|0|t gar'S'onn z durch (S bk bas bYlnftro|). E'-t für r«id)itP ?h,r °uch oni
e!n kW. x'«'New ■Q9te tzZni>Ner "l> 192.5 ?. len v*
1 den üßfiff
Är-r» 'warte bei 1 m ZZi. AR um RC‘rfld’,fr' 3um 15. Luauii unb Durrperiobe AEN Teile des ’SA« waren ^Atete man M gieren in foll die Afb.
M« mon m 9 2« Maltende Werbliche ®ir, Flüsse wuffe ro^.eten |o- K d>- log. hun, nflcn "US früheren
Gesetzes gebe ich len Örunbeigem «n verboten \\\, 'lange tiefe noch Mn (Artikel 16 ezlrks ftutturoen en, Gruben und u taffen, ober an irzunehmen ober läge von 8°um->
dieser Art ohne ucht im Feldbe- imon zu werden, jte Aenderungen, lichkeit, eine Be- desjenigen, von Ijerrüfjrcn, noch 'inqsöollftrerfung M>.! 1922 be-
bie %ek\\\$«\ echtoverMniffe efteVjenben Ber- von 3 Monaten kontiere auch er- verhüllnisie beim inen?
1 hinsichtlich deren 'n Bücher unten den öffentlichen n Frist bei mir -ch ein öffentlich lelafteten Gründer! den Anspruch ■ im Feldbereini-
jfnr.
ulweg entlang Hineg Zwischen > (p f a ö bis auf
Sperrung ber q und W-ch' & unb Talfer-
0 ist die Mn!'
üeßen,
5: , j)Dd);
Iflffr^ in
S3iiui5
»■
M. 167 Erster Blatt
176. Jahrgang
Dienstag, 20. Juli 1926
Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.
Beilagen:
Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.
monatsBejugsprels:
2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Tröger- lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanfchlüsse: Schriftlcitung 112, Der» lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siegen.
w Postscheckkonto:
Frankfurt am Main 11686.
Siebener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesien
Vruck und Verlag: vrühl'jche Universiläts-Vuch' und Zteindruckerei «.Lange in Sieben. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer dis zum Rachmittag vorher.
Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re» Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20°,, mehr
Chefredakteur
Dr. Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen.
Die interalliierten Schulden.
Das Caillanx-Abkommcn im Unterhaus
London, 19. Juli. (WTB.) 3m Urzter- haus begannen die Verhandlungen über das rnglisch-französische Schuldenabkommen. Eingeleitet wurde die Debatte mit der Rede des liberalen Abgeordneten Wedge- D 0 0 d B<nn, der seinem Bedauern darüber Ausdruck gab, daß England feine Position als ©läubtgerftaat nicht dazu benutzt habe, von den 5d)ult)nerftaaten eine Herabsetzung ihrer Tarife und eine Verminderung ihrer Rüstungen zu verlangen. Der konservative Abgeordnete Hilton *5 0 ung kritisierte die Haltung der Vereinigten Staaten. Die Tatsache darf trübt unbekannt bleiben, daß schon in kurzer Zeit sämtliche Reparationszahlungen nach den Vereinigten Staaten fließen werden. Amerika hat sich aber an ibem Kriege beteiligt, weil es eine gemeinsame Sache zu vertreten, gemeinsame Ideale zu verteidigen hatte. Wenn jetzt in Amerika eine gewisse Gruppe
den rein wirtschaftlichen Charakter der Kriegsschulden
"betont, so begeht sie ein großes historisches ün- -recht und gibt außerdem einen ganz falschen "Begriff von dem wahren Geist der amerifani- Jchen Ration.
Das Mitglied der Arbeiterpartei Snow- ten erklärte u. a.: Churchill farwx das mit Cail» laujt abgeschlossene Abkommen nicht als befrie» Ligend betrachten. Das Abkommen erfüllt die von ihm selbst und früher von seinen Vorgängern ßestgelegten Bedingungen nicht. Amerika hat von "Frankreich das Doppelte des Betrages erhalten, den Frankreich tatsächlich schuldet. Von Italien habe Amerika ebenfalls mehr erhalten, <ite dieses Land schuldig sei. Demgegenüber erhält Qngland von Frmckreich wenig mehr als den eigentlichen Schuldbetrag und von Italien noch Weniger. Die Länder Europas müssen Frankreich flu Hilfe kommen, wie dies Deutschland, Oesterreich und Ungarn gegenüber geschah.
wenn man für Frankreich nicht ebenfalls einen Daroesplan schafft, fo ist das Sdjulbenabfommen Churchills überhaupt nicht viel wert.
Churchill erwiderte u. a.: Ich will keinen Augenblick veichehlen, daß ich in bezug auf die Sicherheitsklausel Caillaux Zugeständnisse gemacht habe. Zwar eigentlich nicht gern. Andererseits darf man aber auch die Bedeutung dieser Zugeständnisse nicht übertreiben. Die den Abkommen beigefügten Anlagen geben Frankreich zweifellos das Recht, die Frage der P r ü ■ I f ung seiner Zahlungsfähigkeit auf- zuwersen, sobald die deutschen Zahlungen vollkommen oder zum wesentlichen Teil aus - bleiben. Im weiteren Verlauf seiner Rede betonte Churchill, et habe nicht den Wunsch, sich in Vorwürfen gegen das amerikanische Volk oder die amerikanischen Zeitungen zu ergehen. Jedoch behaupten die Zeitungen, Mellon habe gesagt, daß England einen großen Teil der seine amerikanischen Schulden ausmachenden Summe zu rein 4 uauf männis chen Zwecken, also zu einem Zweck, der mit dem Kriege nichts zu >tun habe, geborgt habe.
Die amerikanischen Anleihen an England, io habe Mellon ausgeführt, wären nicht fo sehr zur Beschaffung von Kriegsvorräten ausgenommen worden, sondern für allerlei andere Zwecke in England selbst und außerhalb Englands und damit es England erspart werde, bei seinen eigenen Staatsangehörigen zu borgen.
Dies stellt, so sagte Churchill, ein unbeftreit* Imres Mihverstzchen der Dinge, wie sie wirklich liegen, dar, und dieses Mißverständnis ist von I» ernstem Caralter, daß ich beinahe geneigt bin, tae Authentizität dieser Stelle von Mellons Äeuherung anzuzweifeln. Alle Anleihen, die die Bereinigten Staaten den Alliierten gewährten, tiraren laut ausdrücklicher Bestimmung des ameri- I'mischen Kongresses nur zur Durchs üh* rung des Krieges bestimmt. Für jeden Geliehenen Cent hat das amerikanische Schah- ®nt Abrechnung verlangt und erhalten. Zeder Cent ist unter der Kontrolle des amerikanischen Schatzamts ausgege- b»en worden, und zwar ausgegeben toorbert für Zwecke, die nach amerikanischer, nicht nach unserer Ansicht, xur Förderung und Durchführung des Krieges dienlich waren und jeder Cent ist auch in den Vereinigten Staaten ausge- geben worden. Es besteht schon wegen dieser Schuld beträchtliche Verbitterung und Verstim- mung und es ist wichtig, daß diese Verbitterung knirch Mißverständnisse über den tatsächlichen Sachverhalt nicht noch gesteigert wird.
Das Reichskabinett zur Kontroünote.
Berlin. 19. Juli. (2DIB.) Das Reichs- k abinett nahm in feiner heutigen Sitzung den Berich tdes Reichswehrmini ft ers über d«s Schreiben, welches die Interalliierte Militärkontrollkommission kürzlich an Den Reichskommissar und Qjttrefer der deutschen Regierung gegenüber der 3 nleseQilerten Militärkontrollkommiffion gerichtet hei, entgegen. Das Reichskabineit pflichtete den Ausführungen des Reichswehrminifters bei und war nll der von ihm oorgefchtagenen weiteren Behandlung der Angelegenheit einverstanden.
Weindeschlaynahme bei der Kontrollkommission.
Berlin, 19. Juli. Wie die .Voss. Ztg." berichtet, sollen durch das Hauptzollamt Char°
Das neue französische Kabinett.
Wenn wir uns manchmal über die seltenen Sprünge beklagen, die die deutsche Vollsvertre- tung nicht allzu selten macht, dann haben die Franzosen ein noch viel größeres Recht zu solchen Beschwerden über ihre Deputiertenkammer. Daß fast unmittelbar nach dem Vertrauensvotum für das Kabinett Driand-Caillaux der Sturz über das Ermächtigungsgesetz folgte, hat doch wohl selbst die überrascht, die sich von Anfang an vollkommen klar darüber waren, daß Caillaux noch lange nicht über den Berg hinüber war. Die Ablehnung des Ermächtigungsgesetzes war auch noch aus dem Grunde überraschend, weil Caillaux am Tage vorher bei seinem im wahrsten Sinne des Wortes fliegenden Besuch in London sehr wertvolle Zugeständnisse in bezug auf die französische Kriegsschuldentilgung erzielt und mit nach Hause gebracht hatte. Mit vollem Recht durfte er sich gerade nach diesem Erfolg der Hoffnung hingeben, daß seine Widersacher im Parlament die Dinge nicht auf die Spitze treiben würden. Der dauernde und immer stärkere Fall des Franken enthielt gewiß eine dringende Mahnung, nicht mehr zu reden, sondern zu handeln.
Run ist nach einem Bestehen von zwei bis drei Wochen auch dieses jüngste und angeblich stärkste Kabinett Frankreichs gefallen. Was soll nun werden? Die Börse und damit die internationale Hochfinanz hat die Antwort durch einen neuen Franken stürz gegeben, der schlimmer ist als alle seine Vorgänger. Wir werden immer wieder von neuem lebhaft an die Ereignisse erinnert, die sich in unserer Inflationszeit abspielten. Zwischen einem Dollarkurs von 300 und 400 Mark lag immerhin eine beträchtliche Zeitspanne. In Frankreich ist es jetzt sogar etwas schneller gegangen. Unb dabei ist zu berücksichtigen, daß die schweren Kriegswunden Deutschlands ganz anders ins Gewicht fielen, während Frankreich sich noch immer seines Sieges rühmt.
Man erkennt doch immer wieder von neuem die alte Wahrheit, daß Völker von den Beispielen anderer nichts lernen. Sonst wäre es nicht möglich, daß sich die französische Deputiertenkammer noch immer mit dem dort wie anderswo üblichen Parteigezänk abquält, statt einem anerkannt tatkräftigen Mann, wie Caillaux, die verlangten Vollmachten zur Sanierung der Währung und der Wirtschaft zu erteilen. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, uns in die inneren Angelegenheiten der Franzosen einzu- mischen. Aber wir sind nun schließlich einmal ihre nächsten Nachbarn unb leiden f e I b ft unter dem Verfall der französischen Währung mehr als die übrigen, da sich das mit der Flucht aus dem Franken Hand in Hand gehende Dumping der französischen Industrie bei uns am schwersten bemerkbar macht.
Diese neueste französische Krisis ist in erster Linie durch Herriot herbeigeführt worden. Sein Verhalten beweist von neuem, wie wenig Verständnis die Sozialdemokraten aller Schattierungen und aller Länder für den Begriff dec Demokratie besitzen. Durch das von Caillaux vorgelegte Ermächtigungsgesetz glaubte Herriot die Grundfesten der Demokratie und des Parlaments gewaltig erschüttert. Und als Präsident der Deputiertenkammer fühlte er sich veranlaßt, für die „Rechte des Volkes" in die Dresche zu treten. Diese Rechte des Volkes und des Parlamentes waren seiner Auffassung nach dadurch bedroht, daß man einem einzelnen Mann weitgehende Vollmachten erteilen sollte, durch die das Parlament für eine Weile in feinen Rechten beschränkt werden sollte. Das ist starrer Doktrinarismus und Formalismus, der mit dem Wesen der Demokratie so gut wie gar nichts zu tun hat.
Logischerweise war nur Herriot vom Präsidenten der französischen Republik der Auftrag zur Kabinettsbildung erteilt und von ihm angenommen worden. Die Erfüllung dieses Auftrages hatte er damit begonnen, zur Bildung
lottenburg 3000 Flaschen unverzollte Weine und Liköre im Keller des Hauses, worin sich die Interalliierte Kontrollkommission und ihre Ä online befindet, beschlagnahmt worden fein. Der Leiter der Kontrollkommission, General Walch, erhob gegen die Beschlagnahme Einspruch. Ergänzend wird hierzu mitgeteilt, daß, als im Januar dieses Jahres die Kantine der Kommission aufgelöst wurde, der Restbestand an Wein und Likör dem Kantinenverwaller, einem Deutschen, übergeben wurde. Das Hauptzollamt verlangte Verzollung, die der deutsche Besitzer ablehnte. Daraufhin wurden die Weine beschlagnahmt. Die Kontrollkommission ist nachträglich beim Landesfinanzamt vorstellig geworden, das aber auf der Beschlagnahme bestand. Aus der Tatsache, daß die Kommission ihre Vorstellungen beim Landessinanz- amt dirett erhob und sie nicht über das Auswärtige Amt leitete, schließen die Blätter, daß die Kommission ihrem Schreiben keinen offiziellen Charakter geben wollte.
Der Generaldirektor der Reichsbahn.
Berlin, 19. Juli. (WDä Der Reichskanzler empfing heute nachmittag die Herren v. Siemens. Dr. Luther und Dr. Bergmann, die die Stellungnahme des Verwaltungsrates der Deutschen Reichsbahn zur Frage der Bestätigung der Wahl des
eines Einigungskabinetts von rechts bis links aufzusordern. Das war reichlich naiv. Denn er und seine Parteifreunde hatten ein gleiches Ansinnen Briands und Caillaux' schroff abgelehnt. Herriot hat sich denn auch gleich von führenden Persönlichkeiten der Rechten, so von Darchou und Poincare Körbe geholt und ist dazu übergegangen, ein reines Links- f a b i n e 11 zu bilden, das die Sanierung der Finanzen nach sozialisttschem Rezept durchführen soll. An der Spitze eines sehr ähnlichen Kabinetts hat Herriot nach der letzten Wahl im Mai 1924 gestanden, und er ist dann doch vornehmlich an der Uneinigkeit der verschiedenen Gruppen gescheitert, aus denen sich die Linke zusammenseht. Die Zersplitterung in Parteien, Gruppen und Grüppchen ist in der französischen Deputiertenkammer noch größer als im Deutschen Reichstag. Daß sie seither genügend gelernt hätten, um jetzt die Situation zu retten, haben sie nicht bewiesen — höchstens das Gegenteil.
Das Kabinett Herriot.
Paris, 19. Juli. (Wolfs.) Das Kabinett Herriot ist endgültig gebildet. Die winisterlisle enthält folgende Flamen:
Ministerpräsibium und Auswärtiges: herriot (rad. Abg.)
Justiz: E 0 I r a t (Unabh. Linke) Finanzen: de Monzie (rad. Senator) Inneres: Lhautemps (rad.Abg.) Krieg: painleve (Soz. Rep.) Dlarine: Köne Renault (rad. Senator)
anbei: L 0 ucheur (rad. Abg.)
effentliche Arbeiten: Hesse (rad. Abg.)
Oesfentticher Unterricht: D a 1 a d i e r (rad. Abg.) Landwirtschaft: Q u e u i 11 e (rad. Abg.) Kolonien: Dariac (Linksrep.)
Arbeitsminister: p a s q u e t (rad. Senator) Pensionen: George Bonnet (rad. Abg.)
Als Unter ft aatsfekretäre werden dem Kabinett angehören:
IRlnifterpräfibium unb Auswärtiges: Abert 2TI i I- haub (rab. Abg.)
Luftfchiffahrt: Robaglia (So;. Republ.) Schatzamt: I a c q u i e r (rab. Abg.) Bubget: Paal Morel (rab. Abg.) Technischer Unterricht: B a z i I e (rab. Abg.) hanbelsmarine: 2U a 11 a r m e (Soz. Rep.) Wieberaufbau: Maitre (bei keiner Fraktion) Krieg: D u m e s n i I (rab. Abg.) Wohnungswesen: Levasseur.
Auherbem soll ein neues Oberkommissariat für Naturalisierung unb Einwanberung geschaffen werben, bas bem rab. Abg. Lambert anoertrapt werben soll, herriot hat sich bereits um 11 Uhr ins Llysee begeben, um sein Ministerium dem Präsidenten der Republik vorzustellen.
Ein Aufruf Herriots.
Paris, 20. Juli. (WTV.-Funkfpruch.) Gestern abend ersuchte Ministerpräsident herriot die Preffe folgenden Ausruf an bas Canb zu verbreiten:
„Die Regierung ber republikanischen Einigung hat nur ein Ziel: Die Berteibigung des Franken ohne jeden parteigeiff. Sie verspricht dem Lande, enschlossen zu handeln und fordert es zur Ruhe auf, die ebenso wie die nationale Arbeit eines der unerläßlichsten Elemente für seinen Wiederaufbau ist."
Auch ber neue Finanzminifier de Monzie sagte nach dem „Journal" über fein Finanzprogramm: „Die Regierung werde keine Inflation fördern: sie werde ein Vertrauensvotum unb hinsichtlich ber Finanzfrage ble nof- roenbigen Akiisnsmittel fordern." Das neue Kabinett trift am Donnerstag vor das Parlament.
Serriots Frnanzpläne.
Paris, 19. Juli. (WB.) Die Finairzpläne Herriots, ber nach feinen eigenen Worten eine Anstrengung im Innern für die Fi
neuen Generaldirektors darlegten. Im Anschluß hieran berichtete der Reichskanzler dem Reichskabinett über den Stand der Angelegenheit^ Da zur Durchführung der Wünsche der Reichsregierung auch nach Ansicht des Verwaltungsrates jetzt noch wettere Verhandlungen mit Len anderen in Betracht kommenden Stellen geführt werden müssen, konnte das Reichskabinett zur Frage der Bestätigung der Wahl noch nicht Stellung nehmen.
Eine Befichtigungsreise des Reichswehrministers.
Berlin, 20. Juli. Wie die Morgenblätter melden, wird Reichswehrminister Dr. Gehler in wenigen Tagen eine etwa 14tägige Dienstreise antreten. Er wird zunächst den Truppenübungsplatz Ohrdruf und im Anschluß daran mehrere Garnisonen besichtigen. Bald nach seiner Rückkehr im August wird Minister Dr. Gehler dann den Flottenmanövern in der Ostsee beiwohnen.
Eine Aktion Dr. Wirths.
Berlin, 19. Juli. (WB.) Unter der Ueber- schrist „Verständigung der Republikaner" veröffentlicht der frühere Reichskanzler Wirth im „D. T." einen Artikel, worin er von der Feststellung ausgeht, daß es eine deutsche Linke von einer einheitlichen Willensführung nicht gibt und die Mitteilung macht, daß im Hinblick auf die
nanz- und Währungssanierung durchführen will, hat nach dem „Temps" Herriot selbst folgendermaßen charakterisiert: Man muß von dem erworbenen Vermögen die notwendigen Hilfsmittel für die Amortisation der schwebenden S ch'u Iden fordern. ES würde sich darum handeln, z. B. eine Heber ft euer auf Erbschaften sofort nach dem Tode des Erblassers zu erheben, ebenso eine Sonder- (teuer beim Eigentumsübergang von bebautem Besitz zwischen Lebenden. Diese Ausnahmesteuern und qnbere ähnlicher Art würden der Amortisationskasse zufließen.
Volk gegen Parlament.
Unruhen in Paris.
Paris, 20. Juli. CSU.) In den Kreisen der Rechtsopposition wird bereits gegen ein neues Kabinett Herriot Propaganda entfaltet. Die Demokratische Union hat eine Abordnung von Senatoren und Abgeordneten zum Präsidenten der Republik entsandt, um ihm zu erklären, daß die Bildung einer neuen Regierung Herriot zu großen Schwierigkeiten und zu einem weiteren Frankensturz führen würde. Das schlimmste ist, daß zu den Machenschaften der polittschen Parteien jetzt auch noch Volks- tundgebungen hinzukommen werden. Mehrere Journalisten, die von der Menge für Abgeordnete gehalten wurden, sind gestern nachmittag beim Verlassen der Kammer tätlich angegriffen worden. Dor dem Palais Bourbon, dem Sih der Deputiertenkammer, staute sich eine vieltausendköpfige Menge, die, wenn sie der Parlamentarier ansichtig wurde, in unfreundliche Zurufe ausbrach. Der Sicherheitsdienst muhte außerordentlich verstärkt werden. Auch vor der Börse sind starke Polizeiabteilungen zusammengezogen worden. Das Publikum versucht, die Bonds der nationalen Verteidigung so schnell wie möglich los zu werden. Heute hat em neuer Sturm auf die Pariser Danken eingesetzt, der auch auf die Provinz übergegriffen hat. D e Monzie, der neue Fmanzmiuister des Kabinetts Herriot, hat in Begleitung von Ch autemps Caillaux aufgesucht, um mit ihm Maßnahmen zur Beruhigung der öffentlichen Meinung zu besprechen.
Die neuen Männer.
Von den neuen Ministern ist ber Kabinettschef herriot
seit langem eine im politischen Leben Frankreichs bekannte Persönlichkeit. Er ist 1872 in Troyes geboren, wurde Gymnasiallehrer in Lyon unb bort 1905 zum Bürgermeister gewählt. In die große Politik trat er 1912 als rabikal-fozialistischer Senator für bas RhSnebepartement. 3m fünften Kabinett Briand (1916/17) erwarb er sich als Arbeite- unb Derpflegungsrninister burch energisches Zugreifen gegen Schieber unb Hamsterer Verdienste. Nach dem Kriege übernahm er in der Kamn^r die Führung der Opposition gegen den nationalen Block. Nach dem Sturz Poincar^s im Mai 1925 bildete er am 14. Juni 1924 ein Kabinett der Linken. Mit dem englischen Premier Macdonald und dem deutschen Reichskanzler Marx wurde in London bas Dawes- Abkommen geschlossen, und mit bem Abbau ber Ruhrbesetzung begonnen. Am 10. April 1925 trat er nach einer finanzpolitischen Niederlage in ber Kammer zurück unb übernahm später das Kammerprä- fidium.
be Monzie, der von Caillaux die schwere Bürde des Finanzministeriums übernimmt, ist 1875 geboren, wurde Rechtsanwalt am Pariser Appellhof, später Bürgermeister von Chahors. 1909 in die Kammer gewählt, war er in verschiedenen Kabinetten! Änterstaatssekretär für die Handelsmarine. 1919
Schaffung einer Art .republikanischer Union'7 Reichstagspräsident Löbe, der demokratische Abgeordnete Ludwig Haas und er selbst im kommenden Spätjahr eine besondere Aktivität entfalten wollen, um eine gemeinsame Basis für die Republikaner zur Der- tiefung des Problems der deutschen Republik und für die politische Auswirkung der republikanischen Bewegung in Deutschland zu machen.
Belgische Diktaturmahnahmen.
Brüssel, 20. Juli. (WTD. Funkspruch.) Gestern wurden in einem Kabinettsrat die dem König zu unterbreitenden Dekrete geprüft. Dor- gesehen sind Regelung der Herstellling und des Verkaufes von Mehl, Brot und anderen Rah- rungsmitteln, sowie der Aus- und Einfuhr von Drotwaren und Mehl und Maßnahmen zur Llnterdrückung aller für den Kredit des Staates schädlichen Rachrichten. Weiter wurden erwogen: die Verschärfung der Kontrolle des Devisenmarktes, eine Polizeistunde für die öffentlichen Gaststätten, eine Regelung des Handels mit Konditoreiwaren, eine Besteuerung der in Belgien weilenden Fremden und eine Steuer für den Aufenthalt in Hotels. Die Regierung erwägt ferner die Einführung eines Ausländeraufschlags von 5 Proz. für alle von Ausländern gekauften Waren.


