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die gtatftum beschlossein, bei der bevorstehenden, Aussprache über den Außenetat einen M i ß - trauens antrag gegen das gesamte Kabinett ernzubrtngen.

Die Studien-Uommisfion.

Die letzten Beschlüsse des Bölkerbundsrats

Genf, 18. März. (SU.) 3n der Sitzung des Völkerbundrates, die die Einsetzung einer Stubienkommissron zur Prüfung der Rats- fragen zum Gegenstand hatte, schlug der Vor­sitzende, Gras Ishii, vor. mit Rücksicht auf die von einer Reihe von Vertreten; in der Ver­sammlung ausgesprochenen Wünsche, eine mög­lichst große Anzahl von Mitgliedern in die Kommission zu wählen, und auch Vertreter von denjenigen Staaten hinzuzuziehcn, die nicht Mitglieder des Rates seien. Der frühzeitige Termin, der für die Kommission festgesetzt sei, wurde gewählt, um jedem Mitgliedsstaat des Völkerbundes zu ermöglichen, vor der Voll­versammlung im September die Frage aufS genaueste zu prüfen und sich ein Urteil darüber zu bilden. Die vom Grafen Ishii vorgelegte Resolution, die vom Rate einstimmig an­genommen wurde, besagt u. a.:Der Rat ist der Anschauung, daß es notwendig ist, die Probleme, die die Zusammensetzung des Rates bestimmten, sowie die Anzahl der Ratsmitglieder und die Art ihrer Wahl einer besonderen Kommission zur sorgfältigen Prüfung zu überweisen. Die Kommission wird die einzelnen Vorschläge, die der Rat oder die Vollversamm­lung bisher gemacht haben, prüfen. Der Kom­mission werden außer den 10 Vertretern des Rates folgende Staaten angehören: Deutsch­land, Argentinien, Chile, Polen und die Schweiz. Die Kommission wird am 10. Mai in Genf zusammentreten und einen Bericht an den Rat ausarbeiten. Falls die Kom­mission sich außerstande sieht, einen einstimmigen Beschluß zu fassen, wird sie einen Bericht der Mehrheit und der Minderheit fassen.

Heber die Frage der Einberufung einer vorbereitenden Kommission für die

internationale Abrüstungskonferenz berichtet der tschechische Außenminister Dr. Be­ne s ch. Er machte den Vorschlag, daß außer Len bereits genannten Mitgliedern der gemischten Kommission vier weitere Mächte ernannt würden, die als Sachverständige in Industrie- und Verkehrsfragen gelten können und dem fol­gende vier Staaten angehören müßten: Deutsch­land, die Vereinigten Staaten, Ja­pan und die russische Sowjetrepublik.

Im weiteren Verlauf der Ratssitzung wurde die Bereitwilligkeit Amerikas, sich an dem internationalen Gerichtshof zu be­teiligen behandelt. Hm eine übereinstimmende Stellungnahme aller Völkerbundsmitglieder zu den amerikanischen Vorbehalten zu erwog- l i ch e n, beschloß der Rat auf Wunsch Cham­berlains am 1. September in Genf gemeinsam in einer besonderen Besprechung zwischen einem 'Vertreter der Vereinigten Staaten und Vertre­tern der Völkerbmidsmitglieder die amerikanischen Vorbedingungen zu diskutieren. Der Rat be- 'chästigte sich darauf mit dem polnisch- litauischen Zwischenfall und nahm die Erklärung des polnischen Vertreters entgegen, daß die polnische Truppen unverzüglich das Ge­biet räumen würden, das sie immer noch widerrechtlich beseht haben.

Am Vormittag hatte der Rat den Bericht des italienischen Delegierten Dcialvja über das Saargebiet entgegengenommen. Der Bericht begründet die Rotwendigkeit des Vorhandenseins größerer französischer Truppenver- dände an der Grenze des Saargebie­tes. Entsprechend dem von der Regierungs­kommission des SaargebieteS im Januar borge- legten Bericht mit dem Hinweise, daß die Orts- Polizei unter normalen Verhältnissen für die Aufrechterhaltung von Rühe und Ordnung aus- reiche. daß sie aber zu schwach sei, um die Re- gierungsLommission in die Lage zu setzen, unter allen Umständen den chr vom Friedensvertraa übertragenen Schuh von Eigentum und L e b e n zu bieten. Der Rat hat sich den Beschluß der Regierungskommission des Saargebietes zu eigen gemacht, aber gleichseitig betont, daß die Zurückziehung der am 31. Mai schon fünf Jahre im Saargebiet vorhandenen beiden französischen RegimentLr nach und nach erfolgen müsse. 'Man nimmt in Kreisen der saarländischen Delegation an, daß die endgültige Räu­mung des Saargebietes von französischen Trup­pen bis zum Herbst durchgeführt fern müsse.

Die Rückwirkung aus Amerika. Das Urteil des Weißen Hauses über das Fiasko von Genf.

Washington, 19. März. (Wolfs. Funkspr.) Der Hauptinhalt des Berichtes des amerikani­schen Botschafters in London, houghlon, für den Präsidenten Loolidge und den Staats­sekretär Kellogg über die Lage in Europa mit be­sonderer Berücksichtigung der Ereignisse und Ten­denzen, die zu der Vertagung der Volkerbundsver- sammlung führten, ist der amerikanischen presse jetzt befanntgegeben worden. Die amerikanische Regie­rung und das amerikanische Volk seien bestürzt über das entworfene Bild, houghton erkläre, die europäischen Staatsmänner hätten nichts vom Kriege gelernt. Der Völkerbund, weit davon entfernt, ein wirklich internationales Werkzeug für die Organisation des Friedens zu werden, fei auf dem Wege zu einer Wiederbelebung der Alliance vom Jahre 1815, ohne die Hoffnung auf Gewährleistung einer wirklich währenden Ruhe In Europa zu bieten. Augenblicklich fei Frank­reich der Führer, dem gewisse Trabantenstaaten Vorschub leisten, während die britische Regie­rung widerstrebend mitgejogen werde, weil das Zusammenwirken mit Frankreich im nahen Offen und anderswo wünschenswert sei. Die Mächte des europ. Kontinents wünschten nicht, wirklich abzu- rüffen und wollten gar keine amerikanische Beteili­gung in ihren Räten. Es handle sich nur um eine Geste, wenn die Rationen Europas diesen Wunsch betonten. Die Alliierten beabsichtigten, dem berechtigten verlangen Deutschlands nach A b r tfft u n g der Alliierten den w l n d a u s d e i>. Segeln zu nehmen. Es sei daher mehr als fraglich, ob die alliierten Mächte im September be­reit fein würden, die Enfwaffnungsfrage anzu- fchneiden.

Hessischer Landtag.

D a r m st a d t, 18. März. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9.45 Ahr.

Die Beratungen des Staatsvoranschlags für 1926 werden bei Kapitel 5, das von den Wöl­fersheimer Werken handelt, wieder auf­genommen.

Abg. Kindt (Dtschntl.) äußert kritische Be­denken gegen die gestrigen Ausführungen des Regierungsvertreters, es sei fraglich, ob die Verschwelung der Kohle so günstige Erfolge zeitigen werde. Der Redner empfiehlt seinen Antrag, den Erneuerungsstock um 176 390 Mk. zu kürzen und diesen Betrag zur Ablieferung an die Hauplkasse einzusehen. Der Redner emp­fiehlt weitere Ausnutzung des Wasserkraftwerkes Lißberg und weitere Anlagen von Wasserkraft­werken in Oberhessen zur Ausnutzung derweißen Kohle".

Abg. R e ch t h i e n (Soz.) verlangt, daß alles getan wird, um den elektrischen Strom zu ver­billigen: würden die Preise nicht herabgesetzt, so wäre wohl Strom im Aeberfluß da, aber die Abnehmer fehlen. Oberhessen sei durch die hohen Strompreise allein von den hessischen Pro­vinzen damit belastet, hohe Beträge an die Staatskasse abzuliefern. Der Redner fragt bei der Regierung an. warum sie nicht Verträge mit anderen hessischen Clektrizitätsunternehmun- gen abgeschlossen hat, und wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen des Abg. Dr. Rie- poth, der eine ablehnende Haltung zu dem Konsumverein des Wölfersheimer Werkes ein­genommen hatte.

Abg. Heinstadt (Ztr.) meint, die Aus­sichten für die Wölfersheimer Werke wären nicht so ungünstig. Mehr als im Etat vorgesehen sei, könne mcht herausgeholt werden.

Abg. H a u r y (Dtsch. Vp.) bemerkt, Abg. Dr. Riepoth habe nicht den Konsumverein an sich verurteilt, sondern die Art, wie die Re­gierung den Konsumverein unter­stützt. Die Preislisten zeigten, daß die Ge­schäftsleute in Friedberg keine zu hohen Preise forderten. Die Regierung schädige durch den Konsumverein die Steuerzahler.

Ministerialrat W i n d i s ch erwidert auf ver­schiedene Ausführungen der Vorredner gestern und heute u. a die hessische Regierung habe durch Aebernahme eines Aktienpaktes des Rhei­nisch-Westfälischen Elektrizitätswerkes keine Pflichten übernommen. Der Regierungsvertreter kündigt über alle diese Fragen das Erscheinen einer Regierungsdenkschrift an. Zwi­schen der Provinz und dem hessischen Staate soll eine wirtschaftliche Ehe geschlossen werden, aber es sei noch keine Zuneigung vorhanden: die Provinz sei zwar wohlwollend, aber sie stehe auch abwartend da. Die Regierung müsse prüfen, ob die Zeit schon reif dazu sei, einen Vertrag zwischen Staat und Provinz abzuschlie­ßen. Die Verhältnisse in Wölfersheim wären gegenwärtig katastrophal, darum wäre es un­möglich, dem Anträge des Abg. Kindt zu ent­sprechen. Wenn man einem staatlichen Betriebe die finanzielle Rückendeckung nehme, so drohe bei einem Rückschlag der Zusammenbruch. In den Wölfersheimer Werken sei jetzt eine neue Buch­führung eingeführt, ein Mittelding zwischen kame­ralistischer und kaufmännischer Buchführung. Der Redner meint, das Lihberger Werk wäre zwar rentabel, aber es wirke doch volkswirtschaft­lich insofern schädlich, als die Förderung der Kohle in Wölfersheim dadurch verhindert werde. Das Lißberger Werk sei für sich allein gar nicht lebensfähig, weil es in Zeiten der Trocken­heit den Strom aus Wölfersheim beziehen müsse. Weiter erörtert der Redner eine Reihe von Einzelheiten über die finanzielle Auswirkung des Vertrages mit dem Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk.

Abg. Dr. Werner (Dntl.) bemängelt die Thesaurierungspolitik der Regierung: er hält das Verhältnis zwischen Staat und Provinz Oberhessen auf die Dauer für unerträglich. Auch dieser Redner spricht über die finanzielle Seite des Vertrages mit dem Rhein.-Wests. Elektrizi­tätswerk. Dadurch sei eigentlich das Schicksal des Wölfersheimer Werkes besiegelt: der Ver­trag mit den Mainkraftwerken könne doch nicht aufrecht erhalten werden. Am besten wäre es, das Wölfersheimer Kraftwerk st i 11 z u l e g e n.

Abg. Kindt (Dntl.) fordert bei Erklärun­gen über das Lißberger Werk, die baldige Re­gulierung der Ridda und die Anlage weiterer Wasserkraftwerke. Abg. Kindt änderte dann seinen Antrag in Bezug auf die Zahlen ab.

Die Beratung des Kap. 5 wird hierauf ge­schlossen. Die Abstimmung soll "später vorge- nommen werden.

Die Verhandlungen werden bei

Kapitel 6 (Salzwerk, Badeanstalt und Ties- bauamt Bad-Nauheim)

fortgesetzt. Von den zu diesem Kapitel vorliegen­den Anträgen ist der des sozialdemokratischen Abgeordneten Widmann vom Finanzausschuß angenommen worden. Dieser lautet: Die Ab­lieferung an die Haupt st aatskasse zu Titel 8 Ziffer 2 von 200 000 Mk. zu erhöhen. Um den Mehrbetrag von 200 000 Mk. sind die Titel 4 bis 8 entsprechend zu kürzen.

Ministerialrat W i n d i s ch gibt die Erklä­rung ab, daß die Regierung dem Ausschußantrag zustimmt. Die Abgeordneten Roth (Komm.), Schaub (Soz.), Heräus (Dtschntl.), Lux (Soz.) und Galm (Komm.) äußern Sonder- wünsche.

Ministerialrat W i n d i s ch erwidert u, a., daß aus Sparsamkeitsgründen der Theater­vertrag mit Gießen für das Jahr 1926 nicht mehr erneuert wurde, sondern, um die Lebensfähigkeit des Gießener Theaters zu erhalten, ein Abkommen vorgeschlagen wurde, wonach das Gießener Stadttheater in B a d - Rauheim spielen kann, aber die Bade- und Kurverwaltung eine finanzielle Mit­verantwortung ab 1 ehnt.

Rach einer Pause erklärt Abg. Birnbaum (Dtsch. Vp.), es sei ihr gesagt worden, durch die höheren Abführungen aus Bad-Rauheim müßten die Bäderpreise erhöht werden. Es sei unmöglich, daß die Preise noch hinaufgesetzt werden konnten: schon der Preis von 4 Mk. für ein Bad wäre zu hoch. Zu bedenken sei auch, daß für den minderbemittelten Mittelstand es sehr schwer sei, Rachweise für die Bedürftigkeit und die Rotwendigkeit von Bädern zu erlangen. Bad-Rauheim habe ein gut geschultes Personal und Angestellte, die über 20 Jahre dort wären, aber feine Möglichkeit hätten, höher eingestuft zu werden. Es möchte doch die Möglichkeit ge­boten werden, daß diese Angestellten höher im Dehalt eingestuft werden, damit sie in Bad- Rauheim bleiben.

Ministerialrat W i n d i s ch bemerkt dazu, daß die Mehrentnahme aus dem Etat von Dad- Rauheim nur eine Verrechnung sei und keine Rückwirkung auf die Bäderpreise habe. An Hand von Zahlen legt der Redner dar, daß die Däderpreise unter den Badeorten, die mit Rauheim konkurrieren könnten, am bil­ligsten seien.

Die Abstimmung über dieses Kapitel wird zu- rüdaefteUt, ebenso die über Kap. 6a (Bad Salz­hausen). Kap. 7 (Landestheater) wird zurückgestellt. Unter Zurückstellung einiger weiterer Kapitel wer­den sie bis zu

Kap. 20 (S taatsoerlagsfonbs) angenommen. Zu diesem Kapitel liegt ein Antrag H e i n ft a b t und Blank vor, dieDarmstäd­ter Zeitung" zum Amtsblatt aller Pro­vinzen und aller Kreise zu machen.

Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) beantragt, die Darmstädter Zeitung" eingehen zu lassen, da es genug Blätter in Hessen gäbe, die deren Aufgabe erfüllten.

Abg. Dr. Niepoth (D. Vp.) wendet sich gegen den Antrag Heinstadt-Blank, weil dadurch doppelte Kosten für amtliche Bekanntmachungen entstehen, da diese jetzt noch in derDarmstädter Zeitung" er­scheinen müßten.

Abg. Kindt (Dntl.) hält es für unmoralisch, außer den Zwangsabonnenten, die die Darmstädter Zeitung" lesen müßten, auch noch Inserenten zu zwingen, in derDarmstädter Zeitung" Anzeigen erscheinen zu lassey.

Abg. Hoffmann (Ztr.) spricht für einen von ihm gestellten Antrag, der eine erneute Prüfung der ganzen Angelegenheit, insbesondere der Amtsver­kündigungen, will.

Abg. Dr. Leuchtaens (Bbd.) tritt für die Herausgabe besonderer Amtsblätter in den einzelnen hessischen Kreisen ein.

In der weiteren Debatte erklärt Staatspräsi­dent Ulrich, die einheitliche Regelung des Be­kanntmachungswesens wäre noch teurer als die Darmstädter Zeitung". Die Regierung müsse ein Organ haben, um ihre Meinung bei Gelegenheit öffentlich mitteilen zu können. Das Amtsblätterwesen in Hessen sei geradezu ein Skandal, weil die Amts­blätter (Kreisblätter) vielfach die Regierung her­unterreihen. Der Staatspräsident erklärt, einen An­trag, der die Angelegenheit prüfen will, unterstützen zu wollen. Das Bekanntmachungswefen, wie es in Bingen und Gießen geregelt fei, habe sich nicht überall bewährt.

Die Abstimmung über Kap. 20 soll, wie der Prä­sident mitteilt, morgen erfolgen. Nächste Sitzung Freitag 9 Uhr.

Das vorläufige Ergebnis des Volksbegehrens.

Berlin. 18. März. (TTl.) Bis 3 Llhr nach­mittags konnten in 100 Städten und Bezirken 6 987 566 Eintragungen in die Listen für das Volksbegehren gezählt werden. Wie dieTägl. Rundschau" mitteilt, glauben unterrichtete Kreise, daß man mit einem Gesamtergebnis von etwa 8 Millionen Stimmen rechnen könne.

In der Stadt Berlin sind 1584 082 Llnterschriften abgegeben worden. Es haben sich also 53,4 Prozent aller Stimmberechtigten vom 26. April 1925 (2. Wahlgang der Reichspräsi­dentenwahl) eingetragen und 119,6 Prozent der -Zahl der Stimmen, die auf die Sozialdemokraten, die Unabhängigen Sozialdemokraten und die Kommunisten bei der letzten Reichstagswahl ent­fallen find.

An weiteren Einzelergebnissen sind zu nennen Altona 66019, Braunschweig 40 679, Lüne­burg 6576, Kassel 43626, Stettin 76 142, Düssel­dorf 101 447, Dresden (zika) 200 000, Aachen 26 081, Wiesbaden 18532, Rostock 16 563, Beuthen (Zirka) 25 000, Stuttgart 96 976, 'Freiburg i. Br. 27 961, Mannheim (zirka) 91000, Nürnberg 97 364, Fürth 20 655, Regensburg 8300, Köln a. Rh. (zirka) 156 000, Solingen 59191, Mülheim (Ruhr) 18 885, Bochum 24329, Recklinghausen 7904, Detmold 2113, Lübeck-Stadt 36 557, Lübeck-Land (zirka) 4000, Stuttgart 96 900, Augsburg 30 494, Bremen 75 987, Barmen 59 287, Elberfeld 44 449, Bielefeld 25 423

Deutscher Reichstag.

Berlin, 18. März. Rachdem zu Beginn der Sitzung die Vorlage über die Einsetzung eines Wirtschaftsenqueteausschusses dem Wirtschaftsausschuß überwiesen worden war, wurde die Cinzelberatung des Etats des Innen- Ministeriums beim AbschnittGesund-- liche Fragen" fortgesetzt. Im Verlauf der Debatte kam wiederholt zum Ausdruck, daß die zur Förderung der Volksgesundheit ausgeworfe­nen Reichsmittel viel zu gering seien. Rach Schluß der Aussprache folgten die zurückgestelllen Abstimmungen zum Haushalt des Reichs­ministeriums des Innern, wobei der deutsch- nationale Mißtrauensantrag gegen den A e i ch s i n n e n m i n t ft c r D r. K ü l z mit 252 gegen 97 Stimmen bei 41 Stimmenthaltungen abgelehnt wurde. Ebenso wurde der Antrag Schultz-Bromberg ab gelehnt, der den Antrag Dr. Scholz (D. Dpt.) über Heraufsetzung des Wahlalters und Aenderung der Reichsfarben dem Rechtsausschuß überweisen wollte. Dagegen wurde ein Antrag auf Reu­regelung des Reichsschulgesetzes an­genommen. Der Haushalt des Reichsinnenmini- fteriumS wurde im übrigen ohne wesentliche Aen- beruugen gebilligt. Ohne Aussprache fand dann der Antrag der Regierungsparteien auf Aus­setzung der Verkündung des vom Reichs­tag beschlossenen Gesetzes zur Vereinfachung des Militärstrafrechts (Duellgesetz) An­nahme, worauf das Haus sich vertagte.

Der MateoM-Prozeh.

Chieti. 18. März. (WB) Der Sichrrhetts- kommissar am Hauptbahnhos Iantaffi sagte aus, die Verhaftung des Angellagten Duminis sei auf Befehl des Generaldirektors der Sicher­heitspolizei, General Debono, erfolgt, das Gepäck des Verhafteten sei in seiner des Zeugen Anwesenheit im Palast des Ministeriums des Innern geöffnet worden. Ein Karabinieri- Anteroffizier erklärte, er habe bemerkt, wie Du- mini, von zwei Personen begleitet, in einem Auto­mobil vor dem Ministerimn des 3intern ankam. Der Kabrnettsches des Quästors von Rom sagte aus, er habe am 28. Juni vier Gesuche um Waffenscheine von Dumini erhalten. Er habe nach dem Verschwinden Mateottis seinem Vorgesetzten davon Mitteilung gemacht. Die Aus­sage des Polizeikommissars Pennetta ging davon aus, daß die Tätigkeit Mateottis vor, während und nach dem Kriege unheilvoll und zersetzt und gewesen sei.

Unsere luftpolitischen Aussichten.

Von Hauptmann a.D. Schreiber, Berlin.

Die luftpolitischen Verhandlungen in Paris scheinen sich dem Ende zu nähern. Gerüchte besagen, daß man den Weg gefunden haben will, die Geaen- sätze zu überbrücken, und daß man nur noch über geringe Einzelheiten der Schriftsätze verhandle. Es fragt sich nur, um was für Einzelheiten es sich hier handelt; denn wir haben auf Grund unserer bisherigen Erfahrungen alle Ursache, höchst miß­trauisch zu sein. Nicht umsonst hat man sich gegen­seitig Schweigepflicht auferlegt, nicht umsonst wurde so das deutsche Volk üoer den wahren Stand der Verhandlungen im Dunkeln gehalten. Die spärlichen Nachrichten, die in der Presse standen, tauchten unter in dem Kampf um die Ratssitze im Völker - bund: fast hat man schon vergessen, daß es in Paris darauf ankommt, Deutschland die Frei­heit zur Luft wiederzugeben. Die deutsche Dele­gation hat es sicher nicht leicht; denn zwei Ver­handlungen laufen nebeneinander. Das eine ist die allgemeine Luftfahrtve-rhLndlung vor der Botschafterkonferenz, und sie ist die grundlegende; hier soll erzielt werden, daß nun, endlich die hemmendenBegriffsbestimmun­gen" und die '-Befilmungen über die neutrale Zone fallen und zu der Rechtsgrundlage des Versailler Vertrages zurückgekehtt wird. Die andere beschäf­tigt sich mit der Regelung des deutsch- französischen Luftverkehrs, die pari­tätisch das Ueberfltegen von Gebieten deutscher Länder ermöglicht.

So äußerlich verschieden die Ziele der beiden Verhandlungen sind, so innerlich hängen sie mitein­ander zusammen. Der Ton, den die Pariser Blatter schon in der letzten Zeit anschlagen, muß uns auf- horchen lassen; die Verhandlungen mit der Bot- schafterkonserenz werden hier als ganx zweitrangig behandelt, und der bevorstehende Abschluß eines deutsch-französischen Luftabkommens in den Vordergrund geschoben. Daß dieses aber auf der vollen Beseitigung der Begriffsbestimmun­gen und allen über den Versailler Vertrag hinaus­gehenden Bindungen zu fußen hat, wird nicht erwähnt. Ein durchsichtiges Manöver! An der fran­zösischen Ostgrenze häufen sich die Lufthäfen an; im Osten Deutschlands liegen die französischen Ver­bündeten: Polen und die Tschechoslowakei; dorthin sucht sich die Luftmachtpolitik Frankreichs freie Bahn. Man rechnet immer wieder mit der Nach­giebigkeit Deutschlands und fordert in der dortigen Presse weitere Beschränkungen, um einen Druck auf uns auszuüben. Man betont immer wieder, wie notwendig Sicherungen vor einer deut­schen ßuftrüftung seien; in Wirklichkeit aber hat dies Frankreich, das über eine Kriegsluftflotte von über 3500 Flugzeugen verfügt und in der Lage ist, monatlich 10000 Flugzeuge herzustellen, vor ein paar deutschen Apparaten, die etwa als Militär­flugzeuge benutzt werden könnten, keine Angst. Der RufLe danger allemand, der so oft in den Pa­rtei r Zeitungen ertönt, ist für sie weniger ernst zu nehmen, als für uns:Die französische Gefahr!" Jedenfalls haben wir keinen Anlaß, mit friedlicher, versöhnlicher Stimmung zu rechnen, wenn Leute wie Andrs Michelin, der Vizepräsident eines Propagandakomitees für Luftfahrt, offen in seiner Fachzeitschrift von einem großzügigen Einkreisungs- plane sprechen und uns bei Nichterfüllung Gas- und Bombenfliegerüberfälle androhen kann. Mögen die Verhandlungen in Paris noch so günstig stehen, so sei dennoch die deutsche Oefsentlichkeit mit aller Energie darauf aufmerksam gemacht, daß von der Abfassung der Verträge die ganze luftpolitische Entwicklung Deutschlands und das Aufblühen feiner jungen Luft-Hansa abhängig ist.

Die luftgeographische Lage unseres Vaterlandes gibt uns Trümpfe in die Hand; der gesamte trans­kontinentale Luftverkehr führt vom Westen über unser Gebiet nach Osten und Südosten; der beste Weg von ßonbon nach Indien führt über Deutsch­land die Donau entlang. Aus diesem Grunde kann der europäische Luftverkehr gar nicht gegen uns oder über uns hinweg, sondern nur mit uns in friedlicher Zusammenarbeit aufgebaut werden. Machen wir also Zugeständnisse von Wert, bevor wir auf der Basis des Vertrages von Versailles stehen, so würden wir eine schlechtere Lage erzielen als zuvor. Erst wenn dieser Standpunkt einwand­frei erreicht ist, kann über das gegenseitig zuzuerken­nende Eins lug recht verhandelt werden. Aber auch hier kommt es auf eine vorsichtige Verhand­lungsführung an; denn es geht nicht nur um ein privates Handelsabkommen, sondern um eine poli­tische Angelegenheit von größter Bedeutung.

Immer vorausgesetzt, daß die Rechtsarundsätze des Versailler Vertrages vorbehaltlos an­erkannt find, dann hat der Kurs der deutschen Luftpolitik dahin zu steuern, daß keinem Fremd­staate eine lleberquerung, sondern höchstens ein Einflugrecht nach Deutschland zugebilligt werden kann; das gilt auch für das besetzte Gebiet, in dem Deutschland, außer über die Militärflugzeuge der interalliierten Armee,Lusthoheitsrechte^ hat. Es kommt hier auf das Handeln für die Zukunft an, daher hat die Wahl der E i n f l u g h ä f e n mit größter Vorsicht zu erfolgen; kurzsichtige Fehlgriffe können für die Fortführung der deutschen Luft­politik von größtem Nachteil werden. Jede Durch­kreuzung unserer Luftstrecken muß vermieden wer­den, um allen Einkreisungsmanövern von vorn­herein begegnen zu können: daher müssen wir uns genügend Vorbehalte schaffen: berücksichtigen, daß die Verträge auf lange Sicht abgeschlossen werden und nicht vergessen, daß man versucht, sich vom Westen Europas über uns hinweg zum Osten auf dem Luftwege die Hände zu reichen. Erinnert sei daran, daß Frankreich nicht nur mit Rumänien und der Tschechoslowakei Luftabkommen getroffen hat, sondern letztere auch, um die Kette zu vervollstän­digen, zur Zeit im Begriffe ist, sich luftpolitisch mit Jugoslawien wiederum zu einigen.

Die Luftfahrtoerhandlungen in Paris entscheiden über Deutschlands Freiheit zur Luft, und noch mehr, ihre Ergebnisse werden für die ganze politische Entwicklung des Reiches sich irgendwie zum Guten ober Schlechten auswirken. Werden die Begriffs­bestimmungen und alle weiteren Beschränkungen über den Versailler Vertrag fallen gelassen, so steht der deutschen Handelsluftflotte der Weg zu freier Entfaltung offen, und es besteht für sie die Ansicht' sich zu einem Faktor von größter wirt­schaftlicher Bedeutung zu entwickeln, dessen Aus­wirkungen sich bis tief in alle Schichten von Handel und Industrie bemerkbar machen werden. Alle Kreise sind daran interessiert: hier geht es nicht um Parteigeschäfte, Das Ausblühen unserer fried­lichen Luftfahrt wird dazu beitragen, für unzählige Menschen Erwerbsquellen, Arbeit und Brot schaffen $u können und so den Volkswohlstand zu yeven. Endlich würden mir einen Schritt vorwärts kom men. In letzter Stunde möge es sich daher ein