Ausgabe 
20.1.1926
 
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Erforschung der tiefsten Temperaturen notwendigen Gases Hot gewinnen

dieses zur unbedingt tonnen.

Die Einheitspreise.

Don unserem ^-Korrespondenten.

Rom, Anfang Samiar.

Der vierjährige Krieg um den Besitz der öffentlichen Meinung ist zu Eiche. Sn jenen bar- l dorischen Zeiten, die un5 weit entrückt sind, kämpfte man noch um Länderstriche. Kolonien, * Selbstbestimmungsrecht, Abschaffung bei- Geheim - Diplomatie, Petroleum. Mandate, Zivilisation und wie die Sdeale alle hießen, die in jenem denk­würdigen Sommer 1919 restlos in einer allgemei­nen Friedensgemeinschaft verankert wurden. Diese Liga der freien Völker braucht sich daher gottlob nicht um die Dinge in Stalien zu kümmern. Was geht sie Südtirol an, waS die Freiheit eines (5-hriftemnenschen

Smmerhin soll es zu beiden Seiten des Aequators der Gerechtigkeit noch Menschen geben, die Zeitungen lesen, ja. geradezu einen Rechtsanspruch auf solche Sitte erheben. Da ist - es nun tröstlich zu sehen, wie ihnen Fari-

gröhere Luftschiffe, um denselben Auftrieb zu erreichen wie mit Wasserstoff. Aber leider haben die Amerikaner ein Ausfuhrverbot für Helium erlassen, von dem man wohl zugunsten des be­rühmten holländischen Kältelaboraioriums ein­mal eine kleine Ausnahme gemacht hat, während das deutsche Kältelaboratorium gezwungen ist. das zu seinen Versuchen notwendige Helium aus Dem Vorkommen dieses Gases in der Luft zu gewinnen, von der es indessen nur etwa 4 Millionstel ausmacht. Die Physikalisch - Tech- nische Reichsanstalt bekam allerdings von der Linde-Gesellschaft in München ein Gemisch von Helium mit seinem Verwandten, dem Reon, aber immerhin ist die Trennung der beiden recht lang­wierig, so das; man bisher nur etwa 700 Liter

Von besonderem Einfluß wird diese Stellung Luthers und Stresemanns in England bei schwie­rigen Erörterungen sein, die beispielsweise noch ini Zusammenhang mit Der Frage Der Zahl Dev alliierten Truppen im R h e i n f a n D und 'hrem Einfluß auf Die Frage des Eintritts Deutsch, lands in den Völkerbund bevorstehen. Es darf nicht vergessen werden, daß Der übcrtniegenDe Teil Der öffentlichen Meinung Englands beim Abschluß des Vocarnouertragä das Hauptergebnis dieses Vertrags m dem Entschluß Deutschlands, dem Völker bund beizutreten, erblickte, und Daß man daher nicht nur van feiten Der Regierung, sondern aach im Lager Der Oppasitian mit einer saft un­geduldigen Erwartung dem Eintritt Deutschlands in Den VölkerbunD entgegensieht freilich, ahne sich genügend zu vergegenwärtigen, wie wenig z. B. Dio Ernennung v a n H amels zum O b e r f o m = issar pan Danzig oder Die jetzige Ungewiß heit über die künftige Zahl Der Besaßungstruppen tm Rheinland Dazu angetan ist, Die Deutschen An­hänger eines unverzüglichen Eintritts Deutschlands in Den VölkerbunD zu ermutigen.

Während in Der Außenpolitik der Eintritt Deutsch- lands in Den VölkerbunD Das bish^ri^ europäische Befriedungswerk Der konservativen englischen Re^ gierung krönen würde, ist in Der Innenpolitik Das Prestige Dieser Regierung mit Der Lösung Der kommenden Kohlenkrisis eng verknüpft. Durch Die inzwischen erfolgte Unterbreitung eines Planes Der Zechenbesttzer, der Die Rückkehr zum Achtstun­dentag tm Kohlenbergbau fordert, sowie eines Planes der Bergarbeiter, der für Die National i sierung Der Bergwerke eintritt, ist Die Lage Zwischen den gegnerischen Parteien geklärt. Alles hängt jetzt von Den Folgerungen ab, Die die Koh­lenkommission aus Dem von ihr vorgenommeneii Verhör Der Zechenbesitzer und Der Bergarbeiter 3'eht. Daß Diese Folgerung Die Gestalt einer Kam promißformel haben wirD, scheint wenig zweifelhaft. '

TrotzDem die Zechenbesitzer Durch ihre bei Dei Untersuchung Der Kohlenkommissian an den Tag gelegte Unnachgiebigkeit die überwiegende Zahl derer, die ihrer Lage kein Verständnis entgegen­bringen können, nur noch vermehrt haben und auch innerhalb Der konservativen Kreise Stimmen laut werden, Die für eine Abschaffung überlebter Vor. rechte eintreten, ist eine Nationalisierung Des Koh­lenbergbaus schon wegen Der Damit für Staat und Steuerzahler oerbtmDenen Kosten ausgeschlos­sen. Keine Regierung wird es wagen können, eine anDere als eine auf Verminderung Der Ein- rommen ft euer gerichtete Politik zu verfolgen.

Aus Diesem GrunDe mirD auch Den hier er­öffneten VerhanDlungen über Fundierung Der italienischen SchulD an Großbritannien stanz besanDere BeDeutung beigemessen. Diese Ver­hanDlungen unterscheiDen sich im Prinzip von Den fettens Des Schatzamts mit Der französischen Regie- ning bisher ohne Ergebnis geführten VerhanD­lungen DaDurd), Daß vorher bereits eine Regelung zwischen Der italienischen unD amerikanischen Re- gierung über Die FunDierung Der italienischen schuld an Die Vereinigten Staaten zustanDe kam eine Tatsache, Die die italienisch-englischen Verhand­lungen trotz des von der briUscheu Regierung für ihre kontinentalen Schuldner ausgestellten pari ps88u-GrunDsatzes mit Bezug auf Deren Zahlungen an Die Vereinigten Staaten kaum erschweren Dürfte.

Vögel und Hochspannungslettungen Bon Max Fischer.

Scheffel besingt bekanntlich im GnanolicD Die trefflichen Vögel, Die Die Gucmofelsen aufgebaut haben und sagt von ihnen

Sie sitzen in frommer Beschauung, Kein einz'ger versäumt seine Pflicht, Gesegnet ist ihre Verdauung Und flüssig als wie ein Gedicht.

Zum Aufbau von Guanofelsen mag diese Tätigkeit ganz angebracht sein, aber leider hat sie auch ihre Schattenseiten. Wie die Mitteilungen der Harms- dorf-Schomburg Jsolatoren-G. m. b. H. berichten, haben sich nämllch dadurch die Lichtbogenüber- jchlage" an den Hochspannungsleitungen der Big- Eroek-Anlage der Südkalifornischen Edison-Gesell- Ichaft nach der Erhöhung der Spannung von 150000 auf 220 000 Volt außerordentlich erhöht; während vorher der Jahresdurchschnitt etwa 16 Ileberschläge betrug, stieg er z. B. im August 1923 aus 14. Man konnte zuerst nicht hinter die Ursache dieser Er­scheinung kommen, für die die Spannungserhöhung allein keine genügende Erklärung bot, bis sich durch eingehende Beobachtungen herausstellte, daß auf den Querträgern sitzende große Vögel wie Adler und Habichte, die Isolatoren durchs die oben ge­schilderte Pflichterfüllung verunreinigten und so ihren Jsolationswiderstand herabfetzten. Aber auch wenn nur ein Faden Der ..wie ein GeDicht flüssigen Verdauung" ohne Die Isolatoren und Die Leitung )" treffen, in Der Nähe Der Leitung berunterfiel, so bilDete er Die Brücke für Die Einleitung Der Licht bogenüberschlägc. Man hat viele Versuche gemacht. Die so entstehenden erheblichen Störungen DaDurd) tu beseitigen, Daß man Den Vögeln Die Sitzgelegen­heit raubte, z. B. Durch Anbringung von Spitzen cs hat aber alles nichts genützt. Schließlich hat man auf einer 60 Meilen langen Strecke über Den Jfola- lorenketten zwei QuaDrntmeter große verzinkte Eifenblechtafeln angebracht unD DaDurd) erreicht, baß überhaupt keine Ueberfchlägc mehr vor- tnrnen.

Es zeigt sich hierbei wieDer Die ulte, Dem er ahrenen Techniker geläufige Regel, Daß es in vielen Fällen bester ist, eine schwer vermciDbare Erschei­nung nicht zu verhindern denn das gelingt eben häufig nicht, sondern sie in Bahnen zu lenken, in denen sie nicht schadet.

Chinesische Malerei.

Die Gesellschaft der Gießener Kunstfreunde und die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde halten in die Reue Aula dec Tkniversität zu einem Lichtbildervortrag über chinesische Maleret ein- geladen. Der Freiburger Kunsthistoriker Prof. Dr. Ernst Grosse, der hier schon vor längerer Zett über japanische Kunst gesprochen hatte, aus­gezeichneter Kenner der Kultur des fernen Ostens <Swei 1922 von ihm veröffentlichte Arbeiten über ostasiatische Tuschmalerei und vstasiotische Plastik sollen in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben), gab eine überaus feinfinnige, künstlerisch- menschliche Einführung in die Malerei aus dem Reiche der Mitte, das gerade die Ereignisse der letzten Sahre wieder- in den Vordergrund all­gemeineren, europäischen Interesses gerückt haben.

Ss ist natürlich an dieser Stelle nur möglich Einzelnes, besonders wesentlich Erscheinendes von den aniegenben und fesselnden Eindrücken des Abends wiederzugeben. Rach einem ganz ge­drängten Tleberblick über die Geschichte der chi­nesischen Kunst im allgemeinen betonte der Vor­tragende, der nach eigenem Wort hier den Weg um Verständnis und zum Genuß der Kunstwerke weisen wollte, daß dieser Weg mühsamer sei, als man nach der Popularität der Dinge anzu­nehmen geneigt sein könne. Am schwersten zu­gänglich ist die chinesische Maleret für den Eu­ropäer weder wegen, der ungewohnten äußeren Form, noch wegen ihrer (Aquarell-)Techni?, noch auch des Stoffes wegen; der Geist, die Aus- sassungs- und Darstellungsart rückt uns diese Kunst so fern, dem Kunstkenner vielleicht noch fenter, als dem unbefangenen Laien, der nicht, Durch die Drille der Begriffe sehend, das chine­sische Bild in der Wahrnehmung schon entstellt.

Der Schlüssel zum Verständnis der Dinge liegt im Erkennen der nahen Beziehungen und wechselseitigen Deeinflusfung von Sprache und Schrift im Ehinesischen. Malen bedeutet hier auch eine Act Schrift. Die chinesische Schrift war ur­sprünglich Bilderschrift; später schrieb man Be­griffe. Richt Laute, wie der Europäer. Malen und Schreiben ist fast dasselbe. Llrsprünglich war die Malerei vorherrschend, dann kam ne unter den Einfluß der Schrift. Die Schrift arbeitet an deutend und charakterisierend, nicht ausmalend. Vom

zug auf Ausdehnung und Stärke als außeror- D e v t l i d; s d) w e r bezeichnet werden muß, be­ruhigenderen Nachrichten Platz gemacht hatten, be­gann fid) Die Oesfentlichkeit wieDer mehr mit Den politischen Tagessragen zu befassen. Beinahe hätte man über Den Naturereignis^-n vergessen, Daß in HollanD immer nod) eine Regierungskrise besteht. Die seit fast schon zwei Monaten ihrer end- lichen Auflösung harrt. Selten wohl hat ein mit Der StnbinettsbilDung beauftragter Politiker Diesen Aus- trag solange in HänDen gehalten, wie jetzt in Hol­lanD Der Führer der Christlich-Historischen Kammer- frakiion, Dr. D e V i s s e r, Der sich feit sechs Wochen vergeblich bemüht, erst ein parlamentari­sches Sia binett, eine sich aus Christ! ich-Histori- schen, 'Antirevolutionären unD Mmisch.Kacholncheii zusaivmensetzenDe Koalition Der Rechten imD Dann ein außerparlamentarisches, Der Rechten mihcstehen Des G e sch o f t s >n i n j st e r i u m zu bilDen. In öpv vergangenen Woche verlautete in Haager poli­tischen Kreisen, Daß Die Lösung Der Kabinettskrise nun bestimmt erfolgen solle.

Entgegen Den allgemein geteilten Erwartungen scheinen sich jeDoch. in letzter Stunde wieDer neue Schwierigkeiten ergeben zu haben, Die mög­licherweise sogar zu einem schnellen unD gänzlichen Rücktritt Dr. De Vissers von seinem Auftrag zur 'tabinettsbifDung fuhren merDcn. Der GrunD Dieser Schwierigkeiten soll in ernsten VeDcnken bestehen, Die in Der letzten entscheiDenDen Beratung Der Rö­misch-Katholischen Fraktion Der Zweiten Kammer bczüglid) Des von Dr. De Visser zur Wiedorherstel- lung Der Einigkeit zwischen Christlich-Historischen unD Römisch-Katholischen vorgeschlagenen K o m - p r o m i s s e s aufgetaucht finD.

Dieses Kompromiß liefe Darauf hinaus. Daß ge­mäß Dem Befd)luß Der Zweiten Kammer Der Posten Des n i e D er n D i sche n Ge sanD - i c n beim Vatikan offiziell als abgeschafft gelten loll. Es mürbe jeDoch Der jetzige holländische GesanDte beim Vatikan, Ihr. van Rispen tot Zeven a er, zum Nachfolger Des vor kurzem in Wien verstorbenen Dortigen hollänDischen Ge- sanDten ernannt werDen unD zugleich beim P a p ft a f f r e D i t i e r t bleiben. Auf Diese Weise wurDen auf Dem Etat Des Auswärtigen Amtes keine GelDer für Den HollänDischen päpstlichen GesanDten geführt zu werDen brauchen. DiesesErgebnis Des parlamentarischen Kuhhandels", wie sich meh­rere liberale Blätter ausDrucken, scheint jeDoch neuerdings von Der Mehrheit Der katholischen Äam- inerfrattiori als eine für Die Katholiken unroürDige Lösung angesehen zu werDen; anDererseits Dürften s'ch Die Christlich-Historischen zu einem größeren Untoegenfommen kaum bereit finDen. Unter Diesen llinftänDen muß es als sehr fragüdj angesehen werDen, ob Die Bildung eines Geschäftsministeriums, zum minDesten aber eines solchen, Das sid) auf Die Rechte stützt, jetzt noch möglich ist. Vielleicht roirD als letzter Ausweg Die von Der katholischen Kam­merfraktion seinerzeit als unerwünscht, aber Doch alsletzte Möglichkeit" bezeichnete Bildung einer Linkskoalition zwischen Römisch-Katholischen unD SozialDemokraten in Angriff genommen wer­den müssen, unD zwar höchstwahrscheinlich unter katholischer Leitung.

Londoner Brief.

London, 18. Jan.

Was Die hiesigen politischen Kreise bei Der Zu­sammensetzung Des neuen Deutschen Kabinetts, so­weit Namen Dafür bekannt werDen, am meisten interessiert, ist Die Tatsache, Daß es wieder Luther und 51 r e f e tn a n n einschließt. TrotzDem von Anfang an mit Diesen, 'Ausgang gerechnet worDen war, mirD vorbehaltlos Befriedigung Darüber aus- geDrürft, Daß Diese beiDen Manner, unter Deren Mitwirkung viele wichtige Fragen gelöst, anDere einer Lösung nähergebracht wurDen, unD Die Das volle Vertrauen Der britischen Regierung unD öffentlichen Meinung genießen, weiter in Der Lage sein werDen, maßgebenDen Einfluß auf Die Gestal­tung Der Deutschen Außenpolitik auszuüben. Dieses Gefühl Der BesrieDigung roirD nicht beeinträchtigt durch das Bewußtsein. Daß nicht nur eine nackdrück- liche, sonDern, was im englischen politischen Leben viel wichtiger ist, eine- kühle, von Gefühlsmomenten freie, überzeugenDe Darlegung Des Deut­schen Standpunktes und deutscher Forderungen von feiten Der Männer zu er­warten ist, Deren geschickte Vertretung Der Deutschen Jmeressen auf Der Locarnokonserenz von britischen Vertretern, nicht zum minDesten -von Chamberlin anerkannt roirD.

Rußland.

Moskau, 17. 3a n

Nicht ohne Bitterkeit wird hier festgestellt, Daß weite Kreise der Bereinigten Staaten nod) immer Der Anerkennung Der Sowjetunion entgegen­stehen. Man weist auf Die Erklärung Der Neuyorker Bankieroersammlung hin unD kommentiert, etwas spöttisch, Den Gesinnungsumschlag Des JnDustriellen 6 o r D, der 10 000 Traktors an Rußland verkauft habe, so Daß seine politische Umstellung verständ­lich werDe. Weiter roirD eine Aeußerung DesJour nal of Commeree" zitiett, Das jegen Die Anerken nung fei, weil jeDe Stärkung Der Kaufkraft Der Sowjetunion einzig DeutfchlanD zugute fom men roürDc, fo Daß Amerika Die Vorteile, Die es in dem Kriege errungen habe, verlieren müßte. Neben­bei roirD Dessen geDacht, Daß Amerika nod) immer auf Dem StanDpunkt stehe. Der Anerkennung müsse rufsischerseits Die grunDfätzliche Erklärung, man werde Die VorkriegsschulDen bezahlen, vorausgehen. Hierzu roirD auf eine Erklärung Des Neuyorker SchutzverbanDes hingewiesen, Der seine Tätigkeit fortsetze.

Maler gilt das gleiche. Es gibt feine illusio­nistische. naturalistische jltaterei in China; sie würde mindestens als handwerklich gelten. Se knapper und prägnanter das Bild sich ausdrückt, desto höher ist es ästhetisch zu werten. Was wir vermissen, ist nickt Mangel an Können, sondern Beweis künstlerischer Kraft, in einer Malerei übrigens, die nie so unter wissenschaftlichen Ein­flüssen gestanden hat, wie bei uns. Lind die Re­volutionierung unserer Kunst in den letzten Sah-r- zehrrten geht von ostasiatischen Anregungen aus.

Der gleiche anaturalistische Stil beherrscht Form und Farbe. Alles Unwesentliche wird unterdrückt. «Dgl. Liebermann- Zeichnen ist Weglassen ...) Ae uh erste Reduktion der Form ut einem zeitgenössischen Bilde wirkt geradezu zwingend auf die auSmalende Phantasie des Beschauers. Derartige Bilder find nicht mit unserenSkizzen" zu vermengen; sondern sie bedeuten konzentrierteste Essenz bildnerischer Ge- Haltung. Der aus Charakterisierung bedachte Stil des Chinesen ist rein linear und verzichtet bewußt auf das Spiel von Licht und Schotten. Er sieht, sozusagen, das Ding an sich, löst es aus dem Zusammenhang und behandelt es in der Fläche, wiederum ganz willkürlich, zwei- dimensional. (Sntereffantc europäische Gegen­beispiele: Rembrandt, Velasquez, spater Ma­net). Sn solcher Sehweise ist zugleich eine ge­wisse Zeitlosigkeit der chinesischen Figuren be­gründet. Zu einem unendlich zarten Blütenbild des 12. Sahrhunderts gaben feinste Deutung die schönen Verse des ..cherubinischen Wanders- mannes" Angelus Silesius.

Die Rose, welche hier dein äußeres Auge sieht, in« hat von Ewigkeit also in Gott geblüht.

Diele, vielleicht die besten chinesischen Male­reien sindfarblos", d. h. in schwarzer Tusche ausgeführt Die Zeichnung, die Linie also, ist gleichsam der Träger der Melodie, die Farbe nur die gedämpfte Begleitung. Der Malfttl ist linear. Die lineare Klarheit des Rlalers (der gewissermaßen als Dchreibmedium eines durch ihn sich offenbarenden Dänwniums angesehen wird) würde aber unter Schattengebung gelitten haben: auch die Schattierung und Modellierung dn Linie muß also wegfallen. Das Bild bleibt retn innerhalb zweier Dimensionen. Richt etwa.

rein äußerlichen Geschehen, unD Das dramatische optcl ist am EnDe einTheaterstück. Emil Bern- Hard hat Die uralte Sehnsucht seines Volkes nad) Der Erlösung zum GegenstanD seinerIagD Gottes gemacht. Gott ist Der oberste JagDherr, unD er jagt

Volk, läßt es jagen Durch Menschen (Kosaken umzingeln Den Tempel), unD Durch ihre eigene Leidenschaft, bis einst Die IagD obgeblasen wirb und Der Erlöser kommt. Angstvoll ist Die kleine Ge- uleinDe im Tempel versammelt, Die Kosaken sind unter Der Drohung, wieDerzukommen, abgezogen. Da plötzlich bemerken sie einen FremDen in ihrem Kreise. Dieser FremDe mit Nomen Naftali sagt. Daß er Der Bote Des Messias ist, unD Die verzweifel' Hoffenden klammern sich an ihn, bringen ihm all ihre Kostbarkeiten, nur Der alte Rabbi siehl tiefer unD versteht in Der Seele Des FremDen zu lesen. Im letzten Akt sind alle in Der Synagoge ver° sammelt unD harren auf Das Kommen Des Messias, Da schleudert Naftali ihnen Das Bekenntnis ins Gesicht, Daß er sie alle aus namenlosem Haß irre geführt habe, Daß er selber getaufter Christ lei. (Dieser Haß findet eine psychologisch schwache Er­klärung in Der verprügelten KinDheit Naftalis.) Vor Der Tür wüten Die Kosaken unD fordern einen Juden zum Opfer, andernfalls stecken sic Den ganzen Ort an. Der alte Rabbi will gehen, Da stürzt sich Rastali dazwischen unb geht für die Gemeinbe in Den DpfertcD. In Den letzten Worten Des Rabbi liegt Die ganze Sehnsucht unD Tragik Des Juden tums ziijammengesaßt:Der Messias ist unter uns gewesen, und wir haben es nicht gewußt'" Der Schluß man hört, wie Naftali an der Tür ge- steinigl wird ist formal genommen unbedingt theatralisch, aber er läßt in seinem Erlösungs- aeDanken Den christlichen Zuhörer auf einen, aus Der Fever Emil VernharDs bcfremDcnDen Schluß kom- men, nainna), Daß Die Erlösung Durch Das Prinzip Des christlichen GeDankens erfolgt (aber vielleicht ist Das nur die Schlußfolgerung christlicher An­schauung). Die Ausführung war gut. Leontine ® a 9 a 11 hatte Diesmal Die Regie übernommen unb schuf aus Der sicheren Kenntnis Der Materie Sze- nen, die von starker Eindringlichkeit getragen wurden. Die Darsteller, an Der Spitze der Wiener Gast Herz Großbart (Naftali) gaben ihren Menschen Die bewegte LeiDenschastlichkcit Des Dra«> was. Emil Bernhard mußte sich wiederholt zeigen,

ttacci die Qual der 'Wahl abnimmt und sie mit der großartigen Erfindung der Einheits - presse so trefflich über olles, was in Italien vorgeht, unterrichtet, daß sich Widerspruche von selbst erübrigen. Ein Volk, ein Diktator, eine Presse! Man sollte es nicht glauben, daß sich dein aufs innigste zu wünschenben Ziele Hindernisse entgegenstellten, die zu überwinden es des Aus- gebotes der ganzen saszistischen Macht bedurfte. Aber nun ist's geschafft Als Reuja hrsgefchenk konnte Mussolini dos neue Pressegesetz feinen beglückten Untertanen in die Hand drücken. Es sieht reizend aus.

Ach! Paragraphen nur. aber leimig und schmackhaft wie ein dickgemandelter Pfefferkuchen. Sehe Zeitung oder Druckschrift periodischer Rotur muß einen verantwortlichen Direktor haben. Der muß in der journilisiischrn Berufsliste einge­tragen fein, demAlbum". Ohne Albumvers kein Sournalist mehr, kein Direktor jmb kein Reporter. Außerdem bedarf der Zeitungsleiter einer Genehmigung von oben. Pvocuratore gene­rale heißt der allmächtige Pressegott. Ohne sein Placet kein bedrucktes Zeitungs-biatt. feine An­stellung, kein Aufsichtsrat. Gesellschaften haben jedes Sahr ihre Mitgliederliste zur Prüfung vorzulegen. Für die Erfüllung der behördlichen Verfügungen haften Die Verleger mit Brief­tasche und Maschinen vis zum letzten Gentesirno unb Bleiklumpen. Unnötig wohl, hinzuzufügen, daß auch der Staatsanwalt seine gewichtige Po­sition hat.

Die ausländischen Zeitungskorre- s p o n d e n t e n wissen noch nicht genau, ob auch ihre Zulassung von Der Einschreibung in Den Orden" und dasAlbum" abtjängt. Wenn nicht, kann es noch kommen. Unter Aussicht stehen sie ja schon lange. Man fragt sich allen Ernstes, ob es noch längertragbar ist, daß sie von Dev Uniformierung der italienischen Presse obstechen und sogar Dinge berichten, die in ihr nicht ent­halten sind. Sa, eS sind bockbeinige Kerle dar­unter, die sogar eine eigene Meinung haben!

'Wenigstens diesem unerhörten Zustand hat, soweit es die vierzig Millionen Einheimischer betrifft, Farinacci ein Ende gemacht. Richt mit dem neuen Pressegesetz nein, das bildet sozu­sagen nur das Sicgesbulletin und den Friedens- Vertrag nach Versailler Muster. Vorher schon wurde der Weg frei gemocht, und um der Wahr­heit die Ehre zu geben, muß gesagt werden, daß auch zahlreiche saszistische Blätter unter die Dampfwalze gerieten. Wo nur eine Meinung herrscht, werden eben die meisten Kopien über­flüssig.

Sn diesen Tagen hat dos große Zeilungs- sterben den Höhepunkt erreicht. Wie Blätter im Herbste fallen sie. Do liegt die Epoco am Boden, früher contra, Dann pro. Da hauchte die 3 D e a nationale ihren triegerischen Geist aus oder vielmehr in die Tribuna hinein, die gestern contra war. heute mehr als pro ist. Das Smperv fühlt sich schier abgefögt daneben. Wie die Trutzburgen im Roiden geschleift wurden, der (Sortiere dello Sera und die St ampo, ist bekannt. Originell die Blockade der letzten liberalen Festung im Süden, des Mat­ti n o. Farinacci ging noch der Aushungerung mit dem Sturmbock des Ankaufs vor. doch kam ihm ein faszistischer Abgeordneter, sagt man, zuvor. Der wurde darauf <iu8 der Partei aus- ?iestoßen und rächte sich nun, indem er Musso- ini persönlich das Aktenpaket zu Füßen legte. Der Duce weiß noch nicht recht, wie er sich zu dein Geschenk verhalten soll.

Von der Provinzpresse spricht man über­haupt nicht m ehr. Die Südtiroler fliegen selbstverständlich von Regierung wegen nach Pra­ger Muster eine (einzige) Tageszeitung in deut­scher Sprache auf erlegt. Die demokratische Presse mußte Harakiri begehen, ein roleS und ein repu­blikanisches Blättchen dürfen vorläufig noch als Hofnarren Spaß machen.

Einheitsprksse! Staatsprssse! Warum bloß immer Tabakmonvpol?

Vie holländische Regierungskrisis

Amsterdam, 1b. Jan.

Nachdem Die beforDniserregenDen unb das Land in Alarm haltenden Meldungen aus dem hollän­dischen Hochwassergebiet, wo Die Drei Provinzen Limburg, Brabant unh GelDerlanD von einem Unglück heimgesucht finD. Das selbst in Den an Wasserkatastrophen reichen NieDerlanDen in be-

| weil dein Chinesen die Kunst der Perspeltive versagt geblieben wäre (ein paar ausgezeichnete Landschaften des Mittelalters beweisen dos Ge­genteil), sondern weil die Flachigfeit dem 2lus- druckswillen des chinesischen Stils entspricht.

Zwischen Malerei und Schrift bestehen auch sachlich-inhaltliche Dindungen. Sn China hat man eine (in viel höherem. Grade als bei uns) lite­rarische Malerei. Sn jedem chinesischen Bild liegt ein Sinn, viel stärker als beim europäischen Gemälde. Der illustrative Gesamteindruck wird übrigens dadurch unterstrichen. Die Malerei des OstenS hat ausgesprochen philosophisch-poetischen Geholt. Wundervolle Tuschzeichnungen brachte die buddhistische Mystik hervor, die sog. Sen- malerei. Ihr Lieblingsgegenstand ist nicht Der Mensch, sondern die freikomponierte Landschaft als Symbol des Alls. Auch konnte diese Kunst gemeinhin 'ntensivere und unmittelbarere Wir­kungen heivorbringen, als die abendländische, ver­möge ihrer eigentünilichen Technik. Der Weg von der Konzeption zur Materialisation, vom Kopf zur Hand, vorn Herzen zum Malgrund, ist un Chinesischen kurzer unD weniger kompliziert Die Tuschtechnik endlich schafft auch die Möglich- reiten feinster Transparenz imd gibt dem Bilde jene vergeistigte Form, die ganz zuletzt noch in Ztvei erlesenen Stücken zu bewundern war.

Lebhafter Beifall des erfreulich zahlreichen Auditoriums dankte dem Redner für seine vor­trefflich illustrierte, lichtvolle unh durchdachte Einführung in die künstlerische Welt einer fern- abliegenden, uralten Kultur. -.y,

*

Frankfurter Theater.

3m Schauspielhaus gelangte Emil Bern­hards DramaDie Jagd Gottes" zur Ur­aufführung.Die Jagd Gottes" ist an sich ein ten­denziöses Werk, dessen dramatische Bedeutung hinter den lauten Äußerungen des Abends zuriickblieb, denn auch das Stück ist laut, sehr laut oft. Die Qual der Juden schreit aus jeder Szene in der Sehnsucht nach dem Messias auf. Der Schrei bringt an Die Oberfläche, erfüllt Die Bühne, Menschen- massen ballen sich zusammen, die Vorgänge sind voll Bewegung, aber es ist eben die Bühne und der Roum, Die erschüttert werden, die eigentliche Tiefe der Dramatik fehlt. Es ist wirksam konstruiert, dieses Drama, aber das Wort steht nicht immer über dem