Antrag der Regierungsparteien, wonach
der
bmrden mit dem Vorsatz, sie hnmer herzlicher in Zukunft zu gestalten, sei ein Ereignis von europäischer Bedeutung angesichts der Gemeinsamkeit der Interessen zwischen den beiden Aationen auf sebr vielen Gebieten und des Fehlens der Interessengegensätze auf irgendeinem Gebiet.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 15. Dez. (VDZ.) Auf der Lagesordnung steht die zweite Beratung der Vorlage auf Verlängerung des Gesetze- über die Depot- und Depositengeschäfte.
Während die Regierungsvorlage die Verlängerung biS zum 31. Dezember 1928 vorsah. beantragt der Ausschuß die Verlängerung bis zum 31. Dezember 1927.
Abg. Kraetzig (Soz.) erklärt, ein Interesse an der Verlängerung hätten nur die Banken, die sich damit ihre Monopolstellung zum Schaden der Sparkassen und kommunalen Banken erhalten w-ilten. Die Sozialdemokraten würden die Vorlage a b l e h n e n.
Abg. F i s ch b e d (Dem.) lehnt für seine Fraktion gleichfalls die Vorlage ab. Es sei nicht zu verstehen, warum die Zwangswirtschaft auf dem Gebiete des Kreditwesens noch weiter aufrechterhalten werden soll. Hier könne man ruhig der freien Wirtschaftsentwidlung vertrauen.
Abg. Rauch (Bahr. V.) tritt für die Vorlage in der AuLschußfassung ein. Es fei nicht Sache der Sparkassen und Gemeinden. Bankgeschäfte zu treiben. Dem Mittelstand würde die Aufhebung des Gesetzes keinen Vorteil bringen.
Abg. Dr. W i e n b e d (Sn.) spricht sich ebenfalls für die Vorlage aus, ebenso Abg. Dauch ,D. Vpt.).
Im Hammelsprung wird die Ausschußvor- lage (Verlängerung bis 31. Dezember 1927) mit 156 gegen 126 Stimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen. Daraus wird das Gesetz auch in dritter Lesung endgültig angenommen.
Es folgt die erste Lesung der Vorlage über die Veränderung des Sperrgesetzes für die Fürstenabfindungsprozesse bis zum 30. 3nai 1927. In der Vorlage wird auch die Veräußerung von Vermögensstüden der Masse ohne Zustimmung der Landesregierungen verboten.
Aeichsjustizminister Dr. Dell erklärt, die Reichsregierung habe s. Z. ihre Auseinander, sehungsvvrlage zurückgezogen in der Erwartung, daß in absehbarer Zeit in den noch schwebenden Auseinandersetzungen ein gütlicher Aus gleich gelingen werde. In Preußen fei das geschehen. Durch die Verlängerung des Sperrgesetzes um ein halbes Jahr solle verhindert werden, daß die in andern Fällen noch vorhandenen Der- gleichsmöglichkeiten durch Wiederaufnahme der Prozesse vereitelt werden. Die Reichsregierung hoffe, daß die Verlängerung des Sperrgesetzes von den Parteien zur gütlichen Verständigung ausgenuht wird. Der Artikel über das Der- äußerunasverbot sei auf Beschluß des Reichs- ratS in biej Vorlage ausgenommen worden.
Abg. Schulte (Zentr.) begründet kurz den
zweite Artikel der Vorlage ersetzt werden soll durch eine Bestimmung, die die Länder zum Erlaß eines Deräußerungsverbots auf dem Wege der LandeSgesehgebung ermächtigt.
Die Vorlage wird dem RechtSausschuh überwiesen.
Rumnehr wirb die zweite Beratung teS RachtragSetatS fortgesetzt beim Haushalt deS ReichsfinanzminisberiumS und der allgemeinen Finanzverwaltung.
Reichsfinanzminister Dr. Reinhold
wiederholt feine schon im Ausschuß abgegebene Erklärung, daß die Regierung unmöglich mit den großen Erhöhungen, die der Reichstag beim Ostprogramm und bei den RotstandSbei Hilfen beschlossen hat, einverstanden sein könne. Gr erinnert an seine frühere Erklärung, daß daS Gleichgewicht deS Etats nur dann gesichert sei wenn ter Reichstag nicht zu wetteren ungedecktenAus- gaben dränge. Gr bittet den Reichstag, bet der drillen Beratung zu den ursprünglichen Sätzen des Ostprogramms und Rotstan^sbeihilfen zurückzukehren. Sollte das nicht geschehen, so werde die Regierung die Mehrbewilligung nicht ausführen, denn sie erhalte vom Reichstag wohl die Ausgabenberechtigüng, aber nicht die Verpflichtung. Ein solcher Zustand würde sehr bedauerlich sein.
Abg. Dr. v. Dryander (Sn.) führt Beschwerde über den Abbau höherer Beamten in der ReichSfinanzver waltung. Die höheren Beamten hätten überhaupt den Eindruck, daß auf sie zu wenig Rücksicht genommen werde. D^s habe sich auch bei der WeihnachtSbei- hilfe gezeigt. Rach Abschluß des Personalabbaus sei von der Regierung feierlich versprochen worden. daß ein solcher Abbau nicht wiederholt werden solle. Die Maßnahme des Reichsfinanz- mmistcrs sei ein Bruch dieses Versprechens, der Ausfluß eines neuzeitlichen Absolutismus demokratischer Minister. Die Denkschrift über die Umbildung des ReichSfinanzministerinms sei sehr dürftig.
Abg. Hölle in (Komm.) erklärt, die Sieger- mllberungen deS Ministers feien eine Prämie für den Befih auf Kosten der arbeitenden Massen. In der Finanzverwaltung werde Deschwcndung mit den Steuergeldern der Armen getrieben.
Abg. Dr. Hertz (Soz.) bezeichnet die heutige Erklärung des Reichsfinanzministers als
unvereinbar mit der parlamentarischen Hebung. Wenn der Minister glaubt, einen Reichstags, befchluß nicht durchführen zu können, so müsse er die Vertrauensfrage stellen. Der gegen den Reichstag gerichtete Vorwurf zu großer Bewilligungsfreudigkeit stehe gerade dein Minister schlecht an, denn er habe diese Bewilligungsfreudigkeit durch eine allzu rosige Schilderung der Finanzlage gefördert. Ehe der Minister Mahnungen an den Reichstag richte, sollte er erst in der Regierung Ordnung schassen und verhindern, daß Reichsernahrungsministerium und Wehrministerium ohne Genehmigung des Reichstags große Ausgaben machen. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Der Redner wendet sich schließlich gegen die Absicht, nach der Sperrfrist vom 1. April 1927 die Wohnungsmieten wesentlich zu erhöhen.
Reichsfinanzminister Dr. Reinhold erklärt: Die Reichsregierung ist sich bewußt^tzah eine ge- echte und ausreichende Bef (düng der 'Beamten eine Staatsnotwendigkeit ist. Sie wird üt der größten Beschleunigung die Besoldungs- : i- ' dnung in Angriff nehmen und sie gleichzeitig ' -nh gültigen Finanzausgleich im nächsten
Frühjahr den gesetzgebenden Körperschaften zuleiten.
Die Etats des Reichsfinanzministeriums und der allgemeinen Finanzoerwaliung werden nach den Ausschußanträgen bewilligt.
Nachdem noch ohne Aussprache das Haushab tungsgefetz in zweiter Lesung angenommen ist, vertagt sich das Haus auf Donnerstag.
Preußischer Landtag.
Berlin, 15. Dez. (DDZ.) Der Preußische Landtag setzte die erste Beratung des Etats fort.
Abg. Dr. Winckler (Dntl. : Bedauerlicherweise Ijat Preußen jeden Einfluß auf den deutschen Eisenbahnbesitz verlogen. Die Reichsbahngesellschaft mißachte preußische Gesetze. Größte Sparsamkeit in der Tlatwirtschaft sei am Platze. Die Staatsaufsicht müsse über die kommunalen Verwaltungen in bezug auf die Kreditwirtschaft intensiver sein. Die Prrionalpolitik dürf. nicht dahin gehen, unbefähi^l Leute in die Kreisverwaltungen zu bringen, i'.ur weil sie Parteimänner sind. Heute herrsche -lizeiliche Willkür. Früber sei für das Wirken der Polizei das Motiv der Staat gewesen, heute sei die Partei daS Motiv. «Sehr wahr bei den Deutfchnationalen.) Die Deutfchnationalen träten für den Richterstanb und seine Unab- hängigkeit ein und wendeten sich entschieden gegen Uetetgriffe auf eine weitere Säule aus besserer Zeit, aus das Berufsbeamtentum. Sogar Ministerpräsident Brauls habe jüngst dieses Berufsbeamtentum mit Verunglimpfungen und Bedrohungen bedacht. Die Deutfchnationalen hätten beantragt, daß die StaatSregierung sofort mit Vorarbeiten für eine neue Beamtenbesoldungsrc, o beginnen solle.
Abg. W a en t i g (Soz.) b<)andell die Frage, wo man wirksame Ersparnisse erzielen könne. Das sei vor allem möglich bei Durchführung der Verwaltungsreform. Seine Partei werde an der HauSzinssteucr gewissermaßen als einer Erschbaft der Armen festhallen. Dom Finanz- mmister sei eine klare Darlegung zu verlangen, welche Pläne er hat hinsichtlich der Gestaltung des FinaruausgleichS.
Abg. Grebe (Zentr - schildert die Schwierigkeiten, bei gesteigerter Sozialpolitik Abstriche am Etat zu machen. Die Gemeinden erhielten zwar jetzt mehr Staatsgelder als früher, hätten aber auch entsprechend mehr Aufgaben zu erfüllen. Auf dem Anleihewege sollten genügend Mittel für produktive Erwerbslosenfürsorge, allgemeinen Wohnungsbau und planmäßige Siedlungen beschafft werden. Hochwassecschutz und Meliorationen dürften hinter dem Dau von Kanälen nicht zurückstehen. Bismarcks Wort, daß die Länder Kostgänger deS Reiches werden sollten, sei so zu verstehen, daß die Staaten vom Reiche so ausgestattet werden müßten, daß sie zufrieden sind. Dieses Ziel sei bisher noch nicht erreicht. Daß von dem Erträgnis der Hauszinssteeur erhebliche Teile für den allgemeinen Finanzbedarf herangezogen werden, sei eine schwache Seite des Etats.
Abg. Dr. W i e m e r (D. V.) erklärt, daß feine Partei die Mitverantwortung gegenüber 0hMtinottDenbigfetten empfindet. Wrr haben vom Finanzminifter unitarische Aeuherungen gehört, gegen die wir Verwahrung einlegen müssen. Auch uns geht der Einheitsstaat vor, für jetzt aber tarnt die Selbständigkeit der Sinzelländer, insbesondere Preußens, nicht entbehrt werden. Mag heute noch mit der Hauszinssteuer gerechnet werden, so muh man doch an ihren Abbau denken. Unter der Sparsamkeit dürfen die Kulturaufgaben nicht leiden. Wir halten eine De - s oldungSreform für alle Deamtenkatego-rien für nötig. ES muh alles geschehen, um die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft zu erhalten. Wir können dem Staatsministerium nicht unser Vertrauen schenken.
Hierauf wird in allen drei Lesungen der Inittativgesetzentwurs aller Parteien mit Ausnahme der Kommunisten, der genau wie im Rriche den preußischen Beamten eine einmalige Zuwendung noch vor Weihnachten machen will, angenommen.
Das HauS vertagt sich auf Donnerstag.
Das Wohnungsbauprogramm in Preufien.
Berlin, 15. Dez. (WTD.) Der Heimst attenausschuh des Preußischen Landtages verhandelte über den sozialdemokratischen Antrag auf Bereitstellung höherer Mittel, um zu erreichen, daß im Jahre 1927 in Preußen mindestens 200 000 Wohnungen erbaut werden. Vertreter des Finanzministeriums und des Wohl- fahrtsministeriums erklärten, daß für den Wohnungsbau deS nächsten Jahres 430 Millionen bereits durch den Etat zur Verfügung gestellt seien. Es könne daher ohne weiteres mit dem Woh- nungSbauprogramm begonnen werden, sobald die Witterung es zulasse. Heber ein zusätzliches Dauprogramm und seine Finanzierung seien zwischen den Reichsministerien und dem preußischen Staatsministerium Verhandlungen im Gange. Es bestehe die Hoffnung, daß ein erhöhtes Wohnungsbauprogramm im nächsten Jahre durchgeführt werden könne.
Weitere Ausdehnung des Dortmunder Schulstreibs.
Dortmund. 15. Dez. (TA.) Der Dortmunder Schulftreik Hal sich nun auch auf Schwelm ausgedehnt. In Soest wurde die Wsendung eines Protesttelegramms an den Kultusminister beschlossen. Frils dieses heut? abend nicht beantwortet ist, wird sich die Soester Elternschaft dem Schulftreik anschließen. In Dortmund Stadt und Land streiken insgesamt 9938 Kinder, in U n n a 70 Proz. dec K.nter, dagegen ist die Zahl der Streckenden in Bochum Stadt zurückgcgangen. während im Landkreis 80 Prozent fehlende Kinder festgestellt sind.
Empfang der ausländischen Presse bei Briand.
Paris. 18. Dez. (WB.) Außenminister Brian d hat heute mittag eine Abordnung des Syn- dikats der ausländischen Presse empfangen. Der Vorsitzende der neugeßrünteten Vereinigung der deutschen Zeitungskorrespondenten in Paris, Paul Block, nahm an dem Empfang teil. Die Abordnung sprach dem französischen Außenminister im "Hamen der Pariser Vertreter der großen Rachrichtenbu.eaus und Zeitungen anläßlich der Zuerkennung des Nobelpreises Glückwünsche aus und überreichte Briand eine Dronzebüste PasteurS, die der russische Künstler 2 r o n- son gebildet hat.
Mitttärkcnlrollbe'uch in Pillau
^Berlin, 16. Dez. (Wold.) Rach einer Meldung der „Täglichen Rundschau" hat am Mittwoch als Ergänzungskontrolle im Anschluß an öen Besuch der Muiärlor.trolle in Königsberg eine Kontrolle deS Ha ens Pillau stattgesunden. Dott erneu.en Kontrollbesuchen in den Festungen Küstrin und Glogau ist dagegen bei den zu- ständigen S eilen nicktz be.'annt.
Englands Verhandlungen mit der Kanlonregierung.
London, 16. Dez. (WTD. Funkspruch.) Der diplomat sche Berichterstatter des .Daily Telegraph" schreibt über die Verhandlungen deS brr- tischen Gesandten in China und dem Außenmini- ft er lum der Kantonregierung werde zwar Zurückhaltung gewahrt, es sei aber bekannt geworden, daß bisher diese aussührlrchen Besprechungen keinen Erfolg gehabt haben. Der Außenminister Tschen bestehe daraus, daß seine Regierung als d i e Rcg :ru; g Chinas cn rlarmt werde. Der Gesandte sei aber nicht ermächtigt, bei der gegenwärtigen Lage diese Forderung zuzugestehen.
Kunst und Wissenschaft.
Glückliche Rückkehr der Gran-Ehaco-Expeditton.
Nach einer Meldung aus Buenos Aires ist die deutsche Expedition, die den Oran Ehaco durchforschte, wohlbehalten in Buenos Aires e i n g e t r o f f e n. Die Expedition hat ihr wissen' schaftliches Ziel erreicht und bringt reiche Ausbeute heim. Sie tritt am >18. Dezember die Rückreise noch Deutschland an.
Theaterfufiou in Thüringen.
Da der Fürst zu Reatz, der bisher das reußische Theater in Gera allein unterhalten hatte, dazu in der bishrrlgrn Form nicht mehr in der Lage ist, haben d.e Intendanten des reußi- schen Theaters in G e r a und desaltenburgi- schc. n Lanbestheaters den bereits von der thüringischen Regierung genehmigten Vertrag abgeschlossen, der dic Fusion beider 'Bühnen vvrsiehl. Man erhofft eine Aufrechterhaltung des Betriebes im bisherigen Umfange. Es soll ein Zuschuß gewährt werden, und zwar die eine Hälfte vom Fürsten von Reuh und bte andere vom thüringischen Staate. Künstlerischer Leiter des gemeinsamen Unternehmens wird Generalintendant I l tz - Gera und verwaltungstechnicher Leiter ©enerali-terhant Berg ° Ehl ert - A tenburg.
Paul Bekker wird Jnfenbanf in Wiesbaden.
Der derzeitige Intendant des Kasseler Staats- theaiers, Paul Bekker, ist als Nachfolger von Dr. Hagemann als Leiter des Wiesbadener Staatstheaters vorgesehen.
Aus aller Welt.
Gefallenenehrung der „Hannover" in Pmuideu.
..Das Linienschiff „Hannover" hat bei seiner Rückfahrt von Holland die Schleusen von P m u i • den passiert und noch der Einfahrt in die Nordsee die Weiterfahrt in der Richtung nach Terschelling angetreten. Vorher hatte sich eine Abordnung des Linienschiffes zu den aus dem hiesigen Friedhof befindlichen Gräbern der im Weltkrieg gefallenen An - gehörigen des deutschen Torpedobootes V 8 9 begeben und dort namens der Besatzung der „Hannover" einen Kranz niedergelegt. Dieser Feierlichkeit sowie der Durchfahrt durch die Schleu- fen in PmuidFN wohnten auch der deutsche Vizekonsul in Bmuiden, Bakker, sowie zahlreiche- Mit- glieder der deutschen Kolonie in Amsterdam bei.
Goldtranspori im Flugzeug.
Von London wurden Mittwoch nahezu 3 Tonnen Goldbarren im Werte von 500 000 Pfund Sterling mittels Flugzeug nach Köln abgesandt. Es ist die größte Goldsendung, die bisher jemals auf dem Luftwege befördert wurde.
Großer holeldiebslahl in Berlin.
Schwer bestohlen wuroe ein schlesischer Grotz- inbuslrieller, in einem größeren Hotel im Zentrum der Stadt. Während seiner Abwesenheit drang ein Dieb ein und erbeutete eine goldene Uhr, mehrere Schmuckstücke, 2500 polnische Zloty und 100 Dollar in barem Gelde. Man vermutet, daß der Dieb auch die beiden in einem anderen Hotel vollbrachten Diebstähle ausgesühri hat. Don den bei diesen gestohlenen Gegenständen ist bisher nur der Reisepaß und der Jagdschein Dr. Eilverbergs aufgefunden worden.
3m Bahnableil beraubt.
Einem Redenden aus Hettelverg wurden im Zuge Leipzig-Rord heim de Bri.ftosche, die Uhr und sämtliches Gepäck geraubt, nachdem er von zwei Mitreisenden chloroformiert worden war.
Ausbruch aus dem Gefängnis.
In Bochum brachen mit ^ü.e einer felbft- gefertigten Säge neuerdings vier Schwerverbrecher, von denen zwei zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt waren, aus dem Strafgefängnis aus. Sie konnten bisher nicht wieder ergriffen werden.
Einbruch in ein 3uslizgebäude
3n Aschaffenburg ha.ten s.ch im Justiz- gebäube nach der Sch.Urgerichtsverhandlung D.eoe einschließen las en, d e nachts sämtliche Bü» ros im linken Flügel des Gehäudes erbrachen und Sparkassenbücher, 400 Mart Fahrgeld, Zigarren, Zigare.ten und anderes stahlen. Ob auch Akten gestohlen worden find, ist noch nicht festgestellt worden.
Das Schwein als Raubtier.
In G e h w e l l e r bei T ier brach ein Schwein nachts aus seinem Stall aus, drang in den Kuhstall und fiel dort über ein junges Kälbchen ßer. Der Besitzer sand das Kälbchen am anderen Morgen von dem Schwein halb auf gef reffen vor.
C ttcrvoraussage.
Zunächst bedeckt bis trübe, westliche Winde, vorerst etwas milder, dann erneut Temperaturfall, vorwiegend trocken: mit stell onweisen Riederschläaen muß gerechnet inerten.
Gestrige Tagestemp.raturen: Maximum 2,5 Grad DelsiuS, Minimum 0,6 Grad Eelsius. Heutige Morgentemperatur: minus 3.9 Grad TelsiuS. Bericht über die Wetterlage auf dem hoherodskopf am 16. Dezember, morgens 8 Uhr:
Windr.cht -ny: Rordwest. Windstärke: Mittel. Temperatur. Minus 6 Grad TelsiuS. Höchsttemperatur In den letzten 24 Gmunden: Minus 4 Grad. Gesamtlchaeehöhe: 1? Zentimeter Beschaffenheit der Schneedecke: Pulverförmig. Sportmöglichkeit: Sehr gut.
I
Aus der Provinzialhauptstadt.
Diesten, den 16. Dezember 1926.
Weihnachtliche Umtauschgeschäfte.
Daß es keine reine Freude auf der Well gibt, merkt der Geschäftsmann so recht in ter Weihnachtszeit. Har sich daS Weihnachtsgeschäft gut entwickelt, ist viel gekauft Worten, desto größer wird auch die Zahl der Fälle, tn denen nach den Festtagen die Käufer oder glücklichen Beschenkten die Ware Umtauschen wollen.
Meist wird sich das weihn achtliche Umtauschgefchäft leicht und reibungslos vollziehen: ter Verkäufer wird zu weitesten Entgegenkommen gegenüber seiner Kundschaft bereit sein Aber es kommt manchmal auch anders: leicht stellt ter Käufer auch zu weitgehende Ansprüche, die ter Geschäftsmann nicht erfüllen kann. Was dann?
Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, denn das Bürgerliche Gesetzbuch schweigt, soweit es sich um den Umtausch nicht gefallender Daren hantelt. Ob also überhaupt ein Anspruch auf den vom Käufer verlangten Umtausch besteht, richtet sich lediglich nach den diesbezüglich bei Abschluß des Kaufvertrages getroffenen Abreden Diese Abrede kann ausdrücklich getroffen fein; der Käufer kann z. B. ertlärt haben, er kaufe die Sache zu Geschenk- zwecken und überlasse die endgültige Dahl dem Beschenkten. Dann hat dieser das Recht zum Umtausch. Vielfach wird der Umlauft and) als stillschweigend verabredet zu gelten haben, z. B. aut Grund der allgemein üblichen Geschäftsbedingungen. In anderen Fällen schreiben die Geschäftsleute selbst vor, in welchem Zeitraum sie bereit sind, den Umtausch vorzunehmen Rach Ablauf ter so gesetzten Frist ist dann das Recht zum Umtausch erloschen
Ob ter Käufer selbst oder ein anderer, z. D. ter Beschenkte, den Umtausch vornimmt, ist im allgemeinen gleichgültig. Selbstverständlich ist nur, daß die Ware in unbeschädigtem Z u st a n d zurückgeliefert wird. Fehlerhafte Ware umtauschen zu müssen, hieße ein unbilliges Verlangen an den Verkäufer stellen. Rur wenn die Ware schon in fehlerhaftem Zustande sich befand, als sie gekauft wurde, dann genügt es. daß sie zum Umtausch in dem Zustand zurückgebracht wird, in dein sie vom Käufer in Empfang gekommen wurde.
Umtausch heißt natürlich Eintausch der Ware gegen eine andere, nicht etwa gibt daS Recht zum Umtausch dem Käufer das Recht, sein Geld gegen Rückgabe der Ware herauS- zuverlangen. Der Käufer darf auch nicht irgendeine ausgefallene Sache im Wege des Umtausches verlangen, die der Verkäufer gar nicht führt, sondern er muß sich etwa« aus dem normalen Warenlager des Geschäftsmannes aussuchen. Daß diese neue Ware denselben Preis hat wie die alte, ist nicht erforderlich, — ist sie teurer, so muh ter Umtauschende zu» zahlen, ist sie billiger, so muß er für den Differenzbetvag noch ein weiteres Stück wählen. Vielfach wird in solchem Falle der Vetckäufer auch bereit fein, über die Differenz einen Gutschein au8- zustellen, den er später in Zahlung nimmt Niemals braucht aber ter Verkäufer die Differenz dem Käufer in bar zu erstatten.
Dr. B.
Gietzener Wochenmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochcnmarkt das Pfund: Butter 180 bis 190 Pfennig, Matte 35 bis 40, Käse 60 bis 150, Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 5 bis 8 Rotiraut 10 bis 12, gelte Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 25 bis 30, Unter-Kohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 20, Rosenkohl 45 bis 50, Feldsalat 80 big 120, Tomaten 50 bis 100, Zwiebeln 10. Meerrettich 40 bis 30, Schwarzwurzeln 35 bis 50, Kartoffeln 6, Aep cl 15 bis 30, Birnen 10 bis 15, Dörrobst 30, Honig 50, junge Hahnen 100, Suppenhühner 100 bis HO, Gänse 100 bis 130, Truthühner 120: Rässe 60 bis 90; das Stück: Tauben 50 bis 70, Eier 17 bis 20, Blumenkohl 80 bis 150, Endivien 8 bis 20, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 15, Sellerie 20 bis 40 Pfennig.
Bornotizen.
— Tageskalender f ü r Donnerstag: Gesellschaft für Erd- und Völkertunte: 8,15 Uhr, Reue Aula ter Untbe-fi-ät, Lichtbi.ter-Vortrag. Groter Hürsaal der Univer i ät: 8,15 Uhr, Vortag des englischen Pro'e wrs M. E. Wilson. — Sp ewereinigung 1600: 9 Uhr, Gasthaus Boller, Mitglieder-Dersammlung. — Verein für Bewegungsspiele: 8,30 Uhr, Univcr itätr-2afö, Mo- natsversammsung. — Lichtspielhaus Bahn hofftest raße: „Sibirien". — Astoria-Lichtspiele. „Der Kamps um das rote Go'd."
— Aus dem S t a d 11 h e a t e r b u r e a u wird uns geschrieben: Wenn es schon für ganz große Bühnen ein Unternehmen ist, ein Werk wie Franz Werfels Historie ,,„y uarez und Maximi. Han" zur Aufführung zu bringen, so bedeutet die Einstudierung eines solchen Stuckes für eine mittlere Bühne wie die imfriac geradezu ein Ereignis. Die Erstaufführung des Werkes, dos überall, wo es bisher gegeben worden Ist, tiefsten Eindruck gemacht hat, findet am Dienstag, 21. Dezember, im Abonnement statt: die zweite Aufführung ist für den ersten Feiertag außer Abonnement angesetzt worden. Di« Einstudierung steht unter Leitung des Intendanten, und außer sämtlichen Herren des Personals wirken in dem überall» figurenreichen Stücke verschiedene Hilfskräfte auch von außerhalb mit.
Vortrag. Der englische Pro'es!or W. G. Wilson, ter gestern in deutscher Sprache einen Vortrag über „Die Weltanschauung des Quäkertums" hielt, wird heute, Donnerstag, abend um 8 Ufir im Großen Hor- faal der Universität einen Vortrag in englischer Sprache über „Moderne religiöse Strömungen in England" halten. Der Redner ist ein führender Quäker, der viele Freunde in Deutschland und einige davon auch in Gießen hat, da er Dozent von dem berühmten internationalen College Woodlrooke in Birmingham ist, wo alljährlich minteftens 3 Deutsche für je ein ganzes Semester vollständig Gäste ter Quäker sind. Viele junge Deutsche haben dies gerate in ter bunt en Zeit ter Inflation als einen Akt lebendigsten Christentums erleben dürfen ,unö haben dort besonders an Prof, Wilson einen väterlichen Freund gesunden. Sein Vortrag dürste recht in« teieffant werden, da Wilson selbst in einer ter führenden religiösen Bewegungen drinsteht, der sogenannten Eopee-Bewegung, die einen wesentlichen Anteil an ter Beilegung deS Generalstreiks vom letzten Frühjahr hatte.


