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in der der deutsche Botschafter auf die unglück­lichen Rückwirkungen hingewiesen habe, die ein solcher Beschluß au) die iverdeutsche und inter­nationale Lage haben könnte. Der Berichterstatter erfährt, daß Berlin äußerste älnzufriede-nheit mit ter Antwort zeige, und t>ersucht auseinanderzu» sehen, daß keine stichhaltige Begründuirg für die deutsche Ansicht auf der alliierten Seite zu be­stehen scheine, wonach Arttk 429 des Versailler Vertrages verletzt worden fei. denn

dieser Artikel beziehe sich allein auf die De» sohungSperiode und nicht auf die Stärke der DesahungStruPpen.

die die Alliierten berechtigt seien, im besetzten Rheinlande oder in irgend einer anderen be­sonderen Zone auftecht zu erhalten. Dies sei eine Frage der Vereinbarung unter den alliierten Mächten. Andererseits werde durch London ein beträchtliches Maß von Sympathie für die deutsche Ansicht ausgedrückt, daß der Locarno-Vertrag vielmehr zu einer .unsichtbaren" Besatzung hätte führen muffen, als zu einer größeren Dichte der Defatzungstruppen in irgend einem Gebiet. Vor einigen Wochen habe sich die britische Diplomatie eins Zeit lang, aber ver- gcberrs dafür eingesetzt, um eine kritische Lage, die entstanden fei. abzuwenden und sie habe es für selbstverständlich angesehen, daß die Zu- rückbcrusrmg von etwa 15 000 Mann britischer und belgischer Truppen mit der Zurückzie­hung einer entsprechenden Zahl sranzösis chcr Truppen beantwortet wer­den würde.

Das Völkerbundsamt für geistige Zusammenarbeit.

Eröffnungsfeierlichkeiten in Paris.

Paris. 16. Jan. iWB.) Das DöllerbundS- amt für geistige Zusammenarbeit ist Samstag nachmittag durch den Präsidenten der französischen Republik. Doumer- gu e, und den derzeitigen Vorsitzenden des Völ- kerbundsrates, S c i a l o j a, in Anwesenheit des diplomatischen Korps, der Vertreter vieler wisscn- »chafttichrr Vereinigungen au£ dem Auslände, und des Generalsekretärs des Völkerbundes, Sir Eric D r u m m o n d, im Pavillon Montpeirsier des Palais Royal, in dem cs feine Heimstätte ge­funden hat, eröffnet worden. Der Eröffnungsfeier wohnten deutscherseits bei außer dem Botschaf­ter v. Hoesch. Prof. Einstein in feiner Eigenschaft als Mitglied deS Dölterdundscacs- schusses für geistige Zusammenarbeit, Prof. Schulze-Gaevernitz als ständiges deutsches Mitglied bei dem neugegründeten Dölkerbunds- amt und Prof. Leo Frobenius.

Die Weiherede hielt der französische Linier* richtSminister Daladier.

der die Befürchtungen zu zerstreuen suchte, die im Ausschuß laut geworden seien, weit das neu ge­gründete Institut seinen Sitz in Paris habe, von der französischen Regierung unter­halten und durch einen Franzosen geleitet werde. Alm die Grundlosigkeit dieser Befürchtun­gen zu erlernten, genüge es, die Statuten zu lesen und die Organisation des Völkerbündeamtes zu studieren. Das Institut fei von demselben Geiste der Zusammenarbeit für den Frieden und den Fortschritt der solidarischen Völker beseelt, der . die Gröhe des Völkerbundes ausmach.-. Die Hoff­nungen, die sich auf die Reugründung Stühlen, seien nur erfüllbar durch eine nrethvdische Or­ganisation der geistigen Zusammenarbeü. Prof. Einstein habe iüngft geschrieben, die Rolle des k- Völkerbundes sei, dem Kampfe der Volksgruppen -.ein Gnde zu bereiten, die berechtigten Interessen e aller auszugleichen, endlich Vernunft in die Re- - gierungen zu bringen tr?r erkenne nun nicht, daß dieses Ziel nicht einzig und allein durch Verträge erreicht werden könne? DoS jüngst in Locarno abgeschlossene wun­derbare Werk hätte nicht erfüllt worden können, wenn die Staatsmänner, die es abgeschlossen haben, nicht die große Hoffnung gehabt hätten, unterstützt zu werden von dem tiefen Wunsch nach Frieden und Sicherhett. der die Völker beseele. Unter dielen Umständen gäbe es keine dringendere und notwendigere Ausgabe, als über­all die Geister vorzubereiten und die Herzen zur brüderlichen Zusammenarbeit aller Menschen, welcher Rasse, welcher Sprache und welcher Farbe sie auch sein mögen, zu gewinnen. Dazu fei es notwendig, zunächst unter allen Rationalitäten, dann unter allen kultivierten Menschen und end­lich unter allen Völkern eine engere Zusammen­arbeit zu sichern, um die wissenschaftlichen Werte und den Fortschritt der ötteratur und drr Kunst zu bereiten. Das fei die hohe Mission des heule neu gegründeten Völkerbundsamtes für geistige Zusammenarbeit.

Der Vorsitzende des Dolkerbundsrates S c i a - 1 oja erklärte, daß, um die Arbeit des Völker- bundsausschufses für geistige Zusammenarbeit fruchtbar zu gestatten, sich die Schaffung eines eigenen Instituts als notwendig erwiesen habe. Scialoja übernahm als derzeitiger Vorsitzender des Völkerbundsrates die von der französischen Regierung dem VolkerbundSamt für geistige Zu­sammenarbeit überlassenen Räume und sprach der französischen Regierung und dem französischen Volke den Dank des Völkerbundes hierfür aus.

Als Vorsitzender des Aufsichisrots gab

Minister Painlede

dem neu gegründeten Amt gewissermaßen ein Leitmotiv, indem er folgendes ausführte: Die intellektuelle Elite eines Volkes habe die Haupt/- aufgabe, das Genie des Volles anzuspornen, seine Kunst, seine Literatur imb seine Wissen­schaft zu entwickeln und unter den besten Formen alle Fähigkeiten zu vervollkommnen, um seine Eigenart ins rechte Licht zu setzen, die als seine Besonderheit unter den anderen Völkern gellen könne. Aber jedes Volk habe auch eine anders Ausgabe, nämlich die, die Seele der an­deren Völker zu begreif en und ge­wissermaßen der Dolmetsch im eigenen Lande zu werden. Llnglück werde über ein jedes Volk kommen, das auf die höre, die da glaubten, die Fühlungnahme mit dem Ausland sei ein Fehler. Das Voll, das auf jene schlechten Rat­geber höre, sei zu einer widernatürlichen Isolie­rung verurteilt, an der es sterben könne. Cs sprechen ferner der Generalsekretär des Völker­bundes, Sir Eric D r u m m o n d, und der Di- rettor des neu geschaffenen Völkerbundsamtes, Prof. Lechaire, der als das Programm des neuen Instituts bezeichnete, alle Pro­bleme der Organisation zu studieren, die sich be ziehen auf die verschiedenen Formen der geistigen Tätigkeit, methodisch alle Tatsachen kennen zu lernen, die sich auf die Beziehungen der Völker

auf dem Gebiet der Wissenschaft, des ^lnterrichts, der Kunst und her Literatur gründen. Kontakt zu nehmen mit allen intellektuellen Einrichtungen und denen, die es wünschen, behilflich zu sein, einander Lennen zu lernen und regelmäßig ihre Ansichten auszutauschen. Die Feier wurde dadurch besonders stimmungsvoll gestaltet, daß von einer Rede zur andern durch Musik- v ort rüge übergeleitet wurde. Auf hem Pro­gramm waren Beethoven, Mozart und Schumann vertreten.

Mussolini und dos Parlament.

Ausschreitungen in der Kammer.

Ansschfnst der Opposition.

Rom, 16. Jan lWB.) In der Kammer waren bei der Trauerfeier für dieKöingin-Mutter drei demo-soziale und etwa 25 Abgeordnete der Popolaripartei erschienen. Als bei Schluß der Sitzung der Kammerpräsident die Kammer auf Mittwoch vertagen wollte, erhob Mussolini Widerspruch und beantragte, die nächste Sitzung morgen abzuhalten, um die »moralische Frage" zu regeln, womibnach allgemeiner Auf­fassung die Rückkehr der Aventinopo- fition in die Kammer gemeint war. Dem­gegenüber erflärte Farinacci, die faschistische Partei könne die Moralfrage allein regeln. Mussolini beharrte jedoch auf feinem Vorschlag, der angenommen wurde. Unmittelbar nach der Sitzung stürzten sich einige Faschisten auf einige Mitglieder der Popolaripartei und schlugen auf s ie ein. Drei Abgeordnete sollen miß­handelt. ein vierter Abgeordneter verwundet wor­den sein.

Am Sonntag war in der Kammersitzung kein Vertreter der Aoentinopposition anwesend. Die ka­tholische Volkspartei hat erklärt, daß sie nach den Mißhandlungen von oppositionellen Abgeordneten der .Hammer fernbleiben müsse. Mussolini er­klärte, er bedauere, daß die Aoentinopposition gestern die Trauerfeier für die Königinmutter be­nutzt hätte, um in der Karniner zu erf deinen. Die Aoentmoppositton müßte, io führte er aus. bevor sie in der Kammer erfcheine. erstens die faszi ° stischc Revolution öffentlich anerken­nen. zweitens ihr Bedauern aussprechen über die gegen den Faizismus geführte Kampagne, drittens jede ltzemeinichaft mit den italienischen Emigranten abbrechen, die im Ausland gegen die Regierung hetzten. Solange er am Ruder fei, werde es den Aventmparteien niemals erlaubt fein, die Kammer zu betreten, wenn sie diese Bedingungen nicht er­füllen.

Fürstenabfindung und Volksentscheid.

Berlin. 16. Ian. (Wolff.) DerVor­wärts" meldet, daß der f oz i a l dem o kr a- tische Parteivorfland beschloß, die or­ganisatorisch? Vorbereitung für einen Volksent­scheid über die Fürstenabfindung zu treffen. Der Beschluß des Parteivorstandes ist unter dem Ein­druck der Tatsache gefaßt worden, daß nach der bisherigen Entwicklung der Dinge wenig Aus­sicht besteht, im Reichstag eine Lösung zu er­zielen, die dem Rechtsempfinden des Volkes evrrigermaberr entspricht.

China.

Die Lage in China ist recht wenig geklärt. Nachdem sich die beiden Hauptakteure auf dem chinesischen Kriegsschauplatz, die Generale Fengyuhsiang und Eschangtsolin ihre Aemter niedergelegt hatten, war im all­gemeinen die Ansicht verbreitet, daß damit der Weg für eine starke Zentralregie­rung frei sei, der bei einem Nachgeben der Mächte gelingen würde, für Ruhe und Frie­den zu sorgen und allmählich stabilere Verhält­nisse in China zu erreichen. W u p e i f u . der die friedliche Beilegung der Kämpfe angebahnt hat, blieb nun als der einzige Feldherr zurück, der den Schutz der Regierung in Peking nach dem Rücktritt Fengs übernehmen konnte. Die Aussicht dafür, daß vielleicht die gesamte mili­tärische Gewalt in China auf ihn übergehen konnte, war gegeben, besonders dann, wenn es ihm gelang, eine Einigung mit dem Süden und der Kuo-Mingtang-Partei herbeizufüh- ren. Dadurch wäre es ihm vor allen Dingen möglich gewesen, jedes Uebergewicht Tschcmg- tsolins von vornherein unmöglich zu machen, Tschang überhaupt von jedem neuen Versuch abzuhalten, sich der Bildung einer starken Zentralregierung zu widersetzen. Die Verhand­lungen hat Wuveisu schon vor längerer Zeit angeknüpst. Noch ist nicht bekannt, welchen Er­folg sie haben können. Schon tritt aber die Ri­valität unter den Mächten wieder in Erschei­nung, die teilweise befürchten, daß Wupeisu zu mächtig werden könnte. Vor allem ist es Japan, das Tschangtsolin bisher finanziert hat und auch weiter finanzieren wird. In England und Japan so wird gemeldet herrscht Beunruhigung, weil man befürchtet, Wu genieße amerikanische Unter» stützung und werde zu mächtig. Er wolle eine Regierung bilden und schützen, die aus­einanderströmenden Truppen der beiden an­deren Generale sammeln und so Alleinherr­scher werden. Schon spricht man davon, daß Mukden in ständiger Fühlung mit Tschang sei und diesen zurückrufen wolle. Man wird also damit rechnen können, daß die Rivalität der Mächte bald einen neuen Krieg in China heraufbeschwören wird, der in der Hauptsache von Japan und auch von Amerika finanziert wird. Welche Rolle in Zukunft Rußland spielen wird, ist natürlich nicht bekannt. Sicher ist, daß es vielleicht nicht un­tätig zusshen wird. Feng, dessen Ansehen auch nach dem Ausscheiden noch groß ist, ist noch nicht so fern von Peking, als daß er nicht noch eine Rolle spielen könnte.

Kunst und Willenschaft.

Das Iubiläumskunstinstitut der Universität Marburg.

In der am 15. Januar in Frankfurt a. M. abgehaltenen Sitzung des Arbeitsausschus- s« s für die Iubiläumsgabe zur 400-Iohrftier der Universität Marburg wurde von der Preußischen

Akademie des Bauwesens einstimmig gebilligte Entwurf der Hochvai-ableilung des Finanz­ministeriums für Las Iubiläumskunstinstitut unter gleichzeitiger Vorlage des schristlichen Alademie- gutachtens zum Oegcuftanb einer eingehenden Beratung gemacht. Der Arbeitsausschuß, welcher, wie bekannt, seinerzeit beim Finanzminister die Ausschreibung eines Wettbewerbs befür­wortet hatte, hat nunmehr einstimmig beschlossen, von einem Wettbewerb abzusehen und dem von der Akademie gebilligten Entwurf auch seiner­seits 3 u d u ft t m m c n. Für diese Entschließung waren folgende Gründe maßgebend:

1. Der auf wertvollen Anregungen der Aka­demie. welcher auch namhafte Privatarchitekten angehören, beruhende neue Entwurf der Hochbau­abteilung des Finanzministeriums bietet eine würdige und der Vielseitigkeit her Zwecke Rech­nung tragende Lösung

2. Rach dem Willen vieler mit großen Bei­trägen beteiligter Stifter ist die Fertig­stellung des Baues zur Jubelfeier im Juli 1 927 unerläßlich. Die Ausschreibung eines mehrere Monate beanspruchenden Wett­bewerbs würde die Crrechnng dieses Zieles in Frage stellen während die bon der Akademie gebilligten Pläne eine alsbaldige Inangriffnahme des Baues gestatten.

3. Es wird schon jetzt der größten Anstrengun­gen bedürfen, um die Mittel zur Ausführung des gebilligten Bauprojektes aufzubringen, obwohl der Finonzminister die erheblichen Kosten der Bau­leitung auf Staatsfonds übernommen hat. Das Risiko, auch die großen Mehrkosten eines Wettbewerbs und der privaten Bauausfüh­rung oufzubringen, vermag der Arbeitsausschuß angesichts der ungewöhnlich schwierigen allgemeinen Geld- und Wirtschaftslage nach sorgfältigster Prü­fung nicht auf sich pi nehmen.

4. Der Finanzminister hat, wie bekannt, die Uebernahme her großen laufenden Betriebskosten für dos Institut seinerzeit davon abhängig gemacht, daß der Bau nach den Plänen seiner Hoch­bauabteilung ausgesuhrt wird. Ohne diele Bereitstellung der Betriebskosten würde das ganze Unternehmen unburd) führbar sein. Die soeben dem Arbeitsausfd) zugegangene Mit- teilung, daß der Finanzminister an der staatlichen Bauausführung iefthölt, bestärkte den Ärbeitsaus- schuh in der Ueberzeugung von der Richtigkeit feiner Entschließung.

Besuch der Marburger Üntoerfität.

Im laufenden Winterhalbjahr weist die Phi- lipps-ldniversität zu Marburg 1859 immatriku­lierte Studierende auf. Die einzelnen Fakultäten zählen: theologische Fakultät 131, juristische Fa­kultät 591, medizinische Fakultät 318, davon 47 Studierende der Z^rhnheilkunde, ferner philoso­phische Fakultät 819, darunter 261 Philologen und Historiker. 155 Mathematiker und Natur­wissenschaftler, 127 Chemiker, 58 Staatswissen- khiiftler, 124 Pharmazeuten. Der Staat-Zange- poiigteit nach fiitb 1457 Preußen. 298 aus den übrigen deutschen Staaten und 104 2lusl ander. Mit hfl? 54 Hörern beträgt der Gesamt besuch 1913.

Don südwestdeutschen Universitäten

Der Direktor des Instituts für Koüoidfor- fchung m Frankfurt, Prof. Dr Bechhold, ist von der Akademie der Wissenschaften rn Sora- gofa, Spanien, Sektion für Physiko-Ehernte zum korrespondierenden Mitglied ernannt worden. Der bisherige cu c. Professor an der -Umberfität Frei bürg t. Br. Dr. met>. Stühmerist zum ordentlichen Professor für Dermcttalogie an her -ilnioerfität Münster Genannt worden. Dem ordentlichen Professor der inneren Medizin in her medizinischen Fakultät der ilnibetfität Wurzburg und Vorstand der älniveriitäts- llftiik Dr. Paul Mora Witz trirrbe mit Wirkung ppm 1. April an die wegen Annahme eines Rufes an die Universität Leipzig erbetene Eirtlaf- fung aus dem bayerischen Staatsdienst bewilligt. Der Rektor der lkniversität Würzburg, Geheimer Rat Professor Dr. Meurer begeht am kommenden Mittwoch seinen 70. Geburtstag. 2lus diesem Anlaß wird ihm die Studentenschaft am Dienstagabend einen Fackelzug bringen. Der Professor der Psychiatrie unb Neurologie, gleichzeitig Direktor der psychiatrischen und Ner- venkltnik der Universität Marburg Dr. Georg S t e r tz geht in gleicher Eigenschaft als Nach­folger von Professor Siemerling nach Kiel.

Schillings lehnt ab.

In einem längeren Schreiben an den preu­ßischen Kultusminister hat M a v v. Schillings das ihm angebotenc Amt des Leiters einer Meisterklasse für Musikan der Akademie der Künste abgelehnt, v. Schillings begrün­dete seinen Beschluß mit den sachlichen Gegen­sätzen zwischen ihm und den Dezernenten des Kultusministeriums. Er erinnert dabei an das Scheitern der Verlxmdlungen mit der Stadt Ber­lin über die Neuordnung der Berliner Opem- theater. das erwiesen habe, daß die Herren De­zernenten den v-om Kultusminister selbst als notwendig bezeichneten Umbau der Staatl. Kunstverwaltung noch' nicht in die Tat umsetzen wollten. Als Leiter einer Meisterklasse würde er aber weiterhin mit diesen Herren zusammenarbei­ten müssen. Schilling erbittet dann die Fort­zahlung der ihm auf Grund feiner im gegen­seitigen Einvernehmen erfolgten Ausscheidens vertraglich .zustehenden Bezüge.

Enric» Toselli f.

Der Pianist Enrico Toselli ist in Florenz gestorben Er war von 1907 bis 1911 mit der ehemaligen Kronprinzessin Luise von Sachsen, der Frau König Friedrich Augusts HL vermählt.

Englische Auszeichnung Einsteins.

Die Goldene Medaille der Königlichen Astro­nomischen Gesellschaft ist Professor Einstein für feine Relativitätstheorie verliehen tvvrden.

Aus aller Welt.

Winter in Norditalien und Frankreich.

Während in Mittel- und Sübitalien die Kälte abgenommen hat. dauern die Schneefälle in Ober« itnlien noch immer an. Im Gebiet van Novara liegt der »schnee 1,5 Meter hoch. Am Simplonpaß uns im Gebiet von Iselle find zahlrejd)e La­winen niedergegangen. Bei Fiume erfroren drei Finanzwachleute, die von einer Lawine überrascht wurden, und in Genua erfror ein 60jähriger 'Bett­ler. An der Riviera haben die Blumeukulturen starken Schaden gelitten. Im Gebiet von Trieft sind zahlreid)e Wölfe aus den Bergen erschienen. Auch in ganz Frankreich herrfdft heftiger Schneestunn. Bei Perpignan sind viele Dörfer von der Außenwelt völlig abgefdjnitten. Der Schnee liegt dort über 1,50 Meier hoch. An der ganzen Straße von Chambery ist die Schneedecke 30 Zenti-

Wettervoraussage. ' 1

Nachts erneuter Ternperctturfall und schwächet* bewölkt, tagsüber Temperaturen ansteigend, meist bedeckt, später Niederschläge (noch meist Schnee).

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum minus 3 Grad, Minimum minus 5.2 Grad C-elsius. Heutige Morgentemperatur minus 4 Grad C-elfius. Schneedecke 10 Ztm. hoch

meter dick. Die Straßenbahn hat den Verkehr ein­gestellt. Der Eisenbahnverkehr erleidet große Stä* rungen. Jp der Provinz sind mehrere Züge im Sd)nee stecken geblieben.

Don einer Ratte angesresseu.

In Niederfischbach wurde ein Ehepaar durch lautes Schreien ihres zweijährigen KindeS aus dem Schlafe geweckt. Bei näherem Zusehen sand es, daß fjch eine Ratte auf den Hals des Kindes festgesetzt hatte und Las Blut auf die Bettwäsche floß. Glücklicherweise wurde d-is Kind noch rechtzeitig von dem gefährlichen Naaetier befreit.

Durch brennendes Benzin gefiftet.

Freiburg nahm vor einer Wirt­schaft der Karl Dernauer eine Reparatur a n seinem Lastauto vor, wobei Benzin auf leinen Anzug ttöpfelte. Nach Behe­bung deS Schadens ging Bernauec in die ge­nannte Wirtschaft. Als ihm von einer Be­diensteten ein Streichholz zum Anbrennen einer Zigarette gereicht wurde, züngelten am Körper Bern au er s blaue Flämmchen hoch und im Nu war er eine lebende Feuersäule. Die Anwesenden warfen Tischdecken über den De-- dauernswerten, um die Flammen zu ersticken. Jedoch hatte das Feuer <chon derart von feinem Körper Delitz ergriffen, daß Haare,-»Nägel und Hautteile sich loslösteit unt> schwere Brandwun­den den ganzen Körper bedeckten. 'Dernauer wurde in die Klinik derbracht wo er Sonntag, nachmittag feinen schweren Verletzungen erlag.

Verhängnisvoller Irrtum.

In Pirmasens griff der verheiratete 47 Aabre alte Bierführer Franz Lienhard zur°> schung seines Durstes irrtümlich nach einem Bier-« krug, der Schwefelsäure enthielt. Den Irr­tum sogleid; bemerkend, setzte Lienhard den Krug ab. Er hatte aber von der Schwefelsäure bereits genossen und mußte nach dem Krantenhaufe ge^ bracht werden, wo er balö nach seiner Einlieferung an schweren inneren Verletzungen starb.

Finanzieller Zusammenbruch einer Skodtgemeinde.

In der Bürgermeisterei Bendorf <Rheinpro>- vinz) mürbe angeordnet, die Gemeindekasse für alle Ausgaben zu fd)ließen. Es wird weder eine Er­werbslosenunterstützung noch eine Ausgabe für Wohllahrtszwecke mehr geleistet, sofern es sich nicht um etaQts^ oder Kreiszujchüsfe handelt. Bendorf hat augenblicklich etwa 10(m) Haupnmterstützungs- empfänger. Die 'Beamien und Lehrer Haden ihre Januargehaltec noch nicht erhalten. Man erwartet, daß die Regierung eingreift.

Ein neue« awerckanftcheS Leukluftschift.

Generaldirektor Fr i t 1 che von der Gesell­schaft zur Förderung der Lufttahrk in Dearbon (Michigan, teilte in einer Ingenieurversammlung in Neuyork mit, daß Plane für den Bau eine# lenkbaren Luftschiffes fertiggestellt seien. Las 2,, jma[ so groß fei tote dieShenandoah". für Handel- und Kriegszwecke gleich oerttrenbbar sei und binnen 48 Stunden für mili­tärische Zwecke hergerichtet welchen könne. Gs sei feuerfest, sturmsicher, luxuriös ein­gerichtet wie ein Pullmann-VKLgen und ganz aus Metall. Frttsche bezweifelt aber eine writer- gehende Verwendbarkeit solcher Luftschiffe für längere Fahrten, da die Betriebsstoffe zuviel Raum in Anspruch nehmen.

Eine grauf-ge Bluttai.

Als sich in Noskow v lKreis <Anejen) ein Streckenwärter zum Nachtdienst begeben hatte. Prangen maskierte Räuber in seine Wohnung ein und verlangten von der Frau Geld. Als die Frau beteuerte, nur 45 Zloty zu haben, stachen fie die unglückliche Mutter von acht Kindern nieder und ermordeten dann drei ihrer Kinder auf bestialische Weise. Die Bande ist unerkannt entflohen.

Inangriffnahme der rNainkonalisierung.

Die Inangriffnahme der Mainkanalisierung von Aschaffenburg ab aufwärts wirb nad) einer Mitteilung bes Bayerischen Kanal- und Sd)iffahrtsvercins im Fi-ühjahr dieses Jahres be­ginnen, und zwar gleichzeitig an vier bis fünf Stau­stufen und ben dazwischen gelegenen Stromstrecken. Da bie R h e i n - M a i n - D o n a u - A.-G. auf ihre 20-Millionen-Dollar-Anleihe bie erste Rate von sechs Millionen bereits erhalten hat, kann bas Werk raschen Fortgang nehmen. Die Berhanblungen we­gen einer Inbustrieabgabe auf Schiffe ftnb bisher recht günstig verlaufen. Für ben Ausbau kommt zunächst nur die bayerische Strecke Ascha ff en-, bürg Miltenberg in Frage. Die übrigen Projekte, bie u. a. Staustufen in Freubenberg. Faulbach unb Eichel vorsehen, werben zur Zeit ausgearbeitet. Durch ben Beain her Kanali­sation bürste der großen Arbeitslosigkeit im Main­tal etwas abgeholfen werden.

Zwei 2Uenfd)en von einem wütenden Bullen getötet.

In Altrnerswebel bei Salzwebel war bet Ge- meinbebulle on einen neuen Stanbort gebracht wor­ben. Die neue Umgebung machte bas Tier scheu. Es zerbrach bie im Rasenrin^ eingehakte Führer­stange unb stürzte sich bei ber Fütterung auf feinen Führer. Der Mann würbe gegen bie Staflroanb gebrürft unb förmlich aufgeipießt. Ein zu Hilfe eiienber Grunbbesitzer erlitt gleichfalls schwere Verletzungen, benen er nach wenigen Stunben er lag. Da man bes Bullen nicht anbers Herr werben formte, mußte man ihn erschießen.

ReichSgründungSseier deS Vereins Deutscher Studenten.

In der Neuen Aula der Berliner Uni- t> c t f i t ä t fand die Reichsgründungsfeier des Vereins deutscher Studewen statt. Der Vorsitzende des Vereins, stud. jur. Neumann, begrüßte die zahlreichen Gäste. Pfarrer Haupt-GoSlar hielt die Festrede. Er betonte, daß die Stund? mch' angetan sei für rauschende Festesfreude, daß man aber auch nicht auf den Ruinen meinen dürfte. Die Feier solle eine Stund? der Setbstbesimrimgs werden. Landesrat Professor Dr. Hüdler-Graz Mitglied der steiermärkischen Landesregierung, sprach dann über Deutschösterreich und die Reichs- grünhung.

Reichskommers bet Burschenschafter.

Die Burschenschafter Groß-Berlins hielten heute ihren 40. Reichskommers ab, ber gleichzeitig mit einer großen Kundgebung für Deutsch- Oesterreich unb bas Grenz- und Ausi»