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wurde er Senator und spielte bei der Wieder­aufnahme der Beziehungen zu Sowjetruhland und in der Frage der Gesandtschaft am Vatikan eine Rolle. Durch zahlreiche Publikationen hat sich de Monzie den Rps eines Finanzpolitikers erworben. Herriot berief ihn daher im April 1925 als Finanzminister ins Kabinett. Im späte­ren Kabinett Driand übernahm er das Unter» richtsministerium.

Don den anderen Kabinettsmitgliedern ist Painlebe

schon verschiedentlich Ministerpräsident gewesen. Painleve ist 1863 in Paris geboren, von Beruf Mathematiker und als solcher Mitglied einer Reihe wissenschaftlicher Akademien des Aus­landes. 1917 wurde er Kriegsminister und dies Portefeuille hat er dann in den verschiedensten Kabinetten verwaltet. 1924 wurde er Kammer­präsident, kandidierte als Rachfolger Millerands für die Präsidentschaft der Republik, unterlag aber gegen Doumergue. 1925 war er Chef zweier Kabinette mit Driand als Außenminister und Caillaux als Finanzminister, konnte aber gegen den Widerstand der Kammer die Finanzfrage nicht lösen. Auch der neue Handelsminister

Loucheur

hat schon mehrmals dies Amt bekleidet. Er ist 1872 in Roubaix geboren. Don Haus aus In­genieur, wurde er Großunternehmer von Dahn- bauten, Wasserwerken und ähnlichen Anlagen. Während des Krieges war er Munitionsminister in den verschiedensten Kabinetten, nach dem Friedensschluh Minister für, Wiederaufbau. Als solcher wurde er bekannt durch das mit Rathenau abgeschlossene Wiesbadener Abkommen. _ 1924 übernahm er das Handelsministerium. 1925 das Finanzministerium. Sein Sanierungsplan fand aber nicht die Billigung der Kammer.

Von den übrigen neuen Ministern ist weiter schon hervorgetreten der neue Minister des Innern Lhaulemps.

Er ist 1885 in Paris geboren, entstammt einer saooyischen Familie, die in der französischen Politik schon seit langem eine Rolle spielt. Er selbst wurde Rechtsanwalt und Deputierter, 1924 Minister des Innern im Kabinett Herriot, 1925 Justizminister unter Painlevs und im Novemberkabinett Briand wiederum Innenminister.

Andre Hesse, der neue Minister für die öffentlichen Arbeiten, ist ebenfalls Pariser und einer der bedeutendsten Advo­katen Frankreichs. In der Kammer ist er feit 1910, aber erst seit 1925 zum erstenmal als Kolonialmini­ster Mitglied eines Kabinetts.

Das polnische N'gierungsprogramm.

Berlin. 20. Juli. (TU.) Der Sejm stimmre gestern über die Verfassungsänderun­gen ab und nahm mit Zweidrittelmehrheit die von der Regierung geforderten Derfossungs- än rangen an. Diese besagen, daß das Budget­jahr nicht mit dem Kalenderjahr zusammen zu falten braucht und daß der Präsident der Re­publik das Recht hat, beide Kammern auf- zu lösen, wenn die Regierung mit der Volks- r.r reiung nicht übereinstimmt. Als dritte CBer- fastur.gsändcrung wurde die Bestimmung geneh­migt, daß jeder wegen eines Vergehens be- s.r'.ste Abgeordnete sein Mandat verliert. Ab- gelehnt wurde die Einführung des Ver- h ä l t n i s w a h l r e ch t s und die Herauf­setzung des Wahlalters. Heute wird ül .r die von der Regierung geforderten Voll­machten aiaestimmt.

Der Abstimmung ging eine Debatte voraus, in die

Ministerpräsident Barthels

mit einer ausführlichen Programmrede eingriff. Er agte u. a :

Das Programm der polnischen Regierung ist frei von jeder Parteipolitik. Wir haben uns vor allem der wirtschaftlichen und fi­nanziellen Sanierung zuzuwenden. Cs ist uns zunächst auch gelungen, die Stabilisierung deS Zloth zum Kurse von etwa 10 Zloty für einen Dollar durchzuführen. Die Golddeclung der Währung beträgt 144 Millionen Paritäts­zloty. Das Gold der Bank von Polen, das sich im Ausland befindet, kann insofern bereits als freigegeben betrachtet werden, als unsere Schul­den gegenüber der Federal Reserve Bank durch die Reservebestände an Valuten der Bank von Polen abgedeckt werden können. Im gleiten Verhältnis, wie die Devisenvorrä.e angewachsen sind, wurde auch der Umlauf des Zloty ver­größert. Die Regierung hat den Kampf mit der Teuerung ausgenommen. ist ihr ge­lungen, auf manchen Gebieten die Preise her- un.erzudrücken, ohne dabei auf die Lohnverhält- nisse Einfluß zu nehmen. 2n bezug auf die Aus­landpolitik sieht die Regierung ihre Hauptauf­gabe in der

Festigung des Vertrauens des Auslandes zu Polen.

Sie legt besonderen Wert auf die wirtschaft­liche Zusammenarbeit mit ganz Europa. Die gegenwärtige Regierung hat die Arbeiten für den Abschluß eines Handelsvertrages mit Deutschland energisch in die Hand ge­nommen. Die Regierung hat volles Verständnis für die außerordentlich bedeutsame Rolle, die der polnische Staat in dem Programm des euro- päiichen Friedens, der europäischen Sicherheit und der internationalen Zusammenarbeit zu spielen hat. Die Regierung hat auch Verständnis für die aus dieser Rolle sich ergebenden Pflichten und Rechte. Unter Anerkennung deS bestehenden Rechtszustandes und tret Polen verpflichtenden Bündnisse können die fremden Staaten, beson­ders diejenigen, deren geographische Rachbar­schaft zahlreiche gemeinsame Interessen mit Polen schafft, auf den guten Willen Polens rechnen und zwar sowohl in bezug auf die Rege­lung der noch schwebenden Fragen wie über­haupt in bezug auf die aufrichtige und redliche Mitarbeit. Die polnische Regierung ihrerseits wird sich berechtigt fühlen, von diesen Staaten eine entsprechende Haltung zu fordern.

Mit aller Energie weise ich die uns zuge­schriebenen aggressiven Absichten gegenüber irgendeinem unserer Nachbarstaaten zurück.

Ebenso *rnuß ich diejenigen als unehrlich be­zeichnen, die Gerüchte von einem angeblich von der Regierung beabsichtigten Verzicht auf irgendwelche Teile des Staatsgebietes verbrei­ten. In der inneren Politik wird die Regierung bestrebt sein, die Reibungen auf nationalem und konfessionellem Gebiet zu mildern. Die Regie­rung wird eine Amnestie für politische Vergehen

zu

in Leningrad hat Geh. Rat Prof. Kessel ihrem Ehrenmitglied ernannt.

Vie DMatm in Griechenland.

Eine Verschwörung gegen Pangalos?

Das neue Kabinett.

Die Führer der demokratischen Parteien, Kafandaris, Papanastasiu und Micha- l a o p u l o s sowie einige Politiker und Journa­listen sinh wegen angeblicher Verschwörung gegen das Regime verhaftet worden und sollen auf die Insel Raxos überführt werden. Der frühere Minister Eutaxias ist mit der Bildung des Kabinetts beauftragt worden. Der Außenminister R u f o s sowie die Minister für Inneres, Krieg und Landwirtschaft verbleiben im Amt.

Der Diktator General Pangalvs hat zur Rechtfertigung seiner Maßnahmen eine Bot­schaft an das Volk gerichtet, worin er erklärt, die Politik der Realtion hätte seine Be­mühungen um eine Versöhnung der Parteien vereitelt und sich auf den Weg des Auf­stands und der Verschwörung begeben. Sie Regierung und die zuständigen Behörden seien im Besitz unbestreitbarer Anzeichen und triftiger Beweise dafür, daß feit dem Juni dieses Jahres gewisse politische Kreise unter dem Vor­wand, die Freiheit des Volles zu verteidigen, sich damit befaßten, Komplotte anzu^etteln, die planmäßig die finanziellen und politischen Interessen des Landes untergraben sollen. Es beständen ernste Hinweise dafür, daß die Er­mordung des Staatsoberhauptes ge­plant gewesen sei. Man besitze u. a. ein von P l a ft i ras unterzeichnetes Schreiben, vom 7. Juni datiert, worin dieser seinen Mitarbeitern in Athen Anweisung über die Rotwendigkeit einer Ermordung des Präsidenten der Republik sofort bei Ausbruch der geplanten Bewegung gegeben hat. Pangalos erklärt in seiner Bot­schaft zum Schluß i Getragen von der unge­heuren Mehrheit 0:3 Volkes werden wir unser Werk des Wiederauch..ues des Staates fv.tsehen und dieses Werk demnächst dem freien Urteil; des Volkes vermittelst von Wahlen unter­breiten.

Kunst und Wissenschaft

Aniversitätsnachrichten.

Der ordenllichc Professor der Zoologie und ver­gleichenden Anatomie an der Universität Marburg, Geh. Rat Lr. phil. Dr. med. h. c. Eugen Kor­sch e l t ist zum 1. Oktober 1926 von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. Der Gelehrte tarn im I.iyre 1892 als o. Professor der Zoologie und vergleichenden Anatomie sowie Direktor des Zoologischen Instituts als Nachfolger von Pro­fessor R. Greef nach Marburg; 1904/05 bekleidete er das Rektorat.

Ehrung eines Heidelberger Gelehrten.

Die russische Akademie der Wissen'chaften.

erlassen, die vor dem 1. April 1923 begangen wurden und die aus der Vorkriegszeit stammen- den Rechtsbeschränkungen der Ratwnalitaten aufheben. . AT

Sie Regierung will eine Regierung der Ar­beit sein. Die Vollmachten, die sie ver­langt wird sie in der äleberzeugung ausuben daß die von chr entwickelten Grundsätze und Methoden eine Verwirllichung ihrer Absichten möglich machen. Die Regierung wird es nicht zulassen, daß die wichtigsten Rechte der Staats­bürge r n i ch t p o l n i sch er R a t io na l i t d t gefährdet werden, denn sie ist der Ansicht, daß die Bekämpfung irgendwelcher Kategorien von Staatsbürgern in ihrer Sprache oder ihrem Glau­ben dem Geiste Polens zuwider ist.

. Aus aller Welt.

Das Motor-Rotorschiff.

Am letzten Freitag früh begannen die Erpro­bungsfahrten des Moior-RotorschiffsBarbara" ab Bauwerft Weser A.-G Bremen. Zn das Verdienst, die Flettner-Erfindung rasch für die praktische Er­probung reif gemacht zu haben, teilen sich die Reichsbehörden, wobei die Marineleitung den Anstoß gab, Herr Sloman jr.-Hamburg als Reeder und die Weser A.-G. als Bauwerft. Die Tragfähigkit der Barbara" beträgt 2800 Tons. Das Schiff besitzt eine Schraube, hat Viertaktmotoren. Bauart We|er- M. A. N. mit Dulkangetrieben, ferner drei Flettner- Rotoren von 17 Meier Höhe und vier Meter Durch­messer. Als Zusatzamrieb aufbauend auf den Er­fahrungen mit derBuckau" hat man bei der Rotor- ronstruktion wesentliche Fortschritte erzielt, die in der Verminderung des Rotorgewichts und einem f a st geräuschlosen Gang zutage treten. Das erste Erscheinen des Schiffes auf der Weser weckte lebhaftes Interesse auf der See und an Land. Die Schiffs-Silhoutte ist sehr ansprechend. Die Erprobung der Motoren und des Flettner-Ruders ergab ein einwandfreies Resultat. 3m Anschluß dar­an begann die Rotorenerprobung. Als Ergebnis kann unter vollem Vorbehalt jetzt folgendes gesagt werden: Bei ganz abgestellten Maschinen lief die Barbara" nur unter Rotorantrieb bei günstigem Wind von der Stärke 4 und leichtbewegter See zwischen 5 und 6 Seemeilen, bei Benutzung der halben Maschinenkraft ohne Rotoren 7 Seemeilen, unter Zusatz von Rotorwirkung etwa 9,5 Seemeilen, mit ganzer Motorkraft ohne Rotoren 9 Seemeilen und unter Zusatz von Rotoren 10,5 Seemeilen. Durch das Fehlen der Ladung waren der Tiefgang und die Geschwindigkeit beeinflußt. Die Zugkraft der Rotoren auch bei der SchiffsgrößeBarbara" scheint erwiesen und in diesem Sinne die Flettner- Erfindung ausbaufähig. Der Wirtschaftlichkeitseffekt läßt sich erst später auf Grund von Versuchen län­gerer Dauer feftfteUen. Die Probefahrten nehmen ihren Fortgang.

Der Vcrbandstaa des Zentralvcrban- des der Landarbeiter.

Auf der Montagsitzung des Zentralverbandes der Landarbeiter hielt Schriftleiter Heinrich Boehm einen Vortrag über Vorschläge zur Lösung der L a n d a r b e i t e r f r a g e. Es wur­den dann einstimmig Entschließungen angenom­men, in denen es u. a. heißt: Die ungünstige wirtschaftliche Lage der deutschen Landwirtschaft hat sich durch die ungünstige Witterung noch mehr verschlechtert. Teilweise wurde durch älnwetterkatastrophen die Ernte völlig vernichtet und auch sonst großer Schaden angerichtet. Die christlich-nationale Landarb'itersch'ast Deutschlands erwartet, daß seitens der Regierungen des Rei­ches und der Länder und seitens der ausführen- den Behörden der Rotlage der Landwirt­schaft weitestgehend Rechnung getragen wird.

Insbesondere ist zu fordern, daß bei Ein­ziehung von Steuern mehr Rücksicht auf die Existenz der Betriebe und der in diesen beschäftigten Arbeitnehmer genommen wird als das bisher geschehen ist. Die christlich-nationale Laicharbeiterfchaft erwartet weiterhin, daß bei Verwendung der zur Milderung der Hochwasser- und älnwettrrschäden zur Verfügung stehenden öffentlichen Mittel in erster Linie diejenigen Schäden reguliert werden, welche die ländlichen Arbeiter in ihren eigenen Wirtschaf- t e n erlitten haben.

Eine Kriegsbeschädigten-Tagung in Hamburg.

Unter starker Beteiligung aus dem ganzen Reich hat der Reichsverband deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegshin­terbliebener e. V., Sih Berlin, seinen dies­jährigen Verbandstag in Hamburg eröffnet. Ver­treter des Hamburger Senats und der Bürger­schaft und der Versorgungsgerichte in Dresden und Hamburg wünschten der Tagung besten Er­folg. Zu Verbandsleitern wurden Kienser (Leip­zig), Kieselmeyer (Detmold) und Lemcke (Rord- mark) gewählt. Die Hauptversammlung brachte Vorträge über Fragen der Stellung des Reichs­verbands zur sozialpolitischen Gesetzgebung und Darlehensgewährung an Kriegsbe- schädigte. Ein Vorschlag zur Abfassung eines Protestes wegen ungenügender Versorgung der Kriegsopfer und zur Frage des Reichsehren­mals, das nach der äleberzeugung des Ver­bandes am schönsten in der Form eines Er­holungsheims für Kriegerwaisen zum Ausdruck käme, fand einstimmige Annahme.

Ein geschäftstüchtiger hungerkünftler.

In Leipzig hatten sich der Hungerkünstler Harry R e l s o n alias Reinhold Ilmer aus Berlin, der Kaufmann Gustav Schützen­dübel aus Berlin und der Wächter Bernhard Müller aus Leipzig wegen Betrugs zu verantworten. Relson war im März dieses Jahres im Leipziger Kristallpalast als Hunger- künstler aufgetreten und wollte 45 Tage hungern. Am 32. Tage hatte ein Kriminalbeamter entdeckt, daß der Hungerkünstler längere Zeit Hühnerbrühe sowie Biomalz zu sich genommen hatte, das ihm von dem Wächter Müller im Einverständnis mit dem Schützendübel z u g e st e ck 1 war. Relson und Schühendübel hatten nach 32V2 Tage Hungerns des erste­ren eine Gesamteinnahme von 32 000 Mark. Rach Abzug der Unkosten war ein Reingewinn D o n 11 000 Mark verblieben, den sie geteilt haben. Das Gericht verurteilte die Angeklagten wegen Betruges, und zwar Ilmer zu 2 Monaten, 2 Wochen Gefängnis, Schühendübel zu 4 Mo­naten Gefängnis und 400 Mark Geldstrafe und Muller zu einer Woche Gefängnis.

Das Befinden des Fliegers Wüfthoff.

Der Zustand des in Dresden bei feinen Kunit- flügen abgeftürzten Oberleutnants a. D. Wüst- Hoff ist noch äußerst bedenklich Der Pa­tient hat bisher das Bewußtsein noch nicht völlig wiedererlangt. Es mußten ihm beide Unterschenkel abgenommen werden

Schwerer Anfall i:i Sarlsruhe-Rheinhafen.

Karlsruhe, 20. Juli. (WTD. Funk­spruch.) Bei dem gestrigen schweren älnwrttev wurde im Karls uher Rheinhafen am Kohlen­lager der Firma Gebr. Röchling ein gro­ßer Kran umgeworfen. Er stürzte auf ein beladenes Schiff, das versank. Das Kranführer- baus stürzte ins Wasser. Der Kranführer wurde schwer verletzt. Ein Teil der Laus brücke stürzte auf Eisenbahnwagen, die vollständig zertrümmert wurden. Eiü Mann, der unter einem Wagen Schutz gesucht hatte, erlitt schwere Verletzungen.

Verhaftung eines Aklienfälschers.

Im Oktober 1924 wurde ein ungeheurer Aktienschwindel au. gedeckt, an dem mehrere Per­sonen beteiligt waren. Es wurden für viele Millionen Aktien aller möglichen Indu­strieunternehmen gefälscht und teilweise in den Verkehr gebracht. Die Hauptöeteiligten, Dr. Ludwig Boeck, Baron Roesner, v. Blumenthal und zwei Gebrüder Jakobi wurden festgenommen und im Frühjahr dieses Jahres ab geurteilt bis auf Günther Jakobi, der freige­sprochen wurde. Reuerdings in dieser Ange­legenheit von der Berliner Kriminalpolizei an- gestellte Ermittlungen führten dazu, daß auch Günther Jakobi der Fälschung überführt und wiederum verhaftet wurde. Er hatte von Berlin aus einer mittleren Druckerei in Saalseld in Thüringen einen großen Auftrag auf Druck von Montanaktien unter dem Ramen Freiherr- Roy ertellt. Dem Druckereibesitzer stiegen aber Bedenken auf. Aus Rückfrage bei dem Montan­werke stellte sich heraus, daß der angebliche v. Roy ein Fälscher sein mußte. Er wurde nach Berlin gebracht.

Durch Aufschlag getötet

Während eines Umzuges in Heidel­berg scheute das Pferd einer Droschke und schlug einen Teilnehmer derart unglücklich mit den Hufen auf die Brust, daß er kurz nach der Einlieferung in das Krankenhaus starb.

Beim Baden ertrunken.

In Frankfurt sind zwei junge Leute beim Baden, davon einer im freien Main, ver­ändere im Stadion ertrunken. Auch aus der näheren und weiteren Umgegend werden zahl­reiche tödliche' älnglückssälle beim Baden ge­meldet. In Aschaffenburg sind der 20jäh- rige Maurer Georg Seitz und der 16jährige Fabrikarbeiter Johann Büttner oberhalb des Flußhafens, wo sie anscheinend in einen Strudel gerieten, in der starken Strömung verschwanden. Die eingeleiteten Reitungsmaßnahmen waren ver­geblich. Bei Seligenstadt versuchte der 15jährige Sohn des Schuhmachers Rachor, der des Schwimmens unkundig war, mit einer de­fekten Schwimmbüchse im Main das Schwimmen zu lernen, wobei er ebenfalls ertrunken ist. Die Leiche konnte bisher noch nicht geborgen werden. Auch aus Mainz werden 3 Opfer des Badens gemeldet. Bei Budenheim ertrank ein Familien­vater, der sich zu weit in den Strom hinaus­begeben hatte, vor den Augen seiner Frau und seiner beiden Kinder. Im Strandbad auf der Ingelheimer Au erlitt die 17jährige Tochter des Buchdruckers Eggebrecht beim Baden einen Eehirnschlag und verschwand in den Wellen. Das Mädchen konnte zwar geborgen werden, doch konnte nur noch der Tod sestgestellt werden. Am gleichen Rachmittag erlitt gegenüber der Ingelheimer Au bei Mombach ein Dienstknecht aus Mombach im Wasser einen Gehirnschlag. Die Leiche konnte geborgen werden. Aus

Heidelberg wird gemeldet, daß der Reckar ebenfalls 3 Personen als Opfer angefordert hat. Bei der alten Brücke ertrank der 47jährige Gipser Karl Sutter, dessen Leiche noch nicht ge­borgen werden konnte. Unterhalb der neuen Drücke fiel der 24jährige Buchbinder Alfred Greif den Wellen zum Opfer, während oberhalb von Heidelberg bei der Reckargemünder Drücke der 28jährige Schreiber Peter Schmitt aus Ziegelh/iusen. wahrscheinlich infolge eines Herzschlags, plötzlich im Reckar verschwand . Aus Freiburg wird gemeldet, daß im Tittisee ein Kurgast, der mit einem Herrn eine Dootfahrt auf dem See unternahm, infolge Kenterns des Dootes ertrunken ist. Sein Degleiter konnte sich noch rechtzeitig retten. 3m Mannheimer Floßhafen ist ein 42jähriger Zimmermann er­trunken. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Auch bei Koblenz haben Rhein und Mosel ihre Opfer angefordert. Am deutschen Eck fand in der Mosel ein Schüler beim Daden den Tod, während bei 'Ehrenbreitstein ein junger Mann aus Durglengenfeld beim Daden im Rhein ertrunken ist. Dei Melsungen geriet bei dem Versuche, die Fulda zu durchschwimmen, ein junges, hier zu Besuch weilendes Mädchen in Lebensgefahr. Dank der Entschlossenheit eines Schülers, konnte das Mädchen, mrchüem es schon zweimal in den Wellen versunken war. noch lebend an Land gebracht werden.

2lus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 20. Juli 1926.

Zuschriften an Behörden.

Es kann nicht oft genug davor gewarnt werden, Zuschriften, Eingaben, Beschwerden, kurz gesagt, irgendwelche Schreiben, mit denen sich eine Behörde zu befassen hat, z.D. die Gerichte, Kreisämter, Forstämter usw., an die Adresse eines bei dieser Behörde beschäftigten Beam­ten zu richten. Der Rame eines Beamten hat auf der Driefhülle unbedingt wegzublei­ben, da sonst die Gefahr besteht, daß der Brief nicht bei der Behörde selbst, sondern in den Privatbriefkasten des auf der Anschrift ange­gebenen Beamten abgeworfen wird. Erfährt hier­durch die Ankunft des Schreibens bei der be­treffenden Amtsstelle schon an sich eine erheb­liche Verzögerung, so besteht auch weiter die Gefahr, daß der Brief in der Tasche des Be­treffenden stecken bleibt wir sind alle Men­schen, oder daß der vielleicht in Urlaub wei­lende Beamte den Brief, der vielleicht einen eilenden, wichtigen Antrag enthält, überhaupt nicht bekommt. Die Absender von Schriftstücken erreichen also bann, wenn sie den Ramen eines Beamten auf die Driefhülle sehen, genau das Gegenteil von dem, was sie erreichen wollen, nämlich keine Deschleunigung sondern Verzöge­rung und Unsicherheit. Man adressiere also einen Brief z. B. turer HandAn das Hessische Amtsgericht Gießen" oderAn das Preußische Landratsamt in Wetzlar" usw.

Gießener Wochcnrnarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochanmarkt: Butter 180 bis 190, Matte 30, Wirsing 15 bis 30, Weißkraut 15 bis 30, Rotkraut 40, gelbe Rüben 15, rote Rüben 20. Spinat 25 bis 30, Römischkohl 10 bis 15, Dohnen (grüne) 30 bis 50, Dohnen (gelbe) 60, Erbsen 15 bis 20, Misch- gemüfe 10 bis 12, Tomaten 25 bis 100, BtoicSdn 20, Pilze 40, Kartoffeln 6, Frühävfel 20, Birnen 20 bis 35, Kirschen 35 bis 40, Heidelbeeren 35 bis 40, Stachelbeeren 25 bis 30, Johannisbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 60 bis 80, Pflauiyxn 30, Mirabellen 60, Weintrauben 80. Himbeeren 70 bis 80, Walderdbeeren 100, Pfirsiche 35 b?3 70, Aprikosen 70, Honig 40, junge Hahnen 100 bis 110. Suppenhühner 110 bis 120 Pf. das Pfund: Käse 10 Stück 60 bis 70 Pf.; Eier 12 bis 13, Blumenkohl 10 bis 80, Salat 5 bis 10, Salat- gurken 25 bis 60, Endivien 20, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Rettich 10 bis 15 Pf. das Stück; Radieschen 10 Pf. das Bund.

Äoruotizeu.

Tages lalender für Dienstag. Stadttheater: 8 älhr, Eckstspiel des Kurtheaters Dad-Ra.'.heim:Zwei Wappen". Kaufmänn. Verein: 9 älhr, Vereinshaus, Außerordentliche Generalversammlung.

Wettervoraussage.

Westliche Winde, schwach aufheiternd, vor­wiegend wolkig, zeitweise geringer Regen oder Gewirter, wenig Lemperaturänöerung.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 28,5 Grad Celsius, Minimum: 16,1 Grad Celsius. Riederschläge: 0,9 Millimeter.

Heutige Morgentemperatur: 19,1 Grad Cel­sius.

** Das Bureau des Verkehrs ver- e i n s wird in den nächsten Tagen im Torhäus­chen am Seltersweg. gegenüber vom Cafe Hett- ler, neu eröffnet werden. Damit wird dem Publi- lum nach langer Pause wieder Gelegenheit ge­boten. sich im Zentrum der Stadt ohne viel Zeit­verlust Reiseberatung, Führerlektüre usw. zu be­schaffen.

** Auszeichnung verdienter Feuer­wehrleute. Gelegentlich der gestern abend stattgehabten Hauptübung der Freiwilligen Gail- schen Feuerwehr überreichte KreisfeuerWehr-In­spektor D i ck o r e im Auftrage des Kreisamts den Feuerwehrlameraben Fischer. Münch, Ritzel, Rohrbach, Stein und Wein- Hardt für 2öjährige treue Dienste bei der F. G. F. dos Allgemeine Ehrenzeichen für Frei­willige Feuerwehren. Der beseitige Chef der F. G. F.. Generaldirektor Dr. Gai l, gedachte in einer Ansprache der Verdienste der Iubilare und zeichnete sie noch mit einem Diplom aus.

Lehrausflug des Landwirt­schaftlichen Kreisvereins Alsfeld. In G i e h e n trafen am Sonntag zahlreiche Land­wirte des Kreisvereins Alsfeld unter Führung des Vorsitzenden, Kreisdirektocs Dr. Stamm- l e r, ein, um eine Besichtigung des älniversitats- Versuchsgutes und des neuen Tierzuchtinstituts der Landcsuntversttät vorzunehmen. Weiter nah­men Mitglieder des Vereins ehemaliger Land­wirtschaftsschüler an der Besichtigung teil, ferner Direktor Dr. Becker vom Landwirtschaftsamt Alsfeld und Oekonomierrt K o r e 11 - Angenrod. Auf dem Tlniversitätsversuchsgut hatte Dr. Kreutz- Gießen die Führung über­nommen. Er zeigte zurrst die Oekonomiegebäude im unteren Hardthof, die maschinellen Ein­richtungen, die Dodenbearbeitungs- und Dresch­maschinen, die Molkereieinrichtungen, Kartoffel- dämpser und die umfangreichen modernen Kar-

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