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Dolkes. 3n einer solchen Not sei eine objektive Wiuck>igung der Tätigkeit des Arbeitsministers sehr erschwert. Die Beiträge für die verschie­denen Zweige der Sozialversicherung betragen in Deutschland rund sechs Milliarden. Es ist zurück­zuweisen. wenn von der Erwerbslosenfürsorge in der Weife gesprochen wird, als würde durch sie die Arbeitsunlust gesteigert. Tatsächlich be­ziehen einige Hundertausendr von Offizieren und Beamten an Pensionen mehr als für die vielen Arbeitslosen zusammen ausgegeben wird. (Hört! Hört!) Deutschland kann im internationalen Wettbewerb nicht allein arbeiten.

GS muh sich auch in sozialpolitischer Bezie­hung den Nachbarstaaten anpassen.

An einer verständnisvollen Zusammenarbeit der Arbeitgeber mit den Arbeitnehmern fehlt es bei uns noch. Darum brauchen wir um so mehr eine zweckmäßige Ausgestaltung des endgültigen Reichswirtschaftsrats und die paritä­tische Zusammensetzung der verschiedenen Wirt- fchaftskammern. Wir leiden unter einer Arbeits­losigkeit, wie sie bisher noch nicht erlebt wurde. Wir müssen Wege suchen, um durch Förderung der Industrie und durch Einschränkung der Ein­fuhr unsere Wirtschaft neu beleben und Arbeits­gelegenheit schaffen zu können. Bor allem brau­chen wir Kredithilfe für das Bauge­werbe. um einmal die Zahl der Erwerbslosen zu vermindern, dann aber auch das Wohnungs­elend zu mildern. Es werden also Auslands­kredite notwendig fein, zu deren Derzinsung der Ertrag der Hauszinssteuer verwendet werde. Aach diesen Gesichtspunkten beantragt das Zen­trum, daß die Reichsregierung sofort, gegebenen­falls in Anwendung des Art. 10 der Reichsver- fassung, Maßnahmen treffen möge, die die Wie­deraufnahme der Bautätigkeit sicherstellen. (Der Art. 10 besagt, das Reich kann im Wege der Gesetzgebung Grundsätze aufstellen für das Boden­recht, die Bodenverteilung, das Ansiedlungs- und Heimstättenwesen, die Bindung des Grundbesitzes, das Wohnungswesen und die Bevölkerungsver­teilung.)

Die Ctatsberatung wird daraufhin abge­brochen und in 2. und 3. Beratung eine Novelle zum Tabak st euergeseh angenommen, wo­nach die D e d ü r f t i g k e i t s p r ü f u n g bei der Unterstützung der erwerbslos gewordenen Tabak­arbeiter künftig Wegfällen soll.

Der Fememord- unterkuchungsausschutz.

Berlin, 18. Febr. Der Fememordunter- fuchungsausschuß des Preußischen Landtages setzte die Zeugenvernehmung fort. Kommerzien­rat Ernst von Borsig erllärte, ihm sei die ganze Sache aus den Zeitungen Ende des vergangenen Jahres bekannt geworden. Er habe sich dann als Leiter der Bereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände informiert und erfahren, daß im Juni oder Juli ein Darlehen von 5000 Mark durch Herrn von Zengen für eine Or­ganisation deS Zentralverbandes der Land­arbeiter gegeben worden und dieses Darlehen im Oktober oder November wieder zurück- gezahlt-worden sei. Seine Ueberzeugung sei auch heute noch, daß von einer Unterstützung des Fememörders Schultz keine Rede fein könne. Gr selbst habe von Schultz auch erst durch die Rettungen gehört. Auf weitere Fragen erklärte der Zeuge, daß von Zengen, soviel er wisse, dem linken Flügel der Deutschen Bolkspartei angehöre und daher für eine bewußte Unterstützung der Fememörder garnicht in Frage fönte. Jetzt stehe von Zengen in keinem Dienstverhältnis mehr zur Arbeitgebervereinigung.

Abg. Kuttner verliest eine Abschrift eines r Briefes vom 4. Januar 1926. Darin erklärt ' Herr von der Linde, Herr v. Zeugen habe ihm ,e gegenüber mehrfach zugegeben, daß er den in den Zeitungen genannten Zweck nicht gekannt habe. Es habe sich für ihn darum gehandelt, die Ge­werkschaften in die Hand zu bekommen.

Aus der weiteren Befragung ergibt sich, daß der Abg. Metzer annahm, die 5000 Mark kämen nicht von der Arbeitgebervereinigung, son­dern aus privaten Kreisen. Ueber die Herkunft 'der großen Zahlungen befragt, die aus das Konto des Abg. MetzerAusschuß für nationale Ausllärung" nach der Verhaftung des Schulz eingezahlt worden, und deren Absender im Gegen­satz zu anderen Zahlungen aus dem Konto nicht ersichtlich sind, erklärt der Zeuge Metzer, sie stammten aus Kreisen seiner Parteifreunde. Dors.: Hatten diese Zahlungen auch etwas mit der Unterstützung des Schulz zu tun? Zeuge Metzer:Zum Teil: Ja!" - Bors.:Würden Sie, Herr Zeuge, dem Ausschuß zur Klärung der vier größeren, bisher unbekannten Zahlungen Ihre Kasse überlassen?" Zeuge (ganz erregt): Das lehne ich entschieden ab!" Ueber die Der- wendung von Geldern zu politischen Zwecken brauche ich niemandem Rechenschaft zu geben!" Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 18. Febr. Der Finanzaus­schuß des Hessischen Landtags beriet heute Ka- pttec 10 (Landessteuer, indirekte Auflagen usw.). Es lagen hierzu eine Reche von Anträgen vor. Ein Antrag Felder (Ztr ), der aber auch von Abgeordneten aller anderen Parteien unter­zeichnet ist, wünscht von der Regierung, daß sie beim Reich für die Erhaltung der Unter­erheber st eklen eintritt. Der Antrag wurde der Regierung zur Berüchichtigung überwiesen. Ein Antrag Werner will eine Erhöhung der Stempel st euer für karnevalistische Bergnügungen. Der Antrag ist zwar für dieses Jahr überholt, er wurde jedoch der Regie­rung überwiesen mit dem Ersuchen, bei einer Ueberprüfung des Stempeltarifes auch die Ge­bühren bei Kinodarbietunaen zu er­höhen. Eine Dorstellung Reitzlein-Mainz wegen Erhebung der Hauszins steuern nach der Friedensmiete wurde der Regierung über­wiesen mit dem Ersuchen, die Regierung möge von der Sondersteuer für den bebauten Grund- heM^peitgehenden Gebrauch machen. Ein Antrag Dingelöetz, .die Sondersteuer nicht zu erhöhen, sondern für- Eigenheime, unbelastete oder gering belastet? Grundstücke zu ermäßigen, wurde durch $ie Regierungsvorlage über die Sondersteuer fM den bebauten Grundbesitz für erledigt erklärt/ Auch ein Antrag Dr. Niepoth über ' die Beitreibung rückständiger Steuern wur.ve für erledigt erklärt, da die Regierung entsprechende Maßnahmen getroffen hat. wenn eins Notlage des Steuerpflichtigen vorliegt. Ein 2Mrag Dr. Greiner, die Sonder- fteuer nicht ,U erhöhen und den staatlichen Sleueranteil d-äran in vollem Umfang für

Neubauten zu verwenden, wurde abgelehnt, weil reichsgesehliche Bestimmungen dem entgegen- stehen. Eine Dorstellung eines Offenbacher Hunde- besihervereins wegen Herabsetzung der Hundesteuer wurde von der Regierung ab» gelehnt und vom Ausschuß gegen zwei Stimmen für erledigt erklärt. Dagegen hat sich die Regie­rung bereit erklärt, einem Antrag Weckler, einer Neufassung des Hundesteuergesehes nachzukom­men. Ein Antrag Dr. Müller wünscht zur Der- anlagung der Einkommensteuer bei landwirt­schaftlichen utid gewerblichen Betrieben, daß die Regierung bei der Reichsregierung vorstellig wird, damit der Arbeitsverdienst der Haussöhne auch dann abzugsfähig ist, wenn diese einer Sozialversicherung nicht angehören. Der Antrag wurde gegen zwei Stimmen abge­lehnt. Eine Vorstellung der Dentisten wegen Befreiung von der Gewerbesteuer wurde für erledigt erklärt. Kleber das Kapitel selbst wurde noch nicht abgestimmt, aber Kapitel 62 (gewerb­liche und kaufmännische Schulen) wurde ange­nommen. Der Voranschlag der Landes­universität Gießen soll in der näch­sten Sitzung beraten werden. Eine Vorstellung Gansmann imd Gen., der sich auf die Tech­nische Hochschule in Darmstadt bezieht, wurde der Regierung als Material überwiesen. Ein Antrag Dr. Leuchtgens will, daß die Pro­fessoren der Technischen Hochschule, die nicht rein technische Fächer lehren, abgebaut werden. Der Antrag wurde gegen zwei Stimmen abgelehnt. Ein Antrag Widmann, den Assistenten für Turn- und Sportpflege zu streichen, wurde mit 7 gegen 4 Stimmen angenommen und hierauf das Ka­pitel gegen zwei Stimmen genehmigt. Dann wurde noch zu Kapitel 77 (Volksschulen) der Bericht erstattet und hierauf die Sitzung geschlossen.

Parlamentarisches aus Hessen.

Darmstadt, 18. Febr. Die Abg. Böhm (Dntl.) und Gen. haben nachstehenden Antrag im Landtag eingebracht: Die Regierung wird beauftragt, einen Gesetzentwurf vorzulegen, dem­zufolge: 1. von solchen Gewerbesteuerpflichtigen, die den Kleinhandel mit Waren verschiedener Gattung als Großbetrieb betätigen, die Waren, in offenen Verkaufsstellen feilhalten, oder im Wege des Versandes verkaufen. Warenhäuser. Basare, Versandgeschäfte, Abzahlungs- und Versteige- rungsgeschäfte mit einer besonderen Detriebs- steuer belegt werden.

2. Die Steuerpflicht beginnt bei einem Be­triebsvermögen von 150 000 Mark.

3. Die einzelnen Warengattungen werden festgelegt unter Ausschluß der Produkte der Landwirtschaft.

4. Es tt>irt> eine progressive Erhöhung der Steuer' nach der Zahl der geführten Waren, sowie nach der Zahl der beschäftigten Arbeit­nehmer festgelegi.

5. Gewerbetreibende, die Verkaufsstellen oder Lager, von denen die Waren zum Verkauf abge­geben werden, unterhalten, ohne daß sie an den betr. Orten ihren Wohnsitz oder Hauptbetriebs­sitz haben, sind zur Entrichtung einer Sondersteuer als Filialsteuer verpflichtet. Die Steuer wird zur Hälfte dem Lande überwiesen.

Der Dritte (P etitionsausschuß) des Landtags ist für Dienstag, den 23. d. M. vor­mittags 10 älhr einberufen. Auf der Tagesord­nung steht u. a. ein Antrag Dr. Werner, den Gipfel deS Hvherodskvpfes unter Denkmalschutz zu stellen.

Der Gesetzgebungsausfchuß des Land­tags erklärte in feiner letzten Sitzung zahlreiche Vor­stellungen, namentlich von Einzelpersonen, durch die erteilten Regierungsantworten für erledigt. Die Abstimmung über eine Vorstellung der Gemeinde Illnhausen bei Büdingen wegen des Fische- r e i r e ch t e s wurde zurückgestellt, da erst noch die Frage geklärt werden soll, ob jenes Recht, das den ehemaligen Standesherren zustand, als ein Privat­recht oder als ein öffentliches Recht anzusehen sei. Zu einem Antrag Dr. W e r n e r, der verhindern will, daß Verbrecher verbrecherische An­lagen weiter vererben können, wurde be­schlossen, die Regierung zu ersuchen, daß sie die An­gelegenheit prüft und evtl, dem Landtag hierüber eine Vorlage zugehen läßt.

Die Ratssitze.

Eine Rede Chamberlains über das Völkerbundsproblem.

London, 18. Febr. (WTB.) Bei dem von der Vereinigung der auswärtigen Presse zu Ehren Chamberlains gegebenen Frühstück hielt dieser eine Rede, in der er erklärte, die in Locarno begonnene Politik könne nicht in einem Monat ober einem Jahr oder selbst in ein paar Jahren durch­geführt werden. Sie müsse allmählich entwickelt und gesteigert werden durch langdauernde geduldige Bemühungen der beteiligten Nationen. Es gebe ein Problem, das die Sorge vieler Personen in diplo­matischen Kreisen sei, die Stellung des Völ­kerbundsrates.Glauben Sie nicht be­tonte Chamberlain, daß ich Ihnen eine Erklä­rung abgeben will, die ich noch nid)t im Unterhause abgegeben habe, und die ich tatsächlich im Unter­haus noch nicht geben kann, da die britische Re­gierung wie ich glaube sehr mit Recht noch keine endgültige Entschließung über diese Frage gefaßt hat.

Alles, was ich im Augenblick sogen kann, ist, daß man dieses Problem nicht im Lichte von Kriegsverhältnlssen betrachten bars und nicht fragen darf, wie wir eine besondere (Gruppie­rung von Mächten verewigen und die mutmaß­liche internationale Rivalität ausgleichen kön­nen. Wenn wir uns dem Problem aus diesem Wege nähern, dann gibt cs keine Lösung. Die einzige Frage, die " man sich zu stellen hat, ist, wie der Rot am besten die Eignung erhalten kann, die ungemein verantwortungsvollen Auf­gaben zu erledigen, die ihm jetzt obliegen, fer­ner, wie wir den Völkerbund und den Rat so organisieren können, daß er die Kraft hat, den Frieden zu bewahren, und daß seine Gutachten und Entscheidungen moralische Autorität haben.

Die Entscheidung des Völkerbundsrates wird in keiner Form beeinflußt ober gelenkt werden durch den Versuch, eine Partei innerhalb des Rates zu schaffen. Das wäre die völlige Verleug­nung alles dessen, wonach wir streben sollten. Sie wirb nicht diktier? werben durch irgendeinen Wunsch, eine Mehrhsir für diese ober jene Auffas­sung herzustellen. Die Entscheidung des Rates mit Stimmenmehrheit ist nach unserer Verfassung in nahezu jedem Falle, und ich glaube, ich kann ruhig sagen, in jedem wichtigen Falle, überhaupt keine Entscheidung, denn E i n st i m m i g k e i t ist erfor­

derlich. Aber es ist nicht die Aufgabe des Rates, auf Mehrheitsentscheidungen hinzuarbeiten. Seine Aufgabe ist es, Differenzen auszugleichen und den Boden für eine Einigung zu finden im Geiste der kcnnerabschaft. Die Delegierten werden im Rat zu­sammenkommen, nicht um eine gewaltsame Lösung burchzusetzen, fonbern um eine Lösung zu finben, bie von allen Beteiligten gern und frei akzeptiert wer­ben kann.

Kleine politische Nachrichten.

Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags ist auf Freitag vormittag 11 Uhr zu einer Sitzung einberufen worden. Auf der Tages­ordnung steht als einziger Punkt das Thema: Volkerbundratssihe.

Der Reichsmini st er des Aeußern Dr. Stresemann trifft am kommenden Sonn­tag von Bonn, wo er an der Bcfreiungsfeiev der dortigen Universität teilnimmt, zu einem eintägigen Aufenthalt in Frankfurt a. M. ein. Sein Besuch trägt rein privaten Charakter. Nachmittags wird er in einem engeren Kreise der Deutschen Volkspartei weilen und abends Gast des Klubs für Handel, Industrie und Wissenschaft sein. Oefsentliche Ansprachen wird der Minister nicht halten.

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In Dresden fand eine von Frau Iustiz- minister Dr. Dünger einberufene öffentliche Frauenversammlung statt, die den Zweck verfolgt, Mittel und Wege zum Dau von Woh­nungen zu finden und dem verhängnisvollen Wvhnungselend zu steuern. Nach eingehen­der Aussprache wurde die Gründung einer Frauenvereinigung beschlossen, die sich über das ganze Deutsche Reich erstrecken soll, unter der Bezeichnung Reichsgemeinschaft deutscher Frauen (Wohnungshilfe).

Als Nachfolger des abberufenen Grafen Bosdari soll der derzeittge italienische Ge­sandte in Buenos Aires, Graf Aldrovand- Marescotti di Diano zum Botschafter Italiens in Berlin ausersehen fein. Der neue Mann steht den Kreisen um Mussolini sehr nahe. Während des Krieges war er Kabinettschef Son» ninos, danach Gesandter in Sofia. An zustän­diger amtlicher Stelle war eine Bestätigung dieser Nachricht noch nicht zu erlangen.

Auf allen Bahnhofsgebäuden, Haltestellen und Wärterhäuschen der Bahnlinien in der Pro­vinz Denezia-Tridentina ist die Beifügung des deutschen zum italienischen Namen ab- geschafft worden.

Die Eisenbahnstrecke nach dem H e d s ch a s ist von Damaskus and in einer Länge von 7 Km. zerstört. Ein von Palä­stina kommender Zug ist entgleist, mehrere Wa­gen sind zertrümmert, drei Syrier wurden ge­tötet, eine Anzahl verletzt. Auch die Strecke Damastus-Rayak ist aufgerissen. Französische Ar- ttllerie hat Ansammlungen von Aufständischen östlich von Damaskus beschlossen.

Die türkische Kammer beschloß heute ein­stimmig die Einführung des Schweizer bürgerlichen Gesetzbuches in der Türkei, wodurch weltliche und geistliche Sa­ft itutionen im öffentlichen und sozialen Leben des türkischen Volkes getrennt werden. Die Polyga­mie tirirb verboten und jeder volljährigen Person steht es frei, sich zu der Religion zu betonten, der sie anzugehören wünscht.

Kunst und Wisfenschast.

Zurüügestellte Kündigung.

Wie in einer Assistentenversammlung mitge­teilt wurde, hat das badische Kultusministerium die vor einigen Tagen ergangene Kündig ung aller Assistenten an den badischen Hochschulen auf ein Vierteljahr zurück­gestellt. Die Kündigung war bekanntlich er­folgt. um eine Herabsetzung der Bezüge einzu­leiten.

Berufung.

Der bekannte Chemiker der Höchster Farbwerke Dr. Max Hessen 1 and hat einen Ruf als or­dentlicher Professor der chemischen Technologie und Warenkunbe an bie Handelshochschule in Königs­berg i. Pr. erhalten, chessenlond wird sein Amt mit Beginn des Sommersemesters antreten.

Aus aller Wett.

DieLawinenkataftropheinNordarnerika

Das Lawinenunglück in der Nähe von Ding Ham in ältha hat nach soeben eingetrof­fenen ausführlichen Derichten außerordentlich schwere Opfer gefordert. Disher sind 75 Tote geborgen worden. 50 Personen werden vermißt. 40 Häuser sind völlig zerstört, ebenso die weit- berühmte Mormonen- Kirche. Ein Vorort ist völlig verschwunden. Die Katastrophe kam so schnell, daß den Menschen keine eZit blieb, sich zu retten. Ein in der Nähe gelegenes Kupfer­bergwerk entsandte sofort sämtliche Arbeiter zur Hilfeleistung. Die Bergungsarbeiten fmb außer­ordentlich schwierig, da nach dem Niedergang der Lawine sofort an verschiedenen Stellen Feuer entstand. Die geborgenen Toten sind bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Die Ursache der Katastrophe wird auf das nach dem Schneefall der letzten Tage plötzlich ein set­zende Tauwetter und einen darausfolgen­den 24stündigen Schneefall zurückgeführt. Das Rote Kreuz hat in den umliegenden Ortschaften Hospitäler zur Aufnahme der Verletzten errichtet, ikberall spielen sich ergreifende Szenen ab.

Schweres Schachtunglück.

Hamborn, 19. Febr. (W. T. B. Funk- spruch.) Durch Zubruchgehen des mittleren Tei­les einer Strecke der Schachtanlage 2 bis 5 der Gewerkschaft Friedrich Thyssen, Hamborn, ver­unglückten gestern abend 3 Bergleute tödlich. Die ünfallftelle wurde sofort von der Direktion der Bergbehörde befahren, die Anordnungen zur Bergung der Verunglückten traf.

Eine entmenschte Mutter.

Nach einer Blättermeldung fand auf der Strecke F a l k e n a uG aßlih in Böhmen ein Bahnwärter einen etwa dreijährigen Knaben, der quer über den Schienen lag und an Händen und Füßen so gefesselt war, daß er sich nicht rühren konnte. Auf die Frage des Bahnwärters. wer ihn hierhingelegt hätte, ant­wortete das Kind: ..Meine Muiti. Aus die Frage, wohin sie gegangen sei, erwiderte das Kind:Sie ist Schokolade holen". In

der freudigen Erwartung, daß die Mutter bald mit der versprochenen Süßigkeit zurückkehre, war das Kind still liegen geblieben und wäre, wenn es von dem Bahnwärter nicht zufällig gefunden worden wäre, von einem Zuge zermalmt worden. Trotz eifriger Nachforschungen ist es bis jetzt noch nicht gelungen, die entmenschte Mutter zu ermitteln.

Derbrecherjagd in Thorn.

Im Hotel Adler in Thorn erschienen zwei junge Leute, wegen deren auffälligen Benehmens die Polizei benachrichtigt wurde. Bei dem Er­scheinen der Polizei töteten die beiden älnbe- kannten einen Polizisten und verwundeten zwei andere durch Revolverschüsse schwer. Darauf entflohen sie auf einem Wagen in der Richtung auf Dromberg, wobei sie weiterschossen und noch zwei Frauen verwundeten. Zu ihrer Verfolgung wurde Militär alar­miert. Trotzdem sollen sie entkommen sein.

Verhaftung eines Methylalkoholfabrikanten.

Nach Feststellung der Staatsanwaltschaft hat bie Firma Julius Bruchsaler, Fabrik chemisch-tech­nischer Probukte unb Chemikaliengroßhandlung in Offenburg, seit August v.I. größere Mengen Methylalkohol (Methanolalkohol) beschafft und dies gefährliche Gift als hochprozentigen neutralen Branntwein größtenteils an Branntweinbrennereien unb Händler in Mittelbaben weiterverkauft. Der Ge­nuß von Methylalkohol kann schwere Schüben, vor allem Erblinbung unb auch den Tob bes Menschen zur Folge haben. Der Inhaber der Firma würbe verhaftet.

Zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt.

Der Rechtskonsulent Hübner und die Witwe Minna Glaß waren vom Schwurgericht Landsberg wegen Vergiftung des Mannes der Frau Glaß zum Tode verurteilt worden. Sie find jetzt zu lebenslänglichem Zuchthaus be­gnadigt worden.

Wettervoraussage.

Bei westlicher Luftströmung Fortdauer des veränderlichen Wetters mit Strichregen, wenig veränderte Temperaturen.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 10,2 Grad Celsius, Minimum 0,9 Grad Celsius. Nie­derschläge: 12,4 Millimeter. Heutige Morgen- temperatur: 2,9 Grad Celsius.

Aus der Provmzialhauptstadt.

Gießen, den 19. Februar 1926.

Geheimrat Rudolf Stammler.

Heute, am 19. Februar, vollendet der bedeutende Rechtswissenschaftler Geh. Justizrat Prof. Dr. jur. et phil. Rudolf Stammler in Wernigerode, wo er im Ruhestand lebt, sein 7 0. Lebensjahr. Stammler, aus Alsfeld gebürtig, gehört einer sehr alten hessischen Familie an. Er studierte in Leipzig und Gießen (187477), und promovierte (77) an der hiesigen Landesuniversität, übrigens summa cum laude mit einer Dissertation über die strafrecht­liche Bedeutung des Notstandes. 187780 arbeitete Stammler im hessischen Staatsdienst, wurde dann Privatdozent in Leipzig, Extraordinarius in Mar­burg (82), Ordinarius in Gießen, wo er 8485 sein Lehramt ausübte. Von Gießen wandte sich Stammler nach Halle, von dort im Jahre 1915 nach Berlin, wo er übrigens auch jetzt noch, während der oommerfemefter, Vorlesungen abhält. Die philosophische Fakultät in Königsberg hat ihn zum Ehrendoktor promoviert. Stammlers Lebens­arbeit galt der Rechtswissenschaft, deren tiefsten, philosophischen Problemen er sich zuwandte, nach­dem er seine früheren Schriften vornehmlich der Methodik des juristischen Unterrichtes gewidmet hatte. Von seinen zahlreichen wissenschaftlichen Pu­blikationen tönen an dieser Stelle nur einige her- ausgegriffen werden, wie dieMethode der ge­schichtlichen Rechtstheorien" (88),Theorie der Rechtswissenschaft" (11),Wirtschaft und Recht nach der materialistischen Geschichtsauffassung" (3. A. 14), von neueren Arbeiten dasLehrbuch der Rechts­philosophie" (22) undDer Richter" (23). Der Dekan der hiesigen juristischen Fakultät, Prof. R o - s e n b e r g , hat sich nach Wernigerode begeben, um Geh. Rat Stammler die Glückwünsche der Fakultät zu überbringen. Auch ist, wie wir hören, soeben zu Ehren Stammlers eipe Festschrift über Rechts­philosophie erschienen, bie dem Jubilar überreicht werden soll.

Aus der evangelischen Kirchen­gemeinde Giehen.

Im abgelaufenen Jahre 192-5 fanden j» der evangelischen Kirchengemeinde Gießen 4 4 5 Tau - fen statt; sie verteilen sich wie folgt: Matthäusge- meinde 91, Markusgemeinde 73, Lukasgemeinde 157, Johannesgerneinde 124. Konfirmiert wurden 480 Kinder; aus der Matthöusgemeinde 116, Mar- fusgemeinbe 108, Lukasgemeinde 141, Johannesge- meinde 115. Getraut wurden 166 Paare; aus der Matthäusgemeinde 25, Markusgemeinde 33, Lukas­gemeinde 59,Iohannesgemeinde49. Kirchlich be­erdigt wurden 227 Gemeindeglieder; aus der Matthäusgemeinde 49, Markusgemeinde 44, Lukas­gemeinde 68, Iohannesgemeinde 66. Im ganzen wurden 256 Gottesdienste für Erwachsene und 109 Kinbergottesbienste veranstaltet. Die Zahl bcr Kirchenbesucher betrug in beiben .Kirchen am 1. Dftertag 3328, am 12. Sonntag nach Trin. 1591, am 3. Advent 1860. Viele Gottesdienste und Andachten fanden in den Anstalten und Kliniken statt. Am heiligen Abendmahl nahmen ins­gesamt 4471 Gemeindeglieder teil. Die einzelnen Gemeinden veranstalteten viele Familienabende mit Vorträgen, gesanglichen und musikalischen Darbie­tungen. Der Wartburgverein, der Bund für christ­liche Erziehung in 5)aus und Schule, sowie der evan­gelische Arbeiterverein veranstalteten ebenfalls Vor­träge, zum Teil mit Lichtbildern und Darbietungen anderer Art. Das wichtigste Ereignis im abgelau­fenen Jahre war die Feier des G u st a v - Adolf- Festes, die hier vom 20. bis 23. September unter großer Teilnahme stattfand. Don den aus­wärtigen Teilnehmern wurde allseitig anerkannt, daß die Feier mustergültig verlief. Dank gebührt den Familien, die Festqäste bei sich aufgenommen haben, den Ordnern des Festzuges, sowie' allen Gemeinde­gliedern, die sich an den Vorbereitungen für bas Fest beteiligt haben. Am 26. März wurde der für Ober- Hessen neu ernannte Superintendent, Oberkirchenrat Karl Wagner in der Stadtkirche in sein Amt ein- gcführt. Nach einem Zeitraum von 51 Jahren hat somit der Superintendent seinen Wohnsitz in Gie­ßen eingenommen. Im Bestand der S t a d t geist­lichen trat keine Aenderung ein, der Pfarrer der Anstalten Heinrich Adolph trat am 1. Juli in den Ruhestand, an seine Stelle trat Ernst Amandus M ü 11 e r , seither Dekan und Oberpfarrer in Lau­terbach. An freiwilligen Gaben für firchlidu?