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Suchen Sie ruhig weiter. Und keine unanstLndigt- ENe, wenn ich bitten darf." Erstaunlich war. wie rasch Lily die Starallüren weghatte.
Immer neue Gestalten mengten sich in Lily» Dangen. ,
Bis in den Abend hinein gab e» zu tun. Die Frage der Sommerkleider war hochaktuell. Stundenlang ließ man die Manneaums bei Marbach und Oppenheimer an sich oorüberziehen. Herrliche Modelle von Drecoll unb Lucien Lelong marschierten aus. Mil beiden Händen gab Lily da» Geld au». Auch Julie kam nicht zu kurz.
Dann tauchte die Bande auf.
Immer neue Gestalten mengten sich in Lysis Hofstaat bei Dresse! und im Bristol. Ein Major Nobbins halte sich die Reise von Alexandrien nach Berlin nicht verdrießen lassen. Mahlend gingen seine mächtigen Kiefer, während er Lily anstarrte. Auch der melancholische Doktor Dogdanski aus Warschau war da. Wieder hatte er die letzte Röntgenaufnahme seiner Lunge in Bereitschaft. „Sie sehen, Fräulein Lily: ich lebe immer noch." Seine schönen Augen brannten. Die ganze ärztliche Wissenschaft wird an mir zuschanden."
Dann und wann flehte ein demütiger Hundeblick von einem Nachbartisch. Dann und wann stand Anton Hönisch beim offenen Autoschlag: die Lippen verkniffen, den steifen Hut schief aus dem flachsblonden Kopf. Längst schickte er keine Blumen mehr, längst schrieb er keine krausen Briefe. Aber immer aufs neue löste sich seine groteske Figur aus dem Pflanzenwerk eines Wintergartens, dem Hinter» gründ einer Loge, dem Grillroom eines Hotels.
So rauschte die erste Woche vorbei.
Am achten Tage stellte sich Hutchinson ein.
,Lu spät?" fragte er und grinste bis zu den Backenzähnen.
Mit blitzenden Fingern strich Lily ihr mandelgrünes Kleid entlang. Glatt und kühl fühlte sich der Satincrepe an. „Wozu sollte es zu spät fein, Mister Hutchinson?" Lily tat, als ahnte sie nichts. Dabei hämmerte ihr Herz. Mit jeder Faser hatte sie sich diesem Augenblick entgegengebangt. Hutchinson mußte abgewartet werden, ehe man entscheidende Entschlüsse faßte. Nun war Hutchinson da. ,Lch wüßte wirklich nicht, worum es sich handeln könnte", sagte Lily mit verträumt schleppender Stimme.
(Fortsetzung folot)
batte sich Lilys Reisegepäck, überall standen und lagen Dinge umher, die zum Bilde der großen Dame gehörten, durch alle Räume flirrte der exotische Duft ihres Parfüms: wie ein Wunder war es und doch die natürlichste Sache auf Erden.
Kaum wußte Frau Julie, wie ihr geschah. Alles in ihr fieberte. Fleisch von ihrem Fleisch war Llly, das zeigte sich jetzt deutlich wie noch nie. Was einmal als Sehnsucht im Blute getobt hatte, was immer wieder herangeschlichen kam und gegen Klein- heil und Enge rebellierte: hier war es plötzlich berauschende Erfüllung. Dank mußte man dem Himmel sagen, daß er einem so eine Tochter geschenkt hatte. Tausendmal wog diese Tochter auf, was Martina an Enttäuschungen brachte. Glück und Seligkeit bedeutete diese Tochter. Dicht an sie mußte man sich schließen, wenn alles noch gut werden sollte.
Frau Julie war wieder jung. Zündende Funken hatten zu ihr hinübergeschlagen und Leib und Antlitz verwandelt. Sonne rann durch den Körper, unternehmend leuchteten die Augen, lockend schimmerten die Zahne zwischen den frischen, halboffenen Lippen. Den ganzen Tag war Julie in Bewegung. Alles, was Lily betraf, ging ebenso sie an. Aon morgens bis abends raftg das Telephon, der Reihe nach fuhren Autos vor, ein Bote gab dem anderen die Tür in die Hand, Agenten, Filmregisseure, Direk- toren, Zeitungsberichterstatter: alle wollten persönlich an Lily Wilemar heran. Briefe und Depeschen häuften sich. Immer mehr Blumenkörbe blühten und verblühten auf Tischchen und Ständern. Bis auf den Balkon hinaus wuchs die Pracht.
Lily lächelte überlegen. Süße Müdigkeit kribbelte im Blut. Höllisch anstrengend waren die Mo- nate in Aegypten und in Italien gewesen. Nun tonnte man ausruhen. Nun hatte man es nicht mehr notwendig, dem Glück nachzulaufen. Das Glück kam von selbst: jeden Augenblick meldete es sich in anderer Gestalt. Aber Lily ließ sich Zeit. Dutzende von Agenten und Regisseuren zogen mit langen Nasen ab. Jeden Moment erschien Findeisen mit einem neuen Vorschlag. Der Produktionsleiter der Apollo A.-G. hatte ihm freie Hand gelassen. Berge von Manuskripten schleppte der Bote hinter ihm her. Selber sollte Lily entscheiden, welche Rolle ihr lag. Doch Lily schüttelte nur immer wieder den Köpf. „Noch nicht das richtige, teurer Findeisen!
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Jemand pochte an die Eingangstür. Durch einen schmalen Spalt steckte Herr von Müller feinen Kopf. „Verzeihung, meine Damen! Fräulein Wilemar: Lampert & Kögel wollen von der Reparatur der Brückenwage nichts wißen. Bitte mal die ganze Korrespondenz herüber." Das verärgerte Gesicht verschwand. _ _ .
Martina ging in das Nebenzimmer. Ihre Deine knickten. Es währte Minuten, bis die Mappe zur Stelle war. Die hagere Blondine beim Fenster lächelte ihrer Kollegin zu. Starr glotzte der Jung- ling durch die Hornbrille. Die ganze Zeit pausierten die Schreibmaschinen.
Martina zog die eine Tur hinter sich AU, öffnete die andere. „Bitte, Herr von Muller. Dann stand sie wieder der Sabukowa gegenüber.
J)err von Kreuth ist ober kein Ding, keine Ware", setzte die Sobukowa fort Sekundenlang schlossen sich ihre Augen, als versänke sie in Erinnerungen. „Alles andere als ein Ding, Fräulein Wilemar." . , , _ M1,
„Benno steht zu mir , sprach Martina. Nicht ihre Stimme sagte die Worte.
„Wissen Sie das bestimmt?
„O ja, bestimmt?"
„Wollen wir es auf die Probe ankommen taffen
Mit einem Satz hielt Martina vor der 6abu« towa. „Sie treffen mit Benno zusammen? Sie haben ihn schon gesprochen, seit Sie in Berlin sind? Sie begegnen ihm vielleicht täglich? Antworten Sie doch!" 2hif einmal bettelten die Augen Martinas.
Die Sobukowa schüttelte den Kopf.
„Nicht ein einzigesmal." Sie lächelte grausam. „Er entgeht mir nicht"
Ein Halt sprang aus dem Nichts, Verzweifelt Hämmerte sich Martina daran. .„Benno tanzt längst nichts mehr , sprach sie und spürte, wie ihre Stimme frohlockte. „Er hat einen anständigeren Beruf gefunden." Enttäuschen sollte dos, abschrecken.
Aber die Sobukowa nickte ernst.
„Autodroschke römisch eins A, Nummer zwöls- tausendneunyundertocht. Standplatz: Kaiserhof- Hotel."
Martina prallte zurück. „Auch das ist Ihnen bekannt?"
„Auch das." Das Antlitz der Sobukowa spannte sich. „Lassen wir es also auf die Probe ankommen?"
Vorbei, dachte Martina, vorbei. Mühselig lächelte sie. .Lassen wir es auf die Probe ankommen." Rote, wehende Schleier schoben sich vor ihre Augen. Wie eine Statue stand die Frau in dem Nebel.
„(Bern hätte ich Ihnen das erspart, Fräulein Wilemar."
„Und die Probe?" Merkwürdig hell stieg die Stimme Martinas. „Was für eine Probe soll denn das sein?"
Die Sabukowa kam ganz nahe. „Eine Dual für drei arme Menschen", sagte sie zischend. „Ader wenn Sie darauf bestehen, ich tue Ihnen den Gefallen. Vielleicht glauben Sie bann, daß Herr von Kreuch nicht mehr zwischen Ihnen und mir steht. Daß er längst mir gehört. Mir allein." Stöhnend waren die letzten Worte gesprochen.
„Das Bild, das Sie am Anfang gesehen habend Furchtbar klang das kurze Lachen Martinas. „So ein kleines Mädchen, wie ich, nicht wahr — unb Herr Benno von Kreuth: wie reimt sich bas zu- fammen? Nach dem ersten Blick haben Sie gewußt, baß bos eine Unmöglichkeit ist. So verstehe ich Sie. wenigstens jetzt."
„Sie verstehen mich richtig. Fräulein Wilemar. Die Sabukowa hob die zwei weißen Hände.
Bis an bas Fenster wich Martina zurück. „Staffen Sie mich."
„Und dennoch wollen Sie, daß wir uns quälen'
Etwas riß in Martina ab. Schwarze Ränder wichen zur Seite. Eine endlose Ebene tat sich auf. Unwahrscheinlich fern leuchtete eine Sonne.
„Dennoch", sprach Martina mit starrem Mund. „Dennoch. Dennoch."
XXXII.
Wie ein Sturm brauste Lily in das Haus auf dem Kurfürstendamm. Nock; brauner gebrannt als das letztemal, noch sprühender in Blicken und Gebärden, noch sicherer verankert in der Welt, die jetzt endgültig ihre Welt war: so füllte sie die vordem so stille Wohnung mit ihrer Gegenwart. Auf einmal lebten die zehn Zimmer wieder. Verdreifacht
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