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Br. 293 Drittes Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Mittwoch, 15, Dezember 1926

Für den Weihnachtsbüchertisch

Neue Bücher zur Kunst

er einen neuen Roman auf den

ist unmöglich, ßinfaflt, Phan

die überwältigende Wengc an

hantasie und Vision auch nur andew

gericht.

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bigkeit zu verlieren, an

und Schiffsbesichtigung

Genuß.

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dadurch feine Selbstäw die Hamburger Hafen-

für feine Phantasie scheu Tag lichen und äußersten

wesenlosen Gespenstern durchs Leben begleitet. 6ein Werk in viele Bücher, Mappen und Einzelblätter zerstreut, von denen er hier das Reifste gesammelt und mit einem Selbstbekenntnis begleitet und erläutert hat die Gestalten seines Werks sind wie die Figuren eines großen Totentanzes oder eines endlosen Damaskusganges, der oft durch Landschaften führt, die man nur ahnen kann, aus denen einem die Dämonie einer ungeheuren Zeitlosigkeit entgegenweht. Es

ten, längere Berichte über Einzelheiten an Bord, die Schiffsklassen vom Altertum bis zur Gegen­wart. den Bau und d'e Takelung der Segler. Motorboote, das Sianalshstem mit einer anschau­lichen Tafel. ITe't ist auch Helgoland, daS Land und die Leute geschildert. Auf diese Weise einen Lernstoff unterbreitet zu bekommen, ist vergnüg­lich und hastet durch die jeweilige praktische An­wendung. Das Buch wird durch Bilder und Tafeln besonders anschaulich gemacht. 680 Der Seebär. Don Gustav W. Eber - lein. Mit vier farbigen Bildern von Pros. Wilh. Schul z-München. Halbl. 4 Mk. (Ä. Thie­ne mannS Derlag. Stuttgart.) Ein Buch, das in hohem Maße fesselt. Die packende Erzählung führt den Leser in den fernen Osten, in das Land der Geishas. In das gelbe Meer mit fernen Tai­funen. Der Dersasser weiß meisterhaft zu ge­stalten und bereitet dadurch dem Leser einen fernen

feinen Werken erfreute, legt dem großen Streit seiner *

Radio und den Hamburger Hafen haben bei der Jugend durch die neue Art ihrer Darstellungs­weife großen Anklang gefunden. Der vorliegende Band schließt sich, ohne

Das Thristkind kommt. Geschichten, Derse und Lieder für die PZnhnachts'e't, ge­sammelt von Walter Clalsen-Sch^ab. Mit vier farbigen Bildern von Tilde Eisgruber. K. ThienemannS Derlag, Stuttgart. Das Buch stellt in erster Linie eine sehr hübsche Gabe für artige Kinder dar, aber auch Erwachsene soll­ten sich's nicht verdrießen lassen, ein wenig in ihm zu blättern, denn es ist voller Tannen­duft und Ker-en schimmer und eine reckte beschau­liche Dämmerstundenlektüre für die Weihnachts­zeit. von den Adventstagen an bis zu Reujahr und denHeiligen drei Königen". Man findet hier Geschichten und Gedickte aus alter und neuer Zeit, bekannte und unbekannte, aber alle auf den gleichen Ton gestimmt, wie die vier ganz­seitigen Bilder-,ich muß Euch sagen, es weid-

nachtet sehr." 731

Professors Zwillinge in der

Waldschule. Erzählung für die CTugmö von

®fle llrt). Illustriert von Prolelsvr R. Sedlacek.

Schöne Literatur.

Ernst Zahn, der Schweizer Dicht«, bei erst kürzlich in Gießen durch einen Dortrag aus

215 ©eiten 8°. Meidingers Jugenbfchriftenv erlag, Berlin W 66. Kindliche Heiterkeit und Froh­sinn durchweht die Erzählung. Sie zeigt, wie Professors Zwillinge, strebsame Sextaner, wäh­rend ihres Waldschuljahrs in gesunder Um­gebung sich körperlich und getftig entwickeln, und wie das Interesse unb die Liebe für die Ratur geweckt wird. Die jungen Leser sowohl wie ihre Eltern werden Else Ury für dieses erzieherisch wertvolle Buch Dank wissen, das als Weihnachts­geschenk gerade zur rechten Zeit erschienen ist.

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John Oliver Eurwood. Thrr, der Grislybär. Mit zwölf Dollbildern und vielen Randzeichnungen nach Originalen von H. Linzen, Franckh'sche DerlagSbuchhandlung. Stutt­gart. Mit großer Liebe und viel Geduld muß O'iver John Curwood die Tiere in der ameri­kanischen Wildnis beobachtet und kein noch so beschwerliche- Rachspüren gescheut haben, ehe er sein Buch schreiben konnte.Richt im Töten wird dem Jäger die größte Freude," ist der Grund­gedanke und das Ziel, zu dem der Verfasser durch die bei den Jägern immer mehr durch­brechende Erkenntnis hinleitet. Mittelpunkt der Erzählung ist der Grislybär Tyrr, klug u. über­legen in seinem Reich herrschend. Bei.jeder Seite des Buches kommt uns zum Bewußtsein, mit welcher Sinnlosigkeit und welcher Ueberhebung dem Tier gegenüber der Mensch vielfach fein Jagdhandwerk treibt und wieviel Schönes er da­durch zugrunde richtet Em netter kleiner Kerl ist Tyrrs kleiner Schützling Musqua: mit un­gewöhnlicher Einfühlung ist das Derhältnis der beiden geschildert: treu besorgt der Alte, frisch und vorwitzig der Kleine. Durch das restlose Auf- gehen in dieser unberührten Ratur, ihrer Frei­heit und Größe, entstand hier eine bittere An­klage und eine eindringliche Mahnung. Wir hätten früher solche Bücher haben sollen, ehe unser Wald und die Steppen leer geworden sind. 681

Kinder- 'und Hausmärchen aus Tirol. Gesammelt von den Brüdern Ignaz Dinc. unb Josef Zingerle. Auswahl für Kmder. 125 Seiten 8° mit Bildern von Fritz Rehm, München. Derlagsanstalt Tyrolia Innsbruck, Wien, München. Das vorliegende Werkchen ist eine hübsche, gut auSgestattete und anmutig dargebotene landschaftliche Auswahl aus dem reichen deutschen Dolksmärchenschatz, wie sie sich bei einiger Ueberschau von selber anbietet. Die Tiroler Märchen heben sich in ihrem Gesamt­bild ebenso charakteristisch aus denen der anderen deutschen ßänbet heraus, wie etwa die von Schlesien oder jene von Schleswig-Holstein. Das Buch fann als eine gute Lektüre für den weih­nachtlichen Jugendbüchertisch empfohlen werden.

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Die Mädchen stunde der Mär­chentante deS Frankfurter Rund­funks. 44 Märchen, Theaterstücke, Gedichte und Reime mit 23 Bildern, die Kurt Schramm gc= Lzeichnet hat. Preis 2,50 Mk. Derlag H. Pech- hold, Südwestdeutsche Rundfunk-Zeitung, Frank­furt a. M. DaS gut auSgestattete Märchenbuch wird allen Rundfunkhörem, die Kinder haben oder Kinder beschenken wollen, willkommen sein. Die Märchentante Amalie Schatt hat in dem Werkchen. einen großen Teil ihrer Märchen ver­einigt.Unb die Kinder, sie hören eS gerne" unb nicht nur mit dem Kopfhörer. 830 |

Weihnachtstisch.Pie Hockzeit deS ®au- de n z Drei I". ist die Geschichte einer Ehe. die eigentlich von vornherein nur ein pädagogisches Experiment ist. Ein junger Psarrherr kürt au* bet Reihe seiner Konfirmandinnen die ihm 'Rät­selhafteste und Verschlossenste zur Braut, ein Mädchen au5 dem zerrütteten Hause eines halt­losen Arztes, dessen Frau sich längst innerlich von ihm abgewandi bat und dessen Tochter ihre eigenen Wege geht. Die junge Sabine nimmt den überraschenden Antrag des Pfarrers an, in bei Hoffnung, damit sich von den Unerquicklich- keilen ihrer eigenen Familie zu lösen unb durch den Wohlstand deS Pfarrhauses im Dorf eine Rolle spielen zu können. Zuneigung ober gar Liebe zu ihrem Verlobten vermag sie nicht zu fassen Erschütternd ist da* innerliche Ringen Gaudenz OrellS um seine junge Frau, die ihm immer wieder entgleitet und. in Dos heil und Tücke verstrickt, den Mann leibst um Ansehen unb Stellung bringt. Sin verlmngnisvoller Sturz, ein unheilbares Siechtum führen Sabines Seele ihrem Gatten zu. Erst in der Todesstunde gehören sie sich ganz. Der Roman enthält befonber» in feinem ersten Teil wahrhaft köstliche Szenen in feiner Schilderung von Menschen und Dingen, aber der Kern, bas Derhältnis der beiden Gatten scheint unS psychologisch nicht getroffen zu sein, der Charakter SadineS in seiner durchaus krank­haften Boshaftigkeit ist nicht zu fassen, er ist ein hin- unb hertanzendes Irrlicht, dem man nir- aends betautommen vermag So wird eS auch schwer, an die Einstellung des Pfarrer* unb an die schließliche Entwicklung zum Guten zu glauben. (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart.) 875

Josef Ponten: Die Bockreiter. jiDDellc. Mit einem Rachwort von Friedrich Riehner. Reclams Universal-Biblioihek Rümmer 6690/91. 1,20. Ganzleder 6 Mk. Wie Pontens berühmte RovelleDie Insel", ist auch der vor­liegende Band3>ie Dockreiter' ein kleine* Meisterwerk. Langeweile und Wohlleben treiben eine Schar Lebenshungriger zu tollen Streichen Sie bilden die Gesellschaft derDockreiter" unb verwandeln sich nacht* aus ehrsamen Bürgern in schwattmaSkiette Abenteurer. Erst wird Schabernack getrieben, aus Hebern tut Schelmerei, bald entartend Roheit und endlich Derbrechen... Der Stil der Bockreitergeschichte fiebert den bunten Ereignissen nach, gießt Fülle und wieder Fülle über das fette MaaSland. den Schauplan der rasenden Dürgerbubrn, reckt sich derb riüi den wilden Abenteuern in* Lachen und erlischt blutsatt über dem endlich hereinbrechenden Straf-

Wir wollen immer Kameraden sein. Roman von Felix M o e s ch 1 i n. ('Derlag von Grethlein & C o., Leipzig. Gebunden 7 Mk.) Sin eigenartiger Gedanke liegt dem Roman zugrunde: Georg Lutz, der Held wird an der Front bei einer Sprengung des Grabens verschüttet. Äamcraben retten ihn, aber sein Geist bleibt getrübt, bis er nach sieben Jahren durch die Wirkung eine* nahe niedergehenden Blitzes ganz unerwartet wieder zum 'Dewuhtsetn kommt. Er sieht sich plötzlich in eine neue Welt verseht, die in schwerster Rot ziel- unb steuer los dahintreibt. Er selbst ist noch bi* in die Wurzeln seine* Wesens von den großen Ereignissen an der Front ergriffen. Kameradschaft unb Wahr­haftigkeit werben wieder lebendig in ihm Der Treuschwur einer Keinen Gemeinschaft an der Erneuerung der Welt, einer Welt dec Kamerad­schaft, mitzuwirken, wird für ihn Symbol. Mit dieser idealen Sortierung tritt er vor die Men­schen, die alles vergessen haben, was einst an guten Dorsähen in ihnen lebendig war Er sucht die Kameraden, die den Blutsbund beschworen haben. Sie sind tot, bi* auf den verstümmelten Gelehrten mit dem Ideal der politischen Dik­tatur und den skrupellosen Geschäftsmann, beide Typen des Machlwillens und der Herrschaft, Dec Geist der Einmütigkeit und der Wahrhaftig­keit ist erloschen. So nimmt er allein den Treu- schwur auf und geht in die Welt, den Geist zu er­neuern, der alle einst beseelte, umjubelt tut die idealen Wahrheiten, gesteinigt für die unbequeme Forderung. Ec zerbricht an der Wirklichkeit des Lebens, ein weiteres Opfer auf dem Wege zu einer besseren Zukunft. Dieser Roman wurde bei dem Romanwettbewerb des Hamburger FremdenblatteS und der Münchener Reuest en Rachrichten unter 350 Einsendungen besonders ausgezeichnet. Man kann dem Urteil nur hel­ft immen Denn diese Dichtung spricht in so ge­waltiger, eindrucksvoller Sprache zu dem Geier, wie es nur ganz selten bisher geschehen ist. Hier durchglüht edelste Begeisterung für ein neues, gebessertes deutsches Daterland das ganze Wert, und damit schlag', es jeden Leser tn seinen Bann, der den gleichen Gedanken wie bet Autor nachgehangen. Dieser Roman ist weil mehr als eine vortreffliche literarische Kost- er ist eine ernste Ermahnung zur Selbstbesinnung unseres Dolles, zur Erweckung unb Zusammen­fassung aller guten Kräfte in bem erhabenen Geiste, bet einst in der ersten Kciegszeit draußen im Schützengraben alle in wahrer Kameradschaft erfaßte und umschlang. In diesem Sinne hat der Roman, dem wir die weiteste Beachtung wünschen, eine Mission zu erfüllen. Der Derlag hat dem guten Werke deS Dichters eine sehr sorgfältige Behandlung in Druck unb Buch^ bindere' angedeihen lassen. Das Buch ist eine wertvolle Gabe für den Weihnachtstisch. 789

Joseph von Laufs: Der Predi­ger von Aldekerk. Gin niederrheinischer jtoman. (Grotesche Sammlung von Werken zeit­genössischer Schriflsteller Bd. 166.) Geheftet 5 Mk., gebunden in Ganzleinen 7 Mk., in Halbfranz 10 Mk. In seinem neuen Buche zeigt sich der unerschöpfliche Erzähler von einer neuen Seite, indem er uns diesmal eine Erzählung gibt, die wie eine Geschichte aus »Tausend und eine Rächt", allerdings wieder am Rieberrhein in einem feu­dalen alter. Adelsschlosse angesiedelt, anmutet. Auch im Thema erinnert sie an diese berühmte D-schichtensammlung, unb Laufs hat eS ver­stauben, die kecke Affäre mit der gewohnten

febnlffc bleiben immer im Rahmen des Mög­lichen, wenn eS auch scheint, daß bie englische Zeit, seine dortige Aufnahme unb die schließliche Lösung der Frage seiner Herkunft überraschend glatt vor sich gehen. Doch ist all dies so nett geschildert, daß wir bem Verfasser auch in diesem Teile gerne folgen. Eine ganz prächtige Figur ist die des alten Müglih, immer etwas derb, aber eine treue Seele. Die ganze Darstellung ist von sympathischer Dchllchtheit. Die Menschen reden unb handeln, wie sie es in Wirtlichkeit tun würden. Die unnatürliche Ekstase und die Der- herrllchung des Krieges an sich ist glücklich ver­mieden. Sehr hübsche Federzeichnungen von Leb- recht beleben die Schilderung ausgezeichnet. Das Buch wird unserer Jugend viel Freude machen.

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2. Fuhlberg - Horst: Aus der Horb- fee. Mit zahlreichen erklärenden Bildern und Tafeln. Franckh'sche Derlagsbuchhanblung, Stutt­gart. Schon die frü'ercn Onkel-Herlert-Büchec des Verfassers über Auto unb Motor, über

fühl: an Hoffmann und Poe konnte biefer Künst­ler schlechterdings nicht vorüber.) Aber dies beutet wohl auch nur einen verfchwimmenden Umkreis an; von Kubin weih man nicht eher, als bis man Bilder von ihm gesehen hat. Hab eS sind etliche darunter, die man nicht mehr vergißt. Im Wesen ersaht man ihn nur auS seinen Blättern, die immer unb überall anders sind, als waS man sonst zu sehen gewohnt ist; in seinen Blättern, in denen eine unerhörte Indi­vidualität persönlichste Sprache spricht. Dor lan­gen Jckhren konnte man imKunstwort" die ersten Arbeiten KublnS bestaunen, und man fah sofort: dies ist etwa- ganz Reues. So radikal waren damals nur sehr wenige i wenigstens ge­haltlich; technisch begannen schon die Dorexpres« sionisten sich au rühren). Dies aber war gleich­sam mit geschlossenen Augen gestaltet, in der Dämmerung, unterm Albbruck. Im Traum. Die Rachtgesichten bieses Menschen traten nebelhaft ins Tageslicht.Jede Rächt besucht uns ein Traum", unb Kubin hat bie flüchtigen Ge­stalten mit raschem Stift festgehalten In glän« zender Technik unb mit einer gerabezu unheim­lichen Phantasie. Wenn es eine Formel gibt

Rur noch wenige Monate trennen unS von dem hunbertsten Geburtstage Derthovens. Da ist eS an gezeigt. auS bet Flut von Publi- falionen. bie biefer Gebenktag erfahrungsgemäß auslösen wirb, heute schon ein Werk heraus­zuheben, dem gewiß mehr Bedeutung zukommt, als den vielen Jublläums schritten. die mit ihren, Anlaß kommen und gehen. Wir meinen daS umfangreiche Derk Gustav Erne st S: Beet- Hoven. Persönlichkeit. Leben unb Schassen (in 3. Auflage bei Georg Bondi. Berlin). Ernest macht es sich zur Aufgabe, das Leben, bie Persönlichkeit und das Schaffen Beet­hovens für sich und in ihren Wechselbeziehungen, vor allem bas Schassen als durch die Persönlich­keit, ihr Werden unb Wachsen bedingt Dar* zustellen. So stellt er die Werke in daS Leben, soweit sie für diese Wechselbeziehungen von Be­deutung sind, verweist jedoch die Besprechung aller anderen Kompositionen in einen zweiten Teil. Diese Trennung stellt sich beim ©tubium des Buches alS überaus glücklich heraus. Aus der verwirrenden Fülle deS Materials schälen sich nun mühelos die ganzen großen Gesichts­punkte heraus, die für bie llinstlerische und menschliche Wertung des Olympiers maßgebend sind. Mit großer Demut und Ehrfurcht vor bem Werk hat der Derfasser eS vermieden. Beethoven in der selbstgefälligen unb eigenwilligen Art zu interpretieren, wie es heute lei ber vielfach üblich ist, an seinen Werten herumzudeuteln und in sie etwas hineinzulegen, waS künstlerische Intuition war. So entsteht im Geben unb Werk Beethovens die Persönlichkeit des Heroen vor unS in feiner tiefen menschlichen Tragik unb feinem erhabenen, nie erreichten Künstlertum. Es ist ein Buch, daS inniges Derbundensein mit bem Dorwurf lebendig unb liebevoll gestalten konnte. 582

Alfred Kubin: Dämonen und Rachtgesichte. Mit einer Selbstdarstel- lung des Künstlers und 130 Bildtafeln Brosch. Mk. 8.. Earl Reißner, Derlag. Dresden 1926. Kubin ist eine, soweit wir sehen können, völlig isolierte Erscheinung in der modernen Kunst. Man wird kaum feine Weiter Wirkung, sicherlich nicht die Dorfahren bestimmen können, von denen er herkommt, an denen er geschult ist. (Er ist vielleicht überhaupt kaum an etwas ober jeman­dem geschult oderorientiert".) Er ist ein Eigener, den man auf keinen Stil, auf keine Richtung fest- legen kann. Man muh wohl in der Geschichte der Kunst sehr weit zurückgehen. biS man (im We­sentlichen) stofflich DetwandteS findet, etwa beim Höllenbreughel oder bei Hieronymus Bofch; viel­leicht läßt sich Äubtn eher aus dem Atmosphäri­schen deuten, daS die von ihm illustrierten Bücher umgibt. Also auS dem Geist bet T. A. Hoff­mann, Poe, Balzac, Gtrindberg. um nur die charakterischtischsten zu nennen. (Man hat das Ge-

Der Kleistpreisroman.

Alfred Neumann;Der Teufel".

Dem historischen Roman ist es in Deutschlaick m den letzten Jahren schlecht ergangen. Diel­leicht haben wir selbst zu viel Historie erlebt, um an den Dingen früherer Jahrhunderte Gefallen tu finden, vielleicht haben auch die Versuche der Ebers. Dahn u. a., uns die Geschichte ferner Zeiten unb bie großen Gestalten in ber Entwick­lung Der Döller durch die breite romanhafte Darstellung schmackhafter zu machen, nicht zur Rachfolge gereizt. Ein anderes ist es, mit bem Seherauge deS Dichters zu versuchen, bie großen Zusammenhänge psychologisch zu erfassen und die menschlichen Triebe aufzudecken. Dieser Weg führt zwischen Scylla unb Eharybdis. Es liegt nahe, die Geschichte durch eine falsche Psychologie zu verfälschen oder durch ein allzu bewußtes An- Cammern an die historischen Tatsachen den see­lischen Bedingtheiten, dem Lebendigen in der Geschichte, nicht gerecht au werden. Diesen Fähr­nissen scheint nun Alfred Reumann, ber Träger des diesjährigen KleistprsiseS. in fernem neuen großen Roman .Der Teufel" (Deutsche Derlags­anstalt in Stuttgart) glücklich entgangen zu fein. Wir alle kennen die Gestalten Ludwigs XL unb seines BarbierS Oliver Recker auS Walter Scotts -Quentin Durward". Was tn dieser romantischen Liebesgeschichte eigentlich nur im Hintergrund finster drohende Stafsage ist. wirb bei Reumann in den Mittelpunkt gerückt.. Die riesige Kolossal- ftffur des größten französischen Renaissancefürsten, der in der Einsamkett seiner Touraine, chlöster Dlessis unb Ambroise das Wert der Einigung Frankreichs erdachte unb mit allen Mitteln ber Politik sich gegenüber den Großen seines Reiches, gleich brutal wie verschlagen behauptet, findet in diesem Roman in feinster psychologischer Durch­dringung seine dichterische Derklärung. Reben thn tritt Oliver Recker, diese feltfame Gestalt eines Genter Barbiers, der als heimlicher Agent deS Königs in Flandern das Vertrauen Ludwigs gewinnt und dann zu feinem unentbehrlichen Rat und Minister, zu feinem zweiten Selbst wird. Dieses Zusammenwachsen der Beiden zu einem einzigen riesenhaften Etwas, das das Volk mit dem HamenTeufel" zeichnet, hat der Lichter unerhört zart und innerlich überzeugend ge­schildert. Ihre Hingabe an den Gedanken ber Macht, des Herrschens räumt aus dem Wege, was sich für Augenblicke zwischen sie stellt: die Frau. Sie müssen frei fein, um ganz ineinander aufgehen zu Runen, um dem Königsgedanken zum Liege zu verhelfen. Der Weg Ludwigs zur Einheit des Reiches führt über unzählige Leichen, über Scheußlichkeiten unb Verbrechen, wie die Menschheit sie nur selten wieder kennen gelernt hat. Ein Grauen ob so viel Blutes über­kommt auch den .Teufel". Aber sie müfsen bin- durch um beet großen Zieles willen. Einsam wer­den die Beiden im FelSklotz von PlessiS, die Scheu vor den Menschen unb die Angst vor dem Tode schließt den König ab von seinem Volke, von allem Geben. 11 nb hier beginnt mm der ,Teufel" alle Grausamkeiten deS königlichen Re­giments auf feine Schultern zu laden, die Person deS Königs selbst wird schon in diesen letzten Zähren feinen Franzosen zum MythoS. Ilnendlich milde und ehrfürchtig ist bann das Sterben de« Fürsten unb die Selbstaufopferung seines getreuen Oliver geschildert, ber als Sühne für bie Ge­waltherrschaft des großen Toten sich dem Henker hingibt, um seinem Herrscherhause die Krone zu retten. 700

Iugendschriften.

In unseren Jugendtagen hatten wir mit tiefer Anteilnahme bi? berühmten .Geschich­ten für Kinderunb solche, bie Kinder (leb haben" ber Johanna Spyri gelesen; diese tiefe, feine Menschenseele war die größte Kinbererzählerin, ebenso von srischer, fröhlicher Lebendigkeit wie von inniger Liebe zur Jugend erfüllt. In einem Buch der Johanna Spyri zu lesen bedeutete ein 'Vergessen der Umgebung. Diese Frau ist ein Beweis bafür, daß da», was echt, was wlrllich groß ist, all?n Stürmen, allen Veränderungen ber Zeit trotzt: Johanna Spyri ist bis heute die unerreichte Meisterin geblieben, sie ist inzwischen zur Klassikerin unter ben Ju­gendschriststellern und Jugendschriftstellerinnen aufgerückt. Ihre Bücher sind heute noch so be­gehrt wie zuvor, unb von ihrem Stamm-Verlags- Haus Friedrich Andreas Perthes erhalten wir die Kunde, daß ihre Absatzziffer vor ber brüten Million steht! Das ist ein erfreuliches Zeichen, ein Beweis dafür, daß trotz vieler Oberflächlich­keiten unserer .modernen" Zeitreine Literatur auch heute noch von unserer Jugend bevorzugt wird, und deshalb schon auf daS freudigste zu begrüßen! Der Verlag hat soeben Reuaus- gaben von dreizehn ihrer Bücher veranstaltet, die er, um der Bedeutung Spyris zu entsprechen, von ersten Künstlern neu illustrieren unb tn ge­schmackvollen, farbenfreudigen Ganzleinenbänden binden ließ, darunter ihre bekanntesten Geschich- ten. wie: Heidis Lehr- und Wander- jähre Heidi kann brauchen, was es gelernt hat Wo Gritlis Kinder hingekommen find Heimatlos usw. (Mk. 3 bis 4,50). So gilt also hier wenigstens noch das 'Wort: Wie die Alten fungen, so zwitschern die Jungen. Aus den Büchern der Johanna Spyri wird unserer Ju­gend reicher Segen kommen; diese Meisterin zeigt, wie man unterhaltend und spannend er­zählen kann, ohne an ungesunden Instinkten zu rühren. Mögen ihre Bücher weiterhin so be­gehrt bleiben es liegt im Interesse der Ellern, sie ihren Kindern zum Lesen zu geben. Wer den Lesestoff für die Jugend richtig auswählt, leistet beste und. waS in unserer heutigen Zeit nicht unterschätzt werden bars, unaufdringlichste Erziehungsarbeit.

HanS Härlin. Roßbach unb Minbe n. Pflug und Schwert im Siebenjäh­rigen Krieg. Mit vielen Vollbildern und zwei Schlachtenplänen. Franckbfche Derlagshandlung. Stuttgart. Eine gründliche Geschichtskenntnis ist die Grundlage, aus ber heraus der Verfasser seine Menschen fo lebensvoll zu gestalten ver­mochte, wie sie uns in seinem Buch begegnen. Die kraftvolle Bauernnatur des jungen Schwa­ben fm Mittelpunkt ist gut bargestellt, ferne Er-

, J an. Run fährt Hans Wollenberg mit feinem Onkel Herbert bei der Uebernahmefahrt eines Frachtdampfers mit. Lustig und forsch wechseln Fragen und Antwor­

tend wiederzugeben, die in diesem Band beschlossen lieat. Und es würde auch sicher vielen gar nicht damit gedient sein; zu Kubin muß man so­fort ein Derhältnis haben, oder man wird ab­lehnend, gleichgültig, mißverstehend sich wegwen­den. Rur auf eins sei noch aufmerksam gemacht: auf das rein Handwerkliche. Manches in diesen Lithos wirkt auf ben ersten Blick kindlich und unbeholfen, ist es vielleicht auch; das Skizzenhafte gehört sicher in vielen Fällen dazu. Diel öfter aber spürt man doch ganz abgesehen vom Inhaltlichen und Dargestellten eine verblüf­fende Meisterschaft in der Linienführung, in Raumgestaltung und Komposition. 720

Blätter, so ist es diese: entfesselte sucht und finbet ihre Visionen zwi- unb Traum, kreist durch alle mensch- übermenschlichen Räume bis an bie Grenzen der sinnlich faßbaren Welt. Dieser kaum Fünfzigjährige aus Leit- merih wird von Visionen überfallen und ge­schüttelt. von überlebensgroßen Gestalten und