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Neuer Weltrekord Nurmts.

Stockholm, 15. Juli. Bei dem Zusam­mentreffen zwischen Sturmi und Wibe im 2auf über 3000 Meter siegle 01 u r m L Er stellte damit einen neuen Weltrekord auf. und »war mit 320,4 Min. Wice brauchte 820,8 Min. und schlug damit ebenfalls den alten Rekord (8:25,4).

Rudern.

Sieg der (SiebenerHassia".

Am vorigen Sonntag sand in Offenbach am Main die 59. Regatta des Süddeutschen Auderverbandes statt. Der Gießener Ruderklub ..Hassia" beteiligte sich hierbei in der 3 u n g - rnannen-Klasse an zwei Rennen, im Achter und im Vierer. Mit seiner in diesem Jahre schon mehrmals siegreich gebliebenen Mannschaft (H. Tuning. 1 Rinn, R. Schmitt, W. Müllar. H. C. Roll), konnte der Verein ge­gen stärkste Konkurrenz einen überlegenen Sieg erringen. DleHassia" hat damit in dieser Saison ihren 5. Preis errungen. 3m Achter- Rennen, das infolge Kollision zweimal gestartet werden muhte, verlor die Mannschaft knapp gegen .,Aoruna"-Mainz und ..Borussia"-Frank­furt. Die Startverhältnisse waren in diesem Rennen die ungünstigsten. 3n dieser Saison wird dieHassia" noch eine Regatta' besuchen, die am 7. und 8. August in Mainz stattfindet.

Schwimmen.

Der Aufschwung des Turnerschwimmens.

Do. Mit Macht geht jetzt die Deutsche Lurnerschaft daran, das.Schwimmen in den ihr zahlreich angeschlossenen Vereinen zu sördern und zu beleben. So stieg die Zahl der schwimmsporttreibenden Vereine in einem 3ahre von etwas über 1000 auf 2269 Vereine. Trotzdem ist es immer noch einer recht grohen Zahl von Vereinen nicht beschieden, daS Schwimmen zu pflegen, denn von den 12 000 Turnvereinen der Deutschen Turnerschast haben immerhin nur an­nähernd 6000 eine Schwimmgelegenheit im Som­mer. 3m Winter können nur 900 das Schwimmen Pflegen.

Die Verteilung der einzelnen L u r n k r e i s e war folgendermaßen. Es pflegten 1925 das Schwimmen (Zahlen im Vorjahr in Klammern): Mittelrhein 239 Vereine 172102 (109126) Besucher Sachsen 120 155586 ( 72135)

Bayern 238 144329 ( 94247)

Rheinland 222 140712(117045)

Brandenburg 227 124002 ( 77187)

Borden 129 119947 ( 64045)

Schwaben 105 . 118734 ( 69030)

Westfalen 137 104311 ( 67259)

Thüringen 207 , 96981 ( 72706)

Pr. Sachsen 108 . 67703( 47106)

Schlesien 149 56689 ( 27139)

Hannover ? 47 704 ( 47 704)

Unterweser 97 . 43643 ( 28810)

Baden 79 , 34828 ( 20866)

Rordosten 77 , 32258 ( 20526)

Oberweser 96 , 32264 ( 29372)

Pommern ? . 19696 ( 19696)

Pfalz 48 _ 14097 ( 7 033)

2269 Vereine 1524786 (990992) Besucher

Die Verteilung auf die Turner, Turnerinnen, Knaben und Mädchen ergab: 739 253 Turner, 288 505 Turnerinnen, 286 609 Knaben, 144 019 Mädchen. Die Schwimmgelegenheilen im Sommer haben um 425, diejenigen im Winter um 109 zugenommen.

StädtewetlkampfimSchwimmen

Die einzige Sommerveranstaltung des Gie­ßener Schwimmvereins ist in diesem 3ahre der Städtewettkampf gegen Kassel, der am Übernächsten Sonntag (25. 3ult) in der Müllerschen Badeanstalt stattfindet. Cs ist so schreibt man uns ein reichhaltiges Programm aufgestellt worden, in dem alle Ge­biete des Schwimmsports enthalten sind. So dürften das Wasserballspiel, sowie das Turm- und Kunstspringen besondere Anziehungspunkte für das Publikum sein. Am meisten wird vielen Zuschauern vielleicht noch das Reigenschwimmen und Figurenlegen der Damen des Darmstädter Schwimmklubs3ungdeutschland" gefallen. Durch die letzteren Vorführungen wird das in erster

Die Krummhölzer.

Roman aus den bayerischen Bergen.

Von Michael Wagner.

6. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Davon is koa Red', Vater, aber es gibt a aller Hand Unrecht, das sich an andern Namen zulegt!" Solche Schlich wer' der Toni net machen!" Zeno schaute dem Vater fest ins Auge.

Vater, wenn du übergeben hast, nachher laßt sich der Toni niemals mehr von dir was einreden!"

Macht a richtiger Bauer a net!"

Da besann sich Zeno. Wo hinaus sollte das alles eigentlich? Hatte er ein Recht darauf, den Vater vor Tonis Unternehmungen zu warnen, von denen er doch gar nichts Bestimmtes, Genaueres wußte? Bloß weil sie

Ueberhaupts, Zeno du studierst all's z'oiel drüber nach, was anderen gut tut oder net! Dös taugt nix! Richt dir dein Leben ein, so wie's dir paßt und laß die andern ihre eignen Wege gehen. Und merk dir's: Jeder von euch drei hat an echten Uracherschädel, und die sind hart!"

Zeno mußte sich gestehen, daß der Vater mit seiner derben Logik von seinem Standpunkte aus recht hatte. Toni übernahm den Hof und trug damit als Hoferbe die Verantwortung vor den Urachern, die feit zweihundert Jahren im Friedhos unten be­graben worden waren, und vor denen, die ihm nach- "olgten, was gab es da für ihn, Zeno, um fein Ge- niffcn zu beschweren?

Du kennst mich, Vater, mir liegt bloß dran, daß im Krummholzerhof nix Unrechts hängen bleibt!"

Der Vater nickte.

Wohl alles recht! Aber laß dös ruhig dem Toni fein' Sache fein!"

Da hatte er es. Zeno schwieg.

Die Pfeifen qualmten. 3m Ofen krachten die Buchenscheiter, und der Uhrperpendikel patrouillierte mit lautem Ticktack auf und ab.

Draußen brauten die Nebel über dem Talkessel und verwandelten ihn zu einem weiten, von himmel­hohen Bergen umschlossenen See mit hoch auf und nieder wogenden Fluten. Und vorn gestirnten Nacht- hirnrnel floß in silbrigen Strömen das milde Licht des Mondes über die friedlich-stille Bergnachtland­schaft . . .

frD-.Uc P-g.a -..I ji...c..c

Ergänzung erfahren. 3m übrigen werden die Wettkämpie gegen Kasse! ausgesüllt durch einen 3ugenbkluv-Zweikamps des Gieße­ner E. V. gegen den Wetzlarer Schwimm» verein.

Lauffers neue* Weltrekord.

Bor der Rückreise in ihre Heimat gingen Cie Amerikaner Lausfer und Webb am Dienstag zu einem Abschiedsschwimmen in Magdeburg an den Start. Lauffer gelang eS, im 200°Meter-Rückenschwimmen den bereits mehrfach von ihm verbesserten Weltrekord auf eine um 7 Sekunden bessere Zeit. d. h. auf 2:33,8 zu stellen. Frölich- Magdeburg unterlag über 50 Meter (beliebig) gegen Webb, der in 27,5 Sekunden siegte. Die Zeit von Frölich betrug 23,3 Sekunden.

Vorschau für Sonntag.

Leichtathletik und Turnen.

vo Der Sonntag ist der Tag der Leichtathletik- verbandsmeisterschasten. Die Süddeutschen Meister­schaften werden in München ausgetragen, die Westdeutschen in Duisburg, die Norddeutschen in Altona, die Brandenburgischen in Berlin, die Mitteldeutschen in Leipzig. Der Ballenverband trägt seine Meisterschaften in Stolp aus. Eüdost- deutsche Meisterschaften.

Leipziger Hochschul-Meisterschaflen. Stuben- tinnensportfest in Berlin.

Bayerisches Turnfest in Bamberg. Beginn des Thüringischen Kreisturnfestes in 3ena.

Schwimmen.

Der Deutsche Schwimmverband trägt am kom­menden Sonntag seine Ausscheidungskämpse in den einzelnen Kreisen aus, und zwar in Frank­furt a. d. O., 3tzehoe, Aschersleben, Hindenburg (Oberschles.), Rürnberg. Königsberg, Dresden, Apolda und Aachen. Aber auch die Deutsche Turnerschaft wartet mit Schwimmwettbewerben auf. 3n Wermelskirchen im Bergischen Land werden die rheinischen Schwimm-Meisterschaften der D. T. entschieden.

Wassersport.

Ruderregatten in Königsberg, Schwerin, Essen, Duisburg-Ruhrort, Heidelberg, Hanau Deggendorf: in Kopenhagen und Leitmerih mit deutscher Beteiligung.

Kanu Wettfahrten: Kanuregatta in Magde­burg, Paddelregatta des Riederelbekreises auf der Außenalster, Kölner Kanuregatta, Ruhr- Wanderfahrt des Riederrheinkreises, Rhein- Langstrecken - Wettfahrt des Oberrhein- und Mainkreises.

Mvrorsport.

Als vierter Meisterschaftslauf kommt das be­kannte Schleizer Dreiecksrennen zum Austrag, das den Motorrädern Vorbehalten ist. Auf der bekannten Rundstrecke bei Spaa wird unter deut­scher Beteiligung der große Preis von Europa der Motorräder zur Durchführung gebracht. Der Gau I Berlin-Brandenburg des ADAC, bringt die Brandenburgische Dauerprüfungsfahrt zum Austrag. 3n Lübeck wird ein Automobilturnier entschieden. Hamburg bringt ein Motorrad­bahnrennen, ebenfalls Derlin-Weißensee. Harz- Zuverlässigkeitsfahrt des Rordhäuser M. C.

Radsport.

Bahnrennen finden statt in Berlin (Olympia- bahn), Chemnitz, Dresden-Reick, Krefeld und Berlin. Straßenrennen sind: der Kleine Straßen­preis von Hannover (HannoverOebisfelde Hannover), der Große Parthe-Clbepreis, die Unterfränkische Rundfahrt bei Karlstadt, Rund durch Schwaben der 3bus von Stuttgart nach Freiburg, Rund um Mittenwalde, der Große Mifapreis der Grenzmark, der Große Opelpreis von Hessen und Rassau, der Große Straßenpreis der Roemrykenoerge, Quer durch Holstein und Rund um den Schlachtseldgau.

Der VerbandDeutsche Frauen­kleidung und Frauenkultur"

in Düsse'dorf.

Wenn der VerbandDeutsche Franc n- k l ei düng und Frauenkultur" seine dies­jährige Hauptversammlung, die zugleich Feier seines 3Öjäbrigcn Bestehens war, nach Düsseldorf legte, so war der äußere Grund dazu die G e s o °

in.

Irgendwo am Rande der alten Salinenstadt Reichenhall sieht auf einem fünften Bühel ein schmuckes Häuschen, von dem aus sich frei und un­gehindert der Reigen mächtiger Berge überschauen läßt. Fetzt natürlich steckte das Häusl samt dem Blu­men- und Wurzgärtchen tief im Schnee.

Besitzerin dieses Anwesens war damals die ver­witwete Frau Hauptlehrer Rontaler, welche es feit etlichen Jahren mit ihrem einzigen Kinde Marianne bewohnte. Wobei immerhin noch so viel Platz übrig blieb, daß man vom Mai bis zum Herbst Zimmer an Fremde vermieten konnte.

3a, und pfeilgerade auf dieses Häusl war Zeno Urachers Sinn gerichtet, schon ziemlich lange.

Und das kam so:

Der selige Herr Hauptlehrer Rontaler war seine vollgerüttelten dreißig 3ahre lang in Zenos Heimat als Lehrer tätig gewesen. Auch Zeno war dereinst unter seiner Fuchtel gestanden. Dazu ka mnoch, daß Rontaler, übrigens selbst einer Bergbauernfamllie der Berchtesgadener Gegend entstammend, die letzten zehn Fahre seines ruhestandslosen Lebens mit dem alten Uracher und dem Herrn Förster Dom. Sankt- johanfer vulgoAnnodomini" gut befreundet war.

3nsonderheit der stattliche Krummholzerhof hatte es Rontaler angetan: in den war er schlankweg ver­liebt. Einmal, weil es sich da oben so wunderschön geruhsam auf der Hausbank oder im Salettl sitzen liefe, wobei man zum gemütlichen Plauschen das ganze schöne weite Tal mit seinen Bergbastionen überschauen konnte. Zum andern, weil nach Ron- talers eigenen Worten der Krummholzerhof fast noch schöner und stolzer war als sein väterlicher Hof, der ihm sonst über alles in der Welt ging.

So stieg denn der Lehrer so manchen schönen Sommersonntagnachmittag über die blumigen Berg- wiesen zur sonnseitigen Lehne des Krummholzer- hofes hinauf: heirngariengchen.

Meist brachte er auch dabei feine Frau mit und die kleine blonde Mariandl.

Nicht selten schickte es sich, bafe bann von einer anberen Seite ber Annobornini auftauchte, mit lau­tem Hallo begrüßt. 3a, unb bann saßen die Männer beim Bierkrug, rauchend, politisierend oder tarten- spielend im kühlen, schattigen Salettl, während die Frauen bei Kaffee unb Rubeln ihren Plausch machten.

* -.' - >n 19.1m Ausstellungshallen vieles von bem bietet, was ber Verband seit langem bearbeitet: Körperpflege, Gymnastik, gesunde und zweckmäßige fileibung, und in der er selber als Aussteller auf­tritt. 3n feiner eigenen Abteilung zeigt er die Entwicklung der Frauenkleidung in den letzten Jahrzehnten, sowie eine klare Gegenüberstellung von gesunder, zweckmäfeiger und unvernünftiger modischer Kleidung. Auch ausgezeichnete Unter kleidung, einwandfrei in Schnitt, Material und Verarbeitung ist ausgestellt, ebenso zweckmäßige Kleidung für Beruf uno Gesellschaft.

Die Tagung war ungefüllt mit ernster Ver­bandsarbeit. Der Wunsch und das Streben nach Fortschritt unb Ausstieg kennzeichnete die Verhand­lungen. Ein besonders lebensvolles Bild frischer Ar­beit zeigten die Berichte der Ortsgruppen, die viel- festige Leistungen auf weiten Gebieten des Frauen­schaffens brachten. Wie sehr der Verbandsgedan'e in immer weitere Kreise bringt, bewies die Mit­teilung, daß im letzten Jahre 10 neue Ortsgrup­pen (darunter auch die Gießener Ortsgruppe) entstanden, die die Zahl der Ortsgruppen auf 70 und die Mitgliederzahl auf 12 000 erhöhten. Die Vorkämpferin und Mitbegründerin des Verban­des, Fräulein Ella Lau- Dresden, schilderte in großen Zügen den 30jährigen Werdegang des Ver­bandes und die ungeheuren Schwierigkeiten, die es in dieser Zeitspanne zu überwinden galt.Unsere Bewegung," so führte u. a. die Rednerin aus, war Kampf gegen die Unnatur der damaligen Mode, die vor rund 30 Fahren nicht nur einen ziemlichen Höchststand von Häßlichkeit erreichte, son­dern auch ernste Schädigungen des Frauenkörpers zur Folge hatte. Diese Schädigungen, auf die be­sonders auch die beiden Aerzte Dr. Spauer und Dr. Flachs aufmerksam machten, führten im Ver­ein mit den Anregungen, die zu gleicher Zeit aus dem Ausland nach Deutschland gelangten und die ebenfalls auf eine zweckmäßige, die Gesundheit nicht hemmende Frauenkleidung hinzielten, zu dem ersten Zusammenschluß, zu der Keimzelle, aus dem der jetzt so blühende Verband entstand. Dieser Ver­einigung gehörten außer den beiden vorgenannten Aerzten noch Frau Pochhammer und die Red­nerin an. Die Bemühungen dieser Vorkämpfer der Bewegung, ihre Sache auf eine breitere Grund­lage zu stellen, begegneten anfangs großen Schwie­rigkeiten. Es kam eine schwere Zeit des Suchens und des Wollens, doppelt schwer deshalb, weil die Frauenbewegung, die selbst damals noch inmitten schwerer Kämpfe stand, sich des Bundes, dessen Be­strebungen ihr mehr oder weniger äußerlich schien, nicht annahm. Doch von anderer Seite kam ihr, wenn nicht Hilfe, so doch Anregung, einmal von ber Naturheilbewegung, fobann von ben Künstlern, spe­ziell Schulze- Naumburg. All diese Momente, verstärkt durch eifrige Werbetätigkeit, führten lang­sam den Erfolg herbei. Der Verband gewann Boden unb Ausdehnung, und es gelang in Zusammenarbeit mit den sächsischen Behörden, in den sächsischen Schulen ein gutes Turnkleid für die weibliche Ju­gend einzuführen. Damit war ein wichtiger Schritt vorwärts getan. Fst heute auch das Ziel, das damals der jungen Bewegung oorschwebte:der Weltbund für vernünftige Kleidung", nicht erreicht worden, hat der Weltkrieg auch in dieser Richtung zur Be­schränkung gezwungen, so darf man doch heute mit Stolz auf das weisen, was trotz der Ungunst der Verhältnisse erzielt worden ist." Mit dem Wunsche, bafe man auf diesem Wege nicht stehen bleiben soll, sondern weiter werbe für die Ideen des Blindes, weiter kämpfe gegen die Gefahren, die and) in der heutigen Zeit unsere Heranwachsende Jugend und unsere Frauen durch unvernünftige Kleidung bedrohen, schloß die Rednerin ihre Aus- führungen.

Frau Heide (Goslar) sprach über die Zukunft der Bewegung, über das, was siesein soll".Es ist eine Kraft, Tradition zu besitzen, ein Vorzug. Die Ucberlieferung, in der der Verein wurzelt, legt ihm die Verpflichtung zur Stetigkeit auf, d. h. zum Wei­terbau und zum gleichen Ethos des Schaffens, der einst die beseelte, die den Grund legten. Es heißt heute den Rus unserer Zeit verstehen, und durch Zweifel und Suchen hindurch die rechte Einstellung zu der Bewegung und den Zielen des Verbandes zu finden." Weit ausgreifend schilderte die Red­nerin sodann die unendlich mannigfaltigen Auf­gaben, die dem Verband aus seinem sich stets er- erweiternden Wirkungskreis heute erwachsen, Er­ziehung der Frau zur Materialkenntnis, zu tech­nischem Können, zu Handwertskultur und zu leben­diger Schöpferkraft usw.Mitschaffen gilt es, nicht nur genießen, Mitarbeiten und sich so eingliedern in das Leben unseres Volkes." Mit einem Hinweis

Die Kinder Zyio unb Mariandl trieben sich im grofeen Obstgarten herum. Gut paßten sie zu­sammen, die zwei: der um einige Jahre ältere Zeno mit feinem stillen, verträumten Wesen ohne alle bäuerliche Ungeschlachtheit und die blonde Mariandl, die schon so groß war wie ber Freunb.

Damals waren bie Kinber so um acht bis zehn Jahre alt. Die Zeit verging. Aus ben Kinbern wurden junge Leute, aus dem kleinen^Mariandl ein schönes, großes, blondes Mädchen, das manchem Burschen den Kops verriß, mit allen Leuten freund­lich war und sich doch niemals etwas vergab. Dann kam auf einmal eine Zeit, wo sich die beiden ehemaligen Kindheitsfreunde scheu aus dem Wege gingen obwohl beide am liebsten heimlicherweise zusammengelaufen wären.

Die große Kriegslawine ging nieder. Mit all ben anbern riß sie auch ben Zeno mit sich fort . . .

Da ging ber Zeno zum Abschiebnehmcn ins Leh­rerhaus hinunter, sagteB'hüt Gott!", unb bie nun schon grauhaarigen Lehrersleute wünschten ihm von Herzen eine gesunde und recht glückliche Heimkehr. Die Marianne aber stand bleich einige Schritte bei­seite, und rote Flecken brannten auf ihren Wangen.

Als Zeno damals sich von ihr verabschiedete, nahm er aus ihren Augen und ihrem Hände­druck ein großes, flammendes Glückverheißen mit fort.

Die beiden schrieben sich. Ohne bafe zwischen ihnen das letzte erklärende Wort ausgesprochen wor­den wäre, wußten sie dennoch, bafe sie für einanber bestimmt unb hofften unb sehnten sich . . .

Eines Tages würbe ber wackere Lehrer nach kurzer Krankheit auf ewig pensioniert. Seine Witwe übersiedelte mit Marianne nach Reichenhall, wo sie das schöne erwähnte Anwesen zu billigem Preise erwerben konnte.

Und vor einem Jahre etwa erhielt Marianne eine Feldpostkarte aus einem Lazarett an der Front mit der knappen Mitteilung von Zenos schwerer Verwundung. Da rissen bei Marianne alle Dämme, und weinend klagte sie ber Mutter ihr Leib. Den nächsten schönen Sonntag klapsten beide Frauen im Krummholzerhof an. Sie wollten wissen, wie es um Zeno ftünbe. Beiben war ber Gang nicht leicht ge­worben. Der Uracher aber auch seine Frau war um biefe Zeit schon tot umging mit einem ge- wißen natürlichen Takt bas Peinliche unb tat, als

aus bie Gesalei, biejes gewaltige Werk deutscher Gesinnungsgröße unb Schöpferkraft, bas ber Welt erneut beweise, bafe Deutschland nicht untergeben könne unb werbe, liefe bie Rednerin ihre Ausfüh­rungen ausklingen.

Den Abschluß ber Tagung bildete eine von etwa 1000 Personen besuchte große Kleiberschau im Düffclborfer Schauspielhaus. Frau Späing - Hamborn wies hier auf bie Forderungen hin, die der Verband an eine vernunftgemäße unb würdige Frauenkleibung stellt. Die Ausführunge.: wurden wirkungsvoll unterftütjt durch das, was die Kleider­schau bot. Kleider aus den besten, im Sinne des Verbandes arbeitenden Werkstätten aus dem ganzen Reich wurden vorgeführt. Sie waren frei von jeder Modcrichtung, in Form und Farbe wundervoll ab- gestimmt, und fanden vom Garten- und Arbeite' kleid, bem Amtskleid der Beamtin bis zum kost­baren Festkleid den lebhaften Beifall der Zuschauen, ben, bie zum Teil ber Verbanbsarbeit völlig fern ftanben.___

Oberhessen.

Landkreis Giefzen.

£ Wieseck, 15. 3uli. ilnfere Gemar­kung ist von ben verheerenden Wirkungen der schweren Unwetter, wie sie in den letzten Wochen aus bem Reiche unb auch aus unserer Rachbarschaft gemeldet worden, verschont ge­blieben. Wenn in der kritischen Zeil auch starke unb anhaltende Regenfälle zu verzeichnen waren, so erreichten biefe hier doch nicht ben katastro­phalen Charakter, wie anderwärts. Infolgedessen ist der Stand der Feldfrüchte im grofeen und ganzen als recht gut zu bezeichnen. Eine Lagerung des Getreides ist nur hier und ba beim Roggen zu bemerken, tveniger bei Hafer unb Gerste: biefe geht nicht wesentlich über bas sonst übliche Mafe hinaus. Eine Berminderung des Ertrages ist kaum zu befürchten, höchstens sinb bie Erntearbeiten erschwer: worben. Die Schäden, bie anfänglich burch bas Auftreten bes Blasenflohes beim Roggen zu befürchten waren, sinb nicht in bem vermuteten Ausmaß eingetreten. Ebenso hat ber Weizen bie Schäbigungen durch die Rostkrankheit, wohl infolge der nassen Witte­rung, recht gut übertounben, so daß gegenwärtig ber Weizen einen Stand zeigt, wie in wenigen Jahren. Ferner bieten bie Hafer- und Gersten­felder einen recht erfreulichen Anblick. Die Ent­wicklung der Hackfrüchte wurde durch die reichlichen Riederschläge gut gefördert. Für die Kartoffeln wäre der Regen des Guten bald zu viel gewesen. Trockenes, warmes Wetter von längerer Dauer tut hier not. Sehr willkommen ist die gegenwärtige Witterung den Garten­besitzern, die nun endlich dem 11 n f r a u t, das sich infolge des nassen Wetters üppig entwickelte, energisch zu Leibe gehen können. Recht trübe sind bie Ernteaussichten für O b st. Bei Stachel» unb 3ohannisbeeren ist bie Ernte einigermaßen befriebigenb. Aepfel unb Zwetschen bringen ba- gegen eine völlige Mißernte, nur Birnen zeigen hier unb ba einen guten Behang. Die He u - e r n-t e vollzog sich unter günstigen Voraus­setzungen unb bars nunmehr als beenbet angesehen werben: ber Ertrag bürfte allgemein befriebigt haben. Gegenwärtig zeigen bie Wiesen ein vielversprechendes Aussehen, nach bem auf eine recht gute Grummeternte zu rechnen ist. ® für.« futtermangel hat es bieses Jahr noch nicht gegeben, so bafe bie Heuvorräte nicht vorzeitig angegriffen zu werden brauchen. Vorstehende Ueberficht war vor Eintreten des gestrigen schweren Gewitters geschrieben, so bafe noch nachzutragen ist, bafe nunmehr auch in unserer Gemarkung bie Lagerungen, beson­ders bei Roggen, umf angreicher ge­worden sind. Weitere Schädigungen durch die überaus starken Riederschläge sind vorerst nicht erkennbar, auch der heftige Hagelschlag richtete nennenswerte Verheerungen nicht an. Tritt jedoch nicht bald eine entscheidende Besserung des Wet­ters ein, so ist auch für unsere Ernte, die zu den besten Hoffnungen berechtigte, das Schlimmste zu befürchten.

f. Stockhausen, 15. Juli. Am Sonntag fand in unserem Orte das D e z i r k s f e st des KriegerverbandeöHassia" Bezirk Grünberg statt. Mit diesem Feste wurde bie Fahnenweihe bes hiesigen Kriegerver­eins verbunden. Am Samstagabend vereinigte ein Fackelzug bie Gäste unb bie Ortsein» wohner, bie sich anschliefeenb bei einem Kon­zert auf bem Festplah versammelten. Am Sonn-

Dcrftünbe er das lebhafte Interesse der beiden Frauen nur aus der alten Freundschaft heraus . . .

Und nun war es also so weit. Zeno hatte der Geliebten keine bestimmte Angabe gemacht, wie dem Vater: er wollte sie überraschen.

Viel hatte er in seiner Lazarettzeit darüber nach- gefonnen, was denn werden sollte, wenn er nun entlassen würde als Krüppel. Durfte er Jo vor Marianne hintreten, um die entscheidende Aussprache herbeizuführen? Da aber kam über den stillen Zeno ein großer Trotz gegen alle Schickjalsunbill, und er entschloß sich, bei seiner Heimkunft auf jeden Fall mit Marianne zu reden, gebe es, was es wolle.

Des Vaters Ueberraschuna hatte die Situation mit einem Schlage geändert. Zeno wußte nun, was vor ihm lag, fühlte festen Grund unter den Füßen . . .

*

Die verwitwete Frau Hauptlehrer Rontaler safe auf dem Kanapee hinter dem großen runden Tisch und las mit lauter Stimme, eine Stahlbrille im würdigen, aber höchst gutmütigen Madonnengesicht, einen Brief vor:

.....unb wollen Sie uns baldigst Bescheid au« kommen lassen, ob es Ihnen möglich ist, um diesen Preis die gewünschte Anzahl Zimmer bereitzu­stellen. Hochachtungsvoll

Moritz Runkelberg."

Sie wendete das Blatt um, um sich zu ver­gewissern, daß die Rückseite unbeschrieben, nahm dann in ihrer Gewissenhaftigkeit sogar das Kuvert, entzifferte Poststempel, Adresse und Absender. Dann, nach einer kurzen Pause des Nachdenkens, wandte sie sich an ihre Tochter, welche nähend am Fenster saß.

Gar keinen Rat weiß ich mir! Wenn ich dem Bankmenschen das eine Zimmer dazugebe, tat not, daß ich dem Herrn Professor abschreibet. Ja, und das müßt' ich mich doch wahrhaftig genieren! Ra, na! Wenn er nur net gar so viel bieten tat der Bankmensch! Aber so wird es einem schwer gemacht! Schlag ich's ihm ab, bann nimmt er schließlich gar kein Zimmer, unb so arg früh, wie die Leut jetzt schon mieten wollen, mitten im Winter!--"

(Fortsetzung folgt)