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Turnen, Sport und Spiel.

Kampfspiel-Rückrblick.

Die zweiten Deutschen Kampfspiele sind vor­über. Erst langsam kann man sich wieder frei machen von all dem Schönen, das die acht Tage in dem prachtvollen Kölner Stadion und seinen Nebenplätzen brachten, kann man sich lösen von der Bewunderung der glänzenden Leistungen, der kraftstrotzenden, sonnengebräunten Athleten, dem Siegwillen der weiblichen Sportjugend. Es heißt jetzt, ruhige, kritische Betrachtungen anzustellen, ob die zweiten Deutschen Kampsspiele die Erwar­tungen erfüllt haben, die man auf sie setzte. Noch unter frischen Eindrücken mutz man sich Har werden über Fehler und Mängel, die da und dort aufgetreten sind, um aus ihnen zu lernen für die Zukunft.

Die erste und wichtigste Frage ist die, ob sich der Grundgedanke der Deutschen Kainpfspiele, die Deutsche Kampsspielidee, durchgeseht hat. QHan kann an die Beantwortung dieser Frage von verschiedenen Gesichtspunkten aus herantreten, aber gleichgültig, ob man Teilnehmer oder Zu­schauer war, ob man mehr zu Lob oder zu Kritik neigt, es läßt sich nicht leugnen, das) die zweiten Deutschen Kampfspiele ein Erfolg gewesen sind, datz sie den Gedanken, aus diesen Kampfspielen ein Volksfest der Deutschen innerhalb und außer­halb der Reichsgrenzen zu machen, weiter ver­tieft unb eingewurzelt haben. Eie haben das ganz besonders in der rheinischen, in der west­deutschen Bevölkerung erreicht, sie haben die Kraft der Kampfspielidee ausstrahlen lassen ins ganze Land, in die abgetrennten Gebiete, ins bluts­verwandte Oesterreich. Wer hätte sich des tiefen Eindrucks des Deutschen Abends entziehen können, der ein einmütiges Bekenntnis deutschen Volks­tums und deutschen Wesens war, das durch keinerlei politische Grenzen ausernandergerisseitz oder verwischt werden kann. Hnd wer könnte anders urteilen, wenn er die Kölner Tage selbst miterlebt hat, durch die slaggengeschmückten Straßen hinausgewandert ist zum Stadion, wer sich mitten unter die festesfrohe Kölner Be­völkerung gemischt und dabei festgestellt hat, daß die Kölner in diesen Tagenihr Fest" feierten. Hm die Zukunft der Deutschen Kampfspiele braucht uns also nicht bange sein, wenn diese Veranstaltung auch weiterhin von dem Geist ge­tragen, von der Seele erfüllt wird, wie es die zweiten Deutschen Kampfspiele in Köln waren.

Wie steht es mit der sportlichen Ausbeute? Lassen wir die Ergebnisse der einzelnen Deraw- staltungen noch einmal in der Erinnerung an uns vorüberziehen, so heben sich Leistungen her­aus die angesichts der in Rechnung zu stellenden besonderen Verhältnisse ganz hervorragend zu nennen sind. Durchschnittlich hat sich ein hoher Stand auf allen Gebieten feststellen lassen, und was besonders wertvoll ift überall schieben sich neue, junge Kräfte in den Vordergrund. Gewiß hat mancher von denen gefehlt, deren Aame im deutschen Sport an vorderster Stelle steht, aber auch ohne sie hat es nicht am Willen zur Leistung, nicht bloß zum Sieg, gefehlt. Dabei muß man bedenken, daß für Fußballer, Hockeyspieler, Hand­baller eigentlich die Zeit längst vorüber ist und diese Mannschaften jetzt der Ruhe pflegen müßten, und muß bedenken, daß auf der anderen Seite die Leichtathleten, die Schwimmer sich erst in einigen Wochen für ihre Meisterschaften in die Höchstform bringen. So kommt man gleich auf die zweite Frage:

Lassen sich die Deutschen Kampfspiele in der bisherigen Form weiter führen? Man bat die 1. Deutschen Kampfspiele 1922 in Berlin auf 14 Tage ausgedehnt und dabei gelernt, daß diese Zeitspanne zu groß ist. Wan hat darum die 2. Deutschen Kampfspiele auf 8 Tage beschränkt, und wird sich nun fragen müssen, ob nicht auch diese 8 Tage noch zu viel sind. Hnd in diese Frage hinein spielt die Termin-Festsetzung. Sollen die Deutschen Kampfspiele auch fernerhin im Juli stattfinden, oder wäre es nicht besser, sie etwa in die Pfingstzeft zu verlegen, wo die bereits erwähnten Schwierigkeiten der einzelnen Sport­zweige weniger in die Erscheinung treten? Außer­dem würde damit gleichzeitig die Lösung einer dritten Frage, nämlich der finanziellen, einer Klärung entgegengeführt werden. Heute ist es doch so, daß die Verbände kaum in der Lage sind, ihre Spitzenleute, geschweige denn größere Mann­

schaftsgefüge, zu Deutschen Kampfspielen i.n Juli zu entsenden, wenn die gleiche Notwendigkeit für sie wenige Wochen darauf für die Verbands­meisterschaften in Frage kommt. Warum erwägt man denn nicht, die Meisterschaften in der Leicht­athletik wie bei Sportlern und Turnern, im turne­rischen Mehrkamps, int Schwimmen u. a., im Zu­sammenhang mit den Deutschen Kampfspielen in dem betreffenden Jahr auszutragen? Das wäre zweifellos eine beiden Teilen gerechtwerden de Lö­sung. Es darf auch nicht verschwiegen werden, daß der Deutsche Neichsausschuß für Leibes­übungen nicht auf dem rechten Wege ist, wenn et von sich aus nichts dazu tut, den aktiven deutschen Sport, von dem allein doch die Kampf­spiele getragen werden, auch finanziell zu unter­stützen. Viel Mißmut hat sich da angesammelt, und in der Wahlversammlung der D. S. B. ist dem offen Ausdruck gegeben worden, was man auch sonst vielerorts hören konnte.

Die 2. Deutschen Kampfspiele haben mit einer eindrucksvollen Schlußfeier im Gürzenich abge­schlossen. Reichskanzler Dr. Marr, Oberbürger­meister Dr. Adenauer, Staatssekretär Dr. L e- w a l d und all die anderen haben, noch unter dem Eindruck des Schlußtages im Stadion stehend, schöne Reden gehalten. Oft hat man solche Worte schon gehört, aber diesmal klang es überzeugungs­treuer als sonst, daß man dem deutschen Turnen, dem deutschen Sport helfen wolle. Die 2. Deut­schen Kampfspiele haben vielen die Augen über Ziel und Streben unserer heutigen Jugend ge­öffnet, sie haben auch eins deutlich werden lassen, daß Einigkeit stark macht.

Turnen.

53. Gaulurnsest

des Gaues Hessen (D. T.)

Aus der S i e g e r l i st e ist weiterhin auszugs­weise zu vermerken:

Unterstufe, Zwölf-Kampf (408 Bewerber, 265 Sieger): 1. F. Reuschling. Tv. Heuchelheim, 210 P.; 2. H. Wilker, T. u. Spv. Butzbach, 206 P.; 3. K. Katz, Tv. Hungen. 202 P.; 4. F. Morne- weg. Tv. Klein-Linden, 201 P.; 5. F. Jung. Tv. Hochelheim, 200 P.; 6. Fritz Klein, Mtv. Gie­ßen, Paul Reuter, Tv. Hungen. 199 P.; 7. H. Adolph, Tv. Klein-Linden, 197 P.: 8. A Stein» müller, Tv. Allendorf (Lahn), Heinz Meyer, Mtv. Gießen, 196 P.: 9. Hans Geismar, Tv. 1 8 4 6 Gießen, Rud. Spuck. Mtv. Gie­ßen, 194 P.; 10. R. Paul, T v. 1 8 4 6 Gießen, 193 P.; 13. A. Leun. Tv. Großen-Linden, A. Würtz, Tv. Krofdorf, 190 P.; 14. Hch. Geißler, Tv. Hungen, Karl Schick, T v. 1 8 4 6 Gießen. 189 P.; 15. F. Birkenstock. Tv. Hochelheim. 188 P.: 17. K. Paul, Tv. Villingen, 186 P.; 18. W. Dreier, Tv. Langgöns, H. 3ung, Tv. Hochel­heim, 185 P.: 21. R. Seth, Tv. Großen-Änden, 182 P.; 22. Walter Loh. T v. 1846 Gießen, Kurt Kohlhase, Mtv. Gießen, Karl Marx, Tv. 1 846 Gießen. 181 P.: 23. O. Artz, Tv. Langgöns, R. Schwarz, Tv. Muschenheim, Erich Fett, T v. 1 8 4 6 Gießen, K. Leib, Tv. Krof­dorf, 180 P.; 24. H. Müller, Tv. Lich. 179 P.: 25. Karl Reih, T v. 1 84 6 Gießen, E. Alm, Tv. Allendorf (Lahn), 178 P.; 26. Kurt Horeiseck, T v. 1 8 4 6 Gießen, E. Weil, Tv. Muschenheim, 177 P.; 27. A. Heinrich, Tv. Allendorf (Lahn), O. Deppler, Tv. Heuchelheim. 176 P.; 28. Hch. Mosbach, Mtv. Gießen, H. Mehl, Tv. Grv- ßen-Linden, Ph. Will, Tv. Treis a. d. Lda., 175 P.; 29. Gg. Emmerich, Tv. Hungen, Hch. Zammert, Mtv. Gießen, F. Wenzel, Tv. Lützellinden, A. Becker, Tv. Lützellinden, 174 P.; 30. W. Dem, Tv. Langgöns, O. Zimmer, Tv. Villingen, 173 P., 31. A. Reeh. Tv. Krofdorf, E. Schleenbecker, Tv. Krofdorf, 172 P.I 32. E. Pfaff, Tv. Klein-Linden. 171 P.; 33. K. Fißler, Tv. 1 8 4 6 Gießen, F. Schiefer- stein, Tv. Hochelheim, R. Bromm, Mtv. Gie­ßen. 170 P.; 34. Hch. Wagner, Tv. Holzheim, 169 D.; 35. Werner Kruse, M t v. G i etz e n, A. Rücket, Tv. Muschenheim, Th. Rinn, Tv. Heuchelheim, 168 P.; 36. Hans Müller, Mtv. Gießen, Erich Seib, Mtv. Gießen, 167 P.; 38. H. Franz, Tv. Lützellinden, Wilh. Wagner, Tv. 1846 Gießen, W. Brandenburger, Tv. Hungen, 165 P.: 39. W. Rinn, Tv. Heuchelheim, H. Hofmann, Tv. Muschenheim, 164 P.; 40. F.

Regiomontanus.

Von Dr. F. Ernst.

Äm Westrande der Hetzberge, die sich öst­lich der ehemaligen freien Reichsstadt Schwein­furt hinziehen, liegt im fruchtbaren Talzuge der Rasfach am Hange seines Schlohhügels der über­aus malerische alte Ort Königsberg. Aus dem Markte des verschollenen Städtchens steht ein Brunnen, der ein Standbild seines berühmtesten Sohnes trägt. Wie hier die frischen Quellen unter seinen Händen hervorsprudeln, so tränkt« er einstmals in seinen kurzen, vom Feuergeist der Wiedergeburtszeit getragenen Lebensjahren, die Welt mit seiner Gelehrsamkeit und seinen schöpferischen Gedanken. Es ist Johannes Müller, der sich nach dieser seiner Geburtsstätte in Nieder-Franken Regiomontanus nannte, der am 6. Juni 1436 hier geboren wurde, um schon vier­zig Zähre später in Rom auf eine geheimnis­volle Weise sein zukunftsreiches Dasein jäh zu enden.

Er war Mechaniker, Astronom und Mathe­matiker. mit 15 Icchren ging der Hochbegabte, der schon in seiner Knabenzeit als Wunderkind angestaunt wurde, nach Wien auf die Universi­tät, um sich als Schüler des großen mathe­matischen Meiste»8 Georg von Kurbach diesem Fache zu widmen. Bald sah er auf einem eige­nen Lehrstuhl, von Kurbach uneigennützig geför­dert, und tefjrte seine Disziplin. Der Hunger nach griechischer Weisheit, so bezeichnend für die junge Renaissance, ergriff ihn so bezwingend, daß er seine Stelle aufgab und einem päpstlichen Gesandten nach Rom folgte, um als Schüler des griechischen Grammatikers und Rethorikers Georg von Trapezunt das Griechische gründlich zu er­lernen. 1468 aus Italien zurückgekehrt, wirkt« er eine kurze Zeit am Hofe des ungarischen Königs, um sich dann 1471 in Nürnberg niederzulassen. Hier ermöglichte ihm die Gunst und Freigebig- leit eines wohlhabenden Gelehrten, sich eine Druckerei, eine Werkstatt und eine Sternwarte einzurichten. Und, als ahne er, datz ihm nur noch wenige Jahre beschießen feien, begann er

eine fieberhafte, wissenschaftliche Tätigkeit. Be­sonders waren es Instrumente und Tafeln für den Betrieb der Seefahrer, die er teils erfand, teils verbesserte, wie das Meteoroskop und den Iakobsstab, welch letzterer damals di« Stelle des Sextanten vertrat. SeineEphemeriden", für die Jahre 1475 bis 1506 vorausberechneten Stellungen der Sonne, des Mondes, sowie der übrigen Gestirne, sind von einer geradezu er­staunlichen Genauigkeit.Ohne die bewunderns­wert genauen Ephemeriden des Regiomontanus, die dieser auf Grundlage seiner astronomischen Beobachtungen und neuen Methoden voraus- berechnet und als Buch herausgegeben hatte, wäre überhaupt keine transatlantische Ent­deckungsreise möglich gewesen, von Kolumbus an hat sie jeder Entdecker an Bord gehabt, wie z. B. Vasco da Gama, Amerigo Vespucck, der Pate des Namens Amerika, hatten mit Ihrer S>iXfe 1499 die geographische Lage der Orinoko­mündung bestimmt." In der Druckerei, der Re­giomontanus Vorstand, erschienen nicht nur seine eigenen bahnbrechenden Werke, sondern auch zahlreiche andere Schriften der großen Mathe­matiker des In- und Auslandes.

Neben diesen Großtaten in seinem Fache geben zahlreiche andere Erfindungen und Ent­deckungen, die dieser Feuergeist zutage brachte. Aehnlich wie Leonardo da Vinci, den er aus­drücklich unter seine wichtigsten Lehrer zählte, schuf er viele Entwürfe mechanischer Art, be­schäftigte sich mit dem Problem der Wasser­leitungen, der Waagen, der Drennspiegel, der Automaten. Es wird erzählt, daß er, ein an­derer Faust, zum Einzug des Kaisers Maxi­milian 1470 in Nürnberg einen Adler verfertigt habe, der sich erheben konnte und mit den Flü­geln schlug: auch als Hersteller einer eisernen Fliege wird er genannt, die flügelschwirrestd umherflog.

Gin großer Fachgelehrter der Astronomie hat erklärt, daß Regiomontanus nur dadurch, daß an seinen Deobachtungs-Instrumenten einige kleine technische Vervollkommnungen fehl­ten, nicht dazu kam, die Entdeckungen des Ko- perniLus und Galilei, die er ahnte und an­

Hermann, Tv. Lich, K. Hahn, To. Krofdorf, 163 P.: 41. Hch. Eidmann, T v. 1 8 4 6 Gießen, O. Jung, Tv. Heuchelheim, 162 P.; 42. Karl Drechsler, T v. 1 8 4 6 Gießen, A. Alm, Tv. Allendorf (Lahn), K. Leinweber, Tv. Treis a. d. Lda.. 161 P.: 43. R. Hock, Mtv. Gießen, 160 P.

Fechten der Altmannen:

Florett (13 Bewerber, 8 Sieger): 1. K. Hahn, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 11 Siege, 2. Christian Ziegler, T v. 1 8 4 6 Gießen, 10 Siege; 3. Engelbert Bürck, Mtv. Gießen, 7 Siege; 5. Willi Bellos, M t v. Gießen, 6 Siege; 8. Karl Hergenrother, Tv. 1 8 4 6 Gießen, 6 Siege.

Leichter Säbel (12 Bewerber, 8 Siege): 1. K. Hahn. Tv. 1860 Bad-Nauheim, 10 Siege; 2. A. Semilowits. T v. 1 8 4 6 Gießen, 9 Siege; 3. Chr. Ziegler, Tv. 1 8 4 6 Gießen, 8 Siege; 4. Karl Hergenrother, T v. 1846 Gießen, 7 Siege; 5. W. Belloff, M t v. Gießen, 7 Siege; 7. E. Bürck, Mtv. Gießen, 6 Siege.

Musterriegenturnen (52 Riegen).

Altersturner: Notesehr gut: 1. Tv. Nidda (Barren, 7 Teilnehmer), 107 Punkte. 2. Tv. 1860 Bad-Nauheim (Barren. 9 Teil­nehmer), 105 P. Notegut: 3. T v. 18 4 6 Gießen (2 Seitenpferde, 20 Teilnehmer), 99Vs P. 4. Tv. L i ch (Barren, 7 Teilnehmer), 95Vs P-

Turner:Sehr gut: 1. T. u. Spv. Mar­burg (Reck, 7 Teiln.), 120 P. 2. Tv. Treis an der Lumda (Barren, 6Teiln.), 116 P. 4. Tv, Holzheim (Pferd, 6 Teiln.), 114 P. 6. M t v. Gießen (2 Barren, 12 Teiln.), 108 P. 9. Tv. Großen-Linden (Darren, 12 Teiln.), 1061/? P. 10. Tv. Krofdorf (Pferd, 11 Teiln.), 106 P. 11. Tv Hungen (Barren, 6 Teiln.), 104 P. 12. Tv. Heuchelheim (Reck, 8 Teiln.), 103V2 P.Gut: 17. Tv. 1 846 Gießen (2 Pferde, 20 Teiln.), 99 P. 29. Tv. Eber- stabt (Stabübungen, 8 Teiln.), 92Vs P. 32. Tv. Lützellin den (Barren, 6 Teiln.), 90 P. 35. Tv. Allendorf a. d. Lahn (Barren, 6 Teiln.), 85Vs P.Genügend": 39. Tv. Muschenheim (Barren, 6 Teiln.), 77 P.

I u g e n ö t u r n e r:Gut: l.Tv. Heuchel­heim (Darren, 8 Teiln.), 99 P. 2. Tv. Lang- Göns (Pferd, 6 Teiln.), 95 P.

Schüler:Gut: Tv. Langsdorf (Bar­ren, 11 Teiln.), 92 P.

Sondervorführungen:Sehr gut: 1. T. u. Spv. Butzbach (11 Teiln.), 51 P.Gut: Tv. Grünberg (10 Teiln.), 411/» P. 5. Be­zirk (43 Teiln.), 97 P.

Dic Volkstut«Meisterschaften der Turner.

Mit den volkstümlichen Wettkämpfen der Turner fanden heute die turnerischen Veranstal­tungen des 53. Gauturnfestes ihren Abschluß. Wenn auch die Witterungsverhältnisse besser waren, als bei den Kämpfen am Samstag, blieben die Leistungen infolge der ungünstigen Boden­verhältnisse (die Kugel sank oft bis zu 20 Zenti­meter in den aufgeweichten Untergrund) im all­gemeinen ganz beträchtlich hinter den Ergebnissen zurück, die von den Leichtathleten des Gaues bei reichsoffenen Wettkämpfen und bei den Gau- verbandsmeisterschaftskämpfen in diesem Jahre bereits erreicht worden sind.

' Wir geben nachfolgend die Ergebnisse im Auszug wieder. Dabei nennen wir jeweils den 1. Sieger (Gaumeister) und außerdem noch die Preisträger aus Gießen und der näheren Umgebung:

100-M eter - Lauf: 1. St. Daumblatt, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 12,4 Sek.

100-Meter-Lauf (Unterstufe): 1. W. Dellmann, Tgm. Friedberg, 12,3 Sek.

10 0-Meter-Lauf (Anfänger): 1. G. Ger- btg, Tv. Lauterbach, 13.1 Sek.; 3. W. Bock, Tv. 1846 Gießen, 13,3 Sek.

200 Meter (Männer): 1. St. Daumblatt, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 26 Sek.

400 Mete r.(Turner): 1. K. May, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 64,1 Sek.

4 0 0 Meter (Unterstufe): 1. H. Hügel, Tv. Nidda, 65,2 Sek.

5000-Meter-Laus: 1. H. Fark, Tv. Nidda, 17 Min. 51,3 Sek.

Diskuswerfen (Turner): 1. R. Wiener, Tv. 1860 Dad-Nauheim, 29,10 Meter; 2. W. Gar­tenschläger, Tv. 1846 Gießen. 29,09 Meter.

Diskus (Unterstufe): 1. A. Schöbel, Tgm. Marburg, 32,55 Meter; 2. L. Malkomesius, Mtv. Gießen, 30,50 Meter.

Speerwerfen (Turner): 1. R. Wiener, Tv. 1860 Dad-Nauheim, 39 Meter; 2. E. Fett, Tv. 1846 Gießen. 34,46 Meter.

Schleuderball (Turner): 1. W. Leh­mann, Tv. 1860 Dad-Nauheim, 47,95 Meter; 3. W. Gartenschläger, Tv. 1846 Gießen, 42 Meter.

Schlagballweitwerfen (Anfänger): 1. W. Mohr, Mtv. Gießen, 73,97 Meter.

Stein st oben, beftarmig (Turner): 1. W. Lehmann, Tv. 1860 Dad-Nauheim, 7,38 Meter; 3. A Weigel, Tv. Klein-Linden, 6,56 Meter.

Stein st oßen, beidarmig (Turner): 1. W. Lehmann, Tv. 1860 Dad-Nauheim, 13,62 Meter; 2. A. Weigel, Tv. Klein-Linden, 12,14 Meter; 3. F. Weitershaus, Tv.^x^tzen-Linden, 11,64 Meter.

Speerwerfen (Unterstufe): 1. Lohofs, Akad. Tv. Marburg, 37,60 Meter.

Kugelstoßen, beftarmig (Turner): 1. E. Dilges, Tv. 1846 Gießen, 9,59 Meter; 4. W. Fay. Tv. Langsdorf, 8,69 Meter.

Kugelstoßen, beidarmig (Turner): 1. W. Lehmann, Tv. 1860 Dad-Nauheim. 18,77 M.; 2. F. Weitershaus, Tv. Großen-Linden, 17,56 Meter.

Kugelstoßen, beftarmig (Hnterftufe): 1. E. Dilges, Tv. 1846 Gießen, 9,95 Meter; 3. QI. Weigel, Tv. Klein-Linden, 8,95 Meter.

Kugelstoßen, beidarmig (Unterstufe): 1. R. Wiener, Tv. 1860 Dad-Nauheim, 15,57 Meter.

Stabhochsprung (Turner): 1. W. Sei­bert, Tv. Maar, 2,97 Meter; 2. F. Weitershaus, Tv. Großen-Linden, 2,95 Meter, iv,

1500-Meter-Lauf (Sucm..T: l.K. May Tv. 1860 Dad-Nauheim, 4 Min. 50,3 Sek.

1 500-Meter-Laus (-Hnterftufe): 1. G. Schütz, Tv. Kirchhain, 5 Min. 10,4 Sek.; 4. QL Würtz, Tv. Krofdorf, 5 Min. 9,10 Sek.

Dreikampf (Turner): 1. E. Dilges, Tv. 18-16 Gießen, 271 Punkte, 2. R. Wiener. Tv. 1860 Dad-Nauheim, 252 P.; 3. W. Gartenschläger, Tv. 1846 Gießen, 248 P.; 4. W. Bock, Tv. 1846 Gießen, 244 P.; 7. Fritz Weitershaus, Tv. Großen-Linden, 228 P.

4mall00-Meter-Stasfel (^-Klasse): 1. Tv. 1847 Weilar, 50,6 Sek.

4mall00-Meter-Staffel (8-Klasse): 1. Tv. Lauterbach, 53,4 Sek.

Weitsprung (Turner): 1. G. Hofmann, Tv. Garbenhain, 5,61 Meter.

Weits prung (Anfänger): 1. Hch. Schrö­der, Tv. 1860 Dad-Nauheim, 5,53 Meter.

Hvchsprung (Turner): 1. R. Wiener, Tv. 1860 Dad-Nauheim, 1,62 Meter.

Hochsprung (-Hnterftufe): 1. Raabe, T. u. Spv. Marburg, 1,57 Meter; 2. L. Malkomesius, Mtv. Gießen, 1,57 Meter; 3. H. Meier, Mtv. Gießen, 1,52 Meter.

Leichtathletik.

Nationale Weltkämpfe der Spielvereinigung 1900.

Am 25. Juli kommen zum fünften Male die Nationalen leichtathletischen Wettkämpfe der Spiel-Bereinigung 1900 Gießen zum Austrag. Gießen 1900 ist so schreibt man uns be­strebt, die diesjährigen Wetttämpfe in keiner Weise an Bedeutung ihren Vorgängern (den vom ehem. G. S. C. von 1900 veranstalteten) nachstehen zu lassen und die Veranstaltung zu einem leichtathletischen Ereignis ersten Danges zu stempeln. Abschlüsse mit namhaften Vereinen sind bzw. werden zur Zeit getätigt.

Ehrung für Dr. Peltzer und (Torts.

Der Deutsch« Neichsausschuß für Leibes­übungen hat den deutschen Leichtathleten Dr. P e l h e r und Corts di« höchste Auszeichnung, die Adler-Plakette, verliehen.

deutete, zu beweisen. Wie ihm auch niemand den Ruhm nehmen kann, den Grundstein der heutigen Trigonometrie gelegt zu haben.

Da streckte das Schicksal seine dunkle Hand nach dem großen Humanisten aus, der sein Nürn­berg in einen wahren Taumel von Lerneifer ge­stürzt und daneben seinen Ruf als Herstellerin der besten natauischen Instrumente und Karten für Jahrhunderte begründete. Papst Sixtus IV. richtete ein gnädiges Handschreiben an ihn, er­nannte ihn zum Dischof von Regensburg und berief ihn zur Verbesserung des Julianischen Ka­lenders nach Rom. Der Gelehrt« entschloß sich, diesem Ruf Folge zu leisten und wurde in der Hauptstadt der Christenheit ehrenvoll empfan­gen. Qtber kaum ein Jahr später, kurz nach Vollendung seines 40. Lebensjahres, verschied er plötzlich, angeblich an der Pest. Dies wurde jedoch niemals recht geglaubt, da damals in Rom die Pest nicht herrschte und näher« Hm- stande seines Todes fehlten. Allerhand Gerüchte kamen auf. Es hieß, die Söhne jenes Georg von Trapezunt, dessen bewußte Fälschungen grie­chischer Texte Regiomontanus nachgewiesen und in echt deutschem Dekennerzorn gebrandmarkt hatte, Hütten ihn aus Rache getötet. Andere meinen, die Orthodoxie habe in diesem erleuch­teten Humanisten, der mündlich die späteren Ge­danken des Kopernikus und Galileiund sie be­wegt sich doch sicher ausgesprochen hat, die gefürchtete Ketzerei treffen und sie vernichten wollen. Beides hat sein« guten Möglichkeiten, Sicheres über das Ende des großen Königs­bergers wird man wohl nie erfahren.

Nürnberg trauerte, als esseinen Vater und Wohltäter" verloren hatte, aber sein Geist war fruchtbar. Noch lange Zeit war die Nücn- berger Hnwersität für Mathematik, Astronomie, Phytzk und Kosmographie die erste in Deutsch­land, vielleicht in Europa, und daß Albrecht Dürer 1525 die erste Geometrie in deutscher Sprache herausgab, ist eine direkte Wirkung des Regiomontanus.

Die beste Badestunde.

Das Baden im Fluh und im Meer zahlt zu den schönsten Freuden des Sommers, und wenn wir uns so so recht in den kühlen Wellen tummeln, vergeßen wir manchmal, daß das Baden auch seine Gefahren hat unb jedenfalls mit Vorsicht unb Bedacht betrieben werden muh. Es gibt außergewöhnlich kräftige und gesunde Menschen, denen bas Baden überhaupt nicht schabet, mögen sie es auch noch so sehr aus- dehnen; aber bei der Mehrzahl gehen bie wohl­tätigen Wirkungen verloren, wenn man nicht gewisse Regeln befolgt; ja, es können sogar Schäbigungen entstehen. Die beste Badestunde ist von den Aerzten etwa um 11 Hhr vormittags festgestellt worben. Dann hat nicht nur bie Temperatur bei Körpers nach ihrem Fall am frühen Morgen ihre normale Höhe erreicht, fonbern auch bie Lufttemperatur ist genügen!) erwärmt, was an kühlen Tagen zu beach­ten ist, unb unser Körper ist durch das Frühstück ge'täftigt, das um diese Zeit vollständig verbaut ist. Vielfach wirb bie Ansicht geäußert, bah bas Baden in den frühen Morgenstunden am gesündesten sei; aber das ist nicht der Fall. Der Badende, der sich gleich am Morgen noch vor dem Frühstück der kühlen Flut anvertraut, ist in seiner Lebenskraft noch nicht auf der Höhe des Tages gelangt; außerdem hat er meistens eine Wegstrecke mit leerem Magen zurückgelegt unb ist dadurch geschwächt, und die Morgenlühle der Luft macht sich nur an sehr heißen Tagen nicht unangenehm bemerkbar. Wie lange man im Babe bleiben soll; bas wirb jeder am besten bei sich selbst herausfinben. Hat er bie richtige Zeit einmal erkannt, so sollte et sich nicht von kräftigeren Gefährten, benen es nichts ausmacht, dazu bestim­men lassen, länger im Bade zu bleiben. Fünf Minuten dürften keinem etwas schaden; her allge­meine Durchschnitt ist mit 15 dis 20 Minuten anzunehmen; jedoch ein mehr als einhalbstündiger Aufenthalt im Wasser wirb nur sehr kräftigen Naturen gut bekommen, währenb bie anberen statt bet Erfrischung eine Ermattung nach dem Baden spüren. Niemand sollte mehr als einmal am Tage baden. Kindern ist das .Plantschen" in seichtem Wasier sehr bekömmlich. Aber wenn sie höher her­auf als bis zum Nabel im Wasier waten, so kann ihnen das, längere Zeit ausgefuhrt, schädlich sein.