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3a, zum Dornbenelernent, wo ist er denn hingekommen?"

Amri ya muungu, Herr."

Da hatte ich die Descherung.

Ihr seid beide ganz große Spitzbuben. Ich werde euch den Geldbetrag vom Monatslohn ab- ziehen."

Ndio bana, ja Herr, amri ya muungu."

Kurze Zeit später vernachlässigte mein Koch stets seine Arbeiten. Halbgar oder äußerst schlecht zubereitet, tischte er mir die Mahlzeiten auf, so daß ich schließlich ein ernstes Wort mit ihm reden mußte. Aber alles Vermahnen half nichts. Er wurde immer fauler und nachlässiger, bis mir endlich die Geduld ausging, und ich ihn mit einem Brief zum Eingeborenenrichter sandte, wo er gehörig zurechtgesetzt wurde.

Als er zurückkam, fragte ich ihn, was der Cingeborenenrichter gesagt hätte. Er sah mich recht dumm an und dann sagte er nach längerem Schweigen:amri ya muungu. Was ihm aber zugestvßen war, verriet er nicht. Auf jeden Fall verrichtete er von nun an seine Arbeit wieder zu meiner vollen Zufriedenheit.

Auf einer Reise im Gebiete des Luvegu- flusses war einem meiner Träger beim Durch­schlagen einer Lianenart der Saft derselben in die Augen gespritzt. Der Mann schrie vor Schmer­zen furchtbar auf, er konnte die Augen nicht mehr öffnen. Meine Leute sagten mir, daß er er­blinden werde. Ich lieh ihm die Augen mit Wasser auswaschen, aber auch dieses half nichts. Als ich einen der ortsansässigen Leute nach einem Gegenmittel fragte, gab mir dieser zur Antwort, daß es keins gäbe.

Der armeMensch wird erblinden, äußerte ich.

Worauf man mir antwortete:amri ya muungu.

Ich geriet in Wut. Der Dorfälteste, bei dem wir lagerten, sagte mir, daß ihm vielleicht ge­holfen werden könne, wenn ein in der Rähe wohnender Eingeborener gerufen würde. Ich lieh den Mann holen unb der erklärte mir, daß nichts zu machen sei. Damit gab ich mich jedoch nicht zufrieden. Rach langem Verhandeln mit ihm versprach er endlich einen Versuch zur Ret­tung des Verletzten zu machen. Wir begaben uns daraufhin an eine einsame Stelle hinter meinem Lager und hier wurde die heilwirkende Arznei zusammengebraut. Der Heilkundige suchte kurze Zeit unter den vorhandenen Gräsern, rupfte einige aus und kaute sie. Den durch das Kauen

entstandenen Saft spuckte er in eine Schale aus der Kokosnuß, mischte ihn mit Wasser und wusch hiermit dem Kranken die Augen aus. Es ver­gingen kaum zehn Minuten und er konnte die Augen wieder öffnen, die von dem beizeirden Safk rot wie Feuer geworden waren. Als wir in unser Lager zuruckkamen, wunderten sich meine Leute ganz und gar nicht über den Heilerfolg. Alle waren der Ansicht, daß dies ledigllchAmri ya muungu" sei.

Einige Tage später erkrankte einer meiner Leute derartig, daß er unfähig war, weiterzu­marschieren. Meine Karawane, die mir unter Führung eines Askari ungefähr eine Stunde später folgte, weil ich unterwegs ein Stück Wild erlegen wollte, lieh den Erkrankten einfach im Dusche liegen. Als sie mittags zu mir stieß, wurde mir der Vorfall gemeldet. Ich ließ sofort durch einige Träger den Mann holen, Unwillig fügten sich meine ermüdeten Leute diesem Befehl, ich half ihnen jedoch auf die Deine.

Er wird schon folgen, meinten sie.

Wenn er aber nicht gehen kann und ver­durstet oder sogar von Löwen gefressen wirdl"

Heizuru,was liegt daran,Amri ya muungu.

Rach drei Stunden kehrten sie mit dem Kranken ins Lager zurück und nach einigen Tagen war der Mann wieder gesund.

Und heute, nach fast fünfzehn Jahren, seit ich dieses erlebte, denke ich noch oft an diess fatalistische Lebensauffassung der Reger zurück. Es war ja auch zu angenehm, für alle Hand­lungen den WUlen Gottes verantwortlich zu machen, namentlich wenn es etwas war, das mit einer Strafe gesühnt werden muhte. Hatte man dagegen eine Tat vollbracht, die mit einer Be­lohnung sehr nahe in Berührung kam, dann trat man diese selbstverständlich nicht an seinen muungu (Gott) ab, sondern nahm sie ganz gern an.

^Ind nun, lieber Leser, überlasse ich dir die Weiterbetrachtung über dieses Amri ya muungu. 3ch bin trotz langem Rachdenken noch nicht mit mir einig geworden. Rur das eine will ich dir zum Schlüsse verraten, daß es nur in ganz be­stimmten Fällen anwendbar ist. Unb diese Fälle mag dir dein Gewissen, dein Ehrgefühl und dein Derantwortlichkeitsgefühl im stillen Käm­merlein anzeigen. Wenn du das Amri ya muungu so anwendest, dann wird es dir sicherlich zum Segen gereichen.

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^Hauben, Stanb ii

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Rechtsanwalt

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Grünberg.

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Tagesordnung roiri in berSerlümniluno bekamiigegebeii.

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iüietzener Anzeiger (EsneiaiA-rzeiger für Gverhesjei,

Nr. <64 Zweites Blatt ----- -------J -----

Das Kriegsspiel des Friedensbringers.

Don unserem ns.-Derichterstatter.

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Prag, Mitte Juli 1926.

Roch früher Sonntags morgen ist es, und schon brennt die Sonne, wie nie in den Wochen vorher. 3m Gold des funkelnden Morgenscheines glänzen die Kuppeln und Türme.Goldenes Prag. Drinnen in der Allstadt, der riesige Platz, nach hr benannt. In der Mitte das mächtige Denk- nal Hussens, desKetzers", der in Konstanz im Scheiterhaufen endete, des jetzigen Rational- Öeros. Erzgewordene Leidenschaft und Derbissen- *jeit, die Grundclemente seit Generationen im Leben zweier Völker, die hier auf Tod und Leben ärnpsen. Ringsum künden gotische Türme von nner Zeit, die noch deutsch und in der es anders nar. Auf dem Ballon des allen Rathauses hat Präsident Masarhk mit der Regierung Platz renommen, neben ihm Außenminister B e n e s ch, Die immer. Auf den Tribünen, darunter der Lorbrnckyor von London, Diplomaten, Offiziere, i)urchweg aus Staaten, die man noch von der »Sroßen und der Kleinen Entente her kennt, Diesmal nur etwas merkwürdig in Gruppen llehenb, sichtlich nicht bloß durch den Zufall zu- lammengewürfelt.

Run klingen die Fanfaren hell auf, Marsch­musik, ein Wald von Fahnen. Unb hinterher hhwenken die Achterreihen auf den Platz ein. Wie ii Fieberschauern rasen die Massen. 3 Stunden währt der Aufmarsch, dazwischen immer wieder Musikkapellen. Immer wieder dieselben Typen, disziplinierte Gestalten in roten Hemden, den grauen Dolmans, die sie über die Schulter tragen, unb den schwarzen Schaftstiefeln. Eine Armee- Parade. Das Ganze nennt sicy Gedenkfeier für Ian Huh im Rahmen einesnationalen Sportfestes", wie die oberuauf der Burg den fremden Besuchern gegenüber r^cfen Auftakt zum Alls okol- kongreß nennen.

Früher Rachmittag. Die Sonne brennt aus tote Riesenarena, die in wenigen Monaten durch nagebeure Geldmittel aus alten verlassenen Stein- »TÜchen geschaffen worden ist. Schon der dritte §ag. StetÄ das gleiche Bild. Ununterbrochen flohen drei Riesentore die Massen aus, die dann j-u den Klängen einer Monstre-Militärkapelle turnen. Doch der an sich schon ungewohnte Zug riicksichtsloser, überspitzter Disziplin, der immer d-as Gefühl auskommen läht, hrer arbeitet eine inilitärische Truppe in Halbzivil, scheint heute «roch betonter. Die Fechtübungen mit dem Stab, o usgeführt von 20 000 Männern, bet sinkender Sonne tue Rellübungen von 600 Sokoln, die W [}Tei<b einem Kavallerieregiment über die Ebene o reschen, "betonte Zusammenfassung, Heber- M Leitung.

Auf der Präs idente ntribüne wieder Mas^xpk, neben ihm Denesch. Sichtlich nervöse Spannung n den Zügen des diplomatischen Routiniers, der bis jetzt als einziger Auhenminister feit Kriegsende am außenpolitischen Steuer zu halten ocrmochte. Forschend blickt er nach links und rechts, wo in den Rachbarlogen die fremden . i Diplomaten und Auslandsdelegationen sitzen. Der P deutsche, der österreichische und der ungarische ötfanbte fehlen. Sie waren durch die Kongreh- leltung brüskiert worden, die erklärt hätte, sie dsnke gar nicht daran, diese Herren und ihre ? Legierungen etnjutaben; da nahmen sie Dann n.idj die Einladung, die durch Herrn Denesch >och erfolgte, nicht an. Es fehlt aber auch noch V Jet Spanier, dem die schwarze Hikssitenfahne mit )em roten Kelch allzu antikatholisch vorkam, M und der Italiener bemüht sich, auch nicht zu rerhehlen, daß er nurseine offizielle Mission W.rfünt. Die Delegation der Munizipien und 5t rirporationen seines Landes fehlen gleichfalls. « 2Cuf Anfrage stellte man dies in der italieni- !<tzen Gesandtschaft ausdrücklich fest.

Surrende Propeller. Der letzte Akt hat be­ll gönnen: ..Gefechtsszene, vorgeführt von Truppen fa bet tschechoslowakischen Armee. An die 100 Flug- tj ic-uge, gestaffelt zu 5 und 10, tauchen am abend-

Amri ya muungu.

Don Georg Heß, Gießen.

Amri ya muungu. Ach wie oft habe ich mich mxbrenb meines langjährigen Aufenthalts in A-iutsch-Ostafrika über diese drei Wörtchen ge­ärgert, so daß sie mich heute noch verfolgen, tote nterin eigener Schatten. Ich war kaum drei Mo- loie im Land, da machte ich mit dieser fatalisti- d»cn Lebensphilosophie der Reger fast täglich 3«kamrtschast. Zerbrach mein Diener einen Teller ?b*r eine Tasse, dann war dies amri ya muungu, ranken tue Leute heimlich meinen Tee oder neinen Himbeersaft, stahl mir einer ein Stück reiner Wäsche, rauchte einer meine Zigaretten, & man mir den Zucker auf, vergrift man sich iiu meinem Mehl- ober Reisvorrat, alles war .a nri ya muungu".

Mit Leichtigkeit half es bem Reger über alle öchicksalsschläge unb sonstige Ereignisse hinweg. Wchte ein Morb geschehen sein, starb einer, Durbe er krank unb siech, verlor er im Spiel, er Streit mit bet halben Gattin, was sehr stt vorkam, muhte er hungern, verlor er sein Hab ;nut> Gut, alles aber auch restlos alles konnte :t imt amri ya muungu ertragen unb abtun. So nerfte ich eines Tages, bah meine Flasche Him- iearfaft seht rasch ihrem Enbe entgegen ging. Unb j? nehr ber Inhalt abnahm, befto bünner würbe Iw Saft. Es muhte mir also irgenbeine schwarze ft-rle beim Leeren ber Flasche mithelfen, unb hmit biefc liebevolle Hilfe nicht allzusehr in bie (lugen fiel, goß man stets etwas Wasser nach, lern in ber Diöel steht ja schon, laß beine Linke r.cht wissen, was beine Rechte tut. Der Verbucht, ft er Wohltäter zu sein, lentte sich auf meinen Wiener, benn er liebte es sehr, nachmittags in tatubeinem Eingeborenen-Cafs Süßigkeiten zu !»zu nehmen. Ich verlor über bie ganze Ange- ixmheit kein Wort, sondern ging in bie Apo- jade, kaufte mir hier ein gutwirkenbes Abführ- riftet unb mischte es bem Inhalt ber Flasche ä- Die Wirkung war einfach vetblüffenb. Als ich ünlich am andern Mittag nach Hause kam, mel­let* sich mein Diener krank.

Bana, ni mgonjwa sana"Herr, ich bin sih» krank".

So was fehlt dir denn?"

Nina Harra sana".Ich habe einen furcht- brat Durchfall"

llchen Himmel auf, manövrieren über bem Fest- platz. Während die Dlicke der Hunderttausenbe noch gebannt gen Himmel starren, hat das mili­tärische Schauspiel in der Arena selbst seinen Anfang genommen. In den beide n Ecken an der Westseite ist Infanterie aufgezogen, hat mit ihren Maschinengewehren Stellung genommen. Eine Kavalleriepatrouille galoppiert aus dem riesigen Mitteltor, bekommt Feuer. Eine Scha- dron folgt, fitzt ab, nimmt das Feuergefecht auf. Infanterie rückt nach. In das Tack-Tack der Maschinengewehre mischen sich dumpfe Schläge. Schwere Artillerie greift aus weiter Ferne ein. Handgranaten bersten krachend, zwischen den Flugzeugen am abendlichen Himmel Platzen Schrapnells und ziehen feurige Garben. Panzer- autos fahren auf. Schnellfeuergeschütze rattern. Das Schlachtenbild ist vollständig. Dald ist die Riesenarmee in Pulverdampf gehüllt. Rur durch die zuckenden Dlihe des Mündungsfeuers wird die Szene gespenstisch erhellt. Die 200 000 Men­schen ringsum sind in atemloser Spannung ver­sunken. Mit ihnen die Diplomaten, Offiziere, Zeitungsleute auf den Tribünen, wo Präsident Masaryl, der jetzt wieder an einerkonkreten Logik" schreibt und Dr. Denesch freiwillig die Rolle des europäischen Friedensapostels über­nommen hat, sitzen ...

Trompetensignale. Ende. Es liegt jene eigen­artige Stimmung über den Menschen, ein Gemisch von Staunen, Gedrücktheit und Stolz, vergebens nach Ausgleich und Ausdruck ringend, die allen Versuchen, sie zu zergliedern, trotzt. All­gemeine Erschlaffung, die eine Steigerung un­möglich erscheinen läßt.

Marschmusik. Wieder offnen sich die Tore unb speien Truppen aller Formationen. In­fanterie, Kavallerie, Feldgeschütze. Motormörser, bewaffnete Motorfahrer. Unb dann Erlösung. Drausende Rufe. Was sind die Degeisterungs- ftürme der letzten Tage gegen das Rasen ber Massen! Die jugoslavische Militärbelegation hat den Platz betreten. Ein Detachement der Del- graber Kriegsschule, ohne Marineabteilung unter Führung eines Admirals, eine kriegsstarke In­fanteriekompagnie in feldmähiger Ausrüstung. Alle Abteilungen geführt von einem General zu Pferde.

Run galoppiert er vor, trifft sich mit dem General ber Tschechen, beibe galoppieren weiter, ziehen bie Degen unb salutieren vor ber Präsi- bententribüne.

Tschechische und jugoslavische Märsche, bas Ganze ist in Bewegung. Defiliert in muster­hafter Ordnung imponiert!

Die Menschen um uns sind versunken. Hilf­los sucht die Erinnerung. Doch Iulitage 1914.

Unb bie Logen ba vorne beginnen eine be­redte Sprache zu sprechen. Die nervöse Spannung in Herrn Deneschs Gesicht ist sichtlicher Be­friedigung gewichen. Sir Clark, der englische Gesandte, er ist diesmal als Spezialgesandter des englischen Königs anwesend, kann sein Ver­ständnis für bas Schauspiel ba unten nicht ver­bergen, bemüht sich auch gar nicht. Wickham Steeb, ber slawophile Engländer, der bie großen publizistischen Attaken für bie Tschechen unb gegen bie alte Donaumonarchie geritten hat, nicht minder. Unb selbst ber Lorbrnayor von London scheint in diesem Augenblick zu ver­stehen, daß hier nicht ein Spiel um des Spieles willen gespielt wirb... Kein Zweifel, bie Tsche­choslowakei ist heute bie entscheibenbe Militär­macht Mitteleuropas. Mit Jugoslawien zusam­men stellt sie zwei Millionen Menschen jeben Augenblick ins gelb. Daß sie bies heute kann, darum haben sich bie Franzosen verbient ge­macht. Daß sie dies in Zukunft können wirb, wirb vielleicht einmal bas Verbienst ber Eng- länber sein. Run erst fällt uns auf: bie Fran­zosen sinb nur burch einen simplen Major ver­treten. Welch ein Wandel! Vor einem halben Jahre stellten sie noch den Generalstabschef der tschechoslowakischen Armee. Der Italiener fehlt, er wäre heute wahrscheinlich noch kühler als am Sonntag... Hinter mir erzählt ein Sokol, in Italien beheimatete Jugoslawen, Bewohner ber von Jugoslawen besiedelten unb heute zu Italien gehörigen Küstenstriche, bie ziM Allkosolkongreh

Oh, bu armer Kerl ,wie bebaute ich bich. Wie kommst bu beim zu solchen Dingen?"

Amri ya muungu", antwortete er mit trau­riger Stimme.

Klitsch klatsch zwei Ohrfeigen waren meine Antwort.

Dom Himbeersaft ist es, bu Schafskopf: ich habe ihn mit einem Abführmittel gemischt weil bu ihn ohne meine Erlaubnis weggetrunken hast."

Der Mann zog ein langes Gesicht, sah mich erstaunt an unb ging sofort toieber an seine Arbeit. Er war geheilt. Unb ich ich konnte bie rechte Hanb kaum noch bewegen, so wehe hatte ich mir an bem harten Schädel bes Diebes getan.

Ein anberes Mal trug sich solgenbes zu:

Ich hatte mir einige Pfund Würfelzucker gekauft, bie ich für Dienstreisen zurückstellen lieh. Monate vergingen, bis ich ihn enblich benötigte. Als ich ben Auftrag zur Ausführung einer län­geren Reise bekam, rief ich meinen Koch unb meinen Diener herbei, um mit ihnen zu beraten, was ich als Dorrat noch alles antaufen müsse.

Reis, Mehl, Essig, Oel, Salz unb Zucker," sagte ber Koch.

Zucker? Zucker muß doch noch genügenb vor­handen sein."

Beide suchten eifrig in den Koffern und Kisten herum. Richts war zu finden.

Ihr wißt doch, den Zucker, den ich vor etwa zwei Monaten kaufte unb ben ich zurückstellen ließ."

Ja, ich weiß es," sagte ber Diener.Ich habe ihn hier in biefe Kiste gestellt."

Beide suchten nun eifrig in ber fraglichen Kiste. Richts wurde gefunden.

Wo ist ber Zucker hingekommen?

Deide machten sich gegenseitig Dorwürfe unb warfen sich alle möglichen Schmeichelnamen an den Kopf.

Sag es doch enblich" ermahnte ber Koch den Diener.

Sag es doch enblich" ermahnte ber Diener den Koch.

Der Koch meinte bann schließlich daß viel­leicht ber Teufel hier seine Hand im Spiele habe. Doch bannt war ber Diener nicht einverstanden, denn er kannte meine Ansicht über den Teufel zu genau. Er schilderte noch einmal ausführlich wo, wie und wann er den Zucker verstaut hatte.

Hier in diese Kiste, in diese Ecke habe ich ihn gelegt. Es war an einem Samstag. Unb jetzt ist er nicht mehr da."

wolllen, seien an ber italienischen Grenze von Detektiven feftgenommen und wie Dcrbrechcr zu- rückbesördert worden. Politik!

Auf den Gesichtern der Offiziere. Diplomaten und Zeitungsteute ein Ausdruck, sie alle haben verstanden. Rur Aerger, Zurückhaltung und Wohlwollen verursachen interessante Ruaneen.

Im Herbste aber wird Herr Dr. Denesch wieder in Genf im Dund der Dölker vom Frieden sprechen...

Reist nach Tirol!

Der Rame Tirol ist vom Drenner südwärts verschwunden, gewaltsam ausgemerzt.Alto Adige", Oberetsch, so heißt das Land Andreas Hofers. Unb ebenso sinb alle bie uralten kern­deutschen Ortsnamen vertoelscht, alles Deutsch- Historische unterdrückt und durch nichtssagende Wörter erseht. Wer erkennt das trauliche Ster- zing in Dipiteno, Klobenstein in Collalbo, Sig- mundskron in Ponte Adige, St. Ulrich in Ortisei? Piazza Dittorio Emmanuele!

So schnell wie die Stations- und Firmen­schilder ist freilich das Wesen eines Dolles nicht umgekrempelt. Unwillkürlich hört auch der Schaffner, meist einer ber zweisprachigen Tren- tiner, ehemaligerIrredentist, auf das bekannte Wort, wenn der Reisende nach Waidbruck oder Gossensah will, und alle mitreifenben Lanbes- kinber freuen sich! Ueberhaupt ist es diesen immer eine Freude, Deutsche bei sich zu sehen, und zutraulich sprechen sie sich aus, wenn sie verwandte Gesinnung spüren. Rirgends ist der deutsche Gast freundlicher bewillkommnet und besser aufgehoben als in einem noch von deutschen Tirolern oder Oesterreichern geführten Gasthof oder in einem gediegenen Dürgerhause. Welch interessante Studien an Land und Leuten, an allen Sillen unb alter Kunst kann man da machen, unter Leuten, die sich selbst mit doppelter Kraft auf die alte Geschichte und Kultur ihres Landes besonnen haben und sich der Teilnahme der Volksgenossen aus dem Rorden doppelt freuen.

Ein besonderes Kapitel sind die Schulen. Die prächtigen deutschen Schulen in Dozen, vom Gelbe ber deutschen Bürger erbaut, müssen sich nach italienischen Prinzessinnen, Mafalda, Elena ufto. nennen, mit Riesenbuchstaben über bem Tor. Unb drinnen zwingt der italienische Lehrer die Kinder zum faszistischen Gruß unb belehrt sie über bie Großtaten ber Ration im Welt­krieg unb bie jetzigen desDuce, und bie deutsche Sprache wird in jeder Weise unter­drückt. Aber die Mutter zu Haus lehrt die Kinder deutsch lesen und schreiben unb beutsch beten. In den Läden, in ben bürgerlichen Gast­häusern ist alles deutsch wie vordem. Sie sprechen das kräftige rauhe Deutsch ber Alpenlänber, bajuvarifch anklingend, unb sie freuen sich über die Besucheraus dem Reich". Die Menschen, die Häuser, die Straßen, so reinlich, so freundlich, so gemütlich, so einfach unb gediegen, wie deutsch ist das alles! Hier hört man nicht Schreien und Zanken auf ber Gasse. Was italienisch spricht sinb Arbeiter, bie massenhaft angefiebelt worben sinb, unb ihre Kinber, bie sichs wohl sein lassen in hübschen Häusern, in den sauberen Park­anlagen. Mögen sie immerhin: es sinb gutmütige Menschen, unb sie haben schone Kinber. Aber unwissend sind sie zum Erbarmen. Was auf sich hält in Bozen, Kleinbürger, Weinbauer, Kauf­mann, Beamter, das ist beutsch unb spricht nur deutsch. Wie bie Bevölkerung empfindet, das hat sich kürzlich gezeigt beim Heimgang des letzten" Bürgermeisters Dr. Jul. Perathoner, des ausgezeichneten deutschen Mannes. Richt ohne Gegnerschaft, besonders von klerikaler Seite, war der liberale Führer geblieben während seiner 26jährigen Amtswaltung. Im nationalen Unglück war das alles vergessen, er war ber Vorkämpfer ber deutschen Sache. Am 20. April bieses Jahres trug man ben Sechsunbsiebzigjährigen zu Grabe. Ein ganzes Voll schritt hinter seiner Dahre", schrieb derDolksbote", unb bas war keine Uebertreibuhg, ganz Tirol hatte seine Vertretun­gen gefenbet. In langer Reihe folgten auch bie Frauen der Stadt, darunter solche der hohen Aristokratie des Landes. Die imposante Trauer-

j-tuag, io.puli (926

funögebung war ein Treuschwur, das Bekenntnis eines ganzen Volles zu seinem Dollstum.

Der Deutsche aber, ber nach Südtirol kommt, darf sich sagen, bah er schon durch sein Er­scheinen, seine Sprache, sein 3n:ereffe daä Deutsch­tum stärken Hilst, unb bie wunderbare Schönheit des Landes, mit den herrlichen Bergen unb mit der von den Bergen herab redenden, bald zweitausendjährigen deutschen Geschichte wird ihm das Herz bewegen, das Bewußllein der Un- zerreihbarkeit von Rord und Süd deutschsprachi­gen Landes in ihm aufs neue en'zünden. Dr. F. Entwicklung des Bolschewismus.

Man hat der Herrschaft des bolschewisti­schen Systems schon nach einem Jahre ihres Be­stehens ein baldiges Ende voraus gesagt. Aber sie besteht heute noch). In seiner Weltorgani­sation ber 3. Internationale lämpft ber Bolsche­wismus um Errichtung seiner Weltherrschaft. Unter den Mächten des europäischen Konti­nents hat er seine meisten Sendlinge in Deutsch­land. Mit den lommuniftifden Reiwstags- abgeordneten hat er ebenso viele Vertreter unb Bevollmächtigte im deutschen Parlament. Man kann heute kaum mehr behaupten, daß über die Zustände in Sowjetruhland zu wenig Berichte von Augenzeugen vorliegen. Trotzdem ist das Gefühl der Unsicherheit in der Kenntnis Ruh­lands ebenso groß wie das der Unsicherheit in Handel und Verkehr mit Sowjetrußland. Ist Bolschewismus gleichzusehen dem Kommunismus? Ist er eine rein geistige Bewegung? Ist er heute noch in ber Tat das, als was er sich ausgibt? Warum ist seine Herrschaft nvch nicht zusammengebrochen? Diese und Dutzende ähnliche Grundfragen drängen sich uns heute immer noch auf. Unter den Hunderten von Veröffentlichun­gen über das Land und fein Regierungssystem lassen sich solche auf das Wesen eingehende an den Fingern einer Hand abzählen. Vielleicht die sachlichste und bei mäßigem Umfange zu­gleich umfassendste Behandlung bietet das neueste Sonderheft derSüddeutschen Monats­hefte" (München)Entwicklung des Dolschewis- mus". Warum begreift gerade ber vorwiegend wirtschaftlich denkende Mensch bei uns nicht die hinteren Gründe der großen Wirtschaftsstockung bei uns und im ganzen übrigen Europa? Weil er nicht beachtet, dah Europa seit dem Weltkrieg in seinen natürlichen und geschichtlichen Absatz­gebieten nicht nur neuen Industrien, sondern auch neuen Menschen und Ideen gegenübersteht, vor allem im Osten.

Tiefschürfend untersucht nun die neue Ver­öffentlichung zunächst die Entwicklung des Bol­schewismus aus dem ganzen geschichtlichen Auf­bau der russischen Gesellschaft und Äuftur her­aus, bie ja wir erinnern nur an das Fehlen eines eigentlichen Bürgertums so grundver­schieden ist von ber westlichen. Die räterussische Wirtschaftspolittk bleibt eines ber packendsten Studiengebiete, namentlich der Kampf des Bol­schewismus gegen seine drei mächtigen Feinde, das internationale Kapital, ben inneren Markt unb den nüchternen Verstand der russischen Dau­ern. Rußlands Inbustriewirtschaft im besonderen berührt nach bem Abschluß bes beutsch-russischen Vertrags unsere eigenen wichtigsten Absatz- Probleme. Wir finden hier auch bie neuesten, genauen Zahlen über ben Deschäftigungsstanb unb bie Löhne der russiscben Arbeiter und über bie Verteilung ber verschiedenen Industrien auf die vier Unternehmungsformen, nämlich die rein staatliche, die genossenschaftliche, private und ge- mischt-wirtschaftliche. Ein sachlicher fesselnder De- richt über die Lage ber Wissenschaft in Rußland berichtigt viele übertriebene und falsche Ansich­ten, bie durch wissenschaftliche ober politische Propagandareisenbe sich bei uns festgesetzt ha­ben. Rach ben Originalberichten ber Komintern ist in einer bemerkenswerten Zusammenstellung die Weltlage im Spiegel der 3. Internationale toiebergegeben. Aus einer Reihe kleinerer Ab­handlungen zum Thema sind besonders die Ent­hüllungen zur Ermordung bes beutschen Dot- schafters Grasen Mirbach hervorzuheben.