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taufend Beamte zu einer Kundgebung für eine Erhöhung der Deamtengehölter zusammen­gefunden. Es kam zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei. Dach Angabe der Polizeiprä­fektur sind dabei 80 Personen verwundet worden. Insgesamt wurden 1200 Verhaf­tungen vorgenommen. Um 8 Ühr kamen die Demonstranten in einem Gewerk chastsgebäude zu­sammen. Unter den Angestellten der Haupt­post, namentlich unter den Briefträgern, herrscht seit einigen Tagen älnruhe wegen der von ihnen geforderten Lohnerhöhung, über die die Regie­rung noch keine Entscheidung getroffen hat. Heute nachmttag ist auf der Hauptpost ein T e i l st r e i k ausgebrochen, in dessen Verlauf die Briefträger die Depeschcnbeförderung nach den einzelnen Post­ämtern verhinderten. Ans diesem Grunde ist ein umfangreicher Sicherheitsdienst organisiert wor­den. der sich auch auf den Telephondienst er­streckt. Auch unter den übrigen Postbeamten macht sich seit einigen Tagen eine Lohnbewegung be­merkbar.

Der Kampf um die Wohnungsnot

Berlin, 14. April. (Wolff.) In der Vor- standssigung des Deutschen Städte­tages wurde erneut mit allein Nachdruck darauf hingewiesen, daß die Maßnahmen zur Be­seitigung der Wohnungsnot künftig noch energischer, umfassender und schneller als bisher ge­fördert werden müssen. Mindestens 6 0 0 0 00 Wohnungen müßten in Deutschland in kurzer Frist gebaut werden, wenn der bringet! ft e Fehlbedarf aus der Vergangenheit einigermaßen ausgeglichen werden solle. Die Städte bedürften zur Bewältigung dieser Aufgaben weitgehender Mitwirkung von Reich und Ländern. Mit allem Nachdruck müsse auf die Beseitigung des Mißverhältnisses zwischen der Baukostenverteuerung und dem allgemeinen Preisindex hingewirkt wer­den. Durch weitgehende Steuererleichte­rungen müsse der Wohnungsbau angeregt wer­den. Voraussetzung für die Durchführung eines aus­reichenden Wohnungsbauprogramms fei die Lösung der Firlanzierungsfrage. Die kurzfristige K re- di t h i l f e des Reiches fei zu begrüßen, soweit sie ein stärkeres Interesse für den Wohnungsbau Hervorzurusen geeignet sei. Dringend notwendig fei die Vereinfachung her Bestimmungen über die Ver­wendung der Hauszinssteuer für den Woh­nungsbau. Von ausschlaggebender Bedeutung aber fei eine den sozialen Erfordernissen entsprechende endgültige Umwandlung der Hauszins- ft# u e r, die zugleich die Grundlage für die un­erläßliche Aufstellung eines Wohnungsbaupro­gramms auf lange Sicht abgebe.

Weiterer Rückgang der Arbeits­losigkeit.

Berlin, 14. April. (Wolff.) Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der zweiten Märzhälfte zeigte eine weitere mäßigeDesse- r u n g. Die Zahl der Hauptunterstühungsempfän- ger ist im Gesamtergebnis von rund 2 017 000 am 15. März auf 1942 000 am 1. April, d. h. u m 3,7 Prozent »urückgegangen. Im ein­zelnen hat sich die Zahl der männlichen Haupt- unterstützungSempfänger von 1702 000 auf 1 624 000 vermindert, während bei den weiblichen Hauptunterstützungsempfängern eine klein« Zu­nahme von 315 000 auf 319000 eingetreten ist. Die Zahl der Zuschlagsempsänger (unterstuhungs- berechtigte Angehörige von Hauptunterstützungs­empfängern) ist von 2 204 000 auf 2 082 000 zuruck- gegangen. Insgesamt hat sich die Zahl der Haupt- untersÄtzungsempfanger im März von 2056 000 auf 1942 000 vermindert.

Das Ergebnis des Volks­begehrens.

Berlin, 14. April. Der Aeichswahl- aus schuh hielt am Mittwoch unter Vorsitz des Reichswahlleiters eine öffentliche Sitzung zur Feststellung des endgültigen Ergeb­nisses des Volksbegehrens ab. Der Reichs­wahlausschuß stellte fest, daß im gesamten Wahl­gebiet (Deutsches Reich ohne Saargebiet) 12 523 939 Eintragungen erfolgt sind. Das vorläufige Er- aebnis betrug 12 512 000 Eintragungen. Don einer Rachprüfung der Beschlüsse der Abstimmungsaus­schüsse kann In diesem Falle abgesehen werden, weil die vorstehende ermittelte Gesamtzahl der Eintragungen die für die Zulassung des Volks- entschech erforderliche Zahl bei weitem über­schreitet. Die Zahl der gültigen Eintragungen macht im ganzen Reiche 117,2 Prozent der Ge­samtzahl der für die Linke am 27. Dezember 1924 abgegebenen Stimmen und 31,8 Prozent der Zahl der Wahlberechtigten bei der Reichspräsidenten­wahl aus.

Der Kutisker-Prozeh.

Berlin. 14. April. (.) Am -weiten VerhandlungStage äußerte sich Äutijcr zunächst über das viel genannte Hanauer Lager­geschäft. In dieses Geschäft ist er durch den jetzigen Mitangellagten Strieter hineingekom­men. Strieter betonte, daß sich dieses Geschäft schnell abwcckeln werde und daß man habet Mil­lionen verdienen könne. Kutisker entschloß sich dann zur Beleihung des Geschäftes, da Schrott so gut tote bares Geld gewesen fei Es war beah- 11^.19!, öaö Material tnt Auslande gegen eng- U-che Pfunds zu verkaufen. Durch Rüh e von der Staatsbank wurde auch eine Beteiligung der Staatsbank herbeigeführt. Kutisker sagte Wetter aus, er habe gegen einen Rominalwechsel

Zlark im Falle des Hanauer Lagers 51 700 Mk. Kredit von der Staatsbank erhalten. Im Zusammenhang mit dieser Bekundung wurde dann der Angeklagte Strieter vernommen, der angab, bereits große Reisen nach China und Oapan gemacht zu haben und behauptete, in Abessinien 76 000 Hektar Gummiwald zu be- sttzen. Der Vorsitzende drückte sein Erstaunen darüber aus, daß ein so junger Mensch schon so umfangreiche Geldgeschäfte gemacht haben wollte.

Der Angeklagte Strieter sagte Weller aus. das Hanauer Lager habe, als er es übernommen habe, zum größten Teil neue oder nur sehr wenig gebrauchte Materialien enthalten. Dann wurden die Wechselgeschäfte erörtert Rach der Schätzung des Angellagten Strieter hat das Ha° "Er Lager einen Wert von 6 bis 7 Millionen gehabt. Darauf wurde H 0 l z m a n n vernommen, gr gab an^ bei der Besetzung der ükraine in Sieto getoefen zu sein. Er habe sich mit den d^kschen Truppen sehr gut gestanden. Der CDor- 'khende totes daraus hm, daß Holzmann später Heeresgut nach Rumänien verscho- ben haben soll. Holzmann betritt das ener- ßif$. Wahrend der Vernehmung Holzmanns I

wurde festgestellt, daß der Gesundheitszustand Kutiskers eine Weiterverhandlung nicht mehr zu­lasse. Die Sitzung wurde daher auf Freitag vertagt

Hessischer Landtag.

Darmstadt, 14. April 1926.

Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9'/s iUjr. Die Beratung des Staatsvoranschlags für 1926 wird wieder aufgenommen, und fctoar bei Kap. 44 (Volksgesundheitspflege).

Abg. Reuter (Soz.) führt Beschwerde we­gen der Richtanerkennung des soz. Arbeiter- Samariter-Dundes durch den hessischen Staat und die Verweigerung einer ünterstühung.

Hu

Kap. 45 (Jugendfürsorge und besondere Maßnahmen zur Bekämpfung von Bolls- kraalheiten)

liegt ein Antrag Dr. Leuchrgens-Glaser vor. den für die Besoldung der Bezirtsfür- sorgerinnen ausgeworsenen Betrag von 144 000 Mk. zu streichen und den anderen Po­sitionen des Kapitels zuzuweisen.

Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) begründet seinen Antrag mit der Erklärung, daß das Für- forgetoefen mel zu sehr verstaatlicht ist, man solle es viel mehr den privaten Fürsorge­rinnen überlassen. Hessen sei auch auf diesem Gebiete wieder mit der Verstaatlichung weiter als die anderen deutschen Lander. Gerade die sittlichen Kräfte würden durch die private Wohl­fahrtspflege geweckt und gefördert, durch den Staat würden sie lahm gelegt. Der Staat arbeite auch viel schwerfälliger und schematischer als die privaten Institutionen.

Abg. Hardt «Soz.) bittet, den Antrag ab­zulehnen. ebenso einen Antrag Dr. Werner, der die Regierung ersucht, die Frage zu prü­fen, ob die Aufgaben der Kreisfürsorgerinnen von christlichen Schwestern übernommen werden können.

Abg. Frau Birnbaum (D. Vp.) wendet sich ebenfalls gegen die Streichung der für die Fürsorgeschwestern ausgesetzten Summen und weist auf ihre Leistungen und ihren Aufgaben­kreis hin. Die charitativen Verbände allein könn­ten diese Aufgaben nicht übernehmen. Die Red­nerin betont nachdrücklich, daß sie keine den privaten Fürsorgerinnen feindliche Stellung ein- nehme, wenn sie für die Bezirksfürsorgerinnen eintrete.

Abg. Frau HeräuS (Dntl.) ist ebenfalls der Olietnung, daß die Dezirkssürsorgerinnen nicht entbehrt werden können.

Abg. Hattemer (Ztr.) wendet sich gleichfalls gegen die im Antrag Dr. Leuchtgens geforderte Streichung, sie pflichtet aber auch den Abg. Dr. Leuchtgens und Dr. Werner insofern zu, als der Staat allein die Aufgaben der Volksgesundheitspflege nicht erfüllen kann. Der Staat habe in der Woh- nungsfürforge, namentlich für kinderreiche Familien, versagt.

Dr. Balser (Dem.) weist darauf hin, daß die christlichen Schwestern allein nicht für die vielen Ausgaben der öffentlichen Gesundheitsvflege aus- reichen, weshalb die Aufrechterhaltung Der Einrich­tung der Bezirksfürsorgerinnen notwendig sei.

In der weiteren Debatte entgegnen die Abg. Heraus (Dntl.) und Hattemer (Ztr.) auf eine Behauptung der Abg. Balser, daß die konfessionellen Schwestern dieselbe Vorbereitung und Ausbildung haben, wie die Kreisfürsorgeschwestern.

Der oben erwähnte Antrag Dr. Leuchtgens wird Sixt Der Antrag Dr. Werner wird angenom»

as Kapitel 45 wird dann mit 561 000 Mark genehmigt.

Kap. 39 (Aerzllicher Dienst)

wird mit 52 050 Mark Einnahme und 259 849 Mark Ausgabe angenommen. Ein Antrag Galm (Komm.) wegen einer Statistik Der Bleiweißerkrankungen wird nach längerer Debatte durch die Regierung-- antwort für erledigt erklärt. Ein Antrag Roth zu diesem Kapitel wird abgelehnt.

Die Beratungen wenden sich jetzt Kapitel 42 (Landes-Heil- und Pflegean st alten und Heilstätte für Nervenkranke bei Gießen zu.

Abg. Dr. N i e p 0 t h (D. p.) weist an Hand von Zahlen nach, daß Die Aufwendungen für die staat­lichen Anstalten weit höher sind, als in den Prooin- zial-Siechenanstalten. Die Kosten Der Irrenanstalten seien unerträglich hoch. In einer kleinen GemeinDe kommen, wie Der Redner an einem Beispiel zeigt, auf den Kopf Der Bevölkerung 12 Mark, Das könne eine GemeinDe unmöglich tragen. WürDen Die Kosten nicht herabgesetzt, so wurden Die Kranken Den Anstalten ferngehalten.

Abg. Kiel (S.) berichtet über seine EinDrücke von Der Besichtigung einer Landesheilanstalt unD weist auf Den schweren Dienst des Pflegepersonals hin. Der Redner unterbreitet Dann Dem Hause eine Reihe von sozialen Wünschen Des Personals und äußert sich ablehnenD zu einem Antrag Dr. Leucht­ens, Pflegepersonal nicht in Bsamtenstellen anzu­stellen, ebenso bekämpft Der ReDner einen Abbau- antrag Dr. Leuchtgens, Der sich auf Aerzie unD Pflegepersonal bezieht. Schließlich menDet er sich auch gegen einen Abbau der Löhne Des Pflege- Personals.

Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) stellt ver­schiedene Behauptungen Des Abg. Kiel richtig, namentlich in bezug auf die Zahl des Pflege­personals. Die Ziffer habe sich gegen die Vor­kriegszeit verdoppelt. Der Redner verlangt nach­drücklich, daß die Pflegegeldsätze herab­gesetzt werden.

tage mit 130 bis 150 feiert doch wohl zu hoch

Abg. Heräus lDntl.) meint. Die ürlaubs- bemessen.

Vach weiterer Aussprache wird über Kap. 42 abgestimmt. Don dem Antrag Dr. Leuchtgens wird nur der erste Absatz angenommen, wo­nach Heil- und Pflegepersonal nur noch auf Grund eines kündbaren Dienstvertrages einge­stellt werden soll. Das Kapitel selbst wird mit 3 258 367 Mk. Einnahme und 3 613 054 Mk. Ausgabe angenommen. Die übrigen Anträge, über die Dann noch abgestimmt wird, werden zumeist nach den Ausschußanträgen erledigt.

Es folgt Dann Die Beratung der

Kap. 32 (Gendarmerie). 33 (Polizei) und 47 (Schutzpolizei).

Abg. Leuschner (Soz.) bedauert es, daß kein gemeinsamer Polizeietat dem Hause vor­gelegt worden ist, noch immer fehlten auch eine ^ihe von Vereinheitlichungen. Diese müßten gefordert werden, Denn dadurch würde Die Po- llzei schlagfertiger, auch würden Ersparnisse ge­macht. Dte Dereitschaftspollzei sei viel zu um» fangreld) überdies herrsche ein Üebersluh an Pollzetosfizieren. Jede Berellschast müsse mit Drei Offizieren auskommen. Bei der Schutz-

pvllzei wären sehr kostspielige Stäbe. Abg. Leuschner begründet hierauf eine Reihe von ErsparungsVorschlägen und Anträge seiner Par­tei: Darunter ist auch Die Forderung eines Landeskriminalamtes.

Abg. Kindt (Sn.) hält Beschlüsse über das Polizeiwesen noch nicht für spruchreif, weil sich der SechserauSschuß noch nicht Damit befaßt habe. Abg. Kaul (Soz.) spricht Dagegen. Abg. Dr. Leuchtg ens (Bbd.) ist ebenfalls für eine Zurückverweisung an den Ausschuß, insbesondere an den Finanzausschuß. Die Verlagungsanträge werden in der Abstimmung abgelehnt.

Minister v. Brentano erklärt, die Um« Organisation Der Schutzpolizei se und werde kommen, die Entente verlange dies. Mll der Vere'.nheillichung der Polizei könne jetzt schon begonnen werden. Die geschlossene Ausbildung unD die Verwendung von Polizeitruppen müsse unterbleiben, denn gewissen Forderungen der Entwaffnungsnote müsse entsprochen werden. Der Minister teilte dann mit, daß Die Polizei- schule zu einer Fachschule für die Polizei, und Die Gendarmerie ausgebaut wird: sie werde einem Verwaltungsbeamten unterstellt. Der Redner ver­breitete sich noch übet weitere Plane, z. D. den Abbau der Landesaendarmerie- d i r e k t i 0 n. Der bereits im Gange sei. Er er­klärte sich Damit einverstanden, daß auf Dem Gebiete Der staatlichen Ortspoli^ei 300 Stellen auf Den Inhaber gesetzt werden. Im äußersten Falle wäre bei Den sachlichen Ausgaben eine Ersparnis von 120 000 Mk. möglich. Hoffentlich ließen sich für Die unteren Gehaltsgruppen bessere Ver­hältnisse herbeiführen. Das hessische Kriminalamt wäre schon vorbanDen, es heiße nur anders, unD zwarHessische Rachrichtenzentrale". Der Minister schloß mit einer Anerkennung der Lei­stungen der Polizei.

216g. Kindt (Dn.) kritisiert die Ausführun­gen des Aag. Leuschner. Die Zahl der Polizei- offiziere wäre nicht von Hessen, sondern vom Reich festgesetzt toorten, von einer demokratisch«ren Re­gierung als Die jetzige. Die Gründung der Po- lizeisckule, Die Dar Minister angekünd gt habe, sei Der Ausdruck des machtpolitischen Strebens der Linken. Die Üntcrftellung Der Schule unter die Leitung eines Juristen sei ein Fehler. Der Oberst Fendel-Sartorius werde abgebaut; man habe ihm, der Die Schule auf gebaut habe, Wage­mut et, die Stelle eines.stellvertretenden Leiters Der Policeischule zu übernehmen. Oberst Fendel- Sartorius sei der Leiter eines nicht gewerkschaft­lichen Polizeibeamtenverbandes. Hier wäre Der Schlüssel für alle diese Vorgänge. Es werde über­haupt ein Abbau Der mil türischen Führung vor- genomn-.en, um das Osfisierkorps auszuroiten.

Um 1V2 ühr werden die Beratungen abge­brochen; nächste Sitzung Domrerstag 9 ühr.

Kleine politische Nachrichten.

Die vom Stettiner Schwurgericht wegen Mordes an dem belgischen Oberleutnant G r a ff zum Tode verurteilten früheren Schupobeamten K a w s und E n g e l e r wurden von Stettin nach Düsseldorf transportiert, wo ein neutrales Schieds­gericht zusammentreten soll, um den Tatbestand noch einmal zu prüfen.

Paul Boncour ist aus Danzig kom­mend in Berlin eingetroffen. In Berliner poli­tischen Kreisen hat die deutschfeindliche Betätigung PaulBoncours in Warschau einen um so pein­licheren Eindruck hervorgerufen, als PaulBoncour der offizielle Vertreter Frankreichs im Völkerbund ist. Schon wegen dieser Einstellung wird seinem Besuch eine offizielle Bedeutung nicht beigemessen.

In Kopenhagen ist im Alter von 63 Jahren Der Konsul Eric Henius gestorben, der als Finanz- verwolter des dänischen Roten Kreu­zes während des Krieges in der deutschen Kriegs­gefangenenfürsorge eine hervorragende Rolle ge­spielt hat.

Der frühere Präsident der Saarkommission, R a 0 u l t, wurde von B r i a n d empfangen, der ihm das Großkreuz der Ehrenlegion überreichte.

Am Quai d'Orsay wird bestätigt, daß Fincmz- minister Peret am 21. April zur Wiederaufnahme der Schuldenoerhandlungen nach London abzureisen gedenkt. P6ret wird voraussichtlich nur zwei Tage in London bleiben. Man hält in maß­gebenden französischen Kreisen den Abschluß der Verhandlungen mit England noch vor Ende dieses Monats für wahrscheinlich.

Aus aller Welt.

Kritik 1111b Pressefreiheit.

Zwischen Dem Verein DerMainzer Lieder­tafel unD Damenge'angverein und der Re­daktion desM Linzer Anzeigers" ist ein Konflikt ausgebro ?n, und zwar aus folgen­den Ursachen: Dni jtlufitEriliier des Blattes, Dr. Morgenrot h, hatte an eine Ausführung Der Liedertafel a l l g e m e i n kr i t i s ch e Be - merkungenüberdieKunstpolitikDes Vereins geknüpft. Bemerkungen, Die sich durchaus im Rahmen Der Zuständig­keit des Referenten hielten. Der Vor­stand der Liedertafel stellte daraufhin an Den Mainzer Anzeiger" das Ersuchen, einen an­deren Herrn mit Der Besprechung Der Ver­anstaltungen des Vereins zu beauftragen, was abgelehnt wurde. Dr. Morgenroth besuchte demgemäß auch Das nächste Konzert Der Lieder­tafel, woraufhin Der Vorstand Der Liedertafel Der Redaktion desMainzer Anzeigers" D i e Pressekarten entzogen hat.

h Mit diesem ungewöhnlichen Vorgang be­schäftigte sich eine Mitgliederversammlung Der Ortsgruppe Mainz Des Aeichsverbandes der Deutschen Presse, der sämtliche Mainzer Redacieure angehören. Der Beschluß der Mainzer Liedetlafel wurde einstimmig als ein durchaus unzulässiger Eingriff in die Rechte Der Presse unD Die Freiheit der öffentlichen Kritik be­zeichnet. Die Versammlung erklärte sich mit Der Redaki.on desMainzer Anzeigers" soli­darisch und beschloß, daß sämtliche Rrdaktiorten dem Verein ihre Pressekarten zur Verfügung stellen, bis die gegen DenMainzer Anzeiger" verfugte Maßnahme wieder rückgängig ge­macht ist.

DieMarge" In Oslo.

Amundsens 2Dordpoll ftfchijfBorge" ist von England über Dänemark nach Rorwegen ge­flogen und in Oslo gelandet. Kurz nach Der Ladung erschien Der König auf Dem Platze. Der Wehr mini st er hielt eine kurze An­

sprache, in Der er die Flieger willkommen hieß. Es wurde Darauf begonnen, Gas nachzufüllen. Das Luftschiff ist Dann zum Weiterslug über Stockholm und Heismgfors nach Leningrad aufgestiegen. Die Fahrt wird wahrscheinlich 22 Stunden Dauern.

Brand im Stargarder Stadkthealer.

3m Stargarder Stadttheater, das im ver­gangenen Jahr fast vollständig nieDer- brannte, entstand während einer Vorstellung In Den Heizungsanlagen ein Brand. Des Publikums bemächtigte sich eine Panik und alles stürzte Den Ausgängen zu. DaS Feuer konnte jeDoch bald gelöscht und Die Vorstellung fortgesetzt werden.

Reicher Kindersegen.

Den Eheleuten Tiedtke in Aistenessen wurde das 15. Kind beschert. Es ist der neunte lebende Knabe. Reichspräsident von Hindert, bürg hat bei Dem Jungen die Patenstelle übernommen und wird bei der Taufe Dies eintragen lassen.

Aus -er provinzialhauptfta-t.

Gießen, den 15. April 1926.

Vom Provmzialausschutz.

* Der Provinzialausschuß der Pro- v i n z O b e r h e s f e n beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung nut folgenden A»pLlLgenheiten:

Gemeinderatswahl Leidhecken: (Se­gen die am 15. November 1925 in Leidhecken statt­gehabte Gemeinderatswabl erhob Sanitütsrat Dr. Ni c 0 l a y - Leidhecken Klage, wobei er 1. bemän­gelte, daß die Gemeindewablkommission das Abstim- mungsergebnis nicht richtlg festge.stellt habe, und 2. Einwand erhob, weil zwei Wähler zu Unrecht ihre Stimme abgegeben hätten, indem die beiden von ihm krank geschrieben gewesen seien und wegen ihrer Krankheit keine Erlaubnis zum Ausgang ge- habt hätten. Der Kreisausschuß zu din­gen stellte in der mündlichen Verhandlung vom 5. Dezember» 1925 fest, daß die Gemeindewahlkom­mission das Wahlergebnis nach den gesetzlichen Be­stimmungen richtig ermittelt hatte, und wies die Ein­wendungen gegen die Gemeinderatswahl kosten­pflichtig ab. Das Verwaltungsgericht vertrat den Standpunkt, es fei selbstverständlich, daß ein Arzt einen Staatsbürger in der Ausübung feiner poli­tischen Rechte nicht hindern könnte. Gegen dieses Urteil verfolgte der Reklamant Berufung an den Provinzialausschuß mit dem Antrag, unter Statt- gäbe der Berufung dahin zu erkennen, daß die Ge­meinderatswahl zu Leidhecken als ungültig zu er­klären und erneut vorzunehmen fei. Der Prooin- zialousschuß wies die Berufung als un­begründet kostenpflichtig zurück.

Antrag des Kreisamts Gießen auf Untersagung des Gewerbebetriebs des Trödlers Peter H e ß zu Gießen, Bahnhofstr. 20. Dem Antrag des Kreisamts Gießen wurde nicht staltgegebni unh die Kosten des Verfahrens der Staatskasse a-.ferleg-.

Klage der Emma König zu Selters gegen das Kretsamt Büdingen auf Aufhebung des Bescheids wegen Versagung des Wandergewerbe- fcheins für 1926. Das Kreisamt Büdingen hatte der Klägerin einen Wandergewerbeschein versagt, weil sie noch nicht 25 Jahre alt ist, noch nicht im Wander­gewerbe tätig war und auch nicht die Ernährerin einer Familie ist. Ihr Ehemann ist als Unterbeamter bei der Reichsbahn angestellt. Die Klage wurde als unbegründet kostenpflichtig zurückgewiefen.

Die Klage des Dr. med. Max Oppen- Heimer gegen die Stadt Friedberg wegen Anfor­derung einer Gebühr durch das städtische Wohnungs- amt kam nicht zur Verhandlung, weil Kläger zuvor feine Klage zurücknahm.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf Dem heutigen Wochenmarkt: Butter 190 bis 200, Matte 35, Käse 50 bis 150, Wirsing 30, Weißkraut 25 bis 30, Rottraut 25 bis 30. gelbe Rüben 25, rote Rüben 20, Spinat 40 bis 45, Feldsalat 120, Tomaten 150. Zwiebeln 20, Meerrettich 40 bis 80. Schwarzwurzeln 40 bis 60, Rhabarber 30. Kartoffeln 4 bis 5, Aepfel 15 biß 25 Pf. Das PfunD; Eier 9 bis 10, Blumenkohl 60 bis 180, Salat 35 bis 40, Salatgurken 150. Lauch 10 bis 20, Sellerie 20 bis 30 Pf. Das Stück; ÄaDieschen BD. 20 bis 25 Pf.

Wettervoraussage.

Bewölkungszunahme, nachts Temperaturen über, Aull, tagsüber kühler, bei südlichen bis westlichen WinDen starle.e Luftbewegung, höch­stens geringe RieDerschläge.

Die Schönwetterlage hält vor Der Hand an, ieDod> bereitet sich ein Witterungsumschlag vor.

Gestrige Tages e.nperaturen: Maximum 19, □Minimum 0,1 GraD CelfiuS. Heutige Morgen­temperatur: 3,6 GraD Celsius.

Vornot i,^en.

TageskalenDer für Donners­tag. Deutscher Bund für christlich-evangelische Erziehung i 1 Haus und ©;r;ule: 8 äljr. Io annes- saal, FamllienabenD mit Vortrag. Goethe- Bund: 8' 1 übt, Kaufmännisches Dereinshaus, Bortrag von Dr. Heimüch Citienfein. Licht­spielhaus, Bahnhof st r.: .Hanseaten". Asto^ia- Lichtspiele:Der letzte Kampf".

Der Ortsausschuß Der Ge­nossenschaft D eutscher Dühnen- angehörigen schreibt uns:War in früheren Zähren mehrmals ein Dühnenfest zu wohltätigen Zwecken auch hier gerne gesehen, so nehmen wir Doch in Der jetzigen Rotzeit Davon Abstand. Wir sind nun um Überlassung einer beson­deren Wohltätigkeiisvorstellung eingekommen, und die Theaterdeputation hat auf unsere vom Herrn Intendanten befürwortete Eingabe in entgegen­kommendster Weise entschieden. Am Donnerstag, 22. d. M., abenDs 7Vi ühr, wird Wildenbruchs Die Haubenlerche" zugunsten bühnengenossen- schaftlicher ünterstühungsbelange einmalig in Szene gehen. (Siehe heutige Anzeige.) Die G. D. B. A., Der feit 1871 bestehende Fachverband Der Theaterangehörigen, ist verarmt, ihr sinD Millionen vernichtet worDen. Die verhältnismäßig kleine Zahl von Mitgliedern kann Den Verlust nie to.eDer einbringen, zumal große Existenznot herrscht. Die G. D. D. A. ist auf befonDere Ein­nahmen angewiesen, um ihren Veteranen Die Alterspfennige zu ersetzen und Den Mittellosen gu helfen. Es gilt, viele zu unterstützen. Damm wollen auch wir uns in Den Dienst Der guten Sache stellen. Doppelt eifrig, so wir infolge Der le.Der bislang noch immer kurzen Spielzeit-An- stellungsverträge MitglieDer unseres Ortsver- banDs kurzfristig müssen ausscheiDen sehen, ohne Daß sie neuen Platz haben unD für Den Sommer auch kaum finDen Eönnen.Die Haubenlerche" mit ihrem humorDurchsetzten Dialog Dürste all­gemein gefallen. Keinerlei Aufpreise toerDcn ge­nommen. So hoffen wir, Daß uns ein volles Haus befchieDen fein wirb."

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