Nr. 41 Erstes Blatt
176. Jahrgang
Donnerstag, 18. Zebruar 1926
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Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
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Das Ergebnis der Reife Drummonds.
Rückkehr des Generalsekretärs nach Genf.
V-crlin, 17. Febr. (Amtlich.) Der General- sekrclär des Völkerbundes. Sir Eric Drummond, hat heute abend die Rückreise unmittelbar nach Genf angetreten. Er hat feine volle Vefriedigung über die Atmosphäre zum Ausdruck gebracht, in der sich der Gedankenaustausch über die mit Deutschlands Eintritt in den Völkerbund zusammenhängenden fragen vollzogen hat. Wie sich aus den Besprechungen über das Verfahren der Zulassung Deutschlands ergibt, ist Deutschland berechtigt, sofort nach seiner Zulassung an der geplanten zweiten Völkerbundskommission für Budgetsragen t e i l j u - nehmen. Während seines Aufenthalts hat der Generalsekretär zur Jrage der (Ernennung deutscher Mitglieder beim Völkerbunds- sekretarlal im einzelnen das übliche Verfahren hierbei dargelegt. Rach dec allgemeinen Formel hat die Auswahl dieser internationalen Beamten seilens des Generalsekretärs zu erfolgen, bleibt aber von der Zustimmung des Völkerbunds- raks abhängig. Der Generalsekretär würde selbstverständlich dem Völkerbundsrat keine Kandidaten Vorschlägen, gegen welche die Regierung des Staates, dem sie angehören, ernstliche Einwendungen erheben könnte. Bei dem mit diesen (Ernennungen zusammenhängenden Budgetfragen hat die Völkerbunds- versammlung das letzte Wort. 3m Völkerbundskreisen ist es immer für selbstverständlich gehalten worden, daß Deutschland in dieser Frage als Großmacht behandelt werden muß.
Die Minderheiten und der Völkerbund.
London, 17. Febr. Eine Reutermeldung <iae. Genf besagt, trotz der Erklärung Mussolinis, daß Italien keine Erörterung der Frage der deutschen Minderheiten in Südttrol zulassen werde, sei es schwierig zu sehen, wie dies auf der Septembersession der Dölkerbundsversammlung vermieden werden könne. Bereits während der letzten Session habe Bansen auf die Frage der Min- derheiten überhaupt hingewiesen und Schuh für sie im Interesse des Friedens Europas gefordert. Graf Appvnhi verlangte gleichfalls für die ungarischen Minderheiten in den Rachfolgestaa- ten eine aktivere Kontrolle durch den Bölkerbund. Ferner hätten die Vertreter europäischer Minderheiten im letzten Herbst in Genf einen Kongreß abgehalten, wo die Frage des Schutzes der Minderheiten ausführlich erörtert worden sei. Daraus ergebe sich, daß diese Frage brennend sei. Endlich dürfe man daran erinnern. daß Mussolini auch gegen die Befassung des Völkerbundes mit dem Korfu zwischenfall gewesen sei: daß aber der Bund die Frage trotzdem erörtert und erledigt habe.
DasjapanischeFlottenprogramm
Tokio, 17. Febr. (Agentur Indo-Paeific.) Der Finanzausschuß des Parlaments hat im Einverständnis mit der Regierung auf die dringende Anfrage der Opposition bekayntgegeben, daß das Schiffbauprogramm für den Ersah außer Dien st gestellter Schiffe im Jahre 1927 die Herstellung von vier Kreuzern, drei Kanonenbooten, zwanzig Zerstörern, fünf Llntersee- booten und fünf Tankschiffen vorsieht. Die Kosten belaufen sich auf 325 Millionen Pen.
Die Diktatur in Griechenland.
Athen, 18. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die Regierung erklärt, daß sie es zur Beseitigung der Un ruhe, die durch propagandistische Gerüchte in der Oeffentlichkeit erzeugt war, für zweckmäßig hielt, den früheren Premierminister P a p a n a st a s i » , den frühereren Innenminister General K o n d i l i s und andere Pesönlichkeiten aus Athen zu entfernen. In der Stadt herrscht absolute Ruhe. Verschiedene Verhaftungen politischer und militärischer Persönlichkeiten sind erfolgt. Weitere Verhaftungen stehen bevor.
Der Streit um das Stickstoff- werk Chorzow.
Haag, 17. Febr. ($11.) Die beiden heutigen Sitzungen des Haager Schiedsgerichts- Hofes waren ausgefüllt durch die Weiterver-- handlung der polnisch-deutscheu. Auseinandersetzung. Der Vertreter des Reiches, Professor Kaufmann, legte an Hand eines umfangreichen Beweismaterials und unter Riederlegung der in den polnischen Denkfchriften vorgebrachten Argumente dar, daß die Stickstoffwerke Ehorzow rechtmäßig ben bayerischen Stickstoffwerken übertragen worden seien.
Die Budapester ßrankensälscher.
Der mysteriöse Schultz in Berlin verhaftet.
'-Berlin, 17. Febr. (Wolff.) Der in der Fran- kenfälschungsangelegenheit vielgenannte Schultz hat sich gestern selbst gestellt. Als die Budapester Zeitungen im Zusammenhang mit der Verhaftung des Prinzen Windischgrätz und seiner Freunde den Namen Schultz als den eines angeblichen Oberleutnants nanten, forschte die Berliner Kriminalpolizei nach dem Schultz und stellte fest, daß der mysteriöse Schultz der in Berlin-Tempelhof wohn-
Oesterreich, Italien und der Anschluß.
Bundeskanzler Rameks Antwort an Mussolini.
Der österreichische Bundeskanzler Ramel hat nun ebenfalls auf die Drohrede Mussolinis geantwortet, wenn auch etwas reichlich spät. Waren Stresemanns Ausführungen eine Zurückweisung der Mussolinischen Angriffe Punkt für Punkt, so hat Herr Ramek es vorgezogen, recht milde Töne anzuschlagen und vor allem einmal die Auswiickungen der Rede Stresemanns in Rom abzuwarten. Darum befand er sich jetzt auch in einer weitaus günstigeren Situation als der Reichsaußenminister, der ohne jede vorherige diplomatische Fühlungnahme und Orientierung über besttmmte besonders aggressiv abgefaßte Teile der Mussolinischen Rede antworten mußte. Herr Ramek hat sich zuvor in Rom erkundigt, wie der Passus von der Vortragung der Trikolore über den Brenner hinaus auszulegen sei. Mussolini hat ihn dahin beruhigt, daß von einer Kriegsdrohung keine Rede sein könne. Das ist eigentlich mehr als ein völliges Zusammenklappen des Duce. Auch in seiner zweiten Rede rasselte er mit dem Säbel, wenn auch nicht mehr so stark wie vorher. Jetzt hat er sich unter der vernichtenden Kritik der gesamten Weltpresse wieder vollends hinter den Brenner zurückgezogen, wo er ein völlig harmloses und unschuldiges Gesicht aufzusetzen versucht. Sein Vorstoß hat also mit einem Rückzug gegenüber dem österreichischen Gesandten in Rom geendet. Herrn Ramek war es daher nicht schwer, die Absicht der Wiener Regierung, den Völkerbund auf die Mussolinische Kriegsdrohung aufmerksam zu machen, zu begraben. Ein paar Worte über das „Verbot" des Anschlusses an Deutschland hätten allerdings nichts geschadet. 3m Wiener Nationalrat.
Wien. 17. Febr. (WTB.) 2m Hauptausschuß des Rationalrates erklärte Bundeskanzler Dr. Ramek u.a.: Seit 1923 sind im Ober- etschgebiet eine ganze Reihe von Maßnahmen auf dem Gebiete der Verwaltung getroffen worden, welche nach Aussage offizieller italienischer Persönlichkeiten nichts anderes als die 2 ta- lianisierungderDeutschen desOber- etschgebietes bezwecken. Diese Maßnahmen riefen überall, wo Deutsche wohnen, besonders aber in Oesterreich und unter den österreichischen Ländern gerade in Tirol eine Erregung hervor, wie sie nur in den allerseltensten Ausnahmefällen in solcher Einmütigkeit ein ganzes Volk erfaßt hat. Aus 2talien hört man immer wieder die Anschuldigung, daß diese Bewegung künstlich erzeugt worden sei. 2a! Eine solche wurde erzeugt, aber sie wurde einzig und allein erzeugt durch Maßnahmen der italienischen Regierung im Oberetsch. Eines weiteren Hinzutuns bedurfte es wahrlich nicht. Ein anderer Vorwurf, der uns von 2talien immer wieder gemacht wird, fragt, warum sich das deutsche Volk gerade für die verhältnismäßig kleine Minderheit südlich des Brenners mit größerer Vehemenz einseht, als für die Millionen von Deutschen, die in anderen Staaten als Minderheiten leben. Auf diese Frage antworte ich:
Weil in keinem anderen Staate die deutsche Minderheit — so wenig befriedigend ihre Lage auch sei — nach den eindeutigen Erklärungen der maßgebenden Faktoren einem völligen Ässi- milationsprozeß der herrschenden Rasse unterworfen und damit dem vertu st des eigenen Volkstums entgegengeführt wird.
Wenn jemand behauptet, in Oesterreich werde von irgendwelcher ernst zu nehmenden Seite zum Haß oder zur Feindschaft gegen das italienische Volk geschürt, dann spricht er die Unwahrheit. Wenn je- inand behauptet, das; die maßgebenden Kreise Oestereichs oder gar das Volk in seiner Gesamtheit von einer Rückeroberung des Oberetsch mit den Waffen träumt, dann lügt er und sagt eine Lächerlichkeit dazu. Die Bundesregierung vermochte nicht ohne weiteres zu glauben, daß tatsächlich im achten Jahre nach Beendigung des Weltkrieges wenige Monate nach de in Abschluß des Locarnopaktes und wenige Wochen vor Beginn der Abrüstungskonferenz der Führer einer europäischen Großmacht dem entwaffneten Nachbarn,
hafte frühere 21 b_t e i 1 u n g s I e i t e r der P e - tersburger Staatsdruckerei 'Arthur Schulze fei. Die Kriminalpolizei nahm sofort eine Durchsuchung seiner Wohnung vor. Schulze hatte sich aber bereits vor mehreren Tagen aus seiner Wohnung entfernt. Da er jedoch keine Möglichkeit zum Entkommen sah, hat er s i ch selbst gestellt. Er erklärte, daß er im Jahre 1923 von dem Prinzen Windischgrätz zur Mithilfe gewonnen worden sei, die ihm aber als rein politische und von den Regierungskreisen gebilligte Tätigkeit geschildert worden fei. Er habe das geglaubt, als er erfahren habe, daß der Landes- polizeichef R a d o f s y das Unternehmen protegiere, und daß die Probeversuche zu der Fälschung in dem Budapester Kartographischen Institut vor ich gehen sollten. Später habe er aber erkannt, daß anscheinend Prinz Windischgrätz gar nicht die genügenden Mittel zur Durchführung einer politischen Aktion besessen habe und daraus auf die Unwahrheit der ihm gemachten Angaben geschlossen. Prinz Windischgrätz und Genossen hätten ihm mißtraut und ihn nahezu wie einen Gefangenen behandelt. Es sei ihm jedoch gelungen, im November 1923
dessen (Scbictsintcgrität von eben dieser Großmacht zweimal garantiert wurde, sozusagen aus heiterem Himmel heraus mit einem kriegerischen Einfall drohen sollte. Die Bundesregierung beauftragte daher sogleich nach Bekanntwerden der Rede ihren Gesandten beim Oui- rinal, bei Mussolini Aufklärungen über den präzisen Sinn des erwähnten Passus einzuholen. Mussolini erklärte, im Interesse der beiderseitigen Beziehungen sei es ihm wertvoll erschienen, der Bundesregierung durch jenen Passus Kenntnis davon zu geben, daß er
den Anschluß nie dulden werde. Ueberdies ließ er mir mitteilen, daß er nie daran dachte, Oesterreich irgendwie zu beunruhigen. Kein einziger Soldat würde je den Brenner überschreiten. Im Besitze dieser Antwort hat die Bundesregierung die Frage, ob sie den Völkerbund auf diese italienische Kriegsdrohung aufmerksam zu machen habe, mit Nein beantwortet, denn nach dieser Aufklärung liegt eine formelle Bedrohung Oesterreichs nicht vor. Die Erklärungen Mussolinis werden hoffentlich die entstandene Erregung abdämpfen.
Ramek wandte sich zum Schluß den Verträgen von Locarno zu und erklärte: Mit diesen Verträgen wurde der Grundstein zum Ausbau eines vertrauensvolleren Verhältnisses zwischen Deutschland und seinen ehemaligen Gegnern gelegt, eines Verhältnisses, dessen unmittelbare Auswirkung der bevorstehende Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ist. Wir in Oesterreich haben allen Grund, dieses Ergebnis herzlichst zu begrüßen, da es unser stammesgleiches großes Bruderreich endlich an den ihm gebührenden Platz im Rate der Völker führt.
2m übrigen kündigte der Bundeskanzler seinen Besuch in Berlin an, fügte aber gleich hinzu, daß Oesterreich von der Erfüllung deS Friedensvertrages nicht abzuweichen gedenke. Deutschland sei jedoch der einzige Rachbarstaat, dem die österreichische Regierung noch reine formelle Staatsvisite abgestattet habe, obwohl der Reichskanzler Marx und der Außenminister Strefemann seinerzett in Berlin gewesen seien. Es sei also Zeit, dieses Versäumte nachzuholen. Das Deutschtum Südtirols
Die Innsbrucker Historiker gegen Mussolinis „historische" Ansprüche.
Innsbruck, 17. Febr. (WTB.) Oea-'-tüber den Ausführungen des italienischen Ministerpräsidenten über Südtirol stellen die Lehrer der Geschichte der philosophischen Fakultät der Universität Innsbruck gemeinsam mit der Tiroler Ortsgruppe der Deutschen Akademie fest, daß diese Behauptungen der geschichtlichen Wahrheit durchaus widersprechen. Sie erklären u. a.: Die deutschen Südtiroler sind seit mehr als 13 Jahrhunderten in ihrem Lande bodenstän- d i g. Die Tatsache der seit anderthalb Jahrtausenden erloschenen römischen Herrschaft über Deutsch- Südtirol gibt dem im 19. Jahrhundert entstandenen italienischen Nationalstaat keinerlei geschichtliches Anrecht auf dieses Land. Mit dem gleichen Recht wie Deutsch-Südtirol könnte Italien die deutschen Donau- und Rheinland, den größten Teil Deutsch-Oesterreichs, aber - auch Frankreich, Spanien und England beanspruchen, weil diese Länder alle zu in Römischen Reich gehört ■ haben. Dreimal länger als die römische Herrschaft währte, hat bann Deutsch-Südtirol als deutsches Land zum Deutschen Reiche und zu Oesterreich gehört. Brenner und Alpenhauptkamm haben niemals eine Völkerscheide und 'niemals eine Staatsgrenze gebildet. Natur, Wirtschaft und Kultur sind die gleichen nördlich und südlich vom Brenner. Seit mehr als einem Jahrtausend wohnt in diesem Raum ein Volk, das deutsch ist.
(Eine österreichisch-deutsche Tagung.
In Leipzig vereinigte eine Besprechung, veranstaltet vom Deutschen Hochschulring im Rahmen der Mittelstelle für Jugendgrenz
landarbeit, eine Reihe der führenden Persönlichkeiten der österreichisch-deutschen Anschlußbewegung. Zweck der Tagung war eine persönliche Fühlungnahme und sachliche Erörterung in den Fragen österreichisch-deutscher Angleichungsarbeit. Dem Charakter der Tagung entsprechend standen odr allem Hochschul- und Bildungsfragen im Mittelpunkt. Einleitend sprach Geh. Rat Prof. Brandt- Göttingen über die Notwendigkeit eines gemeinsamen deutschen Bildungsideals, das das in Mitteleuropa verstreute Deutschtum verbinden müsse. Wesentlich seien dafür klare und gemeinsame Begriffe für die Fragen sowohl eines kommenden grohdeutschen Staates als auch die gemeinsamen kulturellen Grundlagen deutschen Volkstums. Mit der Forderung, der deutschen akademischen Jugend ein einheitliches deutsches Bildungsideal als verpflichtendes Ziel vor Augen zu halten, verpflichtend zu gemeinsamer kultureller und nationalpolitischer Einstellung und Arbeit, schloß der Vortragende und erblickte hierin eine der wesentlichsten Aufgaben weitblickender österreichisch-deutscher Anschlußarbeit.
Prof. Spahn- Köln sprach über die Voraussetzungen für die Entwicklung zu einem kommenden großdeutschen Staat, einerseits über die heutige weltpolitische Lage, andererseits über die historische Linie deutscher Staatsbildung, die durch Bismarck wieder erheblich an Klarheit und dynamischer Kraft gewonnen habe.
Heber die deutsche Wirtschaft und ihren Raum sprach Abg. Leopold- Berlin. Er erwies die Notwendigkeit der Zusammenarbeit deutscher Wirtschaft in Mitteleuropa als eines wesentlichen Mittels im Dienste deutscher Politik. Durch die Zerstückelung großer Wirtschaftsgebiete durch die Friedensverträge und die Abtrennung werwoller Gebiete sei die deutsche Wirtschaft heute in einer Lage, die sie ohne schwere Schädigung auf die Dauer nicht ertragen könne. In Ablehnung pan- europäischer und donauföderativer Pläne, die in der heutigen Kleinstaaterei Europas günstigen Nährboden finden, gelangt der Vortragende zur Notwendigkeit der Gewinnung eines größeren Wirtschaftsgebietes und sieht in einer österreichisch-deutschen Zusammenarbeit einen ersten Schritt.
Der Präsident des Reichslandbundes, Abg. Hepp, sprach übr die Bedeutung der deutschen Landwirtschaft für bas Gesamtdeutschtum, das durch seine kontinentale Lage im Rahmen seiner zu erstrebenden Wirtschaftseinheit einer leistungsfähigen und kaufkräftigen Landwirtschaft bedarf; um so mehr, da durch unsere trostlose wirtschaftliche Lage, vor allem der Industrie und die Verminderung der Exportfähigkeit ein zahlungskräftiger innerer Markt notwendig ist. Der Vortragende betont die nationalpolitische Bedeutung einer selbständigen Bauernschaft als Grundlage für gesundes Volkstum. Einer Zollunion mit Oesterreich ständen von Seiten der Landwirtschaft keine Schwierigkeiten entgegen, wobei der Vortragende den Standpunkt vertritt, daß im gegebenen Falle sich die Wirtschaft den großen nationalpolitifchen Zielen einfügen müsse.
Eine ilal enische Stimme für den Anschluß.
Rom, 17. Febr. (WTB.) Die „Boca Repu- blicana“ führt unter der Lleber-schrist „Oesterreich und Deutschland" in einem Leitartikel aus, daß der Anschluß gar nicht aufzuhalten sei, und daß er daher auch nicht gegen einen vernünftigen Friedensvertrag verstoße, denn Oesterreich könne so nicht weiterleben. Wenn die Franzosen sich diesenr Anschluß widersetzten, so sei der Grund dazu nicht einzusehen. Die Friedensbedingungen seien ein 2rrtum. Wie auch immtr das österreichische Problem gelöst werde, keine Macht könne verhindern, daß die Deutschen in Oesterreich sich an die Deutschen in Deutschland anschließen würden und das sei die Hauptsache. Man müsse bei den Friedens- Verträgen mehr den Geist als die Buchstaben berücksichtigen. Die Gegner sollten sich hüten, das Rationalgefühl des Besiegten herauszufordern. Man sollte sich damit begnügen, dafür zu sorgen, daß kein neues Kaiserreich entstehe.
aus Budapest zu fliehen. Während seiner Anwesenheit in Budapest seien belanglose photographische Aufnahmen von 1000-Franks-Scheinen angefertigt worden. Seit dieser Zeit habe er in keiner Verbindung mehr mit der Sache gestanden.
Der Fememord- untersuchungsausschuß.
Die Vernehmung der Abgeordneten Behrens und Meyer.
Im Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtags zur Aufklärung der Beziehungen zwischen Fememördern, deutschnationalen Abgeordneten und Arbeitgeberverbänden teilte der Vertreter des Justizministeriums den Wortlaut eines Sachverständigengutachtens mit, das auf Grund der Einsichtnahme in sämtliche der in Frage kommenden Bücher Klarheit über den Geldverkehr zwischen der Vereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände i>nd dem Zentralverband Deutscher .Vnnbarbcv.r bi. gen soll, insbejoiD... um das viel erwähnte 500'.
Mark-Darlehen einwandfrei festzustellen. Dem Sachverständigen wurden sieben Fragen vorgelegt, aus deren Beantwortung zu entnehmen ist, daß beim Zentralverband der Landarbeiter mit Ausnahme des Abg. Meyer keine von den bezeichneten Personen ein Konto gehabt Hal. Auf dem Konto Meyer stehen nur kleinere Beträge, die aber nicht mit der zur Erörterung stehenden Angelegenheit in Verbindung gebracht werden können.
Reichstagsabgeordneter L e m m e r (Dem.) teilt mit, daß das Vorstandsmitglied des Landarbeiterverbandes Sauer, das politisch dem Zentrum angehöre, gegen feinen Kollegen Meier in einer Besprechung des Vorstandes die Anschuldigung erhoben habe, daß ein Darlehen von 5000 Mark an Oberleutnant a. D. Schulz gegeben worden fei. Dem Zeugen fei mitgeteilt worden, daß diese 5000 Mark zu dem Zwecke gegeben worden seien, um sie dem im Gefängnis sitzenden Oberleutnant Schulz zur Verfügung zu stellen. Die Namen der Personen, die ihm diese Mitteilung gemacht haben, will der Zeuge nicht nennen. Er weigert sich ei' gerinnen frei fe näher zu bezeichnen, aus denen diese Mitteilungen gemacht worden sind.


