Nr. 2(7 Erstes Blatt
(76. Jahrgang
Donnerstag, (6. September (926
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SR3
Die Grundlagen deutscher Wirtschaftspolitik.
Eine Rede des Reichswirtschastsministers Dr. Turtius.
Auf dec Düsseldorfer Tagung des Zentraloerbandes Ties deutschen Großhandels hat der Reichs- wirtschastsminister Dr. C u r t i u s eine sehr sorgfältig durchgearbeitete Rede gehalten, die auch von weiteren Kreisen unseres politischen und wirtschaftlichen Lebens gründliche Beachtung erfahren sollte. Der Minister scheint uns vollständig recht zu haben, wenn er heroorhebt, daß man sich bei uns im allgemeinen viel zu wenig um die großen und grundlegenden weltwirtschaftlichen Probleme kümmert, die schließlich für die Gestaltung des gesamten wirtschaftlichen und politischen Lebens maßgebend sind.
Zwei Richtungen stehen augenblicklich miteinander in hartem Kampf. Die eine, die man die nationalistische nennen könnte, erblickt das alleinige Heilmittel im möglichsten Abschluß der eigenen Wirtschaft von der fremden. Das Hochschuhzollsystem der Vereinigten Staaten und der .Hebergang Englands zu der Einführung besonderer Industrieschuhzölle auf Antrag der von ausländischer Konkurrenz bedrohten einheimischen Industriezweige sind Verspiele dafür. Hebrigens glauben wir uns nicht zu täuschen, wenn man binnen kurzem in Amerika einenTlmschwung der öffentlichen Meinung erwarten darf. Gegen die extreme Hochschuhzoll- politik hat sich dort stets von Zeit zu Zeit eine Reaktion geltend gemacht, und das scheint sich jetzt wieder vorzubereiten. Schon die Anfang Rovember stattfindenden Kongrehwahlen werden zu einem Teile mindestens um die Frage: Fortsetzung oder Abbau des Hochschutzzolles gehen. Don anderen Landern, die besonders dieser Auffassung zuneigen, seien noch Italien und Polen genannt, mit welch letzterem wir ja seit geraumer Zeit im Zollkrieg leben. Da sich kein Land der Erde, es sei denn im innersten Afrika gelegen, dauernd handelspolitisch von den anderen abschliehen kann, tritt eine Milderung des starren Hochschuhzollsystems durch Rezipozitätsverträge, wie es früher die Amerikaner taten, oder durch Handelsverträge ein.
Die andere Auffassung, die man als die freie bezeichnen kann, geht dahin, daß man die Handelsbeziehungen mit anderen Ländern durch allgemeine Handelsverträge regelt und dabei den Gedanken der Meisthe - günftigung in den Vordergrund stellt. Das heißt also, daß man ausmacht, alle Zugeständnisse auf handelspolitischem Gebiet, die aus irgendwelchen Gründen einem anderen Lande gemacht werden, müssen auch demjenigen zustehen, mit dem man im Verhältnis der Meistbegünstigung steht. Diese Politik befolgt heutzutage Deutschland. Mit ihr ist nicht einverstanden, wer es nicht vermag, sich von der Vertretung einseitiger Verufs- oder Standesinteressen frei zu machen und nur das Ganze ins Auge zu fassen. Cs ist begreiflich und menschlich, daß jeder zunächst fein eigenstes Interesse zu wahren sucht. Aber das sollte doch nicht so weit gehen, daß man rücksichtslos verlangt, alle anderen müßten fich dem beugen. Man gewinnt zuweilen den Eindruck, als ob bei uns die Tendenz der Inseitigen 'Berufs- oder Standesvertretung vielfach die Oberhand gewinne, was den klaren Blick für die allgemeinen Interessen trübt. Deswegen ist die Mahnung sehr angebracht, die Minister Dr. Eurtius ausgesprochen hat, sich mehr daran zu gewöhnen, über den Rahmen der einzelnen Sonderinteressen hinaus zublicken.
Es ist unverkennbar, daß man in anderen Ländern die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands verschiedenartig beurteilt. Auf der einen Seite erkennt man die Zähigkeit und die Tatkraft an, mit der das deutsche Volk an dem Wiederaufbau seiner Wirtschaft gegangen ist, und man ist bereit, ihm dabei nach Möglichkeit zu helfen, vor allen Dingen durch die Bewilligung von Anleihen, wie es Amerika tut. Nicht ganz unfreiwillig beginnt man auch mehr und mehr einzusehen, daß Deutschland aus den verschiedensten Gründen ein integrierender Bestandteil der europäischen nicht nur, sondern überhaupt der Weltwirtschaft ist.
Aber gerade der Aufschwung der deutschen Industrie wird auch in anderen Ländern als eine gewisse Gefahr für d i e eigene Wirtschaft empfunden, und da spielt der Dawesplan eine große Rolle. Immer mehr lernt man im Auslande begreifen, wie zweiseitig die Wirkung des Dawesplans ist. Soll er vollständig durchgeführt werden, dann muß man den deutschen Waren die fremden Märkte noch weit mehr öffnen, als es bisher geschehen ist. Dagegen aber wehrt sich wiederum die einheimische Industrie mit allen Kräften. Es ist recht bezeichnend, daß z. B. Belgien bereits das ihm zustehende Quantum an Reparationskohlen bedeutend herabgesetzt hat, weil sein eigener Markt nicht mehr aufnahmefähig ist. Diese Erscheinung wird sich auch anderwärts wiederholen, sobald der englische Kohlenstreik vorüber ist und die englische Kohle wieder auf dem Weltmarkt erscheint.
Hierin liegt die (Srilärung dafür, daß man Jid) überall bereits eifrig mit dem Gedanken befaßt, wie eine Revision des Dawes- planes zu bewerkstelligen sei — über das Ob ist man sich im Grunde längst im Klaren. Hierauf sollte man auch in Deutschland mehr sein Augenmerk richten und Material zusammentragen, statt sich einfach auf ein paar Forschungsinstitute und Wirtschaftstheoretiker zu verlassen. Es kann sicherlich nicht unsere Aufgabe sein, unaufhörlich zu jammern, daß wir den Dawes
plan nicht durchführen können und daß wir unter der Last erliegen müssen. Viel richttger ist es, das Ausland zu der Erkenntnis von der Notwendigkeit einer vollständigen Revision des Dawesplanes aus Gründen der allgemeinen Weltwirtschaft kommen zu lassen. Auf diesem Wege sind wir bereits ziemlich weit vorgeschritten, und deshalb sollte man bei uns bestrebt sein, für den Augenblick, da der Revisionsgedanke zur Tatsache werden wird, sich vorzubereiten und zu rüsten.
Die Tagung des Zentralverdands des deutschen Großhandels.
Düsseldorf, 15. Sept. (TH.) Unter zahlreicher Beteiligung aus allen Teilen des Reiches sowie in Anwesenheit des Reichswirt'chafts- ministers, von Ministern einzelner Länder und Vertretern der Reichs- und Landesbehörden sand heute die zehnte Tagung des Zentralverbandes des deutschen Großhandels statt. Rach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden der Bezirksgruppe Düsseldorf gab der Präsident, Geheimer Kommerzienrat Dr. Louis Ravene, Berlin, einen Heberblick über die Entwickelung des vergangenen Jahres. Darauf ergriff
Neichswirtschastsminister Dr. Eurtius
das Wort, der zugleich die Grüße der Reichsund preußischen Staatsregierung überbrachte. Der Minister führte u. a. aus, der Handel und vor allem der Großhandel habe in stärkstem Maße die Umschichtung der Wirtschaftsfundamente verspürt. Es habe jedoch den Anschein, als sei der Zustand des Mißtrauens gegenüber dem Handel heute überwunden. Die Zeit scheine gekommen, wo in Selbstbesinnung, in Rückschau auf die Vergangenheit und Vorbereitung künftig notwendiger Entwickelungen Wirtschaft und Staat grundlegend und grundsätzlich Ueberlegungen pflegen müßten. Hierzu berechtigten und verpflichteten vor allem drei Umstände. Zunächst die Konjunktur. Der Zwang der weltwirtschaftlichen Lage und unsere besondere politische Einengung werden voraussichtlich zunächst nur kurzeWellen- berge wirtschaftlicher Besserung gestatten. Die Tatsache, daß die Krise seit Frühjahr dieses Jahres überwunden sei und wir zur Zeit im zweiten Stadium der Depression stehen, verschasfte der Reichsregierung die Möglichkeit, den Versuch zu machen, ihr zukünftiges Handeln stärker zu fundieren. Das zweite Moment sei durch unseren Eintritt in den Völkerbund gegeben.
Das große Problem der Verbindung von Nationen und Menschheit, das der Relchsaußen- miniffer in Genf aufgezeigt hat, fei selbstverständlich nicht nur ein geistiges und politisches, sondern auch ein wirtschaftliches.
Als drittes Moment bezeichnete der Redner unsere Verpflichtungen aus dem Dawes p l a n. Er wünsche eine stärkere Beteiligung ter maßgebenden Wirtschaftskreise an rein wirtschaftlichen Untersuchungen über die tatsächlichen Wirkungen des Dawesplanes hinsichtlich der deutschen Leistungsfähigkeit einerseits, der Aufnahmewilligkeit des Auslandes für die deutschen Leistungen andererseits und im Hinblick auf eine vorsichtig abwägende Prüfung der zukünftigen Entwickelungsmöglichkeiten. Der ganze Fragenkomplex, der mit dem Dawesplan zusammenhängt, sei Gegenstand ständiger ernstester Untersuchungen der Reichsstellen.
Wenn so die Regierung im gegenwärtigen Zeitpunkt glaube, die Grundlagen der zukünftigen Wirtschaftspolitik finden und sestlegen zu müssen, so fühle die Wirtschaft einen ähnlichen Zwang. Sie befinde sich in einem Stadium der Selbstbesinnung, ter noch immer der Durchgangspunkt für große neue Entwickelungen gewesen sei. Hinsichtlich der H a n d e l s p o l it i k verwies der Minister auf die Hemmungen, die sich allgemein dem internationalen Warenaustausch entgegenstellen und die sich im besonderen vor der deutschen Ware aufrichten. Ihre Beseitigung sei das Ziel unserer Handelspolitik. Zum größten Teil seien die Hemmungen noch Rachwirkungen des Krieges und der Inflationszeit und ost rein psychologischer Ratur.
Den schlimmsten Widerstand bildeten die protektionistischen und autarkischen Bestrebungen, die in außereuropäischen Ländern mehr und mehr zur Selbstverarbeitung der Rohstoffe und in den europäischen Ländern zu einem schrankenlosen Protektionismus führten.
Der Minister verwies in diesem Zusammenhang auf die verschiedenen Maßnahmen in England, Italien und Spanien. Die Reattion gegen den Protektionismus habe dem Gedanken der europäischen Zollunion zu'neuer ungeahnter Lebenskraft verholsen. Deutschland werde zwischen diesen beiden Extremen kühl und verständig, .unbeirrt von Schlagworten den rechten Weg suchen müssen. Daß dieser Weg zu einer umfass end er e n Wirtschaftssolidarität der Völker führen muh, darüber könne man wohl nicht im Zweifel fein, auch bann nicht, wenn man das letzte Ziel, die europäische Zollunion als Htopie ansieht. Diesen Weg gehe die deutsche
Handelsverttagspolittk, die mit dem Grundsatz der uneingeschränkten Meistbegünstigung mit Tarifabreden geführt wird.
Das geschäftsführende Präsidialmitglied des Deutschen Großhandels Reichstagsabgeordneter Otto Keinath sprach sodann über „Großhandel einst und jetzt — Reue Aufgaben des Großhandels". Die tiefgreifenden Aenderungen der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen des Volkes und die heftigen staatlichen Eingriffe in die Wirtschaft zwcngen zu einer anderweitigen Einstellung. Genossenschaftliche Bildungen der Verbraucher, des Einzelhandels und Handwerks, die widerstreitenden Interessen der Industrie, eine umwälzende wirtschaftliche Gesetzgebung voller Hnbeständigkeit und Einseitigkeit, riesige öffentliche Lasten und ein unübersichtlicher schwieriger Auhenhandelsmartt machten den Großhandel zum Objekt und Spielball fremder Kräfte und zwangen ihn, sich mit allgemeinen volkswirtschaftlichen Fragen, ja selbst mit Politik zu befassen und in der Abwehr zur Verbandsbildung teilweise zur Parteibildung zu schreiten.
Die nächste Ausgabe ist nun die Einfügung in den großen wirtschaftlichen Umstellungsprozeh der Wirtschaft.
Der Großhandel muh bei der notwendig gewordenen Rormisierung und Typisierung beratend und führend mitwirken. Eine zweck- mähige Rationalisierung wird einen vergrößerten Markt schaffen, auch zugunsten des Großhandels. Das Ziel muh sein: Großer Hmsah, aber vor allem schneller Hmsah. Der für die ganze Wirtschaft wichtige schnellere Hmsah wird durch exakte Durchbildung der Arbeitsteilung zwischen horizontalen Gebilden, also zwischen Industrie und Landwirtschaft, Groh- handel, Einzelhandel und Handwerk erzielt, wobei gerade der Großhandel den raschen Durchlauf der Ware sicherstellen muh. Das Mittel für die
Genf, 15. Sept. (TH.) Die heutige Vollversammlung des Völkerbundes begann kurz nach 10 Hhr. Bundesrat Motta erstattete Bericht über den Verlauf der Verhandlungen der ersten Kommission. Er betonte einleitend, daß die letzte Entscheidung über das neue Reformprojekt für den Völkerbundsrat nur allein bei der Bundesversammlung läge. Motta schildert dann eingehend das bekannte Projekt über die Wahl und Mandatsdauer der neuen nichtständigen Ratsmitglieder. Das Projekt sei auf dem Prinzip des Rotationssystems aufgebaut. Die Dauer eines jeden Mandates eines nichtständigen Mandatsfitzes sei auf drei Jahre festgelegt worden, nach deren Ablauf es nicht gleich wiedergewählt werden könne. Durch das Rotationssystem werde die Garantie gegeben, daß im Laufe der Zeit sämtliche Bundesmitglieder im Rate für eine dreijährige Dauer vertreten fein würden. Motta schilderte dann die in dem Projekt vorgesehene Erlangung der Wiederwählbarkeit durch einen besonderen Beschluß der Bundesversammlung, der Zweidrittelmehrheit erfordere und teilte dann mit, daß bei der Abstimmung über die Wiederwählbarkeit die weißen Stimmzettel nicht mitgezählt werden dürften. Der Präsident teilte weiter mit, daß Persien und China dem Wunsch Ausdruck gegeben hätten, daß
zwei der nichtständigen Ratssihe fortlaufend asiatischen Staaten zuerteilt
würden. Zum Schluß seiner Rede wies Motta darauf hin, daß durch das Projekt nunmehr endgültig die schwere Krise, die der Völkerbund in der letzten Zeit durchlebt habe, als erledigt betrachtet werden könne. Er betonte, daß der Geist der Einigkeit und der gemeinsamen Zu- fammenarbeit im Völkerbund, der in den Reden Stresemanns und Driands am Tage der Ausnahme Deutschlands so glücklich zum Ausdruck gekommen sei, auch die Versammlung beherrschen möge, damit nun das schwere Problem seine definitive Lösung finde.
Rach Motta ergriff dann der schwedische Außenminister L ö f g r e n das Wort. Optimismus habe die Rede Mottas beherrscht. Schwedens Befürchtungen beträfen vor allem die Erhöhung der nichtständigen Ratssihe und einzelne Wahlbestinnnungen. Dem Geiste der Verständigung folgend stimme Schweden jedoch heute dem Vorschlag zu. Der nächste Redner, der kanadische Abgeordnete Forster, betonte die hohe Bedeutung der Einrichtung des Völkerbundes für die Befriedung der Welt. Der Eintritt Deutschlands liefere den wertvollen Beweis, daß der Völkerbund auf dem Wege sei, das Vertrauen der gesamten Welt zu gewinnen. Der Geist des Völkerbundes werde sich am besten zeigen bei der bevorstehenden neuen Zusammensetzung des Völkerbundsrates. Hier müßten alle Mitgliederstaaten sich von dem Gesichtspunkte leiten lassen, daß es vor allem gelte, den Völkerbundsgedanken zu stärken.
Das nun von der juristischen Kommission vor- gelegte Projekt enthalte ein gesundes System
Steigerung des Hmschlags ist die Betriebsstatistik, ergänzt durch eine Berufs- ober Verbandsstatistik. Die letzte Triebkraft im Handel bleihp aber: Hntemehmungsgeist, Weitblick, rastlos« Energie der Persönlichkeit und Garantte des dauernden Bestehens, Zuverlässigkeit und der Glaube an das Kauftnannswort.
Von allgemeiner Bedeutung waren auch die Ausführungen, die
Staatssekretär Dr. Popitz vom Reichsfinanzministercum im Laufe der Verhandlungen machte. „Die Höhe der Steuern", sagte er, wird auch in der Zukunft noch immer stark durch die politischen Ereignisse des letzten Jahrzehntes bedingt werden. Im übrigen ist die Höhe der Sätze in erster Linie ein Problem des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden. Der Finanzausgleich soll nach der gegenwärtigen Gesetzgebung am 1. April 1927 im Zeichen der Zuschläge zur Einkommensteuer und der Relation zwischen Einkommen st euer und Real st euer gelöst werden. Der Reichsfinanzminister hat auf der Dresdner Industrietagung die Gründe bargelegt, weshalb der Termin nicht eingehalten werden konnte. Dais liegt nicht nur an der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit, sondern auch vor allem daran, daß die für die Entscheidung des Problems unumgänglich notwendigen Statistiken über Einkommensteuer, Vermögensteuer und Realsteuer nicht rechtzeitig abgeschlossen werden formten. Endlich kann man auch Zweifel hegen, ob gerade die Verhältnisse des Jahres 1925 als Grundlage für die dauernde . Regelung geeignet sind. Aus al;en diesen Gründen wird der gegenwärtige Steuerausgleich Wohl noch ein Jahr verlängert werden müssen. Selbstverständlich muß der endgültige Entwurf im Frühjahr den gesetzgebenden Körperschaften vorgelegt werden. Das wird auch möglich sein. Zum Schluß trat der Staatssekretär nochmals dafür ein, daß die Wirtschaft sich diesem für Wirtschaft und Staat gleich wichtigen Problem recht intensiv annehmen möge. Rpr durch ein verständnisvolles Abwägen ö £ r beiderseitigen Interessen könne ein brauchbares Ergebnis erzielt werden.
der Rotation. Er hoffe, daß dieses System eine gerechte Zusammensetzung des RatsS ermögliche. Rach Möglichkeit müsse auch dem geographischen Gesichtspunkte Rechnung getragen werden. Die Gruppenbildung innerhalb des Völlerbundes nach Rassen, Kulturen ober nach geographischen Gesichtspunkten bedeute trotz der berechtigten Wünsche Chinas und Persiens eine große Gefahr. Der Völkerbund sei eine Weltorganisation, die zum Ziele habe, säintliche Völler der Welt zu umfassen. Der Völkerbund sei aufgebaut auf dem Prinzip des Vertrauens und der Zusammenarbeit aller Völler. Foster wies auf die Stellung der englischen Dominions hin, insbesondere auf ihre große kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung sowie auf die hohe Zahl ihrer Einwohner, dennoch hätten sie noch keinen Sitz im Völkerbunds rat.
Der erste Delegierte Irlands, Fihgerald, wies darauf hin, daß das Projekt der ersten Kommission wenn auch reine Lösung der Krise des Völkerbundes bedeute, immerhin als ein Vorschlag zur Lösung des Problems begrüßt werden müßte. Durch das Projekt der Wiederwählbar würden jedoch beftimmte Staaten die Möglichkeit erhalten, für längere Zeit im Völkerounds- rat zu sitzen, andere Staaten würden nur alle zehn Jahre in den Rat gewählt, andere Staaten überhaupt nicht herankommen können.
Durch die Einführung der Diederwählbarkeil fei der Bundesversammlung das Recht, die Zu- sammensehung des Rates zu bestimmen, zum
Teil genommen.
Der belgische Senator de Drouckere erHärte, daß er im Rarnen feiner Regierung d<» Annahme des Projektes der Bundesversammlung en>psehle. Der Rat müsse einen gleichenuniversellen Charakter haben wie die Bundesversammlung. Aus diesem Grunde sei die Zahl der Mitglieder des Rates erhöht und das Rotations- shstem eingeführt worden, das eine Beteiligung sämtlicher Staaten im Völlerbundsrat ermögliche. Die Wiederwählbarkeit würbe nur denjenigen Staaten verliehen werden, die durch positive Mitarbeit im Völkerbündsrat sich Verdienste um diesen erworben hätten und aus diesem Grunde in den Rat wiedergewählt werden tonnten. Die jetzt bevorstehende Zuerkennung der Wiederwählbarleit an einige Staaten müsse jedoch vorgenommen werden, um die gegenwärtige politische Krise zu lösen. In der Rachmittagssihung sprachen noch Graf Moltke (Dänemark) und Tschao- H s i n - T s ch u n (China) zur Frage der Rats- reform. Der dänische Vertreter hob die
Bedenken gegen eine starke Vermehrung der Zahl der Ralsmllglieder
hervor und pflichtete den schwedischen Ausführungen besonders bti, billigte jedoch ebenso wie die übrigen Redner die Vorlage. Der 03 er trete® Chinas stellte fest, daß in dem Entwurf der alten Forderung Chinas nach einem kontinen- talen Verteilungsschlüssel für die nichtständigen Ratssihe Rechnung getragen fei und begrüßte deshalb die Vorlage. Er sprach die Er-
Die nichtständigen Ratssitze.
Annahme des Wahlmodus in der Vollversammlung.


