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Donnerstag, 15. April 1926
176. Jahrgang
llr. 87 Erstes Blatt
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Vie deutsch-russischen Beziehungen.
Besprechungen über einen Neu- trnlität^vertrag mit der Sowjetunion.
Moskau. 15.April. Die Nachrickl der „Times" über den bevorstehenden Abschluß eines neuen Vertrages zwischen Deutschland und Rußland wird hier als ein versuch angesehen, die schwebenden Verhandlungen zu stören und lhr Resultat In einem ungünstigen Licht erscheinen zu lassen, wie es auch aussallcn sollte. Daß Verhandlungen schweben, ist seit langem kein Geheimnis. Tatsächlich liegt die von russischer Seile flammende Anregung dazu eineinhalb Jahre zurück. Sie ist im September 1924 erfolgt und von der deutschen Regierung sogleich abgegriffen worden. Die damals ungefähr gleichzellig cinfehenben Verhandlungen über die Sicherung der W e ft - g r e n z e ist die Ursache gewesen, daß nach der russischen Seite hin die Zügel ein wenig schleiften. Währen des Sommers ist die deutfch-ruffifche Diskussion fortgesetzt worden. Was Rußland wollte, war ein allgemeiner Reulralitätsvertrag, wie es ihn mit der Türkei abgeschlossen Hal, ein Ver- frag, der die Beihilfe Deutschlands zur militärisclzen wie zur wirtschaftlichen Kriegführung gegen 5o- wjekruhland ausschließen würde.
Ein deutsch-russischer Vertrag auf der Grundlage einer solchen allgemeinen Neutralitätserklärung wäre nach dem russisch-türkischen Vertrag nur der zweite Fall in einem ganzen System derartiger Verträge. Sowjetrußland arbeitet an dem Ausbau eines solchen diplomatischen Gebäudes, und sein nächstes, wenn auch noch fernes Ziel ist ein gleichartiges Abkommen mit Frankreich.
Zu der „Times"-Meldung über den Abschluß eines Rückversicherungsvertra'ges zwischen Deutschland und Sowjetrußland wird von Berliner zuständiger Stelle ausdrücklich erklärt, bah von einem solchen Vertrag gegenwärtig keine Rebe sein kann. Dagegen finb schon seit geraumer Zeit zwischen bet deutschen unb ber russischen Regierung verhanblungen Im Gange über eine V rärisie- t u n g bes gegenwärtigen Verhältnis- jes im Hinblick auf ben Locarnopakt. Von deutscher Seite ist wleberholt betont worben, bah der Vertrag von Locarno keine veränberungen in den übrigen Beziehungen Deutschlanbs zu Ruhlanb unb feine Umstellung ber politischen Orientierung bebeutet. Der Vertrag von Locarno werbe von Deutschland In keiner Weise als eine Aktion gegen ben Offen aufgefafjt. Auch die Fortsetzung ber Verhandlungen mit ben westmäch- fen nabe eine neue Nuancierung bes Verhältnisses Deutschlanbs zu Sowjetruhlanb nofroenbiq gemacht. Hebet all blefe Parallelbesprechungen mit Ruhlanb werben jedoch ble Westmächte von ber beutschen Regierung fortlaufenb Informiert. Ob unb wann die Besprechungen mit ber Sowzetregicrung eine konkrete Form finben unb zur schriftlichen Pnnkla- fion führen werben, steht noch bahin.
Ein neuer Kurs in Amerika. Coolidge für eine Jsolicrungspolitik der Verciuigtcn Staate».
Washington, 14. April. (WTD.) Zu der kürzlich gemeldeten Rede des Präsidenten Coolidge, in der er die Einigkeit der Amerikaner betonte, berichtet der Whaley Eaten- dienst: Es wird versichert, daß die Rede des Präsidenten dafür berechnet war, den Grundstein zu legen für eine Wiederbelebung der alten Harbin gschen Idee eines Zusammenschlusses kontinentaler Einheiten zu kontinentalen Ligen. Es besteht kein Zweifel, daß die Regierung damit beschäftigt ist, eine neue und umfafsende Außenpolitik außerhalb des Völkerbundes zu formulieren. Wir sind aber von zuständiger Stelle unterrichtet, daß die Angelegenheit sich zur Zeit noch nicht in endgültiger Form befindet. Die Basis dieser neuen amerikanischen Politik wird, tote wir hören, in einer vollständigen Trennung von den politischen Angelegenheiten Europas bestehen, doch von keiner Einschränkung der wirtschaftlichen Beziehungen zu Europa begleitet sein. Ein anderer Punkt der neuen Politik wird die Versicherung sein, daß in der amerikanischen Politik für Ligen oder politische Vündnifte oder formelle Organisationen dieser Art kein Platz ist. Dieses neue internationale Programm wird sich während des Sommers entwickeln und wird in Ansprachen zuständiger Beamten der Oeffentlichkelt mi! geteilt.
Mussolini in Tripolis.
Tripolis, 14. Avril. (Wolfs.) Rach einer Stesanimeldung legte Mussolini gestern in B c g c l Mianin, das 35 Kilometer von Tripolis entfernt liegt, den Grundstein zu Landhäusern einer Mailänder Gesellschaft. die dort c'.y.e Konzession erhalten hat. Der Leiter der Ansiedlung dankte Mussolini und zeigte ihm besonlnut entwickelte Getreideähren, die auf dem Kon -imnsaebiet von Arabern erzielt worden waren. Li • ■ ?m Mussolini nach die ersten Spatenstiche cu.v,. . halte, begab er sich nach Atizie, wo ihm d.c Bc.allerung einen begeisterten Empfang fcc .i.crc. Gm Anschluß daran besichtigte er die von italienischen Tcupnen auf der Hochebene von Sarian angelegte Chaussee und toohnte einer Fantasie arabis ch e r Reiter bei. Mussolini nahm dann das Frühstück beim Befehlshaber des Gebiets von Garian ein und kehrte daraus nach Tripolis zurück.
wo er die Kriegsschiffe im Hasen, die Moschee und den arabischen Stadtteil besichtigte. Am Abend wurde ihm ein Fackelzug dargebracht, dem er vom Balkon des Palastes des Gouverneurs beiwohnte. Auch bei dieser Gelegenheit wurden ihm stürmische Huldigungen zuteil.
Italien unb die TciMerftage.
Für die Unverletzlichkeit des internationalen Territorinns.
Rom, 14. April. (WB.) Das .Giornale d'Italia" schreibt, daß Italien angesichts der Rachricht über die Frled-ensverhandlungen in Marokko sein QIugemnerE auf Tanger richte. Die Frage von Tanger sei für Italien noch immer ungelöst. Zwischen dem Marolkoprogramm und und der Tangerfrage gebe es zwar keine^unmittelbare Beziehung, aber gelegentlich der Fcie- densverHandlungen sei die Angabe auigetaucht, daß Spanien wünsche, seine Marolk.zone dadurch zu ertoeitern, daß es einen Teil des Territor iums von Tange^r sicy an eigne. Italien könne, da das neue Tanger- ftatut ohne seine Mitwirkung auig’arbeitet und angemeldet worden sei. den spanischen Tarierungen nichs beiftimmen. Das fest umgrenzte kleine Territorium von Tanger fei internationalisiert worden und setze dir Rea)te aller Beteiligten voraus. Es dürfe daher wegen der damit verbundenen internationalen Interessen nicht angerübrt werden. Italien beharre auf seinem blättrigen Standpuint. sehe jedoch mit Freuden, daß Frankreich und England sich für eine Berständigung mit Italien aussprechen.
Die Friedensverhandlungen in Marokko.
Paris. 15. April. (W. T. B. Funlspruch.) Der französische General Mangin, der in Oujbja fie Verbindung zwischen Abd cl Krim und Der französischen Regierung aufrecht:rhalte". hat, erklärte einem Pressevertreter, daß er über tas (S-intreffen der Delegierten der Riileute noch leir.e Rachricht erhalten habe. Cs würden noch einige Tage bis zum Beginn der Derhandlungen ver-
Die englische Kohlenkrise.
Die Verhandlungen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern des englischen Bergbaues haben bisher zu keiner Einigung geführt. Es besteht auch wenig Aussicht, daß eine solche sobald zustande kommen wird. Beide Parteien rüsten bereits zum entscheidenden Kampf, was jedoch von keiner Partei offen zugegeben wird, denn sowohl die Grubenbesitzer wie die Gewerkschaften suchen ernstlich nach einer friedlichen Lösung. 2lls Derhandlungsbasis dient der Bericht der Kohlenkommission, der tm großen und ganzen von den Gewerkschaften abgelehnt wird, da er eine Lohnherabfehung vorschlägt, ohne die eine Gesundung des eng- lischen Bergbaues nicht eintreten könne. Die R e g i e r u n g hat sich den Forderungen des Berichts der Kommission angeschlossen und teilt mit ihm die Auffassung, baß'eme Verlängerung Der staatlichen Unterstützungen über den ersten Mai hinaus nicht möglich ist.
Der Kampf, der gegenwärtig zwischen Gewerkschaften und Unternehmern und zwischen den Gewerkschaften und dem Staat ausgefochten wird, wird darüber entscheiden, wie sich die wirtschaftliche Struktur Englands in den nächsten Jahren gestalten wird. Die schweren Gegensätze zwischen den Parteien sind geeignet, eine allgemeine Staatskrise in England herbcizufuh- ren, denn die Gewerkschaften sind sehr stark und spielen eine große Rolle Im Wirtschaftsleben, zumal die meisten anderen großen Gewerkschaften den Bergarbeitern ihre Unterstützung bei einem Kampf gegen die Unternehmer zugesagt haben.
Es handelt sich bet der englischen Bergbau- krise in der Hauptsache um reine Machtfragen, darum, ob die Gewerlfchaften der Regierung ihren Willen aufzwingen können, wie es ihnen im Sommer vorigen Jahres gelungen ist. Die konservative Regierung und ebenso der überwiegende Teil der öffentlichen Meinung ist der Ansicht, daß der Staat dieses Mal den Gewerkschaften gegenüber feine Autorität durchsetzen müsse, auch wenn es darüber zu gewaltigen Wiri- schaftskämpfen kommt, die das Geben der Ration bis in seine Grundfesten erschüttern würden. Die Regierung ist unter allen Umständen entschlossen, feine weiteren Subventionen zu zahlen, da sie diese Belastung dem englischen Steuerzahler nicht weiter zumuten kann.
Aber nicht nur diese innerpolitischen Machtfragen verleihen der Kohlenkrise ihre große Bedeutung, sondern es handelt sich letzten Endes auch um die Lebensfähigkeit der englischen Kvhlenindustrie überhaupt. Ohne Staatssubventionen können dir heutigen Preise nicht aufrecht erhalten werden, es sei denn, daß eine erhebliche Lohnheradsetzung eintritt. Bei Aufrecherthaltung des heutigen Lohnniveaus würden die englischen Grubenbesitzer ettoa ein bis zwei Schilling an jeder Tonne Kohlen zusehen, was in kürzester Zeit den Bergbau zum Erliegen bringen müßte. Auch die weitestgehendeii Rationalisierungsmaßnahmen könnten diesen Ber- lust nicht ausgleichen, wenn die jetzigen Löhne weitergezahlt würden. Daß ein gewisser Lohnabbau unbedingt notwendig 1 ist, scheinen auch die Gewerkschaften eingesehen zu haben, nur wollen sie keine zu starke Loynherabsehung xugeben, wie sie von den Unternehmern gewünscht wird.
Die Gewerkschaften wären schon damit einverstanden, daß für ganz England ein ein- heitlicher Minimallohn festgesetzt wird, der Dem Existenzminimum des Kohlenarbeiters entsprechen würde. Dies wollen jedoch nicht die Unternehmer, die nach wie vor fordern, daß die Lohnregelung wieder völlig freigegeben wird, so daß in jedem Betriebe nach den jeweiligen Verhältnissen die Löhne besonders geregelt werden. Die Gewerlfchaften befürchten hierbei jedoch, daß dadurch in vielen Bezirken die Löhne noch unter das Existenzminimum sinken und so zu einer Verelendung der Ar - beiterschaft führen würden; das soll unter allen Umständen durch den Einheitsminimallohn für den ganzen englischen Bergbau vermieden werden. Die Schwierigkeit, einen Cinheitslohn sestzustellen, ist außerordentlich groß, denn er könnte von gut rentier en i>en Bergwerken spielend gezahlt werden, von anderen dagegen nicht. Bei diesen mühte dann doch wieder eine Staatsunterstützung eintteten.
Ergebmslofe verhandlimgeu.
London, 14. April. (TU.) Das Kabinett hat heute nachmittag über die Kohlenkrise verhandelt, ohne ober zu einem Beschluß zu kommen. In politischen Kreisen nimmt man an, daß weder die Grubenbesitzer noch die Bergarbeiter einen endgültigen Entschluß fassen werden, bevor sie sich über die Hohne der in Aussicht gestellten weiteren Regierungsunterst ü h u n g unterrichtet haben.
Der Vollzugsausschuß der Bergleute be- sck>loß, daß keine örtlichen Verbände der Ein- laudng der Zechenbesitzer stattgeben und über örtliche Lohnvereinbarungen verhandeln sollen, bevor die allgemeine Lohnverein- baruitg gesichert ist. Der Zentralausschuh der Zeche n besiher hatte nachmittags eine ein- stündige Konferenz mit Dem Arbeitsminister. D.e Arbeitgeber erklärten hierbei, sie würden sich mit den örtlichen Verbänden der Bergleute in Verbindung setzen, um mit ihnen zu erwägen, welche Arbeitsbedingungen nach dem 30. April ein geführt werden könnten. Inzwischen seien sie aus rechtlichen Gründen genötigt, von der Beendigung der bestehenden Kontrakte für Ende dieses Monats Mitteilung zu machen, was aber nicht Den Abbruch Der Verhandlungen bedeute. Abends hatte der besondere industrielle Ausschuh Des Gewerkschaftskongresses mit Premierminister DalDwin eine nahezu ein» stündige Konferenz, nach welcher er sich mit den Vertretern Der Bergleute beriet Die Führer der Bergleute beabsichtigen im Lause des Aöen >5 nach Brüssel zu reifen, um mit Dem Internationalen Bergarbeit er verbanD wegen Unterstützung Dura) die festlänDischen Organisationen im Falle eines Ausstandes zu verhandeln.
Die Morgenblätter beurteilen die Lage im Kohlenbergbau sehr pessimistisch. Die meisten Blätter erklären unumtounien, dah die Verhandlungen auf den toten Punkt gelangt seien. Der Standpunkt der Regierung ist nunmehr der, daß man im Rotfall auch einer Be - triebseinstellung in den Kohlenbezirken ins Auge fehen müsse.
gehen. Ein Friede mit AbD ei Krim sei notwendig, Denn die Fortsetzung des Krieges würde nur geringe Vorteile um den Preis schwerer Opfer bringen. Abd el Krim habe genügend Einfluß, um Den ihm an- hängenden Stämmen, Die ihm in Den Krieg gefolgt seien, einen auf Den gegenwärtigen Frie- densbedingungen basierenden Frieden auf^u- zwingen.
Verschiebung der Abrüstungskonferenz.
London. 14. April. (Wolff.) „THoraing Post" meldet, die endgülftge Weigerung Sowjel- rußlands. an der Abrüstungskonferenz leilzu- nehmen, werde viellsichl dazu führen, daß die gesamte Frage der Abrüstung zu Lande vorläufig Derfdjobcn wird. — „Daily herald" hält es für saft sicher, daß die Abrüstungskonferenz verfchoben wird. Die französische Regierung werde einen dahingehenden Vorschlag machen. Dieser Entschluß fei auf Grund von Boncours Warschauer Besprechungen mit vcrkrctern der polnischen nnd rumänischen Regierung zuskaude gekommen.
Die (Enteignung MOrienbads.
Prag. 14. April. (WB.) Bor dem Obersten Verwaltungsgerichit hat heute die mit allgemeinem Interesse erwartete Verhandlung über Dis Beschwerde Des Stiftes Tedl gegen die Enlsckeidung des Bod^ramles über Die Beschlagnahme ii nD Enteignung Der Kurhäuser, Heilquellen und sonstigen Kureinrichtungen Marienbads begonnen. Den Barsch führte Der erste Präsident Des Obersten VercoaltungsgerichLes Dr. Hacha. Für das Stift erschienen Die Rechtsanwälte Dr. Franz-Wien. C ! a u ö i unD Helmer- Wien. Claudi begrün etc in einer zweistünd gen Rede di: B schwer de Des Stifts, woraus Helmer Die Ansprüche des Stifts Tepl auf MarienbaD begründete.
Tschechifche Gewaltakte gegen Reichsdeutfche.
Die Drangsalierung des Deutschtums In der Tschechoslowakei hat seit Locarno an Hestigkeit zugenommen und fängt an, in Gewaltakte an Reichsdeutschen umzuschlcgen. Bor einiger Zeit schon wurde lebhafte Klage darüber geführt. daß man in Prag anscheinend nach Konflikten mit der ReichSregierung sucht und eine Haltung an den Tag legt, die geradezu provozierend wirken muh. So schweben zur Zeit zwischen beiden Staaten Verhandlungen über Die Grenzbahnhöfe, die für beide nur dann zu einem vorteilhaften Abschluß gelangen können, wenn eine von Gehässigkeiten und Gewaltakten freie Atmosphäre geschaffen wird. Statt dessen versucht man von Prag aus neuerdings die tschechische Vevölkerung in den namentlich im Sommer von Reichsdeutschen vielbesuchten Grenzorten jenseits Des bayerischen Waldes gegen die deutschen Touristen ouszuwiegeln und aufzuhehen. Selbst bis in die Schul st üben bringen die Haß- Politiker. Auf ihr Konto ist auch die Verhaftung von über dreißig Reichsdeutschen in Hultschin zu sehen, die angeblich Deswegen erfolgte, weil Die Verhafteten einer deutschen Organisation heimattreuer Hultschiner angehören sollen. Das alles zeigt nur zu Deutlich, dah die Tschechen bewuht Konfliktstoffe zusammentragen. Weshalb ist nicht zu erkennen, sind sie Doch in mehr als einer Beziehung a u I Deutschland angewiesen, so bah man annehmen bürfte. ein gut nachbarliches Verhältnis wäre auch ihnen angenehm.
Ernste Lage in Peking.
Schwere Kämpfe in den Vorstädten. —
Neue Bombardements.
Peking, 14. April. (TU.) Gestern ist einer ber Generäle Wu Pei Fus mit seinen Truppen in bas Militärlager von Wanhuan bei Peking eingerückt. Größere Detachements des Generals finb ferner in ber Vorstabt Pekings. Promachang, eingetroffen. Die Gesamtzahl Der Truppen des Generals beläuft sich auf 40 000 Wann. Mit ber Rationalarmee unb ihren Führern soll eine vollstänbige Verständigung erzielt worden sein. Die Kämpfe an den anderen Fronten dauern fort. Die Kuomingtschungs (Rationalarmee) haben die Truppen des Generals Li Ching Lin über Fengtai hinausgetrieben. Auch die Streitkräfte Tschang Tso Lins sind zurückgeschlagen worben. Am Sonntag unb Montag ist Peking wieber bombarbiert worben, wobei mehrere Personen, barunter ein Priester, verletzt worden finb. Die Erregung ber Bevölkerung ist am Siebepunkte angelangt. Das Gesanbtschaftsv'.ertel ist überfüllt von geängstigten Chinesen, bie dort Zuflucht suchen.
Die Rationalisten sollen bereit sein, Peking zu räu nen. falls bie Alliierten mit einem Wcf en- stillstanb unb ber Errichtung einer neutralen Zone runb um bie Hauptstabt einverstanben finb. Wie aus Mukben berichtet wirb, hat Marschall Tschangtsolin erklärt, bah er feine Truppen östlich bes großen Walles nach ber Einnahme von Peking zurückziehen werbe unb s i ch nur noch manbschu rischen Angelegenheiten wibmen wolle. Die Möglichkeit eine? russisch-japanischen Krieges hält Tschangtsolin nicht für ausgeschlossen. Auf alle Fälle, so erklärte Tschangtsolin, könne man ben Bolschewismus in ber Manbschurei nicht bulben.
Eröffnung der Internationalen Schiffahrtskonferenz.
L o n b o n, 14. April. (WD.) Die Internationale Schiffahrtskonserenz, aus der vierzehn Länder, darunter Deutschland, die führenden Schiffahrtsunternehmungen sowie der Schisf- sahrtsausschuß des Völkerbundes durch Delegierte vertreten sind, wurde heute eröffnet Der Präsident der englischen Schissahrtsiammer, Walter Runciman, der zum Vorsitzenden der Konferenz gewählt wurde, bezeichnete in seiner De- grüßungsrede als Ziel Der Konferenz Sicherung unD Aufrechterhaltung der Freiheit des Verkehrs sowie gerechter und soweit als möglich gleicher Behandlung aller Länder in allen Seehäfen Der Welt durch eine freiwillige internationale Aktion. Darauf wurde der Bericht über die Frage ber zwangsweisen Versicherung ber Schiffspassagiere besprochen. Dr. K i e p (Deutschlanb) erklärte, wenn ein befriedigender Plan ausgearbeftet werden könne, würden die deutschen Reeder bie ersten sein, ihn anzunehmen. Der Bericht wurde zur weiteren Prüfung an einen Ausschuß überwiesen. Sine Entschließung R u n- cim ans (England), in ber es heißt, es sei wünschenswert, die Handelsschiffahrtspolftit der Rationen in einer zentralen Körperschaft in Heborcinflimmung zu bringen, wofür ber Sec> fahrt saueschuß bes Völkerbunbes geeignet fei, wurde ebenfalls zusammen mit anderen Anträgen an Den Ausschuß verwiesen.
Beamtendemonstrcttionen in Paris.
Paris, 14. April. (TU.) Trotz Der u-n- fafrenben Sicherungsmaßnahmea Der Palizeiprä- fettur hatten sich heute kurz nach 6 Uhr an wichtigen Pariser Derlehrspunkten mehrere


