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Donnerstag, 15. April 1926

176. Jahrgang

llr. 87 Erstes Blatt

Annahme von Anzeigen für di< Tngesnummer bis zum Nachmittag vorher.

preis für l mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 20° , mehr.

Thefredakteur:

Dr. Friedr Will). Lange. DerantwortUch für Politik Dr Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An­zeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Dieben.

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag».

Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle

Monats-Vezvgrpreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter- Rheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Ver­lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Stehen.

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Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesten

VrvS und Verlag: vrühl'Iche Univrrfitätr-Vllch- und Steinöniderei N. Lange in Sieben. Schriltieiiung und Geschäftsstelle: Schnlstraste 7.

Vie deutsch-russischen Beziehungen.

Besprechungen über einen Neu- trnlität^vertrag mit der Sowjetunion.

Moskau. 15.April. Die Nachrickl derTi­mes" über den bevorstehenden Abschluß eines neuen Vertrages zwischen Deutsch­land und Rußland wird hier als ein versuch angesehen, die schwebenden Verhandlungen zu stö­ren und lhr Resultat In einem ungünstigen Licht erscheinen zu lassen, wie es auch aussallcn sollte. Daß Verhandlungen schweben, ist seit langem kein Geheimnis. Tatsächlich liegt die von russischer Seile flammende Anregung dazu eineinhalb Jahre zurück. Sie ist im September 1924 erfolgt und von der deutschen Regierung sogleich abgegriffen wor­den. Die damals ungefähr gleichzellig cinfehenben Verhandlungen über die Sicherung der W e ft - g r e n z e ist die Ursache gewesen, daß nach der russi­schen Seite hin die Zügel ein wenig schleiften. Wäh­ren des Sommers ist die deutfch-ruffifche Diskussion fortgesetzt worden. Was Rußland wollte, war ein allgemeiner Reulralitätsvertrag, wie es ihn mit der Türkei abgeschlossen Hal, ein Ver- frag, der die Beihilfe Deutschlands zur militärisclzen wie zur wirtschaftlichen Kriegführung gegen 5o- wjekruhland ausschließen würde.

Ein deutsch-russischer Vertrag auf der Grund­lage einer solchen allgemeinen Neutralitätserklä­rung wäre nach dem russisch-türkischen Vertrag nur der zweite Fall in einem ganzen System derartiger Verträge. Sowjetrußland arbeitet an dem Ausbau eines solchen diplomatischen Gebäudes, und sein nächstes, wenn auch noch fernes Ziel ist ein gleich­artiges Abkommen mit Frankreich.

Zu derTimes"-Meldung über den Abschluß eines Rückversicherungsvertra'ges zwischen Deutsch­land und Sowjetrußland wird von Berliner zuständiger Stelle ausdrücklich erklärt, bah von einem solchen Vertrag gegenwärtig keine Rebe sein kann. Dagegen finb schon seit geraumer Zeit zwischen bet deutschen unb ber russischen Regierung verhanblungen Im Gange über eine V rärisie- t u n g bes gegenwärtigen Verhältnis- jes im Hinblick auf ben Locarnopakt. Von deutscher Seite ist wleberholt betont worben, bah der Vertrag von Locarno keine veränberungen in den übrigen Beziehungen Deutschlanbs zu Ruhlanb unb feine Umstellung ber politischen Orientierung bebeutet. Der Vertrag von Locarno werbe von Deutschland In keiner Weise als eine Aktion gegen ben Offen aufgefafjt. Auch die Fortsetzung ber Verhandlungen mit ben westmäch- fen nabe eine neue Nuancierung bes Verhältnisses Deutschlanbs zu Sowjetruhlanb nofroenbiq gemacht. Hebet all blefe Parallelbesprechungen mit Ruhlanb werben jedoch ble Westmächte von ber beutschen Regierung fortlaufenb Informiert. Ob unb wann die Besprechungen mit ber Sowzetregicrung eine konkrete Form finben unb zur schriftlichen Pnnkla- fion führen werben, steht noch bahin.

Ein neuer Kurs in Amerika. Coolidge für eine Jsolicrungspolitik der Verciuigtcn Staate».

Washington, 14. April. (WTD.) Zu der kürzlich gemeldeten Rede des Präsiden­ten Coolidge, in der er die Einigkeit der Amerikaner betonte, berichtet der Whaley Eaten- dienst: Es wird versichert, daß die Rede des Präsidenten dafür berechnet war, den Grundstein zu legen für eine Wiederbelebung der alten Harbin gschen Idee eines Zu­sammenschlusses kontinentaler Ein­heiten zu kontinentalen Ligen. Es besteht kein Zweifel, daß die Regierung damit beschäftigt ist, eine neue und umfafsende Außenpolitik außerhalb des Völker­bundes zu formulieren. Wir sind aber von zuständiger Stelle unterrichtet, daß die Ange­legenheit sich zur Zeit noch nicht in endgültiger Form befindet. Die Basis dieser neuen ameri­kanischen Politik wird, tote wir hören, in einer vollständigen Trennung von den po­litischen Angelegenheiten Europas bestehen, doch von keiner Einschränkung der wirtschaftlichen Beziehungen zu Europa begleitet sein. Ein anderer Punkt der neuen Politik wird die Versicherung sein, daß in der amerikanischen Politik für Ligen oder politische Vündnifte oder formelle Organisationen dieser Art kein Platz ist. Dieses neue inter­nationale Programm wird sich während des Sommers entwickeln und wird in Ansprachen zu­ständiger Beamten der Oeffentlichkelt mi! geteilt.

Mussolini in Tripolis.

Tripolis, 14. Avril. (Wolfs.) Rach einer Stesanimeldung legte Mussolini gestern in B c g c l Mianin, das 35 Kilometer von Tripolis entfernt liegt, den Grundstein zu Land­häusern einer Mailänder Gesellschaft. die dort c'.y.e Konzession erhalten hat. Der Leiter der Ansiedlung dankte Mussolini und zeigte ihm besonlnut entwickelte Getreideähren, die auf dem Kon -imnsaebiet von Arabern erzielt wor­den waren. Li ?m Mussolini nach die ersten Spatenstiche cu.v,. . halte, begab er sich nach Atizie, wo ihm d.c Bc.allerung einen be­geisterten Empfang fcc .i.crc. Gm Anschluß daran besichtigte er die von italienischen Tcupnen auf der Hochebene von Sarian angelegte Chaussee und toohnte einer Fantasie arabis ch e r Reiter bei. Mussolini nahm dann das Früh­stück beim Befehlshaber des Gebiets von Garian ein und kehrte daraus nach Tripolis zurück.

wo er die Kriegsschiffe im Hasen, die Moschee und den arabischen Stadtteil besichtigte. Am Abend wurde ihm ein Fackelzug dargebracht, dem er vom Balkon des Palastes des Gouver­neurs beiwohnte. Auch bei dieser Gelegenheit wurden ihm stürmische Huldigungen zuteil.

Italien unb die TciMerftage.

Für die Unverletzlichkeit des inter­nationalen Territorinns.

Rom, 14. April. (WB.) Das .Giornale d'Italia" schreibt, daß Italien angesichts der Rachricht über die Frled-ensverhandlungen in Marokko sein QIugemnerE auf Tanger richte. Die Frage von Tanger sei für Italien noch immer ungelöst. Zwischen dem Marolkoprogramm und und der Tangerfrage gebe es zwar keine^un­mittelbare Beziehung, aber gelegentlich der Fcie- densverHandlungen sei die Angabe auigetaucht, daß Spanien wünsche, seine Marolk.zone da­durch zu ertoeitern, daß es einen Teil des Territor iums von Tange^r sicy an eigne. Italien könne, da das neue Tanger- ftatut ohne seine Mitwirkung auigarbeitet und angemeldet worden sei. den spanischen Tarie­rungen nichs beiftimmen. Das fest umgrenzte kleine Territorium von Tanger fei inter­nationalisiert worden und setze dir Rea)te aller Beteiligten voraus. Es dürfe daher wegen der damit verbundenen internationalen Inter­essen nicht angerübrt werden. Italien be­harre auf seinem blättrigen Standpuint. sehe jedoch mit Freuden, daß Frankreich und England sich für eine Berständigung mit Italien aus­sprechen.

Die Friedensverhandlungen in Marokko.

Paris. 15. April. (W. T. B. Funlspruch.) Der französische General Mangin, der in Oujbja fie Verbindung zwischen Abd cl Krim und Der französischen Regierung aufrecht:rhalte". hat, er­klärte einem Pressevertreter, daß er über tas (S-intreffen der Delegierten der Riileute noch leir.e Rachricht erhalten habe. Cs würden noch einige Tage bis zum Beginn der Derhandlungen ver-

Die englische Kohlenkrise.

Die Verhandlungen zwischen den Arbeit­gebern und Arbeitnehmern des englischen Berg­baues haben bisher zu keiner Einigung geführt. Es besteht auch wenig Aussicht, daß eine solche sobald zustande kommen wird. Beide Parteien rüsten bereits zum entscheidenden Kampf, was jedoch von keiner Partei offen zugegeben wird, denn sowohl die Grubenbesitzer wie die Gewerk­schaften suchen ernstlich nach einer friedlichen Lösung. 2lls Derhandlungsbasis dient der Be­richt der Kohlenkommission, der tm großen und ganzen von den Gewerkschaften abge­lehnt wird, da er eine Lohnherabfehung vorschlägt, ohne die eine Gesundung des eng- lischen Bergbaues nicht eintreten könne. Die R e g i e r u n g hat sich den Forderungen des Be­richts der Kommission angeschlossen und teilt mit ihm die Auffassung, baß'eme Verlängerung Der staatlichen Unterstützungen über den ersten Mai hinaus nicht möglich ist.

Der Kampf, der gegenwärtig zwischen Ge­werkschaften und Unternehmern und zwischen den Gewerkschaften und dem Staat ausgefochten wird, wird darüber entscheiden, wie sich die wirt­schaftliche Struktur Englands in den nächsten Jahren gestalten wird. Die schweren Gegensätze zwischen den Parteien sind geeignet, eine allge­meine Staatskrise in England herbcizufuh- ren, denn die Gewerkschaften sind sehr stark und spielen eine große Rolle Im Wirtschaftsleben, zumal die meisten anderen großen Gewerkschaften den Bergarbeitern ihre Unterstützung bei einem Kampf gegen die Unternehmer zugesagt haben.

Es handelt sich bet der englischen Bergbau- krise in der Hauptsache um reine Machtfragen, darum, ob die Gewerlfchaften der Regierung ihren Willen aufzwingen können, wie es ihnen im Sommer vorigen Jahres gelungen ist. Die konservative Regierung und ebenso der überwie­gende Teil der öffentlichen Meinung ist der An­sicht, daß der Staat dieses Mal den Gewerk­schaften gegenüber feine Autorität durchsetzen müsse, auch wenn es darüber zu gewaltigen Wiri- schaftskämpfen kommt, die das Geben der Ration bis in seine Grundfesten erschüttern würden. Die Regierung ist unter allen Umständen entschlossen, feine weiteren Subventionen zu zahlen, da sie diese Belastung dem englischen Steuerzahler nicht weiter zumuten kann.

Aber nicht nur diese innerpolitischen Macht­fragen verleihen der Kohlenkrise ihre große Be­deutung, sondern es handelt sich letzten Endes auch um die Lebensfähigkeit der eng­lischen Kvhlenindustrie überhaupt. Ohne Staatssubventionen können dir heutigen Preise nicht aufrecht erhalten werden, es sei denn, daß eine erhebliche Lohnheradsetzung ein­tritt. Bei Aufrecherthaltung des heutigen Lohn­niveaus würden die englischen Grubenbesitzer ettoa ein bis zwei Schilling an jeder Tonne Kohlen zusehen, was in kürzester Zeit den Bergbau zum Erliegen bringen müßte. Auch die weitestgehendeii Rationalisierungsmaßnahmen könnten diesen Ber- lust nicht ausgleichen, wenn die jetzigen Löhne weitergezahlt würden. Daß ein gewisser Lohnab­bau unbedingt notwendig 1 ist, scheinen auch die Gewerkschaften eingesehen zu haben, nur wollen sie keine zu starke Loynherabsehung xugeben, wie sie von den Unternehmern gewünscht wird.

Die Gewerkschaften wären schon damit ein­verstanden, daß für ganz England ein ein- heitlicher Minimallohn festgesetzt wird, der Dem Existenzminimum des Kohlenarbeiters entsprechen würde. Dies wollen jedoch nicht die Unternehmer, die nach wie vor fordern, daß die Lohnregelung wieder völlig freigegeben wird, so daß in jedem Betriebe nach den je­weiligen Verhältnissen die Löhne besonders ge­regelt werden. Die Gewerlfchaften befürchten hierbei jedoch, daß dadurch in vielen Bezirken die Löhne noch unter das Existenzminimum sin­ken und so zu einer Verelendung der Ar - beiterschaft führen würden; das soll unter allen Umständen durch den Einheitsminimallohn für den ganzen englischen Bergbau vermieden werden. Die Schwierigkeit, einen Cinheitslohn sestzustellen, ist außerordentlich groß, denn er könnte von gut rentier en i>en Bergwerken spielend gezahlt werden, von anderen dagegen nicht. Bei diesen mühte dann doch wieder eine Staats­unterstützung eintteten.

Ergebmslofe verhandlimgeu.

London, 14. April. (TU.) Das Kabi­nett hat heute nachmittag über die Kohlen­krise verhandelt, ohne ober zu einem Beschluß zu kommen. In politischen Kreisen nimmt man an, daß weder die Grubenbesitzer noch die Berg­arbeiter einen endgültigen Entschluß fassen wer­den, bevor sie sich über die Hohne der in Aussicht gestellten weiteren Regierungsunter­st ü h u n g unterrichtet haben.

Der Vollzugsausschuß der Bergleute be- sck>loß, daß keine örtlichen Verbände der Ein- laudng der Zechenbesitzer stattgeben und über örtliche Lohnvereinbarungen verhan­deln sollen, bevor die allgemeine Lohnverein- baruitg gesichert ist. Der Zentralausschuh der Zeche n besiher hatte nachmittags eine ein- stündige Konferenz mit Dem Arbeitsminister. D.e Arbeitgeber erklärten hierbei, sie würden sich mit den örtlichen Verbänden der Berg­leute in Verbindung setzen, um mit ihnen zu er­wägen, welche Arbeitsbedingungen nach dem 30. April ein geführt werden könnten. Inzwischen seien sie aus rechtlichen Gründen genötigt, von der Beendigung der bestehenden Kon­trakte für Ende dieses Monats Mitteilung zu machen, was aber nicht Den Abbruch Der Verhand­lungen bedeute. Abends hatte der besondere in­dustrielle Ausschuh Des Gewerkschaftskongresses mit Premierminister DalDwin eine nahezu ein» stündige Konferenz, nach welcher er sich mit den Vertretern Der Bergleute beriet Die Führer der Bergleute beabsichtigen im Lause des Aöen >5 nach Brüssel zu reifen, um mit Dem Inter­nationalen Bergarbeit er verbanD wegen Unterstützung Dura) die festlänDischen Or­ganisationen im Falle eines Ausstandes zu ver­handeln.

Die Morgenblätter beurteilen die Lage im Kohlenbergbau sehr pessimistisch. Die meisten Blätter erklären unumtounien, dah die Verhand­lungen auf den toten Punkt gelangt seien. Der Standpunkt der Regierung ist nun­mehr der, daß man im Rotfall auch einer Be - triebseinstellung in den Kohlenbezirken ins Auge fehen müsse.

gehen. Ein Friede mit AbD ei Krim sei not­wendig, Denn die Fortsetzung des Krieges würde nur geringe Vorteile um den Preis schwerer Opfer bringen. Abd el Krim habe genügend Einfluß, um Den ihm an- hängenden Stämmen, Die ihm in Den Krieg ge­folgt seien, einen auf Den gegenwärtigen Frie- densbedingungen basierenden Frieden auf^u- zwingen.

Verschiebung der Abrüstungs­konferenz.

London. 14. April. (Wolff.)THoraing Post" meldet, die endgülftge Weigerung Sowjel- rußlands. an der Abrüstungskonferenz leilzu- nehmen, werde viellsichl dazu führen, daß die ge­samte Frage der Abrüstung zu Lande vorläufig Derfdjobcn wird.Daily herald" hält es für saft sicher, daß die Abrüstungskonferenz verfchoben wird. Die französische Regierung werde einen dahingehenden Vorschlag machen. Dieser Ent­schluß fei auf Grund von Boncours Warschauer Besprechungen mit vcrkrctern der polnischen nnd rumänischen Regierung zuskaude gekommen.

Die (Enteignung MOrienbads.

Prag. 14. April. (WB.) Bor dem Obersten Verwaltungsgerichit hat heute die mit allgemeinem Interesse erwartete Verhandlung über Dis Be­schwerde Des Stiftes Tedl gegen die Enlsckeidung des Bod^ramles über Die Be­schlagnahme ii nD Enteignung Der Kurhäuser, Heilquellen und sonstigen Kureinrichtungen Marienbads be­gonnen. Den Barsch führte Der erste Präsident Des Obersten VercoaltungsgerichLes Dr. Hacha. Für das Stift erschienen Die Rechtsanwälte Dr. Franz-Wien. C ! a u ö i unD Helmer- Wien. Claudi begrün etc in einer zweistünd gen Rede di: B schwer de Des Stifts, woraus Helmer Die Ansprüche des Stifts Tepl auf MarienbaD begründete.

Tschechifche Gewaltakte gegen Reichsdeutfche.

Die Drangsalierung des Deutschtums In der Tschechoslowakei hat seit Locarno an Hestigkeit zugenommen und fängt an, in Gewaltakte an Reichsdeutschen umzuschlcgen. Bor eini­ger Zeit schon wurde lebhafte Klage darüber ge­führt. daß man in Prag anscheinend nach Kon­flikten mit der ReichSregierung sucht und eine Haltung an den Tag legt, die geradezu provo­zierend wirken muh. So schweben zur Zeit zwischen beiden Staaten Verhandlungen über Die Grenzbahnhöfe, die für beide nur dann zu einem vorteilhaften Abschluß gelangen können, wenn eine von Gehässigkeiten und Gewaltakten freie Atmosphäre geschaffen wird. Statt dessen versucht man von Prag aus neuerdings die tsche­chische Vevölkerung in den namentlich im Sommer von Reichsdeutschen vielbesuchten Grenzorten jen­seits Des bayerischen Waldes gegen die deutschen Touristen ouszuwiegeln und aufzuhehen. Selbst bis in die Schul st üben bringen die Haß- Politiker. Auf ihr Konto ist auch die Verhaf­tung von über dreißig Reichsdeut­schen in Hultschin zu sehen, die angeblich Deswegen erfolgte, weil Die Verhafteten einer deutschen Organisation heimattreuer Hultschiner angehören sollen. Das alles zeigt nur zu Deutlich, dah die Tschechen bewuht Konfliktstoffe zusammen­tragen. Weshalb ist nicht zu erkennen, sind sie Doch in mehr als einer Beziehung a u I Deutsch­land angewiesen, so bah man annehmen bürfte. ein gut nachbarliches Verhältnis wäre auch ihnen angenehm.

Ernste Lage in Peking.

Schwere Kämpfe in den Vorstädten.

Neue Bombardements.

Peking, 14. April. (TU.) Gestern ist einer ber Generäle Wu Pei Fus mit seinen Trup­pen in bas Militärlager von Wanhuan bei Pe­king eingerückt. Größere Detachements des Ge­nerals finb ferner in ber Vorstabt Pekings. Promachang, eingetroffen. Die Gesamtzahl Der Truppen des Generals beläuft sich auf 40 000 Wann. Mit ber Rationalarmee unb ihren Füh­rern soll eine vollstänbige Verständigung erzielt worden sein. Die Kämpfe an den anderen Fron­ten dauern fort. Die Kuomingtschungs (Ra­tionalarmee) haben die Truppen des Generals Li Ching Lin über Fengtai hinausgetrieben. Auch die Streitkräfte Tschang Tso Lins sind zu­rückgeschlagen worben. Am Sonntag unb Mon­tag ist Peking wieber bombarbiert worben, wobei mehrere Personen, barunter ein Priester, verletzt worden finb. Die Erregung ber Bevölkerung ist am Siebepunkte angelangt. Das Gesanbtschaftsv'.ertel ist überfüllt von geäng­stigten Chinesen, bie dort Zuflucht suchen.

Die Rationalisten sollen bereit sein, Peking zu räu nen. falls bie Alliierten mit einem Wcf en- stillstanb unb ber Errichtung einer neu­tralen Zone runb um bie Hauptstabt einverstanben finb. Wie aus Mukben berichtet wirb, hat Marschall Tschangtsolin erklärt, bah er feine Truppen östlich bes großen Walles nach ber Einnahme von Peking zurückziehen werbe unb s i ch nur noch manbschu ri­schen Angelegenheiten wibmen wolle. Die Möglichkeit eine? russisch-japanischen Krieges hält Tschangtsolin nicht für ausgeschlossen. Auf alle Fälle, so erklärte Tschangtsolin, könne man ben Bolschewismus in ber Manbschurei nicht bulben.

Eröffnung der Internationalen Schiffahrtskonferenz.

L o n b o n, 14. April. (WD.) Die Inter­nationale Schiffahrtskonserenz, aus der vierzehn Länder, darunter Deutschland, die führen­den Schiffahrtsunternehmungen sowie der Schisf- sahrtsausschuß des Völkerbundes durch Delegierte vertreten sind, wurde heute eröffnet Der Präsi­dent der englischen Schissahrtsiammer, Walter Runciman, der zum Vorsitzenden der Kon­ferenz gewählt wurde, bezeichnete in seiner De- grüßungsrede als Ziel Der Konferenz Siche­rung unD Aufrechterhaltung der Freiheit des Verkehrs sowie gerechter und soweit als möglich gleicher Behand­lung aller Länder in allen Seehäfen Der Welt durch eine freiwillige internationale Aktion. Darauf wurde der Bericht über die Frage ber zwangsweisen Versicherung ber Schiffspassagiere besprochen. Dr. K i e p (Deutschlanb) erklärte, wenn ein befriedigender Plan ausgearbeftet werden könne, würden die deutschen Reeder bie ersten sein, ihn anzunehmen. Der Bericht wurde zur weiteren Prüfung an einen Ausschuß überwiesen. Sine Entschließung R u n- cim ans (England), in ber es heißt, es sei wünschenswert, die Handelsschiffahrtspolftit der Rationen in einer zentralen Körperschaft in Heborcinflimmung zu bringen, wofür ber Sec> fahrt saueschuß bes Völkerbunbes geeignet fei, wurde ebenfalls zusammen mit anderen Anträgen an Den Ausschuß verwiesen.

Beamtendemonstrcttionen in Paris.

Paris, 14. April. (TU.) Trotz Der u-n- fafrenben Sicherungsmaßnahmea Der Palizeiprä- fettur hatten sich heute kurz nach 6 Uhr an wichtigen Pariser Derlehrspunkten mehrere