötig gewesen.

Die Schiene auf der rechten Seile, d.h. nach Hannover hin, ist l o s g e l ö st und hat sich i n d « e Rahe der anderen Schiene hinge- schoben. Die Lafchenschrauben, durch die die Schienen miteinander verbunden werden, sind bet­au s gen o mm en unb liegen unbeschädigt neben der Schiene. Ein scharfer Kranz des Rades ist auf das folgende Schienenstück gestoßen und hat dort eine Narbe Hinterlasten, ein Beweis dafür, dah das andere Schienen st ück be­reits aus feiner Lage gebracht war, b e - vor der Zug darüber ging, wäre das An- glück die Folge eines schlechten Oberbaues, so müh­ten die Schrauben verbogen oder gebrochen sein. Zwei Laschenschraubenköpfe liegen dort auf der Schwelle. Etwa 10 Meter von der Unglücksstelle ent­fernt sind zwei Schrauben st eckfchlüsfel aufgefunden worden. Ferner wurde aufgefun- den ein gewöhnlicher Laschenschraubenschlüsfel und ein aller Hemmschuh, wie er gewöhnlich zu Rangierzwecken benuhi wird, der festgeklemmt allein schon einen Zug zur Entgleisung bringen kann. Als lefjfes Beweisstück wurde eine Tabakspfeife ge­funden. 3

Trage kommende Rotte sieht die Schrau­benschlüssel nicht als ihr Eigentum an. Die ütreefe wird in der Rächt innerhalb 50 ,nuten von vier Zügen befahren, deren !Unglückszug gewesen ist. Es ist mög- nch, daß wahrend dieser ganzen Zeit von den -o e r d r e ch e r n an den Schienen g e ar­beite t toorben ist, daß sich bei den drei vor­angehenden Zugen das Attentat als wir- kungslos erwies und dann die Schiene aus­gebogen worden ist, so daß den letzten Zug das Unglück traf. Die Polizei hat schon früh­morgens die Spuren mit Hunden ab­gesucht. In der Rähe der Unglücksstelle kreuzt jedoch ein Weg die Bahnlinie, so daß die Ver­

brecher Gelegenheit hatten, möglicherweise m i t Fahrrädern das Weite zu suchen.

Es müssen nach den Vorgefundenen Indizien mindestens zwei Täler gewesen sein, und zwar Leute, die Bescheid wühlen.

Generaldirektor Dorpn.üller wies darauf hin, daß der Personalabbau bei dem Unglück keines­wegs die Schuld tragen könne. Die Hilfe kam nach Angabe der zuständigen Reichsbahndirek- tion so schnell wie irgend möglich. Innerfmlb 40 Minuten nach der Meldung ist orbnungS- gemäß der Hilfszug von der Station Oebisfelde abgefahren. Die Unglücks« stelle bietet ein furchtbares Schauspiel. Die"ersten Wagen sind unversehrt. Einer der letzten Wagen hat sich unter den davor liegenden geschoben und alle Personen darin buchstäblich »ufammen- geguetscht. Erst nachdem zwei Lokomotiven den Unglückszug auseinandergezogen hatten, konnte man seinen traurigen Inhalt entleeren. Die Toten werden auf Reichsbahnkosten bestattet wer- den. Am Freitag vormittag wird sich die Rechts­abteilung der Reichsbahn mit der Frage der Entschädigung für die Hinterblie­benen befassen. Wenn die Angehörigen die Toten erkannt haben, läßt sich vielleicht auch feststellen, ob dem Anschlag Raubabsichten zu Grunds liegen.

25 000 Mark Belohnung.

Berlin, 19. Aug. (TU.) Die Deutsche Reichs­bahn A.-G. hat aus die Ergreifung der Täter, die die Eisenbahnkatastrophe verfchuldet haben, eine Belohnung von 25 000 Mark ausgesetzt. Die von der Eifenbahndirektion Hannover bereits ausgesetzten 2000 Mark sind in dieser Summe ent­halten. Der Regierungspräsident von Lüneburg hat gleichfalls eine Belohnung von 2000 Mark zur Er­greifung der Täter ausgesetzt.

Auf der Spur der Täter.

Berti», 20. Aug. (MTB. Funkspruch.) Das Berliner Tageblatt" weiß indessen zu melden, daß die Staalsanwaltschast, die die Ursachen der Lisen- bahnkakaslrophe untersucht hat, bereits eine Spur dec Täter verfolge, die nach Gardelegen führen soll. Es sollen bereits gestern zahlreiche Ver­haftungen vorgenommen worden sein. Die Ver­mutung liege nahe, daß es sich um einen Rache- aft eines entlassenen Eisenbahn- beamte» handle.

Die Opfer.

Die Hamen der bei dem Eisenbahnunglück töd- lich verunglückten sind:

1- Zugführer Jordan aus Berlin,

2. David Koverk-Pekric aus Cambridge, 3. Kurl Leiser aus Berlin,

4. Otto Ebert aus Stettin,

5. Reinhold Grünewald aus Berlin,

6. Oberingenieur Rich. Mann aus Dortmund, 7. Frau Julie Stole geb. Forstreuter aus Berlin,

8. Friedrich Schmitt-Ern st Haufen aus Düsseldorf,

9. Julie Gnann, Dortmund, Burgunder- traße 13,

10. Weichenwärter Zyrfow, Ronsdorf, H. Robert perl stein, Hamm i. 2D..

12. Reichs- und Staatskommissar Ernst Meh- lich, Dortmund, Luisenstraße 10,

13. Lokomotivführer wiese, Kreuz (Ostbahn), 14. Margarete wiese, Ehefrau,

15. Lokomotivführer Albert h o h m , Kreuz, 16. Rangierarbciler Albert Hippe, Walden- burg-Allwasser,

17. Frau Winkelmann (Heimat noch nicht eslgestellh,

18. Fritz Hoffmeister, Berlin,

19- ferner eine unbekannte weibliche lerson, wahrfcheinlich die Braut Hoffmeisters,

20. Frl. Klara Neuer aus Köln a. Rh., 21. Student woodrik Read aus London.

An SchweroerleKten befinden sich noch im Krankenhaus Braunschweig der Fahrladeschaff- ner Weber aus Berlin, die Warlefrau Kökeritz aus Berlin und der Fabrikbesitzer Bayer aus Liegnih.

Beileidskundgebungen.

2 er lin, 19. Aug. IWTB.) Der R e ich s- prasldent hat an die Hauptverwaltung der Deittschen Reichsbahngesellschast das nachstehende 'Beileidstelegramm gerichtet:Die Nachricht von Xaeinr.ru$Jr°fen Attentat auf den D-Zug BerlmKok», bas so viele Opfer forderte, hat mich tief ergriffen. Ich spreche der Haupt­verwaltung der Reichsbahngesellschast meine

J" & l1, Te ilnahme an dem neuen Eisen­bahnunglück auS und bitte dies auch den Hinter- bitebenen bet Getöteten und mit den besten Wünschen für die Genesung den Verletzten zu übermitteln.

b. Hindenburg, Reichspräsident." Reichskanzler Dr. Marx hat an die Hauptverwaltung der Reichsbahngesellschast fol­gendes Telegramm gerichtet:Durch ver­brecherische Hände ist ein furcht­bares Eisenbahnunglück, dem viele Menschenleben zum Opfer gefallen frnd. verschuldet worden. Ich spreche der Haupt­verwaltung zu der Katastrophe meine innigste

An teilnabmc aus und gebe meinem tiefen Abscheu über die ruchlose Tat Ausdruck. Die Reichsregierung trauert mit den Angehörigen der tödlich Verunglückten und wünsch! dcn Ver­letzten baldige Wiederherstellung.

Reichskanzler Mar x."

Reichsverkehrsmini st er Dr. Kröhne nahm Veranlassung, der Deutschen Reichsbahn- gefellschaft persönlich i?in Beckcid an dem schweren Unfall bei Lehrte auszuspreche ver­bunden mit der Ditte, auch den Verletzten und den Angehörigen der Getöteten durch die Reichs- bahndirektion Hannover feine wärmste Teil­nahme übermitteln zu wollen

Neichs-undStaaiskommiffar Mehlich f.

Der auf fo tragische Weise bei dem Eisen­bahnunglück uinS Leben gekommene Reichs- und Staatskommissar Mehlich stand im 44. Lebensjahre. In Schlesien geboren, kam er schon früh ins Ruhrgebiet und war als Metall- arbeitet in der Gewerklchastsbewegung tätig. 1Q19 war er Regierungspräsident von Arnsberg. Sein Amt als Reichs» und Staatskommissar üb rnahm er im Iahte 1920. Mehlich wat mit dem preußi­schen Innenminister Seveting perfoniich be­freundet. Et hat sich vor allem als Schlichter für Lohnstreitigkeiten in Westfalen durch seine ausgleichende Tätigteit besondere 03:r- dienste erworben. Erst vor ei -inhalb Iahrcut starb ihm seine Gattin. Er hinterläßt nunmehr sieben Kinder als Waisen, von denen das ^^üngste drei Jahre zählt. Der Reichskommifsar weilte am Mittwochabend noch in Berlin, wo er eine längere Unterredung mit dem Minister- Seveting hatte, der ihn auch noch an den älnglückszug be­gleitete.

Das Volksbegehren Sparerbundvr.vest" abgelehnt

Berlin, 19. Aug. (WB.) Der Re-.a)s- m i n i st e t d e s I n n e t n hat auf Beschluß der Rtzjchsregietung den von dem Obetlandevgerichle- ptäsldent i. R. Dr. Best, Mttglied des Reichs­tages, als Vertrauensmann des S p a r e r b u r - des und des Hypothelengläubigerverbandes zu­gunsten eines Gesetzes über die Ablösung öffentlicher Anleihen und die 11m- wertung von Htzpotheken und anderer Ansprüche mit dem KennwortSborerbunö Dr. Vest" abgelehnt.

Der Beschluß wird damit begründet, daß der Gesetzentwurf die lLestimmung enthält, durch die für die Altbesitzer von Markanleihen des Reicyes der 2lblösungssay von 121/- auf 50 v H des Rennwertes erhöht wird. Eine fol^e Aufwertung würde von ft ä r i ft e r und un« mittelbarster finanzieller Auswir­kung auf die haushaltsplanmäßig festzustellenden Ausgaben des Rei­ches für die Verzinsung und Tilgung der An- lecheschuld des Reiches'sein. Einzelne Aufwer­tungsberechtigte würden einen klagbaren Rechtsanspruch gegen das Reich auf Zahlung der Aufwertungsquote erwerben. Das Reich würde habet verpflichtet fein, den Betrag in den Haushaltsplan neu einzustellen, der sich ergibt aus der Erhöhung der Anleiheablösungs- schuld gegenüber den Verpflichtungen, die nach den jetzt geltenden Vorschriften bestehen. Das Gesetz würde demnach einen unmittelbaren Einfluß auf den Gesamtbestand des Haushaltsplanes 'ausüben und zwar we­gen der Höhe der in Betracht tommenden Be­trage in einer Weise, die den Haushaltsplan tatsächlich um stoß en werde. Der eingereichte Gesetzentwurf ist hiernach über den Haushalts- vlan im Sinne des Art. 7 3, Abs. 4 b c r Reichsverfa ssung anzusehen, über das nur der Reichs Präsident einen Volks­entscheid veranlassen kann, so daß auch ein Volks­begehren über diese Materie a l s unzulässig abzuweisen war.

Reichstagscmsschuh für das Wohnungswesen. Berlin. 19. Aug. iWolff.) Der Reichstags- auSschuh für das Wohnungswesen setzte am Don­nerstag feine Aussprache über Fragen der Ar­beitsbeschaffung durch den Woh­nungsbau fort und behandelte insbesondere die Ausstellung zusätzlicher Dauprograinme. Rach längerer Aussprache wurde folgende Entschließung angenommen: .Der Ausschuß erklärt sich einver­standen, daß die Frage der Acbeitsbeschassung durch Wohnungsbau und zusätzliches Baupro^ aramrn stark gefördert wird. Er erwartet, daß die Reichsregierung mit allen Mitteln auf die Länder emtotrft, dah der Instanzenweg bei der Vergebung der vom Reich bereitgestellten Mittel v eretnf a<bt wird, um die beschleunigte Durchführung des Programms zu sichern." Aus der KommunistischenPartei. _r Merlin 19. Aug. IWTB. Funkspruch) -^us Anlaß der Ausetnandersetzungen innerhalb ber Deutschen kommunistischen Partei soll Bu­charin im Auftrage Stalins in Ber11n ein- getroffen sein. Er soll angewiesen toorben fein, den Ausschluß der opposionellen Führer durch^ifetzen.

Wie die ^Rote Fahne" mitteilt, hat daS Zentralkomitee der Kommunistischen Par­tei Deutschlands auch bereits beschlossen. Ma­si o to s k i und Ruth Fischer aus der Kommu-