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HeWSttenverein für Hessen.

Mitgliederversammlung 1926.

1925 durch Lusschußberatungen von der Oppo­sition an das Licht der Oeffortüchleit gebracht tvurden, oder aber, was noch schlimmer ist, daß der hessische Finanz Minister zwar diese Entwich lung mitansah, aber nichts unternahm, um ihr wirksam und energisch in dem Arm zu fallen.

Die angeführten Zahlen geben nur 3thiftza- tionen und Keine Ausschnitte zu dem Gesamt­bild der Entwicklung der hessischen Staatsaus­gaben. Sie zeigen aber den Lesern, wie man die Dinge in Hessen hat laufen lassen und wie man wahrhaftig nicht davon reden kann, das; die Staatsfinanzen bis zum Jahre 1926 gesund ge­wesen seien. Sie waren krank, schwer krank, und zwar deshalb, weil man sich unterfangen hatte, den schwach und kraftlos gewordenen hessi­schen Wirtschaftskörper mit Staatsausgaben und -aufgaben zu belasten,- unter denen er auf die Dauer zusammenbrechen muhte.

Schon in der Sitzung des hessischen Landtags vom 7. April 1925 hat der Abg. Dr. Riepoth im Auftrage der Fraktion der Deutschen Vofts- partei auf ®runö einer Denkschrift des Finanzministers selbst folgende Feststel­lungen gemacht: Die persönlichen Kosten der Staatsverwaltung find von 1914 bis 1925 gestiegen von 25,6 auf 72J Millionen. Setzt man von der letzten Ziffer die Kosten für die vom Staate gegenüber 1914 neu übernommenen Auf­gaben ab, so ergibt sich eine Steigerung auf 49,4 Millionen, d. h. eine Steigerung von 9 4 Prozent. Die sachlichen Kosten sind damals gestiegen von 22,2 auf 31,5 Millionen, also um rund 42 Prozent. Die persönlichen und sachlichen Kosten zusammen wohl gemerkt, ohne die neuen Ausgaben von 47,8 auf 80,7 Millionen, d. h. um rund 70 Prozent. Nach der damals vom Reichs- finanzministerium herausgegebenen Statistik betrug der Durchschnittsbedarf der Länder gegenüber 1914 im Jahre 1925 45 Prozent, in Hessen also 70 Prozent, im Durch­schnitt der übrigen Länder 45 Pro­zent.

Dah eine derartige Aufblähung des Staatsverwaltungsapparates in einem wirtschaftlich schwer daniederliegenden Lande wie Hessen weder wirtschaftlich noch sachlich gerechtfer­tigt werden kann, ist fo einleuchtend, daß heute selbst der Finanzminister nicht mehr den Versuch macht, diesen Apparat als absolut notwendig zu ver­teidigen.

Der Rückgang der Erwerbslosigkeit. Während vor etlichen Monaten allwöchenllich das Ausscheiden einer recht statllichen Anzahl von Erwerbslosen aus der Fürsorge festgestellt werden konnte, ist seit einigen Wochen nur ein mäßiger Rückgang der Arbeitslosigkeit zu verbuchen. In giffi,; langsamem Tempo erfolgen die Wiedereinstellungen, was gerade nicht dafür spricht, daß sich die Lage unserer Wirtschaft auffallend gebessert hat. Die In­dustrie ist gegenüber früher gewiß stärker beschäf­tigt, aber doch nicht so erheblich mehr, um aus dem Arbeitslosenheer von einer Woche zur andern meh­rere hunderttausend Personen herauszunehmen. Er­freulich ist es dennoch, daß es gelungen ist, im ver­gangenen Monat wenigstens 85 000 Arbeitslose um terzubringen. Ein Umstand darf aber nicht übersehen werden: die jetzt eingetretene Bessern» unserer wirtschaftlichen Lage, wie sie sich in ten Abnahme der Erwerbslosigkeit ausdrückt, hän-gt einzig und allein mit den Auswirkungen des Berg­arbeiterstreiks auf bie englische Wirt­schaft zusammen. Ist der Ausstand zu Ende der namentlich dem Bergbau eine gute Beschäftigungs­periode gegeben hat dann wird sich auch in un­serer Wirtschaft manches wieder zum Schlechteren wenden. Gerade dieser Umstand sollte Veranlassung genug fein, das Erwerbslosenproblem nicht von der Seite der Arbeitsbeschaffung durch Vergebung von mit Staatsmitteln finanzierten Aufträgen zu lösen zu versuchen, sondern dadurch, daß der Wirtschaft mög­lichst die Erleichterungen gegeben werden, die nötig sind, um sie in die Lage zu versetzen, ihre Pro- duktlonsunkosten stark zu senken. Don diesem Punkt hängt es ab, ob sie Aufträge erhält oder nicht, ob sie mit dem billig produzierendem Ausland kon­kurrieren und Arbeiter einstellen kann oder vielleicht in absehbarer Zeit wieder zu Betriebseinfchränkun- rgen schreiten muß. Außerordentlich bedauerlich ist ip' daß sich der Reichstag um Unterstützungssätze streitet, statt zu überlegen, wie man die Wirtschaft Furch finanzielle Entlastung wieder an­kurbeln kann.

Unter der Leitung feines Vorsitzenden, Prüft- deuten Reumann. hiÄt der Heilstättew verein für Hessen am Samstag seine ordentliche Mitgliederversammlung in der hie­sigen Liprusheilstätte ab. Vertreter der Bewor­ben, il cl amh des hessischen Staatsministeriums, der Wissenschaft und andere waren hierzu in stattlicher Anzahl erschienen.

Präsident OZeumann hob in seiner Be­grüßungsansprache das unablässige 3ntereffe der Regierung an der Arbeit des Vereins hervor, entbot den Vertretern der Regierung besonderen Gruß, und dankte allen, die dem Verein bisher in bester Weise geholfen. S^ann gedachte er der beiden verstorbenen Vorstandsmitglieder. Oberbürgermeister Köhler-Worms (einer der Gründer des Vereins) und Ministerialdirektor Hölzinger -Darmstadt, zu deren Ehren sich die Versammlung von den Plätzen erhob. An­schließend machte der Redner einige Mitteilun­gen zu dem gedruckt vorliegenden

Geschäftsbericht über bie Dereinslatigkeil in den Wen 1921 bis einschließlich 1925.

Seit Öen trüben Zeiten der Inflation haben sich bie Verhältnisse für den Verein wesentlich gebessert. Es war ihm mögsich, seine beiden Heilstätten auszubauen, zu erweitern und mit allen modernen Mitteln auszugestalten. Dazu waren große Mittel erforderlich: sie sind aber beschafft worden. Die Lupusheil statte in Gießen ist das Lieblings-, aber auch das Schmerzenslind des Vereins: das wird offen zugestanden, und doch ist es etwas Großes, eine solche Einrichtung geschaffen zu haben. Die Eleonoren Heilstätte bei Winter­kasten ist vom Keller bis zum Dach voll­ständig neu hergerichtet und schön in ihrem äußeren Gewände. Die Aufwendungen für diese Arbeiten waren recht beträchtlich. Seit einigen Tagen ist nun auch die Lupusheilstätte von den Handwerkern frei. Der Aufwand für die Lupus­heilstätte war bedeutend: man hatte mit 160 000 Mark gerechnet, in Wirklichkeit beziffern sich die Kosten aus rund eine halve Million. In der Eleonorenheilstätte sind setzt 105 Betten, in den beiden Häusern der Lupüshttlstätte über 100 Detten, in der Kinderheilsrätte 32 vorhanden. Die beiden großen Heilstätten sind in den letzten wahren ständig voll besetzt gewesen, zahlreiche Vormerkungen von Pattenten, die z. 3t. noch nicht ausgenommen werden können, sind vor­handen. Die Lupusheilstätte in Gießen, in Deutschland die einzige dieser Art, ist die am modernsten eingerichtete derartige Anstalt. Leider ist sie heute schon wieder zu klein angesichts der ständig wachsenden Pattentenziffer. Viele Patien­ten können erst einige Monate nach dtr An­meldung aufgenommen werden.

Der Gedanke einer Erweiterung der Lupus- heilstätte durch einen dritten Hausbau steht schon wieder im Vordergründe.

Alle Berichte stimmen dahin überein, daß Lupus sich erhebllch verbreitet. Daher ist die Inanspruch­nahme der Hellstätte so sehr groß. Anmeldungen von Patienten kommen aus allen Gegenden des Reiches, selbst aus dem Auslande liegen ständig An­meldungen vor. Die Kinbsrheilstationen in Hirschhorn und Waldmichelbach sind gut besucht. Dis Heilerfolge sind gut. Beide Heilstätten sind mit allen modernen Einrichtungen ausgeftuttet worden. Weniger Zufriedenheit löst die Kinderheil- station Lampertheim aus. Wegen ihrer uage ist sie nicht dazu angetan, daß dort lungenkranke Kinder Heilung und Genesung suchen können. Die Fürsorgetatigkeit für Lungenkranke hat von Anfang an großen Anklang gefunden, sie ist aber auch ständig gewachsen. In 664 Fällen bis Anfang November wurde Hilfe gewährt. Davon entfallen 40 Prozent auf Kinder, 60 Prozent auf Erwachsene. Hierdurch wurde der Verein bis jetzt mit 55 000 Mk. Kosten belastet, bis Ende d. I. wird hierfür mit 6065 000 Mk. zu rechnen sein. Der Staat hat zu dieser Maßnahme umfangreiche Zu­schüsse bewilligt. Der Erfolg dieser Aufwendungen ist befriedigend. Die Tuberkuloseziffer ist etwas im Abnehmsn begriffen, insbesondere ist die Sterblich­keit in der letzten Zeit erheblich zurückgegaugen. Da­gegen ist bie Zahl ber Gesuche um Aufnahme in bie Heilstätte im Zunehmen begriffen.

lieber bie im Jahre 1925 einmütig beschlossene Errichtung ber K i n b e r h e i l stä tte Winter­tast e n in nächster Nähe ber Eleonorenheilstätte teilte Präsident Reumann mit, bah bie Rohbau jetzt fast oollenbet ist. In ben nächsten Tagen soll mit bsm Ausbau begonnen werben. Voraussichtlich kann bieser Bau im August ober September näch­sten Jahres seiner Bestimmung übergeben werden. Es wirb mit Hochdruck gearbeitet. Die Kosten sind mit 400 000 Mk. veranschlagt, sie werden aber wohl auf 500 000 Mk. kommen. Die Mittel find noch nicht ganz beifammen, bis jetzt stehen rund 100000 Mark zur Verfügung. Aus der produkttoen Er­werbslosenfürsorge kommen wesentliche Beihikftn. Der Neubau der L u p u s h e i l st ä t t e ist bis auf den letzten Pfennig bezahlt. Als nächstes Werk erhofft man die Errichtung einer Heilstätte für Tuberkulose ber oberen Luftwege.

Der Geschäftsbericht unb bie Rechnungsablage wurden einftirmnig genehmigt. Die Rechnung für 1925 schließt mit 454818,62 Mark Einnah­men, 387 143,22 Mark Ausgaben, 67 675,40 Mark Kasienbeftcmd ab. Im Voranschlag für 1926 fmb 436 700 Mark in Einnahme unb Ausgabe vor­gesehen.

Die Neuwahl bes Dorstanbes ergab bie einstimmige Wieberwahl ber bisher amtierenden Mitglieder, wobei jedoch die nachstehenden Verände- rungen eintraten: Für ben verstorbenen Oberbür­germeister Köhler (Worms) wurde Bürgermeister Schulte (Worms) gewählt, an die Stelle bes ver­storbenen Ministerialdirektors Hölzinger (Darmstadt) berief man ben Ministerialdirektor S pa- mer (Darmftabt) als Nachfolger des wegen Ar- bertsüberlaftung 3uriufgetretenen Kommerzienrats Langsdorf (Friedberg) wählte man Oberbürger­meister Keller (Gießen), wodurch man auch den Dank des Vereins für bie großzügige Unterstützung burch die Stabt Gießen zum Ausbruck bringen wollte. Die bisherigen Rechnungsprüfer wurden wiebergswählt.

Hieran! Hielt der Chefarzt der Eleonoren- heilftätte, Dr. S e l l, einen fesselnden Vortrag über das ThemaNeue Wege in der Zuber- kulofe-Dekämpfung".

Ein wichtiger Beschluß ber hessischen Landes- oersichernngsanstalt.

Präsident R e u m a n n machte hierauf Mit­teilung von einem sehr bedeutsamen Beschluß des Gesamtvorstandes der Landes­versicherungsan st alt Hessen. Dieser hat in feiner jüngsten Sitzung beschlossen, die schematische Regelung der Kür für Tuber­kulose (höchstens 13 Wochen) zu beseitigen und dafür die individuelle Kur einzufüh­ren, S. h. jeden hier in Betracht kommenden Tuberkulosekranken so lange in der Heilstätte zu belassen, bis die Heilig beendet ist. Eine ähn­liche Maßnahme wird demnächst auch von reichs- wegen eingeführt werden. Das Reich wird hierzu 40 Millionen als Zuschuß a_, die Landesverftche- rungen geben, von denen auch Hessen Antell bekommt.

Im Anschluß an die Terfammlunng nahmen bie Teilnehmer eine Besichtigung der Lupus­heilstätte vor.

Aus bem Geschäftsbericht.

Die Lupusheilstätte in Gießen wurde im Jahre 1925 von 263 Patienten ausgesucht, von denen 48 auf das Jahr 1926 übernommen wurden. Von den 263 Pattenten waren 243 ein­mal, 18 zweimal, 1 dreimal. 1 viermal da. Von den Kranken waren 105 Männer, 158 Frauen. Aus Preußen stammten 170, aus Hessen 60 (Ooerhessen 29, Starkenburg 17, Rheinhessen 14), Vayern 13, Saargebtet 7. Sachsen 4. Waldeck 3, Saßen 2, je 1 aus Sachsen-Meiningen. Schaum- burg-LiPpe, Oldenburg. Württemberg. An Pflege- tagen wurden insgesamt 21 592 gezählt.

2n der Eleonorenheilstätte bezifferte sich die Patienten zahl im Jahre 1925 auf 549; davon wurden 92 auf das Jahr 1926 über­nommen. Die durchschnittliche Behandlungsdauer betrüg 8, Tage. Zahl der Verpflegungstage

Kinderheilstation Hirschhorn 1925: Gesamtzahl der verpflegten Knaben 137, davon auä Hcsien 111 (6 arfenburg 66, Rheinhessen 30, Oberhessen 15). Die durchschnittliche Gewichts­zunahme betrug 4 Kilo. Lampertheim: 1925

Das große Würfelspiel.

(Martina Wilemar.)

Roman von Franz lauer Kappus.

42 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Ich bringe dich rasch nach Haufe", sagte Kreuth. Nein bei mir darfst bu nicht sitzen. Ieber Schupo erkennt bann, baß wir mit abgestelltem Taxameter fahren.

Pustenb unb schnaufend zog bas Vehikel an.

Merkwürbig niebergeduckt fah Benno von rück­wärts aus. Steil stanben bie Schullern, fast versank der Kopf zwischen ihnen Aber alles ging glatt Ge­spickt schlangelte sich Kreuch burch bie weniger be­lebten Straßen. Nur auf bem Potsdamer Platz gab es längeren Aufenthalt. Wie ungebulbige Tiere knurrten unb fauchten bie Wagen ringsum. Enblich sprang auf bem Derkehrsturm bas erlöfenbe Licht fignal auf. Mit mächtigem Hupengetöse fuhr bie Doppelkolonne los.

Immer gerabeaus starrte Martina auf ihrem Sitz.

Nach zehn Minuten war man an Ort unb Stelle.

Warte einen Moment," sagte Martina,ich Hols rasch meine Papiere. Morgen willst bu ja zum Stanbesamt."

Doch Kreuch faßte sie beim Aermel.Morgen?" Er blickte zu »oben. ..Morgen komme ich nicht ba- zu. Dazu braucht man Zeit " Kurz machte er sich an seinem Auto zu schaffen,llebermorgen vielleicht. Ober noch besser: nächste Woche. So bringend ist bas ja nicht." Gekrümmt ftanb er ba. Sein abge­spanntes Gesicht zuckte.

Nicht bringenb, Benno?" Martina taumelte (eicht.

Kreuth schaute auf bie Armbanduhr.Um halb achl soll ich in ber Genthiner Straße sein." Er suchte Nach seinem Stadtplan unb orientierte sich rasch. Gleich barauf kletterte er in ben Wagen.Bringe mir bie Papiere bas nächstemal mit." Schon sprang ber Motor an.Aus Wiedersehen, Martina."

XXXI.

Eine Dame wünscht Sie zu sprechen, Fräulein Wilemar."

Mechanisch rückte Martina bie Papiere auf bem Schreibtisch zurecht.Eine Dame? Bitte." Nicht zur Ruhe wollten ihre Härrbe kommen.

Maria Feoborowna Sabukowa trat ein.

Einen Augenblick ftanb sie still. Ruhig musterte sie Martina, ehe sie ihren Namen nannte.Fräulein Wilemar, nicht wahr?" Ihr Leib in bem schmieg­samen Rohseibekleib drehte sich herum.Vielleicht schließen wir bie Türen, Fräulein Wilemar."

Bitte." Martina zog die Türen zu.Wollen Sie doch Platz nehmen."

Die Sabukowa setzte sich. Still Ingen ihre weißen, ringlosen Hände im Schoß.

JEs war nicht leicht, fo weil zu kommen", sagte bie Sabukowa unb warf ben Kopf zurück.Sie er­innern sich boch, Fräulein Wilemar? Dor zwei Wochen war es, im Adlon. Sie sahen mit Herrn Hedbenhausen und Herrn von Kreuth beisammen." Noch höher stiegen ihre Brauenbogen.Sie erinnern sich doch?"

Gewiß," sprach Martina,ich erinnere mich."

Was ich weiß, verdanke ich Herrn Hedbenhausen. Seine Bekanntschaft war balb gemacht." Die Sabu- kowa lächelte leise.Auch Herr Hebbenhausen scheint mit ber Lage nicht sehr zufrieben zu fein."

Die Züge Martinas spitzten sich feinbselig.

Auch?

Ebenso wie id), Fräulein Wilemar."

Ooh!" rief Martina unb erschrak vor bem lang­gezogenen Laut. Aber verzweifelt raffte sie bie Kräfte zusammen.Deshalb finb Sie hierher ge­kommen? 9hir das wollten Sie mir sagen? Den Weg hatten Sie sich sparen können "

Die Sabukowa betrachtete ben Kalenber auf bem Schreibtisch.

"Es hanbelt sich auch um Sie, Fräulein Wile­mar. Immer finb bie Frauen ber wichtigere Teil, wenn ein Mann zwischen zwei Frauen steht. Darum bin ich zuerst zu Ihnen gekommen."

Martina sprang auf.

Sie meinen, baß Benno"

Das Lächeln ber Sabukowa würbe überlegen. -Es sah so aus, als ob Herr von Kreuth zwischen Ihnen unb mir ftänbe. Es hatte ben Anschein, Fräu­lein Wilemar." Bebächtig flochten sich zwei weiße Finger in eine Perlenkette. Langsam wippte ein schmaler Fuß im Hellen Wilbleberschuh.Das Bild

bat sich verändert. Die Lage ist jetzt klar. Beruhigt könnte ich jetzt wieder gehen.

Ich muß Sie bitten, deutlich zu fein, Fräu­lein

"Sie dürfen auch gnädige Frau sagen", sprach die Sabukowa.Es ist ein dehnbarer Begriff." Se­kundenlang schaute sie zur Decke.Also deutlich soll ich fein. Ich will gerne deutlich sein, Fräulein Wilemar."

Welche Rechte haben Sie auf Benno?" stieß Martina hervor.

Rechte?" Es war, als amüsierte sich die Sa- bukowa.Kein Mensch hat Rechte auf ben anderen. Niemand bars sich bergleichen anmaßen. Welche Rechte könnte ich auf Herrn von Kreuth haben? Der Ausbruck ist wahrlich nicht am Platze."

"^ber.'ch habe Rechte!" rief Martina unb wuchs in bie Höhe.Seit balb zwei Jahren bin ich mit Benno verlobt. In den nächsten Wochen heiraten wir. Das finb meine Rechte!" Plötzlich würbe sie unsicher. Der ruhige Gesichtsausbruck ber Sabu­kowa machte sie irre. Welche Frau! bachte sie unb versank in Staunen. Zorn wallte hinterher auf. Warum starren Sie mich so an? Zweifeln Sie vielleicht?" Schrill lachte Martina. .Ober haben Sie es vorhin nicht selbst gesagt: bas Bilb hat fich verändert, die Lage ist jetzt klar? Mit diesen Worten haben Sie es doch gesagt?"

Mit diesen Worten", bestätigte die Sabukowa.

Was wollen Sie bann'?" Weit beugte sich Mar­tina vor.Wenn bas Bild für Sie klar ist. war können Sie bann noch wollen?"

Die Stimme ber Sabukowa wurde schwer unb tief.Nicht in bem Sinne, wie Sie es meinen, ist es klar. Das Bilb ist klar, trotzdem Sie mit Herrn von Kreuth fett zwei Jahren verlobt sind."

Troßbem?"

,Za, trotzdem."

Martina fühlte sich wehrlos.Das ist mir zu hoch, gnädige Frau", sprach sie beinahe versöhnlich. Das verstehe ich wirklich nicht." Auf einmal war ihr, als ginge bie Unterrebung sie nichts an. So weit rückte bie Frau in ben Bereich bes Rätselhaften, daß jede Gemeinschaft erlosch.

Ich will Sie bei Gott nicht verletzen, gräulein Wilemar", sagte bie Sabukowa. Einigemale (reiften ihre Blicke burch ben engen Roum. Dann lagen sie wieber auf Martina.Ersticken Sie hier nicht?"

Ihre Rechte beschrieb eine kleine, runbe Bewegung. Alles bas ba, unb Sie ba brtn, unter bem Haufen Papier, angekettet von früh bis abenbs: armes Kinb." Sie stand auf unb trat auf Martina zu. Einen Moment berührten ihre kühlen Finger ben bloßen Hals ber anderen.Nein," lächelte Die Sa« bukowa,so sieht keine Feindin aus! nicht einmal eine Rivalin." Wieder fetzte sie sich.

Martina dämmerte vor sich bin.

Als Rivalin finb Sie bodj gekommen", sagte sie nach einer Pause.Ober wenn Sie nicht als Rivalin gekommen finb: warum gehen Sie nicht? Nichts haben wir miteinander zu schaffen. Daß Sie Benno irgendwo in Italien ober in ber Schweiz kennen gelernt haben, gibt Ihnen kein Recht, hier zu sitzen. Ich habe Wichtigeres zu tun. Ich sollte Briefe schreiben, Ausgaben verbuchen, telephonieren: ich weiß gar nicht, was ich alles sollte. Warum sitzen Sie also hier, warum?" Woher alle bie Worte nur kamen ? dachte Martina. Was wollten alle bie leeren Worte? Unerreichbar war biefe Frau. Keine Silbe bran$ bis zu ihr.

Die Saoukowa rührte sich nicht.

Auf einmal kam ein starrer Glanz in ihre Augen.Sie geben Herrn von Kreuth boch frei?" fragte sie leise unb schwingenb.

Nie gebe ich Benno frei. Nie!".

»Also Kamps?" Lispelnd bewegten sich bie Lippen der Sabukowa.Mit mir wollen Sie kämpfen?" Fassungslos blickten bie braunen Augen.Mit mir Sie?"

Mit Ihnen, mit ieber"

«Mit ber ganzen Wett vielleicht?"

Auch mit ber ganzen Welt, wenn es fein muß." Memlos fiel Martina auf ben Stuhl.

Die Sabukowa straffte sich.

Auch wenn Herr von Kreuth ein Ding, eine Ware wäre: auch bann würbe ich mit Ihnen nicht kämpfen. Wo denken Sie hin, kleines Mäbchen?" Die Sabukowa lachte gurrenb.

Unb jetzt? fragte sich Martina, unb jetzt? Alle Kräfte waren plotzl'ch erlahmt Losstürzen wollte sie auf bie Fran, l>ie Nägel in bas weiße Gesicht schlagen anspeien wollte sie bie Frau: aber bie Muskeln gehorchten ja nicht. Etwas war ba, was den ganzen Leib umschnürte. Smrfter fester zogen die Schrauben an.

(Fortsetzung folgt.)

wurden 54 Kinder mit 4525 Pf lege tagen verpflegt. 9 Kinder wurden in das Jahr 1926 übernommen. Waldmichelbach 1^25: 80 Kinder mit 5022 Pflege lagen. Gewichts, una^rne durchschnittlich 4 Kilo. Aus e-artenbr.rg waren 43, Rh« in Hessen 14, Oberheften 2 Kinder. 19 wurden m das Jahr 1926 übernommen.

3n den fünf Berichtsjahren (1921 bis 1925 einschl.) wurden in den Anstalten des Vereins im ganzen 5258 Plegftng« mit 354 670 Pflegetagen gezählt.

Oberhessen.

LaudLreis ließen.

) Lich, 14- Roo. Der Verein für 2 olks - b t fb u n g hielt dieser Tage imHolländischen Host' feine diesjährige ordentliche Hauptver­sammlung ab, bie gut besucht war. Der Vor­sitzende, Bürgermeister Völker, erstattete den Ge- fchäftsbericht. Die Zahl der Dereinsmitglirder be­trägt zur Zeit 162. Ueber die oolksbildnerischen Ver­anstaltungen bes letzten Jahres würbe eingehenb Bericht erstattet. Den Bibliothekaren, Stubienrat Dr. Stotz unb Wilhelm Schäfer, wie auch ben Heisern Heinrich Jalod Menges, Lehrer Mek- k e l, Lehrer Mori unb Otto Zimmer wurde ber Dank bes Vereins für ihre mühevolle Arbeit abge» stattet. Der Verein hat im vorigen Jahr eine Zu­wendung von ber Stadt von 150 Mk. unb in bie- fern Jahr eine solche von 50 Mk. erhalten. Außer­dem bewilligte bas Kreisschulamt in ben beiden letzten Jahren je 15 Mk. für die Bücherei. Auch hierfür wurde den bewilligenden Körperschaften Dank gesagt. Stubienrat Dr. Stotz erstattete Be­richt über bie Bücherei, über bie erfolgten Neu­anschaffungen usw. Die Bücherei umfaßt nahezu 2000 Bände. Etwa bie Hälfte davon ist unterhal- tnngsüteratur, es sei auch eine stattliche Anzahl von Büchern belehrenden Inhalts über alle möglichen Gebiete des Wissens vorhanden, daneben eine reich­haltige Jugenbbücherei. Der Rechner Moritz ®olb- fchmibt erstattete den Kassenbericht. Die Kasien- oerhältnifie fmb bank ber vorsichtigen Geschäfts­führung des Vorstandes als günstig zu bezeichnen. Bei ber Vorstanbswahl erfolgte Die Wieberwahl der ausscheid-nden Mttgtieder, neu zugewählt wurde der grifeurmelfter Karl Ludwig Insel. Er wurde noch Bericht erstattet über die nächste Zeit geplanten Beranftaltungen. Aus ber Versammlung würbe noch angeregt, ben Direktor Dr. Hassinger aus Darmftabt zu einem 'Bortragsabenb hierher zu bitten, außerbem soll versucht werben, ab unb zu ein gutes Theater für unsere Stabt zu gewinnen. Die Einrichtung einer Volkslesehalle würbe noch in Erinnerung gebracht, sie kann aber erst einge­richtet werden, sobald die derzeitige Wohnungsnot überwunden ist.

: Beuern, 14. Rov. Tins er langjähriger allseits beliebter Lehrer Herrn. Rau Hai dieser Tage unser Dorf verlassen, um in Klein- Linden, wohin er verseht wurde, seine neue Stelle anzutreten. Seit 1913 war er in unserer Gemeinde tätig und hat er sich in dieser Zeit große Verdienste um unser Dorf erworben. Auch außerhalb de. Schule war Lehrer Rau tätig. Als Dirigent, Lrs Kirchenchores, den er sechs Jahre leitete, brachte er diesen auf sehr hohe gesang­liche Stufe. Seinem scheidenden Dirigenten zu Ehren hielt der Kirchenchor eine Abschiedsfeier ab. Der Abend verlief in harmonischer Weise. Der Chor Jang verschiedene Lieder, und dann wurden eine Serie lebender Bilder gezeigt, die großen Beifall fanden, Ais Zeichen der Dankbarkeit wurde dem scheidenden Dirigenten ein Geschenk überreicht. Der Vorsitzende des Vereins, Pfarrer Wagner, sprach in vortrefflichen Worten den Dank des Vereins und die Hoffnung aus, daß der Kirchenchor auch weiter auf dieser Höhe bleiben möge. Auch Don den öffentlichen Körper­schaften unserer Gemeinde wurde eine Abschieds­feier zu Ehren von Lehrer Ran veranstaltet. Pfarrer Wagner brachte den Dank der Kirche uiid des Kirchenvorstandes dar. Bürgermeister Lindenstruth sprach den Dank der Gemeinde aus und überreichte ein Ehrendiplom. Bewegten Herzens dankte Lehrer Rau für alle Ehrungen.

Kreis Friedberg.

Bad-Rauhei m, 15. Rov. Ernst- Ludwig-Schule und Stadtschule, die an der Peripherie der Stadt in wenig ver­kehrsreicher Gegend liegen, hatten in der Rächt vom Samstag zum Sonntag Besuch durch Ein­brecher. Durch Zertrümmerung einer Fenster­scheibe hatten sie sich in beiden Fallen Eingang zu den Gebäuden verschafft. In den Amts-