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Ein russisch-afghanischer Bündnisvertrag.

Bon Karl Freiherr v. Hertmann.

Bor kurzem ist, wie ich aus sicherer Quelle erfahre, der afghanischen Delegation in Wien folgender vom russischen Kommissär für Afghanistan, Tscherwenyi, ausgearbeireter, von Tschitscherin genehmigter Bertragsent- wurf übergeben morden, der sogleich noch Kabul weitergeleitet wurde:

Zur Stärkung der bestehenden freund­schaftlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten beschließen die hohen vertragschlie­ßenden Teile durch ihre Vertreter, deren Voll­machten geprüft und in Ordnung befunden wurden:

1. Der Vertrag vom 28. Februar 1921, , dessen Fortbestand im Interesse beider Staa­ten gelegen ist und dessen Durchführung sich als segensreich für beide Teile erwiesen Hal, wird dahin erweitert, daß sich beide Staaten verpflichten, jeden über den Rahmen eines gewöhnlichen Staatsvertrages hinausgehen­den politischen Vertrag, den die eine Macht mit einer andern asiatischen Regierung abschließt, der andern Macht zur Kenntnis zu bringen. Dies gilt besonders für jeden Militärvertrag, dessen Abschluß dem andern Staate irgendwie nachteilig werden könnte.

2. Die beiden Staaten verpflichten sich, sich jeder fremden Eroberungspolitik gegen den einen der beiden Teile mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu widersetzen.

3. Rußland schenkt Afghanistan nach Raii- slzierung dieses Vertrages 10 000 Gewehre, 3 komplette Feldbalterien, 2 Flugzeuge und 1 Gasausrüstung.

4. Rußland gewährt Afghanistan eine finanzielle und eine materielle Anleihe, deren Höhe von beiden Teilen einvernehmlich fest­gesetzt wird.

5. Der zollfreie Durchgang der von Afgha­nistan kommenden und dorthin gehenden Waren wird neuerlich bestätigt.

6. Rußland stellt in Kabul, Kandahar und Balkh Instruktionsschulen für Militäranwär­ter auf. Dort werden auch Soldatenausbil­dungskurse abgehalten werden, die russische Instruktoren leiten. Letztere verpflichten sich, sich in keiner Weise in die inneren Angelegen­heiten des Landes einzumengen, und werden trachten, die Soldaten von jeder Politik fern­zuhalten.

7. Die afghanische Regierung wird trach­ten, in Kabul ein Zusammenarbeiten zwischen den russischen und türkischen Militärinstruk- turen in die Wege zu leiten. Der dortige Sol- datenausbildungskurs soll im Kontakt dieser beiden Faktoren geleitet werden."

Der Vorschlag ist mehr als interessant. Er enthüllt eines der großen außenpolitischen Ziele des roten Rußlands. Die Schaffung einer gegen alle in Asien interessierten euro­päischen Mächte, namentlich gegen England, , gerichteten panasiatischen Interessengemein­schaft.

Die russische Diplomatie har seit dem Vor­jahre auf asiatischem Boden unbestreitbare Erfolge aufzuweiscn. Die Mongolei, die an­fangs Juli 1925 die 4. Jahresfeier ihrerUn­abhängigkeit unter russischem Protektorate" feiern konnte, benannte bei dieser Gelegen­heit, bezeichnenderweise, ihre Hauptstadt Urga in Ulon-Bator (roter Recke"), ihr Heer in Rote Volksarmee" um. Die Beziehungen die­ser Armee zu dem chinesischen General Feng- ~ Iuj-Sjan, die militärische Arbeit Rußlands in Schanghai und Kanton, die Vorkehrungen an der Ostchinesischen Bahn sind gelegentlich der Wirren in China so deutlich und in Ruß­land so günstigerweise in Erscheinung ge­treten, daß es keines eingehenden Nachweises für die erfolgreiche Arbeit Rußlands in Ost- asien bedarf.

, Die Sowjets waren aber auch im west­lichen Asien nicht untätig. Ihre Beziehungen

Uraufführung in Darmstadt.

In Darmstadt hat sich vor einigen Monaten eine VereinigungJunge Bühne" gebildet, die in Verbindung mit dem Hessischen Landes­theater Uraufführungen von dramatischen Schöpfungen der Gegenwart veranstaltet. Die zweite Uraufführung diese- Unternehmens war das alsdrei Szenen" bezeichnete DramaLu- litania von Alfred Döblin. Dieser ist lite­rarisch bereits mehrfach hervorgetreten, aber man kann ihn, der 1878 geboten ist, wohl kaum noch dem jüngeren Geschlecht der deutschen Drama­tiker zurechnen. Die Uraufführung war ein Miß­erfolg auf der ganzen Linie, soweit es sich um den Verfasser des Werkes handelte: er gipfelte in einen förmlichen Theaterskaudal. Der Abend bewies, wie schnell expressionistische Dichtungen veralten und wie wenig sich ein Publikum jetzt noch in die Ideenwelt der Expressionisten ein­zufühlen vermag. DoblinsLusitania" stammt aus dem Jahre 1919 und knüpft feine symbolische Handlung an den 'Kamen deS von einem deut­schen Unterseeboot torpedierten Schiffes an. Aus dem Inhalt des Stücke- genügen nur die An­deutungen, daß der erste Akt die Fahrgäste deS Dampfers im Gespräch mit allerlei Meergeistern zeigt, der zweite auf dem Meeresgründe spielt und im dritten sich die Geister der Abgeschie­denen in einer Hafengasse bewegen. Was auf der Vühne gesprochen wurde, war so symbolisch, mystisch, dunkel und unverständlich, daß es dem Publikum wie ein wirres Gerede vorkam, das auf die Dauer Langweile erzeugte. Der Barne derLusitania" war wohl nur aus Sensation ge­wählt worden: stärkstes Mißfallen, namentlich bei der Jugend, erregten die Stellen, die sich gegen die deutsche Auffassung des Falles rich­teten. Bekanntlich ist dieLusitania" durchaus zu Recht torpediert worden, weil sie Munition Vord hatte. Im Landestheater tarn es im Ver­laufe der Vorstellung mehrfach zu sehr erregten Szenen, zu lebhaften Pfuirufen und zu einem förmlichen Konzert auf Trillerpfeifen. Diesem Mißerfolg der Dichtung standen auf der anderen

zu Kemal Pascha waren ja seit jeher bekannt. Immerhin erregte es im Dezember 1925 eini­ges Aufsehen, als der Abschluß eines intimen russisch-türkischen Abkommens bekannt mürbe. Der Wortlaut des am 17. Dezember 1925 in Paris von Tschitscherin und dem türkischen Außenminister Tewfik Ruschdi Pascha unter­fertigten Vertrages bleibt wohl hinter den Behauptungen der ersten Meldungen zurück, zeigt aber doch, daß die Leiter der russischen Außenpolitik mir allen diesen Abkommen den Ausschluß anderer Mächte aus asiatischen Kombinationen erreichen wollen. Der entschei­dende Artikel 2 lautet, wie nun feststeht:

Jede der vertragschließenden Parteien verpflichten sich, sich jeglichen Angriffs auf die andere Partei zu enthalten. Ebenso verpslich- len sich die vertragschließenden Parteien, sich keinem Bündnis oder siebereinkommen poli­tischen Charakters einer oder mehrerer Mächte anzuschließen, das gegen eine der Parteien gerichtet ist, und ebenso keinem Bündnis ober Uebereinkommen mit einer ober mehreren Brächten beizutreten, das gegen die militärische Sicherheit zu Lande oder zur See einer der vertragschließenden Parteien gerich­tet ist. Außerdem verpflichtet sich jede der ver­tragschließenden Parteien, keinen Anteil an irgendeinem feindlichen Akt einer dritten Macht zu nehmen, der gegen eine der Par­teien gerichtet sein sollte."

Zu bemerken ist, daß ein Annex den Be­griffpolitischen Charakters" auf Abkommen erstreckt, die finanzielle ober ökonomische Ab­machungen enthalten.

Es fragt sich nun, ob her Emir in die Reihe Rußland-Türkei zu treten willens ist, ob er also den ihm gemachten Vorschlag an- nehmen wird. Gewiße russische Einbrüche in Afghanistan lassen glauben, daß Moskau sei­ner Ueberredungskunst in gewohnter Weise den Druck zugesellt. Die Unterzeichnung des Vertrags bedeutete für den Emir die Aufgabe der bisherigen Schaukelpolitik zwischen Ruß­land und England-Indien.

Der Vertrag vom 28. Februar 1921, auf den der neue Vertragsentwurf Bezug nimmt, hatte (wie aus dem kürzlich im Verlage von Reimar Hobbing in Berlin erschienenen auf­schlußreichen WerkeMandava Baschi" zu ersehen ist) im wesentlichen nur die Anerken­nung der Unabhängigkeit des Emirs, eine jährliche russische Subvention von einer Mil­lion Goldrubel und die gegenseitige zollfreie Warendurchfuhr vereinbart.

Das afghanische Heer, das nach dem Ver- oertragsentwurf auch russischem Einfluß un­terworfen werden würde, hatte bisher lyaupt- sächlich Türken zu Instruktoren. Eine Kriegs­schule zur Heranbildung des Offiziersnach- Wuchses und eine Artillerieschule in Kabul stehen unter der Leitung des aus dem Kämp­fen um Enver Pascha bekannten Sami-Bei. Die Türkei als mohammedanische Macht steht zum Emirate seit langem in einem gewissen Freundschaftsverhältnis.

Da glso sowohl Rußland als auch Afgha­nistan herzliche Beziehungen zu Angora un­terhält, ist es nicht ausgeschlossen, daß der oben skizzierte Vertrag zwischen Rußland und dem Emirate mit Zustimmung und auf Für- spräche Kemal Paschas zustandekommt.

Die gegen Indien gerichtete diplomatische und militärische Umfassungsfront der Russen und ihrer Freunde wäre darnach unver­kennbar.

Wie es heißt, sollen mit allen asiatischen Staaten ähnliche Verträge abgeschlossen wer­den. Ein solches Vertragssystem bedeutete den ersten Schritt zur Verwirklichung des panasiatischen Gedankens, der der Ideologie der unter der Sowjetherrschaft und der unter englischem, französischem oder japanischem Drucke stehenden kontinentalen Völkerschaften Asiens in gleichem Maße entgegenkäme.

Seite hervorragend« Leistungen der Regie (Jak. Geis), der Bühnenausstattung (Arthur Pohl) und der Darsteller gegenüber. Schade nur. daß diese an sich wertvolle Arbeit an eine verlorene Sache verschweirdet wurde. E. B.

Frankfurter Theater.

Im Neuen Theater läßt Carl Sloboda das Publikum Zeuge einerW c 11 e" werden, die äußerst originell und amüsant ist. Die Sache ist folgende: Der Fabrikant Julian lebt mit seiner Frau Cella in bereits achtjähriger Ehe glücklich und zufrieden, augenblicklich hat er Besuch von seinem freund, dem Gerichtsrat Arnold und dessen Frau Polly (sie ist reichlich überspannt). Soweit wäre also alles in bester Ordnung, da erscheint plötzlich Abel, ein Schulkamerad der beiden Herren, auf der Bildfläche in dem kleinen Seebad. Dieser Abel ist in erster Linie ein Frauenverführer und Schwere­nöter. im Nebenberuf ist er auch noch Arzt, Seelen- arzt, wie er selbst jagt. Frau Polly ist ihm sofort verfallen, während sich Cella über seine Art. wie er von Frauen spricht, und seine Selbstsicherheit ärgert. Ja, er reizt sie so sehr, daß sie. um ihn zu be­schämen, eine Wette mit ihm eingebt, daß er sie innerhalb 24 Stunden nicht verführen könne, ob­wohl sie ihm Gelegenheit geben will, ihn abends in Abwesenheit ihres Mannes ganz allein zu emp­fangen. Der Gatte. Frau Polly und ihr Mann, missen alle um die Wette: ersterer lacht, der Ge­richtsrat ist empört, und Polly außer sich. Im ersten Akt wird die Wette abgeschlossen, im Zweiten ver­liert sie Frau Cella scheinbar, denn ihr Mann, eifersüchtig geworden, traut ihr nicht mehr, und im dritten Akt gewinnt Abel die Wette durch olle mög­lichen Raffinements, und die kleine, total verliebte Polly dazu. Jetzt hat er aber genug unb reift ib. nachdem er den beiden Männern versichert hat. das; mit ihren Frauen nichts anzufangen ift! Das Spiel ist vorzüglich kontrastlert, jeder Akt ift wirkungs- poU und bringt irgendeine überraschende Wendung, außerdem venteht Sloboda einen ausgezeichneten, flüssigen Dialog zu schreiben: man muß sich nur seines TerzettsAm Teetisch" erinnern. Hier ist es

Dommza Zizi.

Von unserem 8.-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Bukarest. 14. Januar 1926.

..Dommza Zizi" (Prinzessin Zizi), so nennt ganz Rumänien Frau Cacilia L o m b r i n o. Für das Volk ist sie die Frau mit dem tragischen Schick­sal und die Frau der großen Liebe des ebenso ge­schätzten C x k r o n p r i n z e n Karol. Diese schöne, geistreiche, aber so unendlich bescheidene, tlnehrgeizigc Frau ift in Deutschland nie richtig ge­wertet worden. Man hielt sie für eine Fxau nie­derer Herkunft und minderen Charakters, sagte, sie sei Tänzerin gewesen. Dabei stammt sie aus einer uralten Bosarenfamibe unb ist mit den letzten land­eingesessenen Fürsten, den Tschusas, direkt ver­wandt. Sie hat eine besonders gute Erziehung ge­nossen. dank ihren geistreichen Eltern. 3hr Vater mar General und Intimus des alten Königs Karol, die Mutter eine feinsinnige Frau mit großer Liebe für Deutschland, dem Lande ihrer Erziehung. Von Jugend aus am Hose lebend, später auch als Staatsdame der Königin, kannten Karol und Zizi sich, und das Haus Lamdrino wurde für bett Kron­prinzen ein zn>eites Elternhaus, zumal ihn auch mit dem Bruder der Zizi eine herzliche Freund­schaft verband. Früh lernte Karol Zizi lieben, aber diese wollte von Liebe bzw. Ehe nichts wissen, wohl ahnend, daß diese Verbindung viel Unglück bringen würde. Schließlich gab sie dem Drängen Karols nach und reifte mit ihm nach Odessa, dank der Hilfe eines Freundes des Kronprinzen, der gleich ihnen sich dort trauen ließ Das rumänische Recht kennt keine morganatische Ehe, und so mürbe Zizi Lambrino r cd) t mäßige Gattin des Prinzen u n b Kronprinzessin zu - gleich. Zurückgekehrt, wurde der Prinz mit Ar­rest bestraft wegen unerlaubten Verlassens des Heeres, sonst fand man sich jedoch ziemlich mit der vollendeten Tatsache ab. Der_ Prinz verzichtete auf den Thron, um allen Schwierigkeiten zu ent­gehen, doch man wollte davon nichts wissen, und der Verzicht wurde zurückgenommen. König Ferdinand verpflichtete sich damals schriftlich, nichts gegen diese Ehe zu unternehmen. Da die politische Gesamtlage sehr ungünstig war, fand sich die mehr als ehrgeizige Königin vorübergehend gleichfalls mit der Ehe ab, hoffend, daß diese Ver­bindung den wankenden Thron dem eigenen Volk gegenüber festigen könne. Kaum fd)lug bas Kriegs­glück um, da verlangte die Königin die Annul­lierung der Ehe. Es mußten einige Minister gcsttirzt werden, dis sich eine gefügige Regierung fand, welche dann wunschgemäß die Ehe kurzer­hand annullierte mit der Begründung, das Paria- ment sei vorher nicht um seine Zustimmung ge­fragt worden. Um die Ehe zu retten, bot der Kron­prinz erneut den Thronverzicht an, den man ebenso erneut ablehnte.

Was nun einsetzte, ist nur auf dem Balkan mög lich und kann wohl auch nur dort richtig verstanden werden. Man beschied Prinz Carol kurzerhand eines Tages auis Schloß, wo er festgehalten wurde. Nach Tagen erst erfuhr die unglückliche Frau, daß der Gatte nie mehr zu ihr zurückkehren würde, sondern, ohne sie noch einmal zu sehen, eine Weltreise a n t r e t e. Ohne Abschied ging dies Lebensglück zweier Menschen auseinander. Selbst bei der Ge­burt des Sohnes gestattete man dem Vater nicht, Frau und Kind, wenn auch nur ganz kurz, zu sehen. Einsam und verlassen muhte Zizi und ihre mitange- grifsene Familie jetzt alle Schikanen und Leiden über sich ergehen lassen, die man in reichem Maße anwandte, um die unglückliche Frau zur Schei­dung zu z w i n oe n. Furcht, nur zu begründete Fuscht für das Leben des Sohnes zwang Zizi schließlich zum Nachgeben. Karol heiratete nunmehr zwangsläufig die schöne Prin'zessin Helene von Griechenland, ließ aber nie seine erste Gattin im Unklaren, daß er auch weiterhin nur sie liebe, und bat sie mehrfad) um Geduld und Ver- trauen. Wer Domniza Zizi kennt, weiß, in wie hohem Maße sie Geduld und Vertrauen in diesen schwersten Zeiten bewiesen hat. Die Liebe zu Karol hatte etwas Heroisches: und was diese Frau tat und dachte, drehte sich schließlich nur umihren Mann", an den sie glaubte, wie an einen Gott, und dessen Rückkehr zu ihr für sie eine Selb Verständlichkeit war. Nun scheint sie am Ziel ihrer Freude zu sein, denn nach allen Meldungen, nicht zum wenigsten nach einem Ausspruch der Frau Lupescu (der Dame, die Carol nach Mailand begleitete) muß man annehmen, daß Karol sich seine Ju- genbliebe wieder als Gattin zurück- holen wird. Daß die beiden später vereint auf dem Thron Rumäniens sitzen werden, und der mim mehr sechsjährige Prinz Karol nicht Prin) Mi«

ein Quintett, welches in pointenreicher Komik zu- sammenklingt. Die Regie Dr. P s e i f f e r - B e l l i s führte die Aufführung zum vollen Erfolg. Georg L e n g b a ch hatte in der Figur des Dr. Abel wieder einmal eine jener ihm ganz besonders gut liegenden Rollen gefunden und in Olga L i m b u r g als Cella eine famose, ihn aufs glücklichste ergän­zende Partnerin. Ueber Lucie Englisch läßt sid; nach der Darstellung der Polly nod) kein abge- schlossenes Urteil abgeben. Voll trefffid)ercm Humor waren die beiden zuletzt doch betrogenen Ehe- männer, Alfred Scherzer und Gustav Rothe. Lo ward der Abend zu einem wirklich vergnüg­lichen, und dem Publikum merkte man die Freude, mal wieder ein gutes Lustspiel belachen zu können, am dankbaren Beifall an. L. W.

Verändert sich der Umfang der Sonne?

Der verstorbene Astronom Camille Flam- marivn hat einmal vom ..Pulsfchlag der Sonne" gesprochen und damit eine regelmäßige Zusammenziehung und Ausdehnung des Him» melsgestirnS bezeichnen wollen. Mit dieser Frage der Amfa.ngsveränderung der Sonne beschäftigt sich die Wissenschaft seit längerer Zeit, und es war der Berliner Gelehrte Auwecs, der solche Pulsfchläge" der Sonne ablehnte. Äunmehr abet kommt der römische Astronom G. Armellini, der Direktor der römischen Sternwarte, in einem Aufsatz derScientia" zu einem bejahenden Er­gebnis, und er stützt sich dabei auf methodische Beobachtungsreihen, die schon seit mehr als 50 Jahren von seinen Vorgängern Aespieghi und Di Legge und zuletzt von ihm selbst vocgenom- men worden sind. Cr hat zunächst nur Berech­nungen für die ersten 25 Jahre dieser Beob­achtungen, von 1873 bis 1898. angestelllt und glaubt daraus auf eine abwechselnde Aus­dehnung und Zusammenziehung der Massen der Sonne schließen zu können. Diese Urrttangsverän-' derungen find nicht bedeutend und mit bloßem Auge nicht zu erlernten, aber mit genauen In­

chael - Kronprinz wirb, ist für jeben Kenner dieser Verhältnisse eine Selbstverständlichkeit.

Oberheffen.

Landkreis Gieße«.

W i e s e ck. 18. Ian. Auf einem gut be­suchten Vortragsabend des hiesigen Zweig» Vereins des Evangelischen Bundes sprach im großen Saal von Schneider der Wanderredner des Bundes Pfarrer Haupt- Gießen über die Frage:Ist ein Leden nach dem Tode denkbar? ' Der Vortrag berücksichtigte bie neuesten Forschungen auf aktuellem Gebiet (Telepathie, Materialisation, Hellsehen usw.).D«n Grundsätzen des Bundes getreu operierte der Redner nicht mit Schlagwörtern, sondern ging der Sache auf den Grund. Dreijähriges Stu» dimn der Naturwissenschaft und reiche seelsorger» liche Erfahrung m Krieg und Frieden gab seinen Aussührungen em besonderes Gewicht. Mit atem» lo er Spanmmg nahm die Versammlung den Vortrag entgegen, der auf viele toic*etn Erlebnis toirftc. Der Redner äußerte sich noch über die Ziele des Bundes, worauf der Ortsgeistliche mit Sorten des Dankes die eindrucksvolle Verdamm» lung schloß.

Lollar. 18. Jan. Der Turnverein 3veranstaltete am gestrigen Sonntag sein diosiahriges Schüler- und Schülerinnen- turnen. Sehr erfreulich ift es, daß das Interesse unserer Einwohner an dem edlen Jugendturnen bedeutend gestiegen ist. was der sehr gui besetzte Saal am besten bewies. Die von den Schülerinnen und Schülern geturnten Geräteübungen sowie die vvrgeiührten Freiübungen und Reigen können als sehr zufriedenstellend betrachtet werden. Besondere Leistungen wurden bei dem an drei Geräten statt- gefundenen Wettkampf der Schülerinnen und Schü­ler erzielt. Zur Förderung des Schülerrurnens hatte der 1. Vorsitzende des Turnvereins Lollar, Bürger­meister Schmidt, für Schülerinnen- und Schü­lerabteilung je ein goldenes und silbernes Turner­kreuz gestiftet, die bei diesem Wettkampf zum Aus- trag gelangten. Das goldene Kreuz konnte Bürger­meister Schmidt den beiden 1. Siegern Elisabeth Seipp unb Waldemar Grote, das silberne M. Sorbet und Heinrich Klein überreichen. Zum Schlüsse ermahnte der 1. Vorsitzende die Sieger, nach der Schulentlassung nicht etwa dem Turnver­ein sernzubleiben, sondern mit erneutem Mut und Kraft weiter zu turnen unb ihre Kräfte ouszu- bilden. Denjenigen Schülern unb Schülerinnen, die nicht als Sieger aus dem Wettkampfe hervorgehen konnten, rief er ermunternde Worte zu und bat sie, um so fleißiger in Zukunft die Turnstunde zu bc» suchen, damit sie im nächsten Jahre das erreichen, was diesmal die vier Sieger erreicht haben. Hierauf sprach Rektor Saab dem 1. Vorsitzenden, Bürger­meister Schmidt, in schönen Morten feinen Dank für die von ihm zum Ansporn für bas Iugenbtur- nen gestifteten Turnerkreuze aus unb bradjie ben Wunsch zum Ausbruck, baß bas Jugenbturnen weiter blühen unb gebeihen möge.

_ * Lollar, 18. Jan. Am Samstag fanb im Saale ,^um «schwanen" ber biss fahrige Familien- abenb bes Veteranen- unb Kriegerver «ins statt. Die Vereinsleitung hatte es verftanber, durch Zusammenstellung einer würbigen Vortrags- folge, bestehenb aus Theateraufführungen, umrahmt von Gesangs- unb Gedichtoorträgen, ' guter Musik, den äußerst zahlreich erschienenen Zuhörern einige recht schöne Smnben .zu bereiten. Dem Verein würbe burch bie Anwesenheit des 1. Vorsitzenden der Kriegerkamerabschasl Hassia, Oberst "a. D. Schliephake, Darmstadt, eine besondere Ehre zuteil, der im Auftrage der Derbandsleitung dem Verein, der auf ein 82jähriges Bestehen zurück- blicken kann, mit einer begeisternden Ansprache, in der er auf die Ausgaben der Kriegervereine unb deren Berechtigung im heutigen Deutlchlanb hin wies, einen g o l b en en Fahnen nagel über­reichte, bie erste Auszeichnung dieser Art im hessi- schen Lanbeskriegervetband. Im Anichluß hieran gedachte Oberst Schliephake der durch ihre 25- jährige Zugehörigkeit zum Bereinsvorstanbe erwor­benen Verdienste zweier Kameraden Bürgermeister Heinrich S ch m i b t unb Lanbwirt Fried r. Schön, bie er burch die Verleihung der Verbandsehrenr täfel auszeichnete. Mit den Dankesworten verband der Vereinsoorsitzenbe bie Erinnerung an ben 18. Januar 1871, an bem vor nunmehr 55 Jahren bas Deutsche Reich gegründet wurde. Eine beson­dere Freude war es für den Verein, die zwei nod) lebenden und anwesenden Altveteranen, bie Kame­raben Friebrid) H e i b e r t s h a u s e n unb Christ.

i e h l, bem Landesverbanbsvorsitzenben vor- stellen zu können.

ftrumenten kann man die Erscheinung feststellen und messen, und man findet, daß der RadiuS der Sonne zwischen 950*70 und 961**76 vari­iert, während der Durchschnittswert von AuwerS auf 961**18 berechnet worden ist. Man fantl in dem Zeitraum der bearbeiteten 25 Jahrs Zwei Höchstwerte und zwei Mindestwerte fest­stellen. Die Höchstwerte liegen in den Jahren 1878 und 1891, die Mindestwerte in den Jahren 1886 und 1897. Der Zwischenraum zwischen ben größten älmfangswerten der Sonne in dieser Zeit beträgt 13 Jahre, der zwischen den ge­gen ngfl en 11 Jahre. Natürlich wird man diese ..Pulsschfäge" mit den periodischen Veränderun­gen der (Donnenfleden zusammenstellen. Die Min- desizcchlen für die Somrenflecken liegen in den Jahren 1878 unb 1889, die Höchstzahlen 1884 und 1903. Hier ist also eine Periode von 11 Jahren anzunehmen. Danach besieht zwischen den Pe­rioden in der Veränderung deS Sonnendurchmes- scrs und ber Zahl der Sonnenflecken leine ab­solute Gleichheit. Im allgemeinen iann man lagen, daß die Sonne größer ist, nxrni sie weniger Flecken hat und Heiner; wenn sie mehr Flecken austveist: aber es stellt sich zwischen ben beiden Erscheinungen eine gewisse Verzögerung heraus. Das Maximum der Sonnenflecken liegt Zwei bis drei Jahre vor dem Minimum des Sonnenumfangs: das Minimum ber Flecken stellt sich ein wenig vor dem Maximum des Sonnen- umfangs ein. Vach Armellini ist diese Verzöge­rung leicht zu erflären, denn es bedarf einer gewissen Zeit, bevor sich der Einfluß der einen Erscheinung auf die andere bemerkbar machen lann. Ein Luftballon schrumpft sehr schnell zu­sammen, aber bei der Sonne braucht eine solche Schrumpferscheinung infolge der DichtiOeit ihrer Massen Zeit. Armellini hofft, durch die Be­rechnung der Beobachtungen der letzten 25 Jahre diese Folgerungen zu beflätigen. Jedenfalls ist die frühere Anschauung von derUnverwüstlich- kett der Himmelsgestirne" ftatf erschüttert, und man bemerkt an ihnen mehr und mehr Berände- rungen