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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 167 Zweites Blatt

Oberheften.

Landkreis Gicszcn

y Klein-Linden, 19. Juli. Gegenwärtig werden in verschiedenen Ortschaften Rinnen gepflastert und schadhafte Stellen ausgebessert, wodurch schon lange bestehende Uebelständc beseitigt werden. Der Ausbau der Pfingstweidenstraßemit Dasaltsteinen und Kleinscllag ist beendet. Die Anwohner sind nun­mehr von dem jahrelangen Morast befreit, und die Kinder können die an dieser Straße liegende Kleintiirderschule trockenen Fußes erreichen. Lei­der besteht hier für das Langsamfahren d e r Au t os an der kurzen Biegung der Wetz­larer Straße noch keine polizeiliche Vor­schrift. so daß nicht selten viele Kinder hier in Lebensgefahr geraten.

L i ch. 19. Juli. Die Fertigstellung der von dem Schützenverein 1921 aus dem ,Ro- dcnschult" in Arbeit genommenen neuen Schießstände und des Schühenhauses hat eine Verzögerung erlitten. Vor Ende August werden die Anlagen kaum ihrer Bestimmung übergeben werden können. Die vorgesehene Ein- wcihungsfeier ist deshalb auf den ersten Sonntag im September festgelegt worden.

ri. L i ch, 19. Juli. Ein Fest- und Freuden­tag für jung und alt war der gestrige Sonntag, an dem unsere Stadt ihr Jugendfest beging. Schon in der Morgenfrühe weckten die Trommel der Schule und die Feuerwehrkapelle die Schläfer zum Festtag. Für die Kleinsten unter den Kleinen fand eine hübsche Feier am Vor­mittag in der Kleinkinderschulc statt. Die würdige Einleitung zum Fest war der F e st g o t t e s - dienst, den Stiftspfarrer Schorlemmer in der Marienstiftskirche hielt: bei dem feierlichen Ehorgebet wirkten Schulkinder mit. Ein an Far­ben und Klängen reicher Fcstzug begab sich zur Höhe des Hardtberges. Dort versammelten sich die Festteilnehmer zuerst zur Feier, bei der Bürgermeister Völker die Ansprache hielt, die in dem Deutschlandlied ausklang. Dann entwickelte sich ein fröhlich-festliches Treiben auf allen Seiten. Jugendspiele, Konzert, Vorträge der Gesangvereine, turnerische Darbietungen und allerlei andere Kurzweil lösten sich in buntem Wechsel ab. Aach gemeinsamem Rückmarsch in die Stadt löste sich der Zug am Rathaus auf. wo Bürgermeister Völker sich noch in einem herz­lichen Schlußwort an die Bevölkerung wandte. Künftighin soll sich an dieses allgemeine Jugend­fest am Montag der große Sicher Sommermarkt anschließen, dessen Abhaltung diesmal leider wieder wegen der immer noch in der Umgegenb verbreiteten Maul- und Klauenseuche unterbleiben muhte.

: Trais-Horloff. 18. Juli. Ein d öpe l t e r Unglücksfall ereignete sich hier gestern vormittag gegen 11 Uhr. Der auf der BraunkohlengrubeFriedrich" als Kutscher tä­tige Hermann Bornmann aus Utphe wurde von einein der beiden Grubenpferde beim Putzen der Tiere getreten. Er kam dabei zu Fall und erlitt eine erhebliche Verletzung in der Seite. Der Prehmeister Karl Lind aus Berstadt, der gleichfalls bei der Grube beschäf­tigt ist, wollte den Verletzten mit den beiden Pferden auf der Break der Grube nach Utphe in seine Wohnung fahren. Unterwegs scheu­ten die Tiere jedoch, so daß er kaum Herr über sie wurde. 2lls ihm kurz vor Utphe, aus einem Seitenweg kommend, das Fuhrwerk eines Utpher Landwirtes begegnete, lud er den Ver­letzten auf diesen Wagen und wollte zurück­fahren. Kaum aber hatte er gedreht, als er über die vollends scheu gewordenen Pferde die Gewalt verlor. In rasen­dem Galopp rannten die Tiere davon und konn­ten. auch unterwegs von anderen Fuhrwerken nicht zum Stehen gebracht werden. Statt nach Trais-Horloff umzubiegen, rannten sie auf In­heiden los. Dort stürzten sie, wobei Lind einen Arm brach. Ein zufällig dort weilender Arzt von Hungen nahm den Mann in seinem Auto mit, während das Fuhrwerk zur Grube gebracht wurde. Daß Lind die Herrschaft über die Tiere verlor, ist wohl daraus zuülckzufüHren. daß ihm bei einem früheren Brand auf der Grube die Hände verletzt wurden.

Kreis Friedberg

sf. Friedberg, 19. Juni. Am Sonntag fand die feierliche Einweihung des schönen Waldheims statt, das der Taunusklub Wetterau auf der Kepersburg geschaf­

fen hat. Das Gebäude bietet Schlafgelegenheit für 15 bis 20 Personen. Zur Einweihung hatten fich eine große Anzahl Mitglieder des Taunus­klubs Friedberg und Bad-Aauheim. sowie des V. H. C. eingefunden: auch der Taunusklub Wies­baden war durch di ne Abordnung und seine Mandolinenabteilung vertreten. Der Vorsitzende. Oberregierungsrat HooS. hielt die Begrüßungs­ansprache und dankte ollen Stiftern, nach ihm tprach ein Vertreter von Wiesbaden, zum Schlüsse überbrachte Professor F. W. S ch a u m die Grüße und Glückwünsche des V.H. T. Obersteuerinspek- tor Frank richtete in einem poetischen Gruß die Mahnung an die Jugend, der Wondersoche treu zu bleiben und für diese zu werben.

am. Staden. 19. Juli. Schon in vergange­nen Jahren wurde von hier berichtet, in welch mangelhafter Weise die hiesige Wasser­leitung funktioniert. In diesem Jahre ist es nun zu einem Skandal geworden. An der Quelle läuft eine Menge Wasser fort. Aber im Orte sind die Pumpen, welche das Grundwasser aus den Kellern, mit Hilfe von Leitungswasserantrieb entfernen sollen, auf An­ordnung des Kulturbauamtes Friedberg plom­biert worden. Aur 4 Stunden am Tage ist die Wasserleitung a u f g e st e l l 1. In hochgelegenen Häusern ist selbst in diesen Stunden oft fein Wasser in der Leitung. Welche Gefahr in unserem gänzlich von Brunnen entblößten Orte solch ein Zustand bedeutet, hat man neulich anläßlich eines Brandes in dem an unsere Wasserleitung angeschlossenen L e i d h e ck e n ge­sehen. Damals fehlte es vollständig an Wasser. Wäre es nicht ein Steinhaus gewesen, dann wäre der Schaden noch größer geworden. Wann wird dem unhaltbaren Zustande abgeholfen?

y Wölfersheim, 19. Juli. In der Ge­mein deratssitzung vom Samstag wurde erneut über die Beseitigung der Wasser- f a l a m i t ä t beraten. Zur Beantwortung stand die Frage: Wird die derzeitige Wassernot am schnellsten und billigsten beseitigt durch den Bau einer neuen ergänzenden Wasserleitung, oder durch Wassermesser, die zur Sparsamkeit mahnen? Ein von zuständiger Stelle eingeholter Kosten­voranschlag über eine Quellenfassung am Kuhweg neost Zuleitung und Einrichtung einer Pumpstation als Ergänzung der Wasserversorgung beläuft sich aus 22 000 Mark einmalige Ausgaben. Dazu kamen noch alljährlich 3600 Mk. für Verzinsung, lOpronzen- lige Tilgung des Anlagekapitals, für Starkstrom. Unterhaltung und Wartung der Anlage. Dieses Projekt wurde der hohen Ausgaben wegen vor­läufig zurückgestellt und beschlossen, für jeden Haushalt auf Gemeindekosten einen Wassermesser zu beschaffen, da man der Ueberzeugung ist, daß dann der sicher noch vor­handenen vielfachen Wasservergeudung Abbruch getan und die vorgesehene Wasser- menge wie in früheren Jahren ausreichen wird. Die Lieferung und der Einbau der Wassermesser soll auf dem Submissionsweg vergeben werden. Ferner soll endlich auch die Fertigstellung der Lehrerwohnung im neuen Schulhause in Angriff genommen und die Weißbinder- und Schreinerarbeit unter Zuziehung der Kreis-Bau­behörde ebenfalls auf dem Submissionswege zur Bewerbung ausgeschrieben werden. Die von Schulkindern vorgenommene Haussammlung zum Beste der Zeppelin-Eckener- Spende ergab den Betrag von 33 Mk. Es be­teiligten sich als Spender trotz der Geldknapp­heit alle Stände und politischen Parteien. Die Gemeinde hatte vorher 20 Mk. gezeichnet. Hier wurden am Samstag die ersten Fr ü h- k a r t o f f e l n geerntet und zu 3,80 Mk. pro Zent­ner abgegeben. Die Ernte fällt gut aus.

Kreis Schotten.

ld. Schotten, 19. Juli. Da die Heu­ernte nach Menge und Güte über Grwar - ton gut ausgefallen ist. wird zur Zeit, um für die bqld beginnende Fruchternte Platz zu schaffen, viel Heu abgesetzt. Aach anfänglichem Schwanken hat sich nun ein fester Heupreis herausgebildet. Für den Zentner saures Heu werden 2,70 Mk., für süßes Futter 3 Mk. be­zahlt. Wenn für Heu ein aufnahmefähiger Markt vorhanden wäre, wurde die Landwirtschaft, da eben andere Einnahmequellen nicht in Frage kommen, unter den: Druck der mißlichen Wirt­schaftslage größere Mengen Heu verkaufen.

ld. Aus dem Vogelsberg, 19. Juli. Die Erwartungen, die die Imker auf den Monat Juli setzten, haben sich nicht erfüllt. Wohl bieten Brombeeren und Weitzklee reichliche

Bilder aus Tirol.

Man sagt dem Deutschen nach, daß er mit Vorliebe seine Reisen ins Ausland oder ins Hochgebirge unternimmt, ohne seine eigene engere Heimat oder das deutsche Mittelgebirge zu ken­nen. So berechtigt und wahr auch dieser Dor- wurf ist die intimen Reize unseres Mittel­gebirges sind unbestritten im Gebirge ist es das mtfcere Klima, das dem Erholung suchenden Städter frische Kraft und frohen Mut wiedergibl. Es ist auffallend, wieviel Rorddeuftche man m den 2llpen antrifft. Auf den Bewohner des Flachlarches muß wohl die Gebirgslandschaft we­gen des Gegensatzes eine ganz besondere An­ziehungskraft ausüben Meist sind es Stamm- igäfte. die alljährlich dieselbe Gegend immer wieder aufsuchen.

Wer sich nicht nur in einen stillen, ent­legenen Winkel zurückziehen und nicht nur Milch- und Kneippkuren durchführen will, der muß sich zu Hause durch Führer und Karten vorberei­ten, sonst wird er von seiner Reise nicht viel haben. Freilich kann man ihm Gebirge noch we­niger als sonstwo einen festen Plan ausarbeiten, ist man doch hier von der unbeständigen Witte­rung ganz anders als sonstwo abhängig. Auch der Einheimische vermag höchstens mit Hilfe des Barometers (!) das Wetter einigermaßen vvr- herzusagen. Zweckmäßige, warme Kleidung, wasserdichter Umhang und Aagelschuhe sind un­erläßlich, ratsam für den Blumenfreund ist, sich etwa das illustrierte Buch von Hegi. Alpen­pflanzen. mitzunehmen. Für jede Wanderung nimmt man grundsätzlich seinen Umhang mit. Bei Hochtouren darf man es nicht scheuen, einen fdüixren Rucksack zu tragen, der außer t>em ilm­bang Reservewäsche. Proviant, Stiefelfett, Kerze und evtl, die Schneebrille enthält. Wege zu ver­lassen ist gefährlich, denn plötzlich und rasch Tonnen Siebe! Here in brechen und jede Orientie­rung unmöglich machen. Alsdann hilft nur Korn- Haß und Karte. Die besten Karten für das

bayerische Gebiet sind die billigen Generalstabs­karten im Maßstab 1:50 000 (Umdruck), die man vom topographischen Bureau in München direkt beziehen kann. Auf diesen Karten sind auch die angrenzenden österreichischen Gebiete eingc- zeichnet.

Beabsichtigt inan von einem festen Stand­ort aus Touren zu unternehmen, so ist es ratsam, einen möglichst hochgelegenen Ort zu wählen, denn der Anstieg ist dann wesentlich geringer als aus tiefergelegenen Tälern Besonders günstig infolge seiner Höhenlage und seiner wunderbar modellierten abwechslungsreichen Bergeswelt ist das Tannheimer Gebiet, liegen doch hier die Ort­schaften durchschnittlich 1100 Meter hoch. Die Entfernung von Deutschland aus ist gering, denn es ist ein Zipfel von Tirol, der zwischen Allgäu und bayrischen Alpen nordwärts nach Bayern hereinkagt.

Von Reutte im Lechtal gelangt man mit dem österreichischen Postauto über die wunder­bare kühne Gachtpaßstrahe ins Tannheimer Tal, ein durch eiszeitliche Gletscher breit ausgeweitetes Trogtal. Zur Rechten fallen die gewaltigen Rui­nen der Roten Flüh. des Gimpel und der Kölle- spitze auf, die trotzig und gewaltig ihre kahlen Häupter zum Himmel strecken. Als Kletterberge sind sie berühmt und gefürchtet, opferten doch schon hier dieses Jahr zwei junge Leute ihr Leben. Am Fuhr des Roten Flüh wird das Tal versperrt durch den grünschimmernden Haldensee, der behäbig dalirgt zwischen steilen Süd- und Rordhängen. Aur eng ist auf der Aord.eite die Fahrstraße. Plötzlich steigt der eigentümlich gebaute Aggenstein auf. Ein jähes Ende findet der Gebirgszug zur Rechten im Einstein: im Westen bricht er steil ab, als wäre er mit einem riesigen Messer abgeschnitten. Vor Tannheim steigen zur Linken z. T. noch jetzt schneebedeckte Pyramiden auf, von denen die auffallendste das Geishvrn und Rauhorn ist. Verfolgt man dort­hin südwärts entlang einen schäumenden Gieß' bach das Seitental, so steht man nach einitun*

Tracht, aber nun, da der Tisch einmal für die Immen gedeckt ist, fehlen die zum Einheimsen der Ernte nötigen Arbeitskräfte. In den Regenzeiten dieses SommerS war das Drutgeschäft zu oft unterbrochen, und nun können die fliehenden Honigquellen nicht erschöpft werden. Wenn nicht noch im Aachsommer größere Mengen Blatthonig eingetragen werden können, ist das Dienen- i a§ r 1926 der größte Versager, den selbst älteste Imker erlebt haben. Auch die 3mferreget: Schlechte Honigjahre sind gute Schwarmjahre" hat sich für dieses Jahr als nicht zutreffend er­wiesen, denn es sind fast keine Schwarme gefallen. Da viele Völker bereits dieDrohnenschlacht" durchgesührt haben, ist auch die Hoffnung auf natürliche oder künstliche Volksvermehrung dahin. Die schlechte deutsche Honigernte wird es dem Auslande leicht machen, Deutschland nun trotz Honigzoll mit unserem Honig nicht ebenbürtiger Ware zu überschwemmen, und dem deutschen Imker wird es in den kommenden Jahren schwer fallen, den unseren Honigmarkt erobernden billi­gen Auslandshonig wieder zu verdrängen.

Kreis Büdingen.

s:s Gelnhaar, 17. Juli. In der zweiten Dürgerversammlung, die in der Rihel- schen Wirtschaft ftattfanb. sollte endgültig dar­über Beschluß gefaßt werden, ob die hiesige Ge­meinde eine Wasserleitung erhalten soll. Bürgermeister D u r l e i n legte nochmals die Vorteile und Annehmlichkeiten einer solchen Ein­richtung dar. Auch zeigte er an Hand von Bei­spielen. daß die Kosten, die der Gemeinde durch den Bau entstehen, nicht allzu drückend sind. Die Arbeit soll als Aotstandsarbeit ausgeführt werden, was von der Behörde anerkannt werden muß: müssen doch Leute das Wa'ser oft 100 bis 200 Meter tragen. Dadurch steht der Gemeinde ein Staatszuschuß zu. In der Aussprache wurde im allgemeinen für die Ausführung gesprochen. Die nachfolgende Abstimmung - stimmberechtigt waren nur Hausbesitzer zeigte, daß die Ge­meinde fortschrittlich gesinnt ist: denn 9 0 Pro­zent der Stimmberechtigten stimmten für den Bau. Somit kann nun mit den nöti­gen Vorarbeiten begonnen werden.

Starfeenburg.

WEN. Neu-Isenburg. 19. Juli. Gestern abend gegen 9 Uhr wurde in der Offenbacher Straße die Ehefrau P e r r o t von einem Kraft- wagen überfahren. Sie erlitt so schwere innere Verletzungen, daß sie bald darauf o e r ft a r b.

Rheinhessen.

WSA. Mainz. 19. Juli. DemMainzer Anzeiger" zufolge konnten vor einigen Tagen in Augsburg die beiden Wander­burschen fest genommen werden, die kürz­lich bei Flomborn ihren Wanderkame- raden ermordet, äusgeraubt und in einer Rübengrube verscharrt haben. Die Täter wurden nach Mainz überfuhrt und sollen in den nächsten Tagen an die Mordstelle verbracht werden.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

Lützellinden, 19. Juli. Der im Jahve 1877 gegründete Männer-Gesangverein feiert im nächsten Jahre sein 50jähriges Be­stehen. Durch einstimmigen Beschluß des Ver­eins wurden als Festtage der 18. und 19. Juli 1927 bestimmt.

5 Lützellinden, 19. Juli. Dieser Tage wurde ein hiesiger Landwirt beim Heu - laden auf seiner Wiese von einem Gewi t ter überrascht. Wahrscheinlich durch die e i f e r ne Heugabel angezogen schlug ein Blitz dicht neben i h m in die Erde ein. wobei dem Manne durch die gewaltige Erschütterung die Gabel aus der Hand gerissen wurde. Glücklicher­weise verlief der Vorfall ohne weiteren Schaden.

6 Münchholzhausen, 19. Juli. Die beiden hiesigen Gesangvereine haben sich vor kurzem zu dem Männergesangverein Concordia" vereinigt.

6 Aus dem Hüttenberg, 19. Juli. Während in früheren Jahren das um diese Zeit einsehende Knappwerden der Futtervorräte un­serer Schweinezüchter eine allgemeine Senkung der Ferkelpreis e herbeiführte, bewegen sich in diesem Jahre die Preise für junge Schweine fortgesetzt auf gleicher Höhe. Ferkel von 6 bis 8 Wochen werden immer noch mit

diger Wanderung am Talabschluß vor dem blauen vielbefuchten Vilfalpsee. lieber malerische Steilhänge stürzen die Wasser, die ihn speifen, von mehreren Seiten über 500 Meter herab.

Wir ersteigen in mühseligen Serpentinen die südliche Steilwand und stehen vor einem nischen­artigen Becken, das zum Teil von dem Tran­alpsee eingenommen wird. Märchenhaft ist das Landschaftsbild. Ringsum steigen zirkusartig in mehreren Stufen die Hänge empvr und über allen thront die Lachenspihe, in ihrem Hellen Grau wirksam abstechend gegen die mit Schnee erfüllten Stufen. Laut fallen über die Stufen Wasserfälle in den See: prachtvoll ist das Spiegelbild der Hänge, wenn die Alpenrosen glühen. Ueber der letzten Stufe liegt der höchste und kleinste See. Roch bis Mitte Juli ist er zugefroren. Seine Versuche, aufzutauen, werden in den kalten Räch­ten immer wieder vereitelt. Darum vermag er auch nicht mehr die köstlichen Saiblinge und See­forellen zu beherbergen wie die beiden anderem Seen. Schrille Pfiffe verraten die Anwesenheit von Murmeltieren, in der Frühe wird man ganze Rudel von ©ernten sehen, Reulich sah ich an den steilen Wänden zwischen Jungvieh friedlich im Lartschengebüsche Rehe grafen. Edelweiß wächst hier in reichlicher Menge wie auch der wunder­bare Frauenschuh. Für Geld holen die ein­heimischen Burschen den Fremden jene begehrte Pflanze von den Felsen Staunend überschauen wir von der Höhe dieses eigenartige Gebirgs­land: und wir begreifen erst dann diese viel­gestaltige Regelmäßigkeit des Aufbaus. wenn uns verraten wird, daß hier Gletscher der Eiszeit ihren Ursprung genommen und von hier aus durch das Tal noch andere Wurzeln aufnehmend, langsam hinabgewandert sind. Daher alfo_ die Rischen, daher die breite wannenförmige Form der Täler.

Blicken toir von oben noch einmal rückwärts! Zu unseren Füßen liegen die drei blauen Seen in drei Stufen übereinander, wie große Augen, die uns aus verschiedener Tiefe winken und sich

Dienstag, 20. Juli 1926

40 bis 45 Mark bezahlt, so daß viele kleine Leute, die sich durch das Mästen und den Verkauf eines Schweines eine kleine Aebenein- nahme zu schäften suchten, unter diesen ungün­stigen Verhältnissen hiervon absehen müssen, zu­mal fte den größten Teil der Futtermittel noch anfaufen mühten. Alan betrachtet die hohen 5er- kelpreife als eine Folge der überall verbreiteten Viehseuchen, die das Abhalten von Märkten verhindern, wodurch andauernd eine starke Rachfrage nach jungen Schweinen herrscht. Aus diesem Grunde werden die in den Handel kom­menden jungen Tiere stets mit den höchsten Preisen bezahlt.

Kreis Limburg.

WSR. Limburg. 19. Juli Gestern nach­mittag sand hier in schlichter, würdiger Weise die Grund st einlegung der neuen Kirche des hiesigen Pallotiner-Missions-Klosters statt. Die Weiberede hielt als Vertreter des ver­hinderten Bischofs von Limburg Prälat Göbel, der in feinen Ausführungen das Wirken der Pallottiner-Missions-Gesellschaft würdigte. Mit einem gemeinsamen Gesang fand die Feier ihren Abschluß.

Maingau.

WSA. Eronberg, 19. Juli. 3m. Hause Ha-nstrahe Ar. 1 wurde gestern vormittag V?10 Uhr eine 27 Jahre alte junge Frau, die mit ihrem Ehegatten, dem Schiffsschaukelbesitzer H a u r aus Schierstein a. Rh. in Scheidung lebte und deshalb seit einiger Zeit bei ihren Eltern in Eronberg lebte, von einem Angehöri­gen der französischen Desatzungstruppen, einem Marokkaner, der sie mit seinen Sieben­en trägen verfolgte, erschossen. Der Marok­kaner drang in die Wohnung ein und verlangte die junge Fran zu sprechen. Kaum war er mit ihr allein, als zwei Schüsse krachten. Bei der gewaltsamen Qfisnung des Zimmers fand man die junge ^rau mit einem Schuß durch die Schläfe tot a.; . während der Marokkaner schwer verletzt war. Er wurde ins Kranken­haus eingeliefert, wo er kurze Zeit darauf ver­starb.

Turnen, Sport und Spiel

Leichtathletischer Klubzwei­kampf in Wetzlar: F. (E. - B. C«

Senioren: 70:70 Punkte.

Jugend: 107:56 Punkte für F. C.

h. Man muß dem Bericht über diese Veran­staltung vorausschicken, daß sie ihrem ganzen Ver­lauf nach keine Propaganda für den leichtathleti­schen Sport war, der z. D. im nahen Gießen eine so außerordentliche Höhe aufweist und von dem dort nur das Beste in der Oeffentlichkeit gezeigt wird.

Der Beginn des Wettkampfes verzögerte sich dadurch, daß der D. C. mit dem Start von Paulus, den man als Teilnehmer bei den westdeutschen Meisterschaften wähnte und der sich erst in letzter Minute für den ausgefallenen Voß zu starten bereit erklärte, nicht einverstanden war mit der Begründung, daß Paulus für den F. E. eine zu große Verstärkung bedeute, so daß es für den B. C. aussichtslos sei, den Club- kämpf zu gewinnen. Erst nach längerem Ver­handeln begannen die Wettbewerbe. Dadurch, daß man Paulus nur die Teilnahme am Kugelstoßen und Diskuswerfen und der Vierer- ftaffel über 4x100 Meter gestaltete, Konkurrenzen, die der F. & sowieso gewonnen hätte, gingen die kurzen Strecken für den Fuhballclub verloren. Diesen Verlust holte aber der F. C. im Werfen und Springen wieder auf, und mit dem Siey in der Viererstaffel gewannen sie ihren einzigen Laufwettbewerb. Zu erwähnen sind von Einzel- leiftungen: Zerndt, D. C., über 100 und 200 Meter in 11,7 und 23,7 Sek.: Hertstein, B. T.. über 400 und 800 Meter in 54,7 Sek. bzw. 2:15,0 Min.: Dademasch, F. C., im Hoch- und Weitsprung mit 1,65 und 6,17 Meter und Paulus im Kugelstoßen und Diskuswerfen mit 11,23 bzw. 37,65 Meter. Die 4x100 Meter lief der F. C. verhalten in 46,6 Sek. Den Jugend- zweikampf gewann der F. C. überlegen, indem er in jedem Wettbewerb, außer dem Kugelstoßen des jüngsten Jahrgangs, erster Sieger blieb. An besonderen Leistungen feie» erwähnt: Der 100- Meter-Sieg von Fuchs, F. E in 12 Sek., der Hochsprung von Philipp, F. E.. mit 1,62 Meter und der Speerwurf von Brill, F. T., mit 40,60 Meter (mit dem Seniorspeer) und sein

mit uns zu freuen scheinen. Rach der entgegew- gesetzten Seite beginnt tief einschneidend ein regel­mäßiger gebautes Tal, in der Höhe im Halb­kreis eingerahmt von den Dolomitpfeilern der Loilach, der Lachenspih und dem grasbewachsenen Schochen. Sie alle erheben sich über etwa 2200 Meter. Dieses Birkental, das bis zum eingangs erwähnten Gachtpatz führt, sendet seine Wasser ostwärts zum Lech, während die Seen nach dem Iller nordwestlich entwässern. Auf der Höhe standen wir also auf der Wasserscheide des Lech und Iller. x

Wunderbar reich und üppig ist die Pflanzen­welt. Die Talwiesen erstrahlen in kontrastreicher Farbenpracht. 3m Frühling bedecken wie ein Teppich die blauen und weißen CrocuS die Fluren, später die blauen Enziane und Primeln, im Frühsommer folgen dann das Heer der Sommer­blumen. Die Gräser treten dagegen zurück. Im Gehängeschutt, im Schotter an den Felswänden, überall sproßt Pflanzenleben.

Das Völlchen, das diese Hochtäler besiedelt hat. verrät deutlich seine schwäbische Abstam­mung. Der Rasse nach unterscheiden sich die Menschen in nichts von uns Mitteldeutschen. Sie sind mittelgroß, brünett und blond. Blauäugige sieht man weniger. Die Sprache ist echt schwäbisch, für unser Gefühl von frohem, herzlichem Ton, wenn auch die Kehllaute etwas hart flingen.

Das unbeständige rauhe Gebirgsklima hat einen kräftigen, arbeitssamen und frommen Men­schenschlag erzeugt. Arbeit und Entbehrung ist man gewöhnt, in der Arbeit findet man seine Qäefriebigung.

Industrie gibt es gar nicht, die wenigen Handwerker sind nebenher auch Bauern. Der Dauer fertigt viele Arbeiten selber, die man bei uns dem Fachmann überläßt. Er deckt fein Haus selber, er brennt Kall selber und bestteicht damit die Außenwände seines Hauses schön sauber an.

Infolge der einfeiiigen Erwerbsmöglichkei» kann auch die Siedelungsdichte nicht groß fein. Sie ist abhängig von der Größe und Güte