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Segen Osterode in Kassel. Marburg Kassel, 3. April Marburg Dortheim in Kassel.

Wit dieser Ansehung dürfte die endgültige Klärung in der Auf- und Abstiegsfrage erfolgt fein, die wohl auch allen Teilen gerecht wird. Sehet Anwärter hat es selbst in der Hand, sich als Dezirksligaverein zu qualifizieren, wenngleich die Aussichten auch verschieden sind. Am stärksten erscheint wohl Lura-Kassel (wenn diese teil­nimmt I). Aach ihm Spiel und Sport Aortheim und Germania-Marburg, während man den bis­herigen Dezirksligamannschaften von Gießen 1900 und Osterode wenig Aussicht auf Erfolg bei­messen kann.

Für die finanzielle Unterlage der angesehten Runde ist es wichtig, dah die Behörde für die genannten Tage und Orte Spielverbot er­lassen hat.

Der FaL Linnighäuser.

WSR. Frankfurt a.M., 18. Febr. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, hat das Derbandsgericht des Süddeutschen Futzballver-- bandes den Beschluß gefasst, beim Derbands- vorstand den Antrag auf sofortige Wie­deraufnahme des Verfahrens in Dachen Hanau 93 Frankfurter Fustball- sportverein (Fall Linnighäuser) zu stellen, und das Verfahren selbst noch vor Sonntag zur Durchführung zu bringen.

Handball.

Die Meifterschaftskämpfe der Mittelrheinlurner

stehen nach dem Spielverlauf vom vorigen Sonntag

wie folgt:

Vereine Spiele gern.

T. V. Seckbach 5 5

T. G. Dffenbad) 5 3

T. u. Spo. Butzoach 5 1

T. u. Spv. Kl.-Auheim 5 1

verl. Punkte

10

2 6

4 2

4 2

Um die westdeutsche Meisterschaft

tz. Die Verbandsrunde zeigte bisher folgende Ergebnisse:

Rasensport MühlheimMünster 08 2:1; Westfalia BochumF. C. Wetzlar 8:3; V. f. B. 08 Aachen- Hagen 05 3:3; Rasensport MühlheimF. C. Wetz­lar 3:1.

Die Tabelle zeigt folgenden Stand: Mühlheim 2 Spiele 4:0 Punkte,

Bochum 1 2:0

Hagen 1 1:1

Aachen 1 1:1

Münster 1 0:2

Eller 04 0 0:0

Wetzlar 2 0:4

Die deutsche Hochschulmeisterschast

im Handball hat in dem in Leipzig stattfinden­den Schlußspiel die Universität Breslau mit 6:2 (4:0) gegen die Technische Hochschule Hannover gewonnen.

Leichtathletik.

Westdeutsche Leichtathletik 1926.

vo. Für das Jahr 1926 sind im Gebiet des Westdeutschen Spielverbandes 12 internationale, 27 nationale und 60 auf den W. S. V. beschränkte Veranstaltungen geplant. Die Termine der inter­nationalen Feste sind:

23. Mai Internationale Rheinkampfspiele m Düsseldorf. 24. Mai Internationale Welt­kämpfe in Duisburg. 29. und 30. Mai Inter­nationales in Kassel. 30.Mai internationa­les Sportfest in Bochum. 13. Juni inter­nationale Wettkämpfe in Duisburg und Düren. 20. Juni internationale Veranstaltungen in Münster und Goch (Rhein). 27. Juni inter­nationale 25-Kilometer-Gehen in Düsseldorf. 4. Juli internationale Wettkämpfe in Essen und Krefeld. 29. August internationales Leichtath­letikfest in Aachen.

Radsport.

Lahnlal-Radsahrerbund.

c. In seiner jüngsten Sitzung setzte der Bun­desvorstand für das kommende Sportjahr folgen­des Programm auf, das nun auch die Zustim- mu:'.g der Bundesversammlung fand. Es kommen zum Austrag:

Saga von einem Schissskoch.

Von Friedrich Sieburg.

Zur Reinigung eines durch den trostlosen An­blick großstädtischen Komforts getrübten Auges be­gibt man sich in Kopenhagen am besten zum Nord­hafen. Dort schlafen Kutter, Schoner und Galeassen vor Anker. Sie zeigen die Urform, die bestimmt ist durd) Wind und andrängendes Wasser, sie sind un­verändert wie das Meer, das ihre Umrisse be­stimmte. Ihre gedrungene Schlankheit ruht im ge­stillten Hafenwasser aus. Unter dem Klüverbaum schmiegt sich die Gallionsfigur an den Bug, eine rotbackige Jungfrau mit gelben Haaren und grünem Fischschwanz, versehen mit dem törichten Lächeln einer lieben Heiligen, oder ein türkischer Seeräuber mit knallrotem Turban, der sich wegen der be­schränkten Raumverhältnisie nicht eigentlich kriege­risch entfalten kann man versteht, er ist zur Strafe hier angebracht aber doch mit schinelzend blauen Pluderhosen sein bestes für die Verzierung des Fahrzeuges tut, oder es schmiegt sich ein ge­schlängelter Fisch mit einer vergoldeten Krone. Das alles ist meist frisch gestrichen, denn der Frachten­markt ist lustlos, Holzladungen werden zu reinen Schleuderpreisen verschifft, und viele Kapitäne trin­ken einen in der Stadt, während die Leute das Schiff malen. Die Fahrzeuge heißenMeerstern", Ave Maria",Polarlicht",Fahrwohl",Hoff­nung".

Eines heißt derSeekönig" und ist sowohl das kleinste als auch das berühmteste. Es ist ein vor­zügliches Eisschiff, nicht länger als zwei Zimmer, und segelt allsommerlich nach Thule hinauf, der dänischen Handelsstation in Nordgrönland. Der Reeder dieses Schiffes ist Knud Rasmussen, es hat ihn zu seiner letzten Expedition hinaufgebracht in eine entlegene und unbekannte Welt, und es soll nicht verschwiegen sein, daß der Motor dabei meistens stehen blieb. Nun geht derSeekönig", durch seinen Ruhm durchaus nicht verändert, alljährlich mit Jagd- patronen, Petroleum, Wolldecken und Blechtöpfen über den Atlant, umsegelt ohne Aufhebens das Kap Farvel, durchkreuzt die durch schweres Eis berüch­tigte Meville-Bucht und liefert endlich sein Gerät am Schuttstrand von Thule ab, um beloben mit Weißfüchsen und Walrohzähnen und unter häufigen

Im Mai: B un de s m c i st e r s ch a f t über 150 Km. auf der Strecke Marburg Giehen Wetzlar Herborn Dilleirburg Laasphe Marburg.

Im Juni: Dundeswanderfahrt. Strecke Gisselberg Odenhausen Lollar Treis a. d. Lda. Londorf 'Rüddingshausen Leidenhofen Gisselberg.

Im Juli: 75 -- Km. - Einzelfahren (D u n d e s f e st). Strecke Marburg Cölbe Eckelshausen Gladenbach Oberweimar Riederweimar Marburg.

Im August: Wanderfahrt. Strecke Mar­burg Äi'X'V'iin Alsfeld Ziegenhain Treysa - Kirchhain Marburg

Im Septe.i.ber: 50-Km. -Mannschaf ts« fahren. Strecke Marburg DreihausenRüd­dingshausen Rordeck Ebsdorf Ronhausen Marburg.

Sämtliche Rennen werden in drei Klassen: A-, B- und Altersklasse ausgefahren und sind offen für den Lahntalradfahrerbund und die Mit­glieder desHessischen Radsahre "bundes 1922". Die genauen Tage werden mit den Ausschrei­bungen bekanntgegeben.

Wassersport.

Der Senior

der deutschen Paddler,

In diesen Tagen vollendete einer der ältesten deutschen Paddler, der Oberst v. Die st in Stettin, in voller Frische jein 75. Lebensjahr. Sein Name ist mit der Verbreitung des Kanusports in Deutschland und mit dem Aufschwung des Deutschen Kanu-Ver­bandes eng verknüpft. Sein letztes größeres Ver­dienst im Deutschen Kanu-Verband war die im Jahre 1924 erfolgte Gründung des großen Wanderlagers der deutschen Kanusportler aufber Insel Rügen, das im letzten Jahre von vielen Hunderten besucht wurde.

Die Zukunst der Arbeitslosenversicherung. Vom Geh. Regierungsrat Dr. jur Max Seidel, Berlin-Friedenau.

Die Frage einer Arbeitslosenversicherung, die unter den heutigen Verhältnissen von besonderer Bedeutung für die Gesamtheit der Arbeitnehmer geworden ist. hat bereits eine Entwicklung von Jahrzehnten hinter sich. Ramhaste Sozial- und Kommunalpolitiker, darunter Iastrow, Badtke. Most, Lindemann, Georg Schanz und andere haben die Literatur auf diesem Gebiete vermehrt und gefördert. Es war int Verlauf der umfang« reichen Erörterungen auch kein Zweifel darüber, ob eine Arbeitslosenversicherung eingerichtet wer­den soll, sondern es ergab sich letzten Endes nur die Frage, ob die Einrichtung einer solchen Ver­sicherung Bestcntdteile der öffentlichen Ver­waltungen oder Sache der Interessenten sein soll, außerdem, ob sie technisch durchführbar erscheint. Es kam auch zu einer besonderen Prüfung der Frage ob gerade die Gemeinden die Aufgaben dieses Gebietes zu übernehmen haben. In dieser letzteren Frage ist der Standpunkt verschieden gewesen. Auf dem Deutschen Städtetag von 1911 hat Oberbürgermeister Adickes, Frankfurt a. W., sich für Arbeitslosenversicherung ausgesprochen, aber nur in der Voraussetzung, daß es sich um eine Reichseinrichtung handelt. Andererseits ist schon damals darauf hingewiesen worden, daß die Entwicklung der öffentlichen Verwaltung die grö­ßeren Städte in der Auswahl neuer Verwal­tungsaufgaben an der Spitze sieht und dah dann, wenn die lokale Begrenztheit in die Erscheinung trat, eine Verallgemeinerung neuer Aufgaben im Wege der staatlichen Gesetzgebung herbeige- fuhrt wurde. Dazu kommt, daß die Gemeinde zu den Interessenten der Arbeitslosenversicherung gehört. Einrichtungen, die es verhindern, daß der Arbeiter beim Eintritt einer Arbeitslosigkeit auf die Armenpflege angewiesen ist und zu diesen Einrichtungen gehört die Arbeitslosen­versicherung sind für die Gemeinden un­mittelbar von Bedeutung. Das Bestreben, von fünf Anlässen zum Eingreifen der Armenpflege, nämlich: Alter, Invalidität, Krankheit, Arbeits­losigkeit. Witwen- und Waisenschast, vier durch öffentlich-rechtliche Einrichtungen zu decken, ist ja durchaus verständlich.

Die Frage der technischen Möglichkeiten einer Arbeitslosenversicherung ist schon vor einem Jahrzehnt bejaht worden. Es hat (wie im Hand­wörterbuch der Kommunal-Wissenschasten, erster

Maschinenstörungen unverzüglich wieder nach Ko­penhagen zu reisen. Solche Reisen bauern einige Monate und bedeuten jedesmal ein seemännisches Heldenstück, wovon jebodj nicht gesprochen wirb.

Ich liebe diesen Schoner sehr, jedesmal, wenn er im Hafen ist, besuche ich ihn und klimme die steile Treppe zu Kapitän Pedersen hinab, der dann meist mit Tinte und Feder beschäftigt ist und Zi­garren raucht. Manchmal auch sehe ich mir den Seekönig" nur von außen an, ich betrachte ihn, wie er sich ganz leise im matten Anschlag des Was­sers wiegt, ich höre die gedämpften Stimmen der Leute im Vorderschiff, die Ankerkette quietscht ganz schwach, und mir wird dann immer seltsam traurig und müde im Kopf. Ich schleppe mid) nach Haus und alles kommt mir sinnlos vor.

Im letzten Frühling kam ich einige Stunden vor der Abreise desSeekönigs", ich flieg nicht nur zum Kapitän hinab, sondern auch ins Vorderschiff. Und hier traf ich den Schiffskoch. Das Schiff wurde gerade beloben, bas Deck lag voll von Kisten und Tauen, Petroleumflecke überall, Fetzen und Krem­pel in jedem Winkel. Es kann nicht anders fern, wenn ein Schiff lastet. Wo ich auftauchte, bat mich immer einer fast mädchenhaft um Entschuldigung, man sei beim Laden, in zwei Stunden sei alles sauber, derSeekönig" sei sonst ein gepflegtes Schiff; ich fühlte: sie lieben diese alte Schute.

Der Schifsskoch allein war nicht geschäftig. Er saß in feiner kleinen Küche, deren Ofenrohr freund­lich durchs Kambüsendach ragte, vor einem eisernen Herd mit gewaltigen Töpfen und Kesseln darauf. Der Mann erhob fid) artig, als ich eintrat, und bat ebenfalls um Entschuldigung, man sei beim Lasten, da sei immer Durcheinander, und in zwei Stunden fei die Küche wieder blitzblank. Der Schiffskoch hatte sehr dünnes, gelbes Haar, das sich fest um die hohe Stirn schmiegte, seine Augen waren blau und ein wenig furchtsam, sie sahen mich fest und freund­lich, ja, ich mochte sagen, fromm an. Leider hatte er im Oberkiefer nur einen Schneidezahn, und ich dachte bei diesem Anblick daran, daß ein Haupt­nahrungsmittel dieser Braven Walrohhaut ist, an welcher freilich eine dicke Schicht gelber Speck hängt und auch ordentliche Brocken von dem schwarzen, saftigen Fleisch. Der Koch hielt sein merkwürdiges Haupt ein wenig auf die Schulter geneigt und er«

Band, ausgesührt wurde) noch nie einen Der- sicherungszweig gegeben, der bei seiner Begrün­dung über ein so umfangreiches statistisches Ma­terial verfügte. Eine Auseinandersetzung galt dem Bedenken, daß der Versicherte es selbst in der Hand habe, den Dersicherungsfall herbei­zuführen. Auch in dieser Frage ist darauf hin- zuweisen, daß die Möglichkeit den Dersicherungs­fall herbeizuführen, auch vielen anderen Der- sicherungszweigen zu eigen ist und man vielfach bei diesen Dersicherungen damit rechnen muh, dah gerade die Tatsache der Versicherung eine größere Häufigkeit des Dersicherungsfalles her­beiführen werde. Zu den Gründen, weshalb eine Versicherung gegen Arbeitslosigkeit gewählt wird, gehört auch, daß der Arbeiter nicht ge­nötigt sein soll, jede beliebige Arbeit anzunehmen und namentlich nicht eine solche, die ihm die Rückkehr zu seiner früheren Arbeit erschwert. Die Frage, welche Art Arbeit den Arbeitslosen zugemutet werden kann, ist in der früheren Lite­ratur der Entscheidung paritätischer Kommissio­nen Vorbehalten worden.

Von den bisher getroffenen Einrichtungen auf dein Gebiete der Arbeitslosenversicherung lassen sich folgende Gruppen finden:

I. Die Zwangsarbeitslosenversicherung.

11. Die freiwillige Arbeitslosenversicherung mit den Untergruppen:

a) freiwillige Arbeitslosenversicherung in ständigen Versicherungskassen;

b) Selbsthilfe der Arbeiterorganisationen und der Arbeitgeber;

c) das Zuschuhsystem (Genter System).

Die cbligatorische Arbeitslosenversicherung wurde zum ersten Mal praktisch 1895 in Sankt Gallen in der Schweiz durchgeführt.' In England wurde 1911 eine solche Arbeits­losenversicherung für verschiedene Berufsgruppen beschlossen. Man hat damals ein Urteil darüber vertagt, bis die Versicherung auch Zeiten der Depression durchgemacht habe.

Die freiwillige Arbeitslosenversicherung in selbständigen Versicherungskassen ist in Berlin, Leipzig und Köln eingerichtet worden, ohne grö­ßere Bedeutung erlangt zu haben. Ihre Ver­pflichtungen konnten die Kassen nur mittels hoher gemeindlicher Zuschüsse erfüllen.

Die Selbsthilfe der Arbeitnehmerorganisa­tionen aus dem Gebiete der Arbeitslosenunter­stützung ist für die Gewerkschaften von jeher eine Selbsterhaltungspflicht gewesen, wobei die Bei­träge für die Arbeitslosenunterstützung zugleich mit den allgemeinen Gewerkschaftsbeitragen er­hoben wurden. Aber auch Arbeit g e b e r, wie Carl Zeih, Lanz, Mannheim, Mohr, Altona usw. haben Einrichtungen getroffen, um im Falle der Arbeitslosigkeit Unterstützungen gewähren zu können.

Das Zuschuhsystem, unter der Bezeichnung Genter System bekannt, (in Gent 1900 eingeführt) besieht in der Förderung gewerkschaftlicher Selbst- Versicherung der Arbefter durch Zuschüsse zu den gewerkschaftlichen Arbeitslosenunterstützungen aus öffentlichen Mitteln (Staat und Gemeinde) unter bestimmten Voraussetzungen und Beachtung der Ordnungs- und Kontrollvorschriften. Dadurch wird der Ausbau der Unterstützungseinrichtuntzen gefördert. Das System kann örtlich oder für größere Gebiete aufgebaut werden, und man kann von einem Siegeszug dieses Systems auf ge­meindlicher Grundlage sprechen, nachdem Straß­burg es im Jahre 1907 eingeführt hat. Es folg­ten dann Mühlhausen i. Els.. Erlangen, Mann­heim, Berlin-Schöneberg (damals noch selbstän­dige Stadt), Freiburg i. Br., Köln, Stuttgart, Offenbach a. M., Schwäbisch-Gmünd und Kaisers­lautern. Die Voraussetzungen der Unterstützun­gen sind insbefondere ein bestimmter Aufenthalt in der Gemeinde und Wartezeit. Der bewilligte Gesamtzuschlag pro Jahr wird genau bestimmt. Straßburg hat z. B. 1910 und 1911 ungefähr je 6000 Mk., 1912 ungefähr 3600 Mk. ausgezahlt, und zwar 1910 auf 338. 1911 auf 288, 1912 auf 203 Unterstützte.

Die Voraussetzungen und Bedingungen, an welche die Gewährung der öffentlichen Zuschüsse geknüpft ist, zeigen große Mannigfaltigkeit. Vor­aussetzung ist allgemein, daß die Arbeitslosigkeit unfreiwillig und nicht die Folge von Invalidi­tät, Krankheit, Unfall, Streit oder Aussperrung ist. Der Zuschuß hört auf, sobald dem Arbeiter passende Arbeit" im Berufe nachgewiesen ist. Die Voraussetzung ist ferner bei den gemeind­lichen Arbeitslosenversicherungen ein bestimmter Aufenthalt am Orte, um auf den Zuzug Arbeits­loser oder schlechter Risiken hemmend einzuwirken.

zählte, daß er diese Reife nach Thule hinauf nun zum 7. Male machen solle. Kartofteln hat er genug an Bord, so meint er, auch Erbsen und vor allem Kaffee, an Fleisch fehlt es auch nicht gerade, aber richtig schön wird es erst, wenn man ins Eis kommt und frisches Fleisch schießen kann. Kapitän Pedersen liebt es zu jagen, man rechnet daher be­stimmt mit einigen Seehunden, vielleicht kriegt man sogar ein Walroß. Die Augen des Kochs strahlen milde bei diesem Gedanken, er streichelt gütig seinen größten Kessel, er zaubert mit dieser Bewegung behagliche Bilder vor von arktischen Sommernäch­ten, wo der Schoner fid) leise in der atlantischen Dünung wiegt und wortkarge, aber freundliche See­leute, die bärtigen Köpfe aufgestützt, mit der Gabel in dampfenden Fleischschüsseln fahren und später die Pfeifen in Brand setzen. Er erzählt auch ein wenig von diesen Nächten, wie schön sie sind, wenn er feine Kessel gereinigt, das Geschirr gespült und Kaftee auf­gesetzt hat, wenn dann die Kameraden den Kaffee riechen und die Köpfe in die Küche stecken, während draußen die blaße Polarsonne auf den Gletschern der Küste ausruht. Er sprach still und besessen davon, stützte fid) gegen den Türpfosten, ließ seinen Blick über Deck schweifen und sagte:Ja, es ist ein liebes Schiff." Id) wünschte leise gute Fahrt und ging.

Als drei Stunden später derSeekönig" in See gehen sollte, war der Schiffskock) verschwunden. Er hattegeräumt", wie man hier sagt, er war flüchtig geworden, war ausgerückt, desertiert. Niemand konnte das erklären, niemand hatte auch Zeit, dar­über nachzudenken, denn das Schiff mußte fort, und ein Koch mußte beschafft werden. Knud Rasmussen wurde telephonisch benachrichtigt, er hetzte in der Stadt herum, um einen Koch zu finden. Er fand keinen, es ist ein bißchen weit bis nach Thule. Also segelte derSeekönig" ohne Koch ab. (Die Leute waren wohlgenährt, als sie im Herbst zurückkamen.)

Während das liebe Schiff um Kap Farvel ging, wurde der Schiffskoch in Kopenhagen ergriffen. Im Seeverhör rührte er die Richter durch seine Milde, es kam ein Vergleich zustande, er zahlte feine Heuer zurück und wurde entlassen.

Die Versuchung, den Mann aufzujud)en und nad) den Gründen seines Handelns zu fragen, war groß. Ich habe ihr widerstanden, weil ich mich vor der

Vielfach ist eine obere Altersgrenze für die Versicherten festgesetzt (60 ober 65 Jahre). Die Höhe des Zuschusses ist meist auf 50 Prozent der Derbanbsunterstüyung bemessen unö be­trägt meist höchstens 1 Mk. für den Unter- stützungstag. Begrenzt ist ferner die Dauer der Zuschüsse (meist 60 Tage im Jahre). Die Zah­lung der Zuschüsse erfolgt vorschußweise durch die Gewerkschaftskassen, die der Gemeinde Einsicht in ihre Buch- und Kassenführung gewähren. Die Kontrolle der Arbeitslosen erfolgt einmal durch die Gewerkschaft, daneben durch ein» ober mehr­malige Meldungen auf dem städtischen Arbeits­amt (Arbeitsnachweis).

Die weitere Entwicklung der letzten Jahre im einzelnen zu schildern, würbe an dieser Stelle zu weit führen. Es ist nunmehr dem Reichs­wirtschaftsrat und dem Reichsrat der Entwurf eines Gesetzes über Arbeitslosenversicherung zu- gegangen, und der Deutsche Städtetag hat als unmittelbar beteiligte Organisation einen Gegen- entwurf dazu geschaffen. Träger der Arbeits­losenversicherung sind nach dem Entwurf die Landesarbeitslosenkassen, diese Träger sind rechtsfähig. Die Organe der Mafien sind der Ausschuß und der Vorstand. Die Vertreter der Arbeitgeber werden von den Arbeitgeberbei­sitzern und der Arbeitnehmer von den Arbett- nehmerbeisitzern des Kassenausschusses aus ihrer Mitte gewählt. Die Sitzungen der Ausschüsse, Vorstände usw. find nicht öffentlich.

In ben einzelnen Paragraphen beS Ent­wurfes werben bie erforderlichen Bestimmungen getroffen, insbesondere auch über die Versiche­rungsleistungen, über die Art ber Arbeiten, die den Arbeitslosen zugewiesen werben dürfen, über die Wirkung eines Ausstanbes ober einer Aus­sperrung auf die Arbeitslosenunterstützung, über die Anwartschaftszeit, über bie Bemessung der Arbeitslosenunterstützung. Es bestehen fünf ßoljn- klassen mit berechneten Einheitslöhnen: wöchent­lich 10 bis 15 Mk.. 25 Mk., 35 und 40 Mk. Für die Zugehörigkeit zu den einzelnen Lohn- klassen ist der Arbeitsverdienst in ben letzten drei Monaten der Arbeitnehmertätigkeit maß­gebend. Die Hauptunterstühung beträgt 40 Proz. des Einheitslohnes. Als Familienzuschlag wer­den für jeden zuschlagsberechtigten Angehörigen 5 Prozent des Einheitslohnes gewährt, aber in keinem Falle mehr als 65 Prozent insgesamt. Es wird bann weiter geregelt die Versorgung Arbeitsloser für ben Fall der Krankheit, das Verfahren in sonstigen Angelegenheiten usw. Ein besonderer Abschnitt beschäftigt sich mit den Maß­nahmen zur Verhütung und Beendigung ber Arbeitslosigkeit, ein weiterer Abschnitt mit ber Aufbringung ber Mittel, wobei nach dem Ent­wurf Beiträge der Arbeitgeber und Arbeit­nehmer in Frage kommen, nach dem Gegen- enttourf des Städtetages aber zu einem Drittel Zuschüsse des Reiches, der-Länder und ber Ge­meinden mit je 1 j. Der Entwurf beschäftigt sich ferner mit besonderen Arten der Versicherung, mit allgemeinen Bestimmungen, Liebergangsbe­stimmungen und Strafbestimmungen. Man wird zugeben, daß es sich hier um eine ber wichtigsten Vorlagen handelt, die überhaupt in den letzten Jahren auf sozialpolitischem Gebiete zur parla­mentarischen Verhandlung und zur Erörterung durch die Oesfentlichkeit gegangen sind.

In ber Begründung zum Gegenentwurf die­ses Gesetzes betont ber Deutsche Stäbtetag die Rotwendigkeit, die bereits angebahnte Heber- führung der Erwerbslosenfürsorge in eine Ar­beitslosenversicherung baldigst durch den Erlaß eines Reichsarbeitslosenversicherungsgesetzes zum Abschluß zu bringen. Mit der jetzt schon durch bas Gesetz vorgesehenen fast ausschließlichen Deckung des Bedarfs der Arbeitslosenfürsorge aus Beiträgen der Arbeitgeber und Arbeitneh­mer ist es unvereinbar, noch an der Dedürftig- keitsprüfung und damit am Fürsorgecharakter ber jetzigen Regelung festzuhalten. Auch die sonstigen Reste des Fürsorgecharakters, die noch in die gegenwärtige Gesetzgebung bineinrageu, müssen baldigst durch restlose Lleberführung in ein Arbeitslosen - Derficherungsgesetz besei­tigt werden.

Das neue Arbeitslosen-Derficherungsgesetz muß als Einrichtung einer sozialen Versicherung sowohl den Anforderungen des Versicherungs--. Prinzips entsprechen, als auch sozialen Rücksichten' Rechnung tragen. Rach diesen Gesichtspunkten werden sowohl die Leistungen der neuen Arbeits­losenversicherung zu prüfen fein, als auch bie Heranziehung ber Versicherungsinteressenten zu Beiträgen. Endlich wird sich zwangsläufig aus

Aufklärung, die er den Richtern jo hartnäckig ver­weigert hatte, ein wenig fürchtete. Er hatte doch ge­sagt, es sei ein liebes Schiff, und er war trotzdem ausgerückt. War der Mann sechs Jahre im Schlaf gegangen und plötzlich, als die Ankerkette zum sie­benten Male klargemacht wurde, erwacht? Waren ihm plötzlich die Nächte nördlich des 75. Breiten­grades anders erschienen? Hatte er daran gedacht, wie er manchmal nachts erwachte in seiner engen Koje, und wie bann die Wellen an seinem Bett vorbeirauschten, und wie die Stimme des Mannes in der Ausgucktonne leer durch die weiße Nacht sd'oll? Er war ja sehr allein in diesen Stunden, und die Punkte des Erdballes, wo die Menschen nun nach Wärme zusammenkriechen, waren ja sehr fern. Bielleicht hatte er gedacht, wenn das Packeis brüllte, stöhnte und fefirie: Ich will Stimmen hören, keine Kommandos, Stimmen, Kinderstimmen, ein Weinen, eine beruhigende Frauenstimme, sogar ein wenig Musik und Geläut auf der Straße. Oder er hatte in den Nebel gesehen, der nun schon die zweite Woche mit ihnen zog, und plötzlich gewünscht, in Augen zu sehen, in Kinderaugen, Frauenaugen oder vielleicht sogar nur Pferdeaugen. Er hatte das alles wohl nicht gedacht, aber cs hatte sich in ihm ange­sammelt, ganz langsam, er hatte es selbst nicht be­merkt. Er hatte gefühlt, daß er allein fei, und bann war bie Welt über ihn hereingebrochen. Er hörte schon Pedersens Donnerstimme:Gangspill klar! Anker auf!", da war er an Land gehuscht, auf die Straßenbahn gesprungen, hatte sich ein Billet gelöst: Ein UmfteigebiUet zum Rathausplatz!", und dabei hatte sein mildes Herz gebrüllt:Gerettet! Zum Rat­hausplatz! Gerettet!"

Vor einigen Tagen habe ich den Schiffskoch auf ber Straße gesehen, barum schreibe ich dies. Er stand vor dem Bahnhof, auf dem Kopfe trug er die Mütze bei Dienstmänner. Er sah zufrieden aus und spähte nad) Leuten, denen er das Gepäck tragen konnte. Um ihn brauste ber Platz, ben heransausenden Autos wich er geschickt aus, er verschwand in der Menge. Die Stadt erglühte in Flammenschrift, Schcinwer fern, Megaphonen, Geschrei: Augen überall, Men- sck)en trabten, Stimmen und eine Welt erschollen.

Mir wurde müde und traurig im Kopf. Ich schleppte mich nach Hause. Silles kam mir sinnlos vor.