Nr. 42 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Freitag, 19. Februar 1926
Turnen, Sport und Spiel.
Warum Hauben in Amerika versagte.
(Don unserem Deuyorler awh.-KorresPondenten.)
Das Austreten Houbens in den Vereinigten Staaten hat ohne Zweifel eine gewisse Enttäuschung bereitet. So wie in der Heimat, hatte man auch in Amerika damit gerechnet, der deutsche Meisterläufer werde besser abschneiden, als es tatsächlich der Fall wurde. Es muß aber hervorgehoben werden, daß selbst die amerikanischen Sportkreise freimütig zug-eben, daß für Houben eine ganze Reihe von Llmständen überaus ungünstig waren. Houbens Größe liegt im 100 Meter Lauf, in Amerika mußte er wesentlich kürzere Strecken laufen. Dei dem Rennen in der Reuhorker Dahn fiel es besonders beim 2. Laus, dem über 60 Dards, auf, daß Houben zum Schluß stark aufholte, sodaß durchaus die Möglichkeit eines Sieges bestanden hätte, wenn bo8 Rennen über 100 Dards gegangen wäre. Lind zu zweit: Houben war vorher selten auf einer Holzbahn gelaufen. Auch diesen Umstand eickennen die Amerikaner als einen Rachteil für ihn an, auch wenn nicht Houben selbst in Gesprächen darauf ausdrücklich hingewiesen hätte.
Zu diesen Erklärungen technischer Ratur, die für Houbens Versagen eine Entschuldigung bedeuten, tarn noch ein phhsisch-phhhsikalisches Moment. Das amerikanische Klima unterscheidet sich stark von dem deutschen. Fast jeder Deutsche, der nach Reuhork Eommt, wird in der ersten Zeit seines Aufenthaltes unter dieser Klimaveränderung stark leiden. Es ist eine bekannte Tatsache, daß beispielsweise Sänger, die in Europa einen Rainen hatten, in Reuyork dadurch enttäuschten, da ihre Stinnne infolge der Klimaveränderung versagte. Es ist bestimmt anzunehmen, bäh diese physiologische Einwirkung in sehr hohem Maß die Konstitution des deutschen Meisterläufers beeinträchtigte. Es kommt hinzu, X6 eine längere Seereise an sich schon anstrengt.
Unter dem Eindruck, unbedingt gewinnen zu müssen, war Houben stark nervös. Er sah sich zudem vollkommen neuen Derhältnissen gegenüber. Houben, dessen Stärke im guten Start liegt, hatte ihn in Amerika nicht ein einziges Mal, der beste Beweis für seine Rervosität.
Run ist der flinke Krefelder wieder auf der Rückreise. Man hat in Amerika mit großem Bedauern empfunden, daß Houben von der Deutschen Sportbehörde nicht noch mehrere Starts erlaubt wurden. Gerade in dem Augenblick, Wi dem man annehmen formte, er werde soweit durchtrainiert und aklimatrsiert sein, daß sich die verschiedenen Beeinträchtigungsmomente seiner Leistungsfähigkeit vermindern oder gar verlieren würden, fann er auf Grund des Verbotes nicht mehr laufen. Gerade vom deutschen Standpunkt aus ist das recht bü>auerllch. denn Houben begann sich hier trotz seiner Riederlagen Freunde zu gewinnen, und die Zeitungen beschäftigten sich mit ihm viel mehr als zuvor. Daß Houben durch sein Auftreten in Amerika der deutschen Sache genützt hat, darüber besteht nicht der geringste Zweifel. Bezeichnend dafür ist das Derhalten der Bostoner, die wegen ihrer Kühle selbst in dem phlegmatischen Amercka verschrieen sind. Auch in Reuyork kam es zu begeisterten Huldigungen. Ein Sportsmann vom Weltruf Houbens nutzt eben seinem Land schon durch das bloße Auftreten, und das in besonderem Maß. wenn es sich um einen von sportlichem Ehrgeiz und Fairneß durchglühten Kämpfer handelt. Die Amerikaner lieben Käinpfernaturen, und Houben ist eine. Warum hat man ihm verboten, öfter zu laufen?, diese Frage liest man fast in jeder amerikanischen Zeitung, die sich mit dem Auftreten des deutschen Meisterläufers näher befaßt hat. Man beachte diese Stimmen in Deutsch- lcmb und lerne daraus.
Fußball.
Um bie deutsche Meisterschaft.
In Süddeutschland
ist die Derbandsrunde bereits in vollem Gonge. Die überraschenden Ergebnisse der beiden Spiel- fonntage sind noch in aller Erinnerung. Am
Aus der Geschichte der Planelen-Entdeckungen.
' Wahrend man in früherer Zeit, vom Altertum bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts, außer der Erde nur fünf große Planeten, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn, kannte, mehrte sich die Zahl der die Sonne umkreisenden festen Körper durch Entdeckung neuer in der Folgezeit allmählich, seit Mitte des 19. Jahrhunderts aber mit großer Schnelligkeit. Am 13. März 1781 fand zunächst W. Herschel in Bath (England) den Planeten Uranus auf, der sich in doppeltem Abstand wie der Planet Saturn um die Sonne bewegt — seine mittlere Entfernung beträgt 19,2 Sonnenweiten oder „astronomische Einheiten", d. h. Entfernungen der Sonne von der Erde, deren jede 149,5 Millionen Kilometer entspricht, indessen Saturn nur in einem Abstande von 9,5 astronomische Einheiten um die Sonne kreist.
Run hafte man in der Reihe der Planeten schon längst eine große Lücke zwischen dem im Mittel 1,5 Sonnenweiten entfernten Mars und dem 4,9 Sonnenweiten entfernten Jupiter be- merft, in der man mit Recht einen Planeten vermutete, aber noch nicht'hatte aufspüren können. Da glückte es am 1. Januar 1801 Piazzi in Palermo, den hypothetischen Körper aufzufinden; es war der von chm Ceres genannte Planet, «in im Vergleich mit den bekannten Hauptplaneten ungemein kleiner Körper, der sich tatsächlich in jener Lücke um die Sonne bewegte. Doch am 28. März 1802 fand Olbers in Bremen einen zweiten solchen Planeten, die Pallas, der ebenfalls in die Lücke gehörte, am 1. September 1804 Harding in Lilienthal einen dritten, die Juno, und am 29. März 1807 wiederum Olbers einen vieften, die Desta. Damit war erwiesen, daß zwischen Marz und Jupiter an Stelle des einen vermuteten großen mehrere kleine Körper kreisen, man nannte sie daher kleine Planeten, Planetoiden oder Asteroiden. Aber fast vier Jahrzehnte gingen vorüber, bis es am 8. September 1845 Menvke in Driesen gelang, den fünften kleinen
as der Sonntag bringt.
Um die Westdeutsche Meisterschaft.
tz. In der Verbandsmeisterrunde des Westdeutschen Spielverbandcs startet am kommenden Sonntag unser Bezirksmeister „S p o r t" - K a s s e l zum erstenmal. Er trifft hier auf den Duisburger Sportverein, den neunmaligen westdeutschen Altmeister. Duisburg zeigte am vorigen Sonntag gegen „Sportfreunde" Siegen nicht die überragende Leistung, die man erwartet hatte, wenngleich auch die Siegener Elf ihr Spiel seit dem Vorjahre bedeutend verbessert hat. Demnach geht „Sport" einen schweren Gang, auf dem bestimmt für die Hessen keine Sorbeten zu holen sind, denn wer die west- deutsck/en Spitzenvereine kennt, weiß, daß bis zil deren Können für den Hessenmeister noch ein weiter Schritt ist. Wir müssen schon mit einem Torunterschied von 3—4 Toren zuungunsten der Kasseler rechnen.
V. f. B.
(—) Der lommende Sonntag sieht die Liga- Mannschaft des Vereins für Bewegungsspiele in Marburg in einem Freundschaftsspiel gegen die dortige „Germania". Diese war es, die V. f?Q5. in der letzten Derbandsspielserie durch ein Llnentschieden (4:4) und einen Sieg (3:2) die einzigen drei Verlustpunfte abringen konnte und nur mit einem Punkt hinter dem Lahnkreismeister zurückblieb, um sicherer Zweiter der Tabelle zu werden. Wer aus dem Spiel als Sieger hervorgeht, dürste bis zum Schlußpfiff des Schiedsrichters eine offene Frage bleiben. Die Germanen werden beweisen wollen, daß sie dem Rivalen mindestens ebenbürtig smd, während die V. f. D.-Elf sich verpflichtet fühlen muh, Meisterkönnen zu zeigen. Auherdem sollte sie diese Gelegenheit benutzen, ihren durch die beiden letzten Riederlagen etwas notgelittenen Ruf wieder zu heben. Es kann ihr gelingen, wenn die Hintermannschaft wieder die große Form des Vor- sonntags zeigt und der gesamte Sturm sich zu der früher gepflegten Spielweise zurückfindet. Zu letzterem ist ferner Bedingung, daß auch der Mittelläufer sich zu besseren Leistungen als gegen Kassel und Darmstadt aufrasft. Man darf gespannt fein, wie die Elf ihre Aufgabe lösen wird.
Die zweite Mannschaft empfängt voraussichtlich die zweite vom V. f. B. Friedberg zu einem Gesellschaftstreffen. Ob es der Gießener Zweiten möglich ist, ihre Siegesserie der letzten Wochen fortzusetzen, kann ebenfalls erst nach dem Spiel gesagt werden.
Rachdem sie einen Sonntag ausgesetzt, will auch die Dritte wieder zu ihrem Recht kommen; sie hat sich Rieder-Weisel hierher verpflichtet.
Die I. Jugend Mannschaft fährt nach Butzbach, um gegen die gleiche be$ V. f. R. ihr letztes Diplomspiel auszutragen.
Der Termintabelle nach hat die II. Iugend- mannschaft die der hiesigen Spielvereinigung im fälligen Diplomwettspiel zum Gegner.
Aus dem Arbeiter-Turn- und Sportbund.
£ Mit vier Mannschaften tritt am Sonntag die Freie Turnerschaft Gießen auf den Plan. Den Reigen eröffnet um 1 Uhr auf dem Sportplatz Trieb die junge Handballmannschaft, die die Handballmannschaft der Freien Turner Kinzenbachs, ebenfalls eine Neugründung, zum Gegner hat. Ob der Sieg den Gießenern ohne weiteres zuzusprechen ist? Um 2 Uhr folgt ein Fußballwettspiel der 2. Mannschaft der Gießener gegen die gleiche Dorheims. Das Hauptinteresse dürfte dem Spiel der ersten Mannschaften der genannten Vereine zuzusprechen sein, denn hier treffen sich zwei Bezirksmeister, der des 3. und der des 6. Bezirks. Dorheim, das den Meistertitel schon eine Reihe von Jahren hält, bietet Gewähr dafür, daß guter Sport
geboten wird. Nach welcher Seite sich die Siegesaussichten neigen, ist bei den fast gleichen Gegnern schwer zu sagen; komplett dürfte Dorheim ein kleines Plus für sich haben. — Die Gießener Jugend fährt nach Wetzlar, um dort ihr Glück zu versuchen.
In Fronhausen spielt die dortige 1. Mannschaft gegen die gleiche von Rodheim n. d. B.
Ein weiteres interessantes Gesellschaftsspiel wird in Naunheim ausgetragen. Hier hat sich die dortige erste Elf, bekanntlich Neuling in der ersten Klasse, die Heuchelheimer Erste zu Gast geladen. Letztere muß sich sehr anstrengen, wenn sie siegreich bestehen will, andererseits wird sich Naunheim, das seither recht gut abschnitt, nicht ohne weiteres überwinden lassen.
HandbaK-StädLespiel Kassel - Wetzlar.
tz. Das Zusammentreffen der beiden Städte, die im Bezirk Hessen-Hannover im Handballsport führend sind, bedeutet für alle Handballinteressenten ein großes Ereignis. Kassel hat zu dem am kommenden Sonntag im Wetzlarer Spilburg-Stadion stattfindenden Kamps seine beste Garnitur gemeldet, gegen die die Wetzlarer unter Hergabe des Aeußer- ften bestehen sollten. Ausgezeichnet ist bei Kassel der Innensturm mit Köhl e r und Iunghenn, sowie die Verteidigung mit Lauen st ein und besonders Gros im Tor. In der Wetzlarer Städtevertretung ragt die starke Besatzung des Innensturmes hervor. Die Leitung des Spiels liegt in den Händen eines Siegener Schiedsrichters
Im Reiche.
Rasensport:
Trotz der Pokalrunde findet in Süddeutschland doch die drifte Meisterfchastsrunde statt, die Bayern-München — F. V. Saarbrücken, V. f.R. Mannheim — S. Vg. Fürth, Karlsruher F. V. — Hanau 93 im Kampf sieht. Auch in Westdeutschland nehmen die Meisterschafts-Schlußspiele ihren Fortgang, im Rorden beginnen sie, im Baltenverband werden sie fortgesetzt. In Drandenbrug und Mitteldeutschland sind die an den Schlußspielen teilnehmenden Meister zum großen Teil noch zu ermitteln. Im Südosten bringt der Sonntag zwei der noch ausstehenden Entscheidungen über die mittelschlesische und (end- gülftg) über die oberschlesische Meisterschaft.
Auch im Handball und Hockey werden die Meisterschaftsspiele neben Freundschafts-Bewegungen fortgeführt.
Turnen und Leichtath letik bringen wenig Betrieb. In Stettin ist ein nation. Hallensportfest geplant, in Stuttgart werden die Südwestdeutschen Hochschul-Meisterschaften im Geräteturnen, im Waldlauf und im Schwimmen durchgeführt.
Wintersport:
Auch für den kommenden Sonntag sind ein« Reihe von Wintersport-Veranstaltungen vorgesehen, doch dürfte in vielen Fällen die ungünstige Witterung eine Durchführung nicht gestatten. So ist die Deutsche Skimeisterschaft abermals um eine Woche verschoben worden. In Oberwiesenthal sollen die Dundesmeisterschaften des Ar- beiter-Turn- und -Sportbundes zur Durchführung kommen. Die polnischen Skimeisterschaften sind in Zakopane ausgeschrieben. Die Bobmeisterschaft von Oesterreich ist auf dem Semmering vorgesehen. In der Hohen Tatra beginnt eine große Wintersport-Werbewoche aller Wintersportarten. In Kihbühel ist ein internationales Skispringen in Aussicht genommen. Der Eislauf findet seinen Höhepunkt in den Weltmeisterschaften im Eisschnelläufen in Trondhjem (Rorwegen).
Radsport:
In der Dortmunder Westfalenhalle geht ein Dreistunden - Meisterschaftsfahren als Vorprüfung für das dortige Sechstagerennen vor sich.
vorigen Sonntag zeigten wieder di« Münchener Bayern ihre LIeberlegenheit gegen Hanau 93. wiederum verlor der K. F. V., diesmal gegen den süddeutschen Altmeister, wenn auch nur mit einem Tor Llnterschied, gegen den V. f. R. Mannheim,
während Saarbrücken gegenüber der Futzball- kunst der Fürther Hochburg die Segel streichen mußte. Den bis jetzt gezeigten Leistungen nach werden München und Fürth das Ende unter sich ausmachen.
Der Westdeutsche Spielverband
begann erst am vorigen Sonntag mit den Endspielen seiner Dezirksrneister, von denen eines. „Sport" Kassel gegen V. f. R. Köln, abgeseht wurde. Die große Lleberraschung im Westen brachte der Kampf des Altmeisters Duisburger Sp. V. gegen „Sportfreunde" Siegen tnit seinem unentschiedenen 1:1-Ergebnis. Der Ausgang des Spieles Turu Düsseldorf — Arminia Dielefeld entspricht im Verlauf, Sieg und Resultat mit 3:1 den Erwartungen.
Der Rorddeutsche Juhballverband
brachte zunächst zwei Bezirksmeister heraus. Der Hamburger S. D. schlug Altona 93, die Iäger- mcmnschaft. nach wechselvollem Kampfe 5:4. Arminia und S. C. Hannover spielten um den Südbezirkstitel 2:1. Die weiteren Teilnehmer an der Meisterschaft sind noch: „Holstein" Kiel und Bremer S. V.
D. M.D. D.
Verband Mitteldeutscher Ballspiel-Vereine. Hier sind die Gauspiele noch nicht beendet. Favorllen sind bis jetzt: Fortuna Leipzig, S. D. Dresden, Chenrniher B. C., Wacker Halle, Magdeburg 96, S. D. Erfurt oder Jena.
Im Daltenderband
fiel die Entscheidung in der Pommernmeisterschaft zwischen Titania und S. C. Stettin erst nach Spielverlängerung zugunsten der Titaneir mit 3:2. Diese, sowie Königsberg und Danzig sind die Anwärter auf den Meistertitel.
Inzwischen sind die amtlichen Termine des Bundes für die Bundesmeisterschaftsfpiele erschienen: am 16. Mai Vorrunde, am 30. Mai Dorzwischenrunde, am 6. Juni Zwischenrunde, am 13. Juni Endspiel. h.
Die Termine der Süddeutschen
Meisterschafts-Rückspiele.
vo. Für die Rückspiele der Süddeutschen Meisterschaft 1926 hat der Verbands-Spielausschuß des S. F. V. folgende Termine festgelegt (die Spiele finden auf den Plätzen der erstgenannten Vereine statt): 14. März: Hanau 93—SVg. Fürth; F. V. Saarbrücken—V. f. R. Mannheim; Karlsruher F. V.—Bayern-München. — 28. März: D. f. R. Mannheim-Karlsruher F. V.; S. Vg. Fürth—F. D. Saarbrücken; Bayern-München—Hanau 93. — 4. April: F. V. Saarbrücken—Bayern-München; S. Vg. Fürth—V.f.R. Mannheim—Hanau 93—Karlsruher F. V. — 11. April: Bayern-München—S. Vg. Fürth; Hanau 93—V. f. R. Mannheim; Karlsruher F. D.—F. V. Saarbrücken. — 25. April: F. D. Saarbrücken—Hanau 93; S. Vg. Fürth—Karlsruher F. V.; V. f. R. Mannheim—Bayern-München.
Aus- und Abstieg in Hessen-Hannover.
tz. Rach Anhören des Verbandes ist der Bezirk übereingekommen, den noch freien 15. Platz in der Bezirksliga durch Ausscheidungsspiele zu ermitteln, da mit den drei auf steigenden Kreismeistern des Bezirkes erst 14 Vereine in der Dezirtsliga enthalten sind. Die Spiele finden auf neutralen Plätzen im Cinrundenshstern statt. Beteiligt sind zunächst die Tabellenzweiten bet Kreisliga aller drei Kreise des Bezirkes. Reu ist, daß auch die beiden (bisherl) Abstiegskandidaten, Gießen 1900 und Osterode, nunmehr teilnehmen, so daß diese Spiele also zugleich nicht nur über Auf-, sondern auch über Abstieg entscheiden.
Die Cinzelteilnehmer sind die Labellenzweiten: vom Kreis Südhannover: Spiel und Sport Rortheim: vom Hessenkreis: voraussichtlich Lura-Kassel (hier ist der Kampf um den zweiten Platz noch nicht endgültig entschieden); für den Lahnkreis: Germania 08 Marburg. Ferner: Gießen 1900 und Germania Osterode. Die Ansehung erfolgte bereits durch den T. L. A.: Am 28. Februar Gießen — Kassel in Marburg, 7. März Kassel — Rortheim in Göttingen; Marburg — Osterode in Kassel, 14. März Rortheim — Osterode in Göttingen, 21. März Gießen — Marburg in Marburg, 28. März Kassel — Osterode in Göttingen, Gießen — Rortheim in Kassel, II. April Gießen
Planeten, die Asträa, zu entdecken. Bald darauf wurde die Welt in noch größeres Staunen versetzt durch die Entdeckung eines neuen Hauptplaneten des Reptun, der seine ferne Dahn noch weit außerhalb des ilranuS, in einem Abstande von 30 Sonnenweiten vorn Zentralgestirn beschreibt. Adams und Leverrier hatten das Dor- banöenfein und den Ort dieses dem bloßen Auge immer verborgen bleibenden großen Körpers durch Rechnung aus Störungen des Uranus ermittelt, und Galle in Berlin fand ihn sehr nahe dem bezeichneten Orte am 23. September 1846. Mit dem Reptun ist nun die Reihe der Hauptplaneten, außer der Erde also sieben, abgeschlossen; jedenfalls war bisher alles Suchen nach einem noch innerhalb der Merkurbahn vorhandenen, sonnennächsten Planeten bei totalen Sonnenfinsternissen vergeblich, und einen jenseits der Reptunbahn in weiter Ferne wandelnden Körper, einen „Transneptun", hat gleichfalls noch keines Sehers Rohr erspäht. Dahingegen scheint die Zahl der IIeinen Planeten schier ins Un- gemessene zu gehen. Rachdem Hencke 1847 noch den sechsten, die Hebe, aufgefunden hatte, setzte eine rege Entdeckertätigkeit, gewissermaßen eine Jagd nach Planetoiden ein, deren Erfolg sich beständig steigerte, besonders seitdem 1891 die photographische Aufsuchungsmethode in den Dienst der Sache gestellt worden war. Am 12 August 1923 glückte es Reinmuth in Heidelberg-Königstuhl den 1000. kleinen Planeten aufzufinden. Als erfolgreichste Planetenentdecker seien in chronologischer Ordnung genannt: Luther in Bilk, E. H. F. Peters in Clinton (V. St.), Pa- lisa in Wien, Charlois in Rizza, M. Wolf, Kopfs und Reinmuth in Heidelberg, unter denen wieder Palisa und Wolf die erste Stelle einnchmen.
Alljährlich tieröffentließt das Astronomische Rechen-Institut in Berlin-Dahlem, das die Riesenarbeit der Dahnberechnung der bekannten und neu hinzukommenden kleinen Planeten zu bewältigen hat, durch die astronomische Zentralstelle die Ergebnisse der neuen Entdeckungen. Gegenwärtig liegt die Mitteilung über den Jahres- zeitraum vom 1. Juli 1924 bis 30. Juni 1925
vor. In diesem finb nicht weniger als 7 9 neue Planeten entdeckt worden, davon 25 von Reinmuth, 17 von M. Wolf, 9 von Beljawsky (Simeis auf der Krim), 7 von Albitzky (ebenda) usw. Für nur 13 von den 79 neuen Objekten konnten gesicherte Bahnen berechnet werden, zu denen sich noch neun frühere gesellten, sodaß 22 mit neuen Rummern, 1025 bis 1046, versehen werden konnten. Berücksichtigt man indessen, daß seit Juli 1925 bis jetzt bereits wieder viele neue Entdeckungen zu verzeichnen sind, so darf man die Zahl aller bekannten Planetoiden auf mindestens 1100 veranschlagen. Ihre wirkliche Zahl “toirb woht kaum jemals festgestellt werden, da die meisten zu winzige Körperchen sind. Die größten von ihnen, die zuerst entdeckt wurden, namentlich Ceres und Vesta, besitzen Durchmesser von 300 bis 400 Kilometer, bei den meisten ist der Durchmesser Heiner als 100 Kilometer und bei den kleinsten etwa 5 bis 7 Kilometer. Ihre Gesamtmasse entspricht etwa dem 900. Telle der Erbmasse.
Frankfurter Theater.
Rach langer, nur allzulanger Pause steht Kleists „K ä t h ch e n von Heilbronn" wieder auf der Bühne des Schauspielhauses. Der Abend zeigte, daß dieses Schauspiel auch in unserer, so unglaublich nüchternen Gegenwart den gleichen Zauber ausübt, wie einst zur Zeit unserer Großeltern, denen diese Liebeslyrik noch bedeutend näher lag. Es ist das Hohelied weiblicher Liebe und weiblicher Demut, welches aus der Gestalt des Käthchens auf Hingt; dieses Mädchen ist der Traum und die Sehnsucht eines Dichterherzens.
Ein wunderlich romanftsches Rittermärchen führt uns auf die stolzen Schlösser und durch die grünen Wälder Schwabens. Bunte Bilder ziehen vorüber, abschließend mit dem fröhlichen Hochzeitszug, da die demütigste der Frauen zur Kaiserstochter und Prinzessin von Schwaben erhöht und von ihrem geliebten Wetter vom Strahl, einem echten, red?*"! Rit'e-. d / .....*
Zwiespalt feiner Gefühle hin und her geriss . i
wird, zum Altar geführt wird. Kleist hat hier einen Frauenthpus geschaffen, der ganz und gar von der Macht überstarker Gefühle getragen wird, fast nachtwandlerisch seiner inneren Berufung folgt. An diesem Schauspiel hat der Dichter mancherlei seilen und ändern müssen, viele Kürzungen waren unerläßlich, aber die Stärke des Gefühls, welches dem Werk innewohnt, tragt es und trägt die Hörerschaft weit weg aus dem Alltag. Wir Realisten des Lebens, der Wesensart dieser Gestalt innerlich fremd, lassen uns wundersam gefangen nehmen von der Macht der Dichtung, von bet reinen Kindlichkeit dieser wahrhaft naiv liebenden Seele. — Die Aufführung unter der Regie Fritz Peter Buchs war von lebendiger Eindringlichkeit und kam der ganzen Märchenstimmung des Spieles entgegen. Hertha Schwarz ließ das Käthche? vollkommen im Geiste Kleists vor uns erstehen; sie vermied sehr glücklich irgendwelche krankhaft exaltierte, leicht mit der Rolle in Verbindung gebrachte Züge dem Wesensbild dieser Gestalt anzuheften. Leopold D i b e r t i s Wetter vom Strahl zeigte stellenweise erfreulich starke Natürlichkeit, die er leider durch zu grob aufgetragene Barschheit störte. Eine wundervolle Kabinettsleistung schuf Robert Taube als Kaiser und lieferte damit wieder einen Beweis seiner feinfühligen Darstellungskunst. Charakteristisch ausgezeichnet war auch Maria Krahn in der gewiß nicht leichten Rolle der Kunigunde, ebenso Alexander Engels als Waffenschmied. Ludwig Sievert gab dem Spiel einen naturalistischen, die Handlung aufs beste illustrierenden Rahmen. Die Ausführung wurde äußerst beifällig aufgenommen, wiederholte Hervorrufe holten am Schluß die Darsteller und den Regisseur, in erster Linie aber Hertha Schwarz, auf die Bühne. L. W.
Araufführung im Frankfurter Opernhaus.
Im Opernhause ist die älrausführung von Bernhard Selles heiterer Oper „Die zehn K st f s e“ für Donnerstag. 25. Februar b. Is., angesetzt.


