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ginnen, weil die BollSvLrtretar> das Dekret des Staatspräsidenten über die Eröffnung der Session stehend anhören sollten, was sie aus Prestige­gründen ablehnten. Nun soll der Sejm am 13. (November zusammentreten, und zwar wird, um die Abgeordneten zum Nachgeben in der Etikette­frage zu veranlassen, der Staatspräsi­dent selbst bas Eröffnungsdekret verlesen. Aber die Volksvertreter sollen zu ihm auf das Schloß kommen, was hi? Sozialisten be­reits abgelehnt haben, während andere- Parteien die Regierung wegen (Verletzung j>ec Konstitution, die sie in der nicht rechtzeitigen Einberufung des Sejm erblicken, zur Verantwortung ziehen wollen, ein« Absicht, welche der Regierung in­des wenig Kummer bereitet, weil das Parla­ment, wie eine kurze Orientierung lehrt, in seinen Parteiverhällnissen jede Einheitlichkeit ver­missen läßt.

Pilsudski ist aus dem LinksLager (Sozia­listen- hervorgegangen. Man sollte also anneh­men, daß er mit der Linken gegen die (Rechte regieren würbe. Dem ist aber nicht so. Die Sozialisten haben ihr DrSinteressqment an der neuen Regierung erklärt, und der sozialistische Arbeitsminister hat sein Portefeuille ohne Auf­trag feiner Partei übernommen. Don dec Rechten aber bekämpft Pilsudski nur der Rationale Volksverband (Rational-Demotraten). Da­gegen haben sich die konservativ-agrarischen Christlich-Nationalen, der Sammelpunkt dec polnischen Monarchisten, auf seine Seite ge­schlagen und sogar zwei Minister in sein Kabinett entsandt. 2a Pilsudski Hot bereits nut den pol­nischen Magnaten, so den hochfeudalen Radziwills und Sopiehas, eine Zusammenkunft gehabt, was Veranlassung zu verschiedenen politischen Kom­binationen gegeben hat, so der, daß unter seiner Aegide das Königtum in Polen restau­riert werden soll. Tatsache ist, daß ein Teil seiner Freunde dem Fafzismus anhänK, während sich die werktätige Bevölkerung les extremes se touchent mehr und mehr dem Kommunis­mus verschreibt, und zwar auf Kosten der Sozia­listen, die sich durch eine höchst unklare Politik um allen politischen Kredit gebracht haben. Die übrigen Parteien sind gespalten und weisen in ihren Lagern sowohl Pilsubski-Anhäager wie Pilsudfti-Gegner aus, so daß von einer einheit­lichen Parieigruppierung für und gegen den Marschall keine Rede sein kann.

Ein klares Programm aber entwickelt weder die Regierung noch ihre zersplitterte Fronde. Dai.: einzige konkrete Ergebnis des neuen Kurses waren weitgehende Personalänberungen auf Ho­heit MUitär- und Zivtlposten. 3n letzter Zeit hat besonders die Beseitigung des Wojewoden von Pommerellen Wachowlak von seinem Posten in Thorn von sich reden gemacht. Die Re- gierimg hat ihn durch den vom Sejm desavouier­en Innenminister Clvdzianowski, einen fanatischen Pilsudfki-Anhänger, ersetzt, was die öffentliche Meinung des ehemalig preußischen Teilgebiets Mit Aeußerunaen lauten Mißfallens quittierte. Mehr als passive Resistenz gegenüber der in Warschau beliebten Politik wagt jedoch in Pom­merellen und Pofen niemand zu üben. Dazu ist die Bevölkerung durch die letzten Ereignisse zu sehr eingeschüchtert. Seit dem 8. November ist überdies durch Dekret des Staatspräsidenten Moscicki, der, wie bereits gesagt, Pilsudskis Willensvolkstrecker ist, «in Pressegesetz in Kraft, das jede Kritik an behördlichen Anordnun­gen und Maßnahmen so gut wie unterbindet und die Opposition geradezu mundtot macht.

Dem Volttischen Durcheinander entspricht der wirtschaftliche. Zwar ist es der Regierung ge­lungen, den Zloty, der hauptsächlich infolge des deutsch-polnischen ZoMrieges stark gesunken war, auf annähernd 60 Prozent seines ursprünglichen Wertes zu stabilisieren. Wer dieser Tatsache entspricht keineswegs der wirtschaftliche Status des Landes. Sie ist einfach die Folge des eng­lischen Bergarbeiterstreiks, weil der englische Ausstand der oberschlcsischen Kohle eine vor­übergehende bis dahin nie erreichte Absatz­möglichkeit eröffnet hat. Am aber die Wirtschaft aus lange Sicht zu sanieren, hatte die pol­nische Regierung den amerikanischen Finanzfach-- persiändigen, Professor Ke mm e re r, nach Po­llen berufen, welcher Finanzen und Wirtschaft

Ort und Stelle eingehend studiert hat. In- wiefern Kümmerers Mission mit der Gewährung kMBiMUWWBMMBKXWa

Nobelpreisträger Shaw-

Bon Franz S « r v a s s.

Die Würfel sind wieder einmal gefallen. Und Dernard Shaw, europäischen AantzmS, ist der Erkorene. Eigentlich sollten Männer von solch unbedingter Anerkanntheit und hochragender, allen Lebensstürmen entrückter Stellung, außer Breisbewerb stehen. Es gibt andere, gleichfalls Hochbegabte und eminent Verdienstvolle, die selbst in vorgerücktem Lebensalter noch mit der Rot zu ringen haben, und die durch Gewinnung des Nobelpreises der bedrückenden Sorgen, unter denen sie geistig und materiell seufzen, enthoben werden könnten. Ich nenne von Deutschen nur Arno Holz. Vielleicht freilich sind Gesichtspunkte dieser Art bet Verteilung des Nobelpreises min­der maßgebend? Indes dann könnte es ja auch ein Preis, etwa bestehend in einem goldenen Lorbecrlranze, sein...

Sollten hier wirklich Erwartungen getäuscht worden fein, so muß der (Betroffene es tragen. Hiervon abgesehen, kann man der Wahl Shaws nur cruS voller Aeberzeugung zustimmen. Es gibt heute in der gesamten literarischen Zunft Europas keinen repräsentativeren Mann. Als wir ihm in der Mitte dieses Sommers anläßlich seines siebzigsten Geburtstages huldigten, geschah es, gerade von deutscher Seite her, aus einem Ge­fühl tiefer Dankverpflichtung. GL geht etwas Aufrüttelnoes. Befreiendes von diesem Manns aus, das in feiner scharfen Geistigkeit und froh- launigen Aeberlegenheit von uns aufs lebhafteste ergriffen und aufs freudigste ausgekostet wurde. Es ist oft genug und mit Recht gegen die .Ueberschwemmung ausländischer Literatur, zumal innerhalb unseres Bühnenbetriebes, Opposition gemacht worden. Aber bann handelte es sich um Aufdrängungen einer meist minderwertigen, oft lediglich frivolen, aufkitzelnden. wo nicht gar «entsittlichenden, jebentalls eittbehrttchen Ware. Wo wir aber den Atem geistiger Befruchtung spüren, wo verwandte Regungen weltanschaulicher und künstlerischer Art uns im innersten Herz punkt treffen, da haben wir uns noch niemals gesperrt und dankeno das hingenommen. was werbend an uns hevantrat. So geschah uns mit Shaw. Er hat in Deutschland eine Resonanz gefunden, die größer war als in irgendeinem Lande der Welt; die jedenfalls die Schätzung, die man

einer amerikanischen Anleihe an Polen au» sammenhängt, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Der Wunsch nach fremder Kredithilfe besteht in Polen jedenfalls unvermindert weiter. Roch ist Kemmerers Gutachten über Poken nicht veröffentlicht worden. Was aber bis jetzt von seinen Ansichten über die wirtschaftliche Lage des Landes bekannt geworden ist, läßt fich kurz wie folgt zusammenfallen: Polen besitzt als Erb­schaft aus der Inflationszeit noch viel zu viel Banken. Sie müssen als Krebsschaden des Landes auf ein Minimum reduziert und der leistungsfähige Rest muß fusioniert wer­den. Die Durchführung des vom Sejm haupt­sächlich zur Extermination der nationalen Min­derheiten beschlossenen Agrarreformgesetzes würde geradezu den wirtschaftlichen Selbstmord des Landes bedeuten. Der Export leidet bereits an Hypertrophie und muß sich über kurz oder lang aus das wirtschaftliche Gleichgewicht ungünstig auswirken. Dabei arbeitet der Zollapparat zu kostspielig. Die handelspolitische Gesetzgebung ist fehlerhaft, ebenso das staatliche Kontrollshstem. Die Steuern sind zu ungleichmäßig verteilt, was ungünstig auf die Steuermoral wirkt.

So stellt sich, in kurzen Strichen gezeichnet, gegenwärtig die innere Lage Polens dar. Charakteristisch für die Mentalität der Nation ist weiterhin das Vorwiegen der militärischen und bureaukratischen Zwecke unter Hintansetzung eines positiven Aufbauprogramms. Immer noch disputiert der Pole viel zu viel, anstatt auf organisatorischer Grundlage zu arbeiten. Zwar fyat das Land feinen princeps, seinen Pilsuhski. Wer es fehlt ihm der Mann, wie ihn.in ähn­lichen kritischen Situationen einmal Rußland in Witte gehabt hat, der fein politisches Ideal nicht auf Sentiments aufbaute, sondern auf greif­bare nüchterne Wirtschaftsfakkoren.

preußischer Laii-gemelndetag.

Der Verband der preußischen Landgemein­den hielt in Berlin feinen dritten Tag ab. Der Vorsitzende, Bürgermeister Lana e- Weihwasser, eröffnete die Tagung mit einer Ansprache, in dex er auf die Bedeutung der Landgemeinde hmwies. In den Landgemeinden wären 55 Proz. der Be­völkerung enthalten. Der Verband der Land­gemeinden führe einen Dreifrontenkrieg gegen die Dureaukratie, Gesetz­gebung und Vorwürfe der Privat- wirtschaft. Es sei Zeit, daß der Kleinkrieg zwischen der Wirtschaft und den Kommunen auf­höre. Reichsinnenminister Dr. Külz wies in einer längeren Rede darauf hin, daß die Ge­meinden die Urquellen des Staates bildeten und daß ein Unterschied zwischen Landgemeinden und den übrigen Gemeinden nicht gemacht werden dürfe. Es sei notwendig, daß sich eine Allianz zwischen Staat, Gemeinde und Wirt­schaft entwickele. Ausgabe der Gesetzgebung und Regierung sei es, einen Ausgleich zwischen ihren Interessen und den Interessen der Gemeinden zu finden. Staatssekretär Dr. P o p i h vom ReichS- ftnanzministerium sprach sodann über den Finanz­ausgleich. Die Beschwerden der Landgemeinden über die Verzögerung der endgülligen Regelung des Finanzausgleiches seien unberechtigt, Die Verzögerung sei besonders darauf zurückzuführen, daß der Etat für 1926 bereits abgeschlossen sei. Es sei nicht damit zu rechnen, daß an eine endgültige Regelung vor dem 1. April 1927 berangetreten: werden könne. Im Jahre 1926 seien den Ge­meinden 156 Millionen Mark mehr überwiesen worden, als vorgesehen gewesen fei. Wie sich die Aussichten für 1927 gestalten würden, könne noch nicht gesagt werden. Die Gesundung der Land­wirtschaft sei deswegen von großer Bedeu­tung, weil ans dem Lande bei der jetzigen schwie­rigen Lage fast keine Steuern einkamen. Darauf sprach der Reichstagsabgeordnete Dr. Brüning über die Wirtschaftslage der Gemeinden unter besonderer Berücksichtigung der Erwecbslosensürsovge. Der Redner ging Dabei auf die kommende Arbeitslosenversiche­rung ein und erklärte, es fei notwendig, zu einer wirklichen Prüfung Der Arbeitswillig- keit zu kommen. Man müsse eine große Organi­sation des Arbeitsnachweises schaffen. Das Ar- beitsbeschaffungsprogvmnm des Reiches fei die einzig wirksame Hilfe. Die Mittel, die auf dem Wege einer Anleihe geschaffen werden sollten,

ihm zu jener Zeit im britischen Weltreiche cnt- gegenbrachte, bei weitem überstieg. Darum ist die jetzige Nobelpreisvertellung zugleich auch ein Triumps deutscher Denkweise. Denn Deutschland hat der Weltgeltung Vernarb Shaws vor allem die Bahn gebrochen.

Shaw ist Ire. Unb wenn er auch in London lebt und in englischer Sprache denkt und schreibt, so nimmt er doch gegen viele Eharakterzüge und Lebensanschauungen der eigentlichen Eng­länder zunächst eine instinktive, dann mit Be­wußtsein verschärfte Frontstellung ein. Mit einer ganz anderen -Unbefangenheit und kritischen Scharfsichtigkeit, als sie etwa em Ginge Iwrenev haben würde, blickt er auf Dinge und Menschen um sich her. Dies gibt ihm von vornherein ein Gefühl der Anabhängigkeit, der Aeberleaenhett, der ironischen Weltbetrachtung und hat so das Bewußtsein geistiger Selbständigkeit in beson­derem Maße in ihm hochgezüchtet. Nicht etwa, als ob Shaw von feiner britischen Staatsange­hörigkeit und den gewaltigen Kulturanregungen seiner Londoner Existenz nicht mancherlei Vorteil gehabt hätte. Mit Recht erblickt in ihm sein ausgezeichneter deutscher Biograph Julius Bab ..eine Vermählung englischen Lebensgefühles mit irischem Geist". Aber gerade diese Doppelheit in Der Statur und Sozialbedingtheit des geist­reichen Mannes war fein eigentlich Befruchten­des. Tiefer noch und ernster als fein engeren Landsmann Oscar Wilde, helfen spielerisches, phantastisches und ausschweifendes Staturen ihn allzufrüh knickte, hat Shaw, der au6 härterem, Derberem Holze geschnitzt ist seine hohen Gaben in langsamer, methodischer Arbeit zu entwickeln verstanden. Gr hat als Schriftsteller einen Aus- flieg genommen und fo organischer Höhenent­wicklung. wie er in unseren Zeiten geradezu un­vergleichlich dasteht.

Gr begann mit Romanen, war Dann andert­halb Jahrzehnte lang Kritiker, und zwar mit bemerkenswerter ViAftitiakelk, sowohl für Kunst wie für Musik, für Theater. Daneben ging stets eine reiche Tätigkeit auf sozialpolitischem Gebiet, dem er sich als führendes Mitglied der ..Genossenschaft Der Fabier" (Fabian Society) mit besonderem Eifer gewidmet hat. So schien er in dieser Hinsicht völlig abgestempelt und war in feinem Vaterlands ein hochangesehsner, wegen feines schlagfertigen Witzes ebenso gefürchteter wie von Gesinnungsgenossen belachter Geistes-

müßtLn zur Wiederherstellung der grvßenLandst raßen verwandt werden. Der Reichstagsabgevrdnete Dr. G e recke bedauerte, daß die DerwaltungSreform im Land­tage noch nicht weiter gediehen sei. Der Land- gemeinbetag vertrete Den Standpunkt, daß man bei Der Rationalisierung der Verwaltung die Regierungspräsidenten beibehalten und d i e Oberpräsidenten abs chafsen müsse. Mit einer Ausschaltung der Amtsvorsteher könne man sich nicht einverstanden erklären. Bei Der Eingemeindung Dürften Die Interessen Der Gemeinden nicht gegenüber Denen der Städte zurückgesetzl werden. Bei der Gestaltung Des Finanzausgleiches dürften dis Stcuermilderungen aus keinen Fall auf Die Landgemeinden abge- wälzt werden.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

i Watzenborn-Steinberg, 15. Rov. Gestern sand im SpateZur Krone" dar erste F a - milienabenb viejes Winters statt. Qcr war sehr gut besucht. Wie stets, trug unser rühriger Kir­chengesangverein durch mehrere exakt vorge­tragene Chöre zur Verschönerung des Abends bei und erntete lebhaften Beifall. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Lichtbildervortrag des Ortspfarrers über denUntergang der Titanic". Begrüßungsansprache und Schlußwort sprach eben­falls der Ortspsarrer.

(D Watzenborn-Steinberg, 15. Mo. Dieser Tage wurde von unserer Schule ein Leitz - sches Lichtbild-Epidiaskop im Werte von 425 Mk. angeschafft. Da den Klassen jährlich nur ein geringer Geldbetrag für Anschaffung von Lehrmit­teln zur Verfügung steht, wurden die Kosten größ­tenteils durch freiwtlltae Spenden gedeckt, die bei unserem dieswhrigen Jugendfest gemacht wurden. Der kleine Restbetrag soll aus dem Erlös eines in den nächsten Wochen stattfindenden Eltern­abends beglichen werden.

js. Steinbach, 15. Nov. Zu Beginn des Winterhalbjahres wurde auch bei der hiesigen Fort­bildungsschule für die Mädchen des zwei­ten Jahrganges der h a u s w i r t s ch a f t l i ch e (K o ch -) U n t e r r i ch t eingeführt. 27 Mädchen von hier, aus Albach und Annerod nehmen an dem Unterricht teil. Die Ausstattungsgegenstände find von der Gemeinde beschafft worden. Zu sämt­lichen Kosten werden die beiden Nachbargemeinden Annerod und Albach in entsprechender Weise her­angezogen. Der Unterrichtsraum ist im hiesigen Rathaus. Die Maul- und Klauenseuche hat sich nicht weiter verbreitet. Die Sperre durfte in den nächsten Tagen aufgehoben werden.

z. Rödgen, 15. Nov. Gestern mittag wurde Der neue Saal bau des Gastwirts Wilhelm Wagner II. der Oejsentlichkeit übergeben. Bei dieser Gelegenheit brachten die hiesigen Gesang­vereineConcordia" (Dirigent Nikolei aus Großen-Buseckl undHarmonie" (Dirigent Kurz aus Gießen) m vortrefflichem Wechsel eine Reche fein durchgearveiteter Chöre und Volkslieder zu Gehör. Die Kapelle Monk aus Wieseck um­rahmte die gesanglichen Darbietungen in bester Weise. Den Darbietungen wurde reicher, Beifall gezollt.

CD Lollar, 15. Nov. Vor Jahresfrist wurde hier eine Musikkapelle der Freiwilligen Feuerwehr gegrünbet. Der Kapelle, die schon mehrfach mit Erfolg in die Oeffentlichkeit trat, ge­hören zur Zeit 20 Musiker an. Die Leitung liegt in den Händen des früheren Militärmusikers Fr. Dei­nes aus Daubringen.

t (Brünberg, 15. Nov. In Anwesenheit des Kreisschulrats Fischer fand hier in der Turnhalle eine Lehrerkonferenz statt, bei der Lehrer Wenzel mit den 51 naben seiner Klasse und den Mädchen der Jugendgruppo des Turnvereins neu­zeitliches Turnen vorführte, und Lehrer Roth einen Vortrag über Jugendspiele hielt. Krgisschulrat Fischer gab seiner Anerkennung für die gezeigten Leistungen Ausdruck. Jin übrigen mür­ben dienstliche Angelegenheiten fce|prorf)en.

Kreis Friedberg

WSN. Butzbach, 15. Nov. Die Scheuern der Landwirte W. Hamann und Gg. Vogel in Griedel fielen gestern abend einem größeren Schadenfeuer zum Opfer. Die Feuerwehr, mit Unterstützung einiger Nachbarwehren, konnte ihre

Tättgkeit nur auf Den Schutz Der NachbargebmZde beschranken.

Kreis Büdingen.

L Nidda, 15. Nov. Als heute morgen ein hiesiger Landwirt in der Scheune für sein Vieh Fut­ter holen wollte, fand er unter einem Hau- fen Heu d i e Leiche eines Handwerks­burschen, der unter dem NamenBerliner Willi" hier früher zeitweise gearbeitet hatte und auch einmal bei dem betreffenden Landwirt kurze Zeit beschäftigt gewesen war. Da der Obdachlose in dem yjofe des Landwirts bekannt war, hat er wahrschein­lich ein Nachtlager in dem Heu gesucht und ist darin e r st i ck t.

bs. N i.b b a, 15. Nov. Hier sand ein Vorstands- unb Dirigententag des SängerbunbesM i t t- leres Niddatal" statt. Der Bundesdttigent, Lehrer Lentz von Geiß-Nldda, erstattete den Ge­schäftsbericht. Es gehörten am Anfang dieses Iah. res 9 Vereine dein Bunde an, im Laufe des Jah­res tarnen noch die Gesangvereine von Borsdorf und Blofeld hinzu. Dadurch erhöhte sich die Zahl der aktiven Sänger auf über 300. Jrn ^erlauf des Berichtsjahres wurden 2 AorstandssiDvngen, ein Dirigententag und ein Wertungssingen abaehaltem Es wurde die Frage ousgeworfen, ob man Den Um­fang des Bundes noch erweitern solle. Der Bund erstreckte sich jetzt über die Kreise Gießen, Büdingen und Schotten. Die Versammlung war der Ansicht, daß der Bund den sich immer mehr bemerkbar machenden Zusammenschluß nicht hindern Ijürfe, doch Cann eine weitere bedeutende Vergrößerung nicht mehr in Frsge kommen, weil dann ein Bun- desbezirk keine genügenden Raume zur Abhaltung von Bundesfesten vorhanden find. Der Rechner Fleischhauer von Geiß-Nidda konnte m der Rechmingsablage einen Vermögensstand "*5bn 30u Mark aufweisen. Für das Jahr 1927 soll von einem Wertungssingen Abstang genommen und ein ein­faches Bundessest abgehalten werden, für dessen Uebernahme sich der Gesangverein Fauerbach bei Nidda gemeldet hat, der damit die Feier seines 40jährigen Bestehens zu feiern gedenkt. Feste Be­schlüsse konnten nicht geiaht werden, da die Ver- treteiDerjammlung daruoer zu bestimmen hat. Diese soll am 3. Weihnachtsfeiertage in Borsdorf ftattfinden. Es wurde noch beschlossen, jedem Bun- desverein aus Mitteln des Bundes zwei Chöre zu stiften, davon der eineStrömt herbei ihr Bölker- scharen", als Massenchor vorgetragen werden soll. Der Punkt Der Tagesordnung,Gemeinsame Rhein­fahrt", foll zur weiteren Klärung in den Vereinen nochmals besprochen werden.

bs. E ch z^e l l, 15. Nov. Die neue Hochspan- Hangs - Fernleitung nach dem P r o v I n - zialwasserwerk Inheiden ist nun soweit vollendet, daß die Drähte gespannt werden können. Besonders schwierig roar das Setzen der Beton- masten in den sumpfigen Wiesen. Mit Hilfe van Ramm-Maschinen muhten zur Bodenbefestigung der 120 Zentner schweren Masten 3 Meter lange Pfähle eingerammt werden. Es ist beabsichtigt, die neue 100 000-Voltstrecke noch Ende dieses Jahres unter Strom zu setzen.

Kreis Schotten.

" Scho t t en. 15. Nov. Die Grunbstein- legung zur neuen Turnhalle wird näch­sten Samstag nachmittag stattsinden. Die Arbeiten an der J)aüe sind schon stark fortgeschritten, sie soll baldmöglichst im Rohbau fertiggestellt werden. Die in der Umgegend stattgehabten Treibjag­den haben ein sehr geringes Ergebnis gehabt. Die Jagden sind meist neuverpachüt wor­den. Die Jagdpächter legen daher auf gröhtmög- lichste Schonung ihrer Reviere Werl.

! Schotten, 15. Nov. Vom Gemeinderat: Einem Gesuch des Frhrn. v. G ü n d e r o d e um Uebsrlassung des städtischen Steinbruchs im Stadtwald soll nähergetreten und der Pachtver­trag in mündlicher Verhandlung »Sher festgelegt werden. Der städtische Bruch hat eine günstige Lage, das Material ist leicht abzufahren. Die Kosten der Bachherstellnng, Fassung des Bachbettes in Beton, belaufen sich auf ca. 11000 Mk. Die Ausgabe» werden genehmigt, die durch Kapttalauf- nahme und allmähliche Amortisation gedeckt wer­den. Die Herstellung der Stadtbach war ein großer Segen, einer Ablagerung von Schutt und Dreck ist nunmehr vorgebeugt. Die Baupläne zur neuen -t u rnhalle , zu der die Stadt ein Kapital von 25 000 Mk. vorgeschossen hat, wurde» vorgelegt und sande» die Billigung des Gemeinderats. An dem geplanten Zweckverband der Gsmeinden

kämpe. Doch Die Plattform, auf Der er stand, unD Die er souverän beherrschte, genügte ihm nicht. Gr wünschte für seine Ideen eine breitere unD tragendere Resonanz. Ex wollte auf Die Seelen Der Menschen aufrüttelnDer als bisher einwirken- er kannte Die NotwenDlgkelt, Die Men° fäten bei ihrem Eigensten zu packen, Indem er Ihnen Im Spiegelbilde ihr Konterfei, und zwar zur Verdeutlichung In leicht verzerrter Form, zeigte. Darum ward Der Vorkämpfer für Magner Mozart, Ibsen als reifer Mann selbst ein Theaterdichter, wozu er kvaft seines Tempera­mentes und Geistes durchaus beruft» war.

®r nahm feine Sache verflucht ornft, mochte auch feine Waffe hundertmal fein blendender CCDiö sein.Das Theater ist heute so wichtig, wie un Mittelalter die Kirche", hat er unumwunden bekannt und hiermit Zweck unb Ziel seiner Bühnenlaufbahn unzweideutig umrinen. Sief er sittliche Ernst der Auffassung wird vielleicht viele, die gewohnt sind, über Shaws paradox klin- genbe Spöttereien zu lachen, in Erstaunen setzen. Verdankt er doch gewiß Den großen Welterfolg seiner Bühnenstücke in erster Linie seinem schlag­fertigen Witz. Hierdurch bietet er eine allerköst­lichste Unterhaltung. Versteht er es doch. Die Blößen unD selbst Widersprüche heutiger Gesell- fchaftsorDnuug aufs lustigste und anmutigste zu geißeln, unb bringt selbst Diejenigen zum Lachen unD zur Nachdenklichkeit, über Die er erbar­mungslos herzieht. And letzteres gerade ist ihm die Hauptsache, was oft übersehen wird. Aber diejenige» schätzen Shaw ganz und gar falsch ein, Die ihn etwa für einen Witzemacher halten. Shaw macht keine Witze, und zumal billige Wortspiel« und (Dortverdrehungen, durch die so manche zu bluffen suchen, verschmäht ex gänzlich. Aber und dies ist etwas völlig anderes er besitzt eine hohe Fähigkeit zu witzreicher Weltbetrach­tung. Diese besteht oft lediglich darin, daß er die Dinge bei ihrem geraden Namen nennt. Was sonst di-e Wslt heuchlerisch zu umschreiben sucht, das spricht er unverblümt aus. Erregt dadurch gewiß manchmal Anstoß und Aeraer dies ist ja m gewissem Sinne dcr Zweck Der Hebung. aber in anDeren weckt er desto lebhaftere Zu­stimmung und ein Gefühl innerster Befreiung.

So ist Die Bühne für Shaw gleichsam eine Kanzel, auf Der er als SchalkSnsrr erscheint, um als PreDiger desto tieferen Eindruck zu machen. Hierbei ist ihm bewußt, daß er, um diese Wir­

kung zu erzielen, vor allem fein Handwerk gründlich verstehen muß. Das vermag er auch, und dennoch ist es seltsam, zu konstatieren, mit welcherlei Mitteln Shaw eigentlich die Dühne beherrscht. Das herausgegriffene Thema ist immer interessant es leuchtet allemal tief ins gegen­wärtige oder geschichtliche Leben. Aber bie daraus gesponnene Fabel wird lässig behandelt, nicht selten auf weitschweifige Abwege geführt, oft genug kaum richtig beendet oder voreilig abge­brochen. Was aber Immer wieder fesselt, tst der funkelnde, bizarr-bewegte, geistsprühende Dialog, ist auch das heimliche Pathos, das dahinter steckt und uns unverfehens, mitten im Gelächter, das er in uns entzündet, irgendwie an ein <$tolge8 gemahnt! ist endlich auch die oft sehr apart und neuartig gewählte Szenerie. In Deren Ausbau unb Gestaltung Shaw ein ÄrftnDer ersten Ranges ist. Mit all Diesem 'Zlpparat aber arbeitet Der Dichter einzig daraufhin, uns aaS unserer gewohnten Lethargie und GeistestrSghelt aufzu­rütteln, um uns für die Ideen des Fortschritts und der sozialen Gerechttgkeit, die er auf seine Fahne geschrieben hat, empfänglich zu machen. ..Einzig und allein um Der Kunst willen würde ich nie eine Zelle schreiben", hat er mit grotesker Offenherzigkeit gestanden. In diesem Sinne hat Dab gewiß nicht Anrecht, wenn er meint, daß ©batomehr ein sehr großer Schriftsteller berat cm Dichter" sei.

Olber was zwingt uns Denn, diesen Vtann von allerfettenften Fähigkeiten in irgendeinen Begriff etowfättWn? And sind Begriffe nicht wandel­bar? Wird nicht vielleicht in entern Menschen­alter oder gar heute schon unterDichter" etwas . . nein, nicht etwas Anderes, aber doch etwas Weiteres, Amfassenderes zu verstehen sein, als die gewohnte Aeberlieferung es meint? Viel­leicht Ist Shaw, der Hasser der Roinantik, auch in Der Hinsicht ein Bahnbrecher, ein Revolutionär. Vielleicht auch warum nicht? hat er un­freiwillig seine 'Begrenztheit eingestanden, eine Begrenztheit, die er mit feinem großen Geistes­bruder Voltaire zu teilen hätte. Doch auch mit Heine, mit Nietzsche, mtt Moliöre bat man ihn veralichen. So viel Namen, Je viel Widerspruche jo viel Schillerndes! Doch daß Shaws Dichte­risches Wesen vor uns erschillert, ist vielleicht sein Allerbestes. Es ist sein Anfatzbares, fein Rätsel­volles, Das uns stets aufs neue cmzieht, weil es uns immer wieDer geiftig aufs neue beschäftigt.