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weift auf die Wirkungen des französischen In- flationsdumpings.

Lbg. Wissel (6.) führte aus es sei un­verständlich, wie man sich gegen das Provisorium wenden könine, obwohl wegen der Zollerhöhung Sicherheiten vorhanden seien. Die Sozialdemo- traten stimmten im wesentlichen dem Vertrag zu, ebenso dem Saarabkommen.

Abg. Giese (Dntl.) wendet sich im einzelnen gegen D*te Regelung der Aepfeleinfuhr, die er als unerträglich für den deutschen Gartenbau bezeichnet, ebenso wie die hemmungslose Ein­fuhr der Weintrauben.

Ministerialdirektor Ritter erläuterte die Bedeutung der Bestimmungen über die franzö­sischen --etonien.

Ministerialdirektor Dr. Posse hebt hervor, dah der Schwerpunkt der französischen Zusagen bei dmjenigen Industrieartikeln liege, die alsbald als Fertigware auf den französischen Markt kom­men können.

2lbg. Freiherr v. R i ch t h o f e n (Dem.) be­zeichnet als besonders erfreulich, daß die Dis­kriminierung der Deutschen in Marokko beseitigt werde und trat der Auffassung deutschnationaler Redner entgegen, als ob die Reichsregierung durch die im Handelsabkommen mit Frankreich auf sechs Monate erfolgte Festlegung der Ge­treide- und Mehlzölle in die Befugnisse des Reichstages eingegriffen habe.

'Der Ausschuh stimmt darauf dem deutsch­französischen vorläufigen Handelsabkommen gegen einige Deutschnationale und Kommunisten und dem Saarabkommen bei zwei Stimmenthaltungen der Kommunisten zu. Nachdem noch die Mehl­zollverordnungen, die durch die Festlegung der ermäßigten Sätze im französischen Hantelspro- viforium hinfällig werden, ebenso, wie vom

5rat auch vom Reichstagsausschnfj für den 31. Dezember 1926 aufzuheben beschlossen war, vertagte sich der Ausschuß.

Der Eisentrust.

Noch teilt Abschluß der Verhandlungen.

Wenn man das sehr schweigsame amtliche Kom­munique über den Abschluß der Cisenverhandlungen in Paris näher ansieht, kommt man zu der Auf- fassung, daß eine Gesamteinigung nicht er= zielt werden konnte. Die beiden Hauptfragen, die Einigung über Festsetzung der Einfuhrkontingente und die Quotenfeststellung, wurden anscheinend nur zum Teil gelöst. Dabei scheint man über die Fest- setzung der Einfuhrkontingente zu einer vorläufigen Einigung gekommen zu sein, während die Quotenfestsetzung noch nicht beendigt ist. Bei der Einfuhrmenge für die lothringisch-luxemburgische Produktion hatte man einen Prozentsatz von 64 Prozent der deutschen Produktion vorgesehen. Weiterhin scheint man sich über den Rahmen der neuen internationalen R o h- ftahlgemeinschaft geeinigt zu haben. Dabei ist aber wieder zu berücksichtigen, daß man zwar Ausgleichskasse, Kündigung, Bedingungen, Maß­nahmen gegen Überschreitung der Kontingente usw. festgelegt hat, während man, wie erwähnt, über die Quotenfrage noch nicht einig ist. Die erklärt sich, wie man bei Gelegenheit früherer internationaler Jndustrieoerhandlungen gesehen hat, wahrscheinlich daraus, daß die belgischen und luxembur­gischen Unterhändler noch keine end­gültige Vollmacht zur Unterzeichnung der Quotenfrage haben. Es läßt sich jedoch aus der ganzen Erklärung sowie der Art der Verhandlungen entnehmen, daß man wenigstens eine grundsätz­liche Einigung erzielt hat. Auf Grund weiterer .Verhandlungen dürfte man in allerkürzester Zeit eine ebenso feste Organisation wie die deutsche Roh- l stahlgemeinschaft geschaffen haben, und man hofft, daß sich dieser großen Organisation auch in kür- X zester Zeit die noch außenstehenden Länder (Tschecho­slowakei und Polen) anschließen werden. Genauere ' Informationen dürfte man erst nach endgültiger Rückkehr der deutschen Unterhändler erhalten.

DomGaulois" wird vermutet, dah die in dem Kommunique erwähnten beiden Länder, deren Industrielle noch nicht zugestimmt haben, Belgien und Frankreich seien. Beide Län­der, so schreibt derGaulois", feien besorgt, die Zukunft gewisser Fabriken in den zerstörten Ge­bieten zu sichern, die im Wiederaufbau begriffen seien und deren Produktion daher noch nicht in vollem .Umfang in der Statistik erscheine. Ohne Kreisel werde man ohne große Schwierigkeiten zu einer leichten Erhöhung der Kontingente für Belgien und Frankreich gelangen. DasIournal" schreibt, England habe sich stets auf dem laufenden gehalten. Es gäbe für seine Reserve zwei Gründe: England befinde sich erstens in einer Lage, die eine Teilnahme an dem Trust kaum möglich mache und zweitens suche ®nglani> die Ausschließlichkeit seines Mark­tes für die Dominions zu wahren. Der Rewhork Herald" schreibt: Der Stahltrust zwi­schen den vier kontinentalen Ländern müsse dem englischen und amerikanischen Aus­fuhrhandel einen schweren Schlag zufügen und könne unter Umständen England und Amerika von Märkten wie Kanada, Iapan und Südafrika vertreiben. Die Reaktion der Ver­einigten Staaten für den Stahltrust sei noch nicht voll entwickelt. Die englischen inteteffierteir Kreise meinten, dah der amerikanische Wider­stand nicht erheblich sein werde, weil die deut­schen Teilnehmer zum größten Teit durch amerikanisches Kapital fi­nanziert wurden. Die Gefahr für Amerika bestehe darin, dah der fontinetale Trust auch England zu sich herüberziehen und so zu einer Weltorganisation werde, gegen die die amerikanischen Interessenten einen Kampf bis aufs Messer zu führen hätten.

Kunst und Wissenschaft.

Line Ehrung für Dr.-Ing. Carl Ben;.

Eine sinnreiche und eigenartige Ehrung be­reitete die Wadern. Gruppe für Kraftfahrzeug­bau an der Techn. Hochschule Hannover dem in Ladenburg bei Mannheim wohnenden greifen Erfinder des Automobils Dr.-Ing. e. h. Carl Benz am Sonntag, 8. August. Anläßlich der 40jährigen Wiederkehr des Tages, an dem der Genannte zum ersten Male auf einem Wagen mit Gasmotorenbetrieb durch die Straßen von Mannheim fuhr, .unternahmen 7 Mitglieder ter Gruppe mit einem der ältesten noch vorhandenen Benzwagen, einem sog. Benz-Eomsortable aus dem Iahre 1895 eine Fahrt nach Mannheim von Hannover. Der Wagen befand sich im Besitz des Lehrstuhles für Kraftwagenbau und wurde eigens für diesen Zweck von ihnen wieder instandgeseht, um durch diesen Beweis von der Leistungs­fähigkeit des 30 Iahre alten Veteranen dem

Verdienst des Erbauers die rechte Würdigung zuteil werden zu lassen. In ununterbrochener Tag- und Rachtfahrt wurde von Freitag morgen bis Sonntag mittag die 450 Kilometer lange Strecke von Hannover nach Ladenburg zurück- gelegt, ohne daß der Motor trotz stärkster In­anspruchnahme auf starken Steigungen den Dienst versagt hätte, ein Beweis der Güte der Arbeit der damals noch jungen Firma. Die Fahrer losten sich alle 4 Stunden ab, zu welchem Zwecke ein Begleitwagen mitgeführt wurde. In Wein­heim wurden die Wagen vom Rheinischen Auto­mobil-Club eingeholt und nach dem festlich be­flaggten Städtchen Ladenburg geleitet. Außer der Familie Benz hatten sich der Vorstand der Benzwerke und die Spitzen der Stadt vollzählig zur Begrüßung eingefunden. Rach verschiedenen Ansprachen, in denen der jetzt 83jährige Er­finder gefeiert wurde, waren die Fahrtteilnehmer ein paar unvergeßliche Stunden Gäste des Hauses Benz. Am Abend wurde dann der Wagen nach Mannheim überführt.

Tagung der deutschen Reklamefachleute.

In Frankfurt am Main findet vom 3. bis 6. September die diesjährige Hauptversammlung des Verbandes Deutscher Reklamefachleute, e. V., statt. Dieser Verband stellt den Zusammenschluß des gesamten deutschen Werbewesens dar und tritt für wirtschaftliche und kulturelle Hebung der Reklame ein. Das Programm der Tagung ist reichhaltig und reizvoll. Reben den internen Verhandlungen ist besonders bemerkenswert eine Matinee in der ilniöerfrtät, bei der Christian Ad. Kupferberg einen Vortrag über die prak­tische Seite und Dr. Heller einen solchen über die wissenschaftliche Seite der Reklame halten wird. Die Begrüßungsansprache hat Professor Dr. Hellauer von der Frankfurter Universität übernommen. Die Tagung ist verbunden mit einer internationalen Plakatausstellung, bei der die Entwicklung des Plakats von 1860 bis in unsere Sage gezeigt werden wird. Gesellschaftliche Ver­anstaltungen, ferner ein Schaufenster - Wett­bewerb, ein Geschäftswagen - Korso vervoll­ständigen das Programm.

Professor Ludwig Spiegel f.

In Marienbad ist der Professor des Völker­rechts an der deutschen Prager Tlniversität, Lud­wig Spiegel, an Darmlähmung gestorben. Pro­fessor Spiegel, Senator der Deutschen demokra­tischen Partei und einer der Führer des Sude- tendeutschtums war für das nächste Studien­jahr zum Rektor der Tlniversität ge­wählt.

Aus aller Welt.

Eröffnung

des Deutschen Hnndwerkertags.

Unter äußerst zahlreicher Beteiligung aus allen Teilen des Reiches und in Gegenwart einer großen Zahl von Ehrengästen wurde in Königsberg der 26. Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag eröffnet. Unter den Ehrengästen befanden sich Mini­sterialrat Dr. Hoppe als Vertreter des Reichswirt­schaftsministeriums, als Reichskommissar für Hand­werk und Kleingewerbe Ministerialdirektor Dr. v. S e e f e l d, Berlin, ferner Ministerialrat v. Hoff- mann, Berlin, vom preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe, und Staatssekretär Dr. Schmidt, München, sowie Vertreter der sächsischen Regierung und des Senats der freien Stadt Lübeck. Zahlreich waren auch die wirtschaftlichen Spitzen­oerbände vertreten. Die Eröffnungsansprache hielt der Präsident des Deutschen Handwerks- und Ge­werbekammertages und Ehrenmeister des deutschen Handwerks Plate, Hannover, der die Berufs­genossen von den Handwerkskammern des ganzen Reiches, die Ehrengäste und die Vertreter der ein­zelnen Berufsorganisationen und die Vettreter des Handwerks uns den abgetrennten Gebieten auf das herzlichste begrüßte und unter lebhaftem Beifall an Jmanuel Kants Maxime vom moralischen Gesetz anfnüpfenb, betonte, daß dieses Gesetz das beste sei, was uns gegeben werden könne. Der Redner schloß mit den Worten: So fördern wir den Stand, den wir vertreten: Das alte, ewig junge Handwerk fördert das Allerkostbarste und Unvergänglichste, was es gibt: das Deutschtum. Auf das an den Reichspräsidenten gesandte Telegramm ist nachstehende Antwort eingegangen:Dem Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertag danke ich herz­lichst für die treudeutschen Grüße, die ich bestens erwidere. Daß Ihre Tagung dem deutschen Hand­werk und Gewerbe Hilfe und Förderung bringe und damit für unsere gesamte Wirtschaft von Vorteil sein möge, ist mein aufrichtiger Wunsch, gez. von Hindenburg, Reichspräsident."

Tagung der Handelsschutz- und Rabatt­sparvereine.

Die Handelsschutz- und Rabattsparvereine Deutschlands traten in Kottbus zu ihrer 24. Tagung zusammen, um für den kaufmännischen und gewerblichen Mittelstand wichtige Ange­legenheiten zu erörtern. Reichstagsabgeordneter Behthin sprach über das ThemaKauf­männischer und gewerblicher Mittelstand im Kampfe gegen Tlnkenntnis, Voreingenommenheit und Tlebelwollen. Die viel gepredigte Amerikani- fierung des Einzelhandels passe nicht in unsere Derhältmsse. Der Redner wandte sich gegen eine grundsätzliche Durchbrechung der Sonntags­ruhe. Der gemeinsame Einkauf müsse Hand in Hand gehen mit der Anerkennung barer Zahlung durch den einheitlich organisierten Rabatt der Handelsschutz- und Rabattsparvereine. Landtags­abgeordneter Säger sprach über das Thema Gewerbesteuern, Einheitspreisläden, amerikani­sche Kleinhandelsmethoden". Er forderte, dah die grundsätzliche Reugestaltung des Ge­werbe st euergesetzes ohne weitere Verzöge­rung in Angriff genommen werden könne. Hier­bei sei besonders darauf Bedacht zu nehmen, daß der Gewerbesteuer die Eigenart der Sonder- steuer genommen werde und daß die von der Gewerbesteuer betroffenen Steuerzahler nicht fernerhin alleinige Träger solcher Lastendeckung seien.

Die Eröffnung der rheiuisch-tveft- fälifchen Feuerwehrwoche.

In Düsseldorf wurde die Rheinisch- Westfälische Feuerwehrwoche feierlichst eröffnet Es wurden 30 000 Teilnehmer aus allen Gauen gezählt. Oberbürgermeister Dr. Lehr eröffnete oie Woche mit einer Begrüßungsansprache, in der er die Abordnungen des Auslandes will­kommen hierß. Branddirektor Petersen sprach dann über den Aufbau der deutschen Feuer­wehren. Heute gäbe es kaum noch einen Ort, wo sich nicht die Bürgerschaft zusammengeschlos- sen hätte zur Abwehr des verheerenden Ele-

k ments. Opferfreudigkeit, Hingabe und freiwillige Unterordnung, das sei der Geist, der die ganze Feuerwehr belebe. Die Grüße der Regierung und des Oberpräsiden­ten der Rheinprovinz überbrachte Vizepräsident Lohmann, der eine geschichtliche Darstellung über die Entwicklung der Feuerwehr gab-, Als Vertreter des Reichsvereins deutscher Feuer­wehringenieure sprach Branddirektor Szein aus Magdeburg. Auf eine an den Re ichs - Präsidenten gerichtete Adresse ging folgen­des Telegramm ein:Den zur Feuerwehrwoche in Düsseldorf versammelten deutschere Feuer­wehrmännern danke ich bestens für ihr Treue­gelöbnis. In aufrichtiger Anerkennung der ver­dienstvollen selbstlosen Arbeit der deutschen Feuerwehren entbiete ich allen meinen herzlich­sten Gruß, (gez.) von Hindenburg." Da die Rheinhalle nur einen kleinen Teil der Fest- teilnehmer aufnehmen konnte, waren große Laut­sprecher ausgestellt worden, die die Sieben und Wusikvorträge verbreiteten. Am Rachmittag fand am Feuerwehrturm der Düsseldorfer Aus­stellung eine große Schauübung der Düs­seldorfer Berufswehr statt, der unter anderen Ehrengästen auch Heinrich, Prinz­gemahl der Riederlande beiwohnte. Der Besuch der Düsseldorfer Ausstellung dürste heute jeden Rekord überboten haben. Man schätzt die Besucherzahl auf 150 000.

Das Freisinger Eisenbahnunglück.

München, 14. Aug. (WB.) Einer amt­lichen Erklärung der Reichsbahndirektion München ist u. a. zu entnehmen, dah über die Arsache des Unfalls in Langenbach auch heute ein abschließen­des Urteil nicht abgegeben werden kann. Die Er­klärung stellt fest, daß während der Umbauar­beiten an der Einfahrtweiche, hinter der die Entgleisung erfolgte, das Gleis ordnungs­mäßig durch Haltesignale gesperrt und die Sperrung sowohl dem Personal der eigenen Station als auch dem der Rachbar- stationen bekanntgegeben worden war. Um 9.15 Uhr meldete der die Arbeiten leitende Rot­tenmeister an die Station Langenbach, dah das Gleis LandshutMünchen wieder fahrbar sei. Die Erklärung stellt fest, daß noch kein Ur­teil darüber abgegeben werden kann, ob di e Weichenzunge in einwandfreier Weise fest gelegt war und die Umbaustelle mit ungeminderter Schnelligkeit befahren werden durfte. Die Eisenbahnkatastrophe hat ein weiteres Todesopfer gefordert. Sonntag nacht ist im Freisinger Krankenhaus die sieben­jährige Iohanna Buchner gestorben, so dah sich die Zahl der Toten auf zwölf erchöht hat. Der schwerverletzte Konrad Lehner aus Rürn- berg schwebt in schwerer Lebensgefahr. Samstag wurden noch einige Verletzte in die Krankenhäuser von Freising und Mohburg ein­geliefert, darunter eine schwerverletzte Dame namens Liselotte Schacher, geb. v. Rordheim aus Erfurt, die eine schwere Gehirnerschütterung erlitten hat.

Schweres Autounglück bei Wunsdorf.

Ein furchtbares Autounglück trug sich Sonn­tag vormittag kurz nach 10 Uhr auf der Chaussee zwischen Zehrensdorf und Töpchin zu, die sich in west-östlicher Richtung über den Truppenübungs­platz Zossen hinzieht. An einer Kurve brach an einem aus Berlin kommenden mit fünf Per­sonen besetzten Auto das rechte Hinterrad, wodurch sich der Wagen überschlug. Die Insassen wurden sämtlich mehr oder minder schwer ver­letzt. Die Gattin des Besitzers des Autos, Schu­bart aus Berlin, war sofort tot

Lin Marktwagen von einem Zuge überfahren.

Am Bahnübergang an der Gisverslebener Land­straße bei Erfurt wurde der Wagen eines vorn Markt heimehrenden Händlers vpn einem Klein­bahnzuge erfaßt und ein Stuck mitgeschleift. Der Wagen rollte schließlich die Böschung hinab. Der Händler und feine auf dem Wagen befindliche Schwiegermutter wurden getötet.

Zugzufammenstoß in Paris.

Sonntagabend ist am Lyoner Bahnhof in Paris ein Vorortzug mit einem Leerzug zu- fammengestohen, wobei einige Wagen entgleisten. Es wurden drei Personen getötet und etwa 50 verletzt.

Eisenbahnkatastcophe bei Reuyork.

Aus Long-Island entgleiste ein W e e'cke d» Zug, in dem 700 Reuyorker sahen. Die Pull­mannschlafwagen sausten, sich überschlagend, die Böschung hinunter, wobei sechs Personen getötet und sechzig verwundet wurden.

Panik durch einen tollwütigen Hund.

In Elena bei Gaeta in Italien biß ein tollwütiger Hund 17 Personen. Die ganze Stadt wurde von einer Panik ergriffen. Aus den! Fenstern schoh man auf den Hund. Mehrere Personen wurden durch abirrende Kugeln ver­wundet. Erst nach längerer Zeit gelang es, den Hund zu töten.

Banbiten-Meberfati auf einen chinesischen Eisenbahnzug.

Bewaffnete Banditen haben einen Zug auf der Strecke nach Hongkong aufgehalten und 200 Personen f ort geführt. um Löse­geld zu erhalten.

Erdbeben in England.

In vielen Teilen Englands wurde Sonntag morgen 5 Tlhr ein leichter Erdstoß verspürt. In einer Reihe von Städten wurden die schlafenden Einwohner durch das Geräusch der sich bewegen­den Bilder und der wankenden Möbel geweckt. An vielen Stellen wurde die Erderschütterung von unterirdischem Donner beglei­tet. Schaden ist durch das Beben nicht angerleb­tet worden.

Eine Schändung des Grabes des unbekannten Soldaten in Paris.

Sonntag nachmittag hat ein unbekannter Amerikaner am Grabe des unbekannten Sol­daten eine Flasche Champagner geleert und dann sein Glas auf der Grabplatte zerschmet­tert. Der Täter, der sich als Kriegsteilneh­mer bezeichnet und ein Bein verloren hat, wurde der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt, lieber die Beweggründe ist nichts beannt.

Lord kitcheners Leiche.

Der Streit um die Auffindung der Leiche Lord Kitcheners, die, wie der Londoner Iourna- list Frank Power kürzlich behauptete, nach dem Untergang des KreuzersHampshire" an die norwegische Küste gespült und dort in einem Soldatengrab beigesetzt worden sei, ist mit dem scharfen Dementi der britischen Ad­

miralität noch nicht zu Ende. Ieht überrascht derselbe Ioumalist die Oeffentlichkeit mit der sensationellen Mitteilung, er habe die Leiche Kitcheners in Rorwegen auSgegtabeu, sie nach London gebracht und stelle sie hiermit der bri­tischen Regierung zur feierlichen Beiset­zung zur Verfügung. Die Leiche sei seit Freitag in einem Londoner Sargmagazin auf­gebahrt und sei von ihm und seinen Mitarbeitern, darunter einem prominenten englischen Arzt, tat­sächlich als die Leiche Kitcheners identifi­ziert worden.

Eine jugendliche Lebensretterin.

In Heidelberg siel ein hier zu Besuch weilender achtjähriger Knabe in der Rähe der Friedrichsbrücke in den Reckar. Schon dem Er­trinken nahe, wurde der Iunge von der 16 Iahre alten Anna Soldner, die ihm in voller Kleidung nach sprang, ans Land gebracht«

AW der provinzialhaupiftadt.

Gießen, den 16. August 1926.

Moment bitte

2ch gehe durchs Sttaßengedränge. Hier und da grüßen Bekannte, winken mir zu, rufen etwas, das id) uicht verstehe, und wir gehen weiter, ohne uns 3u sprechen. Das geht ein paarmal so in einer ein­zigen Straße. Man merkt, daß man Bekannte hat und damit Verpflichtungen.

Aber da klingt es ganz nahe an mein Ohr: -Moment, bitte!" Die Stimme kenne ich, unwillkür- lich blicke ich in die Richtung und gewahre einen Bekannten, der sich einen Weg zu mir bahnt. Es Zuckt mir durchs Gehirn: Ich habe keine Zeit; an den anderen bin ich uorbeigetommen, nun doch wohl auch an ihm, ich habe wirklich keine Zeit, aber er hat mich schon am Arm: ,Heute entwischen Sie mir nicht. Aus ein Wort nur!"

Ich darf ihn nicht beleidigen und nach der Uhr gucken. Wir gehen nebeneinander her. Er erzählt auch wirklich sehr interessant. Ich frage sogar hin und wieder und erkundige mich nach der oder jener Einzelheit. Mit einem Male erschrecke ich, daß ich meine Zeit verpassen konnte. Ich muß pünktlich zur Stelle sein. Wird er Rücksicht darauf nehmen?

Ich mache Andeutungen. Dann sage ich es glatt heraus, versuche ihn abzuschütteln, mache ihm klar, daß dieMinute" doch längst vorüber ist, von der er anfangs sprach aber ich werde ihn nicht los. Gr versteht einfach nicht. Sollte er etwa die Kühn- heit besitzen, mich anborgen zu wollen? Mir wird ganz heiß im Kopf. Aber dann sage ich mir doch, daß er mich nicht für solchen Toren halten wird.

Es bleibt mir Zeit genug, darüber zu philosophie­ren, wie gänzlich verfehlt es doch ist, sich dadurch be­liebt machen zu wollen, daß man sich an andere Leute hängt und ihnen die Zeit stiehlt.

Wenn ich ein bedeutender Mensch wäre, würde ich es wenigstens verstehen können, dann würde er hinterher sagen dürfen: Ich habe mit dem berühmten Schriftsteller ... gesprochen! aber so bin ich ja weiter nichts, als daß ich für Zeitungen schreibe,, und das können ja doch die meisten Leute, ober sie bilden es sich wenigstens ein.

Endlich werde ich ihn los. Er hat alles aus- gekramt, was fein Herz bedrückte. Noch beim Ab­schied macht er ein paar gefühlvolle Redensarten, bei denen ich von einem Sein auf das andere hopfe. Dann saufe ich mit dem Hut in der Hand davon.

Im Davonlaufen denke ich dankbar:Gott sei Dank, daß er dich wenigstens nicht angepumpt hat, es gibt doch noch anständige Menschen. R. H.,

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Pak und Patachon auf hoher See". Palast-Lichtspiele, Kirchenplatz: Lodernde Glut". F 9

Wettervoraussage.

Zwischen Aufklaren und Bewölkung wech­selndes, noch warmes Wetter. Mit leichten Rieberschlägen muß gerechnet werden.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 24,5 Grad Celsius, Minimum 13,4 Grad Celsius. Heu­tige Morgentemperatur 17,7 Grad Celsius.

2.11. Von der Landesuniversität. Dem Privatdozenten Dr. Max D i n g l e r an der Universität München ist der Lehrauftrag für Forstzoologie und Schädlingsbekämpfung an der Landesuniversität Gießen angeboten worden.

** Schulanfang. Vorüber ist die gol­dene Ferienzeit. Heute morgen hat die Schule wieder angefangen, der Ernst des Lebens, und die kindliche Arbeit, die wohl keinem am ersten Tage so recht geschmeckt hat. Denn sie alle, die Kleinen und die Großen, Buben und Mädel, sind noch erfüllt gewesen vom Glück einer lan­gen Reihe ungebundener, von Pflichten und kleinen Sorgen losgelöster Tage in Freiheit und köstlichem Ausruhen; und noch voll von Erin­nerung an Sonne und Wasser und Wald und erntereife Felder und dicke Blumensträuße. Mö­gen sie alle, die da heitte wiederangefangen" haben, von solchem Sonnenschein und solcher Er­innerungsfreude. von der neugesammelten Frische an Leib und Seele recht viel mit hinein und hinüber nehmen in die kommenden Wochen der Arbeit.

Einen Samariter-Kursus für Frauen und Jungfrauen veranstalten demnächst das R o t e Kreuz und der A l i c e - F rauen­verein. Anmeldungen: Ludwigsplatz 1011 (siehe heutige Anzeige).

Oderhesfen.

Landkreis Gießen.

n. G r o ß e n - L i n d e n, 15. Aug. Heute fand auf dem Turnplatz das Sommerfest der Kleinkinderschule statt. Rach einem ge­meinsamen Gesang der zahlreichen Anwesenden hielt Pfarrer Schulte einen Vortrag über die Bedeutung der Kleinkinderschule und erinnerte an die große aufreibende Arbeit, die eine Schwester mit den Kindern habe. Die Kinder. 80 an der Zahl, fangen und spielten unter Lei­tung ihrer Schwester und tourten zum Schlüsse je mit einer großen Brezel beschenkt.

11 Treis a. d. Lumda, 14. Aug. Einen recht erfreulichen Anblick bieten unsere Ernte- felder mit den langen Reihen der Frucht- Haufen. Während nun noch die Weizen- und Haferernte in vollem Gange sind, wird ent­gegen früheren Iahren, wo alle Frucht bis zum Schluß der Ernte auf dem Felde blieb, Korn und Gerste bereits heimaefahren und sofort zur Dreschmaschine gebracht. Außer ter Dresch­maschine des H. Decker, die elektrisch Betrieben wird, hat seit diesem Iahr auch H. Kehr von hier einen Dreschwagen mit Du lldogg-Antrieb