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'Druckschriften in Beziehung zum Soll Goldstein. 3n diesen Ausführungen, namentlich denen der Presse, wird dargelegt, kmß bei der Ernennung politische Gesichtspunkte für die Hess. Regierung maßgebend waren. In seinen Schluß­betrachtungen ncrtooljrt sich der Redner dagegen.

daß die Gesinnung über wissenschaftliche Leistung gestellt wird.

Abg. Dingel del) 1V. V. P.' geht den Gründen tut Erteilung des Dorschlagrechtes an die Hochschulen nach. Die Begründung hierfür liegt in der Beurteilung der wissenschaftlichen Leistungen durch Professoren. Rur in Aus- nahinefüllen dürfe das Dorschlagsrecht einer Hochschule außer Acht gelassen werden. Hier besteht eine Ausnahme. Zur Begründung habe man sich auf frühere Fälle berufen. Mit Hin ­weisen auf frühere Mißgriffe werde ein heutiger Fall nicht entschuldigt. Liegt hier ein Mißgriff vor? Es wird nicht in erster Linie aus der wissenschaftlichen Leistung heraus die Berufung von der Regierung be­gründet, sondern durch einen Zweckmäßig- keitsgrund. Die Berufung sei für die Lehrer­ausbildung erfolgt. Man wolle also einen Hoch­schullehrer. der populäre Dorträge halte: ob damit die Lehrer zufrieden wären? Aus Lehrerkreisen selbst habe man sich gegen eine derartige unwissenschaftliche Professur ausge- sprvchrn. In der Regierungsantwort sei nichts zu finden, was gegen die Forderung der Hoch­schule nach einer naturwissenschaftlich gerichteten Persönlichleit spreche. Die Regierung stütze sich bei ihrer Erklärung über die wissenschaftliche Qualifikation von Prof. Goldstein auf Arteile der Professoren Tröltsch> und Eulen. Die» male- aber hätten diese Herren Anstalten ge­troffen, dieser nach ihrer Ansicht qualifizierten Persönlichkeit einen Lehrstuhl zu verschaffen. Don 23 befragten Hochschullehrern hätten einige nicht geantwortet, andere erklärten, ihnen seien Leistungen Prof. Gold st eins nicht be­kannt, andere äußerten sich verneinend über die wissenschaftlichen Leistungen von Prof. Goldstein. Man habe dem Senat der Lechnischen Hochschule den Dorwurf gemacht, daß er sich bei feiner ab- lebnenden Haltung durch politische Gründe leiten ließ.

3m Senat hätten sich aber auch Demokraten und Juden gegen die Ernennung des Professors Goldstein ausgesprochen. Mit der politischen Seite der Sache wäre es also nichts. $ür den Senat sei nur die wissenschaftliche Seite der Sache maßgebend.

Was wolle nun die Regierung für andere Gründe der Hochschule unterstellen und worauf stütze sie dann ihre Behauptungen? Das Vorschlagsrecht sei nicht nur abgelehnt worden, sondern cs sei sogar noch in einer verletzenden und wegwerfenden Form geschehen. Wenn grundsätzlich von dem Vorschlags- recht abgegangen werde, so leide die wissenschaftliche Qualifikation der Hochschule. Der Redner fordert zum Schluß das Haus auf, die Bestrebungen zu unterstützen, die wistenschaftliche Qualifikation der Hochschulen hochzuhatten.

Ministerialdirektor U r ft a b t gibt eine längere chronologische Darstellung der Verhandlungen über die Besetzung der philosophischen Professur. Die Regierung habe nicht gewollt, daß Profestor Gold- stein übergangen werde. Weil die Hochschule die wistenschaftliche Qualifkatton Profestor Gold­steins nicht erschüttern konnte, habe das Gesamt­ministerium die Ernennung vollzogen. Der Redner verliest dann eine Reihe von Gutachten (v. Aster, (Tuten usw.), die sich günstig über Profestor Gold­stein äußern. Zwischen der Hochschule und dem Lan- besamt für das Bildungswesen sei der Fall sach- .lich behandelt worden, die Schärfe sei erst von 6 den Zeitungen hereingebracht worden.

y Während der ganzen Verhandlungen des Falles Goldstein herrschte starke Unruhe im Hause. Um t 1.15 Uhr werden die Beratungen abgebrochen. Am Donnerstag nächste Sitzung.

Hessische Grönlandexpedition 1926

Gestern nachmittag versammelten sich, wie uns aus Darmstadt berichtet wird, die Lanbtagszbge- ordneten, die Vertreter der Regierung, sowie zahlreiche Hochschulprofessoren im Sitzungssaale des Landtags, um Dorträge der Herren H. K. E. K r ü g e r - Darmstadt und Professor Dr.Klut e- Gießen über die hessische Grönlandexpedition entgegenzunehmen. Prof. Dr. Steuer von der Darmstädter Technischen Hochschule richtete in einer Ansprach« Dankesworte an de Landtags­abgeordneten und die Regierung, daß sie Mittel für die Expedition bereitstellten. Die Erfolge der Expedition hätten der deutschen Wissenschaft im Ausland wieder einen guten Klang verschafft. Hoffentlich würden auch für eine größere Expedition, die fpäter unternommen wer­den soll, die Mittel bereitgestellt.

Herr H. K. E. Krüger gab hierauf in einem Dortrag eine Schilderung der Expedi­tion und ihrer Forschertätigkeit. Der Vortrag war begleitet von zahlreichen Lichtbildern, photo­graphischen Aufnahmen von Land und Leuten. Professor Dr. Kl ute- Gießen gab hierauf unter Zuhilfenahme von Lichtbildern eine geolo­gische Entstehungsgeschichte Grön­lands und erörterte im Anschluß hieran einige Probleme, die auf der Expedition studiert wor­den waren. Präsident Adelung sprach am Schlüsse der Dorträge den beiden hessischen Ge­lehrten den Dank der Dersammlung aus und beglückwünschte sie zu ihren Erfolgen. Rach den Dorträgen wurde Kaffee gereicht.

3ur Fürstenabfindung in Hessen.

De Rhein-Main-Korrespondenz erfährt zu den zur Zeit schwebenden Verhand- lungen über die Abfindung der verschiedenen Fürstenhäuser die Abfindung des hessischen Groß- Herzogs von hessischer parlamentarischer Seite, daß voraussichtlich wieder in aller Kürze ge­eignete Schritte geschehen, die eine detinittve Kl»ung der Frage herbeijühren sollen. Am 6. Juli 1923 wurde von der 1. Zivilkammer des Landgerichts Darmstadt eine einst­weilige Derfügung erlassen, wonach für den November 1923 die Gehaltssumme auf 4000 Mark festgesetzt worden war. D-e Dereinbarung war vorläufig für das Jahr 1924 festgesetzt wor­den. Beiderseits war eine Kündigungsfrist dieser Dereinbarung von 6 Wochen auf den Ersten des nächstfolgenden Kalendermonats vereinbart worden. Der anhängige Rechtsstreit blieb nach die'er Dereinbarung während der Gültig­keit des Abkommens ruhen. Die Parteien er­klärten ausdrückli'b, daß ihre Rechtsauffastungen und Rechtsansprüche durch die Dereinbarung in jeder Weise unberührt bleiben. Durch eine Re­

gierungsvorlage vom Dezember 1924 wurde dann gefordert, daß die Dereinbarung, der Erhöhung der Beamtengehälter entsprechend abgeändert werde. Die Dorlage fand im Dorjähre An­nahme, es besteht sonach die Dereinbarung bis heute weiter mit der Maßgabe, daß der Mo­natsbetrag auf 7200 Mk. angewachsen ist. Wei­tere Dersuchc. eine endgültige Lösung der Ab- findungsfrage herveizuführen. scheiterten inzwi­schen an der unsichern Finanzlage des hessischen Staates. In aller Kürze sollen nun, wie gesagt, erneut Schritte zur definitiven Klärung der 2lbfindung eingeleitet werden.

Verständigung über die Fürstenabfindung?

Berlin, 16. Jan. iWolff.) DieVvffische Zei­tung" meldet, daß zwischen den Führern der Mit­te l p a r t e i c n des Reichstags gestern eine Verein­barung über die Regelung der vermögensrecht­lichen Ansprüche der deutschen Fürsten zustande ge­kommen sei. Von den betreffenden Parteien soll in Kürze im Reichstag ein Gesetzentwurf ein­gebracht werden, der die Einsetzung eines beson­deren Schiedsgerichts beim Reichsgericht in Leipzig vorsieht, das aus Berufsrichtern lind hohen Lerwaltungsbeamten zusammengesetzt sein und über alle vermögensrechtlichen Ansprüche der ehemals re­gierenden Häuser zu entscheiden haben soll. Roch demLokalanzeiger" wird es für wahrscheinlich ge­halten, daß unter Zurückziehung des demokratischen Antrags ein derartiger gemeinsamer Sotnpro- mißantrag der Mittelparteien einge­bracht werden wird.

Preußischer Landtag.

WER. Berlin. 15. Ian. In der heutigen Sitzung des Preußischen Landtags erfolgte zu- nächst die dritte 'Beratung der Rovelle über die Bestellung von Mitgliedern des Reichsrots durch die Provinzialverwaltung. Die Abstimmung ergab die Annahme der Dorloge nach dem von den Sozialdemokraten, Zentrum, der Volkspartei und den Deniokraten eingebrachten Kompromiß- anttag. Danach wird eine neu» Berechnungsart eingesührt, durch die der Einfluß derPro- vinzen gesichert wird. Danach trat das HcruS in Die Beratung über die zur Hoch- Wasserkatastrophe vorliegend«n Anträge ein. Rach eingehender Debatte wurde in der Abstimmung unter Ablehnung der Einzelanträge das Schädenabgeltungsprogramm des Hauptaus­schusses angenommen. Darin wird das Staats­ministerium ersucht, sofort Mittel zur vorläufigen Behebung der durch das Hochwasser herbeigesühr- ten Schäden zur Verfügung zu stellen, dem Reichstag eine Dorlage zur Entschädigung der Betroffenen vorzulegen und darauf hinzuwirken, das von Reichs wegen wie seitens der Koinmunen. Provinzen und Bezirksverbände alle möglichen Maßnahmen zur Linderung der Rot getroffen werden. Es folgte die Besprechung der Antrag» über die Rot der Erwerbslosen und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Das Haus sttmmte mit großer Mehrheit dem Abhilfepro­gramm des Hauptausschusseö zu, der verlangt, daß zur Linderung der 'Rot der Erwerbslosen in weitestgehendem Maße Vorsorge getroffen und durch gesteigerte Förderung der pro­duktiven Erwerbslosenfürsorge Ar­beitsgelegenheit geschaffen toerbe.

Holzmanns Flucht.

XU. Berlin, 15. Ian. Da zu der für heute angesetzten Derhandlung gegen Holz» mann. Regierungsrat Darthels und Kri- minalasfiflent Rothe der Angeklagte Holzmann wiederum nicht erschien beschloß das Gericht, daS Verfahren gegen Holzmann abzutrennen und gegen Barthels und Rothe allein zu ver­handeln. In einem in Berlin aufgegebenen Brief, ohne Ortsangabe, teilt Holzmann mit daß er i n s Ausland gereist sei. Maßgebend für seine .Abreise" sei sein schlechter Gesundheitszu­stand. Er werde sich in Deutschland den Gerich­ten zur Derfügung stellen, sobald es seine Ge­sundheit ihm erlaube. Die Staatsanwaltschaft hat gegen Holzmann einen Steckbrief erlas­sen. Außerdem sind die restlichen 13 500 Mark von der Kaution Holzmonns dem Gericht ver­fallen.

Das Kabinett Namek vor dem Nationalrat.

Wien, 15. Ian. (WB.) In seiner beu­gen Regierungserklärung im Rattonalrat führte Bundeskanzler Ramek aus: Die er­rungene Ordnung der Finanzen und des Geld­wesens sei unter allen Umständen aus recht zuer- halten. Zur Beseitigung des Kapitals­und Kreditmangels würden Verhand­lungen mit ausländischen Banken zur Gewährung langfristiger Kredite zu führen sein. Die Re­gierung werde sich bemühen, die Kreditteste aus der Dölkerbundsanleihe zur Anleihe im Inneren freizubekommen. Auch die Freigabe der öster­reichischen Guthaben in den Vereinigten Staaten, für die sich die Aussichten gebessert haben, wür­den der Wirtschaft einen merklichen Zufluß brin­gen. Die Landwirtschaft müsse durch ge­wisse Spezialmaßnahmen gefördert werden. Die Hande l s p o l i t i f der Regierung müsse den Erfordernissen des neuen Zvlltarises und den Handelsverträge anaepaßt werden. Zur Aus­gleichung deS Unterschiedes zwischen dem öster­reichischen Zollniveau und dem der anderen in Betracht kommenden Regierungen werde dir Re­gierung in der nächsten Zeit die Erhöhung einer Positiv nen des autonomen Zoll- tarifes beantragen. Mit Deutschland, Po­len, der Tschechoslowakischen Republik und ande­ren Staaten würden Zusatzverträge be­handelt werden.

Rach Abgabe der Regierungserklärung wandte sich der sozialdemokratische Abgeordnete Ellenbogen scharf gegen den Gedanken, den Mieterschutz abzubauen Er kündigte an, daß seine Partei in dieser Frage der Mehrheit leine Konzessionen machen werde. Avg. D i n g- Hofer (Grohdeuttch) erklärte, die völlige Gesun­dung der österreichischen Wirtschaft sei nur im Rahmen eines größeren Wirt­schaftsgebietes erreichbar. Er regte nach dem Muster des Deutschen Reiches eine Art Reichswirttchastsrat an, um die Arbeiter in höherem Maße an Unternehmungen zu inter­essieren. Man müsse versuchen, eine Verbesserung der Handelsbeziehungen und damit ein größeres Absatzgebiet zu erreichen. Rußland komme dabei sehr stark in Frage. Dor allem aber fei eine 'Vergrößerung des Absatzgebietes rm Deut­sch en R c i ch zu suchen mit dem ein Zollbündnis

anzustreben sei. Abg. Kun sch ak (Christl.-Soz.) verlangte Anpassung der Mietengesehaebuntz an die tatsächlichen Verhältnisse, um Häuser wieder als Kreditobjekte verwerten zu können.

Vie Rückwirkungen von Locarno. Eine Entschließung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages.

Berlin, 15. Ian. Der Auswärtige Aus­schuß des Reichstages setzte die Beratungen über den Stand der Auswirkungen von Locarno fort. Zum Schluß wurde mit allen Stimmen gegen die eine Stimme des Abg. von Reventlow (Dt. Völk) bei Stimmenthaltung der Kommunisten folgende Entschließung des Abg. von Rheinbaben (Dt. Vp.) angenommen: Der Ausschuß nimmt in einer Debatte über die Aus­wirkungen des Vertragswerts von Locarno von den Pressenachrichten Kenntnis, wonach der. Un­terausschuß der Botschaft« rtonferenz beschlossen haben soll, die Truppenzahl der Besatzungsmächte in der 2. und 3. Rhein- landzone auf ca. 75 000 Mann seslzusehen. Eine Derwirllichung dieses Beschlusses würde die be­rechtigten deutschen Erwartungen auf das stärkste enttäuschen. Sie würde nicht nur die in früheren langwierigen Ver­handlungen zwischen Deutschland und den Besatzungsmächten bereits erzielten Ergebnisse (Rote der Botschafterkonferenz vom 16. Rovem- bcr. 1925: Erhebliche Herabsetzung der Desatzungs- stärke aus annähernd normale Stärke, d. h. an­nähernd deutsche Friedensstärke» wieder um­floßen, sondern überhaupt in krassem Wi- d e r s p r u ch zu der gesamten polittschen Lage stehen, wie sie durch die Unterzeichnung der Ver­träge von Locarno geschaffen werden sollte.

Der Auswärtige Ausschuß richtet an die Reichsregierung auch im Hinblick auf weiter be­vorstehende außenpolitische Entscheidungen daS nachdrückliche Ersuchen, ihre bisherigen Bemü­hungen um Herabsetzung der fremden Besatzung« stärken auf die Zahl der frü­heren deutschen militärischen Belegung (45 000 bis 50 000 Mann) und um eine dem Zweck des Vertragswerkes von Locarno entsprechende Re­gelung desDesahungsregimesaus das energischste sortzusetzen und dem Auswärtigen Ausschuß baldmöglichst von dem Erfolg ihrer Schritte Mitteilung zu machen.

Die englisch-italienischen Schuldenverhandlungen.

London. 15. Ian. (WTB.) Die italieni­schen Schuldenfundierungsverhandlungen wurden heute fortgesetzt. Am Rachmittag sand eine Sitzung der Sachverständigen der beiden Parteien statt als Vorbereitung für die Zusammenkunft zwischen Graf D o l p i und Churchill. Wäh­rend Graf Volpi eine dem amerikanisch­britischen Schuldenabkommen ähnliche Rege­lung wünsche, wird auf britischer Seite als prak­tisches Vorbild für die Erörterungen das An­gebot Churchills an Caillaux vom August vorigen Jahres angesehen. Eine durch­schnittliche Iahreszahlung von 10 Millionen Psund durch Italien während der 62 Jahre würde nicht über die Zahlungsfähigkeit Italiens hinaus gehen.

Kunst und Wissenschaft.

Der Reichspräsident an Erzbischof Soeberbtoem.

Der Herr Reichspräsident hat folgendes Telegramm an den Erzbischof Soedcrblocm in Upsala gerichtet: Zu Ihrem heutigen 60. Geburtstag übermittle ich Ihnen meine herzlichst en Glückwünsche. Gern gedenke ich bei diesem 2ln- laß des segensreichen Hilfswerks, das so vielen Deutschen zugute gekommen ist, und Ihrer Erfolg verheißenden Arbeit für die Einigung der christlichen Kirche. Reichskanzler Dr. Luther dankte dem Erzbischof in einem Glück­wunschtelegramm für die werktätige Liebe, die er in schweren Zeilen an dem deutschen Volke geübt habe.

Elektrisches Licht für den Schiffenberg.

Die Regierung hat dem Landtag eine Vor­lage zur Herstellung einer elektrischen Lichtanlage für den Domanialhof Schiffenberg zugehen lassen, in dem es u. a. heißt:

Im Jahre 1923 haben wir die Herstellung von elektrischen Lichtanlagen für den Domanial­hof Schiffenberg, die F ö r st e r w o h n u n g Baumgarten und für den Universität s- gor ft garten in Gießen beantragt. Unserem Antrag wurde stattgegeben, die erforderlichen Mittel sind bewilligt worden. Die Herstellungen konnten jedoch nicht erfolgen, weil der Pächter des Domanialhoses bei der stetigen Geldentwer­tung int Jahre 1923 fürchtete, die von ihm zu übernehmende Verzinsung uni) Tilgung des auf­gewendeten Kapitals nicht leisten zu können. Runmehr hat dec Pächter, da stabile Verhält­nisse wieder eingetreten sind, erneut einen An­trag auf Einführung elektrischer Beleuchtung ge­stellt mit der Erklärung, daß er bereit sei, 10 Prozent für Verzinsung des für den Doma-- nialhos Schiffenberg erforderlichen Betrages zu übernehmen. Wir möchten den Antrag unter­stützen, weil mit Rücksicht auf die Feuer­sicher h e i t des DomanialhvfeS die Herstellung einer elektrischen Anlage zu empfehlen ist. Es ist ferner noch zu berücksichtigen, daß damit auch die Wasserversorgung sichergestellt wird, und cs durch den Anschluß des Domanialhoses Schiffenberg möglich wird, später die Förster­wohnung Baumgarten und den Universitäts- Forstgarten mit elektrischer Beleuchtung zu ver­sehen.

Die Hochspannungsleitung soll von dem Orte Hausen nach dem etwa 2 Kilometer entfernt liegenden Schiffenberg geführt iverden: hier er­folgt in einer besonders einzubauenden Trans- formatorenStation die Herabsetzung der Spannung aus normale Gebrauchsspannung. Vom Soma- nialhos Schiffenberg soll später die Weiterlei­tung nach der etwa 800 Meter entfernt gelege­nen Försterwohnung Baumgarten und dem in gleicher Entfernung gelegenen Universitäts-Forst­garten erfolgen. -Hierbei wäre zu erwähnen, daß die Versorgung dieser beiden staatlichen Ge­bäude mit elektrischem Licht nur dann möglich wird, wenn im Domanialhos Schiffenberg die Transformatorenstation erstellt ist.

Die Stadt Gießen hat au der Her­stellung der elektrischen Lichtanlage des Dopia- nialhofes Schiffenberg insofern ein Interesse, als es sich um einen beliebten Ausflugsort handelt. Sie hat sich daher bereit erklärt, von den Kosten der Hochspannungsleitung und der Inneneinrich- tung der Transsormatorenstation, die 6800 Mk. betragen, den Betrag von 3000 Mk. zu über­nehmen, wenn der Anschluß des Domanialhoses Schiffenberg noch im Frühjahr 1926 fertiggestellt wird. Ferner will sie die Hochspannungsleitung kostenlos unterhalten, unter der Voraussetzung, daß die Leitung in ihr Eigentum übergeht.

Die Kosten der Herstellung der Hochspan- nungs-Anschluhleitung, der Transformatoren­station und der elektrischen Licht- und Kraft­anlage im Domanialhof Schiffenberg betragen zusammen 10 450 Mk.

Wir stellen den Antrag, der Landtag wolle die alsbaldige Ausführung der Arbeiten geneh­migen und der Verwendung der angeforderlen Mittel vorbehaltlich der Ueberschreitung durch etwaige in der Steigerung der Baustoffpreise und Arbeitslöhne begründete Mehrkosten zu- st immen.

Der Antrag ist im Finanzausfchvß bereits angenommen und wird nunmehr dem Landtags- Plenum zugehen.

Wettervoraussage.

Wollig bis trüb, nachts mäßiger Frost, tags­über Temperaturen weiter ansteigend. Rieder­schläge (nur stellenweise Schnee).

Das russische Kaltlustgebiet ist an seiner Westfront von Randstörungen südeuropäischer Zyklonen stark abgebaut worden. Wenn sich auch augenblicklich in Westeuropa hoher Druck nord­wärts verlagert, so ist doch die Kältezufuhr unterbrochen. Es ist nachts mit Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt zu rechnen, die tagsüber weiter ansteigen bürsten.

Gestrige Lagestemperaturen: Maximum 0,6. Minimum minus 6,3 Grad Celsius. Schneedecke 4 Zentimeter. Heutige Morgentemperatur: minus 5,2 Grad Celsius.

Aus der Provinzialhauptftadt.

Gießen, den 16. Januar 1926.

Ehe und Radio.

Ehe und Radio spielen bei vielen Zeit­genossen. gleichgültig, ob alt oder jung, mäirnlichen ddcc weiblichen Geschlechts, eine große Rolle. Denn wie viele unserer Kleinsten, die eben spre­chen lernten, von Antenne und Hörer lallen, und Großväter und Großmütter sich lebhaft für 'Rabio interessieren, gerade so spielen unsere 3ün- |ten auch mit Vorliebe Papa und Mama, und lassen sich die ältesten Semester nicht abhalten, sich noch in das Joch der Ehe zu stürzen.

Dieses allgemeine Interesse ist aber nicht das einz.ge, worin Ehe und Radio überein st im- men. Radiofreuden erlebt man nur, wenn Sende- unb Cmpsangsapparak intakt und aufeinander eingestellt sind, genau wie gute Ehen auch nur bei gegenseitiger Harmonie bestehen. Anderer­seits sind mindestens neunzig Prozent mißlmi» genen RadioempsangS wie mißglückter Ghvi auf schlechte Kontakte zurückzuführen!

Des Streben nach der Ehe und dem Besitz von Radio finbet sich überall. Ist da« Ziel er­reicht. dann kann man den Flitterwochen der Eh« die Funlerwochen" beS Radio gegenüber- Men Wurde genuggefüttert" undgefunkt", 1° '"ßt hüben wie drüben das Interesse etwas nach, was aber nicht etwa heißen soll, daß es stir dauernd erlischt! Das kommt mir bei zu schlechten Kontakten vor.

Doch eine Eigenschaft in finanzieller Hin­sicht haben Ehe und Radio gemein: Um sie auf der Höhe zu halten, müssen beständig Reu­anschafsungen gemacht werden, die jedesmal der Teil zu zahlen hat, der hören darf, was der andere redet. Und, leider ist es. wie bei vielem in ter Welt, auch hier so: Je größer der Geld- , beutel, desto na. sagen wir desto größer die Aussichten auf Ehe- und Radioglück.

Man Eönnie dem entgegenhallen, daß Geld allem nicht glücklich macht! 3ugegeb»n! Ader da­mit ist das angeführte Beispiel der Ueberein- stimmung nicht hinfällig, sondern sie wirb nur um ein neues vermehrt. Denn so gut wie es Ehen gibt, die auch mit wenig Gelb glücklich sind so wurden Gegenden festgestellt, in denen trotz nächster Rahe des Senders und trotz vorzüglichster Apparate wenig ober nichts gehört wird

Was nun die Un terschiede zwischenGha und Radio betrifft, so scheint sonderbarerweisa

«irt einziger vorhanden zu sein: Wenn jemand die Mitteilungen des Senders nicht passen, so pfeift er drauf und stellt seinen Apparat ab. ohne bah es den Sender auch nur im geringsten rummert. Wenn aber eine Ehehälfte vom brau­senden Redestrom der andern hinreichend ge­sättigt ist und würde dann auch weggehen---

v weh!! ' Tacho.

Gegen die Vergnügungssucht.

Das Kreisamt Gießen veröffentlicht im neuesten Amtsverkündigungsblatt eine an die Bürgermeistereien gerichtete Bekannt­machung betr. die Einschränkung von Lustbarkeiten, in der es heißt:

Angesichts der steigenden Rot der Zeit und im Hinblick auf die wachsende wirtschaft­liche Bedrängnis weitester Bevöllerungskreise sehen wir uns veranlaßt, gegen die immer mehr zunehmenden Tan^lustbarkeiten und son­stigen dem Vergnügen dienenden Veranstaltun­gen. ausgehend von Wirten, Vereinen und Gesellschaften, mit einschränkenden Maßnahmen vorzugehen.

Wir werden künstig nur solchen Anträgen nähertreten, die vom Gemeinderat be­fürwortet sind, und behalten uns auch insoweit vor, unsere Entschließung über die Er­teilung der beantragten Erlaubnis und über die Festsetzung der Polizeistunde von weiterer Prü­fung der örtlichen Verhältnisse im Einzelfall abhängig zu machen.

Wir empiehlen Ihnen daher, alle Anträge auf die eingangs erwähnten erlaubnispflichti- gen Vergnügungen dem Gemeinderat in einer vorher stattgefundenen Sitzung zur Stellung­nahme vorzulegen und den ergangenen Be­schluß dem Antrag und Ihrer eigenen ein-

1Saftletten

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