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Wartung aus, daß China als erster unter den. asiatischen ©traten entsprechend seiner gevgraphi- schen und politischen Bedeutung ein Mandat zu­erteilt werde, und zwar falls nicht zwei Mandate auf Asien entfallen sollten, jedenfalls ein drei­jähriges. Lschav-Hsin-Lschun war der einzige der heutigen Redner, der seine Ausführungen mit einer offenen Kandidatur für einen Ratssitz ver­band. Damit war die Diskussion geschlossen. Der Präsident schritt unter Hinweis auf das Amende­ment zu Artikel 4 Absatz 3 des Völkerbundpaktes, das kürzlich durch die Ratifikation seitens Spa­niens in Kraft getreten ist, zur Abstimmung über die Vorlage. Diese wurde um 4.50 -ilfyr still­schweigend einstimmig angenommen. Zur Wahl der nichtstäirdigen Ratsmitglieder ist die Völlerbundsversammlung auf morgen vormittag 10 Uhr zu einer Sitzung einberufen worden.

Die Ratskandidaturen.

Genf, 15. Sept. ($11.) Aus den vielen Kombinationen über die in der morgigen Voll­versammlung zur Wahl stehenden nichtständigen Ratssitze kristallisieren sich langsam die Vor­schläge heraus, die von den beiden hauptinter- essierten Gruppen, der englischen und der fran­zösischen, für die Reubesehung gemacht werden dürften. Don englischer Seite tritt man für folgende Liste ein: Für drei Jahre Polen, Rumänien, Chile, für zwei Jahre Hol­land, Columbien und Persien, für ein 3ahr Belgien, die Tschechoslowakei und San Salvador.

Von französischer Seite werden statt Persien China, statt der Tschechoslowakei F i nn- l a n d oder Irland und statt San Salvador H r u g u a i genannt. Die südamerikanischen Staa­ten haben in einer gemeinsamen Beratung ihrer Delegierten sich über folgende Kandidaturen ge­einigt: Für einen dreijährigen Ratssitz Chile, für einen zweijährigen Columbien, für einen ein­jährigen LIruguai und San Salvador.

In Berliner politischen Kreisen ist man über die Abwicklung der Wahlmvdali- täten für die nichtständigen Ratsmitglieder der Ansicht, daß diese Wahlen in dr ei Etappen stattfinden werden. Der erste Wahlgang wird die neuen nichtständigen Ratsmitglieder bezeich­nen. der zweite diejenigen davon, die auf ein, zwei oder drei Jahre gewählt werden, und der dritte einen, ztvei oder drei Staaten, die den Charakter der W i e d e r w ä h l b a r k e i t er» halten sollen. Unter diesen Umständen dürfte sich die Wahl über zwei Tage erstrecken. Der Charakter der Wiederwählbarkeit mutz von den Staaten, die darauf reflektieren, selb st nach­gesucht Werdern Heber eine Rückkehr der deut­schen Delegation liegt genaues noch nicht vor. Es ist aber damit zu rechnen, dah ein Teil der Delegationsmitglieder nach Erledigung der Haupt­aufgaben Ende dieser Woche zurückkehrt, während ein anderer Teil noch bis zum Ende der Tagung bleibt.

Irlands RatskandLdatur.

Genf, 16. Sept. (Reuter. Funkspruch.) Die britische Reichsdelegation trat gestern zu einer Sit­zung zusammen, in der die Frage der Ratssitze er­örtert wurde. Die Verhandlungen ergaben Ueber- einstimmung darüber, daß die Dominions be­rechtigten Anspruch auf einen Ratssitz haben, daß es aber nicht opportun sei, im Augen­blick darauf zu dringen. Jede Delegation behält ihre vollständige Handlungsfreiheit. Hinsichtlich der briti­schen Haltung darf jedoch nicht vergessen werden, daß verschiedenen Ländern bestimmte Versprechun­gen gegeben worden sind, bevor Irlands An­spruch vorgebracht wurde. In einem von der iri­schen Delegation beim Völkerbund an die britische Reichsdelegation gerichteten Schreiben heißt es, daß die irische Delegation nach sorgfältiger Erwägung der Lage beschwssen habe, ,an der Kandidatur Ir­lands für einen Sitz im Rate festzuhalten.

Eine Zusammenkunft Briand-Stresemann.

Die Hetze desTernps" zur Verhinderung der Rückwirkungen.

Berlin, 16. S. (TU.) DieGermania" läßt sich aus Genf melden, dah am Freitag eine Zu­sammenkunft zwischen Briand und Stresemann außerhalb Genfs bevor­stehe. Die beiden Außenminister werden getrennt hinausfahren und sich draußen treffen. Don dieser Zusammenkunft erhofft man eine Förderung des Komplexes der sogenannten Rückwirkungen im Rheinland.

DerT e m p s" beschäftigt sich heute bereits mit diesen bevorstehenden Verhandlungen des Reichs­außenministers Dr. Stresemann mit Briand. Das Blatt hält sich nicht an die Ermahnungen Briands, der der Presse Zurückhaltung anempsohlen hatte, es sucht vielmehr, wie schon seit Monaten, die logi­schen Konsequenzen der Abkommen von Locarno, wenn nicht zu verhindern, so doch h i n a u s z u - zögern. Es sei nötig, so schreibt es, daran zu er­innern, daß die Besetzung des linken Rheinufers besonders eine Garantie für die Erfüllung des F ri e d e n s v e r t r a g s und insbesondere für die R e p a r a t i o n s z a h l- luygen darstelle. So stehe das Problem in Wirk­lichkeit. Die Deutschen würden nicht verfehlen, zu erklären, daß sie ihre Verpflichtungen hinsichtlich der Entwaffnung erfüllt hätten, daß die Alliierten be­reits daraus verzichtet hätten, eine Bestrafung der Kriegsschuldigen zu fordern, und daß die Repara­tionen durch den Dawesplan geregelt seien, so daß die Besetzung des linken Rheinufers sich nicht mehr rechtfertigen lasse. Das sei eine absolut falsche Auffassung. Die Garantie für die Repara- ttonszahlungen, also für die Rheinlandbesetzung, könne nicht vor dem vorgesehenen Zeitpunkt ver­schwinden, also erst dann, wenn Deutsch­land erfüllt habe. Der Dawesplan werde erst seit zwei Jahren durchgeführt, und man müsse sich fragen, was Deutschland tun werde, wenn es die im Dawesplan vorgesehenen Höchstleistungen zu er­füllen habe, deren Revision man jenseits des Rheins bereits in ziemlich beunruhigender Weise verlange. Dis Alliierten müßten alle die Garantien, die ihnen der Vertrag von Versailles für die Erfül­lung aller Verpflichtungen gebe, restlos auf­rechterhalten. Wenn Deutschland mit den Mit­teln, über die es verfüge, dis nötigen Anstrengungen zur Erfüllung machen wolle, hänge es vielleicht von ihm ab, den Gang der Ereignisse zu beschleunigen. Aber bis dahin könne nicht davon die Rede fein.

die Rheinlandbesetzung vor dem vertraglich fest­gesetzten Zeitpunkte aufzugeben.

Die italienischen Emigranten gegen Mussolini.

Paris, 15. Sept. (WB.) DerTernps" gibt ein Schreiben wieder, das eine Gruppe italienischer Demokraten, darunter der Leiter der in Paris erscheinenden antifaschistischen Zeckung Sortiere degli 3taliane an die Außenminister von Frankreich, England, Deutschland. Belgien, Luxemburg, Oesterreich, der Tschechoslowakei und der Schweiz sowie an den Generalsekretär des Völlerbundes gerichtet hat. 3n diesem Schreiben heißt es: Der Urheber des letzten Attentates gegen Mussolini ist ein nach Frankreich ausge­wanderter junger 3taliener. Mussolini benutzt diesen Anlaß, um die Frage der poli­tischen Emigranten wiederum aufzuwerfen. Rach der Rede des Diktators hat es den An­schein, als ob die faschistische Regierung verlangen wolle, daß die italienischen politischen Emigranten als gemeine Verbrecher betrachtet werden, die ausgewiesen und der faschistischen Polizei übergeben werden muhten. Wir sind überzeugt, daß die ausländischen Re­gierungen dieser eigentümlichen Forderung ge­genüber einen ebenso entschiedenen wie berechtig­ten Widerstand leisten werden. Wir stehen dafür ein, daß die der Demokratie ergebenen italieni­schen Emigranten den Grundsätzen und den Tra­ditionen des politischen Kampfes, die für ihre Partei in 3talien gelten, treu bleiben. Wir er­klären in ihrem Ramen, daß die moralische Verantwortung für die Attentate auf Mussolini ausschließlich auf diefaschistlsche Diktatur fällt.

Belgien nnd der Eisenpakt.

Paris, 16. Sept. (TU.) Wie aus Brüssel ge­meldet wird, haben die Vertreter der belgischen Schwerindustrie eine neue Sitzung abgehalten, um zu einer Einigung in der Fragendes Eisenkartells zu kommen. Es wurde keine endgültige Entscheidung über die Teilnahme Belgiens im Eisenkartell beschlossen. Indessen erklärten mehrere Industrielle nach Schluß der Sitjung, sie würden auf jeden Fall an der Sitzung in Paris am 17.9. teilnehmen, wo sie eine endgültige Antwort Belgiens überbringen würden. DieNation Beige" schreibt darüber, daß die belgische Beteiligung s i ch e^ scheine, daß aber die Vertreter der belgi­schen Stahlwerke den belgischen Standpunkt ener­gisch verteidigen werden, da die jährliche Stahlpro­duktion Belgiens die Kontingentierung bei weitem übersteige, die das Kartell Belgien vorzuschreiben beabsichtige.

Der Sieg der Liberalen in Kanada.

London, 15. Sept. (TU.) Die kanadischen Wahlen endeten, wie schon gemeldet, mit einer Aiederlage der Konservativen Partei. Es wurden gewählt: 118 Liberale, 90 Konservative, 1 Fort­schrittliche, 11 liberale Fortschrittler. 11 vereinigte Farmer von Alberta, 4 Arbeiter und 1 Unab­hängiger. Drei Ergebnisse stehen noch aus. Sie werden aber an dem Siege der Liberalen nichts mehr ändern können.

Die Reform im Reichsfinanzministerium.

Berlin, 16. Sept. (Wolff.) Die vom Reichs­finanzminister angekündigte Reform seines Ministe- riums der Abbau der Aufgaben und Zusammen­legung von Behörden hat zur Folge, daß sieben weitere Ministerialräte in den einstweiligen Ruhe­stand versetzt worden sind. Für den 1. April 1927 ist die Auflösung des Reichsentschädi- gungsamtes vorgesehen, für das diesmal im Etat noch rund 500 Beamtenstellen vorgesehen sind. Das Reichsfinanzministerium teilt dazu mit: In einem Teil der Presse wird der Vorwurf erhoben, daß die Personaloerminderung im Reichsfinanzmini­sterium politische Zwecke verfolge. Demgegen­über wird mit allem Nachdruck erneut festgestellt, daß die Umbildung des Ministeriums n a ch ft r e n g- fter Prüfung ihrer sachlichen Notwen­digkeit vollzogen ist, um die für eine Zentral­stelle unerläßliche Straffheit der Organisation und Zusammenfassung der Arbeiten für die tommenben Aufgaben sicherzustellen. Nur unter diesem Gesichtspunkte steht auch die bei der Umbil­dung eingetretene Personaloerminderung. Die ge­troffenen Maßnahmen sind in keiner Weise von politischen Erwägungen beeinflußt.

Die ReichsfinanzbeamtenschasL m Hessen.

Darmstadt. 15. Sept. (Eigene Draht- meldung.) Bei seiner Anwesenheit in Darmstadt hat Reichsfinanzminister Dr. Rein­hold Gelegenheit genommen, den Reichsfinanz­beamten im Geschäftsbereich des Lan­desfinanzamts Darmstadt seinen und der Reichsregierung Dank für die in schwerer Zeit geleistete Arbeit zu übermitteln. Er führte ans, daß er die in der letzten Zeit in Wort und Schrift gegen die Reichssinan^eamtenschast er­hobenen Vorwürfe zu rückweisen und es als seine und seines Ministeriums vornehmste Aus­gabe ansehen müsse, die ihm unterstellten Be­amten gegen Angriffe dieser Art in Schuh zu nehmen. Es bleibe das uneingeschränkte Verdienst der Reichssinanzbeamtenschaft bei steter Berücksichtigung der Rotlage der Wirt­schaft nach Recht und Gerechtigkeit ihre schwere Aufgabe erfüllt zu haben. Wo es auch sei, werde er daher in aller Öffentlichkeit den Reichsfinanzbeamten den Dank für die geleistete Arbeit abstatten. Die Leistungen und die Pflicht- ireue der Reichssinanzbeamtenschaft dürften eines Ruhmesblattes in der Geschichte unseres deutschen Vaterlandes sicher sein.

Dr. Reinhsld in Frankreich.

16 (WTB. Funkspruch.)

Recchsfrnanzmrnlster Dr. Reinhold ift hier angekommen. Don Metz aus besucht er oie Schlachtfelder von Verdun. Er soll die Ab­sicht haben sich dann nach Paris zu begeben xJn 1 einer Umgebung erklärt man, die Reise +raae rem privaten Charakter.Gaulois" halt es nicht für ausgeschlossen daß Dr. Reinhold während ferne- Pariser Aufenthaltes Gelegenheit nehmen wird, mit Vertretern der Politik und der Finanz- welt zu sprechen.

Kunst und Wissenschaft.

Kunstausstellung in Darmstadt.

In Gegenwart des Staatspräsidenten, Vertretern der Regierung, der Stadt Darmstadt und künstle­rischer Organisationen wurde am Sonntag in der Kunsthalle am Rheintor eine Kollektivausstellung des Darmstädter Malers und Zeichners Paul The sing eröffnet. Oberregierungsrat Emmer­ling begrüßte das zahlreich geladene Publi­kum und bemerkte dazu, daß dies als ein Zeichen des erwachenden Kunstinteresses gedeutet werden könnte. Die Ausstellung besteht aus einer Reihe von Gemälden aus T h e s i n g s jüngster Schaffenszeit. Der Künstler gehört zu den Führern der moderneren Richtung der Darmstädter Kunst, und seine Schöp­fungen stellen sich als Werke der nachexpressio­nistischen Kunstentwicklung dar, wie sie hier in um­fangreicherer Weise auf der Ausstellung der Darm­städter Gruppe im Verlauf des Sommers gezeigt wurden. Das Wesen dieser Kunst ist wohl mit dem Schlagwort der Sachlichkeit bezeichnet. Die Karika­turen sind durchweg politisch gefärbt; sie gehen von einer stark sozialistischen Einstellung aus und wenden sich in erster Linie gegen die Deutschnatio­nalen, auch gegen die Deutsche Dolkspartei und gelegentlich gegen die Kommunisten. Zielscheibe der Satire sind vielfach hessische Landtagsabgeordnete der Rechtsparteien. Als künstlerische Leistungen, als die sie aufgefaßt werden sollen, sind sie nicht gerade hoch einzuschätzen; sie sind verwässerte Simplizissi- muszeichnungen. E. B.

Der Reichspräsident zum Tode Luckens.

Der Reichspräsident hat an die Witwe des verstorbenen Professors Rudolf Gucken, Frau Irene Süden, folgendes Beileids­telegramm gerichtet:Zu dem schweren Verlust, der Sie durch den Tod Ihres Herrn Gemahls betroffen hat, spreche ist Ihnen und Ihren Kindern meine herzliche Te ilnahme aus. Möge Sie in Ihrem Schmerz das Bewußtsein trösten, daß der Rame Rudolf (Süden, des her­vorragenden Repräsentanten der klassischen deut­schen Philosophie, in der deutschen Wissenschaft unvergänglich weiterleben wird." Auch der Reichskanzler hat an Frau Irene Gucken ein Beileidstelegramm gesandt.

Rabindranath lagore beim Reichspräsidenten.

Der Reichspräsident empfing den indischen Dichter und Philosophen Rabindranath Sa göre. (Eine Wiener AusstellungGotik in Oesterreich".

Bundespräsident Hainisch eröffnete im Beisein zahlreicher kunstliebender Gäste, die vom Verein der Museumsfreunde im Museum für Kunst und Industrie in Wien veran­staltete AusstellungGotik in Oesterreich". Eine Fülle prächtiger Arbeiten des Mittelalters in den Alpenländern auf dem Gebiete der Malerei und Plastik finden sich hier vereinigt. Die aus­gestellten Gegenstände entstammen inländischen und ausländischen privaten und öffentlichen Sammlungen, vornehmlich auch dem Kaiser Friedrich-Museum in Der li n , dem Rürn- beiger Germanischen Museum und der Kunst, sammlung in Donaueschingen Gleichzeitig mit dieser Ausstellung veranstaltet die Rational- bibliothek eine Schau alter Bücher und Schriften und die Albertina solche von kostbaren Einblatt­drucken, so daß man in der mehrere Monate ge­öffneten Ausstellung einen Tleberblick über das gesamte österreichische Kunstschaffen des 14. und 15. Jahrhunderts gewinnen kann, der durch Vor­träge namhafter Fachleute noch vertieft wird.

Aus aller Welt.

Die hessische Regierung in Lorch.

Staatspräsident Ellrich, Finanz­minister Henrich und Arbeitsminister Raab besuchten vor einigen Sagen unter Führung von Prof. Wach die Lorcher Rheininseln. Prof. Wach erläuterte an Hand seiner Modelle und Zeichnungen an Ort und Stelle die Pläne für die Errichtung des Reichsehrenmals. Die herrliche Lage der Inseln, die durch das Wachsche Projekt eine höchst eindrucksvolle Gestaltung er­fahren sollen, übte auf die Besucher eine starke Wirkung aus. Die hessische Regierung wird nach dieser Prüfung der örtlichen Verhältnisse an ihrem Entschluß, für die Errichtung des Reichs- ehrenmals auf den Rheininseln bei Lorch, als dem hierfür geeignetsten Ort, einzutreten, mit Rachdruck festhalten.

D.c Hauptversammlung des deutschen Apothekervereins.

In Düsseldorf begann die 52. Haupt­versammlung des deutschen Apothekervereins, zu der neben 150 Delegierten ca. 600 Apotheken- bosiher aus ganz Deutschland eingetroffen waren. Von den Landesregierungen Preußen, Bayern, Sachsen und Hessen waren Vertreter entsandt. Der Vorsitzende Dr. S a l z m a n n, Berlin, er­stattete den Geschäftsbericht. Darauf ergriff Reichstagsabgeordneter S p a r r e r das Wort zu dem ersten Hauptpunkt des Programms: Regelung des Apothekenwesens. Er betonte, Das Apothekergewerberecht sei ebenso vielgestal­tig wie die Landkarte des Deutschen Reiches. Die Gegenwart verlange aber dringend, daß das deutsche Apothekerwesen einen reichs gesetz­lichen .Unterbau bekomme. Die wichtigsten Fundamente hierzu müsse fein das Monopol: Die deutsche Apotheke soll nach wie vor die unter staatlicher Aufsicht stehende, allein verant­wortliche und zulässige Arzneiversorgungsstätte sein. Rach lebhafter Aussprache wurde dann folgende vom Vorstand vorgeschlagene Ent­schließung angenommen: Die 52. Hauptver­sammlung des deutschen Apothelervereins be­kennt sich erneut zu dem Stuttgarter Beschluß bezüglich der reichsgesetzlichen Regelung des Apothekerwesens und wiederholt nachdrücklichst die darin niedergelegten Mindestforderungen der deutschen Apothekervereine. Der deutsche Apo­thekerstand vermag eine Sonderbesteuerung nicht zu ertragen. Er hält es für unausbleiblich, dah eine Abwälzung dieser Leistungen auf den Arznei­verbrauch und damit auf die Allgemeinheit er­folgen müßte, und verwahrt sich auf das be­stimmteste dagegen, dafür verantwortlich gemacht zu werden.

Die Typhusepidemie in Hannover.

Hannover, 15. Sept. Nach amtlichen An­gaben waren heute früh insgesamt 1259 Erkran­kungen an Typhus gemeldet. Davon find 37 töd - 1 i ch verlaufen.

Die Scharlachepidemie in Warschau.

3n Warschau hat die Scharlachepidemie derartig um sich gegriffen, daß jetzt bereits 751 Scharlach- kkanke in den Warschauer Krankenhäusern liegen. Mindestens ebenso viele Kranke sind in privater Pflege.

vier Kinder Opfer eines B (inbgängerf unbes.

In Bethune sind vier Kinder das Opfer einer schweren Explosionskatastrophe geworden. Die Kin­der spielten mit einem Blindgänger, der noch von der Kriegszeit in dem Garten eines Hauses lag. Das Geschoß explodierte und zwei Knaben im Alter von 9 und 15 Jahren wurden auf der' Stelle getötet, während die beiden anderen Kinder schwere Verletzungen erlitten. Die vier Kin­der waren Geschwister.

Kinder als Eisenbahn allen tätet.

Drei Kinder im Alter von 11 bis 13 Jahren haben auf der Vorort st recke Paris- Versailles einen Zug dadurch zum Entgleisen zu bringen versucht, dah sie größere Steine auf die Schienen legten. Gegen die Eltern der Kinder wird strafrechtlich vorgegangen werden.

Wettervoraussage.

Wechselnd bewölkt, westliche bis nördliche Winde, kühl, meist trocken. Gestrige Tages- temperaturen: Maximum 20,4 Grad Celsius, Mi­nimum 13,4 Grad Celsius. Heutige Morgen- temperatur 15 Grad Celsius.

Am der Provmzialhsupistadt.

Gießen, den 16. September 1926.

Geheimrat Prof. Dr. Opitz

An einer Embolie, die infolge der vor vier Wochen bei einem Automobilunfall in Südtirol erlittenen Verletzungen eintrat, ist am 12. d. M. in Garmisch plötzlich der Geheime Hofrat Pro­fessor Dr. Erich Opitz, der ®ireftoc der Uni» versitäts- Frauenklinik in Freiburg, verschieden. Als Direktor der Gießener Universi- tätsfrauenklinik von Aprll 1912 bis März 1918 ist Geheimrat Oprh auch den Bür­gern unserer Stadt eine wohlbekannte Persön­lichkeit. Während seiner Tätigkeit in Gießen war er ein vielgesuchter Arzt und Operateur, dessen kunstvolle Hand unendlich vielen Frauen Rettung aus Lebensgefahr, Heilung oder ßtn* derung von qualvollen Leiden gebracht hat. Vor allem verstand es Opitz meisterhaft, durch seine gütige Persönlichkeit allen Frauen in ihrer schweren Stunde ein Tröster zu fein, zu dem sie gläubig aufblickten. Keine Mühe scheute er, um in unklaren Fällen die Quelle des Leidens auf» zudecken. Weiteren Kreisen ist Opitz vor allem bekannt geworden durch seine Vorträge über Devölkerungspolitik und feine Destre^mgen zur Bekämpfung der Krebskrankheit, die in der Gründung des Hessischen Landesvereins zur Er­forschung und Bekämpfung der Krebskrankheiten ihren Ausdruck fanden. Seitdem ist die Gießener liniversitätsfrauenklinik eine Stätte fast die einzige in Hessen, die über Radium und alle sonstigen strahlentherapeutischLn Mittel, zur Be­kämpfung des Krebses der weiblichen Geschlechts­organe verfügt. Einzig diesem von Opitz gegrün­deten Krebsverein verdantt die Frauenklinik auch die Möglichkeit, mit ihren strahlentherapeutischen Einrichtungen immer auf modernster Höhe zu bleiben. Die Staatsregierung hat weder vor noch nach dem Kriege die dafür erforderlichen Mittel aufzubringen vermocht. Zwar find die wissen- schastlichen Leistungen von Opitz auherordentlich vielseitig, doch galt dem Krebsproblem von jeher fein ganz besonderes Interesse. Schon als junger Arzt experimentierte er über einschlägige Fragen, und gerade die letzten acht Jahre seines Lebens, feit feinem Weggang von Gießen, waren fast völlig erfüllt von der Arbeit an dem Krebs­problem. Mtt unermüdlicher Energie und jugend- frischer Kraft hat er in unzähligen Tierexperi­menten die Grundlagen für die erfolgreiche Be­kämpfung auch fortgeschrittener Krebsfälle zu ge­winnen versucht, immer wieder neue Wege und Verfahren probierend, und dabei auch ganz neue Ideen über die Entstehung des Kruses und die Art der Heilungsvorgänge entwickelt. Sind diese Ideen in ihrer Tragweite auch noch außerordent­lich umftritten, so ist doch außer allem Zweifel, dah Opitz zu den hervorragendsten und erfolg­reichsten Krebsforschern unserer Zeit gehört hat.

Prof. v. 3 a s ch k e.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 190 bis 200 Pfennig, Matte 30 bis 40, Käse (10 Stück) 60 bis 100, Wirsing 8 bis 15, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 10 bis 15, gelbe Ruben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 5 bis 10, Bohnen (grüne) 15 bis 20, Bohnen (gelbe) 20, ilnter- kohlrabi 6 bis 8, Tomaten 15 bis 25, Zwiebeln 12, Meerrettich 40 bis 80, Kürbis 5 bis 10, Kar­toffeln 4, Falläpsel 8 bis 10, Frühäpfel 15 bis 25, Birnen 10 bis 25, Zwetschen 18 bis 20, Mira­bellen 30, Preiselbeeren 60 bis 65, junge Hahnen 90 bis 100, Suppenhühner 100 bis 130; das Stück: Eier 14 bis 15, Blumenkohl 10 bis 100, Salat 5 bis 10, Salatgurken 10 bis 30, Einmachgurken 2 bis 4, Endivien 6 bis 25, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 20 bis 40; das Bund: Radieschen 20 Pfennig.

Bornotizen.

Tageskalender für Donnerstag. Volkshalle: Gartenbau- und Elektrizitätsausstellung: 2 bis 7.30 Uhr nachmittags Besichtigung der Aus­stellung; 8 bis 11 Uhr Konzert der Reichswehr­kapelle Marburg. Konsumverein: Warenausstel- lung im Saalbau Sauer. Verein Rudersport: 9 Uhr, Bootshaus, Monatsversammlung. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Ich hott' einen Kame­raden". Astoria-Lichtspiele:Der schwarze Pier- rot". Palast-Lichtspiele: Filmvortrag des Kon­sumvereins.

Eine Reichsbahnbeamten, und -anwärter-Verfammlung sindet auf Ein­ladung des Einheitsoerbandes der Eisenbahner Deutschlands, Ortsoerwaltung Gießen, am nächsten Samstagnachmittag im Katholischen Bereinshaus statt. Näheres in der heutigen Anzeige.

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Eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses sinder am kom­menden Samstag, vormittags 8.30 Uhr begrünend, im Sitzungssaale des Regierungsgebäudes zu Gießen statt. Auf der Tagesordnung stehen fol­gende Punkte: 1. Gesuch des Stöbt. Elek­trizitätswerkes Gießen um Erlaubnis zur Anlage einer neuen Wasserkraftanlage an der Lahn; hier: Berufung des Mühle nb^sitzers Klinkei in Gießen gegen das Urtdil des Kreisausschusses des 'Kreises Gießen vom 21. Februar 1925; hier: Kostenanteil. 2. Klage des Wilhelm Euler zu Treis a. d. Lumda gegen das Kreisamt Gießen auf Aushebung des Polizeibefehls vom 19. Juni 1926 betreffend, die Forstwartwohnung Seilbach in Treis a. d. Lda.; hier: Bebauung der Grenze des Grund­stücks durch den Rachbar. 3. Klage des P. Ma us in Bad-Rauheim gegen dte Stadt Bad»