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tottiro, al» die onberen Staaten, und daß toon aus diesem Grunde ihnen allein die fkandiaen Ratssitze vorbehalten, sein mühten. Vielleicht liehe sich mit seinem Vorschlag der Wiederwahlbarkeit auch ein Ausgleich

in der Frage der ständigen Sitze finden.

Brouquere (Belgien) trat für die Zahl von neun nichtständi gen Ratssitzen, von denen ein Sitz für Asien, ein weiterer für Süd­amerika und einer für Europa reserviert sein soll, em. Polen müsse so lange im Rat verbleiben, bis feine Schwierigkeiten mit den Nachbarstaaten end­gültig beglichen feien. Zum Schluß gibt Präsident Motta einen zusammenfassenden Ueberblick über die bisher erzielten Resultate. Er faßte das Ergeb­nis in drei Gruppen zusammen:

1. Einigkeit besteht über das Problem, daß eine Höch ft grenze für die Ratssitze nicht über­schritten werden darf. Die Vorschläge schwanken zwi­schen 11 und 15 Sitzen. Man dürfe weiter nicht ver- gossen, daß Rußland und die Bereinigten Staaten, auf deren Eintritt der Völkerbund zuversichtlich hoffe, noch ausstehen. 2. Gegen d i e Vermeh­rung der ständigen Sitze hat sich die Mehr­heit der Studienkommission ausgesprochen. Die Min­derheit nahm folgenden Standpunkt ein: Chino war bereit, auf einen ständigen Sitz zu verzichten für den Fall, daß Deutschland einen solchen erhalte. Brasilien Hot vor allem die Ansprüche Süd­amerikas verteidigt. Polen, so hoffe er, sei bereit, mit einer Geberde der Versöhnlichkeit auf einen stän­digen Sitz zu vernichten. Polen erwarte anscheinend, in anderer Weise befriedigt zu werden. Spanien Hobe in ritterlicher Weise seine Ansprüche verteidigt, jedoch erklärt, daß es nicht unwiderruflich gesprochen hätte. 3. In der Frage der Vermehrung der nicht­ständigen Ratesitze find alle bis auf Schwe­den und die Schweiz einig. Nur schwanke die Anschauung zwischen der Vermehrung um einen, zwei oder drei Sitze.

Vie polnische Revolution.

Pilsudski Herr der Lage.

Danzig, 15. Mai. (IDIB.-Junffprud).) Die wir erfahren, haben sich die wlt os-Truppen aus Warschau, das nunmehr ganz in der Hand pilfudfkis ist, zurückgezogen und südlich der Stadl neue Stellungen eingenommen. Der größte Teil dieser Truppen ist, wie weiter verlautet, i n voller Auflösung. Aus allen Teilen des Lan­de» laufen Kundgebungen für pilsudski ein, die Meldungen von Freiwilligen mehren sich fortgesetzt. 3a einer Kundgebung an die Oeffentllch- keit über die Motive und Fiele seines vorgehens rrflärt pilsudski. daß er den Kamps nur in Sorge um da» Wohl des Landes ausgenommen habe, und daß diese Richtung des Kampfes ganz allgemein ZnflKnmunq gefunden habe, die insbesondere durch die Demonstration einer vieltausendköpfigen Menge in Warschau zum Ausdruck kam. 3n den gestrigen späten Abendstunden wurden Verhandlungen zwi­schen dem Staatspräsidenten Wojcie­ch o w s k i. der. wie gemeldet, Warschau im Automo­bil verlieh, aber mit der Regierung in der RSHe der l^iuptstadt liegt, und dem Marschall pilsudski einge­bettet Vb diese Fühlungnahme ein Ergebnis zeitigte, ist noch nicht bekannt. Marschall pilsudski ist gegen- wfltflg mW der Regierungsbildung be-

In der Provinz.

Die Züge auf bet Strecke Oderberg und Warschau verkehren nur zwischen Oderberg und dem 60 Kilometer vor Warschau gelegenen Bahn­hof Skiernievte«. Hinter Skiernievice sind Vie Tifenbahnlinien zerstört: bte Te­lephon- und Telegraphendrähte sind z e r s ch n i t- i en. Die Strecke SkiernieviceWarschau ist von den Truppen Pilsudskis besetzt, die jeden Zug aichatten, um die eintreffenden Militärabteilun­gen zur RücKehr zu nötigen. Auch alle Milttär- abteÄungen. die zur Unterstützung Pilsudskis ein- treffen, müssen in ihre Garnison zurückkehren, auf den ausdrücklichen Wunsch Pilsudskis, der genügend Truppen in der Hand zu haben er- Hdtte. Sämtliche Zeitungen dürfen nicht erschei­nen. Rur die offiziellen Bulletins Pilsudskis werden publiziert.

Am Freitag soll eS au ernsten Zusam­menstößen zwischen den Pilsudski-Truppen und den Aegierungstruppen in Mvkvtow ge­kommen sein. Als die Regierungstruppen in Molotow erndringen wollten, entstand ein blutiger Kcmrpf, bei dem beide Parteien Maschinenge- wchre benutzten. Die Umgegend von Mokotow wurde auf Anordnung der Pilsudski-Truppen von der Zivilbevölkerung vollständig geräumt. Den ganzen Tag über wurden in der Rahe von Mo- tototo schwere Kanonen plaziert. Wahrscheinlich wird es im Laufe der Rächt zu einem schweren Kampf zwischen beiden Parteien kommen Auch in Lemberg soll es am Freitag früh zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Pilsrwski-An- hängern urcb regierungstreuen Truppen gekommen sein. Die Transport- und Eisenbahnarbeiter in Krakau haben am Doimerstagabend beschlossen, in den Streik zu treten, um dadurch au ver­hindern, daß die Aegierungstruppen nach War­schau gelangen können. In Warschau beherrscht Pilsichski vollständig die Lage

Die polnische fozialistische Partei hat die Ge neralstreikparole ausgegeben. Ausgenom­men sind nur die Licht- und Wasserversorgung und die Krankenhäuser. Der Generalstreik fetzte bereits am Freitagmittag in verschiedenen Landesteilen ein. In Lodz und Czenstochau sind die Trup­pen zu Pilsudski übergegangen. Der Wojewode ist seines Amtes enthoben, und der Belagcrungszu- ftand ist verhängt worden. Ebenso erhielt Pilsudski Trupvenverstärkungen aus Lemberg, Eholm, Luck und Grodno.

Pilsudski und die Minderheiten.

Eleiwitz, 15. Mai. (Tül.) Wie bieOber» schlesische Dolksstimme" zuverlässig aus Katto- Witz erfahren haben will, sind am Freitag meh­rere Pilsudski-Offizicre eingetroffen, die den füh­renden Kreisen der deutschen Minderheiten er­klärten. daß sich die deutschen Minderheiten unter der Pilsudski-Regiervng voller staatsbürgerlicher Freiheit erfreuen würden. Es wurde versichert, daß Pilsudski diese Erklärung auch den ukrai­nischen Minderheiten gegeben habe.

Der Verkehr durch den Korridor.

Berlin, 15. Mai. (211.) Wie amtlich ge meldet wird, geht der Eisenbahnverkehr durch den Korridor bisher völlig reibungslos vonstatten. Es werden jedoch für alle Fälle Maß­nahmen für cmen Ersatzverkehr auf dem Seewege mit dem bisherigen Fahrplan und

auf dem Luftwege durch Verstärkung des Flugplanes vorbereitet. Sobald die Einrichtung eines solchen Ersahverkehrs sich als notwendig erweist, wird eine entsprechende Bekamrtmachung erfolgen.

Neuer Frankensturz.

Getäuschter Optimismus. A»leihe und Schuldenvcrhaudluugeu.

Paris, 1-1.Mai. (TU.) Dor Eröffnung der Börse hat Finanzminister Peret eine neue Erklärung abgegeben, in der er fest stellt, daß die französische Währung sich gestern offensichtlich unter dem Eindruck der Beendigung des eng­lischen Generalstreikes um IV2 Punkte erholt habe. Er empfing den französischen Botschafter in Rom D e s n a r d , der ihm die Mitteilung machte, daß nach einer Erklärung des italienischen Fi­nanzministers Grafen Dolpi die umfangreichen Frankenverkäufe auf den italieni­schen Märkten jetzt auf hören würden. Im übrigen bemerkte Peret, die Schulden- verhandlungen mit England nähmen einen günstigen Verlauf, indessen könne er den Zeitpunkt seiner Reise nach London noch nicht angeben. Der Direktor der Federal Reserve Bank Strong, ist heute hier eingetroffen. Aas der Tatsache, daß Strong in London eine lange Aus­sprache mit dem französischen Finanzsachverstän­digen Parmeirtier hotte, wird der Schluß gezogen, daß man die Möglichkeit einer Anleihe an Frank­reich erwäge.

Der Optimismus des Finaiizmrnisters ist durch den Ausgang der Börse bittet enttäuscht worden. Dos Pfund Sterling notierte heute vor­mittag 155,66, der Dollar 31,99. Bei Börsenschluß waren die Kurse 158,75 und 32,62. Die Wirkung des neuen Frankensturzes ist in allen Kreisen außerordentlich, groß, da man bestimmt damit gerechnet hatte, daß nach der Beendigung des englischen Generalstreikes eine merkliche Erholung der Währung eintreten würde.

Der Streikabbruch in England.

Rückkehr zu normalen Verkehrs verhältnissen.

. London. 14. Mai. (TU.) Der englische Generalstreik bereitet jetzt im Klebergangsstadium zum normalen Wirtschaftsleben größere Schwie­rigkeiten als während seiner Hauptperiode. Ver­schiedene Freiwillige, die während des Streiks geholfen haben, wollen weiter be­schäftigt werden. Eine Anzahl von Unterneh­men hat sich auch an einen eingeschränkten Arbeitsstab gewöhnt und wünscht es dabei zu belassen. Die Londoner Untergrundbahn! wird morgen ihren vollen Betrieb wieder auf­nehmen. Zwischen der Gesellschaft und den Ar­beitern ist ein neuer Arbeite vertrag zustande- gekommen; ähnlich liegen die Dinge bei den Om­nibus- und Straßenbahngesellschaften.

Auch die Eisenbahner gewerkschaften sind heute nachmittag zu einer Einigung mit den Eisenbahngesellschaften gekommen. Die Eisen­bahner haben sich verpflichten müssen, ohne vor­herige Verhandlungen mit ben Gesellsö^rsten in keinen neuen Streik zu treten. Eine Verminde­rung der Gehälter und Löhne oder eine Ver­längerung der Arbeitszeit oder sonstige wesent­liche Aenderungen des Arbeitsverhältnisses sind nicht zur Bedingung gemacht worden. Die Gesell­schaften haben sich lediglich das Recht der Ver­setzung gewisser Arbeiter aus andere Posten Vor­behalten. Jedoch wurde von den Eisenbahnern das Schuldbekenntnis, daß der Streik ungesetz­lich gewesen sei, erzwungen.

Neue Vorschläge zur Nohlenkrifir

London, 14. Mai. (TU.) In Kreisen des Gewerkschaftskongresses verlautet, daß die Lage in allen Teilen des Landes wesentlich ru­higer geworden ist. Baldwin teilte im Unterhause mit. er sei zu dem Schluß gekommen, daß die Bergarbeiter und Grubenbesitzer unter sich zu einem neuen Abkommen gelangen müssen. Er habe ihnen deshalb folgende Vorschläge unter­breitet:

Die Regierung wird folgende Gesetzentwürfe im Parlament einbringen:

1. Sofortige Prüfung der Vorschläge der Kohlenkommission über die Fusion einzelner Koh­len gesellsch asten.

2. Eine besondere Besteuerung der Grund­rente nempfänger.

3. Einschränkung der Reueinstellung von Bergarbeitern.

4. Einrichtung eines nationalen Lohnamtes.

Reben diesen Gesetzentwürfen, die von der Regierung im Lause dieser Session eingebracht werden sollen, sehen die Vorschläge die Ein­richtung mehrerer administrativer Körperschaften vor. Die Subvention des Kohlenberg­baues soll bis zur Höhe von 3 Millionen Pfund Sterling unter bestimmten Voraussetzungen wei­ter gezahlt und ein Beratungsaussch beim Bergbauminister eingesetzt werden, der die Durch­führung des Kohlenberichts soweit wie möglich schvn jetzt sichern soll.

NeueEnthüllungen".

Drei Briefe des Juftizrats Claft.

Berlin, 14. Mai. (TU.) Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: An­gesichts der Erklärungen, die der Lübecker Bür­germeister Dr. Reumann abgegeben hat und die den Anschein erwecken, als ob die Veröffent­lichungen des Amtlichen Preußischen Presse­dienstes über die ausgedeckten Putschpläne in Be­zug auf seine Person fehlgingen, sei ein Bries mitgeteilt, den Iustizrat Dr. C l a ß an den damals in Karlsbad weilenden Dr. Reumann geschrieben hat. in dem es u. a. heißt:Lieber Freund! Auf Ihr Schreiben vom 18. d. M. teile ich Ihnen mit, daß ich es richtig dahin ver­standen zu haben glaube, daß Sie int äußersten Falle zur Verfügung stehen. Unser R 0 h b r a « lener Freund war von dieser Aussicht sehr eingenommen und hat eine derartige Lösung für sehr glücklich erklärt. Im Übrigen geben un­tere Bemühungen, wie ich glaube, erfolgreich weiter, und ich wage zu hoffen, daß wir doch ans Ziel kommen, besonders, wenn stell gewisse Dinge jetzt zuspitzen. wie es doch den Anschein hat .

Der Amtliche Preußische Pressedienst fügt hinzu, daß der Rohbrakener Freund Geheimrat .f) u g e n- b e r g sei. Geheimrat Hugenderg erklärte, daß der Bries, falls er echt sei, keinerlei Bestäti­gung für die behaupteten Putschpläne enthalte, und daß seinerseits eine Bereiterklärung zur lieber- I nähme eines Ministeramtcs in dieser ober einer

anderen Verbindung niemals und niemand gegenüber abgegeben worden sei.

Der Amtliche Preußische Pressedienst veröffent­licht ferner den Wortlaut zweier Briefe, die Justiz- rat 2)r. C la ß im Dezember v. I. und Januar d. I. an den ehemaligen Kaiser und dessen Gattin gerichtet habe. In dem Brief an den ehemaligen Kaiser gibt Justizrat Dr. Claß die Versicherung ab, daß die um ihn gescharten Getreuen mit uner­schütterlichem Willen am Werke seien, in dem ge­reinigten und befreiten Vaterlande das hohen- zollernsche Kaisertum in erhöhtem Glanze aufrichten zu helfen. Der Brief an die Gattin des ehemaligen Kaisers macht darauf auf­merksam, daß die Kommunisten sich auf einen Gegenputsch vorbereiteten. Die Regierung und das feige Bürgertum versagten jedoch vollkommen. An­gesichts der Tatsachen hätte man zur vaterländischen Selbsthilfe aufgerufen.

Kapitän Ehrhardt zu dem Verbot des Wiking-Bundes.

Berlin, 14. Mai. (TU.) Kapitän Ehr­hardt äußerte sich in einer Erklärung zu dem Verbot des Bundes Wiking, in der es heißt, auf die Rachricht, daß der Bund Wiking im Zusammenhang mit den unsinnigen Putschgerüch­ten verboten werden soll, habe er sich sofort nach Berlin begeben, schon allein, um damit zu dokumentieren, daß er jederzeit bereit sei, auch dem preußischen Minister des Innern über seine vaterländische Arbeit Aufklärung zu geben. Der Bund Wiking besitze keine Waffen, er sei in keiner Weise militärisch organisiert. In seinem Arbettsprogramm heiße es:Grundsätzlich die Monarchie für die bessere Staatsform haltend, sind wir davon überzeugt, daß die Aufwerfung der monarchischen Frage in jetziger Zeit der Todesstoß für die Monarchie überhaupt wäre." Die Zeit, in der man durch Staatsstreiche die Lage zu ändern glaubte, ist vorbei, sowohl für die nationalen Kreise wie für die Kommunisten. Rach diesen Richtlinien arbeite der Bund Wiking seit seiner Rückkehr nach Deutschland. Wie hiernach ein Verbot des Bundes in Preußen erfolgen konnte, sei ihm unverständlich.

Strafantrag gegen den Polizeipräsidenten.

Berlin, 14. Mai. Geheimrat Kirdorf, Generaldirektor Bögler, Bergrat Winghaus, Generaldirektor Wisk 0 tt und der Geschäftsführer des Bergbaulichen Vereins, Freiherr 0. Löwen- ft e i n , bei denen im Auftrage des Berliner Polizei­präsidenten Haussuchungen vorgenommen worden waren, Haden bei der Essener Staatsanwaltschaft gegen den Berliner Polizeipräsidenten Strasan - trag wegen Amtsmißbrauch, Hausfriedensbruch und Beleidigung gestellt. Der Werwolf erklärt, daß er in keinem irgendwie gearteten inneren Zu­sammenhang mit den unter Führung des Obersten t». Luck stehenden Verbänden steht. Die Vereinig­ten Vaterländischen Verbände betonen, daß kein ernst zu nehmender Mann einen unausführ­baren Putsch plane. Ader selbstverständlich bean­spruchen wir für uns als Mitbürger das Recht freier Meinungsäußerung und Notwehr für den allgemein befürchteten Fall einer bevor­stehenden zweiten Revolution.

Haussuchungen beim Stahlhelm in Köln und Gelsenkirchen.

Essen, 14. Mai. (TU.) Heute fanden in Köln bei Führern und der Geschäftsstelle des Stahlhelms Haussuchungen statt, die jedoch völ­lig ergebnislos verliefen. In Gelsenkir­chen hat die p^ttische Polizei heute bet den Führern des Stahlhelms die Telephone gesperrt und Personen angehalten, die das Geschäft eines Uhrmachers verliehen, der zum Stahlhelm gehört. Weitere Maßnahmen erfolg­ten nicht, da Unterlagen nicht vorliegen.

Deutscher Reichstag.

Berlin. 14. Mai. (VDZ.) Präsident Loebe eröffnet die Sitzung und verliest die amtliche Mitteilung von dem Rücktritt des Reichskabinetts. Als er erwähnt, daß Reichswehrminister Dr. Gehler vorläufig die Geschäfte des Reichskanzlers weiterführe, ent­steht bei den Kommunisten Unruhe. Sie rufen: Eine feine Rümmer!" Der Präsident rügt diese Zwischenrufe. Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung des Gesetzentwurfes zur Aende- rung der Reichsverordnung über die Für­sorgepflicht. Der Ausschuß empfiehlt einige Richtsätze für die Beteiligung der Hilssbedürf- ttgen im Fürsorgeverfahren. Danach sollen die Kleinrentner in bezug auf die Fürsorge- berechtigung den Sozialrentnern gleich­gestellt und auch eine Beschwerde gegen Ab­lehnung der Fürsorge sowie gegen Festsetzung ihrer Art und Höhe zugelassen werden.

Abg. Karsten (Soz.) erwähnt den Ein­spruch des Reichsrates gegen den Be­schluß des Reichstages auf Besserstellung der Sozialrentner durch Wegfall der Sozialrente auf die Fürsorgeunterstutzung. Es sei berechnet wor­den. daß die Ausführung 200 Millionen Mark Mehrkosten erfordere. Der jetzt vorliegende Ge­setzentwurf beseitige nur einen Teil der Mängel des Fürsvrgegesetzes. indem er den Fürsorge- berechtigten ein Mitwirkungsrecht gebe. Es mühte sichergestellt werden, daß die Vertreter aus den­jenigen Organisationen genommen werden, denen die Fürsorgeberechttgten wirklich Vertrauen schenken foimten.

Aba. Frau Arendsee (Komm.) befürwortet einen Antrag ihrer Partei, wonach die Organi­sationen oder sonstigen Vertreter der Soziaüentt-- ner. Kleinrentner usw. in allen Instanzen ein Mitbestimmungsrecht staben sollen. Das vorlie­gende Gesetz würden die Kommunisten ablehnen. Es sei ein unbrauchbares GelegenhritsProjekt.

Abg. Frau Teusch (Zentr.) tritt für ihren auch von den Demokraten unterstützten Antrag ein. wonach bei der Durchführung der Fürsorge und bei der Aufstellung der Richtlinien anstelle der Fürsorgeberechtigten auch Vertreter ihrer Vereinigung oder von Vereinen, die Hilfs- bebürftige betreuen, her angezogen werden, dabei neben den Verbänden der Sozialrentner, Klein- rmtner und Kriegsbeschädigten auch die Gewerk- schaften und die Carttasverbände.

Ministerialdirektor Ritter erklärt sich namens Der Regierung mit der Fassung des Antrags Teusch e i n v e r st a n de n. Eine Zu­rücksetzung der Fürsorgeberechtigten sei darin nicht zu erblicken.

Der Antrag Teusch und mit ihm bi? Vorlage werden in zweiter Beratung angenommen. Die übrigen Aenderimgsanträge werden abgelehnt.

Wettervoraussage.

Bei nördlichen Winden meist wolkiges Wetter mit einzelnen Regenfällen bei wenig veränderten Temperaturen.

Die Rovelle zur dritten Rotverordnung, die sich mit dem Geldentwertungsaus­gleich bet Reubauten befaßt, die mit Bei­hilfe aus öffentlichen Mitteln ausgeführt sind wird in zweiter und dritter Beratung angenom­men. Angenommen wird weiter eine Entschlie­ßung des volkswirtschaftlichen Ausschusses, in der die Regierung ersucht wird, die von der Gold» diskontbank eingeleiteten Maßnahmen auf 11 m - Wertung schwebender Wechselver­bindlichkeiten in langfristigen Hypothekar- kredit wesentlich auszugestalten.

Um 43/4 Uhr vertagt sich das Haus auf Samstag.

Fürst Christian Kraft zu Hohenlohe-Oehringen f-

Berlin, 14. Mai. (WD.) Im 79. Lebens­jahr verschied heute zu Somoghszob in Ungarn nach schwerem Leiden Fürst Christian Kraft zu Hohenlohe-Oehringen, Herzog von lljest, Graf von Gleichen und Senior des-^Gesamthauses Hohenlohe. Die Beisetzung des Fürsten findet, seinen Wünschen entsprechend, auf seiner Herr­schaft Iavorina in der Hohen Tatra statt. Der verstorbene Fürst gehörte zu den bekanntesten und großzügigsten Industriellen und Land­wirten Deutschlands und er hat geradezu in vor­bildlicher Weise seine Besitztümer verwaltet. Auch im Auslande, wo der Fürst einen nicht un­erheblichen Besitz hatte, war seine weltmännische, maßvolle und sachliche Art besonders geschätzt. Der Fürst, der in seiner Jugend dem engeren Kreis um Bismarck nahestand, war General­major ä la suite der alten Armee und lange Zeit Mitglied des Reichstages und des Herrenhauses, und zwar als Angehöriger der Konservativen Partei. Roch bis zuletzt beklei­dete er das Amt eines Landesältesten und verschiedene andere kommunale Ehrenämter in Schlesien und Württemberg. Eine Zeit lang war der Fürst Hohenlohe der Oberstkämmerer des ehemaligen Kaisers. Im Weltkriege betätigte sich der Fürst als Delegierter der freiwilligen Krankenpflege .

Aus aller Wett.

Das Schicksal derNorge".

Reuh 0 rk, 15. Mai. (W.T.D. Funkspruch.) Am Samstag morgens 2 Uhr nach Reuhorker Zeit war noch keine Rachricht über den Ver­bleib derRorge" eingetroffen. Kapitän Anton Heinen, der bekannte Zeppelinkommandant, er­klärte, er sehe keinen Grund zur Beunruhigung vor Montag, da bis dahin die Betriebsstoffsvor­räte der »Rorge" ausreichen, wenn man nur einen Motor laufen lasse. Vielfach wird angenommen, daß dieRorge" genötigt ist, einem Sturm aus- zuwerchen. Fcttls die Mcmnschaft gezwungen fein sollte, ui einer abgelegenen Gegend eine Rot- landung vorzunehmen, wodurch dann etne lange Schlittenreise notwendig würde, formten Wochen vergehen, ehe eine Rachricht von dem Schicksal der Expedition eintrifft

Der Wiesbadener Raubmord.

Rach Feststellungen der Wiesbadener Mordkom- mifsion kommt als Mörder der Wttwe Flora Süßer, die in ihrer Wohnung in der Kleiststraße ermordet wurde, oer eigene 33jährige Sohn Wil­helm Süßer der Ermordeten in Frage, der zuletzt in Frankfurt in der Glauburgstraße wohnte. Sein gegenwärtiger Aufenthalt ist unbe- tannt. Wilhelm Süßer, der von mittelgroßer schlan­ker Figur ist, hat feinen Eltern durch fein leicht­sinniges Leben schon viel Kummer bereitet und war auch schon einige Male in Irrenanstalten unterge­bracht. Die Frankfurter Kriminalpolizei vermutet, daß er sich zur Zeit in Frankfurt aufhält und fahndet eifrig nach ihm. Die Leiche der Frau wies verschie­dene Kratzwunden im Gesicht und schwere Verletzun­gen auf dem Kopf auf. Als die Frau bewußtlos geworden war, scheint der Mörder die Frau auf ein Bett geworfen und mit einer Vorhangkor- d e l erwürgt zu haben. Blutspuren deuten dar­aufhin, daß der Täter bei dem Kampf verletzt wurde. Rach der Tat buk sich der Mörder in der Küche einen Eierkuchen und verzehrte ihn in aller Ruhe. Geraubt wurden nach den polizeilichen Ermitte­lungen eine mit Perlen und einem Brillanten be- K kreisrunde goldene Brosche, ein goldenes Glie- rmbanb, eine goldene Damenuhr mit Sprung­deckel, eine Vorstecknadel und ein goldener Damen­ring mit Brillanten. Ob dem Mörder auch Bargeld in die Hände gefallen ist, steht noch nicht fest.

Rach neueren Meldungen kommt entgegen der früheren Annahme, der Sohn Wllhelm Süßer als Täter nicht in Frage, da er sich zur Zett in einer Irrenanstalt befindet. Die Rachforschungen werden nach anderes Richtung hin fortgesetzt. Der Täter ist zweifellos ein Sittlichkeitsverbrecher gefährlichster Art. Eine Spur ist bereits gefunden.

Schwere Antokataftrophe.

Bei Rudow fuhr eine Berliner Autodroschke, deren Chauffeur anscheinend betrunken war, in einen Zug von 200 Mitgliedern des Neuköllner Kriegervereius hinein und über fuhr 11 Personen. Drei von ihnen, darunter der älteste Veteran des Vereins, der 82jährige Rentner Krause, wurden getötet. Bei zwei weiteren Per­sonen besteht Lebensgefahr. Zahlreiche Per­sonen erlitten Nervenschocks. Der Chauffeur und die vier Fahrgäste des Autos suchten zu flüchten. Die Menge holte den Chauffeur jedoch ein und schlug so­lange auf ihn ein, bis er blutüberströmt z u - fammenbrad). Die vier Fahrgäste konnten sich vor der rasenden Menge in Sicherheit bringen. Der Chauffeur mußte ebenfalls ins Krankenhaus ge­bracht werden, konnte aber von dort nach Anlegung eines Notoerbandes als Polizeigefangener dem Re­vier zugeführt werden.

Zunahme des Fremdenverkehrs.

WSN. Frankfurt, 12. Mai. Nach einer statistischen Veröffentlichung hat die Gesamtzahl der Fremden von 1924 auf 1925 zugenommen in Ber­lin von 1 207 697 auf 1592 703, Hambu^ von 472662 auf 485 881, Frankfurt a. M. von 460180 auf 582 088, Köln von 236 484 auf 300 010, München von 686 475 auf 816837. Wiesbaden von 99 675 auf 123127, Baden-Baden von 69 421 auf 71603, Bad-Nauheim von 29 513 auf 36 182, Homburg v. b. Höhe von 7108 auf 7750. Abgenommen hat sie nur in Leipzig von 450 436 auf 425 672. Der Anteil der Ausländer stieg in Berlin non 112 095 auf 192 864, Hamburg von