fengericht wurde gestern in später Abendstunde der Obergerichtsvollzieher S p ä t h e wegen w i - verrechtlich er Aneignung von 69 Paar Schuhen, die er aus einer Pfändungs- masse unterschlagen hatte, unter Anrechnung der Alntersuchungshaft mit neun Monaten Gefängnis bestraft. Strafmildernd wurde die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten in Betracht gezogen. Dagegen betonte der Richter,
bah im Interesse des Ansehens der Beamten und der Aufrechterhaltung der Staatordnung gegen Beamte, die sich derartig vergehen, mit der ganzen Streng« des Gesetzes eingeschritten werden müsse. Eine weitere Anklage gegen Spätste wegen Verstoßes gegen die Gebührenordnung wurde auf Freitag vertagt. Zu der Verhandlung sind 27 Zugen geladen.
Hessische Philologentagung in Gießen.
Die Fachsitzungen.
Die Fachsitzung der evang. Aeligions- l e h r e r, an der von feiten des Landeskirchenamts Geheimerat Flor in g. von feiten des Landesbildungsamts Ministerialdirektor AI r - stadt und Staatsrat D l o ck und als Vertreter der theologischen Fakultät Prof. S>. Schmidt le.lnahmen, befaßte sich vor allem mit der Frage der Rotenbewertung, die durch behördliche Erklärung eine den Wünschen der Religionslehrer entsprechende Regelung erfuhr. Hieran schloß sich der Vortrag des Vorsitzenden Prof. L a m p a s über „Die neuesten Angriffe gegen das Alte Testament und ihre Bedeutung für den Religionsunterricht". Der Redner setzte sich besonders mit den Bewegungen gegen daS „Jüdische" im Christentum auseinander, gab zu, daß der zeitgeschichtlich bedingte Charakter des Alten Testaments noch starker betont werden könne, hob aber dann um so ent'chiedener dessen bleibenden erzieh- lichen Wert heraus. Die Aussprache diente zur weiteren Klärung.
Die Tagung des Deutschen Altphilo- kogenverbandes wurde mit begrüßenden Worten von Studienrat Dr. L i st m a n n eröffnet, der vor allem eingehend auf die Festigung und Klärung des humanistischen Dildungsideals hinwies. Danach folgten vormittags drei Vorträge von Angehörigen der Alniversität Gießen, die den W llen engsten Zusammenwirkens von Schale und Alniversität auf dem Gebiet der humanistischen Erziehung aufs schönste zum Ausdruck brachten. Professor Dr. Kalbfleisch svrach zu den Lehrplänen über die griechisch-römische Metrik in der Schule. Prof. Dr. Herzog behandelte in lebendiger Darstellung das Thema: .Die hellenistische Literatur in der Schule. Frau Prof. Dr. Bieber svrach über .Das griechische Theater im 5 Iahr- hunder t". Am Rachmittag d«S Verhandlungstages sprach Etudienrat Dr. L i st m a n n über Organisation und Ziele, sowie über die bereits geleistete Arbeit des Reichs- und Landesverbands im verflossenen Jahr und über die augenblicks zu bewält'genden A fgaben. In den Vorstand wurden gewählt außer Studienrat Dr. L i st m a n n- Darmstadt Oberstud'endirektor Dr. Müller» Offenbach, AIn'dersitätsprofessor Dr. Herzog» G'eßen und Professor Dr. S ch w a r z - Mainz. Alsdann hielt Oberstudiendirektor Dr. Müller einen Vortrag über die hessischen Lehrpläne. Der Vortragende legte die Verstiegenheit und Aln- klarheit der ganzen Zielsetzung der Reformen dar. Den Inhalt seiner Ausführungen faßte der Vortragende in 12 kritischen Leitsätzen zusammen, die einstimmig angenommen wurden.
Alntcr dem Vorsitz von Prof. Dietrich, Darinstadt, sand eine zahlreich besuchte Fach- sitzung der neusprachlichen Abteilung statt. Studienrat Dr. Krämer, Darmstadt, sprach über „Sinn und Wesen des neusprachlichen Alnterrichts". Daran anschließend behandelte Oberstudiendirektor Dr. Stockhausen. Offen bad) „Die neueren Sprachen im neuen Lehrplan der Oberrealschule" und wies nach, daß es schlechterdings unmöglich ist, die in den neuen Lehrplänen vorgesehenen Ziele zu erreichen durch die beherrschende Stellung der Mathematik einerseits und die geringe Stundenzahl für die Frenrd- sprachen andererseits. Abänderungsanträge wurden gestellt. Den Schluß der Sitzung bildete ein von Lektor Dr. Vlamynk in französischer Sprache gehaltener Vortrag über die Bedeutung des Symbolismus für die französische Dichtung.
Mit großem Interesse sahen die Reu- s p r a ch l e r der Aussührung eines englischen einaktigen Stückes durch die Mitglieder des eng- lischen Seminars an der Alniversität entgegen, die in der Turnhalle stattsand. Einleitend schilderte Lektor Scott B a y l i ß in kurzen Zügen das Wesen des englischen Dramas. Das Stück
----»I Ml
Die tolle Herzogin.
Roman von E r n st Klein.
Copyright by Carl Duncker, Lerlag, Berlin.
43 Fortsetzung. Nachdruck verboten
Der Mann griff in die Tasche seines Fracks, entnahm ihr ein gelbes, versiegeltes Kuvert und reichte es ihr---
"Frau Herzogin," sagte er, ,chier sind der Vertrag Lord Burnhams und die Briefe der Lady Grace."
Unsicher, kaum ihren Augen, ihren Ohren trauend, griff sie nach dem Kuvert. Hielt es. Oeffnete es nicht. Blickte nur den Mann an.
Zäh fuhr sie wie aus einem Zauber auf. Sprang an den Tisch. Riß das Kuvert auf — —
Za — ja--— da waren sie! Das dünne
Durchschlagpapier mit der Abschrift — das Päckchen mit den Briefen---1
Sie achtete nicht darauf, daß ihr der Mantel von den Schultern geglitten war. Sie stand und starrte die Papiere an--ihre Hände zitterten
--ihre Lippen bewegten sich---
Und dann--dann---
Alle die Not, die Qual, die Herzensangst der vergangenen Tage, die sie schon überwunden, ver- Kessen glaubte, brachen in wlldem Sturz aus ihrer Brust heraus. Sie fiel in den Stuhl neben dem Tisch ---und schluchzte, schluchzte---. Kon-
vulsiioisch zuckte ihr ganzer Leib---auf dem
Boden lag der Hermelinmantel--
Langsam, langsam ward sie frei. Ihr Atem ging ruhiger. Sie hob den Kopf--sah sich um--
sie war allein.
Doch der Fremde schien nur auf diesen Moment gewartet zu haben. Er hatte sich vor ihrem Schmerz diskret zurückgezogen — nun trat er aus der Loggia herein — —
"Daus ich Ihnen etwas anbieten?* fragte er. „Ein Glas Wasser, bitte!"
Er ging hinaus und brachte ihr das Verlangte. S e trank zwei, drei gierige Schlucke. Tupfte in den Rest des Wassers ihr Batisttuch und fuhr sich damit über die Augen.
„Sie müssen mich für sehr dumm und albern Hallen , sagte sie bann mit leisem Lächeln.
selbst, Drinkwaters „Little Johniry", wurde flott gespielt und gab ein typisches Bild der englischen Gerichtsbarkeit mit ihren altertümlichen S.tten und Trachten. Der ßeiter des englischen Seminars, Alniversilätsprofessor Dr. Horn, der Lektor und die mitwirkenden Damen und Herren haben sich aller Dank verdient.
In der D e u t s ch k " n d l i ch e n Abteilung hielt Studienrat Dr. Ludwig (Groß- Almstadt) einen Dortrag über die Lesebuchsrage. Der Dortrag war eine scharfe Kritik an dem Lesebuch „Saat und Ernte", das bestrebt sei, das nie ruhende Leben in seiner Rhythmik und Dynamik einzufangen. Es sei notwendig, mit der philosophischen Einstellung, die von den Lehrplänen gefordert wird, auch hier Ernst zu machen. Eine sehr lebhafte Aussprache schloß sich an. Den zweiten Dortrag hielt Studienrat Schoen (Gießen) über das Thema „Lehr- oder Arbeitsschule in Deutschunterricht". Der Redner trat für die Ersetzung der Lernschule, die bloße Einprägung von Wissensstoffen erstrebt und Wissen, aber kein Können erzielt, durch die Arbeitsschule ein. Abgewiesen wurde das Aleberwiegen der Handarbeit: wesentliches Kriterium ist die Befreiung des inneren Lebens. Aus eigenen Versuchen wurden Erlebnisse mitgeteilt und vom Standpuntt der Arbeitsschule der neue Lehrplan beurteilt.
Oberstudiendirektor Pfersdorfs eröffnete die Sitzung der machemalisch-physilalischen Fachgruppe mit einem Aleberblick über die Wandlungen des mathematischen und naturwissenschaftlichen Alnterrichts, denen im letzten Jahr das Hauptinteresse zugewandt war. Zu den Lehrplänen und Stundentafeln sprachen Studienrat H e u ß e l. Prof. Dr. Maennchen und Oberstudiendirektor Pfersdorfs. Maennchen zeigte an treffenden Beispielen, wie die Mathematik nicht nur das logische Denken, sondern vor allem auch die produktive Phantasie und die Erfindungsgabe dec Schüler zu fördern vermag. Alniversitätsprofessor Dr. Schlesinger beleuchtete in einem geistvollen Dortrage die kulturelle und geisteswissenschaftliche Bedeutung der Maihimatiki Diese Wissenschaft wird leider in Deutsa-.ano in den letzten Jahrzehnten stark unterschätzt. — In der Rachmittagssitzung zeigte der berühmte Rechenkünstler Dr. R ü ckl e in einem mit großem Beifall aufgenommenen Dortrag, wie man durch planmäßige Beobachtung individueller Zahleneigenschaften das sonst so „trodene“ Zahlenrechnen beleben kann. In der allgemeinen Aussprache trat hervor, welche starken Einbußen unsere Fächer durch die eingetretene Beschränkung der Stundenzahlen, selbst auf der Oberrealschule, erlitten haben. Besonders in der Physik bedeutet diese Reuordnung einen Rückschlag um 30 Jahre.
Zn der chemisch-biologischen Abteilung führte Professor Dr. Bo eck (Gießen) den Vorsitz. Dr. F l o e r t e (Gießen) sprach über die Stellung der Mineralogie und Kristallographie in den neuen Lehrplänen. Er betonte, daß diese Gebiete einer weit stärkeren Berücksichtigung bedürfen, als vorgesehen ist. Dies setzt jedoch eine dementsprechend gründlichere Ausbildung der Chemie« lehrer voraus. Professor Dr. Bo eck sprach über Arbeitsunterricht und die neuen Lehrpläne in der Biologie. Er betonte die Schwierigkeit, im Rahmen der zur Verfügung stehenden geringen Stundenzahl den Unterricht so auf Hebungen und Exkursionen aufgubauen, wie es notwendig wäre. Universität- profefi'or Dr. Funk trat mit warmen Worten für den Schuh unserer heimischen Pflanzen- und Tierwelt em. Er machte Vorschläge zur Organisation eines Naturschutzes.
Zn der geographischen Fachabteilung erstattete Studienrat Dr. K n i e r i e m vor einer zahlreichen Zuhörerschaft seinen Bericht „Zur Lage der Geographie", der sich mit dem neuen Lehrplan beschäftigte. Die ausgedehnte Wechselrede zeitigte
„Frau Herzogin", gab er zurück. „Ich würde mich gewundert haben, wenn Sie nicht gemeint hätten — —"
Wieder sah ste ihn an. Groß war er, breit in den Schultern, in dem kühnen, energischen Gesicht ein seltsam Leuchten--. Sie verstand es, dieses
Leuchten--Noch ihrem Mantel tastete sie--
Er war sofort bei ihr, hob ihn auf, legte ihn um ihre Schultern---Draußen rauschte das
Meer---
Sie stand und wußte nichts zu sagen, nichts zu beginnen. Wo war ihr Stolz--ihr Sieges-
bewußtsein--?
'-Zch. 'ch —* sagte sie endlich, zögernd, zaghaft. — Sie haben gewiß Mühen und Kosten gehabt, mein Herr--"
Er winkte mit der Hand ab--
»Das hätten Sie vorher fragen müssen, Frau Herzogin", lachte er. „Jetzt ifts zu spät?
Sie wurde dringlich. Trat auf ihn zu.--
„Aber Sie wissen nicht, wie wertvoll mir — uns diese Papiere sind!"
„Um so größer meine Freude, sie Ihnen zurück- erstatten zu können, Frau Herzogin."
Sie kam sich so klein vor--so--sie
wußte selbst nicht recht wie. Ein Gefühl, wie sie noch keines gehabt hatte, schnürte ihren Stolz ein Machte gleichzeitig ihre Pulse höher schlagen. Doch plötzlich zuckte grell, schmerzhaft, ein Gedanke hervor: ---
„Sie haben ihn erschossen?"
Er nickte.
„3a, ich habe ihn erschossen. Und ich hoffe, diese Tat wird mir dereinst am Tage des jüngsten Gerichtes hoch angerechnet werden."
Wie er da vor ihr stand — —!
Unwillkürlich — — sich selbst vergessend--
kam sie ganz nahe an ihn heran---
„Wer sind Sie?" fragte sie
»Zch heiße James Wood, Frau Herzogin."
2 8. Kapitel.
Sie war enttäuscht. Kam sich lächerlich vor mit öicfer Enttäuschung — aber sie war nun einmal enttäuscht. Einen ganz anderen Namen hatte sie er- erwartet — einen stolzen, klingenden. Einen, der zu dem Manne paßte wie der Frack, den er trug. 3ames Wood! Wie ein Ritter aus blauem Märchen-
eine Anzahl von Anträgen. Die geographische Fach- abteilung bedauert, daß der Quinta die dritte Stunde genommen worden ist, und fordert, daß diese Aende- rung wieder rückgängig gemacht wird, und daß auch die Sexta 3 Erdkunoestunden erhält. Sie bedauert ferner, daß den Oberklassen nur eine Stunde gegeben worden ist. Aus pädagogischen Gründen muß unbedingt die zweite Stunde gefordert werden, ganz ab- gesehen davon, daß ein einstündiger Unterricht pä- dogogisch und methodisch nicht y.\ rechtfertigen ist. Ferner muß der Lehrplan für Unter- und Obertertia den Lehrstoff festlegen, nicht nur aus Gründen der Einheitlichkeit in allen Schulen, sondern auf die Einrichtung der Lesebücher.
Studienrat Prof. Herbert (Worms) machte dann „Einige Mitteilungen zur Neubearbeitung der Wamserkarte von Hessen". Studienrat Weiß (Worms) wies auf die beabsichtigte Ausgabe von Reliefkarten der drei hessischen Provinzen hin. Nachmittags besuchte man die Ausstellung „Deutsche Landschaften in Schulbeispielen".
Die Fachabteilung für Turnen, Spiel und Sport tagte unter Leitung des Oberstudiendirektors Lauteschläger, der auch für das kommende Zahr zum Vorsitzenden gemäblt wurde. Zunächst gab er die Grundsätze und Richt- linien bekannt, nach denen die Schlagballwettspiele um die beiden Wanderpreise sich regeln sollen. Der vorgeschlagenen Einteilung der drei Provinzen in einzelne Bezirke wurde zugestimmt, ebenso dem Antrag des Vorsitzenden, die Wettspiele auf neuen Einheitsregeln entsprechend auszutragen. — Dann berichtete Oberstudiendirektor Lauteschläger über die Maßregeln, die notwendig werden durch die Erhöhung der Zahl der Turn- und Spielstunden in den neuen Lehrplänen. Eine ausgedehnte Aussprache gab allen Fachgenossen Gelegenheit, Wünsche und Anregungen aller Art vorzubringen und zu begründen.
In der Tagung der geschichtlichen Fachgruppen sprach Studienrat Dr. König über ..Grenzprobleme im Westen". Er behandelte die ge- sellschaflliche und staatliche Entwicklung in den zur Zeit vom Deutschen Reich im Westen ungelösten germanischen Gebieten: Niederlanden, Flandern, Eupen, Luxemburg, Deutsch-Lothringen, Elsaß und Schweiz. Ungefährdet ist germanische Art in Holland und in der Schweiz. Dagegen schienen die dazwischen liegenden besonders gefährdet, weil sie sich seit langer Zeit hemmungslos der französischen Zivilisation Hingaben. Die „Gesellschaft" ist dort stark durch das Französische beeinflußt, aber die bäuerliche Schicht bleibt doch fest beim Deutschtum, wobei die Kirchen beider Bekenntnisse in hervorragender Weise mitroirften. So ist das deutsche Volk erwacht und nunmehr im Kampfe gegen französische Regierung und Französierungsbestrebungen. Wie die Sprach- grenze noch heute besteht, wie vor 1500 Jahren, so wird auch die deutsche Art noch weiter bestehen. Hierauf hielt Studienrat S e p b o l d - Grünberg einen sehr fesselnden Vortrag über „Staatsbürgerlichen Unterricht im Zusammenhang mit allgemeinen Stcmdesfragen".
Zn der philosophischen Abteilung sprach Prioatdozent Dr. Raab über das Thema „Philosophie in der höheren Schule". Er stützte sich auf die These, daß es Philosophie als Lehrfach nicht gäbe, sie sei nichts anderes als vor allem Erkennt- nis der in der Welt wesensmäßig notwendigen Zusammenhänge. So nähme die philosophische Erkenntnis die Vorurteile weg, gäbe aber kein neues Wissen. Philosophische Unterweisung bestehe darin, den Menschen immer dahin zu bringen bei allem Denken und Tun, seinen Sinn auf die letzten Grunde zu richten. Als die beste Methode dieser Unterweisung stellte der Referent die okkasionalistische Methode hin, bei der das Problem aus dem Gana der gemeinsamen Arbeit sich bei rechter Gelegenheit ergäbe und herausgearbeitet werde.
Die Hauptversammlung.
In der neuen Aula der Alniversität fand gestern vormittag die Hauptversammlung statt, die sehr stark besucht war.
Der Vorsitzende, Oberstudjenrat Prof. Dr. R e e b, eröffnete Die Versammlung mit begrüßenden Worten an die Gäste und mit Dank an die Alniversität für die Aleberlassung der Aula. Es waren u. a. als Gäste zugegen: Ministerial- direttor AI r st a d t als Vertreter des Staats- präs deuten und des Landesamts für das DU- dungswesen, Provinzialdireltor Graes, Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Dr. Bürker. Beigeordneter Dr. S e i b für die Stadtverwaltung, Oberstleutnant Fritz als Vertreter der
lande trat er in ihr Leben — und nun James Wood---1
„Zch muß jetzt gehen", sagte sie.
Aber sie streckte nicht die Hand aus, um sie ihm zum Abschied zu geben. Und sie rührte sich auch nicht vom Platze.--
„Ich habe weder das Recht noch die Macht, Sie zurückzuhalten, Frau Herzogin", sprach er--
Wenn er nur nicht so lachen wollte! Nur nicht so sie anfunkeln wollte mit den dunkeln, übermütigen Augen —--l
„— aber darf ist etwas sagen?"
„Was wünschen Sie also?" fragte sie — scheu, furchtsam.
„Würden Sie mir die Ehre erweisen, ein Glas Champagner mit mir zu trinken, Frau Herzogin?"
Während der ganzen Unterhaltung hatten sie dicht voreinander gestanden. Blick immer in Blick. Und nun erschrak Gloria. Sie fühlte ihr Blut heiß werden. Fühlte, wie es in den Adern zu wirbeln begann---. Ihre Sinne zuckten--.
„Zch habe nicht lange Zeit", erwiderte sie —
„So lange Sie wollen, Frau Herzogin."
Er öffnete die Tür zu dem rückwärts gelegenen Zimmer. Hier wartete ein köstlich gedeckter Tisch. Silber und Kristall funkelte auf ihm. Wunderschöne, rote Rosen leuchteten aus seiner Mitte empor--
üppige, blühende Rosen. Und ein ri/figer Neger stand neben dem Champagnerkübel bereit--.
„Das ist Zbrahim, der Sohn des Abdullah, die Perle unter den Negern", sagte James Wood. Er schreibt deutsch wie Professor Einstein und spricht englisch wie Lloyd George. Er ist in seinem Aeuhe- ren schwarz wie Kohle und in seinem Innern weiß wie ein Kind an der M-itterbrust. Und zum Schluß sei noch hinzugesügt, daß er bei der Rückerlangung Ihrer Papiere keine unbedeutende Rolle gespielt hat, Frau Herzogin!"
Mit raschen Schritten ging Gloria auf den Neger zu und reichte ihm die Hand.
"Zch danke auch Ihnen, Herr — Herr Ibrahim. Und ich hoffe, Sie werden meinen Dank annehmen, nicht so wie Ihr Herr, der ihn zurückweift."
„Tue ich das?" lachte James Wood. ,Lst das nicht Dank genug, wenn Sie, Frau Herzogin, mit einer obskuren Persönlichkeit wie Ihrem ergebenen Diener hier ein Glas Champagner trinken? 'Denken
Wehrmacht und Landeskommandant, Land« gerichtsprästdent Reuenhagen, Superintendent, Oberkirchenrat Wagner, Pfarrer Dech - t o l s h e i m e r, Geistlicher Rat Beyer, Provinzialrabbiner Dr. Sander, Handelskammer» präs.dent Schirmer, Lehrer Kneipp vom Gießener Lehrervereln, Lehrer G o e r h vom Hefs. katholischen Lehrerverein, Geh.-Rat M e l l - mann, der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes.
Hierauf sprach Ministerialdirektor Air stabt, der die besten Wünsche und Grüße des Landesbildungsamtes und des Staatspräsidenten überbrachte. Der Redner betonte toeter das große Interesse des Landesbildungsamtes am Philologenverein und seiner Arbeit für die höheren Schulen. Dann sprach der Redner, der das Jahr 1926 als ein Rotjahr In der Geschichte des hessischen höheren Schulwesens bezeichnete, „ernste Worte über ernste Dinge". Gr hofft, daß die hessischen Philologen in ihrer oft bewährten Staatsgesinnung für die notwendig gewordenen Sparmaßnahmen nicht Personen verantwortlich machen werden, sondern die Verhältnisse, deren Alnersreulichkeit auch dem Philologenstand Opfer auferlegen. Das Landesbildungsamt habe alles getan, um dieD rchsührrng derLandtagsbeschlüsse so schonend wie möglich zu gestalten. Der Redner beschäftigte sich weiter mit der endgültigen Einführung der neuen Lehrpläire^^die in der hessischen Schulgeschichte ein Wendepunkt fein würden. Die Rotwendigkeit dieser Maßnahme bejahte der Redner, und er gab seiner Hoffnung aus den Idealismus der Philologenschaft Ausdruck, der auch für dieses Werk noch vorhanden sei und nutzbringend wirken werde. In diesem Geist möge die Philologenschaft weiter arbeiten zum Wohle der Jugend, der Schule und des Vaterlandes. Auf diesen Deist vertrau« das Oan- desb'.ldungsamt, und deshalb begrüße und beglückwünsche er im Ramen des Landesamts dir Hauptversamml'.'ng. (Vereinzelter Beifall.)
Se. Magnifizenz der Rektor Pros. Dr. Bürker sprach die Grüße der Landes-Alnivcr- sität aus und betonte die innige Gemeinschaft der Interessen, die der Philologenverein und die Alniversität an den neuen Lehrplänen haben. Le der habe Prof. Dr. Horn von der Alniversität im Einverständnis mit dem Gesamtsenat bei der Stellungnahme zu den neuen Lehrplänen daraus Hinweisen müssen, daß die Landes-Alni- versitat vor der Aufstellung der neuen Pläne nicht gehört worden sei. Einträchtiges Zusammenarbeiten zwischen Philologenverein und Alniversität zum Wohle der Jugend sei notwendig. Weiter nahm der Redner Stellung gegen die unsinnigen Gerüchte über einen Abbau der Alniversität Gießen, die sich im Gegenteil recht lebenskräftig fühl«, und ferner bat er um die Unterstützung der Siebener Hochsckulgesellschaft. der jeder Freund unserer Alniversität und jeder ehemalige Gießener Student angeboren müßte, um dergestalt die Alniversität zu kräftigen und zu fördern. Mit dem Wunsch«, bah aus diesen Beratungen Lehrpläne entstehen möchten, di« unsere kommende Generation um ein bedeutendes Stück vorwärtsbringen. schloß der Redner feine mit stürmischen Beifall aufgenommene Ansprache.
Der Vorsitzende des Deutschen Philologenver- bantes, Geh. Rat M e l l m a n n, mit lebhaftem Beifall begrüßt, sprach im Ramen des DerbandeS mrd der preußischen, württembergischen. badischon und naffauifchen Organisationen herzliche Druß- worte. Er erinnerte sodann an den Ausgangspunkt der Gründung des Deutschen Philologen- verbandes: eine Red« des Staatsrats Block, des heutigen Referenten, di« er vor 25 Jahren hier in G.ehen gehalten hat Weiter sagte der Redner, wenn wir nicht überall Regierungen hätten, die alles nur nach polittschen Gesichtspunkten verwalteten, dann stände es um die Philologonscwst besser. So aber werd« sie ^beiseite geschubst", und mit vollem Recht sei heute beklagt Worten, daß bei der so schwerwiegenden Frage der neuen Lehrpläne nicht auch die AJni- versität vorher gehört wurde. Dieses Vorgehen sei höchst bedauerlich. Man könne doch sonst immer auf den Idealismus der Philologenscbaft zurückgreifen! Wer glaube, mit dem jetzigen Abbau Ersparnisse zu machen, der irre sich gar sehr. Wemi die Zahl der Schüler sich vermehre Lehrer abzubauen. lediglich im Interesse der Finanzen, sei verkehrt. Der Redner wünschte dem Hess. Philologen verein, daß alle verkehrten Maßnahmen im Orkus verschwinden und man end- lich wieder zu gesunden Verhältnissen im hessi-
Sie einmal nach, haben Sie schon je eine solche Einladung angenommen? Oder sagen wir besser, hätten Sie sie angenommen, wenn man sie Ihnen gemacht hätte?"
„Nein — Sie sind der erste, der das wagt!" rief sie. Aber sie lachte--.
„Nun also! Schenk ein, Ibrahim, Sohn des Abdullah! Wir wollen anstoßen auf diese Minute, Frau Herzogin!"
Der Neger hielt ihr das^Glas hin, in dem der goldgelbe Saft schäumte und perlte. Schon schob sie es an die Lippen--doch da kam ihr neuerdings
die Warnung Sir Walters in den (Sinn! — Ein gefährlicher, verwegener Bursche! — Konnte nicht irgend etwas in Dem Olafe sein — —?
Er sah ihr Zaudern. Lachte--ihr stieg das
Blut in die Wangen--. Sie schämte sich.
„Trinken Sie ruhig, Frau Herzogin! — Es ist der beste Champagner, den ich in diesem Provinz- ncst, das sich Ostende nennt, auftreiben konnte. Er ist rein — ganz rein---!
Sie ließ ihr Glas an das seine klingen. Sie tranken. Der Neger war lautlos verschwunden. Sie waren allein.
„Noch ein Glas?"
Ich nc’n — — i<f) muß fort — wirk-
War die halbe Stunde nicht schon um? Und — und hatte sie Ryce nicht die Adresse gegeben?
„Sie selbst müssen fort!" rief sie. „Man kennt dieses Haus! Man wird Sie hier finden! Ich---
ich--ah, ich habe doch nicht gewußt, mit wem
ich es hier zu tun haben würde — ich selbst habe Sir Walter Ryce von der englischen Polizei die Adresse gegeben--1 Er wird kommen, Sie ver
haften — —! Eilen Sie! Fliehen Sie!"
Er schenkte gelassen die beiden Gläser voll. Rührte sich nicht von seinem Platze.
Ja, verwegen war er! — Tollkühn — Ein Mann — ein Mann---!
„Täte Ihnen denn das so leib, wenn man mich verhaftete?" fragte er.
Da brach — wider ihren Willen fast — ein Licht aus ihren Augen heraus! Flammte ihm entgegen — — das Geständnis einer Frau, die sich van ihren Sinnen übermannt fühlte.
(Fortsetzung folgt.)
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