Nachdem der Aba. Lenuner iroch bekundet hat. daß er seine Mitteilungen im wesentlichen den inneren Auseinandersetzungen der christlichen Ge- weEchasten verdanke, schließt seine Vernehmung.
AeichStagsabg. Behrens äußert sich über die Organisation des Zentralverbandes der Landarbeiter. Für die Geldgeschäfte und die banktechnischen Transaktionen des Zentralver- bandes wurde die Landvoltsbank gegründet.
Vorsitzender: Wurde nicht auch ein Ausschuß für nationale Aufklärung gebildet?
Zeuge: Don diesem Ausschuß für nationale Aufklärung habe ich erst Kenntnis durch die Zeitungsnotizen erhalten. Das ist keine Organi- satton des Zentralverbandes, wenigstens weiß ich darüber nichts.
Vorsitzender: Es ist Ihnen in gewisser Weise ein Vorwurf daraus gemacht worden, daß Sie über ein Darlehen von 5000 Mark von der Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände quittiert haben, und cs ist behauptet worden, daß diese 500p Mart zugunsten des Oberleutnants a. D. Schultz verwendet worden sind, der sich wegen verschiedener Wörde oder Beteiligung an Morden in Untersuchungshaft befindet.
Zeuge: Ich bin aus meiner hauptamtlichen Tätigteil als Vorsitzender des Zentralverbandes im Frühjahr 1924 ausgeschieden. Erst im Januar 1926 bin ich auf Wunsch des Zentralverbandes wieder hauptamtlich in die Leitung eingetreten. Die meisten Vorgänge sind mir daher nur durch die Presseerörterungen und durch informatorische Besprechungen einigermaßen bekannt geworden. Der Dersorgungsstelle sind aus den Kartoffel» lieferunqen für die besetzten Gebiete während des Ruhrkampfes Verluste entstanden, die nicht gedeckt werden konnten. Der Dersorgungsstelle war das erforderliche Gelb für die Kartoffelbeschaffung von der Aeichskreditanstalt vorgestreckt worden. Es wurde mit der Reichskreditanstalt ein Abkommen dahin getroffen, daß monatlich ein Sechstel von je 5000 Mark gezahlt wurde. Im Frühsommer 1925 sagte der Geschäftsführer Malettke von der Dersorgungsstelle, es sei wieder ein solcher Wechsel fällig, aber kein Geld zur Einlösung vorhanden. Ich erklärte ihm. daß ich auch kein Geld habe, er solle sehen, wie er die 5000 Wart beibringe. Beziehungen zu irgendwelchen Feinemordvrganisativnen hat der Zeuge nie unterhalten. In ein Verfahren wegen Fememordes ist der Zeuge seines Wissens nicht verwickelt. Schultz machte einen durchaus sorglosen, nicht einen schuldbewußten Eindruck. Man habe es als eine Pflicht des Anstandes gehalten, dem zu Tlnrecht Beschuldigten zu helfen und ihm sein Los zu erleichtern.
Abg. Weher (Dn.) Dorstandsmttglied des Zentralverbandes der Landarbetter bekundet: An dem Küstriner Putsch beteiligt zu sein, bestritt Schultz ganz entschieden. Ich habe ihm das geglaubt. Ich riet ihm, sich sofort im Polizeipräsidium zu melden, wenn er eine weihe Weste habe. Das tat er auch. Dort wurde er verhaftet und nach Landsberg transportiert, Schultz bat mich, Geld für seine Verteidigung und Beschäftigung zu besorgen. Ich selbst hatte das Geld nicht. Ich habe deshalb zunächst mit Dr. Sachs Rücksprache genommen. Dr. Sachs sagte mir, es würde wohl alles in allem 10 000 Mark für eine solche Verteidigung erforderlich sein. Ich habe mich mit Herrn von Z e n g e n in Verbindung gesetzt und verlangte zunächst 5000 Mark Das lehnte Herr von Zengen glatt ab. Da versuchten wir das Geld auf privatem Wege aufzutreiben. In einer Besprechung in einem Restaurant unterhielten wir uns über Organisationsfragen, Technische Rothilfe usw. Beim Hinausgehen fragte ich Herrn von Zengen, ob ich noch auf seine Hilfe für Schultz rechnen könnte. Darauf sagte Herr von Zengen: Die Sache ist erledigt. Ich fragte: Wieso? Darauf sagte Herr von Zengen: Sprechen Sie nur mit Behrens, der hat auch bereits kassiert. Darauf sagte ich: Davon weiß noch gar nichts. Sie wissen, wofür ich das Geld haben will. Rach einiger Zeit habe Herr von Zerrgen plötzlich die Zurückzahlung des Darlehens gefordert. Es ser deswegen zu Differenzen gekommen. Er habe das Darlehen dann zurückgezahlt. Die Weitervernehmung des Zeugen Meyer wird dann auf Donnerstag vertagt.
Die Rechtspflege.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 17. Febr. Die allgemeine Aussprache über den Iustizetat wird fortgesetzt.
Abg. Dr. Korsch (Komm.) empfiehlt eine ganze Reihe kommunistischer Anträge auf Reform des Strafrechts. Danach soll die Ehescheidung erleichtert, die Rechtsstellung unehelicher Mütter und Kinder verbessert und die Todesstrafe ab- geschaftt werden. Dringend notwendig sei neben einer Reform des Strafrechtes eine Reform der Strafprozeßordnung und des Strafvollzuges. Die Aufhebung deS Staatsgerichtshofes zum Schuhe der Republik sei zu begrüßen, denn diese Einrichtung habe sich zu einem Gericht zur Verfolgung der Republikaner entwickelt.
Abg. Haas (Dem.): In weiten Kreisen des deutschen Volkes sei das Vertrauen geschwunden. Es liegt heute so, daß der Republikaner in weiten Gebieten Deutschlands Gefahr läuft, daß er sein Recht vor Gericht nicht findet. (Lebhafte Zustimmung links!) Der Redner führt eine ganze Reihe Urteile an, in denen nach feiner Meinung Fehlurteile zugunsten rechtsgerichteter und zuungunsten republikanischer Personen gefällt worden sind. Außenpolitisch gefährlich sei auch der im Berliner Fememordprozeh vom Gericht gegen den Willen der Reichs- und Landesinstanzen verfügte Ausschluß der Oeffent- lidbfeit. Daß Gericht und Staatsanwaltschaft es ablehnten, nach den Hintermännern des Mordes zu forschen, hat mir den Glauben genommen, daß diese Stellen lediglich vom Standpunkt des Rechts aus die Dinge beurteilt haben. Es ist unerträglich, wenn durch solche nicht zu rechtfertigenden Maßnahmen der Gerichte und der Staatsanwaltschaft wichtige außenpolitische Interessen Deutschlands gefährdet werden. Die Richterorganisationen sollten mit größerer Entschiedenheit vorgehen. Gegen Richter, die in ihren Entscheidungen die erforderliche Llnpartei- lichkeit vermissen lassen und sich bei ihren ih> teilsbegründungen große Taktlosigkeiten erlauben, sollte auch mehr vom Difziplinarwege Gebrauch gemacht werden. Wenn die Richter wissen, daß Frechheiten gegen die Republik auch bei Richtern geahndet werden, dann werden sie vorsichtiger werden, und dann wird auch bas jetzt sehr erschütterte 'Vertrauen in die Rechtspflege sich wieder festigen Viele Richter halten überhaupt jede objektive Kritik an der Rechtspflege
schon für ein Verbrechen. Demgege»rüber muh die Rotwendigkeit betont werden, daß die Justiz durch innere Reinigungsarbeit sich wieder das Vertrauen verschafft, das sie durch eine Reihe von Fehlurteilen in der Öffentlichkeit verloren hat. (Beifall links.)
Abg. 5) a m p e (W. Vgg.) wünscht eine Verbesserung des Ehescheidungsverfahrens. Eine Herabsetzung der Gerichtsgebühren wäre wünsä)enswert, aber die Anwaltsgebühren sollten nicht zu stark gesenkt werden. Die Arbeitsgerichte würden von der Wirtschaftlichen Vereinigung glatt abge lehnt. Das Uebermaß der parlamentarischen Untersuchungsausschüsse störe die ordentliche Rechtspflege.
Der Abg. Emminger (Bayr. 23p.) stimmt dem Vorredner darin zu, daß die Gesetzgebungsmaschine in der nächsten Zeit etwas weniger tätig sein sollte. Bis Ende April könne der Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik aufgehoben fei». Bei der Vorbereitung des neuen Strafgesetzbuches sollte man mit den österreichischen Gerichten Fühlung nehmen. Der Einzelrichter sei auch in Bayern wenig populär. Der Redner weist dann die Kritik des Äbg. Dr. Levi an der Rechtspflege als unberechtigt und unbegründet zurück. Es feien zweifellos auch in manchen Urteilen von Einzelrichtern große Mißgriffe vorgekommen. Aber dann habe die Berufungsinstanz die Möglichkeit zur Korerktur gehabt. Andere Fälle seien von Dr. Levi ganz schief und unvollkommen daraestellt worden.
Abg. Dr. Frick (D. 23p.) meint, man könne von einer deutschen Rechtsnot sprechen. Die neue deutsche Republik habe sich mit der Aufwertungsgesetzgebung und anderen Maßnahmen über Recht und Gesetz hinweggesetzt. Den wirtschaftlich Schwachen und politisch Einflußlosen werde das Recht verweigett. Der Staatsgerichtshof zum Schutz der Republik müsse noch vor dem 1. April beseitigt, die Zuständigkeit des allgemeinen Gerichtshofes dagegen dahin erweitert werden, daß er die Verfassungsmäßigkeit von Reichsgesetzen nachzuprüfen hat. Die Amnestie müsse endlich auch den Leuten zugute kommen, die auf Veranlassung der Franzosen beim Ruhreinbruch wegen politischer Delikte gefangen gesetzt wurden.
Abg. Dr. Heuß (Dem.) begründet eine Interpellation, welche Maßnahmen die Regierung ergreifen wolle, um der unbefugten Veröffentlichung amtlicher Aktenstücke, Dokumenten usw. durch ehemalige Reichsbeamte ober Offiziere entgegenzutreten. Die Interpellation beziehe sich auf Veröffentlichungen amtlicher Schriftstücke durch den Großadmiral von Tirpiß. Aktendiebstahl könne man Tirpitz nicht vorwerfen, aber er habe sich durch Abschriften aus den Originalakten ein Privatarchiv angelegt. Bismarck habe den Botschafter v. Arnim wegen einer ähnlichen Sammlung durch den Staatsanwalt verfolgen lassen. Der Fall v. Tirpitz liege viel schlimmer, weil hier eine Veröffentlichung ohne Einverständnis und Kenntnis der Behörden vorgenommen wurde, der die Originalakten gehören. Der Generalstaatsanwalt in Berlin Hot erklärt, daß dieses Delikt durch die 'Amnestie der Volksbeauftragten von 1918 erledigt sei. Die Deutschnativnalen müßten aber jetzt erklären, ob sie das Verhalten des Herrn v. Tirpitz mißbilligen oder nicht.
Reichsjustizminister Dr. Marx geht auf verschiedene Einzelfragen der Abgeordneten ein. Abg. Dr. Haas habe aUgemein eine zulässige Kritik an der Rechtssprechung geübt, sei aber zu weit gegangen mit der Behauptung, daß der Republikaner vor deutschen Gerichten sein Recht mcht finde. Es ist richttg, daß der Schutz der Republik von manchen Richtern nicht so wahrgenommen worden ist, wie es wünschenswert gewesen wäre. Wir können nicht von jedem Richter Sympathie für die Republik verlangen, aber wir müssen fordern, daß jeder Richter sich zum Schutze der Republik verpflichtet hält. Wir werden darüber wachen, daß das Recht gewahrt wird gegen hoch und niedrig. (Beifall.)
Abg. Dr. Moses (S.) begründet eine sozialdemokratische Interpellation gleichen Inhalts wie die demokratische zur Aktenveröffentlichung des Großadmirals v. Tirpitz. Fechenbach habe nur einen Bruchteil dessen getan, was Tirpitz tat. Aber Fechenbach sei deswegen zu langer Zuchthausstrafe verurteilt worden.
Reichsjustiznrinister Dr. Marx beantwortet die Interpellation dahin, von Tirpitz habe sich amtliche Dokumente nicht angeeignet, sondern sich davon Abschriften machen lassen und sie veröffentlicht. Eine widerrechtliche Aneignung amtlicher Urinnben komme nicht in Frage. Auch die Veröffentlichung dieser Akten sei nicht strafbar, weil diese Veröffentlichung nicht geeignet sei, die Sicherheit des Reiches zu schädigen. Disziplinarmaßnahmen seien nicht in Frage gekommen, weil v. Tirpitz bei der Veröffentlichung nicht mehr im Amte war. Ob solche Veröffentlichungen auch den aus dem Amte geschiedenen Beamten verboten werden solle, werde bei der Beratung des neuen Wahlrechts entschieden werden.
Abg. Trevira nus (Dn.) erflärt, es sei zu begrüßen, daß durch die Antwort des Ministers der Schlange der Verleumdung gegen Tirpitz der Kopf zertreten sei. Es sei nachgewiesen, daß Tirpitz durchaus korrekt gehan beit habe. Es sei eine Pflicht der Rotwehr gewesen, wenn er den Geschichtsklitterungen von Links gegenüber die Wahrheit fest gestellt habe.
Abg. Sonner (Z.) wendet sich im Interesse des Handwerks gegen die Konkurrenz der Gefangenenarbeit.
Reichsjustizminister Dr. Marx betont die Rotwendigkeit, die Strafgefangenen zu beschäftigen. Es werde aber darauf Rücksicht genommen, daß dem gewerblichen Mittelstände nicht eine unzulässige Konkurrenz gemacht wird.
Damit schließt die Aussprache. Das Mini- stergehalt wird betoilligt. Ein Zentrumsantrag auf Ermäßigung der Gerichtskosten wird angenommen. Entsprechend dem Zuschuhantrage werden die Kosten für den Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik gestrichen.
Härten bei der Rückerstattung von Reichsnotopfern.
Berlin, 17. Febr. Die Abgeordneten Dr. Philipp, Hergt, Dr. Schetter, Dr. Wunderlich, Hanrpe, Emminger haben mit Llnterstützung zahlreicher anderer Abgeordneten eine Interpellation eingebracht, in der u. a. darauf hingewiesen wird, daß bei Durchführung des Anleiheablösung s g e s e tz e s sich bezüglich der Erstattung von überzahlten Reichsnotopfern. Schuldverschreibungen des Reiches bzw. jetzt Ablösungsanleihe erhebliche Unbilligkeiten und Härten herausgestellt haben. Als Unbillig* feit wird nach der Interpellation u. a. empfunden. daß die nachträgliche Erstattung in bar in Form von Schuldverichreibungen nur insoweit
stattfinde, als der überzahlte Betrag über die Barzahlung hinausgeht, ferner, daß die Erstattung davon abhängig ist, daß ein Antrag bis zum 11. Dezember 1923 einschließlich gestellt war. Weiterhin sei der Begriff der Kleinrentner durch § 24 der Rotopserabwickelungs- Verordnung Diel ju eng gefaßt worden. Ferner sei es unbillig, daß Rotopfersteuerpflichtige, die sich die Barmittel erst durch Verkauf von Markanleihen beschafft haben, Erstattungsrecht nicht besitzen.
Der Marineetat.
Aus dem Haushaltausschuß des Reichstags.
Berlin, 17. Febr. Der Haushaliausschuh des Reichstages setzte heute unter dem Vorsitz des Abg. Heilmann (S.) die Beratung des Marineetats fort. Angenommen wurde gegen eine Stimme folgende Entschließung der Deutschen Volkspartei, des Zentrums, der Demokraten und der Sozialdemokraten: „Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsregierung zu ersuchen, alsbald in eine Erwägung darüber einzutreten, wie die Beschaffung des gesamten Reichsbedarfs behufs Erzielung möglichst großer Ersparnisse zentral eingerichtet und die zu vergebenden Gegenstände tunlichst normalisiert werden könnten." Gegen 2 Stimmen wurde folgende Entschließung genehmigt, die Reichsregierung zu ersuchen, die Verwaltungsabteilung für Heer und Marine im Ministerium möglichst zusammenzulegen.
Beim Dildungs- und Sanitätswesen regt Abg. Moses <S.) an, es möchten sich Abgeordnete der Marine- und Heeresverwaltung im parlamentarischen Beirat einmal zusammensetzen, um das Problem der Selbstmorde und die sanitären Verhältnisse im Heer und der Marine näher zu prüfen. Der Redner hebt hervor, daß zwar die Verhältnisse in der Marnie nicht schlechter geworden seien. Im Jahre 1925 seien eines natürlichen Todes 17 Personen, eines unnatürlichen Todes 31 gestorben.
Auf Anfrage von kommunistischer Seite, ob alle Selbstmordfälle genau untersucht würden und ob nicht das Material den Abgeordneten zugeleitet werden könne, erwidert Reichswehrminister Dr. G e ß l e r das könne er aus Rücksicht auf die Angehörigen nicht zulassen. Es dürften private Familienverhältnisse nicht aus politischen Parteirückfichten der Oeffentlichkeit preis- gegeben werden. Der Minister erklärte sich bereit. über diese Frage dem parlamentarischen Beirat Auskunft zu geben.
Reben kleineren Streichungen wurden bei den fortlaufenden Ausgaben für den allgemeinen Werft- und Arsenalbetrieb 1,5 Millionen Reichsmark gestrichen. Der Etattitel für Beschaffung und Unterhaltung der Munitionsbestände wurde um 250 000 Reichsmark gekürzt. Ebenso wurde die Etatposition für -Unterhaltung, Ergänzung und Vermehrung der Bestände an Torpedomaterial um 150 000 Reichsmark gekürzt. Von den Etattiteln für Unterhaltung der Bestände des gesamten Sperr- und Sprengmaterials wurden 100 000 Mark gestrichen. Um die gleiche Summe wurde die Ausgabeopposition: Minensucher, Rehsperre und Sperrdienstübungen gekürzt. An den vorgesehenen einmaligen Ausgaben nahm der Ausschuß ebenfalls zahlreiche Streichungen vor.
Hierauf wurde der Etat der Reichsmarine verabschiedet, und der Ausschuß vertagte sich auf Donnerstag.
Förderung der Leibesübungen.
Berlin, 17. Febr. (Wolfs.) Unter dem Vorsitz des Reichstagspräsidenten L ö b e trat der auf Anregung des Ausschusses für Leibesübungen neu gewählte interfraktionelle Ausschuß zur Verbreitung von ficibeaübungen zusammen. Die Aufgaben des Ausschusses wurden in ausgedehnter Aussprache festgllegt. Cs ist in Aussicht genommen, zunächst im Haush alt- auöschuß den Versuch zu machen, die für Leibesübungen gesetzte Summe von 400 000 auf 500 000 Mark zu erhöhen und außerdem für Öen Dau eines Turnhallen geländes auf dem neuen Sportforum 600 000 Mark zu erlangen.
Der Schiedsspruch im Bank- newerbe.
Berlin, 17. Febr. (Wolff.) Durch die vom Reichsarbeitsminister ausgesprochene Verbind- lichkeitserkläruna ist der am 7. Februar ab- gelaufene Manteltarif bis zum 28. Februar 1927 wieder in Kraft gefetzt worden. Hierbei ist eine Regelung der Arbeitszeit und der Gehälter bis zum 30. September d. I. erfolgt. Da diese Verbindlichkeit zunächst nur für die im Reichsverband der Bank- lcittingen vereinigten Institute in Frage kommt, hat der Deutsche Bankbeamtenverein nunmehr unter Bezugnahme auf § 2 der Verordnung vom 23. Dezember 1918 nun in der Fassung des Gesetzes vom 23. Januar 1923 die Allgemeinverbindlich- t e i t des Reichstarifes für das gesamte deutsche Bankgewerbe beantragt.
Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.
Darmstadt, 16. Febr. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags hatte zu Kapitel 32 (Gendarmerie, einen Antrag angenommen über den Abbau des Gendarmeriedirek- tors. Es handelt sich hierbei jedoch nicht allein um die Stelle des Direktors, sondern um die ganze Direktion, deren Arbeiten nach Meinung des Antragstellers vom Ministerium des Innern mitversehen werden förniten. Zu Kapitel 47 (Schutzpolizei) lag ein Antrag Widmann vor auf Streichung von 50 Polizeioffizieren, 16 Sekretären und Registratoren. 32 Zugwachtmeistern, 130 Oberwachtmeistern, 292 Wachtmeistern sowie 170 Tinterwach tmeistern und Anwärtern. Zusammen find dies 690 Beamte. Der Antrag wurde dem Sechserausschuh überwiesen. Ein Antrag Angermeier, das ganze Kapitel zu streichen, wurde abgelehnt. Eine Vorstellung des Verbandes der Poltzeibeamten über die Besetzung der etats- maßigen Stellen bei der Schutzpolizei wurde der Regierung zur Erwägung überwiesen. Das Kapitel selbst wurde genehmigt, vorbehaltlich der Aenderungen, die sich aus den Beschlüssen ergeben sollen. In gleicher Weise wurde auch Ka- pftel 8 (Zuschüsse aus äleberschufsen früherer Jahre, Restcstvck und Fehlbeträge) mit dem gleichen Vorbehalt genehmigt. Das Kapitel ist nur rechnungsmäßig eingestellt. Der Ausschuß beriet hierauf Kapitel 9 (Anteil an Reichs
steuern) und Kapitel 10 (Landessteuern, indirekte Auflagen usw.), Abstimmungen haben jedoch noch nicht stattgefunden. Eitrige Anträge zu diesen Kapiteln wurden erledigt. So wurde ein Antrag Galm, der die Lohnsteuer aufgehoben haben will, für erledigt erklärt. Ein Antrag Ritzel Witt, die Befreiung der Elfenbeinschnitzereien von der erhöhten ülmsatzsteuer. Die Regierung erklärte dazu, daß sie sich an das Reichsfinanzministerium wegen Ermäßigung der Steuer gewandt habe. Eine Vorstellung des Bürgermeisters von Erbach in gleichem Sinn lag ebenfalls dem Aus schuß vor. Dieser erfiärte den Antrag und die Vorstellung durch die Regierungsantwort für erledigt. Ebenso wurde ein Antrag Dr. von Helmolt für erledigt erklärt, der eine Aenderung der reichsgesetzlichen Bestimmungen über eine Erhebung eines Zuschlags für die Reichsgrundstückssteuer für Gemeinden usw. Witt. Die Steuer ist bereits ermäßigt und damit auf diese Weise den Wünschen der Antragsteller nachgekommen. Zum Schluß der Sitzung gab der Vorsitzende eine Einladung zu einer Tagung des Hessischen Oberförster-Verbandes bekannt, die am 22. Februar in Frankfurt stattfindet, um zu den Beschlüssen des Finanzausschdflos Stellung zu nehmen.
D a r ni ft a b t, 17. Febr. Die Abgeordneten Dingeldey, Dr. Keller und die Fraktion der .Deutschen Volkspartei haben im Landtag nachstehenden Antrag zu den Lehrplänen an den höheren Schulen eingebracht: Wir beantragen, der Landtag möge beschließen, die Regierung zu ersuchen, die Einführung der neuen Lehrpläne für die höhen Schulen Heftens so lange aufzuschieben, bis den fachlich und fachlich beteiligten Kreisen Gelegenheit gegeben war, sich mit den geplanten Neuerungen eingehend zu beschäftigen und sich darüber zrl äußern.
Aus aller Welt.
106 000 Dollar für eine Gutenberg-Bibel.
Eine aus dem Denedittinerstift Welk in Oesterreich stammende zweibändige Gutenberg- Bibel wurde für 106 000 Dollar in Reuyork von einem Dr. Rosenbach meistbietend erftanben. Das erste Angebot von 50 000 Dollar machte die Bibliothekarin Morgans. Die Bibel ist 1455 gedruckt und ungefähr 1700 eingebunden. Es befinden sich jetzt sechs ®utenbergbibeln in den Vereinigten Staaten.
Eine neue amerikanische Polarexpeditton.
Die Leutnants O g d e n und Wade, die an dem Rundflug um die Welt teilgenommen haben, beabsichtigen im Sommer von Point Darrow aus eine L uf t e x p edit io n nach dem R o r d p o l zu unternehmen. Die Studierenden der Harvard-, Pale-, Princeton- und Penn- shlvania-Universilät wollen das für die Durchführung der Expedition erforderliche Geld aufbringen. Die Expedition sott mit fünf Flugzeugen ausgestattet werden, denen sich auch verschiedene andere Flieger anschllehen werden.
Ein Flug Madrid—Philippinen.
Im April findet ein Flug von Madrid nach den Philippinen statt, an dem sich drei Flugzeuge beteiligen werden, die eine Stundengeschwindigkeit von 220 Kilometer entwickeln und Brennstoff für zwölf Stunden mitführen. Der Flug wird 25 Stunden dauern.
Tabakschmuggel.
In Oberlahn st ein wurden wegen Tabak- schmuggels zwei Männer aus Ludwigshafen festge- nommen, die nachts mittels eines Auws fünf riesige Koffer mit unversteuertem Tabak in Sicherheit bringen wollten. Die Schmuglger hatten den Tabak in derselben Nacht von einem Schiff, das bei Oberlahn- ftein vor Anker lag, übernommen. Auf dem Seb1'-' wurde nichts Verdächtiges mehr vorgeftinden. Der unversteuerte Tabak wurde beschlagnahmt.
102 Jahre alt.
Der in Anger mund bei Siegen wohnende Pensionierte Mehrer und Rentmeister a. D. Jos. Vruns vollendete in diesen Tagen fein 102. Lebensjahr. Aus diesem Anlaß wurden Dem Jubilar zahlreiche Ehrungen zuteil.
Schwerer Motorradunfall.
Bei Eckholdt (Hamburg) auf der Elmshorn- Pinneberger Chaussee forderte ein schwerer Motorradrursall cirt Menschenleben. Der Fahrer, ein Schneidermeister aus Altona, ist nach Amputation eines Beines im Elmshorner Krankenhause feinen Verletzungen erlegen. Die beiden Mitfahrer find leichter verletzt.
Lawinenunglück in Amerika.
Eine niedergehende Lawine hat in dem Derg- werksrevier von Bingham bei Saltlale City mehrere Häuser der Ortschaft Sapgulch verschüttet. Bis jetzt sind 15 Tote geborgen worden.
Eine Mutter mit sechs Kindern verbrannt.
In der Nähe Neuyorks verbrannten während eines Feuers eine Mutter und sechs Kinder. Dem Vater gelang es nur, das siebente Kind zu retten, wobei er selbst halb verbrannt aus den Flammen gezogen wurde.
Masernepidemie in Straßburg.
In Straßburg herrscht seit Dezember eine schwere Masernepidemie, der zahlreiche Schulkinder zum Opfer gefallen sind. Die Epidemie hat jetzt auch auf die Straßburger Garnison übergegriffen. Bisher sind zehn Soldaten gestorben.
Die ägyptische Landwirtschafts-Ausstellung niedergebrannt.
Die Landwirtschaftsausstellung, die am 20. Februar in Kairo eröffnet werden sollte, wurde heute innerhalb 20 Minuten ein Raub der Flammen. Der Sachschaden ist beträchtlich. Menschen kamen mcht zu Schaden. Ausstellungsmaterial befand sich noch nicht in den Gebäuden.
Wettervoraussage.
Meist bedeckt, westliche Winde, milde, regnerisch oder Rebelblldung.
Kleine Ausläufer der großen, zur Zett vor Skandinavien über dem Rordmeer liegenden Zyklone geben durch ihren Dorübergang dem Wetter einen wechselnden, meist regnerischen Charakter. Bei noch etwas ansteigenden Temperaturen dürste die Lage sich auch in den nächsten Tagen nicht nennenswert verändern.
Gestrige Tagestemperaiuren: Maximum 8,5 Grad. Minimum 5,4 Grad Celsius. Riederschläge 24,6 Mm. Heutige Morgentemperatur: 8,3 Grad 1 Celsius.


