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soll. 3.n übrigen wird der Rachtragsetat bewilligt

Um 6'- . Hljr vertagt sich Vas Haus auf

Beschäftigung von Wartegeld^ empsängern.

Berlin, 14. Dez. (WTB.) Der Haushalts- ausfchuh des Reichstages beriet einen Gesetzentwurf über Anrechnung der Wartestandszeit und Verwen­dung von Wartegeldempfängern. Die Reichsreyie- rung hielt es für angezeigt, eine gesetzliche Möglich­keit für die Heranziehung der Warte­gel d e m p f ä n g e r zur vorübergehenden Beschäftigung zu schaffen. Bei der großen An­zahl von Wartestandsbeamten müsse zwecks Ver­ringerung der öffentlichen Ausgaben darauf Be­dacht genommen werden, die Wartegeldlast durch weitgehende Heranziehung der Wartegeldemp­fänger einzuschränken. Der Ausschuß ver­längerte die gegenwärtig geltenden Bestimmungen über die Anrechnung der Wartestandszeit und Ver­wendung von Wartegeldempfängern bis zum 1. Juli 1927.

Die neue dänische Regierung.

Kopenhagen, 13. D:z. Das neue Kabinett wird am 14. d. M. amtlich ernannt. 3n politisch«! und unpolitischen Kreisen erörtert man lebhaft den Grund der Verzögerung, der darin besteht, daß die neue Regierung nicht am 13. Tage des Monats imb nicht an Einern Montag ernannt werden soll. Obendrein ist es nämlich das 13. Ka­binett, das seit dem politischen Svstemwechsel von 1901, durch den der konservativen Herrschaft in Dänemark ein Ende gemacht wurde, ans Ruder kommt. Mit dem Gutsbesitzer Madsen -Myg- d a l kommt ein berufener Vertreter der landwirt­schaftlichen Interessen zur Macht, der zugleich als in Rordschleswig gewählter Folketing--Abgeord­neter die besonderen Wirtschaftsnöte dieses Lan­desteils ins Auge fassen will. Manchen gilt der zum Finanzminister ernannte bisherige erste Führer der Dauernlinken, Siels Reergaard, als der eigentliche Kops des neuen Kabinetts. Dom deutschen Standpunkt Eaatn es begrüßt wer­den, daß der Posten des Ministers des Auswär­tigen nicht mit dem in Den letzten Tagen am meisten in Verbindung zu d esem Portefeuille ge­nannten Prager Gesandten Höst, sondern mit dem technischen Volkerbundvertceter De. M o l t e s e n besetzt worden ist. der vermutlich der von feinem Vorgänger, dem Grafen Moltke, sing rschlagenen Linie des Ausbaues des deutschen Schiedsver- tragsshstems und der Arbeit für die Weiterent­wicklung und Vertiefung d s Tölterbundrtedankens folgen wird. Er ist Aordschleswiger und Verfasser einer Reihe geologischer Schriften. Der neue Unterrichtsminister Dhskow ist ein bedeutender

Kunst und Wissenschaft.

Leo Jcobeniufl über seine afrikanische Forschungs- expedilion.

Leo Frodenius hat im Laufe dieses Jahres mit Hilfe von Auwmobilen eine Forschungsexpedition in die Küstenstriche zu beiden Seiten des Nils, vor- nehmlich aber in die Nubische Wüste, unter­nommen. Anregung dazu hatten ihm Berichte von Eingeborenen auf seiner letzten Expedition nach Aegypten gegeben, deren Unterlagen zu prüfen das Fiel seiner diesmaligen Expedition war. Die For­scher nahm Gelegenheit, vor einem geladenen Kreise im Frankfurter Institut für Kulturmorpholo- gie eine Fülle prächtiger Aufnahmen zu zeigen, die tiefe Einblicke in die kulturelle Entwicklung dieser Landstriche seit vielen Jahrtausenden geben, nament­lich durch Auffindung unzähliger gut erhaltener Bildnisse an Felswänden. Vergleiche der noch heute aufgeführten Lehmbauten und sonstigen Lehmpro­dukte mit Ausgrabungen zeigten, daß die kulturelle Entwicklung im Laufe von Jahrtausenden in den abseits der großen Städte gelegenen Wüstenstriche sich kaum verändert hat.

P7 rttcrvoraustsage.

Wechselnde B^wölkurm. meist wolkig, mäßiger Rachtfrost, stellenweise Riederschlagsschauer, in höheren Lagen Schnee.

Gestrige LagestcmHeraturen: Maximum 5.3, Minimum 0.0 Grad . Celsius. Riederschläge: 1,6 Millimeter. Heutige Morgentempeoatur: 0,6 Grad Celsius.

Aus aller Welt.

Eine Dallher-Ralhenau-Stiftung.

Die Erben Walter Rathenaus haben das feiner Zeit von 'Iathenau erworbene Schloß Freien­walde dem Kreise Oberbarnim geschenkt unter Hinzufügung eines Kapitols für die Erhaltung des Schlosses. Schloß und Schloßpark sollen als Walter- Rathenau-Stistung der Allgemeinheit gehören. Der Kreistag von Barnim hat die Schenkung ange­nommen.

Reichstagsadgeordneter Zubeil schwer erkrankt.

Der soziatdemotratiiche Reichstagsaogeord- nete Zubeil ist schwer erkrankt. Er wurde gegen Mittag in besinnungslosem Zustande in das Berliner Urban-Krankenhaus gebracht. Sein Zu­stand gibt zu ernsten Befürchtungen An­laß. ZubeÜ steht im 79. Lebensjahre.

Lin Riesenkunnel in Berlin geplant

Zur Entlastung des kaum noch zu bewältigen­den Verkehrs in der Leipziger Straße hat der Berliner Stadtbaurat Hahn ein Projekt ent­worfen, daß die Verlegung der stark verkehrs- hindernden Straßenbahn unter die Erde vor­sieht. Vom Berliner Rathaus bis zur Potsdamer Brücke soll ein viergleisiger Tunnel angelegt wer­den, dessen beiden inneren Gleise von der Unter­grundbahn und dessen äußeren Gleise von der Stra­ßenbahn befahren werden sollen. Die Untergrund­bahn ist als Schnellbahn gedacht und soll auf der genormten Strecke keine Haltestelle erhalten, während für den Kurzstreckenverkehr die unter­irdische Straßenbahn sorgen soll. Gewisse Schwie­rigkeiten dürften jedoch noch die finanzielle Seite der Frage bereiten.

Heues von den deutschen Schulkreuzern.

Der SchullreuzerEmden" ist am 14. De­zember von Lanzarote nach Las Palmas in See gegangen. Der SchulkreuzerHamburg" ist am 13. Dezember in der Suda-Ducht auf Kreta ein- getro fen.

Lin höhlenwohnung.

3m Forst bei Erkner (Mark» wurde durch einen Förster eine unterirdische Hohle entdeckt, die eine vollständige komfortable Wohnungsein- vichtung und Lebensmittelvorräte für mehrere Wochen enthielt, alles Dinge, die aus der Um­gegend gestohlen waren. Der Bewohner der Höhle, ein schwer vorbestrafter Verbrecher, wu.te verhaftet Ein großer Leiterwagen hat nicht ausgereicht. um alles Diebesgut auf einmal auf die Polizeiwache zu überführen.

Die Explosionskatastrophe in St. Auban.

Die Zahl der bei der ExplosionskatastropHe in St Auban ums Leben gekommenen Menschen beträgt 23. Die Leichen dec tödlich verunglückten Arbeiter sollen Russen und Polen fein. Es ist jedoch zu befürchten, daß noch weitere Ar­beiter den Folgen ihrer tödlichen Verletzungen erliegen werden. 30 Personen Und durch die ausströmenden Chlorgase stark vergiftet worden, besonders beunruhigend ist der Zustand von fünf dieser Verletzten, äleber die Kala» strophe wird noch bekannt, daß zwei Behälter von je 10 Kubikmeter flüssigen Chlors explodiert sind. Die Aufräumungsarbeiten sind angesichts der noch hier und da ausströmenüen Chlorgase sehr gefährlich.

Zugzusamenstoß in Rordfraukreich.

Dienstag früh stieß in der Nähe von S t. Quentin ein Güterzug auf einen alleinstehenden Wagen, der sich von einem anderen Zuge gelöst hatte. Einige Minuten später fuhr ein Personen­zug auf den Güterzug auf. Unter den Trümmern wurden zwei Tote geborgen. 10 Personen wur­den verletzt, davon fünf schwer.

Tödlcher Ausgang eines Boxkampfes.

3n Hartford im Staate Connecticut ist der französische Leichtgewiu)t,er Charite P e g u l i h a, dem bei einem Kampfe mit dem amerikanischen Boxer Friedmann der Schädel zersplittert wurde, g e st o r b e n. Friedmann ist verhaftet worden.

versicherungsschmindel.

In Wien hat die Gerichtsbehörde in der Sache des Ingenieurs Emil M a r.c k, der von einer Ver­sicherungsgesellschaft befduUbiflt wird, sich durch Axthiebe seinen Fuß ab gehauen zu haben, um in den Besitz einer Milliardensumme zu gelangen, auf die er sich halte versichern lassen, die Verhaftung sowohl Mareks wie feiner Frau, seiner Schwester und der Frau eines Spitaldieners ungeordnet, der unter dem Verdacht falscher Zeugen­aussage in Haft genommen worden war.

Das Analphabetentum in polen.

Rach dem Ergebnis der letzten -Volkszählung besitzt Polen 6 581 327 Analphabeten, vom zehnten Lebensjahre an gerechnet. Davon entfallen auf die Altersstufe von 10 bis 14 3ahren 1 051 450 Analphabeten, von 15 bis 19 3ahren 517 749. von 20 bis 29 Jahren 1 025 191, von 30 bis 39 Jahren 918 137, von 40 bis 59 3ahren 1835 302, wahrend 1 000 748 Analphabeten das 60. L.bensjahr über­schritten haben.

Etatberatungen im Reichstag.

Berlin, 14. Dez. Die zweite Beratung des Rachtragsctats wird fortgesetzt beim Haushalt des Reichsarbeitsmini st eriums. Der Ausschuß ersucht in einer Entschließung die Re­gierung, bis zu zehn Millionen zum Zwecke der Verbilligung des Kleinwohnungs­baues für bautechnische Versuche, insbesondere für die Errichtung von Dersuchsbauten und Ver­suchssiedlungen, zu verwenden.

Der Ausschuß hat u. a. die für die unter­stützende Erwerbslosenfürs-o^e eingesetzte Summe in Hohe von 60 Millionen Mark auf 100 Millio- jhn erhöht. Zu einmaligen Rotstandsmaßnah- men für langfristig Erwerbslose, Sozial- und Kleinrentner sind neu 25 Millionen eingestellt worden.

Abg. Hoch (Soz.) beantragt, den Betrag von 25 Millionen auf 60 Millionen zu erhöhen.

Reichsarbeitsminister Dr. Brauns betont die Rotwendiakeit. bei der Desetzung der sich au» der Beteiligung des Deutschen Reiches an dem Internationalen Arbeitsamt in $cnf ergebenden Stellen zunächst Beamte aus dem Arbeitsministerium nach Gens zu schicken, Y bis die erforderlichen neuen Stellen bewilligt sind.

Xbg. Frau Schröder (Soz.) bezeichnet die »"zu einmaligen Rotstandsmaßnahmen für lang­fristige Erwerbslose, Sozial- und Kleinrentner eingestellten 25 Millionen als nicht ausreichend. 3m Gegensatz zu der höheren Weihnachtsgabe der Beamten wolle die Regierung den Arbeits­losen nur eine halbe Wochenunterstühung, also 3,50 bis 10 Mk. zahlen, und zwar nur denen, die bereits über 25 Wochen erwerbslos sind. Den 3nvalidenrentnern werde nur eine Weih- nachtsunterstutzung von 6 Mk. gezahlt, den Klein­rentnern 15 bis 25 Mk. Das sei eine ganz un­gerechte Regelung. Die Rednerin beantragte eine Erhöhung der Gesamtsumme auf 60 Mill.

Abg. Frau Teusch (Zentr.) erklärt, die Zentrumsfraktion wolle den notleidenden Er­werbslosen, Sozial» und Kleinrentnern schnelle Hilfe leisten. Das fei im Ramen des sozialdemo­kratischen Antrags nicht möglich. Sie im Etat vorgesehene Hilfe sei digegen sofort realisierbar.

Abg. E r f i n g (Zentr.) erklärt sich damit ein­verstanden, wenn die Regierung deutsche Beamte für die Tätigkeit beim Genfer Arbeitsamt beurlaubt und ihnen die wohlerworbenen Rechte sichert. Richt erwünscht sei aber dabei die Verwendung solcher Herren, die schon während der Inflationszeit ohne Wissen der Reichsregierung sich um Stellen im Aus­land beworben haben, um besser gestellt zu sein als ihre Kollegen im Inland.

Abg. Herat (Dn.) beantragt, bei der für die Kleinrentner beantragten Wcihnachtsunterstützung als Mindestsätze festznlegcn 10 Mark für Allein­stehende, 15 Mark für Verheiratete, 7,50 Mark für die Bezieher von Waisenrente.

Rach Ablehnung der sozialdemokratischen und kommunistischen Anträge werden die Ausschuß- anträge über die Erwervslosensürsorge und über die Weihnachtsunterstützung angenommen.

Zu dem Zusahantrag Hergt (D.i.l erklärt o. Guerard (Ztr.), die Regierungsparteien konnten die finanzielle Wirkung des An­trags noch nicht übersehen. Sie würben sich jetzt der Stimme enthalten und ihre Haltung m der dritten Lesung von der Auskunft des Finanzmmi- sterS abhängig machen.

Der Antrag Hergt wird b:i Stimmenthaltung ter Regierungsparteien und der Sozialdemo- .'raten anaenornm.n. ebenso die Ausschuhentschlie- ßung für Dersuchsbauten und -siedlungen und eine .ozialdcmokratische E.itschl eßuug. wo . ach für Ar­beiten der prob k.iven Erwerbslosenlürsorg' die Arbeiterschrch-, Arbntsrechts- und Darifbeflim- nungen geltm sollen. Dem Sozialpol.t scheu Aus­schuß Überwiesen wird c ne temokr rt sch: E. tschlie- ßung. nach der die finanzielle W rfung einer Herabsetzung der Altersgrenze auf 60 3ahre in der Invaliden- und Angestelltenversicherung ge-

gülligeo Verhandlungen über den Fivan zaus- gleich den föderalistischen Gesichtspunkten mehr Rechnung zu tragen.

Blau hofft, daß Dr. Strefemann in diesem Fall das Außenministerium als Fachminister behalten könnte, da man besonders In demokrati­schen und Zentrumskreisev nicht glaubt, daß die Bolfspariei im Hinblick auf die notwendige Kon- finuifät der Außenpolitik In eine unbedingte Opposition gegen eine solche Regiervngsmehcheil treten würde. 3n Kreisen der Regierungsparteien glaubt man, daß man im Hinblick auf die gänzlich ' ungeklärte politische Lage die innerpolitische Aus­sprache bis zur ersten Lesung des neuen (Etats für 1927, die An sang Januar siattsinden soll, verschie­ben wird, um ben in Betracht kommenden Parteien die Möglichkeit weiterer Beryandlungen über Weih­nachten zu geben.

Die Reichswehr.

Gin demokratischer Wunschzettel zur Entpolitisierung der Reichswehr.

Derlin, 15. Dez. (Wolfs.) Die Dertreter der demokratischen Reichstagsfraktion haben den übrigen Regierungsparteien indrrReichs- wehrfrage eine Entschließung zur Acuhrrung und Zustimmung vorgelegt, von deren Annahme oder Ablehnung die Demokraten ihre weitere Mitwirkung innerhalb der Reglerungskoalitivn abhängig machen wollen. Wie dasD. T." er­fährt, fordern die Demokraten in dieser Entschlie­ßung u. a., daß die Reichswehr jedeDeziehung zu den Rechtsverbänden löst. Es wird weiter gefordert, daß Bestimmungen getroffen weiden, wonach jeder Verkehr von Reichswehr- angehörigen mit solchen Organisationen a l s Dienstvergehen betrachtet und behan­delt werden müßte. Ferner ist vorgesehen, daß die Entpolitisierung der Re.chswehr durch Unterricht und durch Ansprachen eine Förderung erfahren soll. Außerdem wird der Erlaß einer Verordnung gefordert, in der festgelegt ist, daß bei Ersah von Offizieren wie von Mannschaften neu eingestellte Leute auf dem Boden der Verfassung stehen. Ferner wird ein Erlaß der Reichsregierung an die Offiziere und Mannschaften der Reichswehr verlangt, in dem unbedingte Achtung vor den Hoheits­zeichen der deutschen Republik g?(vr- dert und ihre Wahrung als unbedingte Rot­wendigkeit bezeichnet wird. Die anderen Regie­rungsparteien haben zu der Angel^enheit noch nicht endgültig Stellung genommen. Wie die Germania" mitteilt, werden die Grundgedanken dieser Resolution auch vom Zentrum be­fürwortet, wenngleich ihre Formulierung und ihr Inhalt noch der Prüfung bedürfen. Die Zen­trumsfraktion hat mit dieser Aufgabe eine be­sondere Kommission aus ihren Reihen beauftragt.

Mittwoch.

Der preußische (Etat.

Kinauzminister Dr. Hoepker-Ajchoff begründet den Haushaltsvoranschlag im Landtag.

Berlin, 14. Dez. (DDZ.) Auf der Tages­ordnung des Preußischen Landtags steht die erste Lesung des Etats für 1927. Knanzrninister Dr. Hopker-Aschoff brachte den Etat ein und sprach die Erwartung aus, daß er recht­zeitig vor dem 1. April verabschiedet würde. Der Minister sührte weiter aus: 1926 werden außer­planmäßige Ausgaben, darunter große Beträge für Hochwasserschäden und Dolksfchul- bauten, 73,2 Millionen erfordern. Die unter­stützende Crwerbslosenfürsvrge wird 140 bis 150 Millionen verschlingen. Hiernach wird das Rechnungsjahr 1926 wahrscheinlich mit einem Fehlbetrag von 1037 Millionen ab» schließen. Dis zum 1. Oktober 1926 waren _ für bävilligte Anleihegesetze 139 Millionen flüifig geworden. Davon sind 30 Mllllonen im Laufe des Jahres 1926, annähernd 70 Millionen in der ersten Hälfte, verausgabt worden und zwar für den Ausbau der Häfen, der Bergwerke, der Eleltrizitätswerle, sodann aber auch für Melio­rationen, für Oedlandkulturen, Landgewinnungs­arbeiten, Eindeichungen und andere lanbtoirt* schaftliche Arbeiten. Das neue 3ähr wird einen neuen Anleihebedarf bringen. Aus den Ausgaben der produktiven Crwerbslosenfürfocge erwartet man eine verstärkte Forderung der Reubautätigkeit.

Die Reichssteuerüberwciiungen werden im Jahre 1927 ein Mehr vo.i 21,4 Millionen gegen­über dem vorjährigen Etat erbringen. Die preu­ßischen Steuern sind mit den vorjährigen De- trägen eingesetzt. Die Betriebs derwal- tungen werden 31 Millionen weniger er­bringen, da die Forsteinnahmen im Jahre 1926 überschöpst sind. Für die Erhöhung des Woh- nungsgeldHMchusfes, die im Falle einer Erhöhung der gesetzlichen Miete durchgeführt werden muh, sind 10 Millionen eingesetzt. Die Ausgaben für die Erwerbslosenfürsorge von 165 Mllllonen fallen weg, da das Reich die Kosten der unter­stützenden Erwerbslosenfürsorge übernimm! und da die Ausgaben der produktiven Erwerbslosen- fürforge auf Anleihen verwiesen werden sollen. Dafür fehlen im Jahre 1927 die außer­gewöhnlich en Einnahmen, die im Vor­jahre eingestellt waren. Preußen hat im Reichs­rat verlangt, daß den Ländern und Gemeinden die bisherigen älebertoeifungen aus dem Jahre 1927 zugeführt werden, daß also insbeson­dere die Umsatzsteuer nach einem garan­tierten Aufkommen von 1500 Millionen verteilt wird. Alle Länder haben sich diesen Forderungen angeschlosjen. Die Reichsregierung hat im Reichs- rat zu Protokoll erklärt, daß sie die Kosten der unterstützenden Erwerbslofenfürsorge den Ländern und Gemeinden abnehmen wird. Ob die Ge­meinden zu der Krisenfürsorge der Ausgesteuer­ten ein Viertel oder ein Reuntel beizutvagerr haben werden, wird vom Reichstage endgültig entschieden werden müssen. Ob es möglich sein wird, in den kommenden (Zähren die Steuerlast zu ermäßigen, wird im wesentlichen von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängen. Mit einer alsbaldigen Senkung der Steuern kann aber nicht gerechnet werden

Der Minister beschäftigte sich auch des nähe­ren mit der Hauszins ft euer und erflävte, der Hausbesitzer müsse an Lnflationssteuer das abgeben, was er an Hypothekenzinlen er­spart. Zu dem Gedanken der Znflationssteuer gesellt sich der weitere Gedanke einer Wert­erhaltungssteuer. Der Minister erklärt, daß die Steuer nicht in alle Ewigkeit aufrecht erhalten bleiben könne, daß es aber auch nicht anginge, sie von heute auf morgen abzuschaffen.

prüft und in einer Denkschrift nritgeteilt werden I Pädagoge und der Leiter und Desiher eines * " ' " - * ' " ' Seminars in Jütland. Er hat sich bisher politisch

" Die Paketannahme am nächsten Sonntag, 19. Dezember, ist bei dem Post­amt 1, Bahnhofstraße, von 8 bis 12 älhr vormittags geöffnet. Das Postamt 2 (Schulstraße) bleibt geschlossen.

** Die Bezirksschule in der Westan- la g e ist am Montag dem Unterrichtsbetrieb wieder übergeben worden. Die Benutzung des Physik- und Zeichensaales, sowie der Turnhalle kann erst nach den Weihnachtsserien stattfinden, da hier die Innen» einrichtung noch nicht vollendet ist.

** Eine öffentliche Steueranmah- nung erläßt die Stadtlaße in unserem heutigen Anzeigenteil. Die Säumigen mögen die Bekannt­machung beachten.

** Eine oberhessische Gewerbeaus­stellung ist für Juni 1927 in Gießen geplant. Dem Handwerk und Gewerbe unserer Provinz soft hort Gelegenheit gegeben werden, in umfassender Weise mit den Erzeugnissen gewerblichen Fleißes und Könnens vor die breite Oesfcntlichkeit au treten. An­meldungen mit Raumangabe werden bis 1. Januar entgegenaenommen. Interessenten mögen die heutige Anzeige beachten.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 15. Dezember 1926.

Neuordnung der evangelischen Kirchengemeinde Bietzen.

Bei der letzten Volkszählung hat sich heraus» gestellt, daß die Gießener evangelischen Kirchengemeinden in verschiedener W:ise gewachsen sind. Die Matthäusgemeinde umfaßt 6200, die Markusgerneinde 5000, die Lukasge» meinte 9600, die 3ohannesgemeinde 7630 Seelen. Während die beiten Stadtkirchengemeinden unter diesen Um (tönten einer Reuordnung nicht be­dürfen, macht in den beiten enteren, die xur 3o- hannesiirche gehören, die erheblich gesteigerte Seelenzahl eine Vermehrung der geistlichen Kräfte notwendig. Durch den Ausbau ter Gnauth- und der Klimlftrahe, durch die Siedlungen an ter Licher Straße und an ter Kaiserallee s:n> diese beiden Gemeinten sehr erheblich gewach» s e n. Der Kirchenvorstand muß deshalb darauf bedacht sein, diese Gemeinten kirchlich besser zu versorgen. 3n einer Sitzung, die am 5. Rovernber stattfand, wurde teschlvssen, daß im südlichen Teil der ßutadgem :inte und Im öst­lichen Teil ter Johannesgerneinde je ein De - zirka nzugrenzen sei. ter durch eilrenPfarr- assiftenten versehen teerten soll. Da an der 3o- hanneskirche bereits ein Pfarrassiftent angestellt ist, fo hätte hier nichts zu geschehen, als daß ein zweiter Assistent Verwendung flutet; der an der StadUirche angestellte Pfarrafsistent soll in seiner Tätigkeit belassen teerten. Auszerdenrchap. man die Errichtung neuer Predigtstäkien inS Auge gefaßt, da viele Gemeinteglieter zu weit entfernt von der Johannes^icche teohnen. Dieser Anregung ist das Landeskirchenamt nicht bei­getreten, da zur Zeit großer Mangel an Pfarr­amtskandidaten herrscht, vielmehr ist diese De- Hörde ter Ansicht, daß in Gießen zwei wei­tere definitiv angestellte Pfarrer Derwenduiig finden sollen. D:r Kirchenoorstand hat über diese Frage noch Dtschluß zu saFen. Allseitig besteht aus der Rot der Gemeinten heraus ter Wunsch nach einer Vermehrung ter Predigtstätten und ter yeistlichcn Kräfte, auch ein Gemeindehaus mit einem großen Saale wäre sehr notwendig. Es ist aber auch zu prüfen, ob die Kirchengemeinte die so entsteyende fi­nanzielle Mehrbelastung zu tragen ver­mag, zumal die Kirche ihre Kapitalien verloren hat und chre Grundstücke kaum etwas eintragen, Rur wenn bei den Gemeinte gliedern allseitig die Dereitwilligkeit besteht, zur kirchlichen Versorgung der Gemeinden nach Maßgabe des Einkommens beizutragen, kann diese Reuorganisation bald ins Leben treten.

Die Landesuniverfttat im Wintersemester 1926 27. Das Rektorat unserer Landes-Uni­versität bringt jetzt eine Uebersicht der Studierenden des Winterfeme ft ers 1926/27 heraus. Danach beziffert sich die Zahl der immattitulierten Studierenden auf 1326 (hier­unter 69 Studentinnen), die der immatrikulierten Hörer auf 25, insgesamt also 1351. Hinzu kommen noch 114 Gasthörer und 77 Gast-Hörerinnen, so­wie 2 Hospitantinnen, fo daß sich die Gesamt­zahl der Studierenden auf 1544 beläuft. Die 1326 immatrikulierten Studierenden ver­teilen sich nach Fächern wie folgt: Theologie 41, Rechtswissenschaft 293, Medizin 163, Veterinär­medizin 111, Philologie 185, Mathematik 59. Raturwissenschaften 76, Chemie 76. Pharmazie 18, Forstwissenschaft 70, Landwirtschaft 97, Staats- Wissenschaften 137.

Der Staatsangehörigkeit nach er­gibt sich folgende Verteilung der immatrikulierten Studierenden: 743 Hessen, 410 Preußen, 34 Bayern, 14 Sachsen, 5 Württemberger. 21 Ba­dener. 5 Thüringer, 3 Oltenburgcr, 4 Braun­schweiger, 4 Anhalter, 5 Hamburger, 3 Bremer, 4 Danziger, 7 Bulgaren. 4 Chinesen, 4 Finnen, 9 Letten, 6 Polen, 21 Rumänen, 4 Türken, drei Amerikaner und je 1 Mecklenburger, Aegypter. Elsaß-Lothringer, 3ugrslave, Memellänter, Ror- toeger, Oesterreicher, Russe, Ungar. Don den Studentinnen sind 46 aus Hessen, 15 aus Preußen, 2 aus Daden, je 1 aus Sachsen, Braun­schweig, Finnland, Letlland, Rußland, Amerika.

P.ornotize»r.

Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 7.15 Uhr,Der liebe Augustin" (Ende gegen 10 Uhr). Deutscher Bund für christlich- eoangelischc Erziehung in Haus und Schute: 8 Uhr, Johanneskirche, Weihnachtsfeier. Singsaal des Realgymnasiums: 8.15 Uhr, Vortrag des englischen Professors W. E. Wilson. Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße:Ranette macht alles". Astoria-Licht» spiele:In den Krallen des Todes".

~ Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Da sich die Krankheit von Frl. Alix K rahm er länger hinzieht, muß das LustspielBettinas Verlobung" vorläusig vom Spielplan abgcsetzt werten. Am nächsten Sonntag wird dafür das SchauspielAlt-Hei­delberg" gegeben. Für die Rolle terKäthie" ist Frl. Rita A n b r 6. die zwei 3ahre unserer Bühne als beliebtes Mitglied angehörte, ge­wonnen worden. Es sei ausdrücklich daraus hin- gewiesen daßA l t - H e l ö e Ibe r g nur im Sonntagsabonnement. nicht aber an den Abon- nemenlstagen der Woche zur Aufführung aelangt; die Vorstellung bietet deshalb Gelegenheit zur Verwendung von Gutscheinen.

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