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Kleine politische Nachrichten.

Der britische Botschafter in Konstantinopel, Sir Richard Lindsay, ist vom König in Audienz empfangen worden. Seine Ernennung zum Bvt- schafter in Berlin an Stelle Lord d'Aber- nons bedarf nur noch der formellen Regelung.

In der holländischen zweiten Kammer wurde der Antrag auf Beibehaltung der hol­ländischen Gesandtschaft beim Vati­kan mit 48 gegen 41 Stimmen ab gelehnt. Bekanntlich war es wegen des gleichen Be­schlusses im vergangenen Sommer zum Rücktritt des katholischen Kabinetts Ruys de Deeren- brouck und anschließend zu einer mehrmonatigen Kabinettskrisis gekommen.

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Kreis Lauterbach: 1980 Einzeichnun­gen. (Stimmberechtigt 18 940.)

Kreis Schotten:

Aus der ProvmMlhauptstadt

Gießen, den 20. März 1926.

Das Volksbegehren in Oberhessen.

Nach den abschließenden Feststellungen der Kreisämter stellt sich das Gesamtergebnis des Volksbegehrens in der Provinz 0 b e r = Hessen wie folgt dar:

Kreis Gießen: 18162 Einzeichnungen. (Stimmberechtigt 64 026.)

Kreis Alsfeld: 2392 Einzeichnungen. (Stimmberechtigt 23 949.)

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Hessischer Landtag

D a r m st a b t, 19. März. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9.30 Uhr.

Abg. Io st richtet eine Kleine Anfrage an die Regierung wegen der Behandlung von Ge­suchen um Herabsetzung von Steuern beim Fi­nanzamt Lauterbach. Ministerialdirektor Schäfer verweist auf die in der Reichsnotver­ordnung und in den Hess. Ausführungsvorschriften enthaltenen Vorschriften hin, und bemerkte u. a daß jeder einzelne Fall eines Gesuches geprüft wird. Eine weitere Anfrage der Abgeordneten Weckler und Heinstadt wegen Stundung von Pachten wird von der Regierung in ent­gegenkommendem Sinn beantwortet.

Abg. Dr. Büchner (Dem.) erklärt, das

Kap. 7 (Landesthcater)

habe jedes Jahr den Landtag besonders beschäf­tigt. Es wäre die Frage aufgeworfen worden, ob das Land die Kosten für das Theater tragen könne, weil weite Kreise, das Land, wenig davon habe. Bei den schwierigen finanziellen Verhältnisseal der Gegenwart müsse man sich ernstlich überlegen, ob man den Betrieb noch aufrechterhalten könnte. Sorgfältige Untersuchun­gen hätten aber ergeben, daß in den ersten Jahren die Schließung kostspieliger fei, als wenn der Betrieb aufrechterhalten werde: mindestens eine Million, später etwa 500 000 Mark wären erforderlich. Unter diesen Umständen wäre es natürlich besser, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Erheblich Ersparnisse zu erzielen wäre, wie die vielen Kommissionen feststellen müßten, nicht

möglich gewesen. Es sei schwer, gute Künstler zu gewinnen, und zwar auch nur gegen hohe Be­zahlung. Die Stillegrmg des Kleinen Hauses erbringe kein Ersparnis. Das Theater bade seine Wirksamkeit über die Stadt Darmstadt hinaus

Ergebnis der Stadt Berlin sind bisher 2 953 054 Eintragungen gezählt, nämlich B e r l i n 1584 082 (53,4 Prozent), Düsseldorf-Ost 530 739 (38,8 Prozent), Düsseldorf-West 261 500 (24.8 Prozent), Pfalz 157417 (27,9 Prozent), Leipzig 419 316 (48,6 Prozent der Stimmbe- rochtigten der letzten Reichswahl, zweiter Wahl­gang der Reichspräsidentenwahl). 3m Wahlkreis 18 (West salen- SÜd) haben sich von 1 646 327 Wahlberechtigten für das Volksbegehren ins­gesamt 586 044 Personen eingetragen, das sind 35,6 Prozent.

Wirtschaftsfragen im Reichstag.

Berlin. 19. Rkärz. (Wolff.) Die zweite Beratung des Haushalts des Reichswirtschafts- Ministeriums. Sie wird eingeleitet durch eine Pro­grammrede des Reichswirtschaftsmini­sters Dr. Eurti us. Der Handelsumsatz Deutschlands im Jahre 1925 so führte der Minister aus beläuft fid). in Ein- und Ausfuhr auf 21,2 Milliarden Mark. Das sind 30 Prozent mehr gegenüber 1924. Unsere Handelsbilanz ist aber immer noch passiv gewesen. Wenn in den beiden ersten Monaten dieses Jahres die Monatsbilanz aktiv geworden ist, so beruht dieser Wechsel in erster Linie auf einem starken Rückgang der Einfuhr und erst in zweiter Linie auf einer geringen Hebung der Ausfuhr. Unsere ungedeckte Lebensmittelein­fuhr zeigt eine ungeheure Belastung. Der Exi­stenzkampf zwingt uns, auch ohne jede Rücksicht auf den Dawesplan die Ausfuhr zu stei­gern. Ein wesentliches Mittel, die unserer Ein­fuhr überall in der Welt bereiteten Schwierig­keiten zu überwinden, liegt in einer erhöhten Aktivität unserer Handelsvertrags Politik. Die tat­kräftige Verfolgung der Handelsvertragspolitik ist auch durch den Währungsverfall in anderen Staaten erheblich verzögert und durch das Valutadumping geschädigt worden. Die Lösung dieses Problems dürfte eine der dank­barsten Aufgaben der kommenden Weitwirt - schaftskonferenz fein.

Ls ist zu hoffen, daß der Generalagent für die Reparationen seinen ganien moralischen und poliiischen Einfluß anwendet, damit die Gläu- blgerländer die deutsche Ausfuhr bereitwilliger als bisher ausnehmen, sonst wird eine der grundlegenden Voraussetzungen für die Erfül­lung des Dawesplanes wegsallen.

Der Kreditmangel wird erst allmählich be­hoben werden. Die von der Herabsetzung des Reichsbankdiskonts erwartete Belebung des Ka­pitalmarktes ist eingetreten. Bei der neuen Geld­flüssigkeit liegt die Erwägung einer weiteren Herabsetzung des R e ich s b a n k dis- ko n t s nähe. Zusammen mit der Reichsbank wird das Wirtschaftsministerium seine Bemü­hungen um die Hebung des Realkredits fort- sehen. 3m Zusammenhang damit steht eine Ver­billigung der Kredite. Die 'Danken ha­ben ihre Zinssätze bereits herabgesetzt.

Zweifellos macht unsere Wirtschaft einen Umstellungsprozeh größten Ausmaßes durch, des­sen Kennzeichen die Rationalisierung ist. Die beste Hilfe kann der Staat dadurch geben, daß er durch DerwaltungSreformen seine

Der Präsident der griechischenRe- publik, Admiral Kunduriotls, ist zuriick- getreten. Die Kandidatur von Mitgliedern her königlichen Familie oder eine eventuelle Kandi­datur Veniselos soll nicht zugelassen werden.

schärfsten Protest ein gegen den Antrag der Deutschen VollSparlei auf Vereinigung des ReichsernährungSministeriumS mit ' dem Reichswirtschaftsministerium.

Obwohl wir durch den Dawesplan zum Export geradezu gezwungen werden, leben wir jetzt noch in einer Welt, die viel weniger als früher ge­willt ist, uns unsere Erzeugnisse abzunehmen. Der Redner verlangt eine energische Abdrosse­lung der Einfuhr überflüssiger Waren auS dem Auslande.

Abg. Meyer (Dem.) sieht die Ursache der gegenwärtigen Wirtschaftskrise in der gesun­kenen Kaufkraft der Bevölkerung. Die frühere Regierung habe mit Recht die Rot- wendigkeit des Preisabbaues betont. Ihre Politik habe aber das Gegenteil bewirkt und durch pro- duktivnsverteuernbe Steuern und durch ihre Zollpolitik die Preise gesteigert.

Nötig fei die Wiederinkraftsetzung des alten Grundsatzes:Großer Umsatz kleiner

Ruhen".

Redner verlangt schärferes Vorgehen gegen die Preisdiktatur der Kartelle. Das sei zweckmäßiger und gerechter, als wenn man dem Handwerk und dem kleinen Gewerbe die eiserne Faust zeige.

Abg. Dr. Dessauer (Ztr.): Erforderlich sei vor allem eine Stärkung des inneren Marktes durch Hebung der Landwirtschaft.

Abg. v. Raumer (D. Vpt.) spricht sich für die Zusammenlegung des Reichsernährungsmini- steriums mit dem Reichswirtschaftsministerium aus.

D a n t o n s Tod" hätten seine Freunde nichts einzuwenden, wohl aber gegen die Art der Darstellung einer weiblichen Rolle in diesem Stück. Es wäre sogar wünschenswert, wenn Revolutionsstücke mit allem Raturalis- mus auf geführt würden, denn dadurch würde das Publikum bald den Geschmack an der Revolution verlieren. Abg. Dr. Werner kritisiert aufs schärfsteAnja und Esther". Er lehnt die Auffassung ab, die der kommunistische Abg. Dr. Greiner vertrat, der Goethe, Schiller, Herder, Beethoven für den Kommunismus in Anspruch nahm. Die Kunst sei nicht international, sondern national, sie habe wohl eine internationale Sendung. Der Redner wiederholt dann die Er­klärung. daß seine Partei (außer dem Abg. Kindt) den Zuschuß für das Theater ab lehnt.

Abg. Dr. Müller (Bbd.) rechnet aus, daß auf den Kopf der Bevölkerung 35 Pfennig für das Theater erhoben werden und das in einer Zeit wirtschaftlicher Rot: das sei nicht zu recht- fertigen. Der Redner bittet, das Kleine Haus zu schließen und fordert Klassiker-Auf füh- rungen.

Jinanzminister Henrich

erklärt, nicht zu den Weltanschauungsfragen und zuAnja und Esther", ein Stück, das er nicht gesehen habe, Stellung nehmen zu wollen. Er habe Intendant Legal als einen ernsten fünft- lerischen Leiter kennen gelernt. Die Regierung habe volles Vertrauen zu chm: er spreche dies hier ausdrücklich aus. Die Ablehnung des Zu­schusses bedeute die Beseitigung des Insti­tuts. Es handle sich nicht eigentlich um einen Zuschuß, sondern um die Erhaltung eines staat­lichen Unternehmens. Aus dem Vorhandenen müsse man das Beste zu machen suchen, das sei bisher gelungen; der Minister bittet zum Schluß nochmals, den Zuschuß zu bewilligen.

Ministerialdirektor U r st a d t erklärt im we­sentlichen den Ausführungen des Abg. Dingeldey zustimmen zu können, aber daß nur reife Stücke im Landestheater ausgeführt werden dürften, wäre falsch, denn viele Dramen von hohem Kunstwert wären erst sehr spät in ihrer Schönheit erkannt worden. Der Redner verteidigt dann die Aufführung vonAnja und Esther"; das Stück wäre nicht im Spielplan er­schienen, sondern als besondere Auffüh­rung. Gerade hier im Hause habe man ge­wünscht, daß Stücke besonderer Art aus der Gegenwartsliteratur außerhalb des Spielplans aufgeführt würden. Das Hessische Landestheater sei ein ruhmvolles Kunstinstitut, man solle in der Kritik des Theaters nicht zu weit gehen.

Das Haus erledigt hierauf eine Reihe von Kapiteln des Voranschlags. Bei

Kap. 19 (Staatspräsident)

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Die ReichsgesundheLttzwoche.

Einer Anregung des Reichsinnemninisteriums entsprechend, wird Ende April im ganzen Reiche eine Reichsgesundheitswoche stattfinden. Der Zweck der Veranstaltung ist, die große Be­deutung der Gesundheitspflege der All' Gemeinheit vor Augen zu führen. In Hessen ist bereits ein Landcsausschuß für hygienische Volks­bildung gegründet worden.

Zur Organisation der Reichsgesund­heitswoche für die Stadt und den LandkreisGießen wurde gestern nachmittag in einer Sitzung unter der Leitung des Provinzial- direktors Graef ein Ortsausschuß gebildet, dem alle für diese Veranstaltung in Betracht kommen­den Behörden, Korporationen und Persönlich­keiten unserer Stadt angehören. Die Aufklärungs- Woche, deren Kosten von dem Kreis und der Stadt Gießen getragen werden, soll vom 19. bis 2 4. April ftatt fatben. Se Magnifizenz der Rektor Prof. Dr. Bür?er und die Medi­zinische Fakultät unserer Landesuniversi­tät haben der Veranstaltung ihre weitgehendste Unterstützung zugesagt. An den Tagen dieser Auf­klärungswoche werden abends in der Reuen Aula je zwei Vorträge geh alten werden. Die Mitglieder der Medizinischen Fakul­tät haben sich für diese Vortragsabende in be­reitwilliger Weise zur Verfügung gestellt. Ein Aufklärungsfilm soll ferner in den Licht­spielhäusern zur Vorführung kommen, toeitn mög­lich, will man auch eine Ausstellung Her­richten, in der alle das Gesundheitswesen betref­fenden Gegenstände usw. enthalten sein sollen. In einer kurzen Aussprache wurden aus der Mitte der Versammlung heraus noch verschiedene Vorschläge gemacht, die für die Durchführung des ausgezeichneten Werkes wichtig erscheinen. Die Versammlung erklärte sich im übrigen durchaus einverstanden mit den Vorschlägen und Maß­nahmen, die von einem engeren Ausschuß für die Reichsgesundheitswoche zur Genehmigung unterbreitet wurden. Auf Grund der gestrigen Besprechung darf man hoffen, daß die Reichs- gesundheitswoche, die allgemein mit starker Sympathie begrüßt wurde, in unserer enge­ren Heimat einen guten Verlauf nehmen wird.

gut Förderung des Wohnungsbaues.

Das hessische Arbeits- und Wirtschaftsmini­sterium veröffentlicht soeben die Bestimmungen über die Förderung des Wohnungs­baues aus Landes Mitteln. Darnach werden die Baudarlehen für Bauten mit nicht mehr als zwei Wohnungen in den kleineren Städten gewährt, in mittleren und größeren Städten können auch Mehrfamilienhäuser berück­sichtigt werden. Einzelhäuser werden nur berück­sichtigt, wenn Doppel-, Gruppen- oder Reihen­häuser nicht möglich erscheinen. Baudarlehen können erhalten: Gemeinden, Gemeindeverbände, gemeinnützige Bauvereinigungen und private Bauherren. Schwerkriegsbeschädigte sowie kinder­reiche Familien werden besonders berücksichtigt. Das Baudarlehen wird in einer Höhe bis zur Hälfte der Gesamtkosten, jedoch in Städten nicht über 5000 Reichsmark, in Landgemeinden nicht über 4000 Reichsmark gewährt. Rachträgliche Erhöhung des Baudarlehens ist ausgeschlossen. Der Bauherr hat für sich und seine Rechts­nachfolger eine Reihe von Verpflichtungen über Veräußerung, Erhaltung und Benutzung des Hauses, über Tilgung und Verzinsung zu über­nehmen. Soweit nicht eine Gemeinde Darlehens- empsänger ist, hat die Gemeinde und der Kreis bis zur völligen Tilgung des Baudarlehens An­spruch auf Eigentumsrecht und ein dingliches Verkaufsrecht usw.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 200 Pfennig, Matte 30, Käse 65 bis 140, Wirsing 30, Weißkraut 25, Rotkraut 30, gelbe Rüben 25, rote Rüben 20, Spinat 40 bis 50, Unterfoijlrabi 10, Grünkohl 35, Rosenkohl 60, Feldsalat 100 bis 120, Endivien 100, Tomaten 150, Zwiebeln 17 bis 20, Meer­rettich 40 bis 70, Schwarzwurzeln 60, Rha­barber 60, Kartoffeln 4 bis 5, Aepfel 15, Dörr­obst 40, Rüsse 60, Honig 45, junge Hahnen 110 bis 120, Suppenhühner 110 bis 120, Gänse 90; das Stück: Eier 12 bis 13, Blumenkohl 60 bis 150, Salat 40, Salatgurken 120, Lauch 5 bis 20, Sellerie 30 bis 70 Pfennig.

Bornotizen.

Tages kalender für Samstag: Männer-Badeverein: 8 UhrPfälzer Hof" Ge­neralversammlung. Dauerscher Gesangverein: 8 Uhr, Vereinslokal. Kommers zum 62. Stif­tungsfest. M. T. V.: 8 Ahr, Restaurant Faul­stich, Spieler-Versammlung. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Der Ritt in die Sonne". Palast-Lichtspiele (Kirchenplatz):Reu-Guinea, das Paradies der Südsee". Ästoria-Lichtspiele: Mister Radio".

Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: 7 AhrDie Försterchristel" (Ende 10 Ahr). Gießener Konzert-Verein: 5 Ahr, Oleue Aula der Aniversität, AbonnementLkonzert. - Markus-Gemeinde: 8 Ahr, Stadtkirche, Fa- milien-Abend mit Vortrag von Prof. D. Dr. Frick. Bürger-Gesellschaft: 7Ve Ahr, Katho­lisches Vereinshaus, Operetten-AufführungDie Ratsmädel". Oberhessischer Kunstverein: £urm- haus am Brand, Ausstellung von Oelgemalden desFeldgrauen Künstlerbundes München". Saalbau Sauer: 81 .. Ahr: Militärtonzeri. Lichllpielhäuser wie Samstag.

ausgedehnt; der Redner nennt u. a, Weinheim und Offenbach. Es fei berechtigt, das Ersuchen an die Stadt Darmstadt zu richten, den Bei­trag zu erhöhen; die Stadt habe sich bereit erklärt, bis zu 40 Prozent sich am Defizit zu beteiligen. Er gebe zu, daß das Theater ein Aktivposten der Fürsten sei. Die künstlerische Leistung des Theaters stehe auf der Höhe; das beweise der starke Besuch. Wohl in keiner Stadt stehe das Theater so im Mittelpunkt der Be­völkerung wie in Darmstadt. Weiter labt der Redner den Spielplan und erfiärt durchAnja und Esther" von Klaus Mann tief erschüttert zu fein; besonders werden die Aufführungen der Jungen Bühne" verteidigt.

Abg. Frau Hattemer (Zentr.) meint, die für das Theater verlangte Summe fei nicht so leicht zu bewilligen. Die Versuche, die Theater- kultur auf das Land zu tragen, wären an den Kosten gescheitert. Das Theater könne nicht ein- gehen, aber es müsse gespart werden. Das Kleine Haus könne geschlossen werden, um künstlerisches Personal und Dühnenangestellte zu sparen, aber die Theaterleitung erkläre, dadurch werde nichts gespart. Die Rednerin bespricht dann noch mehrere andere Maßnahmen, und kommt zu dem Schluß, daß unbedingt gespart werden müsse. Es könnte an den Kostümen und der Bühnenausstattung gespart werden. Heber die Frage der Schließung des Theaters und über den städtischen Zuschuß macht Frau Hattemer ähnliche Ausführungen wie der Vorredner. Die Zentrumsfraktion habe in ihrer Mehrheit den Beschluß gefaßt, dem Kap. 7 ihre Zustim­mung zu versagen. Die Wünsche deS Zen­trums in bezug auf die Auswahl der Stücke und die Art der Darstellung, durch die weite Kreise in ihrem sittlichen Empfinden verletzt wür­den, wären nicht berücksichtigt worden. Es brauche auch nicht nur immer Reues geboten zu werden, sondern auch das gute Alte müßte aufgeführt werden. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Die Red­nerin äußert dann zahlreiche Wünsche zum Spiel­plan; u. a. gute Klassiker-Aufführungen, Shake- spearestücke, aber nicht von Anfängern. Ferner zählt sie die Stücke auf, die von der Zentrums- Partei beanstandet wurden, besonders wendet sich Ak^. Frau Hattemer gegen Klaus MannsAnja und Esther", sowie gegen eine Reihe anderer Stücke.

Abg. Glaser (Bbd.) schließt sich in bezug auf die Auswahl der Stücke der Vorrednerin an.

Das Landestheater habe als Theater des Landes heute keine Berechtigung mehr, son­dern nur noch als Theater der Stadt

Darmstadt.

Der größte Teil der Landbevölkerung habe vom Theater gar nichts, nur die Stadt Darmstadt. Es wäre sogar von Vorteil, wenn die Landfrauen, die den ganzen Tag schwer arbeiten müßten, nicht ins Theater kämen und hier den Luxus in der Ausstattung sähen. Den Zuschuß von beinahe einer halben Million könne das Land nicht tragen, die Regierung solle auf irgendeine Art das Theater abstoßen und die Weiterführung der Stadt Darmstadt überlassen. Der Redner schließt mit einer Ablehnung der finanziellen Forderung für das Theater.

Abg. Kindt (Dntl.) fordert eine stärkere finanzielle Beteiligung der Stadt Darmstadt, die Regierung solle sich gesagt sein lassen, daß die Verhältnisse sich gründlich ändern müßten, sonst fände sie keine ONehrheit mehr in diesem Hause. Der Redner verlangt einen deutschen Spielplan, deutsche Klassiker- aufführungen, und wenn Intendant Legal erklärt habe, die gegenwärtigen Schauspieler kämen sich beim Spielen der Klassiker komisch vor, so müß­ten sie dazu erzogen werden. Es sei interessant, zu vorfolgen, wie hier im Hause die Kommu- nisten sich über die Kritik an den zersetzenden Stücken freuten; das fei Wasser auf ihre Mühle. Als der Redner dann politisch gefärbte Ausfüh­rungen macht, wird er andauernd von der Linken des Hauses unterbrochen.

Abg. Dingeldey (D. V.P.) meint, die Theaterfrage sei nicht bloß eine Angelegenheit der Finanzpolitik; seine Partei könne sich bei der Bewilligung des Zuschusses nicht nur nach wirt­schaftlichen und finanzpolitischen Gründen richten. Der Staat habe eine volkserzieherische Aufgabe, um die Kräfte der Seele mit den Mitteln der Kunst anzuregen. Eine Ablehnung des Theater- zuschusses sei nicht zu rechtfertigen, denn der Staat könne dieses Staatseigentum nicht aufgeben und sei mit allen persönlichen und sachlichen Ausgaben belastet. Es gelte auch, eine alte Tradition aus- rechtzuerhalten. Das Theater sei aber in feiner äußeren Form, in seinem Betrieb, e i n z u - schränken, und zwar soweit es ans lünstle- rischen Gründen noch erträglich ist. Der Redner fordert auch

die Schließung des Steinen Haches und eine stärkere Beteiligung der Stadt Darmstadt an den kosten.

Hierauf bespricht der Redner den Spielplan des Theaters; er rühmt die Opernvorstellungen und fordert für das Schauspiel, daß nicht nur Stücke aufgeführt werden, die der Ausdruck unserer kulturellen Aebergangszeit sind und denen die gestaltende Form fehlt. Ramentlich bemängelt der Redner aus diesem Gesichtspunkte heraus die Aufführung von Klaus MannsAnja und Esther". Es sei eine berechtigte Forderung, die über der Parteipolitik stehe, daß nur aus- gereifte Werke auf einem Theater wie in Darmstadt aufgeführt werden. Zum Schluß fordert der Redner Klassiker-Aufführungen, denn das Theater habe auch eine volkspädagogische Be­deutung.

Abg. Leuschner (Soz.) vertritt die Mei­nung, die Stadt Darmstadt könne höhere finan­zielle Zubußen für das Theater gar nicht tragen. Der Theaterbetrieb müsse aufrecht erhalten wer­den, auch der Betrieb des Kleinen Hauses. Der Redner geht dann zu einer Kritik der inneren Verwaltung und des Spielplans über; er be­mängelt u. a. das Engagement einer Reihe von Künstlern, die wenig oder fast gar nicht beschäf­tigt würden. Er wendet sich gegen das Spiel- §eld der Künstler und gegen das Versagen der legte, und äußert im Anschluß daran zahlreiche Sonderwünsche zum Svielplan. Bei dieser Ge­legenheit rühnck erAnja und Esther" als be­sondere schauspielerische Leistung und polemisiert gegen verschiedene Erklärungen der Vorredner. Ramentlich verteidigt et BüchnersDankons bis er aus dem Hause darauf aufmerksam ge­macht wird, daß niemand überhaupt das Stock hier angegriffen habe.

Abg. Dr. Werner (Dtfchntl.) weift die Angriffe des Abg. Leuschner zurück, namentlich den Vorwurf, daß bürgerliche Kreise Nackttänze und andere Dinge kultivieren. Das wären nur Ausschreitungen von Reureichen und anderen Persönlichkeiten, von denen das Bürgertum ab-

Das Außenministerium gibt von der Nie- dermehelungeiner französischenAb- teiluna in Syrien folgende Darstellung: Die Drusen hatten von dem Marsch einer klei­nen Abteilung Kenntnis erhalten und sich bei Redoha in einen Hinterhalt gelegt. Die vom französischen Kommando der Abteilung zu Hilfe gesandten Truppen kamen zu spät. Es wurden 45 Mann getötet, darunter die Hälfte Fran­zosen mit zwei Offizieren und einem Adjudani. Rur acht Mann gelang es, sich zu retten.

einer Reichsbannertagung in Mainz. Die Regierung habe erwidert, das Reichsbanner sei ein unpolitischer Verein. Abg. Scholz macht zum Beweise des Gegentells auf die Erklärungen des Reichswehr Ministers im Reichstag aufmerksam sowie auf Erklärungen des Vorsitzenden des Reichsbanners Hör sing. Dieser lehne die Zugehörigkeit der Rechtspar­teien ab, während die hessische Regierung be­haupte, jeder könne dem Reichsbanner beitreten, überdies monopolisiere das Reichs­banner die Reichsfarben. Die Beflag­gung der Gebäude in Mainz fei ein Beweis da­für, daß die Regierung nicht überparteilich ge­handelt habe. Der Berliner ®efaübten» Posten müßte durch einen Berufsbeamten beseht werden. Gesandter von B i e g e l e b e n, der fein Amt mit voller Zufriedenheit weitester Kreise führt, sollte, wie der Redner die Regie­rung bittet, feinen Posten weiter bekleiden.

Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) erläutert seine Abbauanträge zu Kap. 19 und weist zah­lenmäßig das starke Anwachsen der Be­amtenzahl im Staatsministerium nach.

Abg. Hoffmann (Ztr.) bringt Wünsche des besetzten Gebietes zur Sprache, die sich namentlich auf das Verhalten der Reichs­bahn beziehen. In Dingen schädige die Dahn die Unternehmer der Motorbootfähre; sie habe es auch abgelehnt, einen Triebwagen zu stellen, daß Arbeiter spät abends von Mannheim nach Worms fahren tonnen. In seinen weiteren Ausführungen bekämpft der Redner die Zen­tralisierung der Verwaltung in Berlin, nament­lich auf dem Gebiet des Steuerwesens.

Abg. Kindt (Dntl.) empfiehlt die Anträge von Dr. Leuchtgens. Abg. Kaul (Soz.) weir» det sich gegen Die Ersparungsanträge der Rechts­parteien.

Schluß der Verhandlungen um bilßr: nächste Sitzung Dienstag 9 Uhr.

(Stimmberechtigt 17 000. j

Kreis Büdingen: (Stimmberechtigt 27 500.)

Kreis Friedberg: (Stimmberechtigt 55 845.)

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begründet Abg. Scholz (D. Vpt.) eine An­frage der Deutschen Volkspartei wegen der Be­flaggung staatlicher Gebäude