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vr. 268 Erstes Blatt

176. Jahrgang

Montag, 15. November 1926

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.

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Gießener FamilienblaNer Heimat im Bild Die Scholle

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Gietzemr Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck vnb Verlag: vrühl'sche UmverfilätL-Buch- uni> Zteindruckerei R. Lange in Sieben. Zchristleitung und Geschäftrstelle: Schulftraße 7.

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Chefredakteur:

Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An­zeigenteil i.Derlr.H.Deck, sämtlich in Gießen.

Die Aufhebung der Mrlitürdontrolle.

Widerstände in Frankreich.

Paris, 15. Rov. (TU.) Die Frage der Auf­hebung der interalliierten Militärkontrollkommission steht im Vordergründe des Interesses. Die Auffassung geht dahin, bah eine Ueberlragung der milltärfon- lrolle an den Völkerbund im Laufe der Beratungen des Völkerbundsrates Anfang Dezember in Genf kaum zu erwarten wäre. DieInformation- meint sogar, daß eine endgültige Regelung dieser Frage nicht vor der nächsten Tagung des Völkerbundes im März, die wahrscheinlich in Berlin ftaftfinben werde, in Frage komme. Der Berliner Korrespon­dent desParis Midi" sieht die hauplschwierigteit in der Regelung der Forderung der Botschafterkon­seren;, die sich auf die Erzeugung und die Ausfuhr von Kriegsmaterial bezieht, wenn sich die deutsche Regierung auch in allen militärischen Punkten nachgiebig gezeigt hätte, so würde sie in diesem Punkt eine starke Rückendeckung in der öffentlichen Meinung Deutschlands finden. Der außerordentliche Schaden, der der deutschen In­dustrie durch diese französische Forderung zugefugt würde, werde übrigens auch von der deutschen Re­gierung als besonderer Grund ihres Widerstandes betont, was die Lage noch schwieriger gestalte, sei, daß Lnglandden deutschen Standpunkt vollkommen billige, so daß die Frage der Aushebung der internationalen Mililärkontrolle da- zu angetan sei, die gute Entwicklung der deutsch- französischen Beziehungen ernstlich zu gesährden. Der offiziösePetit Parisien" weis; von einem versprechen ;u berichten, nach dem die deutsche Regierung binnen kurzem den Forderungen der Bokschastelkonseren; hinsichtlich der Abrüstung Ge­nüge lei st en wolle, Es sei für die Bereitwillig­keit der deutschen Regierung bezeichnend, daß sie einen Sachverständigen für die Entwaff­nungsfrage nach Paris entsandt habe. Wenn die Aufklärungen dieses Herrn und die Feststellungen des Generals Walch, der nach Berlin zurückge- kehrt fei, um sich an Ort und Stelle von der Durch­führung der Forderungen der Botschafterkonferenz ju überzeugen, genügend feien, so würde die Bot­schafterkonferenz Ihrerseits erklären, daß die Reichs- rcqierunq b i e Lntwnsfnunqsklaufel er­füll t habe. Die interalliierte Mitttärkontrollkom- misiion könnte sodann aus der Tagung des Völker­bundsrates am 6. Dezember a u f g e l ö ff werden, um durch eine Kommission, die unter dem Schutze des Völkerbundes stünde, ersetzt zu werden. Das Programm dieser Kommission sei allerdings noch nicht vollständig' seslaeleat, ebenso nicht ihr Sitz. Deutschland würde viel Wert darauf legen, daß die­ser nicht in Deutschland, sondern in Genf fei, und dah es sich nicht um eine ständige Kom­mission handele. Es sei zu erwarten, bah alle diese Punkte im Laufe der nächsten Sitzung des Dölferbunbsrates, bei de n sowohl Strescmann cis auch Brianb anwesend fein werden, geregelt werden könnten.

Odessa.

Die russisch« türkisch it Besprcrkniuqen.

Odessa, 14. Nov. (TU.) Wie der Asien-Ost- europabienft aus besiinsormierten türkischen Kreisen erfährt, wurden in Odessa zwischen dem russischen Außenminister Tschitscherin und R u f d y Bey folgende vier Fragen besprochen:

1. Die Frage des beschleunigten Abschlusses des türkisch-russischen Handelsvertrags.

2. Die Vereinheitlichung der Petroleum- p o l i i ' f Rußlands und der Türkei unter Linbezii hung Persiens. Türkischerfeits ist hier au keinen Fall d e Revision des Mossul- vertragr s beabsichtigt, tis handelt sich um die Verwertung des türkischen Anteils an der Ausbeutung des Petroleumgebiets von Mossul.

3. Die Frage eines panasiatischen Zu» sammenschlufses.

4. Die Möglichkeit eines Abschlusses eines asiatischen Locarnos.

Tschitscherin und Tewfil RuschLy- gaben einen Bericht aus, der besagt: Der Minister der türkischen Republik LewfikRuschdY Bey und der Bollskommissar des Auswärtigen Tschitscherin erwogen, die beide Regierun­gen gemeinsam interessierenden Fragen. Sie stell­ten fest, keine einzige Frage die Richtung der Politik beider Staaten andern und die zwi­schen ihnen bestehenden Beziehungen stören könne, dah es heute wünschenswert sei, diele Bezie­hungen noch enger und herzlicher aus­zubauen und dah die Befestigung dieser Bezie­hungen für den Weltfrieden äußerst wichtig sei. TDte aus Moskauer diplomatischen Kreisen verlautet, hat eine Macht gegen die russisch­türkische Annäherung Schritte unternommen. In­folge dieser Rachrichten habe Angora die russi­schen Angebote recht kühl ausgenommen, lieber den Inhalt der Besprechungen verlautet aus ausländischen Kreisen in Moskau, dah die russi­schen Bestrebungen auf Schaffung eines Paktes gescheitert seien. Die afghanische Regierung soll sich England gegenüber verpflichtet haben, Ruhland keinerlei Privilegien in einem russisch- afghanischen Vertrage zu gewähren.

Ruhige Auffassung in Paris.

Paris, 14. Roo. (SH.) Die türkisch-russi- . scheu Verhandlungen in Odessa beschäftigen ein- gehend die Pariser Presse. »Paris Soir" bringt diese Verhandlungen in Zusammenhang mit der

Mussolini über Deutschland.

Italiens Recht derMajorität." - Die Wirtschaftsbeziehungen. Der Schiedsvertrag. - Das Lustfahrtabkommen.

Berlin, 14.2lov. (TU.) 3n einer Unter­redung mit einem deutschen Pressevertreter über die deutsch-italienischenDeziehungen sagte Musso­lini, daß Italien den Vorsprung der anderen Länder bald, vielleicht in zehn Jahren ein­geholt haben werde. Italien verlange, dah die anderen Länder, die liberal fein wollten, ihren Liberalismus auch Italien gegen­über anwenden, und die faszistische Regierungs­form anerkennen. Heber die deutsch-italienischen Beziehungen sagte Mussolini, er sehe keine Gegensätze von Belang, die beide Völ­ker trennen könnten.Das Recht der Mi­no r i t ä t", ]uf)r er fort,kann ich z. D. nicht als ein Trennungsmoment ansehen. Ich sehe ihm das Recht der Majorität entgegen. Das italienische Volk von 42 Millionen Menschen ist so eikcheitlich in seiner Struktur wie kaum ein anderes Volk. Dieses Volk darf also sein Recht als Majorität in Anspruch nehmen." Die deutsch-italienischen Beziehungen auf toi rt- schaf tlichem Gebiete seien geradezu glücklich zu nennen. Der wirtschaftliche Austausch sei daher auch in einer kräftigen Aufwärtsbewegung begriffen. Fm Freitag sei ein Vertrag zwischen der deutschen Lufthansa und dem italienischen Aero-Lloyd zustandegekommen, der die zivile Luftfahrt der beiden Länder miteinander in Verbindung bringe. Wenn er auch an die Aus­führung der viel besprochenen Autostrahe Hamburg-Mailand noch nicht recht glaube, so zeige dieses Projekt doch, dah Italien als Verkehrsvermittler zwischen dem Rorden und dem Süden immer mehr in den Vordergrund tritt. Schon seit geraumer Zeit würden auch zwischen Deutlchland und Italien Verhandlungen über Öen Abschluß eines Schiedsvertrages geführt, der wenn auch nicht bald, so doch sicher in absehbarer Zeit zum Abschluß kommen würde. Die Verhandlungen seien auch nicht etwa unter­brochen worden als die De i Hungen zwischen Italien und Frankreich, die jetzt voll omm-m wieder hergestellt worden s.ien, ge kannt waren. Sie beginnen schon vorher. Er glaube daher fest an eine glückliche Zukunft der deutsch-italienischen Beziehungen.

Bei dem oben erwähnten Vertrag zwi­schen der Deutschen Lufthansa und dem italienischen Aero-Lloyd handelt es sich um die Ausnahme des Luftverkehrs Berlin-Rom, dessen wichtigste Strecke irc ,.a des Problems d r A lpe n ü b e r f l i e g u n g das Mit^elstück MünchenMailand ist. Die technischen Vorbereitungen dürsten bereits in kurzer Zeit soweit durchgeführt se.n, daß der Ver­kehr im März oder April ausgenommen werden kann. Das Abkommen entspricht den Verträgen, die die Deutsche Lufthansa mit den Luftfahrt- gcsellschasten anderer großer Länder geschlossen hat. Mussolini hat die Verhandlungen in

seiner Eigenschaft als Luftfabrtminister sehr ge­fördert unb noch vor einigen Sagen geäußert, daß er sich über das Gelingen des Werkes freue und es als ein Mittel zur Vertiefung der engen Beziehungen zwischen Italien und Deutschland begrüße.

Die italienische Gewaltherrschaft in Südtirol.

Wien, 13. Rov. (TU.) Rach Meldungen aus Südtirol sind die italienischen Aus­nahmegesetze bereits endgültig in den deut­schen Gebieten durchgeführt worden. Alle politischen Vereine, wie auch solche, die nur nationalen Charakter hatten, wie die Gesangs- und Turnvereine, sind a u f g e l ö st. Ihre Archive und Lokale sind zum Teil be­schlagnahmt worden. In einzelnen Orten kam es bei dieser Gelegenheit zu Zwischen­fällen, so in Brixen, wo die faszistischen Organisationen das Gesellenvereinshaus und das Haus des deut'chen Turnvereins gewaltsam in Besitz nahmen. Das Erscheinen der deutschen Blätter ist endgültig verboten worden.

Die Ansch ugberoegung. Vizekanzler Dr. Dinghoscr über die Recht anstleichnnq zwiichcu Oesterreich und Deutschland.

Wien, 13.Rov. (WB.) In einem Gespräch mit einem Mitarbeiter derWiener Allgemeinen Zeitung" äußerte Vizekanzler Dr. Dinghofer über die Rechtsangleichung zwischen Oesterreich und Deutschland, es sei eine ganz natür­liche Entwicklung, daß der gleiche kulturelle Zustand der nach Abstoßung eines, einem anderen Ku urfreife angehorenden Randgebietes Oester- reicv als einen einheitlichen Rationalstaat mit dem Deutschen Reiche verbindet, auch in dem Bestreben feinen Ausdruck findet, die recht­liche und wirtschaftliche Grundlage in jedem der beiden Gebiete möglichst gleich zu gestalten. Darin liegt keine Spitze gegen unsere Rachbarstaaten. In gemeinsamer Beratung der zuständigen legislativen Stellen sei auf dem Ge­biete des Strafrechts ein Entwurf zustande» gekommen und es werde dabei ein Weg einge­halten, daß auch im weiteren Verlaufe der Ver­handlungen Einheitlichkeit des Gesetzes tunlichst gewahrt bleibe. Bezüglich des Z i v i l r e ch t s werde der schon vor einiger Zeit gegründeten deutsch-österreichischen Arbeitsge­meinschaft eine Hauptaufgabe zufallen. Zum Schluß betonte der Vizekanzler, daß er es als seine vornehmste Pflicht ansehen werde, daß in dem ihm unterstellten Amte getreu feiner bis­herigen Tradition der Weg weiter beschritten werde, der Oesterreich und Deutschland zu dem Ziel eines gemeinsamen Rechtes führe.

Expansionspolitik Italiens, die auf die Herr­schaft im Mittelmeer und auf Gebietserweite­rungen in Kleinas en abzielen. Das Blatt bezeich­net die Verhandlungen von Odessa als eine Antwort auf d i e Drohung Italiens gegen die Türkei. Wesentlich ruhiger beurteilt derTemps" diese Verhandlungen und meint, es sei abwägig, von etwaigen Absichten einer türkisch-russischen All anz zu sprech-en oder gar von einem asiatischen Block. Die Zusammenkunft scheine nicht die große Bedeutung zu haben, die man ihr in gewissen Kreisen und besonders in der englischen Presse beilegt. DerTHatin hält ebenfalls die von der Londoner Presse ver­breite Auffassung, daß die türkisch-russische Zu­sammenkunft in Odessa die Schaffung eines pan- asiatischen Paktes, eines Völkerbundes der Staa­ten Asiens, verfolge, für unwahrscheinlich und meint, es sei natürlich daß die Russen, nachdem sich herausgestellt habe, daß die Er­folge ihrer internationalen Propaganda recht un­sicher seien, natürlich jede Gelegenheit benutzen, die freundschaftlichen Bande, die sie mit den Rationen des nahen und fernen Ostens ver­binden, zu erneuern. Tschitscherin sei schon lange eingeladen worden, mit dem türkischen Bot­schafter Wirtschafts- und Handelsfragen zu be­sprechen, die Krankheit Tschitscherins mache es glaubhaft, daß Ruschdy Bey aus Höslichleits- gründen nach Odessa entgegengekommen sei. Da­bei sei es natürlich schwer vermeidbar, daß die beiden Staatsmänner von nichts anderem als wirtschaftlichen Fragen sprechen sollten.

Die katalanischen Verschwörer Prozeß gegen Maria und Garibaldi.

Paris, 14. (WB.) Oberst Macia und Garibaldi sind nunmehr regelrecht in Haft genomm en und in das Llntersuchungsge- sängnis eingeliefert worden. Beide haben be­reits ihre Verteidiger bezeichnet, Garibaldi den ehemaligen Abgeordneten Andre Hesse, ehe­maliger Kolonialminister, und Macia den be­kannten, der kommunistischen Partei nahestehen­den Rechtsanwalt T o c r o s. Sie werden be­schuldigt Kriegswaffen und Explosivstoffe ange- sammelt zu haben. Samstag nachmittag fand die Gegenüberstellung Macia und Gari­baldis statt. Garibaldi sagte aus, er habe Macia

am 5. oder 6. Oktober in einem Pariser Vorort getroffen und ihm über einen gewissen Rizzoli Auskunft gegeben. Garibaldi habe Macia seine moralische Unter ft üßung zugesagt. Er habe Macia den Rizzoli als einen zweifel­haften Mann geschildert, während Macia erklärte, Garibaldi habe ihm Rizzoli als einen mutigen und zuverläs igen Mann empfohlen. Außerdem erklärte Macia noch, die von ihm angeworbenen Leute hätten am 30. Oktober Anweisung erhalten, sich nach Perpignan zu begeben. Mit Öen italieni- scheu Kreisen habe er seit August in Ver­bindung gestanden. Rizzoli habe er gebeten, ihm Leute zu vermitteln, die Krieg führen und Maschinengewehre bedienen könnten.

Als Macia in das Untersuchungsgefängnis zurückgeführt wurde, hatte er Gelegenheit, zu einigen Pressevertretern zu sprechen, denen er erklärte, er hege den Wunsch, daß seine Leute nicht ausgewiesen werden mögen, denn sie würden weder in Belgien noch in Deutschland die Arbeitsmöglichkeiten finden, die sie in Frank­reich hätten. Sie müßten aber, da sie Arbeiter seien, doch für ihre Familien sorgen. Am Mont ^vormittag werden in Paris übrigens weitere 26 verhaftetete katalanische Separatisten eintreffen.

Kommunistenaufsland in Niederländisch-Indien.

Amsterdam. 13. Rov. (SU.) Wie aus Batavia gemeldet wird, haben in der letzten Rächt in verschiedenen Orten Ostjavas kommuni­stische Banden versucht, die öffentlichen Gebäude durch einen gleichzeitig einsehenden Putsch an sich zu reißen. Die Aemter wurden gestürmt und erst nach längeren Kämpfen war es Polizei und Militär gelungen, die Aufständischen zu­rückzuschlagen. Auf beiden Seiten gab es Tote und Verwundete. In Batavia selbst wurde ein Sturm der Aufständischen auf das Gefängnis abgewiesen. Auch hier wurden mehrere Personen getötet. Die Regierung hat schärfste Maßnahmen zur Unterdrückung der revolutionären Bewegung getroffen. Zahlreiche Verhaftungen sind bereits vorgenommen. Unter den Verhafteten befinden sich mehrere chine­sische Kommunisten.

Deutscher Wahlersokg in Ostoberschlesien.

Deutsche Mehrheiten bei den Gemeindcwahtcn.

Kattowih, 15. Rov. (TU.) Die bisher vorliegenden Meldungen über die am Sonntag in Polnisch-Oberschlesien ftattgefunbenen Ge­meindewahlen bringen geradezu Ueberraschun- gen. So wird gemeldet, daß in den Landkreisen Tarnowih und Lublinih die deutsche Mehr­heit überwiegt, und zwar selbst in den Ortschaften, in denen während der Abstimmungs- zeit keine einzige deutsche Stimme abge­geben wurde Ebenso lauten die Meldungen aus Rybnik und Pleß. In der Stadt Pley selbst haben die Deutschen 14 Mandate, die Polen sieben, die Kustospartei zwei Mandate und die Wirtschaftspartei ein Mandat erhalten. Aus K a t t o w i tz liegen bisher die Ergebnisse aus 25 Bezirken vor. Die deutsche Wahlgemeinschast und die Deutsche sozialdemokratische Partei kön­nen mit Bestimmtheit auf eine Mehrheit Don 60 Prozent im neuen Stadtverordneten' kollegium rechnen. Ebenso lauten die Ergebnissi aus K ö n i g s h ü t t e. In den Industrieortschaf ten wie Schoppinih, Eichenau und anderen Orten haben die Deutschen ebenfalls erhebliche Mehr­heiten erzielt Da die Wahlen infolge der von Der Regierung geforderten Wahlpflicht eine außerordentlich starke Beteiligung aufweisen, sind die Wahlen in den einzelnen Orten bis gegen 9 Uhr abends am Sonntag noch nicht zu Endc gewesen.

Die Gemeindewah^en in Sachsen.

Dresden, 14. Nov. (WTB.) Bei überaus warmer regnerischer Witterung wurden heute ir ganz Sachsen die Gemeinde- unb Stadtverordneten mahlen vorgenommen. Soweit Nachrichten vorlie gen, ist der Wahlakt ruhig und ungestört verlaufen Die Wahlen haben vielfach eine Verschiebung nach Links ergeben. So wird aus Meißen wo bisher eine bürgerliche Mehrheit vorhanden war ein Verhältnis von 20 Linksstehenden zu 17 Rechts­stehenden gemeldet. In Dresden wurden 3( Rechtsstehende, 36 Linksstehende und 3 Altsoztalister gewählt gegen bisher 44 Bürgerliche und 31 So zialdemokraten und Kommunisten.

Für das neue Leipziger (Stabtparfamen: wirb sich folgende Zusammensetzung ergeben: Wirt­schaftspolitische Gemeinschaftslifte 18 (24), Sozial­demokraten 26 (19), Kommunisten 14 (14), Demo­kraten 4 (7), Völkische 0 (7), Unabhängige Sozial­demokraten 0 (2), Volksgemeinschaft 0, Dolksrechi unb Auswertung 6, Nationalsozialisten 0, Reichs- aemeinschaft bcs beiitschen Mittelstanbes 4, Alte So- zialbemokratische Partei 1.

Die Bürgerschaftswahlen in ßübech.

Lübeck, 14. Rov. (WTB.) Aus Grund der heutigen Bürgerschaftswahlen in Lübeck seht sich die neue Bürgerschaft zusammen aus: Sozial­demokraten 35 (bisher 28). Kommunisten 5 (10), Demokraten 2 (7), Haus- und Grundbesitzer­verein 0 (3), Aufwertungspartei 1 (0>, Zentrum 1 (0), Hanseatischer Volksbund 36. Die Wahlbete.ll- gung betrug rund 86 Proz. gegenüber 87,3 im Jahre 1924.

Do kspartei unb Gegenwartsstaat.

Geheimrat Kahl auf bem Neichsfraucn tast der Deutschen Vo kspartei.

Jena, 14. Nov. (TU.) Den Auftakt zu bei Reichsfrauentagung ber Deutschen Lolkspartei in Jena bilbete eine öffentliche Versammlung im Burg- keller. Ueber bas ThemaNeue Wege, alte Treue' sprachen Frau Dr. Gertrub Wolf-München unk Geheimrat Professor Dr. K a h I. Geheimrat Prof. Dr. Kahl sprach über bie weltanschauliche Stellun; der Deutschen Volkspartei zum alten Staat und zur neuen Zeit. Er ging davon aus, daß die Partei im Jahre 1919 die Weimarer Verfassung abgelehnl habe. Die Verfassung enthalte Bestimmungen, bi( mit unserer Auffassung von der butschen Zukunft nicht vereinbar waren. Unsere Auffassung ist burd die neue Entwicklung gerechtfertigt worden. Boi allem hinsichtlich des parlamentarischen Systems. Wir haben sie ferner abgelehnt roeger bjs Herniederholens der alten ruhmreichen Far­ben. Wir bleiben bei Schwarzweißrot! Wir achter aber die jetzigen Reichsfarben, deren historische Ehr­würdigkeit uns in Jena besonders vor Augen steht Wir haben die Verfassung weiter abgelehnt wegen der Staatsform. Wie bleiben auch hier bei un­serer Auffassung, die wir in unseren Grundsätzen festgelegt haben, daß wir die M o n a r dj i e als die für das deutsche Volk geeignetste Staatsform hal­ten. Wir sind uns aber durchaus bewußt, daß eine Monarchie aus freiem Entschlüsse b e £ Volkes geschaffen werben muß, unb baß Die Vor­aussetzungen Dafür fehlen. Daraus ziehen wir bie Folgerung unserer positiven Einfüllung zur deut­schen Politik. Was Den Unitarismus anlangt, sc haben wir in unseren Grundsätzen feftgcltgt, das der Einheitsstaat unser Ziel ist. Wir müssen aber organisch in diesen hineinwachsen. Unsere Verfassung bat diesem Gesichtspunkt nicht R^hnung getragen. Wer die Zeit erkennt, ber kann sicb aber ber Tatsache*'nicht verschließen, daß die Wirt­schaftsnot ber Verwirklichung bcs Gedankens bcs Einheitsstaates ein beschleunigtes Tempo gibt. Dabei bleiben wir, baß den Län­dern besonders auf kulturellem Gebiet ihre Zustän-