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Nr. 90 Erstes Blatt
Montag, 19. April 1926
176. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Vrvck und Verlag: vrühl'fche UniverfilätL Such' und Steindruderei H. Lange in Sieben. Schriftleitung und Scfchäftrftelle: Zchulttrabe 7.
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Dr. Frredr Wilh. Lange. Verantwortlich kurPol'tik Dr Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blnmschein, für den Anzeigenteil Hans Füstel, «amtlich in (Biegen.
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granffnrt am Main 11686.
Der Reichskanzler in München.
München, 17. April. (Wolff.) R eichS- kan-ler Dr. Luther, Reichsinnenrninister Külz und ReichSfinanzmlnister Dr. Reinhold trafen, begleitet von dem bayerischen Gesandten in Berlin, v. Preger, vormittags um 8.30 llfjr in München ein. Auf dem Hauptbahn- Hofe hatten sich zum Empfange u. a. Ministerpräsident Dr Held und Gesandter Dr. v. H a n i e l --Heimhausen eingefunden. Rach der Begrüßung begaben sich die Herren in Kraftwagen in das Palais des Ministerpräsidenten, wo der Reichskanzler Wohnung genommen hat. Reichskanzler Dr. Luther und Reichsminister des Innern Dr. Külz statteten vormittags 10 Llhr dem Deutschen Museum einen Besuch ab. Exzellenz Dr. Oscar v. Miller übernahm die Führung durch die einzelnen Abteilungen. Darauf wurde die Fahrt zum Reichsfinanzhof angetreten. Im Sitzungssaale des Reichsfinanz- hofeS hieß der Präsident Exzellenz Jahn den Reichsfinanzminister und den Reichskanzler mit einer Ansprache willkommen, in der er darauf hinwies, daß die räumliche Trennung des Reichs- stnanzhoses von Berlin seine Tätigkeit in keiner Weise beeinträchtigt habe. Er stellte mit Dank lest, daß dem Reichsfinanzhof in der Recht- 'prechung alle Hilfe von Berlin aus zuteil geworden sei. Reichskanzler Dr. Luther betonte, nan rönne nach seiner Auffassung mit Fug auch die positiven Seiten der räumlichen Trennung deS Rcichsfinanzhoses von Berlin hervorheben, die darin bestünden, daß die Führer der geistigen Kräfte nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch n den übrigen Städten des Reiches zusammen- aefaßt würden, und daß die Verwaltung und Äerwaltungsrechtsprcchung voneinander abhängig blieben.
In einer mehrstündigen Aussprache wurden dann wichtige politische Tagesfragen erörtert. Dabei wurden auch, wie amtlich mitgeteilt wird, die Probleme, die sich aus dem staatsrechtlichen Verhältnis zwischen demReich und denEinzelstaaten ergeben, vor allem nach der grundsätzlichen Seite hin besprochen. Der Erörterung dieser Fragen werden s^h weitere Besprechungen anschliehen.
Am Abend folgten der Reichskanzler sowie die Reichsminister Dr. Külz und Dr. Reinhold mit den Herren ihrer Begleitung einer Einladung les Ministerpräsidenten zu einem Abendessen. Daran schloß sich ein Empfang im Hause des Ministerpräsidenten, der neben den Gästen les Abendessens eine große Anzahl von Vertretern der Politik. Wirtschaft. Kunst und Wissen- fchaft, sowie eine Reihe von Vertretern , der Reichs». Staats- und Kommunalbrhörden vereinte.
Ministerpräsident Held
begrüßte die Gäste und sührte u. a. etwa folgendes aus: „Wir legen das größte Gewicht darauf, daß wir uns als Deutsche fühlen und im Deutschen Reich gemeinsam arbeiten wollen, doch als Bayern, innerhalb les Reiches auch anerkannt werden und uns auf einer Reihe von Gebieten des Staatslebcns, insbesondere aber des Kulturlebens unsere Eigenart auch im großen deutschen Vaterlande zu wahren. Die heute ab~n hier versammelte Blüte bayerischer Wissenschaft und bayerischer Kunst hat ein Recht darauf, sich im deutschen Vaterland von sich aus zur Geltung- zu bringen. Ich bin der Lleberzeugung. daß diese Aussprache auch zum Wohle der Gestaltung der ganzen deutsche"! Innenpolitik in besonderer Br- rücksichtigung auch der Wünsche, die von Bauern von jeher geltend gemacht wurden, sich entfalten Iran.
Danach ergriff
der Reichskanzler
bas Wort und öanite zunächst dem bayerischen Ministerpräsidenten für die freundlichen Worte der Begrüßung. Der Reichskanzler führte dann Lus: Ich möchte mit einem Worte beginnen aus einer politischen ilrfmbe, deren Urheberin die bayerische Regierung ist, daß nämlich das Herz Deutschlands im Süden und der Kopf Deutschlands im Horben fei. Ich glaube, daß in der Bemerkung etwas Wahres enthalten ist. So wenig aus unserem Gedanken- IHatz, ja aus unserem Sprachschatz das Wort ,Mainlinie" verschwunden ist, so wenig können wir und wollen wir an der Tatsache vor- rbergehen, daß sich ganz bestimmte Eigentümlichkeiten des Volkslebens im Süden und im Borden entwickelt haben. Lebendig steht immer tot mir die eminente Bedeutung dieser Kultur des Südens im Gesamtbilde des deutschen Kulturpreises. Es kommt hinzu, daß München so ftarl wie vielleicht kein anderer Punkt Deutschlands mit dem wechselvollen Werden der -neuen Kunst verbunden ist. Ich glaube, daß die Wurzslhaftigkeit der Äultur, die in engerem Kreise im Lande Bayern sicher beson- Lors zu bemerken ist, in keiner Weise eine Gefahr für das deutsche Volkstum ist, sondern um- gekehrt eine Kraftquelle. Gefahrenquellen ctfl-^cn aus engen Kulturkreisen nur dann, wenn nan nebei ihnen den weiteren Kulturkreis vernachläliia . wenn man ihn nicht einzuord- ne n weiß in das Gesamtbild der großen Kul- tur eines Voltes wenn man sich nicht dessen bewußt bleibt, daß schließlich das große Baach, das alle miteinander verbindet, die einheitliche Muttersprache ist. in der die Kulturgüter von Geschlecht zu Geschlecht weiterentwickelt werden. Der Kanzler warnte davor, sich allzusehr üi kulturellen Leben zu versenken. Das Wollen und Handeln müsse zielsicher darüber stehen. Das politische Zusammenfassen des gesamten deutschen Volkslebens sei doch die eigentliche Ausgabe jedes deutschen Menschen.
Der Kongreß der christlichen Gewerkschaften.
Dortmund, 17. April. (TU.) Heute vormittag nahm in der Kronenburg der 11. Kongreß der Christlichen Gewerkschaften Deutschlands in Anwesenheit von mehr als 200 Delegierten aus allen Teilen des Reiches seinen Anfang. Die Tagung ist insofern von besonderer Bedeutung, als die christlichen Gewerkschaften nach sechsjähriger Pause zum ersten Male wieder zufammentreten und die Fragen, die auf dem Kongreß behandelt werden sollen, die brennendsten Probleme der deutschen Arbeiter berühren. Ministerpräsident a. D. Steyerwald begrüßte in seiner Eröffnungsrede zunächst die zahlreichen Gäste. Der Redner gab einen Rückblick auf die Entwicklung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands seit dem letzten Kongreß im Jahre 1920. In der Zwischenzeit seien wir wieder ein erhebliches Stück vorwärts gekommen. Jetzt befinde sich Deutschland wieder in einer Wirtschaftskrise, die vielfach als die deutsche D e - flationskrise bezeichnet werde. Sie dürfte aber ihren Höhepunkt bereits überschritten haben, wenn auch mit einer baldigen Beendigung noch nicht zu rechnen sei. Die letzten Jahre seien an der Gewerkschaftsbewegung nicht spurlos vorübergegangen. Auch sie habe eine große Krise überstehen müssen. Trotzdem hätten die christlichen Gewerkschaften heute die' doppelte Mitglieder zahl als vor Ausbruch des Krieges. Die deutsche Arbeiterbewegung sei in der letzten Zeit ein großes Stück vorwärts gekommen. Die Arbeitszeit fei verkürzt morden und man stehe vor der Ratifikation des Arbeitszeitabkommens Die Löhne hätten sich etwas gebessert. Die Lage der deutschen Arbeiterschaft fei im allgemeinen heute noch unbefriedigend, trotzdem wäre es ohne die Gewerkschaften nicht möglich gewesen, daß die Arbeiterschaft wieder auf dem augenblicklichen verhältnismäßig befferen Stand an- gekommen sei. Darauf überbrachten die Vertreter der einzelnen Verbände Grüße. Als erster begrüßte Serrarebs - Utrecht namens der christlichen Gewerkschafts-Internationale, die vierzehn Länder oer- tritt, die Versammlung. Dann schlossen sich namens der christlichen Arbeiterschaft Hollands London- Arnsterdam und für die christlichen Gewerkschaften in Oesterreich A11inger ° Wien an.
Die eigentlichen Verhandlungen wurden um 10.30 Uhr von Stegerwald eröffnet, der ein zweistündiges Referat über das Thema
„Die christlichen Gewerkschaften und die Gestaltung des deutschen volkslebens" hielt. ES sei das größte Unglück der Gegenwart, daß die Deutschen unter sich einen unfertigen Staat und die Welt ein innerlich zerrissenes Volk vorgefunden hätten. Die Arbeiterschaft habe sich plötzlich und unvorbereitet in den Mittelpunkt der großen Geschichte gestellt gesehen. sei aber nicht reif gewesen, das deutsche Schicksal zu gestalten. Es gebe jetzt keine andern Möglichkeiten als die Ueberbleibsel von dem, was die deutsche Arbeiterschaft in den lebten Jahren erreicht habe, festzuhalten und von dieser Plattform in zäher Arbeit aufwärts zu steigen. Mit der deutschen Wirtschaft sei es nicht gut bestellt. Krieg und Inflation hätten starke Kapitalverwü st ungen mit sich gebracht und die ehemaligen Kredit- quellen des Landes verschüttet. Die Form des Volcsstaates. die wir heute hätten, fei für das Wohl des Volkes noch nicht die richtige. Solange die Arbeiterschaft noch nicht ou°reifenb am Wettbewerb der deutschen Wirtschaft beteiligt sei. könne der Vvlksstaat nicht b~n Inhalt bekommen, den sich di-- Arbeiterschaft vorstelle. Die deutsche Arbeiterschaft stehe in den letzten Jahren und Jahrzehnten vor der Aufgabe, daran zu arbeiten, daß das deutsche Volk den Weg zur nationalen Volkseinheit und zum Staate
finde. Dieser Weg sei für viele, besonders aber für die sozialistische Arbeiterschaft, noch umnebelt durch die internationale Klassen- ideologie. Mit dieser Einstellung werde die Arbeiterschaft niemals die Führung im Staat und Volk erreichen.
Die christliche Arbeiterschaft habe sich gegenüber den sozialistischen Arbeitermassen den Glauben an das geistige Prinzip bewahrt. Dieser Glaube bedeute die Ueberordnung des Geistes über die Materie.
Dor allem brauche Deutschland eine leistungsfähige Landwirtschaft, um die 3 Milliarden Mark für Lebensrnittel, die wir gegenwärtig jährlich vom Ausland einführten, zu verringern. Arbeitgeber und Arbeitnehmer müßten gemeinschaftlich an der Steigerung der Produktivität der Wirtschaft interessiert werden. Die mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen Stegerwalds wurden in einigen Leitsätzen zufarnrnengefaßt, in denen es u. a. heißt: Die christlichen Gewerkschaften stehen positiv zu allem, was das deutsche Volk in chtlstlichern und nationalem Sinne aufwärts führt. Wir lehnen alle Bestrebungen ab, die auf illegalem Wege eine Aenderung der Staatsform herbeiführen wollen. Bestand, Ziel und Aufgabe der christlichen Gewerkschaften können nicht von wechselnden parlamentarischen Koalitionen abhängig sein. Unter jeder Regierung haben die christlichen Gewerkschaften ihre Aufgabe zu erfüllen und für die Gleichberechtigung und Eingliederung der Arbeiter in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft besorgt zu sein. Alle Bestrebungen von außen, die darauf hinzielen, sich der organifa- torischen Macht der christlich-nationalen Arbeiter- schäft zu parteipolitischen Zwecken zu bedienen, werden abgelehnt.
I m b u s ch - Esten erstattete sodann einen aus- führlichen Bericht über die Aenderung des Verhält» niffes zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und legte der Versammlung eine Ent- schließung vor, in der es u. a. heißt:
Aus nationalen, kulturellen und wirtschaftlichen Gründen ist eine Besserung des Verhältnisses zwischen Unternehmern und Arbeitern notwendig.
Unter Ablehnung des Klassenkampfes von oben und unten und der grundsätzlichen und praktischen gegenseitigen Anerkennung der Existenzberechtigung müssen beide vom Geiste einer gerechten Einstellung zu einander getragen fein. Ein inneres Bekenntnis zur Volksgemeinschaft und Gewerbe-Solidarität, innere Ehrlichkeit zueinander sind die Vorbedingungen für eine vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit. Jeder Arbeiter muß sich am Wohlergehen seines Gewerbes und seines Betriebes interessieren und sich mit allen Kräften bemühen, sie zu fördern. Ihre Betriebe müssen sie gut ausbauen und möglichst produktiv und rentabel zu gestalten suchen. Die Unternehmer müssen gute Behandlung der Arbeiter auf dem Boden der Gleichberechtigung als selbstverständlich ansehen. Das Recht der Arbeiter, ihre Interessen zu wahren, ist anzuerkennen. Die Löhne müssen so hoch fein, daß sie den Arbeitern eine mindestens menschenwürdige und möglichst eine höhere Lebenshaltung ermöglichen. Trotz besten Willens von beiden Seiten verbleibende Differenzen sind in einer Form auszutragen. daß dadurch die notwendige Zusammenarbeit nicht unmöglich gemacht wird. Jeder muß grundsätzlich dem andern das Recht zuerkennen, seine Interessen energisch zu vertreten. Eini.iungs- und Schlichtungsinstanzen und deren grundsätzliche und praktische Anerkennung sind dringend notwendig.
Die Verhandlungen wurden dann auf Montag vormittag vertagt.
Dr. Strefemann über die deutsch- russischen vertzundlungen.
Die natürliche Ergänzung des Locarnopaktes.
Auf einer Iahrestagung der Deutschen Volkspartei sprach Reichsaußenminister Dr. Stic c- mann über außenpolitische Fragen. Dabei g ng der Außenminister auch auf die Frage - der deutsch-russischen Verhandlungen ein und führte hierzu folgendes au5: Es ist für mich sehr schwer, über Vertragsverhandlun- gen zu sprechen, die noch in der Schwebe sind, über einen Vertrag, der weder paraphiert noch abgeschlossen ist. Es ist darüber eine Information derjenigen Mächte crolgt, die mit uns den Rheinlandpakt geschlossen haben. Wir hielten es für richtig, diejenigen, mit denen wir über alle außenpolitischen Grundfragen uns geeinigt hatten, auch über diese Verhandlungen auf dem Laufenden zu halten, ein System, dessen Gegenseitigkeit sich durchaus empfehlen würde. Wer die Vertragsverhandlur.gen mit Rußland als eine Abkehr von der Locarnopolitik ansieht, verkennt den Grundgedanken dieser Politik.
Die Verträge von Locarno bezweckten die Ariedenssicherung in Europa. Sie hatten keinen aggressiven Eharakler gegen irgendeine Macht.
Wenn sie russische Psychologie lange Zeit da uf eingestellt war, in den Verträgen von Locarno eine Art Kreuzzug gegen Rußland zu sehen, so darf ich darauf Hinweisen, daß diese Auftas- sung bei den Aussprachen in Locarno von Chamberlain. Driand und Dandervelde ebenso zurück- gewiesen worden ist, wie von unserer Seite. Wenn Deutschland mit Rußland Dertragsverhandlun- gen führt, die für beide Mächte darauf hinaus- gehen, sich einer aggressiven Handlung gegen einen der beiden Staaten nicht anzuschließen und im übrigen in wirtschaftlichen freundschaftlichen und beiderseits vorteilhaften Verhältnissen zu bleiben, so ist das ein Grundgedanke, den auch andere Staaten ihrem Verhältnis zu Rußland zugrunde gelegt haben. llnfer£ ganze Politik muh darauf eingestellt sein, unter Anerkennung deut scher Gleichberechtigung eine wirkliche Befriedung Europas herbeizuführen und auf der Grundlage des Friedens Deutschlands Fortentwickelung zu sichern.
Denn die Verträge mit Rußland wtn Abschluß kommen, so werden sie die natürliche Ergänzung zu Locarno fein, um diesen obersten Grund- gebauten der deutschen Politik erneut zum Ausdruck zu bringen.
lieber die deutsche Vötterbundspvlitik führte Dr. Streternenn noch folgendes aus: Die Mitarbeit Deutschlands in der Studienkorn Mission sei die gerade Fortsetzung der Grunds i ,e, die Deutschland in Genf und vor Genf verfochten habe. Briand habe die „moralische Aufnahme" Deutschlands in den Völkerbund festgestellt und als Außenminister lege der Redner größten We t darauf, festzustellen, daß für die am Rheinpakt beteiligten Mächte die Situation derart sei, als ob Deutschland dem Völkerbund bereits angehöre. Vergeblich habe Deutschland aber auf die versprochenen Erleichterungen der Besatzung am Rhein gewartet. Leider trete immer wieder d ie Angst der fremden Militärs zutage, und es sei wirklich k. ine er n it zu nehmende Einstellung mehr, wenn man im Ausland glaube, daß ein Dutzend im Flie-.en ausgebildeter Reichswehrvffiziere eine Dedrohuag des europäischen Friedens darstellen könnten. Wenn in Locarno in Wirtlichkeit auf militärische Auseinandersetzungen verzichtet wurde und zwar gegenseitig, so sei damit die Aufrechterhaltung der Besetzung deutscher Lande nicht vereinbart.
Dir ringen um unsere Kultur, wenn wir unser politisches Mollen darauf einstellen, draußen in der Dell wieder das zu bedeuten, was wir als deutsches Volk nach unserem geschichtlichen Werdegang begehren können im Hinblick auf i'nfec’ Kraft, die in uns liegt, und in der festen Uebeneugung, daß wir gerade durch unsere Fähigkeiten beifraaen können zur Arbeit der gesamten Menschheit, daß wir mit die Grundlage für die Entwicklung der Kultur der Menschheit schaffen Helsen.
Die große Frage ist: Wie erreichen wir dieses Ziel? Wir alle wissen, daß gerade in unserer außenpolitischen Lage alles darauf anfommt, daß alle jüngeren Kräfte, alle lebendigen und starken Kräfte zu diesem Zwecke entfallet werden. Rur die volle Ausnutzung der inneren Kräfte kann uns wieder zur außenpolitischen Geltung verhelfen. Wir wissen, daß die Länder als Träger der deutschen Kultur besonders große Leistungen vollbracht haben. Wir wissen, daß insbesondere das Land Bayern in feiner älcberüeferung und in feinen Staatsmöglichkeiten einen sehr großen Teil mit beiträgt zur Entfaltung der deutschen Gesamtkultur. Wir wissen, daß wir auf dieser Bahn weiterschreiten müssen. Ich stehe nicht an, als deutscher Reichskanzler auszusprechen. daß das Schwergewicht der kulturellen Entwicklung da, wo es bisher war, bleiben muß und bleiben soll: bei den Ländern, daß aber alles kulturelle Streben dem einen Ziel dienstbar gemacht werden muß, daß wir alle Kräfte zufammenfasfen. um ein starkes, in sich geschloffenes deutsches Volk und Deutsches Reich darzustellen, das sich behaupten kann in der Welt, und das die Dahn findet, um aus dem jetzigen Zustande wieder emporzuwachsen zu jener Freiheit und Macht, auf
die wir em natürliches Anrecht haben. Die Cr- llärungen des Kanzlers wurden von lebhaftem Beifall begleitet.
Volksbegehren in Hessen.
wie unfere Darmstädter Redaktion aus Greifen der Deutschen Volkspartel erfährt, sind über Durchführung und Ziele der großen P rote st bewegung gegen d i e falsche Finanzpolitik in Hessen, namentlich in letzter Zeit, vielfach unrichtige Mitteilungen von fernstehender Seite verbreitet worden. Demgegenüber wird festgesiellt, daß diese zahlreichen Protestkunb- gebungen, an deren Vorbereitung sich die verschiedensten wirtschaftlichen verbände und lokalen Organisationen beteiligen, und die von der Deutschen Volkspartei und dem Hess. L a n d - b u n d gemeinsam durchgeführt werden, den ausgesprochenen Zweck verfolgen, das Volksbegehren mit dem Ziel ber Canbtagsauf- l ö f u n g vorzubereiten. An biefer Absicht wirb von den Beteiligten unoeränbert -fellgehallen unb bie technischen Vorbereitungen hierfür werden bereits getroffen. Ls unterliegt keinem Zweifel, dah auch die Deutfdjnafionale Volksparte, das Volksbegehren und die anschließende Volksabstimmung unterstützen wird. Gewisse Pressemeldungen über angebliche Unstimmigkeiten, die innerhalb der Oppositionsparteien in Hessen gelegentlich der Aufstellung der Kandidatenlisten entstanden seien, sind völlig aus der Luft gegriffen. Die Ausstellung der Mahloorschläge kommt erst n a ch der erreichten Auslösung des Landtages in Frage unb hat infolgedessen bis heute auch zu keinen Beratungen zwischen den beteiligten Parteien irgendwelche Veranlassung gegeben.
Die ZriedensverhandlMMN in Marotto.
Die erste Fühlungnahme. — Auslieferung Abo ei 5r'rims?
Paris, 19. April. (TU.) Die drei R i f d e l e° gierten sind Sonntag früh um 11 Uhr im Laaer von Berteaux einyetrosfen. Bold darauf waren auch bie französlschen unb spanischen Unterhändler zur Stelle. Der französische 23er- Handlungsleiter General Simon mochte die Ausnahme der offiziellen Friedensverhandlungen von folgenden drei Voraussetzungen abhängig:
1. Nachprüfung bet Vollmachten ber Ris- belegiertcn. Die Alliierten wollen bie Gewißheit haben, boß bie Delegierten im Namen sämtlicher Rifstämme unb nicht allein im Kamen Abb el firlms verhandeln.
2. Abschluß eines allgemeinen 23 a f f e n ft i 11- fl a n b e s. Die Besetzung strategisch wichtiger Frontabschnitte zur Sicherung gegen eventuelle Aeberraschungen ro'.rb daraus beschränkt bleiben; baß bie von französischen Parteigängern besetzten Stellungen jetzt von regulären französischen Truppen übernommen werben. Abb el Krim hatte die Jleutralifie- rung einer bestimmten Zone vorgeschlaeen, was jedoch als unannehmbar zurückgewiesen wurde.
3. Entfernung Abb el firims aus dem Riigebiet Die drei Bedingungen haben den Charakter eines Ultimatums und müssen ohne Bedenkzeit angenommen oder abgelehnt werden. In politischen Kreisen rechnet man mit der Annahme und spricht bereits I davon, daß Abd el Krim in Biarritz intet« I niert werden soll. Die erste Besprechung mit den


