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Aus dem Reiche der Frau.
Die Frau auf Reifen.
alleinreisende Frau ist heute kein auffälliger Typ mehr und kann sich überall belegen ohne teils als Wunder, teils als zweisel- hafte Erscheinung angesehen zu werden. Trotzdem begegnet man noch oft genug Geschlechtsge- nofsinen, die in ihrem ganzen Gehaben erkennen lassen, daß ihnen die Kunst des Reisens noch nicht recht vertraut ist und daß fie sich in ihrer Selbständigkeit nicht besonders behaglich fühlen. Schon im Eisenbahnwagen erkennt man sie an ihrem Reisefieber und an vielen kleinen unangenehmen Einzelzügen, die oft nur durch ihre Nervosität ans Tageslicht treten, aber nichtsdestoweniger den Mitreisenden recht lästig werden können. Dor allem aber stärken sie die ungünstige Meinung gegen die reisende Frau, die doch hie imb da noch gegen sie besteht, wenn man sie auch unbehelligt läßt. Die folgenden 10 Reisegebote sollten gerade alleinreisende Frauen beobachten: 1. Du darfst im Abteil nicht unablässig hin- und herlaufen. 2. Du sollst nicht beständig mit den Gepäckstücken jonglieren. 3. Du sollst nicht ununterbrochen essen, weil das nicht ästhetisch wirkt. 4. Du sollst nicht so laut sprechen, daß Mitreisende im Lesen oder Schlummern gestört werden. 5. Du sollst nicht mit Menschen, die Zurückhaltung zeigen, Gespräche beginnen. 6. Du sollst andere nicht ausfragen, und nicht jedermann deine Lebensgeschichte erzählen. 7. Du sollst nicht immer an deiner Kleidung basteln. 8. Du sollst nicht Zank mit den Rachbarn oder mit dem Schaffner beginnen. 9. Du sollst nicht auffallend gekleidet sein und leinen lauten Schmuck tragen. 10. Du sollst nicht das ganze Gepäcknetz für deine Koffer beanspruchen.
Das Reisegepäck! Das ist immer ein schwieriges Kapitel für die Frau. Rimmt sie zu viel mit, hat sie sich eine hemmende und verteuernde Last aufgeladen, nimmt sie zu wenig mit. macht man es ihr auch zum Vorwurf. wenn sie aus Knappheit nicht immer „richtig" angezogen ist. Darum: lernt Koffer packen! Das ist ein wesentliches Moment des Reisegenusses. Die Engländerin, die erste „alleinreisende Frau" ist darin Meisterin. Ich kannte eine mondäne Engländerin, weitgereist und erfahren, die in einem Handkoffer, mehr nahm sie nie mit — eine unglaubliche Fülle schöner Toiletten barg, in dem sie alles wickelte und rollte. Eine Handtasche daneben ist unentbehrlich, sie enthält Radelzeug, Pantoffeln, Reisenähzeug, die kleine Reiseapotheke, ein leichtes seidenes Rachmittagsklsid, und macht uns vom gröberen Handkoffer unabhängig, den man auf der Dahn läßt, will man nur Tage in einer Stadt bleiben.
Wie aber packen, wenn man ins Gebirge, oder ans Meer gehen will, leicht und praktisch packen und doch alles mitnehmen, was man man dort braucht? Wer ans Meer geht, wird Bademantel, Anzug, Schuhe, Bücher usw. vor- auSschicken, in Postschachteln. Es entlastet und ist billig. Eine Dame braucht am Meer einen weihen Rock, bunte Wolljacke, den Jumper, ein Rach mittags- und Abendkleid — der warme Flauschmantel wird vorausgeschickt — den dicken Pelzmantel ersetzt der Woll- oder Seidenschal, er ist modern, kleidsam und praitisch und nimmt wenig Platz weg. Anentbehrlich ein leichter Regenmantel oder Cape, welches über den Arm mitgenommen wird. Der moScrnc Schirm ist am Griff abschraubbar, wird im Handkoffer untergebracht. Ein Entoutcas, der den Sonnenschirm ersetzt. Ein weißer Stock für die Spaziergänge geht auch meist noch in den Koffer, sonst hängt man ihn an den Ann, Wäsche nimmt man höchstens zwei Stück jeder Sorte mit, ehe man sich mit soviel Wäsche schleppt. Man hat jetzt reizende leichte Crep° und Seidenwäsche, speziell zur Reise, diese ist unterwegs rasch ausgewaschen und kann ungeplättet getragen werden. Zu vermeiden sind duftige Kleider und Waschblusen, die zwischen Seidenpapier tadellos verpackt werden müssen und viel Raum wegnehmen. Alles an Toilettensachen, vom Handspiegel bis zur
Drennschcre. bei Reisemappe bis zum Pantöf- selchen. muh leicht und zierlich sein. - Wer ins Gebirge gehr, tut gut. zugunsten solider, warmer Lachen auf Abwechslung und Eleganz zu verzichten. Schicke Wollkleider für den Tag. ein leichtseidenes für den Abend zur Tafel, ein modernes Jackenkleid mit hellem und dunklem Trikotjumper, Wolljacken. Regenmantel. And nun die Schuhe. Anentoehrlichcs. schweres Gepäck. Fürs Meer kommen weihe Strandschuhe, hohe Lederstiefel für Regentage. Tanzschuhe. HauS- pantoffeln, fürs Gebirge zwei Paar solide Wanderstiefel. Hausschuhe und ein leichter eleganter Schuh in Betracht Bei allem was die Dame einpackt, sehe sie darauf, daß die Stoffe nicht knittern, dah sie sich rollen lassen, sie geize mit jedem Gramm Gewicht, frage sich bei jedem Stück, ob sie es unbedingt nötig bat. Und fie scheue die Mühe nicht, sich öfters unterwegs durch Senden von Postpaketen sich überflüssiger Dinge, eingekaufter Geschenle usw. zu entledigen. Es macht soviel aus. wie man reift! Hat man leicht gepackt und alles sorglichst überlegt, ob man s auch braucht, so bat man gleich die gute Reiselaune mitgepackt Was man aber mitnimmt, soll modern, schick und - einfach sein. Das gut geschnittene Jackenkleid mit passendem Hut und Jumper ist unentbehrlich. Man wird überall darin erscheinen können, allzu auffällige Eleganz vermeide man. S. H.
Das Kinö und die Erwachsenen.
Don Rudolf Paulsen.
Zwei Extreme bezeichnen den Grundfehler im Derhältnis zweier Welten, der Welt der Erwachsenen und der Welt des Kindes: Entweder die Erwachsenen gebärden sich kindisch oder das Kind gebärdet sich erwachsen. Auf der einen Seite Ammensprache und Affenliebe, auf der andern frühreife Schnoddr-.gkeit und die Allüren der Groben, die einem Kinde so abscheulich zu Gesicht stehen.
Immer wieder inuf} betont werden, dah trotz der etwas fliehenden, nicht auf Monat und Tag zu bestimmenden älebergängc vom Kind- zum Crwachsensein die zwei ^Welten der Kindheit und der Erwachsenheit sich wohl berühren, aber niemals ineinander aufgehen können. Der Erwachsene hat gar nicht die Möglichkeit, naiv wie das Kind zu sein (versucht er es, wird er albern!), das Kind wiederum steht der Welt seelisch ganz anders gegenüber als der Erwachsene, auch dann noch wenn es ihn kopiert.
Wer das Derhältnis richtig durchschaut, der wird daher eher „neben" als „mit“ den Kindern zu leben versuchen, auch wenn er mitten unter ihnen ist. Mit Kindern können letzthin nur Kinder leben. Der Erwachsene ragt immer etwas fremd in die Kinderwelt hinein, im günstigsten Falle als ein freundliches Ungetüm. Es kommt das hauptsächlich daher, weil die Kinder von zwei Grundtatsachen, die das Leben der Erwachsenen erschüttern, nichts wissen: von der Liebe und vom Tode. Sie verstehen weder die Leidenschaft der Geschlechterliebe (Ser Eros der Kindheit ist ein ganz anderer) noch die Allun- barmherzigkeit des Todes. Sie sind also in dieser Unkenntnis und Unbewuhtheit in gewissem Sinne dem Sier noch näher als dem erwachsenen Menschen des Abendlandes (ohne dah ich damit die Kindheit im mindesten entwerten will). Denn diese Unkenntnis der Leidenschaft und des Todes ist ja zweifellos ein hohes Glück, macht geraSe daS aus, was uns an der eigenen Kindheit unS an der unserer Kinder entzückt. Warum waren wir glücklich? Weil wir von Tod und Liebe nichts wuhten.
Mit der Geschlechtsreife fängt das „Unglück" in der Regel an. Wie Tod und Liebe überall in seltsamer Weise mystisch verbunden sind, so dämmert die Ahnung des Todes als einer anderen denn nur Märchenwirklickkeit dem Kinde auf, wenn es in der Pubertät ist. Darum eben hat es dann seine sentimentale Epoche.
Diese Epoche pflegt denn auch für die Erziehung hie kritischste zu fein. Und hier gilt es
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für den Erwachsenen, den allcrfeinsten Takt zu zeigen, um den Ucbcrgang kich latastrophenlos vollziehen zu lassen. Wer die Unterschiede der zwei Wertwelten. der des Kindes und der der Drohen nicht kennt, der muh dann ins Pfuschen geraten.
ES ist auherordentlich schwer, den Augenblick abzupassen, von dem an man von der zwar tiefen, aber märchenhaften, wenn schon nicht unwahren Aufklärung-weise zur sachlich-rationaft- stisch.n überzugehen bat, wann man wagen darf und muh. Sem Kinde aus dem eigenen Leben zu erzählen, ohne dieses irgendwie inS Heroische und Engelgleichc zu steigern, kurz, wann dem Kinde der Glaube an die sremde Gröhe der Erwachsenenwelt zu zerstören ist, ehe es ihn selbst noch viel gründlicher zerstört.
Stickerei und Mode.
Don Leni W ü st.
Die letzten Modevorführungen zeitigten ein starleS Hervortreten der handgearbeiteten Spitze und Stickereien. Matt kann getrost sagen, wieder einmal greift die Mode zur Handarbeit, überträgt sie auf Seide und andere Stoffe, um einen AuSputz des Kleides zu schaffen. Es ist noch nicht allzulange her. da florierte das gestickte Sommerkleid in allen möglichen Daria- lionen. Man stickte weih in weih, aber auch bunte Ranken, der Ratur abgelauscht, oder verschlungene Ornamentik belebten die Kleider Damals mären eS meist Waschvoile- und Leineu- klcider. die so verziert wurden. Man stickte mit waschechtem Garn, und fleihige Hände verbrachten langweilige Wintertage damit, sich den ganzen leuchtenden Frühling ober Sommer ins Kleid zu zaubern. Auch Wollkleider wurden mit bunter Wollstickerei verziert, welche mitunter einen recht malerischen Effekt auf den meist leuchtenden Unifarben der Kleider bildeten Man stickte, Stilstich, Spannstich, Blattstich, Kreuzstich, und wie all die verschiedenen Stichstilarten heißen mögen. Wie schön waren auch immer die toeitärmcligen, am Hals gefmodten Dulgaren- blufen! Diese Blusen sind nun dem Jumper und Pullover gewichen: letzterer ist ja schlieh- lich auch als Handarbeit zu bezeichnen und her- zuftellen. Schon damals begann man mit Ausdauer und Ehrgeiz Jumper zu häkeln und zu stricken. Run stehen wir bei dem Jumpertleid und siehe da. auf einmal beginnen sich über Kragen, Manschetten und Täschchen gestickte Linien, Blumen und Ornamente zu ranken. Gin Auspuh, der dem Kleid eine gewisse persönliche Rote verleiht. Don der Perlst ickerei der QlbenS- kleider schon gar nicht zu reden, die durch die Dallsaison ihren schimmernden Glanz trugen.
Die Handarbeit als solche, sei es Stickerei oder Spitze, macht sich immer einfluhreicher im Modebild bemerkbar. Früher arbeitete man Filetspihen für Kleider und Blusen, jetzt ist es mehr eine Art Madaira, ziemlich grohge- mustert, die man entweder zum Kleide passend einfärbt, ober im Cremeton zu fontraftierenben Wirkungen benutzt. Dielfach werden auch Spitzen aus ganz schmalen Lihchen in Mustern zusam- mengenäht, eine äußerst schwierige Handarbeit, die viel Fertigkeit verlangt, aber deren Erfolg die Mühe belohnt. Diese Art Spitzen zählen zu den beliebtesten und verleihen der Toilette ein ungemein kostbares dekoratives Aussehen. Man stickt auch ganze Spitzenrnuster in die Kleider mit geschmackvollem Raffinement Cs gibt Spitzen, deren Grund wie ein gehäkeltes Reh wirken und die auf diesem Grunde aufgenähte. sich oft plastisch abhebende Blumenornamente zeigen. Diese Spitzen werden durchweg zur Rockausschmückung und Erweiterung, oft schürzenartig angebracht, verwendet Das Spiel der Linien wird in diesem Fall zum belebenden, künstlerisch gestaltenden Moment, die Ornamentik der Stickerei oder Spitze zum modewichtigen Faktor erhoben. Man beginnt sogar Tasfetmäntel zu beftiden,, von den seit jeber und in Zukunft stets beliebten Kimonos beeinfluht. Run gilt es, neue phantastische Muster und Farbenspiele
zu erfinden unb lo die Modeparole .Stickerei und Spitze" als angewandte Handarbeitskunst aui die Kleider zu übertragen!
Erste Hilfe im Haushalt.
Von Louise Schupp, München.
In icbem Haushalt, besonders wo Umber sind, gibt es im Laufe des Jahres eine '.Reihe kleiner Per- lehungen, die, nicht richtig behandelt, durch Infektion sich leicht zu einem großen Unglück entwickeln können. Dank der Volksaufklärung find wir übet die Zeit hinaus, in der man auf blutende Wunden eine staubige Spinnwebe legte, auf Bienenstiche Gartenerde mit ihrem gefährlichen Starrkrampfbazillus, Schnitte mft Briefmarken oder gar Zeitungspapier verklebte, Scharpie aus abgelegten Wäschestücken zupfte und irgendeinen alten Lappen zum Verbinden eines verletzten Fingers nahm.
In jedem Haushalt, selbst in dem bescheidensten, sollte sich ein Päckchen Berbandwatte und Verbandmull beslnden. Diese werden nur nicht richtig aufbewahrt. Angegriffene Wattepäckchen muffen sorgfältig wieder verschlossen werden, nochmals in iaube- res Papier gewickelt und am besten in eine Blechdose zusammen mit Mullbinden und einem Perbandpflaster aufbewahrt werden. Niemals lege man auf eine blutende Wunde, und wäre sie auch noch so Hein, Berbandwatte oder Verbandmull, die man berührt hat. Kleinere Verletzungen — Schnitte und Stiche — verbindet man am besten mit Leukoplast- Schnellverband Gebrauchsanweisung steht auf jedem der kleinen billigen Brieschen. Blutende Wunden wäscht man nicht aus. Durch das Brunnenwasser können leicht Bakterien hineingeraten. Desinsipe- rende Flüssigkeiten kann eigentlich nur der Arzt richtig anwenden, da sie sorgfältig dosiert werden müssen. Ist die Lösung zu schwach, nützt sie nichts: ist sie zu stark, so werden zwar die Bakterien ner- nichtet, aber auch zur Heilung notwendige (Beine. zellen. Man legt unberührte Berbandwatte auf die Wunde, bei kleineren Verletzungen gleich darüber einen festhaltenden Pflasterstreifen. Hierzu eignet sich ebenfalls das Leukoplast in Rollen, Sos durch lerne Klebekraft und feine gute Stoffunterlage den Verband nicht nur festhält, sondern auch für eine längere Zeit, während der die Heilung erfolgt, zum Daueroerband macht.
Verbindet man nur mit Watte und Mullbinden, wie es meist üblich ist, so besteht häufig die Gefahr, daß der Verband sich lockert, das; er verloren geht und die Wunde verunreinigt wird. Auch das öftere Abnehmen des Verbandes stört die Heilung. Ein guter Pflasterverband widersteht heißem und kaltem Wasser und kann eine dis zwei Wochen liegen bleiben, und in dieser Zeit ist die Wunde dann sicher geheilt. Ist ein Fremdkörper ein- gestoßen worden, z. B. ein Splitter oder eine Nadel, so versucht man, ihn mit einer Pinzette zu entfernen, die man vorher durch Auskochen in Wasser — zirka fünf Minuten — keimfrei gemacht hat. Solche Pinzetten bekommt man schon für 10 bis 20 Pfennig; eine solche sollte in der Verbandbiechbüchse nlait fehlen. Gelingt es nicht, den Fremdkörper zu entfernen, so muß unbedingt der Arzt aufgesucht werben, da sonst Eiterung eintritt. Sehr stark blutende Wunden, besonders solche, bei denen hellrotes Blut im Strahl ausspritzt, erfordern schleunige ärztliche Hilse. In diesem Falle ist nämlich eine Schlagader verletzt. Damit der Patient sich nicht verblutet, muß bi» zum Eintreffen des Arztes die Blutung durch Abdrücken der verletzten Ader gestillt werden, und zwar bei Verletzungen an Kopf, Gesicht, Hais, Brust, Schulter und Rücken durch festes Einstopfen von unberührter Berbandwatte in die Wunde und Auflegen eines Druckverbandes. (Auf die gut geschlitzte Wunde wird ein größeres Geldstück oder etwas Aehniiches fest aufgebunden.) Bei Armverletzungen bringt man durch Umklammerung des Oberarmes direkt unter der Schulter die Blutung zum Stillstand und schnürt dann mit einer elastischen Binde (Hosenträger) ab, ober man nimmt eine feste Schnur, die man mit einem Schlüssel zusammendreht. Bei Bein- Verletzungen wird die verletzte Ader durch festen Druck der Faust in der Mitte der Schenkeloeuge gegen den Beckenknvchen abgedrückt; dann Abschnüren oberhalb der Wunde, solche Abschnürungen dürfen aber nicht zu lange Zeit dauern.
Und was ist es jetzt?
Don Fritz Müller- Partenkivchen.
Zu Pftngften hatte der Fritzel von seinem Allgemeinen Baukasten für Kinder, zur Errichtung von sieben verschiedenen Gebäuden und bestehend aus 94 Stücken nur mehr ein Stück, ein einziges rotes Sandsteinklötzchen. Das war alles.
Richt als ob er deshalb betrübt gewesen tväre. Daß die andern 93 Stücke verschwunden waren. daS war ein Schicksal. Unb mit einem Schicksal findet sich ein richtiger Junge ab. Wozu auch heulen? Das eine Klötzchen war ja ganz genügend. Eben kam er mit feinem Klötzchen an meinen Schreibtisch gewackelt und stellte es an ben Rand meiner Schreiberei. „Du Papa", sagte er vertrauensvoll, „du Papa, was ist das?"
„Ein roteS Sandsteinklöhchen, Fritzel", sagte ich wahrheitsgemäß.
..Rur?" sagte er erstaunt und verzog den Mund em wenig.
®a erkannte ich. daß ich eine dumme Antwort gegeben hatte. Den Federhalter legte ich hin und sah tn Fritzels Augen. Eine ganze Welt schillerte darin von dem. was dieses rote Sandsteinklöh- chen unter Umstanden alles fein konnte, sinter ilmftänöen!
Allo tat ich ihm den Gefallen. Denn die Um- stände waren da. Greifbar glühten sie auf seinem erwartenden Gesichtlein.
Entschlossen drehte er da« Klöhlein um. Jetzt stand es umgekehrt.
. Und was ist es jetzt?" fragte er zuversichtlich. Einen geschwinden Blick tat ich in Fritzels Augen. Da stand ein Tor darin, ein wunderschönes Tor mit einem kühnen Bogen.
„Jetzt?" sagte ich und prüfte das armselige Klöhlein von allen Seiten, „jetzt ist es ein Tor. ein feines Tor." '
..Jawohl, ein Tor!" rief er und klatschte be- befriedigt in die Händchen. Es war gar fein Zweifel, er sah das Tor.
Rachdem er sich an den, Tore sattgesehen batte, legte er daS rote Klötzchen seitwärts auf das Tintenfaß.
„Und was ist es jetzt. Papa?" fragte er erwartungsvoll.
„Jetzt ist es gar em Burghof", sagte ich erstaunt. Aber er war gar nicht erstaunt, durchaus nicht. Er sah ja den Burghof wirllich vor
und bestehend aus 94 Stücken." jämmerlich geschlagen.
Dann vergingen Jahre, und ich hatte die Geschichte längst vergessen. Dis eines Tages unser Mädchen In die Stube kam und sagte
„So. jetzt habe ich dem Herrn Fritz — (Herr Fritz! Er ging damals schon in die Mittelschule) — seinen SonntaAsanzug wieder ausgebügelt. und da hab ich in Ser Tasche des da g'fundn. gnä’ Frau "
Und dabei hielt sie meiner Frau ein viereckiges Klötzchen hin.
„Geben Sie her. Anna." sagte ich. „dies Ding will ich behalten."
Dann habe ich's auf meinem Schreibtisch in eine verschwiegene Ecke gesteift. Und als ich es einmal lange ansah, habe ich ein Märchen daraus machen wollen. Ein Märchen für die Leute
Aber es ging nicht. Denn ich erkannte, daß es gar kein Märchen war. sondern Wirklichkeit, haarscharfe Wirklichkeit: Das rote Sandsteinklöh- chen war das Leben, war mein Geben. Jetzt liegt mein Leben so — was ist es? Ein Kloh. nichts weiter.
Run leg ich's so — was ist es jetzt? Ein Tor, ein Tor. ein großes offenes Tor.
Run liegt es wieder anders — was ist eS jetzt? Eine Drücke, eine Drücke, eine Drücke über einen großen Graben. Run paß auf, nun leg ich s auf dies Duch, auf ein Werk, auf daS die Sonne scheint — nun sag. was ist es jetzt.
Ein Königsschloß, rufst du. ein KönigSfchloß! Und deine Augen leuchten gerade so. wie damals Fritzels Augen.
sich stehen, und seine Augen glänzten. So. letzt hatte er sich sattgesehen an dem Durghof. Gnt-- schlossen stellte er daS glatte Klötzchen von der vierten Seite mitten auf meine Schreibarbeit
„Und was ist es aber ;eht?" fragte er
Wieder sah ich ihm in seine Aeuglein. Da sah ich. daß es ein Königsschloß war, ein richtiges KönigSfchloß mit Türmen und mit Wällen, mit Gräben und Trompetern und mit einer golSenen Wetterfahne obendrauf.
„Rein, jetzt so was. Fritzel," sagte ich. „jetzt ist es ein Königsschloß, ein wunSerschönes Kö- . nigsschloß."
,.O1). ein Königsschloß", sagte er still und seine Augen leuchteten. Da aber war fein kleiner Drüder Hanfe! aus dem Rebcnzimmer herein- gerutscht.
„Wo is Dönigsschloß ? Wo is Dönigsschloß?" rief er und wollte feinen Anteil an dem Schlosse.
Stumm zeigte der Fritzel auf das rote Klötzchen.
„Os gar nit, is gar nix." erklärte Hansel roh. Er sah eben noch feine Königsschlösser und ich- ach ja. ich sah sie nicht mehr Dazwischen stand der Fritzel, der sah sie echt und wahrhaftig.
„Der Hansel soll 'nausgehen." erklärte Fritzel. Da ging der Hansel, der so blind war. das; er nicht mal Königsschlösser sehen konnte, halb rutschend, halb geschoben aus deS Daters Stube.
Und darinnen blieb der Dater mit dem Fritzel. Und es war an jenem Rachmittag an die Schreiberei gar nicht zu denken. Denn immer wieder stellte der Fritzi seinen roten Daustein anders, einmal grad und einmal schief, einmal auf ein Duch und einmal gar noch untern Schreibtisch. Und immer wieder kam die nimmermüSe Frage:
Und was ist es jetzt. Papa?"
So kam es. dah der König reihum ein Ofen wurde, eine Dank, ein Stuhl, ein General, und eine feindliche Armee, ein Schubkarren und eine Lokomotive, ein Wald und eine rote Alpenhütte.
gibt keinen Baukasten in der ganzen Welt, aus öcm nur halb so viele Bauten auszuführen waren. Der von den 94 Stücken übrig gebliebene Daustein hat den
»Allgemeinen Baukasten für Kinder.
Zur Errichtung von
7 verschiedenen Gebäuden
Für die Küche.
6ül8e.
®in Pfund Rindfleisch und ein Pfund frisches Eisbein mit Wurzelwerk. Zwiebeln. Gewürz. Ef'ig weichkochen: erkaltet schnelSet man das Fleisch in Würfel, und gießt Brühe durch ein Haarsieb, läßt sie einige Zeit stehen, damit sie skch klärt, nimmt das Fett ab und gießt die Drühe behutsam in einen Kochtopf, so dah der Sah zurückbleibt. schmeckt ab. fügt daS noch Fehlende dazu und gieht durch einen Musselinbeutel die Brühe über daS Fleisch, läßt alles nochmals aufkochen. ®en Boden einer tiefen Schüssel mit Zitronen- I !A?*n. E'sigbohnen, Salzgurken belegen, einige Löffel Brühe darauf füllen, festwerden (affen; I
mit einem Schaumlöffel da« Fleisch tn die Form legen, die erkaltete Drühe darüber gießen. Zum Gebrauch stürzen, mit Remouladensauce reichen.
Leber-Kartoffeln.
Dreiviertel Kilo Kalbsleber wird in wenig Wasser, etwas Salz und Suppengrün eine halbe Stunde gekocht, dann herausgenommen, von Haut und Sehnen befreit und seingehackt. In einer Kasserolle läßt man Butter zergehen, gibt die Lebermasse nebst der feingehackten Zwiebel sowie die Leberbrühe dazu und läht gut durchdünsten ilnterbeffen hat man einen Suppenteller voll Kartoffeln in der Schale gekocht, abgezogen und gerieben, vermischt sie nebst vier zerquirlten Eiern und zehn bis zwölf Tropfen Maggis Würze mit der Lebersauce, schmeckt nach Salz und Pfeffer ab, füllt die Masse in eine mit Butter ausgcr- ftreute Form und läht im Ofen 30 bis 35 Minuten baden.
Haselnuhrollen.
250 Gramm Weizenmehl werden mit 250 Gramm Butter zusammengemengt und kaftgestellt. Ferner werden 250 Gramm Weizenmehl, drei Eidotter, 30 Gramm Zucker, etwas Salz 50 Gramm in lauer Milch aufgelöste Hefe ange« macht, wieder ein Teig daraus geformt, aus- gewalkt, in den ersten Teig eingeschlagen und festgelegt (wie beim Butterteig). Dies wiederholt man viermal. Dann wird der Teig mesfer- rüdenöid ausgewalkt. in kleine Vierecke geschnitten. mit Haselnüssen gefüllt, zusammen- gerollt, mit verklopftem Ei bestrichen, in fein- geriebene Haselnüsse getaucht und am Blech ine Rohr goldgelb gebacken. Die Masse gibt zirka 50 Stück Haselnuhrollen. Die Hütte dazu ist folgendermaßen: 250 Gramm feinst geriebene Haselnüsse, etwa» Honig, Staubzucker und 30 Gramm feinst geriebene Schokolade werden mit drei Eiweiß gut verrührt und zum Gebrauch gestellt.
Rhabarbergrühe.
Ein Kilogramm Rhabarber kocht man in drei viertel Liter Wasser, dem 125 Gramm Zucker zugesetzt sind, einige Male auf. 60 Gramm Grieß und 60 Gramm Mondamin, mit Wasser angerührt, wird hineingegeben. und Sa- Ganze dicklichen Drei gekocht. Hierauf wird die Masse tn auSgespülte Formen gefüllt. Rach dem Erkalten stürzen und mit Banillpttunke reichen, . / _■ v__z v ' i>- >


