in btn Städten. Hessen bildet ein einheitliches Wirtschaftsgebiet mit durchaus gleichartig gelagerten Lebensbedingungen, im Gegensatz zu anderen deutschen Gebieten. Deshalb ist eine Differenzierung in Ortsklassen eine große Llngerechtig- keit und bedeutet eine durch nichts gerechtfertigte Verschlechterung der Lebenshaltung der in Frage kommenden Devölkerungsteile.
Dem Landtag ist eine Regierungsvorlage zugegangen, in der für den Ausbau «ineS medizinisch-wissenschaftlichen
Institut - in Dad-Aauheim der Betrag von 371 000 Mark gefordert wird. Fern« ist dem Landtag eine Regierungsvorlage zugegangen. wonach bis zur Zustellung der Steuerbescheide über die auf Grund eines besonderen Gesetzes erfolgende endgültige Gewerbesteuerveranlagung die Gemeinden und Gemeinde- Verbünde berechtigt sind, für das Jahr 1926 ihre Gewerbesteuer auf Grund der für das Jahr 1925 fest gestellten Besteuerung-grnndlagen vorläufig zu erheben.
Aus der Praxis der Aufwertungssteüe.
Bon Amtsgerichtsrat Jockel,
Es wird für manchen, der eine Hypothek bei der Aufwertungsstelle zur Aufwertung ongemeldet hat, von Interesse sein, etwas über den weiteren Verlauf des Aufwertungsverfahrens zu erfahren und wie er sich nun selbst zu verhalten hat.
Ich gehe aus von dem häufigsten Falle: an- oemeldet ist die Aufwertung einer zurückbezahlten Hypotheksorderung. Nachdem die Aufwertungsstelle dem Schuldner eine - Abschrift der Anmeldung hat zustellen lassen, beginnt eine Frist von 3 Monaten, innerhalb deren der Schuldner Einspruch bei der Aufwertungsstelle erheben kann, und zwar entweder, indem er den Grund der angemeldeten Forderung oder deren Höhe bestreitet. Eine Bestreitung des Grundes liegt z. B. dann vor, wenn bei einer vor dem 15. Juni 1922 erfolgten Zahlung der Schuldner bestreitet, daß bei Annahme der Leistung ein Vorbehalt in Betracht komme. Erfolgt eine Einspruchserhebung, so erhält der Gläubiger hiervon eine Abschrift und hierdurch die Gelegenheit, die Einwendungen des Schuldners zu widerlegen. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle wird der Schuldner die dreimonatige Frist verstreichen lassen, ohne Einspruch einzulegen. Nach Ablauf der Frist, ohne daß Einspruch eingelegt worden ist. bekommt der Gläubiger hiervon Nachricht und kann nun bei dem Grundbuchamt die Berichtigung des Grundbuchs beantragen. In vielen Fällen sendet aber der Schuldner vor Fristablauf das ihm mit der Anmeldung übermittelte Formular unter Anerkennung des angemeldeten Anspruchs an die'Auswertungsstelle zurück, und diese gibt es an das Grundbuchamt zur Wahrung im Grundbuch weiter. Hat der Schuldner den Anspruch anerkannt, so wird dem Gläubiger hiervon Nachricht gegeben. Ebenso erhält er Kenntnis, sobald die Eintragung im Grundbuche geschehen ist.
Wird bei der Einspruchslegung das Bestehen der Hypothekforderung bestritten, so hat, falls nicht die Zuständigkeit der Aufwertungs- stelle von den Parteien vereinbart wird, das Prozeßgericht zu entscheiden, und das Aufwertungsverfahren wird während des Prozeßverfahrens ausgesetzt. Richtet sich der Einspruch gegen b i e Höhe der begehrten Aufwertung, also namentlid) bann, wenn, wie bei Kausgeld- (Rest-) Forderungen, der Gläubiger eine den Normalbetrag von 25 Prozent übersteigende Aufwertung der persönlichen Forderung begehrt hat, so hat die Auf- wettungsstelle die Höhe festzusehen. Bekanntlich können Kaufgeldforderungen,
1. die vor dem 1. Januar 1909 begründet worden sind, nur zu 25 Prozent,
1. solche aus der Zeit vom 1. Januar 1909 bis 1. Januar 1912 bis zu 75 Prozent,
3. aus der Zeit vom 1. Januar 1912 bis 1. Januar 1922 bis zu 100 Prozent,
4. die nach dem 31. Dezember 1921 entstanden sind, unbegrenzt
aufgewertet werden.
Wenn der Schuldner die vom Gläubiger begehrte Aufwertung in der von ihm verlangten Höhe nicht anerkennt, sondern durch Einspruch die Festsetzung seitens der Aufwertungsstelle erforderlich wird, so wird die Aufwertungsstelle vor eine Aufgabe gestellt, von deren Schwierigkeit sich die meisten Gläubiger keine Vorstellung machen unb machen ! können, indem sie auf eine baldige Entscheidung , drängen. Zunächst muß dem Schuldner Gelegenheit gegeben werden, seinen Standpunkt zu rechtfertigen, wenn er sich gegen eine Aufwertung auf den an stch gesetzlich zugelassenen Höchstsatz von 75 oder 100 Prozent oder auch einen niedrigeren Sah verwahrt.
S?—II—1iw Der Gefangene
Friedrichs des Grohen.
Das 18. Jahrhundert, war die Blütezeit der großen Abenteurer. Unter diesen interessanten Gestalten, die. wie z. B. Cagliostro und Casanova Weltruhm erlangten, ist bie eigenartigste und auch heute noch rätselvollste der Freiherr Friedrich Wilhelm von der Trenck, der als der „Gefangene Friedrichs tes Großen" in der Geschichte fortlebt. Trenck unterscheidet sich von den italienischen und französischen Glücks- rittern durch die gewiß zum Teil unverschuldete Tragik seines Schicksals, durch die Schwere seines ostpreußischen Temperaments, durch einen lehrhaften und moralischen Zug, und man weih über» -stäupt nicht genau, inwieweit er Betrüger war oder Betrogener, da eine unselige Verwicklung !??^e und verworrene Verhältnisse seinen Lebenslauf bestimmten. Abenteurerlust. Leichtsinn, Streitsucht und Citelleit sind wohl die Haupteigenschaften. die den eleganten Gardeoffizier und Günstling des großen Königs in furchtbares Elend stürzten und zu einem „Mär- threr" machten. „Beim Element, was könnt' ich letzt für ein Kerl sein!" ruft er selbst einmal in seiner Lebens-(schichte aus. „Aber die verdammten Geniestreiche... Wenn ich so überdenke, was ich tn meinem Leben alles gewesen bin: Liebling des einzigen Königs, Soldat dreier Monarchen, jetzt von allen Freunden umdrängt, bann nu»- der düstere Freund einer philosophischen Spinne, heute von Fürsten gesucht, morgen mit Geschenken überhäuft, daß ich nur wieder gehen möchte, jetzt ein glücklicher Landwirt, dann ein Schriftsteller, bald Wahrheitsfreund, bald Lügner und selten Liebhaber der Gerechtigkeit — in jeder Lage ein so kauderwolschig Quodlibet, daß ich oft selbst nicht weih, ob ich mich lieben oder verabscheuen, entschuldig n oder strafen soll." Das größte, traurigste und ungeklärteste Ereignis in Trencks Leben wir seine Verhaftung, die ihn von der Sonnenhöhe königlicher Gunst in tiefste 2lacht stürzte und Friedrich als grausamen Despoten erscheinen ließ Man hat früher stets geglaubt, daß die ai herordentliche Strenge mit der gegen Trenck verfahren ward., auf ein Liebesverhältnis ßurüJ’ufübten ist, das er mit der reizenden Prinzessin Amalie, einer Schwester Friedrichs des Großen, unterhielt. Aber in neuester Zeit haben so hervorragende Kenner der
Aufwertungsrichter in Gießen.
Ich will im Nachstehenden an zwei ganz einfach gelagerten Fällen nachweisen, baß der Aufwertungsrichter sich von jeder schematischen Behandlung fernhalten und jeden Fall individuell behandeln muß.
1. Es hat jemand im Jahre 1909 ein Haus zu dem damals angemessenen Preise von 50 000 Ml. verkauft; 25 000 Mark wurden angezahlt, der Rest in Höhe von 25 000 Mark durch Hypothekeintrag gesichert. Der Vertäufer verlangt die hochstzulässige Aufwertung auf hier 75 Prozent, also auf 18 775 Goldmark. Das Naus hot heute einen Verkaufswert von 30 000 Reichsmark. Es bedarf hier wohl keiner Erläuterung, weshalb der Verkäufer sich mit einer niedrigeren als 75prozentigen Aufwertung begnügen muß.
2. Am 5. April 1920 wurde ein Kaufvertrag über ein Haus abgeschlossen, dessen Friedenswert 50 000 Mark war; als Kaufpreis wurde unter beiderseitiger Verkennung der bereits hochgradigen Geldentwertung ein Betrag von 200 000 Papier- mark vereinbart. Die Hälfte mit 100 000 Papier- mark wurde alsbald bezahlt, für den Restkaufpreis von 100 000 Papiermark wurde eine Hypothek eingetragen, deren Aufwertung der Gläubiger auf 100 Prozent begehrt. Der heutige Derkaufswert des Hauses beträgt 30 000 Mark. Nach dem für den 5. April 1920 maßgebenden Goldmarkumrechnungssatz (100 Mark = 7 Goldmark) hatte die hypothekarisch gesicherte Restkaufgeldforderung einen Goldwert von 7000 Goldmark. Hier wird jedermann einsehen, daß eine Aufwertung auf 100 Prozent — mehr kann der Gläubiger gesetzlich nicht verlangen — angemessen ist.
Es handelt sich hier um zwei typische, aber relativ einfach liegende Fälle, wie sie nur selten vorkommen werden. Meist liegen noch Komplikationen vor, die eine Lösung der an sich schon bestehenden Schwierigkeiten außerordentlich erschweren. Zu berücksichtigen ist, wie sich aus den gewählten Beispielen ergibt, der gegenwärtige Grundstückswert, der ursprüngliche Goldmarkwert ober die ursprüngliche Kaufkraft des vereinbarten Preises. Die Aufgabe der Aufwertungsstelle ist es, die mit dem Währungsverfall entwertete Kaufpreisforderung den jetzt maßgebenden Wertverhältnissen anzupassen. Es ist daher regelmäßig von dem Vertragspreise auszugehen und zu ermitteln, welcher Goldbetrag jetzt dem inneren Wert des Kaufpreises zur Zeit feiner Vereinbarung ober seiner damaligen Kaufkraft entspricht. Liegt der vereinbarte Kaufpreis über dem angemessenen Wert, so muß dies dem Verkäufer bei der Auswertung zugute kommen; andererseits ist die Aufwertung nicht dazu bestimmt, einen ju billigen ober für den Verkäufer unvorteilhaften Verkauf für ihn nachträglich günstiger zu gestalten. Bei ber Ermittlung des bem Kaufpreise entsprechenden Gölte betrags ist eine Umwertung lediglich nach dem Dollarstand oder nach der Reichsrichtzahl nicht zulässig, weil die Kaufkraft ber Mark auf dem Grund- stücksmarkt erheblich größer war. Ausgangspunkt für die Aufwertung muß regelmäßig die Kaufkraft des Goldwertes des Kaufpreises zur Zeit feiner Festsetzung, nicht aber zur Zeit feiner Zahlung fein. Jedoch ist mich sie nicht allein maßgebend, vielmehr sind bei ber Aufwertung alle Umftänbe bes Einzelfalles zu berücksichtigen, unb es ist em gerechter unb billiger Ausgleich zwischen den Interessen der beiden Parteien zu suchen, wobei es zulässig ist. die weitere Entwicklung der Verhältnisie auf bem Grundstücks- markt in Betracht zu ziehen unb bernnach auch den gegenwärtigen gesunkenen ober gestiegenen Grunbstückswerten gebührenb Rechnung zu tragen; keineswegs barf aber ber gegenwärtige Grunb- stückswert ausschließlich zugrunde gelegt werden, friederizicmischen Zeit, wie Koser und Volz, diese ganz romantische Liebesge chichte ins Reich der Fabel verwiesen. Das Gerücht taucht erst sehr spät auf und wurde hauptsächlich von Trenck selbst in seiner „Lebens beschichte" durch geheimnisvolle Andeutungen genährt. Wohl mag sich die Prinzessin für den schneidigen Leutnant interessiert haben; sie scheint ihm auch in seiner Aot ihre Hilfe und Protektion zugewandt zu haben. Aber alles, was von diesem leidenschaftlich n Herzensroman und von dem rührenden Wiedersehen des greisen Paares nach 40 Fahren gefabelt wird, steht auf sehr schwachen Füßen.
Viel wahr'cheinlicher ist es, daß Friedrich den jungen Offizier einer Hochverräter i.chen Verbindung mit seinem Vetter, dem berüchtigten Pandurenführer der Kaiserin Maria Theresia, Franz von der Trenck, für überführt hielt. Jedenfalls hatte er sich in einen leichtsinnigen Briefwechsel mit dem feindlichen Heerführer eingelassen, und so erschien eine derbe Lektion, die ihn auf die Festung Glatz verbannte, durchaus nicht ungerecht. Daß er dann aus Glatz floh und in österreichische Dienste trat, also den Verdacht gleichsam bestätigte, hat Trenck später selbst für den größten Fehler seines Lebens erklärt. Friedrich muhte ihn für einen Hochverräter ansehen, und es war ganz natürlich, daß man ihn. als man in Danzig seiner habhaft wurde, verhasste. Dann aber ist er zehn Jahre lang in Magdeburg unter den grausamsten Verhältnissen eingckerkert gewesen, in einem entzen Loch, mit einem Halseisen an die Wand geschmiedet und mit schweren Ketten belastet. Auch in Magdeburg versuchte er sich mit erstaunlicher Energie zu befreien, durchfeilte seine Ketten, grub unterirdische Gänge in den Boden seines Kerkers und mußte dadurch seine Wachter zu noch schärferen Mitteln anspornen. Auf Fürsprache Maria Theresias wurde der ..Gefangene von Magdeburg" nach dem Siebenjährigen Kriege freigelassen und entfaltete nun eine große literarische Geschäftigkeit, indem er in Zeitschriften und Büchern als Opfer der Despotie auftrat, für Freiheit und Menschenrechte kämpfte. Er heiratete in Aachen die Tochter des Bürger- me.sters und ließ im Todesjahre Friedrichs des Großen den ersten Band seines bekannteste» Werkes erscheinen, der „Merkwürdigen Lebensgeschichte", die er „als ein Lehrbuch für Menschen, die wirklich unglücklich sind oder noch
Wenn ein Teil des Kaufpreises getilgt ist, ist dem Verkäufer von bem nach bem gesamten Kaufpreise zu berechnenben Aufwertungsbetrag berjenige Bruchteil zuzusprechen, ber bem Verhältnisse bes Restkaufgelbes zu bem Gesamtpreise entspricht. Der gegenwärtige Grunbstückswert kann als Aufwertungsfaktor höchstens nach bem Verhältnis in Frage kommen, bas sich bei einer Vergleichung bes zu er- mittelnben Golbwertes des vereinbarten Preises zu bem wahren Wert bes Grunbstücks im Zeitpunkt bes Vertragsschlusses ergibt, nicht aber kann als Auswertungsbetrag ber Bruchteil bes gegenwärtigen Grunbstückswertes gelten, ber bem Verhältnis bes Betrages des Restkaufgelbes zu bem Betrage bes Gesamtkaufpreises entspricht, weil ber Grunbstückswert zur Zeit bes Vertragsschlusfes nicht ohne weiteres bem vereinbarten Kaufpreise gleichgestellt werben kann.
Diese von ben höchsten Gerichten, inshefonbere bem Reichsgerichte aufgestellten Grunbsätze zeigen, rote viele Momente ber Aufwertungsrichter bei seiner Entscheibung zu berücksichtigen hat, unb baß bieje nicht alle meiner Verhanblung mit ben Parteien festgestellt werben können, sonbern baß schon vor bem Verhonblungstermin, ber übrigens nur bann stattzufinben braucht, wenn nicht eine gütliche j Erlebigung ausgeschlossen erscheint, bie Parteien Ge» I legenheit erhalten müssen, sich über alle für bie bem- j nächstige Entscheibung wesentlichen Punkte zu unterrichten unb zu äußern. Nur so wirb eine Entschei- I bung gefällt werben können, bie alle berechtigten Ansprüche ober Einwenbungen einer Würbigung unterzieht unb zu einer Lösung gelangt, bie von beiden Teilen als zutreffend anerkannt wirb.
Lehrer-proteftk»ndgebung in Darmstadt.
WSA. Darmstadt, 17. Marz. Heute nachmittag fand in der Turnhalle am Woogs- Platz eine überaus stark besuchte, von sämtlichen hessischen Lehrer - und Lehrerinnenorganisationen ohne Unterschied der Konfession und Richtung enü>erufene Protestversammlung statt, die in entschiedener Weise gegen den beabsichtigten Abbau von Volks schullehrern Stellung nahm. Aach Referaten des Landtagsabgeordneten Reibe r - Darmstadt, Rektor Winkel-Mainz, Frl. Schlick- Darmstadt und Schulverwalter Melchior wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der schärfster Ginspruch gegen die Ansicht eingelegt wurde, die Volksschule in besonderem Maße zur Beseitigung des Fehlbetrags im Staatshaushalt heranzuziehen. Dieser Abbau bedeute zugleich Heraufsetzung der Klassenstärke unb damit Verminderung der Lei- stungssähigkeit von Lehrern und Schülern, Erschwerung der unterrichtlichen und erziehlichen Tätigkeit, Gefährdung der Jugend in gesundheitlicher Hinsicht, vor allem aber eine soziale Härte gegen Tausende von bedrängten Junglehrern, denen jede Existenzmöglichkeit geraubt werde. Zugleich sei das finanzielle Ergebnis dieser Sparmaßnahme für den hessischen Staat gleich Aull. An Regierung und Landtag wird schließlich das Ersuchen gerichtet, diesem Eingriss in das Schulwesen die Zustimmung zu versagen.
Eine Erklärung.
Landiagsabgeorbneter D i n g e k d e h - Darmstadt übergibt der Presse die nachstehende Gr- Härung;
»Zu der gestrigen Protestversammlung der hessischen Volksschullehrer und -lehrerinnen in Darmstadt waren die Fraktionen des hessischen Landtags als G ä st e geladen. Vorherige Rückfragen bei dem Herrn Vorsitzenden des Landeslehrervereins führten zu dem Ergebnis, daß eine Wortmeldung der ersch enenen Abgeordneten in der Aussprache nicht vorgesehen sei. Gleichwohl haben außer den linksstehenden Fraktionen des Landtags auch die Fraktionen des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, des Bauernbundes und der Deutschnat'.onalen Partei geglaubt, ihpe Hochachtung vor der Schule des Volkes und den Erziehern durch zahlreiches Erscheinen bekunden zu sollen. Zu ihrem lebhaften Bedauern mußten sie erleben, daß die ungebildetsten und lärmendsten Schimpfworte und Zurufe namentlich von den zahlreichen jugendlichen Besuchern der Versamm-
guter Vorbilder zur Aachfolge bedürfen", auf- gefaßt wissen wollte. Dies Buch hatte einen großen Erfolg, erschien in über einem Dutzend Auflagen, wurde direkt zum Dollsbuch und mochte Trenck zu einer in ganz Europa bekannten Persönlichkeit. Das Werk, das auch heute noch in Neudrucken verbreitet ist und dies abenteuerliche Lebensschickfal spannend erzählt, wimmelt von falschen Angaben und von abstrusen Ideen, denn Trenck hielt sich für einen großen Staatsmann und Weltverbesserer und verdächtigte alle, die auf seine phantastischen Pläne nicht eingegangen waren. Es ist aber doch ein nicht unwichtiges Zeitdokument, das die Sitten und Zustände in der Zeit Friedrichs des Großen und Maria Theresias lebendig schildert. Aach vielen Irrfahrten, während deren er in eine älnzahl Prozesse und dunkle Machenschaften verstrickt war, kam Trenck schließlich noch Frankreich, wo man ihn zunächst als ein Opfer der Fürstenwillkür begeistert aufnahm. Durch eine tragische Ironie des Geschicks fiel er aber, der stets für die Ideen der französischen Revolution eingetreten war, als eines der letzten Opfer der Schreckensherrschaft auf der Guillotine. 3n diesem dramatischen Abschluß seines Abenteuererlebens zeigte er sich noch als Held und Edelmann, so daß von seinem Ende ein verllärender Schimmer auf sein Dasein fällt.
Samuel Heinzerlings Sohn.
Der Aufsatz in Ar. 21 der „Gießener Familienblätter" vom 13. März 1926 bedarf einiger Berichtigungen, bzw. Ergänzungen. Es dreht sich um einen Mann, der heute noch lebt (was und leider unbekannt war. D. Red.) und um einen Lehrer, dem sehr viele Schüler zu bleibendem Danke verpflichtet sind, kurz einen Mann, dessen Charakter keinen Makel aufweist, und zu dem alle, die ihn kennen, voller Hochachtung emporblicken.
Die Geschichte von dem Heimweg des „Ar- minius Heinzerling" von Büches nach Büdingen, wo „Arminius". offenbar alkoholberauscht, über seinen eigenen Schatten wie über gefährliche Gräben gesprungen ist, ist ganz nett, aber nur leider frei erfunden, weil sie unter den „Klassikern" Büdingens unb auch sonst um lief, ehe „Arminius Heinzerling" Büdingens schlimmes Pflaster betreten hat. Auch ist es nicht richtig,
lung dauernd gegen die erschienenen Abgeordneten gerichtet wurden, und daß die D e r s a m m- lungsleitu ng trotz der ständigen Wiederholung und Steigerung dieser für die Volksschule unb ihre Sache beschämenden Zwischenfälle nicht das geringste tat, um den geladenen, als G ä st e anwesenden Parlamentariern den nach Anstand und Herkommen erforderlichen Schutz zu gewähren. Es haben deshalb nach dem Referat des Rektors Winter unter betäubendem Geheul, Johlen und Pfeifen der Versammlung die Abgeordneten Frau Härreus, Frau Hctttemer, Frau Birnbaum, Hein- stadt, Dr. Leuchtgens, Dr. Müller, Wolf, Hauck, Dr. Keller, Dr. Aiepoth, Schott und der Unterzeichnete die Versammlung verlassen. Ich darf wohl feststellen, daß die Eindrücke dieser Versammlung ein tief beschämendes Zeugnis gegen die menschliche Würde der hessischen Volksschullehrer war. Sollte der Hessische Landtag unter solchen Eindrücken seine Entschlüsse über die Zukunft der hessischen Vollsschule fassen müssen, so würde es leider schlimm um dies' Zukunft bestellt-fein.
Dingeldeh, " Rechtsanwalt, Mitglied des Landtags."
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
* Leihgestern, 17. März. Hervorragende Erfolge konnte unser Turnverein „Frisch- Auf“ von den am Sonntag abgehaltenen Ge- raterneisterschaftSkämpsendesTurn- gaues Wetterau nach Hause bringen. Errangen doch drei Turner des Vereins die Meisterschaft, und zwar: am Pferd Wilhelm Dietz, am Reck Wilhelm Häuher, am Darren Heinrich Volk. Weiter errang der Turner Wilhelm Schmidt den zweiten Preis am Pferd. Volk ist nun zum zweitenmal Gaumeister am Darren.
Dg. Großen-Buseck, 17.März. Im Saale des Gastwirts Wagner hielt die Liga zum Schutze ber deutschen Kultur ihren britten Vortrag. Webner war Herr Grothe (Gießen). An Hcmb von prächtigen Lichtbildern verstanb er es vortrefflich, bie Zuhörerschaft in bie wirtschaftlichen unb kulturellen Verhältnisie bes märchenhaft am mutenben Lanbes Siam einzuführen, wo er 20 Jahre lang als Hofphotograph des damaligen Königs tätig war.
: Deuern, 17. März. Am Dienstagabend hielt Missionar Laut von der Baseler Missionsgesellschaft im hiesigen Gotteshause einen Vortrag über Land und Leute in China. Recht schöne Lichtbilder ergänzten die Ausführungen des Redners. — Die Zahl der Erwerbslosen ist auf 47 gesunken und wird im Laufe dieser Woche noch weiter heruntergehen.
t Grünberg, 17. März. Der für den 25. März vorgesehene Viehmarkt fällt aus wegen der in der Umgegend herrschenden Maul- und Klauenseuche. — Voraussichtlich wird am nächsten Samstag nachmittag die schon seit langem geplante Steuer-Protest-Der- fammlung in der Turnhalle dahier stattfinden. — In Stockhausen ist seit kurzem der Betrieb in der Brauneisenstein- Grube wieder ausgenommen. Die Belegschaft zählt gegenwärtig ungefähr 45 Mann, gegen früher die Hälfte. In den Betrieben Flensungen, Ilsdorf, Aieder-Ohmen und Lardenbach ist jedoch noch keine Aussicht auf Detriebser- öfsnung vorhanden. In diesen Orten werden die Arbeiter mit AotstandSarbeiten, wie Wegebauten, Steinbrucharbciten, Holzmachen und dergleichen beschäftigt.
ri. L i ch, 17. März. Die Eheleute Peter Dietz HL, beibe aus alten Licher Familien stam- menb, hatten in ihrem Testament die Kirche, in ber ber Ehemann längere Zeit in großer Treue als Mitglieb bes Kirchenvorstanbes mitarbeitete, unb verfchiebene Werke ber Wohltätigkeit, für bie sie währenb ihres Lebens jährlich gern ihre Opfer barbrachten, mit Stiftungen bebacht. Diese Stiftungen kommen jetzt nach bem Tobe ber beiten Eheleute zur Auszahlung. Durch bie Inflation haben sie wohl beträchtlich an Wert verloren, boch entfallen immerhin auf bie Kirche, ben Gustav-Abolf-Derein, bas Diakonissenhaus Elisabethenstift in Darmstabt, die Anstatt Bethel bei
daß dieser Lehrer besonders oft nach Büches gegangen ist. Hier liegt eine Verwechslung vor.
Aach den Ausführungen in Ar. 21 ist „Arminius" dem Alkoholgenuh stark ergeben gewesen. Wäre das richtig, dann hätten „Die Klassiker", deren Bierdurst in jener Zeit oft größer als der Durst nach Wissen war, diese Konkurrenz mit stolzer Schadenfreude festgestellt. Davon hat man aber nichts gehört.
Es ist auch nicht richtig, daß „Arminius" mit Dr. Kritz ganz besonders befreundet gewesen ist. Er stand, soviel ich weiß, mit allen Lehrern des Gymnasiums auf gutem Fuße. Der angeb- llche Hund „Botz", den „Arminius" gehabt haben soll, ist gleichfalls ein Phantasiegebilde. „Arminius" hat nie einen Hund gehabt. Mit dieser Tatsache rückt aber auch die Erzählung von dem Klassenausflug nach Gelnhausen in das Reich der Fabel. Auch hinter die Wählerversammlung im Rathaussaale zu Büdingen möchte ich ein großes Fragezeichen machen. Ein Mann von dem großen, umfassenden Wissen dieses „Arminius" kann wohl in einer Wählerversammlung so niedergebrüllt werden, daß er als Mann der Bildung gern auf das Wort verzichtet. Daß er aber so kläglich geendet hat, wie in Ar. 21 geschildert wird, ist schwer zu glauben.
Es ist richtig, daß dieser Lehrer ein wenig vorteilhaftes Aeußere hatte und auch in feiner Sprechweise einigermaßen auffiel. Aber — und das war schließlich doch die Hauptsache — er hatte in seiner Klasse eine mustergültige Disziplin, die bekanntlich die Seele des Unterrichts ist. Sein unbestechlicher Gerechtigkeitssinn erwarb ihm das restlose Vertrauen seiner Schüler, und seine fabelhaften Kenntnisse erfüllten uns alle rnit Bewunderung und einer gewissen Ehrfurcht. Wer bei ihm die alten Sprachen lernte, war sich dessen bewußt, daß er sie bei keinem Pfuscher gelernt hatte.
Aoch ein Zug seines Wesens darf nicht vergessen werden: Er war nicht nur gut kirchlich gesinnt, sondern auch, was noch mehr bedeutet, ein entschiedener Christ und als solcher ein Feind der heute so beliebten, aber unglückseligen Kompromisse, kurz ein ganzer deutscher Mann, der stets den Mut zur Wahrheit fand. Ihn grüßen - dessen bin ich gewiß — auch heute noch viele seiner Schüler im Gefühle treuer Dankbarkeit und aufrichtiger Verehrung.
Heinrich Kullmann.


