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In den dem englischen Auswärtigen Amt nahe- siedenden Kreisen neigt man dazu, den deutschen Standpunkt zu teilen, wonach die Gesamtzahl der französischen, englischen und belgischen Soldaten im Nheinland nicht mehr als 45 000 Mann betragen sollte.

Die Räumung Kölns.

Köln. 19. Jan. (Wolff.) Die Räumung Kölns durch die Engländer ist nahezu be­endet. Es ist zu erwarten. daß. sie Ende des Monats vollständig Durchgeführt sein wird, 'An welchem Lage daS letzte äußere Zeichen der Be­setzung, die Flagge, eingezogen wird, steht noch nicht fest. Rach dem Abzug der Besatzung hört Köln aber nicht auf. als besetztes Gebiet in der ersten Zone zu gelten, solange, bis auch die Belgier und die Franzosen die erste Zone vollständig geräumt haben. Das wird voraussichtlich am 1. Fe­bruar der Fall sein. Der Lag. an welchem die Besetzung offiziell als aufgehoben gilt, wird durch die Bolschasterkonferenz in Paris bekannt- gegeben werden.

Die M'ftenabfindungen.

Ans dem Rechtsansschust des Reichstages.

Berlin. 19. Ian. (B. D. Z.) Im Rechts­ausschuh des Reichstages wurde heute die Be­ratung über die Anträge zur Fürstenabfindung fortgesetzt. Der Vorsitzende Dr. Kahl (DDpt.) teilte ein Telegramm des Generalbevollmächtig­ten des Herzogs von Gotha mit, in dem dementiert wird, daß der frühere regierende Her­zog seinen Besitz durch Ausländsanlei­hen belasten wolle. Auch das bayerische Staatsministerium und die thüringischen Staats- Ministerien meldeten, daß ihnen davon nichts bekannt sei. Es seien auch Vorkehrungen ge­troffen. die eine derartige Belastung des Be­sitzes des Herzogs von Gotha verhindern würden.

Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) erkennt an, daß von behördlicher Seite alles Erforderliche geschehen sei ReuerdingS sei bekannt ge­worden. daß der frühere Herzog von Braun­schweig Dennögensstücke in größerem Um­fange in Holland verkauft habe. Auch dieser Mitteilung sollte nachgegangen werden.

Der Vorsitzende. Abg. Dr. Kahl, hielt es für unzweckmäßig, wegen jeder unkontrollier­baren Meldung den ganzen Behördenapparat in Bewegung zu setzen.

Abg. Hampe <Dt. Hann.) erklärte dazu, der frühere braunschweigische Herzog sei aller­dings. «um den Zusammenbruch seiner Hofhal­tung zu vermeiden, zum Verkauf einiger Bilder genötigt gewesen.

Abg. Wegmann iZ.j wünscht Aufklärung darüber, welche Fürsten daS frühere Privileg der Steuerfreiheit noch in Anspruch nehmen.

Der Vorsitzende sagt zu diesem Zwecke die Zuziehung eines Vertreters des Reichsfinanz­ministeriums für die nächste Woche zu. Hierauf wurde in die Tagesordnung eingetreten.

Der württembergifcheGefandteer- tlärte, der am 29. Rovember 1918 abgeschlossene! AbfindungSvertrog sei am 23. Juni 1919 vom würitembergischen Landtag bestätigt worden.

Für Hessen-Darmstabt erklärte der hessisch« Finanzminister Henrich, der hessische Staat werde ohne Rücksicht ans den Ausfall der reichsgesetzlichen Regelung der AbfinduugSfrage den 1919 abgeschlossenen AbfindungSdertrag mit dem grobherzoglichen Hause durchführen.

Für Mecklenburg-Schwerin gab Ministerpräsident v. Brandenstein eine Er- Ilärung ab, in der er darauf hinwieS. daß der am 17. Dezember 1919 abgeschlossene Abfindungs- Vertrag durch die Frage der Aufwertung und der damit verbundenen schiedsgerichtlichen Behandlung zu einer verfassungsrechtlichen Frage geworden sei, so daß die Zuständigkeit des Reichs- gesehgcbers ohne eine Aenderung der Reichs­verfassung nichü gegeben sei.

Im Anschluß daran verlas der Vorsitzende Abg. Dr. Kahl ein Schreiben des Bevollmäch­tigten des ehemaligen Grohherzogs, in dem dieser eine öOprozentige Aufwertung ver­langt. Finanzminister v. Oertzen bemerkt auf eine Anfrage des Abg. Everling, der Aufwer- tungsschiedsspruch habe sich den Standpunkt des Grvßherzoglichen HaufeS zu eigen gemacht.

Für Olden bürg erklärt Staatsminister Ahlhorn, daß Aufwertungsansprüche des Großherzogs gegen den Staat nicht geltend gemacht worden sind.

In der nächsten AuSschuhsitzung, die am Donnerstag stattfindet, sollen noch nähere Mit- tellungen über Bayern und Lippe-Det- mvld entgegengenommen werden.

Auf Grund eines sozialdemokratischen An­trages soll auch sestgestellt werden, in welcher Höhe Mitglieder der früher regierenden Fürsten­häuser OffizierSpensivnen beziehen.

Die Sozialdemokraten zur Fürstenabfindung.

Berlin, 20. Jan. (TU.) Der sozialdemo­kratische Parteiausschuß beschäftigte sich mit der Frage der Fürstenabfindung und beschloß, daß der Parte'worstand einen Gesetzentwurf zur Herbeiführung eines Volksentschei­des vorbereiten soll, da der Gesetzentwurf der Kommunisten insofern unzureichend fei. als er nicht, nähere Bestimmungen über die Art der Verwendung der enteigneten Vermögen treffe.

Das Arbeitsgerichtsgesetz

Ramhafte Hochschullehrer erlassen folgende (8it(ärung; Der Regierungsentwurf eines Ar­beitsgerichtsgesetzes sieht im § 11 den Aus­schluß der Rechtsanwälte als Pro- zeßbevollmächtigte vor den Arbeitsgerich­ten vor. Zugelassen sind nur satzungsmäßige Ver­treter und bevollmächtigte Angestellte wirtschaft­licher Vereinigungen von Arbeitgebern oder Ar­beitnehmern, soweit sie für die Vereinigung oder für Mitglieder der Vereinigung auftreten. Die unterzeichneten Vertreter des Arbeitsrechts und des Zivilprozeßrechts an den deutschen Hochschu­len sehen in dem Ausschluß der Rechtsanwälte eine bedenkliche Schädigung der Rechtspflege und der sachgemäßen Fortentwicklung des Arbeits- rechts. gegen die sie warnend ihre Stimme er­heben. Die oft gehörte Einwendung, daß die Zulassung der Rechtsanwälte das Verfahren ver­langsame, kompliziere und eine vergleichsweise Erledigung erschwere, lehnt die amtliche Be­

gründung selbst ausdrücklich ab. Für eine rasche sachgcmäfe Erledigung einer Arbeitsrechtsstreit­fache ist die sicherste Gewähr eine straffe Prozeß- Icitung und die Möglichkeit, das persönliche Gr- schcinen der Parteien herbeizuführen.

Das Hauptargument der Begründung ist die Befürchtung, daß die Möglichkeit der Betrauung eines Rechtsanwalts mit der Prozeßvertretung vor dem Arbeitsgericht der wohlhabenderen Par­tei eine bessere Prozeßstellung einräume als der unbemittelten, Mit genau der gleichen Begrün­dung könnte man auch die Rechtsanwälte int amtsgerichtckchen Verfahren ausschließen, ein Er­gebnis. das niemanden befriedigen und der Rechtspflege nachteilig sein würde. Wer wie wir der Auffassung ist, daß der Rechtsanwalt der berufene Vertreter der Parteien im Prozeß­verfahren ist, wirb ihn niemals ausschließen dür­fen, sondern auf Mittel und Wege sinnen müs­sen, jeder Partei, die den berechtigten Wunsch hat. durch einen Rechtsanwalt vertreten zu sein, dies zu ermöglichen. '2liebrigc Gebühren, Armen- recht. Richterstattung der Anwaltsgebühren an die obsiegende Partei, wenn die Zuziehung eines Anwalts offenbar unnötig war, dienen den In­teressen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer besser als der Ausschluß Der Anwälte.

Die Begründung geht mit Unrecht an Der Tatsache vorüber, daß das arbritsgerichtliche Ver­fahren durch die Einbeziehung aller Arbeits- rechtsstreiti.gkeiten. namentlich der schwierigen Tarisrechlsstreitigteiten eine erhebliche Kompli­zierung erfahren wird, die die Möglichleit Der Zuziehung von Anwälten im Interesse der rccht-- suchenden Parteien zur gebieterischen Pflicht macht. Ramentlich gilt es durch die offene Zu­lassung Der Anwälte. Der Gefahr vorzubeugen, daß diese etwa als Angestellte von wirtschaft­lichen Vereinigungen in das Verfahren hinein­zukommen versuchen.

Emanuel Adler (Wien), Airdre (Marburg- Aron (Dannstadt), Bley (Leipzig-, Blomeyer Jena, de Dvor (Frankfurt a.M.), Bohne (Köln-, W. Fi­scher (Hamburg), Grrland (Jena-, Giesete Rostock, James Goldschmidt (Berlin), Göppert (Bonn), Groh (Gießen-, Hedrmann (Jena), Heinshcimer (Heidelberg), Haeniger (Freiburg i. Dr.), Holldack «Dresden), Huel (Jena), Husserl (Bonn-, E.Iacobi (Münster), Erwin Jacobi (Leipzig-, Ernst Jäger (Leipzig), IoergeS (Halle), Iollb Heidelberg. Kisch (München«, Kleinfeller (Kiel), v. Köhler «Tübin­gen-, Kreller (Tübingen), Lasfar (Hamburg«, Hch. Lehmann (Köln), ßautner (Graz-, Mezgec «Mar­burg). Mendelssohn-Bartholdy (Hamburg). Merk (Karlsruhe), Meurer (Würzburg-, Molitor «Leip­zig), (Hagler (Freiburg i. Dr.), Ripperdey (Köln), Rußbaum (Derlin), Oertmann «Göttingen). Pa- genstecher (Frankfurt a. M.), Raape (Hamburg), Rabel (Derlin), Rosenberg (Gießen), H. Schanz (Würzburg). Schüler (Königsberg), Rich. Schmidt (Leipzig), Rudolf Schmidt (Halle), Rud- Schultz (Freiburg i. Dr.), Schling (Erlangen), Silberschmidt (München). Sinzheimer (Franfurt am Main), Stier-Somlo (Köln), Swoboda (Graz), Titze (Derlin), Walsmonn «Rostock«, Webe- meyer (Kiel).

Die Volksgesundheit.

O Dem Reichstage ist eine Denkschrift über die gesundheitlichen Verhältnisse des deutschen Dolles in Den Jahren 1923 und 1924 zugegangen. Wir entnehmen daraus folgende allgemein inter­essierende statistische Angaben

Die Zahl der in den deutsche» Großstädten gemeldeten Lebendgeborenen betrug auf je 1000 der Bevölkerung int Jahre: 1921 20,1, 1922 17,3, 1923 15,0, 1924 15,3.

2ln Sterbefällen wurden' in den deut­schen Großstädten gezählt: 1922 219 680 (12,6 auf je 1000 Einwohner), 1923 210 724 (11,9), 1924 194 340 (10,9); davon st ar beit im ersten Lebensjahre: 1922 36 666 (12,9 von je 100 Lebendgeborenen), 1923 32 530 (13,0). 1924 25 724 (10,1).

Während int Jahre 1895 von je 10 000 Etn- wvhnern noch 24,75 Personen jährlich an Tu­berkulose starben, war diese Zahl bis zum letzten DorkriegSjahr (1913) auf 14,33 ^urütfge­gangen. also innerhalb von 18 Jahren um 42,4 Prozent gesunken. Mit der Steigerung der Er- nährungsschwierigkeiten vermehrten sich während der Kriegsjahre auch die Todesfälle, und zwar in den deutschen Städten von 1913 bis 1918 um 72,6 Prozent, im ganzen Reichsgebiet um 55,5 Prozent. Rach dem Kriegsende näherte sich die StetchlichkeitSkurve bis zum Jahre 1921 langsam derjenigen der Vorkriegszeit. Mit der int Jahre 1922 einfetjen&en Verschlechterung Der wirtschaft­lichen Verhältnisse und mit Der erneut beginnen­den LebenSmiktelteuerung nahmen ober auch die Todesfälle an Tuberkulose wieder zu.

SS starben in den 46 deutschen Großstädten, berechnet auf je 10 000 Einwohner, an Tuber­kulose: int Jahre 1921 14,9, 1922 15,9, 1923 17,1, 1924 13,5. Die Sterblichkeit hat somit innerhalb deS Jahres 1924 bedeutend abgenommen und ist die niedrig st ebisherinDeutschlanD beobachtete Zahl.

Die Zrankensälschungen.

Der ungarische Ministerpräsident vor dem Parlament.

Budapest, 19. Ian. (WTB.) Die Sitzung Der ungarischen Rationalversammlung wurde um V<1 eröffnet. Präsident Saitvwsku gab zu Beginn der Sitzung eine Erklärung ab. in Der e8 heißt:Rach unserer letzten Sitzung ist Die ungarische Ration in Den Mittelpunkt einer traurigen Deltsenfation g e- rückt, Durch Das nicht genug zu verurteilenDe Verbrechen Der Frankenfälschungen. Das nicht nur das viele Opfer erheischende Sanie- rungSwerk, sondern auch den guten Rus des Landes bedroht. Das Land hat in schwie­rigen Jahren stets Die nationale Würde und Den einmütigen Witten bewahrt. Ich glaube, unter Dem allgemeinen Beifall Den Leitgedanken der gegenwärtigen Lage Dahin zusammcnfassen zu können. Daß zur baldigen Aufklärung des Franlen- fälschungsverbrechens alle^ geschehe, was das Gesetz und Das über alles erhabene Wohl Des Landes gebieten." (Allgemeiner Beifall und Händeklatschen.)

Als sich hieraus

Ministerpräsident Graf Bethlen zum Wort meldet, bricht auf der äußersten Linken ungeheurer Lärm aus. Man ruft im Shor:Abdonken! Abdanien!" Dem Grafen Bethlen, der ruhig auf feinem Platz steht, bringt die Regierungspartei unter Erheben von den Ditzen stürmische Ovationen Dar, wodurch Dtc Linke sich zu noch heftigeren Auftritten ver­

anlaßt sieht, was wiederholte Ordnungsrufe des Präsidenten zur Folge hat. Sowie der Minister­präsident sich zu reden anschickt, bricht der Sturm von neuem los. Bon Zwischenrufen fortwährend unterbrochen, erklärt Graf Bethlen, er wolle die Rationalversammlung ausgiebig über die An­sichten und Absichten der Regierung orientieren, und er werde der Verantwortung nicht aus- weichen. Der Ministerpräsident führte weiter ans: ..Einzelheiten über die Erhebungen kann ich nicht mitteilen; dies wird erst nach Schluß der Untersuchung möglich sein. Die Sache be­findet sich gegenwärtig vor Gericht, dessen Auf­gabe die Feststellung der Tatsachen ist. Die Re­gierung wird mit allen Kräften auch poli­tische Hintergründe der Angelegenheit- sofern es solche gibt - aufzuklären suchen. Die Hände der Regierung sind vollkommen frei.

ES steht außer Zweifel, daß die in die An­gelegenheiten verwickelten Personen in der über­wiegenden Mehrzahl keinerlei materiellen Ruhen anstrebten.

Es sind keinerlei Anzeichen vorhanden, daß irgendeine Putschgefahr bestanden hätte.

Die Justiz wird die Angelegenheit bis in die letzten Einzelheiten verfolgen. Was die angeb­lichen politischen Ziele betrifft, so wollen wir daran keinen Anteil hoben.

2lbg. Malasios (Soz.) ruft:Sie ver­leugnen Ihre Spießgesellen!" (Große Entrüstung rechts und in der Mitte.) Der Präsident erteilt Malasios einen Ordnungsruf. - Graf Bechlcn fuhr fort: Wenn man die Moral der Ration reinigen will, muh nicht nur das wirkliche Ber- brechcn sondern auch der falsche Pa­triotismus ausgerottet werden. Wenn je­mand um das Land wegen dieser Taten besorgt ist, so ist es die gegenwärtige Regierung, die in vierjähriger mühevoller Arbeit das Prestige Ungarn^ vor dem Auslande gehoben hat. Rach einer Pause gibt der Ministerpräsident eine Blutenlese Der falschen Rachrichten, die in der Auslandspreise Eingang gefunden haben. Als er die Rochricht desMatin" anführte. nach der

der Reichsverweser mitschuldig ist, was große Entrüstung rechts und bei den Rasseschüylern hernorrief, rief Far - r a 6 (Soz.,:Das ist wahr!" (Ungeheurer Lärm.) Farkas erklärte dann, fein Zwischenruf beziehe sich auf Das Negierungsfystent. (Rufe rechts: Er lügt! Feiger Maulheld!) Als Quelle dieser Nach­richten. so erflärte Bethlen weiter, ist Buda­pest angegeben. Wer Konnexionen mit diesen Blät­tern bat, möge dahin wirken, daß sie keine solche Lügen schreiben, denn solange sie dies nicht tun, sind sie verdächtig.

Pcidl (Soz.) ruft: Gemeiner Verleumder! Dieser Zuruf verursacht wieder ungeheuren Lärm. Peidl wird von der Mehrheit des Hauses vor den Immunitätsausschuß geladen.

Bethlen sagte schließlich loeiur: Diese törich­ten Nachrichten haben ihren Ursprung in den er­bitterten politischen Parteikämpfen und stammen teils von unseren nationalen Feinden, teils von den Emigranten, die sich durch verkehrte Propaganda rehabilitieren möchten.

Das System, das durch die Regierung vertreten wird, ist kein gegenrevolutionäres System, son­dern ein auf nationaler Grundlage stehendes konservatives System, das Verbrechen in glei­chem Matze verurteilt, unter welchem Titel und ans welchen Interessen ste auch verübt werden.

Gab es kn Der Vergangenheit Fehler in Der Rechtsordnung. fo können die Gründe hierfür nicht im Mangel an ehrlichen Absichten Der Regierung gesucht werden; Die Ursachen hierfür liegen Darin, Daß in Den breiten Schichten Der Gesellschaft Haß und Furcht vor derRevv- lution leDenDig ist. Die Mutter der Gegenre­volution ist Die Revolution. Diese beiden zusam­men werden aus diesem Lande verschwinden. Als andere Ursache Dafür, daß Die Bestrebungen Der Regierung nicht immer von Erfolg waren, ist Der Haß gegen daS Trianoner System anzu­sehen. Diese äußere Rechtsauffassung entbehrt jeder moralischen Grundlage, auf der Der dauernde Friede bestehen kann. Uns steht jedoch nur der Weg offen, Diese Rechtsordnung für unsere Zeit zu respektieren unD von Schritt zu Schritt in ern­ster Arbeit und aus eigener Kraft dem Ziele zuzustreben. Das letzten Endes Dem Lande An­sehen unD Achtung verspricht. Prinzipiell ver­schließe ich mich Der Bestellung einesPar° lamentsausschusses nicht. Borbedingung hierfür ist jedoch die Respektierung der Unab­hängigkeit Der ungarischen Gerichte. Sobald Die Einzelheiten Der Angelegenheit vollkommen auf- gedeckt sein werden, werde ich Dem Hause neuer­lich berichten. (LanganhaltenDer lebhafter Bei­fall.) _____________

Die nationale Bewegung in Syrien.

London. 2U. Ian. (WTB. Funtfpruch.) Die Times" berichtet aus Haifa: Die Tatsache, daß die nationalistische Bewegung immer noch weit ver­breitet und tief cingebrungen ist, werde bewiesen durch die aufeinander folgenden Mißerfolge der französischen Bemühungen, Die Drusen von den Mohammedanern und die Aufständischen von ihren Führern zu trennen sowie Aleppo gegen Damaskus aufzuwiegeln. Einer der hauptsächlichsten militäri­schen Führer gegen Die Franzosen sei Mohammed Ismail, Der in Deutschland auf Kriegsschule und türkischer Verbindungsoffizier in den deutzchen Heeresstellcn gewesen sei. Ferner sei er Mitglied des Stabes des Paschas und Stabschef Ali Riza Paschas gewesen. Der während des Krieges den Libanon befehligte.

Aus aller Welt.

Das Deutsch« Auslandinstitut in Stuttgart.

Das Deutsche AuslanDinstitut in Stuttgart konnte am 10. Januar auf eine Arbeit von zehn Jahren zucückblicken; es hat sich in Dieser Zeit unter Der Leitung von Kommerzienrat Dr. Wanner und Generalsekretär Dr. Wert­heimer zu einer achtunggebietenden Höhe em­porgearbeitet unD Dem Deutschtum in Der gan­zen Welt Die wertvollsten Dienste geleistet Auskünfte sind im vergangenen Jahre 26000 gegeben worben, toobet Dem Institut über 100 Vertrauensleute in aller Welt mit Rat unD Tat an Die Hand gingen. Die Auswan de rerbe-- r a t u n g hat gegen 5000, Die Vermittlungs­stelle über 13 600 Auskünfte erteilt. Das Material des Instituts hat sich im vergangenen Jahre ebenfalls beDcutenb vermehrt: um 19 500 Bücher, 22 000 Karten und Bilder, 11000 Dia­positive, 1079 Zeitungen und Zeitschristen, 23 000 Beiträge über Die deutschen Vereine im Aus­

lanD ufw. Leider hat der wirtschaftliche Rieder- gang im üergangenen Jahre auch Dem AuslanD­institut schwere Wunden geschlagen. Zahlreiche zugcsagte Beiträge unD Stiftungen sind ausge­blichen. Wohl hat Der württembergische Stgat die Bürgschaft für ein Darlehen übernommen, aber das genügt nicht. Weite Äreife muf­fen helfen, um Durch Die Zahl Der Beiträge zu ersehen, was an hohen Summen jetzt nicht cingchen kann.

Generaldirektor Wiegand tätlich verunglückt.

Der Generaldirektor der Deutschen Land- wirtschaft!. H a u p t g e n o s f e n s ch a f t in Eorbach, Karl Wiegand, ist auf der Fahrt von Berlin nach Cordach in der Nähe von Twiste in Waldeck bas Opfer eines schweren Auto- mobilunfalls geworben. Sein Automobil würbe in der Dunkelheit von einem Lastkraftwagen angefahren. Wieganb würbe Dabei mit bem Kops gegen die oorbere Glasscheibe geschleubert unb blieb besinnungslos liegen. Am nächsten Tage ist er int Corbacher Krankenhaus seinen Verletzun­gen erlegen. Der Chauffeur blieb unverletzt. Die hessische unb walbeckische Lanbwrkffchaft hat burch den Tob Wieganbs, ber gleichzeitig auch ber Führer der dcutschnationalen Partei in Waldeck war, einen schweren Verlust erlitten.

Das Urteil im Gransprozetz.

Hannover, 19. Jan. (TU.) Im Gransprozetz kündigte nach Mündiger Beratung des Gerichtes ber Vorsitzenbe Dr. Bockeimann um 1.20 Uhr foi- genbes Urteil an: Das Urteil bes Schwurgerichtes vom 19. Dezember 1924 wirb ausgehoben, soweit es ben Hänbler Grans betrifft Grans wirb wegen Beihilfe zum Morb in zwei Fällen zu einer Gesamtzuchthaus strafe von 12 Jahren unb zum Tragen ber Kosten bes Verfahrens verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte werben ihm auf bie Dauer von 10 Jahren ab­erkannt Auch wirb auf Zulässigkeit ber Polizei­aufsicht erkannt. Grans war bekanntlich im Haarmannprozetz wegen Anstiftung zum Morb zum Tobe verurteilt. Haarmann hatte jeboch seine belaftenben Aussagen kurz vor feiner Hinrich­tung tuiberrufen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, Den 20. Januar 1926. I

Gießener Wochenmarktpreise.

Hs kostete auf dem gestrigen Wochenmarkt Vas Pfund: Butter 140 bis 170 Pfennig. Matte 40. Käse 70, Wirsing 20, Weißkraut 15, Rot­kraut 25, gelbe Rüben 20. rote Rüben 15, Spinat 50, Unterkohlrabi 10, Zwiebeln 15 bis 20, Meer­rettich 80. Schwarzwurzeln 70. Endivien 100, Kartoffeln 4,5, Acpfel 12 bis 18, junge Hahnen 100; das Stück: Gier 20, Blumenkohl 90 bis 120, Lauch 5 bis 20, Sellerie 10 bis 30.

Bornotizen.

Lagesta lender für Mittwoch: Stadtcheater: 71/? UhrJugendfreunde". (Ende 10 Uhr.) Oberhessischer Geschichtsverein, 81. < Uhr: Reue Aula Der Universität, Vortrag. Vogtsche HanDclsschule, Goethestraße 32, 8 Uhr, Vortrag über Durchschreibebuchführung. Me­dizinische Film-Vorführung, 71/« Uhr, im Großen Hörsaale Der Frauenklinik. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: ..Luxusweibchen".

Evangelischer Bund. Man schreibt uns: Am nächsten Freitag, abends 8 Uhr, wird in Der Stadtkirche wieder ein Farnilienabend des Gießener Zweigdereins Des Evangelischen Bundes stattfinden. Im Mittelpunkt der Ber-- anstaltung steht Diesmal eine Rezituti on aus Conrad Ferdinand Meyers kraftvoller Vers- erzählungHuttens letzte Tage". Prof. Hans W e i chel t - Marburg, dem der Ruf eines glänzenden Rezitators vorausgeht, wird Das Werk auswendig vortragen. Einheimische Künstler haben sich bereit gefunden, durch gesangliche und musikalische Darbietungen den Abend weiterhin auszufüllen und zu verschönern. (Siehe heutige Anzeige.)

Wettervoraussage.

Meist bedeckt, westliche Winde, Temperaturen nur langsam etwas ansteigend, Riederschläge.

Der seit einigen Tagen int Rorden von Eng­land liegende Wirde! hat sich etwas abge­schwächt. Seine Ausläufer reichen heute, wie erwartet, bis nach Mitteldeutschland hinein, wo ein abgespaltenes Leines Teiltief volle Aufklä­rung nicht aufkommen laßt. Durch Ausstrahlung sind hier die Temperaturen noch etwas gefallen, doch ist ein langsames Aufllären bestimmt zu erwarten.

Gestrige -Sagestemperaturen: Maximum: minus 1,5 Grad Celsius; Minimum: minus 5,4 Grad Celsius. Riederschläge 2.1 Millimeter. Schneedecke: 12 Zentimeter. Heutige Morgen­temperatur: minus 4.2 Grad Celsius.

" Reuuniformierung der hessi­schen Schutzpolizei. Wie Wagners Süd westdeutscher Rachrichtendienst aus zuverlässiger' Quelle erfährt, erhalten in aller Kürze, spätestens jedoch am 1. April d. I., die Gemeindr-Polizei-- beamten in Hessen andere -Uniformen. In Beam­te nkreisen wird Diese Reuerung begrüßt, Denn es wurde längst empfunden, daß Die alte Uni­form, die aus dem Jahre 1846 stammt, den jetzigen Zeitverhältuissen nicht mehr entspricht. Die Uni­form der vielbeschäftigten Polizeibeamten gleicht der der blauen Polizei, nur ähneln Die Achsel­stücke Denen Der Offizierstellvertreter. Den Teil- beschäftigten verbleibt Die graue Uniform, jedoch im Schnitt Der Litewka. DeiDe Gattungen sind gleichmäßig und wie die blaue Polizei bewaffnet. Auch die Reuanschaffungen und die Tragezeit regeln sich nach Den gesetzlichen Vorschriften Der staatlichen Polizei. Die näheren Ausführungen toerDen in aller Kürze vom hessischen Ministe­rium erlassen toerDen.

*' Ermäßigung der Steuerver­zug s zi n s e n. Im neuestenRcichsattzeiger" wird eine Verordnung des Reichsfinanzmini- sterS veröffentlicht, wonach die Steuer-Verzugs­zinsen von 12 auf 10 bzw. von 9 auf 8 Prozent herabgesetzt werden. Die Verordnung trit mit Wirkung ab 1. Januar in Kraft.

d. Städtische Brennholzverst^ei- g e r u n g. Bei der gestrigen Brcnnholzverstei- gcrurtg im Gießener Dtadtwald wurden folgende Preise geboten: Eichenscheiter 10,20 Mk., Eichen­knüppel 9.40 Mk., Buchenknüppel 13.40 Mk.. Kiefernknüppel 8 Mk., Gichenstöcke 7.20 Mk.. Fichtenstöcke 5 Mk.. Fichtenreisig (Schichthaufen) 1.40 Mk. je Rm.. Buchenreisig 30 Mk., Eichen« reisig 17 Mk.. Aspenreisig 15 Mk., Fichtenreisig. 10 Mk. je 100 Wellen.