Abg. Dr. Schneider-Berlin (Dem.) verlangte, daß die Sätze für die Hauptimterstützungs- empfänger um 10 Prozent und für die alleinstehenden Jugendlichen um 20 Prozent erhöht werden sollen. Der Vertreter des Zentrums brachte einen ähnlichen Antrag ein. Nach sehr eingehender Aussprache wurden die gleichlautenden Anträge der Demokraten und des Zentrums auf Erhöhung der Unterstützungssätze angenommen. Die Beschlüsse müssen zunächst dem Haushaltausschuß zur Nachprüfung oorgeleat werden. Reichsfinanz- minister Reinhold griff mehrfach in die Aussprache ein und legte seine grundsätzlichen Gedankengänge über die Bewegung des Arbeitsmarktes dem Ausschuß dar. Hierauf versprach der Finanzminifter eine Prüfung der Frage, wie den ausgesteuerten Erwerbslosen durch eine einmalige Zuwendung geholfen werden könne.
Im Rechtsansschns;
für die besetzten Gebiete
wurde ein Antrag Dr. Beckers (Dt. Vp.) besprochen, den Gemeinden mit Besatzung für die Unterstützung des Wohnungsbaues darlehensweise Borschüsse zu gewähren, uni die Bautätigkeit zu fördern. Der Regierungsvertreter führte aus, daß im Haushalt für 1926 ein Betrag von 10 Millionen Mark vorgesehen ist. Es sollen Baudarlehen in Hohe von 10 bis 12 000 Mark gewährt werden. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Der nächste Punkt betraf die Frage der von den Franzosen im Gefängnis gehaltenen deutschen politischen Gefangenen. Generalreichskommissar Schmidt machte längere Ausführungen und Angaben über der Zahl der Gefangenen in den verschiedenen Gefängnissen. Der überwiegende Teil der Gefangenen sei wegen gemeiner Delikte verurteilt worden.
Das Reichskommissariat sei zur Zeit in Unterhandlungen mit der Rheinlandkommission wegen Erlaß oder Milderung der Freiheitsstrafen. Gin Abschluß der Verhandlungen sei in DLDe zu erwarten. Cs wurde ferner darauf hingewiesen, daß die gefangenen Reichsdeutschen durch das Rote Kreuz betreut werden. Ein Vertreter des Auswärtigen Amts machte ferner Mitteilung über den Fall Graff, der zur Zeit vor einem Schiedsgericht verhandelt wird, dem ein Deutscher, ein Belgier und ein Schweizer angehören.
Die Fememorde. Ausschußberatungen des Preußischen Landtages.
Der Ausschuß des Preußischen Landtages für die Untersuchung der Beziehungen zwischen deutschnationalen Abgeordneten und Fememördern sowie für den Fall Panni^r begann am Dienstag unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektor Göbel (Zentr.) seine öffentliche Verhandlung.
Der Vertreter des Preußischen Innenministeriums, Ministerialrat Schönner, führte aus: 3m Dezember 1925 erschienen in verschiedenen Zeitungen Veröffentlichungen, daß die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände dem Zentralverband der Landarbeiter ein Darlehen in Höhe von 5000 Mark gegeben habe, und zwar zur Verwendung zugunsten des Oberleutnants a. D. Schultz, der der Beteiligung an verschiedenen Fememorden verdächtig ist, und deshalb in Untersuchungshaft sitzt. Herbei wurde gleichzeitig der Verdacht geäußert, daß das Geld für Schultz zum Zwecke einer Befrei- -ungsaktion bestimmt gewesen sei. Da sich aus diesen Veröffentlichungen der Verdacht einer strafbaren Handlung ergab, hat der Polizeipräsident von Berlin ein Ermittlungsver- ' fahren eingeleitet. Die Hauptbeteiligten Abgeordneten Meier (Dn.) und Behrens (Dn.) sind in diesem Verfahren von dem Polizeipräsidenten noch nicht gehört worden, und zwar mit Rücksicht auf ihre Zmmunität. Die Untersuchung hat ergeben, daß das Darlehen zur Unterstützung des Oberleutnants a. D. Schultz verwendet worden ist. Ob die beteiligten Herren der Arbeitgeberverbände gewußt haben, wie die 'Darlehensgelder verwendet werden könnten, ist nur bezüglich des Herrn v. Zenge wahrscheinlich, da diesem bereits früher durch den Abg. Meier ausdrücklich der Zweck, nämlich die Unterstützung des Schultz, angegeben worden ist. Dem Geschäftsführer des Verbandes der Arbeitgeberverbände hat v. Zenge davon keine Mitteilung gemacht, v. Zenge selbst bestreitet auch, etwas über die Verwendung des Darlehens gewußt zu haben. Rach seiner Auffassung sollte das Darlehen an den Zentralverband der Landarbeiter lediglich den Zweck haben, den Abg. Behrens und den Zentralverband der Landarbeiter der Arbeitgebervereinigung zu verpflichten. Der Leiter der Arbeitgebervereinigftng, Herr v. Bor - s i g, erklärte, erst nach den Pressemitteilungen Kenntnis von diesem Darlehensgeschäft erhalten zu haben, und betonte, daß er niemals ein solches Darlehensgeschäft zugegeben haben würde.
Oberjustizrat Würtz vom Justizministerium erklärt, aus den von Sachverständigen nachgeprüften Büchern habe sich ergeben^ daß seitens des Ausschusses für nationale Aufklärung im August 200 Mark an Schultz überwiesen worden seien. Beim Amtsgericht in Landsberg seien in der Zeit vom 2. Mai bis 8. August insgesamt 1320 Mart für Schultz eingezahlt worden. Das Ergebnis der bisherigen Ermittlungen habe den Verdacht einer strafbaren Begünstigung nicht bestätigt. Das Verfahren sei aber noch nicht abgeschlossen. Die Zeitungsnachricht, daß Abg. Meier von Herrn v. Zenge 5000 Mark bekommen hotte, sei nach den bisherigen Ermittlungen noch nicht bestätigt.
Abg. Dr. Deerberg (Dn.): Besteht ein dringender Verdacht, daß Oberleutnant Schultz an Fememorden beteiligt ist?
Oberjustizrat Würtz: Der Oberleutnant Schultz ist 1. an der Ermordung des Zeitfreiwilligen Greschke beteiligt, 2. an der des Zeitfreiwilligen Braun, 3. des Leutnants a. D. Zanke, 4. des Feldwebels Gedicke, 5 an der Ermordung eines dem Ramen nach bis jetzt noch äln&etannten, 6. an der Ermordung des Leutnants a. D. Samt, 7. an der Ermordung des Feldwebels Wilms und 8. an der Ermordung des Legner. Alle diese Morde haben sich um die Mitte des Zahres 1923 ereignet. Gegen Rafael ist wegen Beihilfe zur Ermordung des Zeitfreiwilligen Greschke gleichfalls Anklage erhoben und Haftbefehl erlassen.
Abg. Cichhofs (DVP.): Don wem sind die Gell>er für Verbesserung der Verpflegung usw. für die inhaftierten Fememörder eingezahlt?
Oberjustizrat Würtz: Rach einer Aufstellung sind immer abwechselnd von einem Rechtsanwalt Sack und einem Herrn v. Oppen jeweils 200 Mark für diese Zwecke bei der Gerichtskasse eingezahlt worden.
Abg. Eichhoff (DVP.): Ist bisher festgestellt, daß hinter diesen Zahlungen ein deutsch- nationaler Abgeordneter steht?
Oberiustizrat Würtz: Die Quelle dieser Gelder ist noch nicht bekannt, weil öie. Ermittlungen noch nicht so weit vorgeschritten sind.
Oberstaatsanwalt Rvhrlack - Landsberg gibt Auskunft über den
Vefreiungsversuch der Fememörder aus dem Gerichtsgefängnis in Landsberg
im Dezember 1925. Schulz und Rafael suchten durch Kassiber miteinander in Verbindung zu treten. Sie teilten sich darin mit, was sie aus- gesagt haben und berieten auch Fluchtversuche. Alle' Kassiber sind in die Hände des ilnter- suchungsrichters gekommen. Der Fluchtversuch im Dezember war in seiner Vorbereitung nur möglich durch die außerordentlich große Sorglosigkeit des vorübergehend beschäftigten Hilfswacht- meisters Bartsch. Rafael wollte seiner Aburteilung durch die Flucht entgehen. Er konnte in einigen Wochen nur wenige Worte mit den Strafgefangenen Reubauer und S ch ö n i ck e wegen des Fluchtplanes wechseln. Rafael versprach Reubauer und Schönicke 3000 Mark für seine und der anderen d^ Fememords Beschuldigten Befreiung. Er steckte Schönicke einen Kassiber zu, der an den Oberleutnant a. D. Cisenbeck und den Leutnant Fürstenberg gerichtet war und auf dem stand: „Man kommt in unserem Auftrage — alles zur Verfügung stellen. Rafael." Dieser Plan scheiterte aber daran, daß Schönicke in der nächsten Zeit nicht zu Besorgungen in der Stadt genommen wurde. Ein anderer Plan wurde nun darauf gegründet, daß der Wachtmeister Bartsch fein zuverlässiger Beamter war. Einbezogen in den Plan wurde auch ein polnischer Strafgefangener M ich a- l o w. Schönicke und Michalow lockten Bartsch in die Schusterstube angeblich zum Anprobieren von Schuhen. Da zog Michaww den Schusterschemel, auf dem Bartsch saß, unter ihm weg, so daß Bartsch zu Boden stürzte. Michalow drückte ihm mit beiden Händen die Kehle zu, der andere suchte ihm den Schlüsselbund zu entreißen. Bartsch stieß noch zwei Hilferufe aus. Ein Gefangener, dessen Zelle Bartsch offengelassen hatte, horte die Hilferufe, lief hinaus und setzte den Signalhebel „M e ut cre i“ in Bewegung. Auf diese Weise wurde die Tat dann verhindert. Die Täter wurden vor Gericht gestellt: Schönicke erhielt P,'4 Zahr Zuchthaus, Michalow ein Jahr Zuchthaus. Rafael hat das Gericht nur verurteilt, wegen Anstiftung zur Eefangenenbefreiung und nicht zur schwerer Meuterei, und zwar zu l’A Zähren Zuchthaus.
Kriminalkommissar Stum in bekundet auf Befragen durch den Abg. Riedel (Dem.) nach den Beziehungen zu Schultz und den Zsntralverbcinden, daß ein abschließendes Urteil darüber noch nicht möglich fei, weil die Abgeordneten Meier und Behrens noch nicht vernommen find. Wahrscheinlich sei der Name Schultz den beiden deutschnationalen Abgeordneten schon im Jahre 1923 nicht unbekannt gewesen. Die Oeffentlichkeit wird dann ausgeschlossen. — Nächste östentliche Sitzung Mittwoch.
Der Besuch Drummonds.
Berlin, 16. Febr. (WTD.) Der Besuch Sir Eric Drununonds in Berlin ist in erster Lime ein Akt der Höflichkeit. Es werden, fvie schon bekanntgegeben, rein technische Fragen behandelt werden. Auch wird die Per- f o n a (f r a g c über die Besetzung des Sekretariats beim Völkerbund besprochen. Heute vormittag war Sir Eric Drummond wieder im Auswärtigen Amt. Heute mittag hatten der Reichsauhenunnister und Frau zu einem Frühstück cingeladcn, an welchem u. a. leilnahmen. der Reichskanzler, der Staatssekretär der Reichskanzlei. Staatssekretär v. Schubert, der deutsche Gesandte in Bern, Ministerialdirektor Dr. Gaus, sowie der englische und der französische Botschafter mit ihren Damen. Die Besprechungen sind soweit gediehen, daß die Abschlußverhandlungen am Mittwoch nur noch von kurzer Dauer sein werden. Sir Eric wird Mittwoch abend Berlin verlassen, um nach Genf zurückzukehren. Nutzrand und der Völkerbund.
London, 16. Febr. >WTB.) Der Genfer Berichterstatter der „Mornmg Poft" schreibt, über die von Hennessy, dem französischen Gesandten in Bern, in dem schweizerisch-russischen Streit eingeschlagene Dermittlungstaktik bestehe erhebliche Unzufriedenheit, linier den Mitgliedern des Völkerbundes seien beträchtliche Teile dafür gewonnen worden, die vorbereitende Abrüstungskonferenz in Evi an les Bains, am französischen Ufer des Genfer Sees, abzuhalten, um auf diese Weise festzustellen, ob es die Sowjetregierung aufrichtig meint. Allgemein sei man der Ansicht, daß Deutschland das beste Bindeglied zwischen dem Völkerbund und Rußland sein werde. Ratürlich werde die zukünftige Außenpolitik der Bolschewisten in hohem Maße von den politischen Maßnahmen der Wilhelmstraße abhängen.
Gegen die Sprachenverordnung m der Tschechoslowakei.
15 rag, 17.Febr. (MTB. Funkspr.) Der Deut, sche verband hat heute gemeinsam mit dec Deutschen Ralionalparlel und uulerstühk von den Sozialdemokraten und llommu- u i ff e n einen von über 100 Abgeordneten der Opposition unterzeichneten Antrag überreicht, der Regierung wegen Verletzung des inlernational verbürgten Schuhes der Sprächen der nationalen Minderheiten das Mißtrauen auszusprechen.
Lärmszenen im Prager Parlament»
Prag, 16. Febr. (WTB.) 2n der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde Malh- pe tr (Tschechischer Agrarier) mit 159 Stimmen definitiv zum Präsidenten des Abgeordnetenhauses gewählt. Die deutschen Sozialdemokraten hatten wahrend der Wahl den Saal verlassen. Während der dann folgenden Rede des Außenministers Bene sch über die ungarische Geldfälscheraffäre kam es zu S t u r rn s z e n e n der Opposition. Seitens der kommunistischen Abgeordneten wurde die Anerkennung Sowjetrußlands gefordert. Zn dem ungeheueren Lärm konnte man fein Wort des Exposees des Außenministers verstehen. Die Opposition machte
durch Pultdeckellonzert, Pfeifen und Trompeten die Verhandlung unmöglich, nachdem sic zuvor die Defeitigung der Parlamentswache aus dem Saale erzwungen hatte.
Kleine politische Nachrichten.
Der Hel fische OberförsterDerband lädt angesichts der außerordentlichen Bedeutung der Beschlüsse des Finanzausschusses bei Beratung des Kap. 1 des Staatsvoranschlags: Forst- und Kameralgüter unter Forstverwaltung auf Montag: den 22. Februar, nach Frankfurt am Main zu einem außerordentlichen Verbandstag ein. Einladungen sind ergangen an den Herrn Minister der Finanzern den Finauzaus- fchuß und den Sechserausschuh, ferner an fämtliche Fraktionen des Landtags.
Die deutschnationale „Mainzer Tageszeitung" wird am 1. März ihr Erscheinen cinst e l l e n.
Auf Grund des Antrages, den der Deutsche Reichsausfchuß für Leibesübungen unter dem 12. Januar an den Präsidenten des Deutschen Reichstags gerichtet hat, hat der Aeltestenaus- schuß des Reichstags beschlossen, einen interfrak- tionellenAusschußfürkörperlicheEr- Ziehung zu bilden. Der Ausschuß tritt am 17. Februar zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.
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Der Erzbischof von Köln, Kardinal Dr. Schulte, wird im Sommer d.I. eine Reife nach Amerika unternehmen. Der Kardinal wird mehrere Städte besuchen und auf Einladung des Erzbischofs von Chikago an dem im Juni in Chikago stattfindenden Eucharistischen Kongreß teilnehmen.
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Nach einer Meldung der „Vossifchen Zeitung" hat der Bater des im Spätsommer 1917 kriegsgerichtlich erschossenen Matrosen R e i ch p i e t s ch, dessen Verurteilung bei den letzten Verhandlungen des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses über die Kieler Vorgänge zur Sprache küm, die Wiederaus- nahmedes Verfahrens beantragt.
Unser ehemaliges Schutzgebiet Deutsch-Süd- w e st a f r i k a wird am 1. April einen neuen A d° m i n i st r a t o r, Herrn Werth aus Kroonstad im Oranjesreistaat, erhalten. Werth war bisher Parla- mentsobgeordneter der Nationalen Partei, ist deutscher Abstammung und beherrscht auch die deutsche Sprache. Nach den Urteilen von Deutschen aus Südafrika, die Herrn i)2erth persönlich kennen, darf man unsere ehemalige Kolonie zur Ernennung dieses Administrators beglückwünschen.
Die nun drei Monate latente Regierungskrise in den Niederlanden dauert fort. Die sozialdeMokratifche Fraktion faßte den Beschluß, den Kammerpräsidenten um die Einberufung der Kammer zu ersuchen, um der sozialdemokratischen Fraktion Gelegenheit zur Einbringung eines Antrages zu geben, durch den die Königin aufgefordert wird, die Kammer a u f z u l ö f e n und so den Versuch zu machen, durch Ausschreibung von Neuwahlen der Krise ein Ende zu bereiten.
Der ehemalige belgische Minister für auswärtige Angelegenheiten, Paul Hymans, tritt als erster Delegierter Belgiens beim Völkerbund zurück. Ms belgischer Delegierter in Genf wird in Zukunft Vander v e ld e auftreten.
Aus aller Welt.
Ein ärztlicher Rundfunk.
Der ärztliche Rundfunk ist durch' einen Vortrag des stellvertretenden Vorsitzenden des Reichs- ausschusses für hygienische Volksbelehrung, Geheimrat Dr. Hamel, eröffnet worden. Rach ihm sprach Prof. Dr. Körte, Vorsitzender des Zentralkomitees für das ärztliche Fortbildungs- Wesen in Preußen, über „Darmverschluh". Zm Anschluß daran gab der Generalsekretär des Ausschusses, Pros. Dr. Adam, Mitteilung über neue medizinische Kongresse und Kurse. Der ärztliche Rundsuni ist in erster Linie bestimmt, den Aerzten aus dem Lande und in den kleineren Städten eine Fortbildungsgelegenheit zu schassen. Die Vorträge werden von Königswusterhau- sen auf Welle 1300 vermittelt.
Ein yessenmaler gestorben.
Der niederhessische Landschaftsmaler Friedrich F e n n e l ist nach kurzer Krankheit im Alter von 54 Jahren in Kassel gestorben.
Ein Riesenschiff auf dein Main.
Ein Riesenschiff von etwa 100 Meter Länge wurde durch einen Schleppdampfer von Aschaffenburg bergwärts gebracht. Das Schift kam von Straßburg und soll am oberen Main mit Holz befrachtet werden und dann wieder die Heimfahrt antreten.
Ein deutsches Leichtflugzeug über dem Groß-Glockner.
Rach einer Meldung aus Villach hat ein 19°?. ^.-Daimler-Leichtflugzeug mit dem Piloten ©uriger und dem Ingenieur Dr. v. Langsdorfs den Groß-Glockner überflogen.
Unterschlagungen beim Berliner Magistrat.
Die Berliner Stadtinspektoren Gerhard, Gottfried Schulz und Simon haben die Stadt Berlin um mehr als I Million Mark geschädigt dadurch, daß sie falsche K a s s e n q u i 11 u ng e n für die Entrichtung der Grunderwerbs- und Wertzuwachssteuer ausfertigten und die gezahlten Steuerbeträge sich ancigneten. Alle drei Beamte sind flüchtig ins Ausland entkommen. Die Staatsanwaltschaft hat Steckbriefe erlaßen.
Ein unheimlicher Fahrgast.
Zn der Gegend von Mayen (Eifel) wurde ein Autobesiher auf der Heimfahrt von einer Krankenschwester gebeten, sie mitzu- nehmen. Die Schwester war schon eingestiegen und hatte die Tasche neben sich auf den Sih gestellt, als der Autosührer bemerkte, daß die Schwester Männerschuhe trug. Er bat daraufhin die vermeintliche Schwester noch einmal nachzusehen, ob das Schlußlicht Brenne und fuhr dann schleunigst davon. Beim Oessnen der Tasche wurde ein Rumrnerverzeichnis von Autos und ihren Besitzern und B e t ä u b u n g s m i t - t € l vorgefunden. Von dem unheimlichen Fahrgast fehlt jede Spur.
Sturm an der großbritannischen fiüffe.
Stürmisches Wetter hat in den letzten Tagen an der englischen und irischen Küste mehrere S ch i f f b r ü ch e zur Folge gehabt. Zwei Schleppdampfer aus Swansea sind an der Küste von
Galway verloren gegangen. Die Rachsoc- schungen nach der Mannschaft waren bisher ergebnislos. Man hoftt. daß es den Schiffbrüchigen gelungen ist. sich auf irgendeine entferntere Znsel zu retten.
Drei Mann der Besatzung des italienischen Dampfers „Liberia", der bei Dolthead (De- dvnshire) strandete, wurden unter den schwierigsten Umständen durch ein Rettungsboot aus Brixham, das 20 Seemeilen weit durch die sturmbewegte See fahren mußte, gerettet. Die Rettung der übrigen 27 Marrn wurde mit Hilfe eines Raketenapparates von den Klippen aus bewerkstelligt. Weiler wurden 34 Mann von dem spanischen Dampfer „Cirilo Amo- ros", der auf die Klippen bei Stradbalty (Grafschaft Waterfort) aufgelaufen war, von einem Rettungsboot aufgenommen und an Land gebracht.
Wettervoraussage.
Roch vorwiegend trübe und Regen bei zeitweiser Aufklärung und gleichbleibenden Temperaturen.
Ein westliches Tiefdructzebiet führt unserem Bezirk weiterhin warme Regenluf^zu, daher ist noch mit wenig Aenderung des ^rrschenden Witterungscharakters zu rechnen.
Aus der Provinzialhauptftadt.
Gießen, den 17. Februar 1926.
Kirchenrat Strack.
Am morgigen Tage, 18. Februar, darf ein in weiteren Kreisen, besonders unter der evangelischen Bevvllerung Gießens und seiner Umgebung bekannter und allgemein geschätzter, verdienter Mitbürger in jugendlicher, körperlicher und geistiger Frische seinen 8 0. Geburtstag feiern: Kirchenrat Karl Strack, geboren zu Ober-Rosbach als Sohn des damaligen dortigen Pfarrers, nachmaligen Pfarrers zu Großen - Buseck und dann zu Lang-Göns und Dekans des Dekanates Gießen Dr. Karl Strack. Kirchenrat Strack wurde nach dienstlicher Verwendung in Langstadt und Londorf 1873 Pfarrer zu Obbornhofen, 1886 zu Leeheim und 1890 zu Leihgestern, wo er bis zu seiner RuheftandSver- setzung 1914 in großem Segen wirkte. Von 1900 bis 1912 war er Dekan des Dekanats Gießen, zu welchem Amte ihn seine große verwaltungstechnische Begabung, seine Gaben als Pfarrer und Seelsorger, sowie sein feiner edler Charakter, verbunden mit Wohlwollen und Herzensgute, besonders befähigte. Zn dieser Stellung hat er in großem Segen gewirkt und sich das allgemeine Vertrauen erworben. Seine Verdienste wurden 1910 durch die Ernennung zum Kirchenrat anerkannt. Reben feiner beruflichen Wirksamkeit war er jahrelang als Mitglied der Kreisschnl- kommifsion, als Vorstandsmitglied der hiesigen Bezirksfparkasfe und als Rechner des Oberhessischen Vereins für Innere Mission mit Erfolg tätig. Der Burschenschaft Germania, der er angehörte, war er allezeit ein treues Mitglied. Wahrend des großen Krieges forderte das Vaterland auch von ihm schwere Opfer, zwei Sohne und ein Schwiegersohn wurden ihm entrissen. Trotz seiner 80 Zähre und seiner schon seit Zahr- zehnten gebleichten Haare ist er heute noch an Leib und Seele frisch und lebendig. Roch immer nimmt er am kirchlichen Leben der Gemeinde und der Landeskirche regen Anteil und ist bei deren Tagungen ein fleißiger Gast. Wöge ihm weiterhin noch manches Jahr ein Lebensabend in gleicher Rüstigkeit beschießen sein.
Preisaufgaben der Universität Metzen für das Jahr 1926/27.
LTl. Für das Zahr 1926/27 werden von der Universität Gießen folgende Preisaufgaben gestellt:
Von der Theologischen Fakultät: Die Bodenfrage im Alten Testament.
Von der Zurist ischen Fakultät: Die Aufrechnung vor einem für die Gegenforderung unzuständigen Gericht.
Von der Medizinischen Fakultät: Für den akademischen Preis: Es sollen bei eben erwachsenen weiblichen Personen absolute Haemoglobinbestimniungen und Erythro- ctztenzählungen durchgeführt werden zur Ermittlung des Haemoglobingehaltes eines Crhthrvcy- ten und des Haemoglobins pro u* Oberfläche des Grythrochten. — Für denBalserpreis: Die funktionelle Vedeutung der Gallenblase.
Don der Veterinärmedizinischen Fakultät: Beiträge zur Kehlkopfentwicklung bei den Haustieren.
Don der Philosophischen Fakultät: 1. Aus der griechischen Philologie: Appellationes honorificae quae in papyris Graecis post decimum huius saecuii annum exstant colligantur disponantur illustrentur.
2. Aus der Chemie: Die Alterungen von Schmelzflüssen und Lösungen sollen experimentell untersucht und theoretisch gedeutet werden.
3. Aus der Mineralogie und Geologie: Die petrologischen und geologischen Ver- haltnifse der Klastoporphyroide der westlichen Lahnmulde.
4. ' Aus der Forstwissenschaft: Die waldbauliche Bedeutung der Kiefernrassenfrage in Hessen.
5. Aus der deutschen Literaturgeschichte: Roman und Gesellschaft im Zeitalter der deutschen Aufklärung. (Zu untersuchen ist, wie sich in den deutschen Romanen, die vor der klassisch-romantischen Epoche geschrieben wurden, Lebensformen und Lebenswerte der damaligen Stande, vor allem des Bürgertums, spiegeln und ihrerseits wieder von der Literatur her gebildet oder gewandelt werden. Die Gestalten wie der weltanschauliche Gehalt und die Psychologie der betreffenden Werke sind in diesem Sinn zu deuten. Für die Methode einer derartigen äkntersuchung wären neuere anglistische Werke, vor allem die Arbeiten von Schücking und Schöffler, zunächst zu Grunde zu legen, aber nach der Seite einer systematischen Soziologie hin zu erweitern.)
Wer sich um einen Preis bewirbt, muß mindestens in einem der beiden auf die Stellung der Aufgabe folgenden Semester an der ilninerfität Gießen immatrikuliert gewesen fein.
Zede Dewerbungsschrift darf nur einen Verfasser haben.
Die Bewerbungsschrift. ist in der Sprache abzusofsen, in der die Aufgabe gestellt ist. Aus dem Titel ist ein Kennwort anzubringen.
Die Bewerbungsschrift ist vor dem 1. 'April 1927 einzusenden unter Beifügung eines ver-


