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für An der

lutherischen Kirche Rußlands.

Der 23. und 24. Oktober waren große Tage die evangelisch-lutherische Kirche Rußlands, diesen Lagen wurden das 350jährige Bestehen Moskauer St. Michaeliskirche und das

Neue Sparabsichten der Reichsbahn.

Einschränkung des Personalaufwands durch Vereinfachung des Nebenbahnbetriebs.

teuer, die Heinse unter dem TitelBegebenheiten deS Gnkolp" übersetzte, der bessernden oder neu formenden Hand bedürfen? -Unt> vielleicht wagt es der 3n|clberlag, der diesen Goldesel in schöner Ausstattung herausbrachte, einmal, uns wenigstens das berühmte ,. Gastmahl des Lrimalchio" neu aufzutischen und damit die klas­sische Gestalt des Äeureichen aus dem neroni- schen Zeitalter dem noch unvergessenen Gesin­nungsgenossen aus der Gegenwart gegenüber-

Auf Vorposten.

Ein Doppeljnbrlaum der evangelisch-

300jährige Bestehen der D t. Petri-Pauli- .Kirche daselbst festlich begangen. Bon allen Enden des weiten Landes waren weltliche und l geistliche Vertreter der lutherischen Kirche herbei- , geeilt, um an diesem denkwürdigen Feste teilzu- F nehmen. Aus Petersburg, aus der Ufraine, vom

Kaukasus, von der Wolga, aus verschiedenen » Gegenden des fernen Sibiriens hatten sich 19 Pa­storen und etliche Dutzend weltlicher Vertreter eingefunden. Ungemein rege war auch die Beteili­gung der deutschen Kolonie Moskaus. Die Kirchen waren an den drei Festgottesdiensten zunr Er-

u Die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft in Berlin behandelt in einer 28 Seiten starken Druckschrift di« Frage der E i n - schränkung des Personalaufwandes durch Vereinfachung des Rebenbahn­betriebes.

Wenn es auch im Eingänge der Druckschrift wörtlich heißt,die Rotwendigkeit größter Spar­samkeit auf allen Gebieten des Reichsbahn­betriebes zwingt zur Prüfung der Frage, inwie­weit eine Vereinfachung der Detrieosführung auf den zum Teil ohne Ertrag bleibeirden Rebenbah­nen unter Wahrung der Betriebssicherheit durch­führbar ist", so ergibt das weitere Studium der Sparvorschläge. daß die Nebenbahnlinien der Reichsbahn nach der Durchführung des v.rein- sachten Verfahrens in sicherhertstechnischer Hin­sicht einen großen Rückschritt auf sich zu nehmen haben. WasVereinfachung" in diesem Zusam­menhang bedeutet, soll hier kurz dargelegt werden. Zur Verminderung des Personalbestandes auf den Bahnhöfen ist nach folgenden Richtlinien zu ver­fahren:Bahnhöfe und sonstige Betriebsstellen können als Zugmeldestellen dauernd oder zeit­weise durch Anordnung der Reichsbahndirektion ausgeschaltet werden".Auf betrieblich nur durch wenige Zugfahrten belasteten Bahnhöfen kann auch der Fahrdienstleiter zurückge- zogen werden". Ein Vorschlag, der die Betriebs­sicherheit in höchstem Maß« in Frage stellt, scheint Absatz 6 unter Abs.chnttt A zu sein, der wie folgt lautet: ..Auf unbesetzten Stationen ist Fahrdienstleiter und Liufsichts- beamtet der Zugführer, bei Zugkreuzun­gen der Zugführer des zuerst einfahrenden Zuges, bei Lleberholungen der Zugführer des überholen­den Zuges". Was aber, wenn irgendwelche Um­stände den Zugführer an der ihm zugedachten neuen Tätigkeit verhindern? Sehr zu denken gibt der Absatz 11. der besagt:Dor der Einfahrt in unbesetzte Bahnhöfe hat jeder Zug, sofern für das Zugpersonal nicht sicher feststeht, ob die Fahr­straße frei ist und die Weichen richtig liegen, am Einfahrsignal oder wo ein solches nicht vor­handen ist. an einer nach Anordnung der Reichs­bahndirektion auszustellenk^n Merktasel zu halten; der Zugführer hat sich vor der Weiterfahrt zu überzeugen, daß die Fahrstraße für die Einfahrt in Ordnung ist". Fast wie Hohn auf die Be­triebssicherheit klingt der Sah:Der Zugführer des ersten Zuges übernimmt die Obliegenheiten dcs Fahrdienstleiters, stellt fest, ob sein Zug so zum Halten gekommen ist. daß das Einfahrgleis für den Zug der Gegenrichtung frei ist und die Weichen richtig liegen."

Schaeffer den alten Roman des Apujelus in neue Form gegossen.

Merk auf, Leser, du wirst dein Vergnügen haben", heißt o in der Einleitung. Und dann beginnt die Erzählung, di« Geschichte von Lu> cius, der in einen Esel verwandelt wird dank thessalischer Hexenkünste vielerlei Schmerzen und Leiden durchmachen muß, bis ihm die Göt­tin Isis erscheint und ihm anzeigt, wie er seine menschliche Gestalt wiedcrfinden könne. Ein Buch der Abenteuer und Verwandlungen, Verwicklun­gen und Verwechslungen, eine Satire auf die Zeit, ihren Aberglauben, ihre Menschen. Und eine Schatzkammer von Dichtung ba^u; in die­sem Roman ist das Märchen von Amor und Psyche eingeschlossen, schönes Volksgut an Sagen und Geschichten ist durch diesen Roman an die Rachwelt überliefert und Boccacio und Shake­speare haben sich seiner dankbar bedient: hier liegen Keime, die in dem weilen Felde der Weltliteratur aufgingen.

Und Schaeffer hat dieses Buch wieder lesens­wert gestaltet, weil er es nicht übersetzte, son- dern neu formt«. Er hat sich in den apu- lejunanischen Schwulst, in seinen Sahbau, in seine Sprachspielereien, Assonanzen, Reime, Allitera­tionen mit Ohr. Auge und dichterischer Dildner- krast vertieft; so ward denn ein Buch, das dem Original bis in die kleinsten sprachlichen Feinheiten nachspürt: es enthält jetzt feine ver­waschene und neutraleUebersehung", sondern eine sklavisch« und doch schwungvolle Reu­dichtung des alten Textes, es schwelgt in ver­trackten Sahbildungen man weiß, was die Römer auf diesem Gebiete leisten tonnten in preziösen Ausdrucksformen, in Worterfindun­gen, barocken Stilkunststücken. Und so widerlegt Schäffer jenen hochmütigen Rode, indem er zeig:, wie Sprache und Stil dieses apulejanischen Esels Ausdrucksfornien des Verfassers und seiner Zeit sind. Sin jeder Dichter dürfte sich freuen, diese Rachdichtung geschaffen zu haben.

Da Schaeffer dieser eine römische.Konnan so trefflich geglückt ist, mag er prüfen, wie es mit den Ueberletzungen des petronifchen Ro­mans steht. Sollten vielleicht auch jene Aben­

in diesem Schein groß und einfach wurden und über sich wuchsen ins Ewige. Wie er hier nun vor dem Bilde versunken stand, durchflutete es ihn heiß denn er fühlte, als Meister Stephan diese Farben malte, da war um ihn dasselbe Licht gewesen. Der Dahingegangene war schon so weit gewesen, wie fein Nachfahr jetzt nach so langem Mühen gekommen war, und nun war der Augenblick da, wo es ihm beschieden war, weiter­zuschreiten. und mit ergriffener Seele grüßte er den toten Meister in fernem Bilde.

Währenddem war der Mann mit dem Schlüsseln von einem Bein auf8 andere getreten und hatte mißmutig mit der Aase geschnüffelt, wodurch er auf seine Art anfragen wollte, wie lauge das denn nun noch bauern solle. Ein paar alte Weiblein, die verloren in dem großen Dom gekniet hatten, waren auch herzuginchlürft und wunderten sich, was es an dem Diw, das sie ihr Leben lang gesehen hatten, noch zu sehen gäbe, und der Mann blinzelte ihnen zu und gab ihnen so zu verstehen, 'es seien wahrhaftig Narren genug auf der Wett. Da traten auch zwei Rats- Herren hinzu. Ihnen beiden war nämlich zu gleicher Zeit und unabhängig voneinander der Einfall gekommen, ob man sich nicht durch Anbrin­gung einer Dachrinne ein Verdienst um die Rats­kapelle erwerben könne, und so hatten sie sich auf- Kcht, die Umstände näher zu betrachten. Jetzt sie da einen Fremden in wortloser Er­griffenheit vor dem Bilde stehen, als gebe es da noch geheime Dinge, die solche Maler vor den andern Menschen voraus hätten, und um ihn zu erinnern, wohin die Phantasten doch kämen, sagten sie höhnisch:Der Mann, der das Bild da machte, ist bei uns hier im Spital gestorben I"

Dürer wandte sich, sah die überlegene Miene der Herren, das jetzt kaum noch verborgene Grinsen des Dieners und die wachen Mausäuglein der neugierigen Weiber, und er sagte zu den beiden: «Schande über die Stadt, die einen solchen Mann im Spital einsam sterben läßt" und ging.

Dor dem Ton seiner Stimme bekamen die Frauen Furcht, der Diener stand mit offenem Munde da, und die beiden Herren fickßen schnell wieder von der Dachrinne an.

Oberhessen.

Landkreis Gietzen

3 Lollar, 18. Nov. Heute begina der Kran- keniassenbeamte Heinrich Rohrbach VIII. bei dem hiesigen Buderusschen Eisenwerk sein 2 5. Dien st - j u b i l ä n m. Dem beliebten Jubilar wurden seitens des Werkes urrb seiner Kollegen wertvolle Geschenke überreicht.

lD Lollar, 18. Rov. Der gegenwärtige Zu­stand der Landstraße Lollar Gießen zeigt, daß die seither üblichen Straßen- befe st i Zungen für Strecken mit starkem Auto­mobil- bzw. Lastwagenverkehr nicht mehr aus­reichend sind. Die Straße, die erst vor 2 Jahren neu gedeckt und gewalzt wurde, ist schon wieder derart mit Löchern übersät, daß sie in ihrem Aus­sehen beinahe an eine in einer Kampfzone liegende Straße erinnert. Wenn für den Fußgänger der Aufenthalt auf einer solchen Landstraße im Sommer durch die mächtige Staubentwicklung fast unerträg­lich war, so sind es jetzt mit dem Eintritt der nassen Witterung der beim Vorllbersahren von Fayrzeugen nach allen Seiten fliegende Schmutz und das Wasser der Löcher, die ein Begehen der Straße fast unmöglich machen. Die dauernden An­strengungen des Straßenaufsichtspersonals, durch Füllen der Vertiefungen mit Kleinschlag und Sand Abhilfe zu schaffen, bleiben bei dem regen Verkehr fast wirkungslos. Es wird daher allgemein sehr be­grüßt, daß der Kreis Gießen im kommenden Früh­jahr 5 Kilometer der Straße mit St l e i n p f 1 a ft e r versehen lassen will. Es ist dies die Strecke vom Ortsausgang von Lollar bis zur Gießener Stadt­grenze. Das Anfahren der Baustoffe von den Bahn-

Ein antiker Roman.

Von der alten römischen Romanliteratur! find nur zwei Werke erhalten: das eine sind die (von Heinse übersetzten) ..Begebenheiten des Enkolp", eine Äpiire aus der neroni- scheu Kaiserzeit, als deren Verfasser jener Pe­tr o n i u s mit dem Beinamen Arbiter Sie- gantiarum gilt, der aus demQuo vadis-Roman Sienliewicz' hinlänglich bekannt sein dürfte. Das andere aber "sind jene Metamorphosen, die man auch, denGoldenen Esel" nennt und als deren Verfasser A p u l c j u 8 genugsam beglau­bigt ist.

Von dem Dasein dieser Werte ahnen nur die Gelehrten und einige versprengte Lieb­haber, die sich später an der Kostschüssel litera- rischer Feinsch.neckereien einfanden, zu welcher auch der reiferen Jugend der Zutritt noch ver­wehrt bleibt; denn Petronius und Apulejus haben sich auf Gymnasien unmöglich gemacht. Sie schildern Sittenbilder aus Verfallszeiten, ohne Beschönigung, aber mit schärfsten satiri­schen Ausfällen uni) als naturalistische Beob­achter von Zuständen, die aller traditionellen römischen einfältigen Strenge und catvnischen, Herbheit spotten Dazu sind beide, besonders Apulejus, ihrer untlassischen, rustikalen Sprache wegen, berüchtigt. Genug, man kennt sie nicht.

Des ApulejusGoldener Esel" ist im acht­zehnten Jahrhundert schon einmal von Rode über­seht worden. Wenn aber diese Zeit das Altertum nannte, meinte sie immer dasklassische" Altertum, Rorm und Maßstab für alle Er­scheinungen. So konnte auch Rode Icichtttch auf den Gedanken kommen, des ApujelusGolde­ner Esel" sei in einem miserablen Latein ver­saßt, dessen Mängel der Ueberfefcet wieder aus- gleichen wollte durch eigene verwischende Kunstfertigkeit. Jahrzehnt nach Jahrzehnt ver­ging, bis es jetzt einem deutschen Dichter wie­der einfiel, zu prüfen, ob dieser miserable Stil nicht vielleicht doch als Ausdruck einer Zeit und einer Persönlichkeit seinen eigentümlichen Wert habe, älnd so hat uns Albrecht

schinen ein, deren Präsident er bald darauf wurde. Lleberzeugter Liberaler, folgte et im September 1925 dem Rufe des Ministerpräsidenten King, seinem Kabinett ohne Portefeuille beizutreten. Bei der Wahl kandidierte er in einem Ontario- Distrikt. der als Hochburg der Konservativen gilt; es gelang ihm denn auch kein größerer Erfolg, als daß er die Mehrheit seines Gegners unter 1000 Stimmen herunterzudrücken vermochte.

Bezüglich des Betriebsmaschinendienstes und der Verwendung des Lokomotivpersvnals werden Vorschläge gemacht, die, wenn sie nicht Schwarz auf Weiß in der Druckschrift stünden, einfach un­glaublich wären:Die Bauart der auf den Reben- babnen verwendeten Lokomotiven läßt einen ikbergang auf die Lokomotive meß zu. Auf den Strecken bzw. bei denjenigen Zügen, bei denen auf einen Zugbegleiter verzichtet werden kann übernimmt der Lokomotivführer die Geschäfte des Zugführers, wäh- rendde r Heizern ufder Maschinever­bleibt." Wer trägt die Verantwortung, wenn der allein auf der Maschine befindliche Heizer, von plötzlick^m üntooblfein befallen, die Herr­schaft über die Maschine verliert? Morseschreiber, Läutewerke, Signale. Weichenlatemcn und Wege­schranken sollen infolge der unter Abschnitt A vor­gesehenenVereinfachungen" des Betriebsdienstes in vielen Fällen entbehrlich fein und be- f eit i gt werden. Infolge der geringen betrieb­lichen Beanspruchung der Geleise und Weichen auf den Rebenbahnen soll ein Zeitraum von 5 Jahren und mehr zwischen den Ausführungen von gründlichen Durcharbeitungenangängig' fein. Hinsichtlich des Streckenbegangs wird eine wöchentlich einmalige Begehung als ausreichend erachtet. Was die Reichsbahn weiter­hin dem Publikum zumuten zu können glaubt, er­gibt sich aus dem § 32 Absatz 2Besondere AuSsühmngsbest im m ungen zur Eisenbahn-Der- lehrsordnung":Bei der Der- und Entladung von schwerem Reisegepäck auf unbesetzten Bahnhöfen müssen die Inhaber des Gepäcks erfor­derlichenfalls Hilfe leiste n. Aus den weiteren Ausführungen der Druckschrift ist zu ent­nehmen, daß zunächst auf bestimmten Strecken die besprochene?Verbesserungen" durchgeführt werden sollen. In Betracht kommen die Reben- öahnstrecken in den Bezirken der Reichsbahn­direktionen Königsberg. Stettin und Trier.

Es kann heute schon gesagt werden, daß unter solchen ilmftänben auf den Nebenbahnstrecken die Sicherheit künftig eine Frage zwei­te n R a n g e s ist. Ganz abgesehen von dein im­stande. daß eine weitere Belastung des Personals eintritt, ist der Zugverkehr auf den Nebenbahn­strecken mit den geplantenVerbesserungen" der­art vielen Zufälligkeiten ausgesetzt, daß man dort schon von einer Fahrt auf gut Glück sprechen muß. Mit Energie wird sich die Oeffentlichkeit gegen diese Pläne wehren müssen. Die Reichs- bahnverwaltt'.ng ist nicht zuletzt selbst daran schuld, wenn das Vertrauen in die Betriebssicherheit der Bahnen immer mehr erschüttert wird.

Dürer und die beiden Ratsherren

Von Herbert Kranz.

Als Dürer von den Niederlanden, wo er längere Zeit gewesen war und Tage voll äußeren Glanzes und innerer Bedeutung erlebt hatte, wieder nach Nürnberg reiste, kam er auch durch Köln. Es war seine Gewohnheit, alles, was sich ihm nur an Kunst und merkwürdigen Dingen bot, mit Wachen Sinnen zu beschauen und zu be­trachten, und so ging er auch im Kölner Dom aufmerksam umher. Als er in die Ratskapelle trat, stand er lange vor dem Altarbild. Es war verschlossen, und die Flügel zeigten dem Be­schauer die Verkündigung, wie sie Meister Stephan jernaft hatte. Nach einer geraumen Weile holte ich Dürer einen Mann, der ihm das Bild auf- chließen sollte, und obwohl, er ihm ein Trink­geld gab, tat der nur mürrisch und mehr, weil er gehört hatte, daß der fremde Maler vom verstorbenen Kaiser ein Iahrgehalt bekommen fßatte und es sogar voin neuen Kaiser weiter beziehe..

Dor dem Gemälde, auf dem die Könige knieten, stand Albrecht Dürer selbst in Anbetung und wie ein König. Fünfzig Jahre sahen seine Augen jetzt in die Welt, aber in diesem Herbst, auf dieser Reife waren sie ihm neu geworden. Ihm war, als habe er sich sein Leben lang durch die dämmrigen Kammern eines Berges empor- getaftet und nun stehe er im Freien, auf der Höhe. die Sowie war im Untergeben, aber sie leuchtete in einem beseelten Licht, daß alle Dinge

Höfen Gießen und Lollar beginnt in den nächsten Tagen. Die Durchführung der Arbeit bringt auch zahlreichen Erwerbslosen für längere Zeit Beschäf­tigungsmöglichkeit. Es wäre wünschenswert und zu begrüßen, wenn sich nun auch die Stadt G i e - ß e n für ihren Teil dieser Straße dem Vorgehen des Kreises anschließen würde.

£ Lollar, 18. Nov. Die Konzerte des Arbeiter-GesangvereinsVorwärts" find jedes Jahr ein Ereignis für unsere Gemeinde, an denen die Oeffentlichkeit lebhaften Anteil nimmt. Sv auch diesmal. Am Sonntag war der geräumige Saal der ,.Linde" überfüllt. Die gebotenen Leistun­gen überfliegen bei weitem die Darbietungen der üblichen Gesangskonzerte. Der Dirigent, Chormeister Meyer- Wiefeck, hat mit dem ihm zur Verfügung stehenden guten Slimmaterial einen ganz hervor ragenden Chor geschaffen, der sich mit allen Stum­mem des Programms reichen Beifall Holle. Den orchestralen Teil führte die Kapelle Krengel- Gießen burd). Die guten Leistungen fügten sich dem übrigen Programm würdig^ ein. Besondere Zustim­mung fanden zwei Soli (Frick und Schwarz lose». Für den verßinbetten Tylophonisten lang als Gast Frl. Wanner- Gießen dieGeschichten aus dem Wiener Wald" und erntete reichen Beifall.

Y. R'u tterSßaufen . 18. Roo. Wie schon mehrfach berichtet wurde, ist in diesem Jahr: die ßabntegulierung von Frvnha n - sen bis Friedelhausen Erfolgt. So gut und nützlich dieses Derk für die dortige Gegend ist, so gefährlich kann es für die Gemarkung Ruttershausen und Lollar werden, weil die Lahn bei den Buderusschen Eisenwerken in großem Bogen genannte Gemarkung durchzieht, wo seither schon jährlich Ueberschwemmungen vorkamen und manchmal beträchtlichen- Schaden anrichteten. Einsichtige Leute behaupten Wohl mit Recht, daß in Zukunft die Wassermassen der Lahn mit doppelter Kraft zu Tal getrieben werden und Verwüstungen anrichten können. Es wird Aufgabe der Sachverständigen sein, diese wich- tige Frage zu studieren. Die Vertretungen der interessierten Gemeinden sollten recht­zeitig alles tun, um durch Vermittelung des Kreisamtes, eventuell der weiteren Instanzen und des Landtages die Frage der wei­teren Lahnregulierung zu fördern.

Z Geilshausen, 18. Nov. Am Sonntag hielt derLumdatal-Sängerbund", der Mit­glied desHessischen" und desDeutschen Sänger­bundes" ist, hier seinen gutbefuthten diesjährigen Sängerta g unter dem Vorsitz des Lehrers Ziegler, Kesselbach, ab. Nach einem Rückblick auf die Tätigkeit des Bundes, dem 10 Vereine an­gehören, in diesem Jahr trat man in die lehr reich­haltige Tagesordnung ein. Es wurde beschlossen, das nächstjährige B u n d e s f e st in Geilshausen anfangs Juli abzuhalten. Damit soll ein Wertungssingen der Bundesvereine verbunden werden, wobei jeder Her­ein einen Pflichtchor (Volkslied) und einen selbst- gewählten Chor zu fingen hat. Die Leistungen sollen durch einen bewährten Fachmann begutachtet und jedem Verein eine schriftliche Kritik überlanbt wer­den. Ferner wurde beschlossen, einen Massenchor zum Vortrag zu bringen, der auf dem demnächst stattfindenden Bundesdirigententag, der auch den Pflichtchor wählen soll, bestimmt wird.

fGrünberg, 18. Nov. Der Gemeinderat beschloß in seiner jüngsten Sitzung, mit Rücksicht auf die gespannte Finanzlage die B a r a b 1 ö s u n g der städtischen Anleihen aus früheren Jahren vorerst z u r ü ck z u st e 11 e n , bis man eine bessere Ueberfidjt über den Stand der Finanzen hat. Ebenso wurde die Aufwertung der Dar­lehen zum Bahnbau GrünbergLondorf einst­weilen noch 3 u r ü rf g e ft e H t. Die hiesige landwirtschaftliche Winterschule, die jetzt in ihrem eigenen Gebäude untergebracht ist, wird in diesem Winterhalbjahr von 51 Schulern besucht. Davon entfallen 25 auf die Oberklasse, 26 auf die Unterklasse. Die Schüler kommen aus mhl- reichen Orten der engeren und weiteren Umgebung hierher.

sl. Lich, 18. Nov. Ein junger, strebsamer und unternehmender Mitbürger unserer Gemeinde, der ältere Sohn Hermann des Geschäftsführers Schmidt der L i ch e r Tonwerke, ist jetzt einem Rufe nach Griechenland gefolgt. Dort soll in der Nähe der griechischen Hauotstadt eine der hiesigen ähnliche Ziegelei ins Leben gerufen werden, und Hermann Schmidt soll da bei der Anlage, Einrichtung und Arbeit mit seinen fach- männischen Kenntnissen beratend zur Seite stehen. Gestern ist er über Basel, Mailand, Brindisi nach feinem neuen Arbeitsfeld, Chaiandri bei Athen, ab­gereist.

Die Annäherung in der Kriegsschuldfrage.

Der wifsenschastliche Kampf gegen das Ver­sailler Schuldurteil hat in den letzten Wochen von zwei hervorragenden Stellen eine Unter* stühung erfahren, deren Bedeutung nicht unter­schätzt werdeickkann. Am 14. Oktober hat der bel­gische Außenminister Dandervelde anläßlich eines Frühstücks der Vereinigung der Auslän­dischen Presse in Brüssel es auf das lebhafteste bedauert, daß heute noch Millionen von (Belgiern und Franzosen an der Alleinschuld Deutsch­lands wie an einem Dogma festhalten. Und nur wenige Wochen später, am 2. November, hat Lord Grey bei einem Essen zu Ehren der Dominionvertteter eine Ansprache gehalten, in der er seiner Ueberzeugung Ausdruck gab, daß der Versuch, die Kriegsschuld auf eine bestimmte Nation abzuwälzen, keineswegs die Feststellung der Kriegsursachen bedeute, sondern vielmehr nur die tiefsten Gründe für seinen Ausbruch ver­dunkle.

D»iese Aeußerungen des britischen und bel­gischen Staatsmannes sind ein Erfreulicher Er­folg für die Kriegsschuldforschung. Ohne die un- abmffige Arbeit der Wissenschaftler aller Länder wäre dieser bedeutsame Schritt nicht erzielt wor­den. Wenn heute hier und da bereits der Ge­danke an eine internationale Kriegsschuldkonse­renz auftaucht, so ist der Zeitpunkt zur Verwirk­lichung dieses Gedankens wohl nicht mehr allzu- fern, wenn auch wohl noch eine gewisse Zeit vergehen wird, bis die Vertreter der einzelnen; Nationen sich mit Aussicht auf Erfolg zu einer Kriegsschuldkonferenz zusammenfinden können.

Was heute möglich ist und was in ver­stört tem Maße durchgesührt werden muß, das ist das Zustandebringen internationaler Kriegs­schulddiskussionen zwischen den einzelnen Sachver­ständigen, in denen gewissermaßen die Vor­arbeiten für eine Konferenz geleistet werden müssen. Die Berliner Monatshefte für inter­nationale AufklärungDie Kriegsschuldsrage" haben seit Jahren diese Kriegsschulddiskussionen erstrebt und in mehreren Fällen auch erreicht. In dem soeben erschienenen NovemberheftDie Kriegsschnldfrage" fordert die Schriftleitung wie­der zu ein-: Stellungnahme auf, die einer Dis­kussion zwischen den beiden amerikanischen Pro­fessoren Harry Eimer Barnes und Bernadotte E. Schmitt gilt. Die interessanten Auseinander- fehungen der beiden amerikanischen Sachverständi­gen, die beide die Allemschuld Deutschlands! ableh­nen. eine gewisse Mitverantwortlichkeit Deutsch­lands aber nach verschiedenen Gesichtspunkten beur­teilen, veröffentlichtDie Kriegsschuldfrage" in vollem Wortlaut. Man darf erwarten, daß diese amerikanische Kriegsschulddiskussion auch in der deutschen Oesfentlichleit ein besonderes Interesse finden wird. Das sehr reichhaltige' Novemberheft Die Kriegsschuldfrage" kann burd) jede Buch­handlung. sowie durch den Verlag, Berlin NW. 6. zum Preise von 1 Mark bezogen werden.

drücken voll. In der Gemeinde herrschte eine außerordentlich feierliche, gehobene Stimmung. Sehr viel trugen zur Feierlichkeit des Festes das herrliche Orgelspiel eines aus Petersburg zugereisten hervorragenden Künstlers und der kunstvolle Chor- und Einzelgesang bei. In be­geisterten Reden gedachten die Festredner in ge­bührender Weise auch der Kulturmissbon, die die beiden ältesten evangelischen Gemeinden Rußlands erfüllten, indem sie viele Tausende von Jüng­lingen und Jungfrauen durch ihre vortrefflichen deutschen Mittelschulen hindurchgehen ließen und so im Wandel der Zeiten das Land durch tüchtige Kulturkräfte bereicherten. Auch manche andere wichtige Kulturanstalt haben die beiden Iubilare im Lause der Jahrhunderte ihres Bestehens ge­schaffen.

Gegenwärtig erstehen jene deutschen Mittel­schulen, die während der Revolution eingegangen waren, von neuem, natürlich jetzt nicht mehr als Kirchen-, sondern als Staatsschulen. Sie sind Kinder einer andern, einer neuen Zeit. Qlber ihre kulturellen Erbschaftsbezishuugen zu den altehr­würdigen evangelisch-lutherischen Gemeinden St. Michael und 6t. Petri-Pauli können sie nicht verneinen. ______________________

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