Sji verstehen, sich im günstigen Moment durch- etzen: für die Zukunft muh mit der Mann- ift gerechnet werden, für diesmal war der Sieg der Giehener vollauf verdient. 3n jeder Halbzeit fiel ein Tor, nach dem ersten hätte Fronhausen ausgleichen können, wenn es die Situation schneller ersaht hätte.
Fr. T. Gießen Ilb — F. T. Alsfeld II 2:1.
Die neueingeschobene 11 b-Mannschaft der Giehener leistete sich das Vergnügen, zum ersten Derbanbsspiel in 2llsfeld mit nur 9 Mann zu fahren. Wenn es trotzdem der Alsfelder Zweiten nicht gelang, die wertvollen Punkte an sich zu bringen, so stellt daS erzielte/Resultat beit neun Gießenern ein ehrendes Zeugnis aus.
Fr. T. Gießen Jugend — L. u. Epv. Wetzlar Jugend 3:0.
Den Siegeszug der Giehener am Somrtag eröffnete vormittags die Jugend, indem sie die Wetzlarer Jugend erwartungsgemäh 3:0 glatt abfertigen konnte. Gießen verfügt in seinen Jüngsten über einen aussichtsreichen Rachwuchs, der seinem Gegner in den gegenwärtigen Der- bandsspielen manche harte Ruh zu knacken geben wird.
Fr. T. u. Spo. Wieseck I — Fr. T. Lollar I 3:3.
In der Borschau am Freitag vertraten wir den Standpunkt, daß es ganz besonderer Anstrengungen der Lollarer bedürfe, wenn sie die ersten Punkte mit nach Hause nehmen wollten. So ziemlich ist dies eingetroffen, beide Mannschaften teilten sich die Lorbeeren. Lollar stellte zwar die bessere Mannschaft, Wieseck kamen ganz besondere Glücks- umstände zustatten. In der ersten Halbzeit boten beide Mannschaften ein äußerst flinkes und spannendes, ausgeglichenes Spiel. Der technisch größeren Vollkommenheit der Lollarer stellten die Wie- feder einen größeren Eifer entgegen. Die Wieseckcr Mannschaft, die in ihrer jetzigen Aufstellung in der zur Verfügung stehenden kurzen Zeit noch nie zum Training kam, verspricht wieder ein recht ernst zu nehmender Gegner zu werden, allerdings müßen - vorher noch einige schwache Punkte ausgemerzt werden. Lollar spielte sein bekanntes forciertes Spiel und hatte ein anderes Resultat erwartet. Rach etwa 20 Minuten langem Feldspiel brachte ein mit unheimlicher Wucht vom Mittelstürmer Wiesecks zwischen die Pfosten gejagter Ball den Einheimischen die Führung. Kurz darauf versäumte Lollar den Ausgleich, ein ihnen zugesprochener Elfmeter ging zu hoch, während sie mit einem späteren Strafstoß mehr Glück hatten, bei etwas mehr Aufmerksamkeit des Wiesecker Tormanns hätte der Ausgleich verhindert werden können. Sein Gegenüber im Lollarer Tor tat denn auch sein übriges, seiner Mannschaft den Erfolg zu schmälern, denn die zwei folgenden Tore, die für Wieseck 3:1 die Führung brachten, hätten unbedingt nicht fallen dürfen. Lollar wechselte nunmehr den Tormann und versuchte aufzuholen, mußte sich bis zur Halbzeit aber noch weitere gefährliche Angriffe Wiesecks gefallen lasten. Nach der Pause wieder verteiltes Spiel, bis es Lollar gelang, für zwanzig Minuten die Wiesecker ftst einzuschnüren. In dieser Zeit fielen auch die beiden Tore für Lollar, den längst verdienten Ausgleich bringend. Die vereinzelten Durchbrüche Wiesecks verpufften, während die letzten zehn Minuten wieder im Zeichen Wiesecks standen. Weitere Erfolge biteben aus, die sich bietenden Gelegenheiten blieben unausgenutzt. Eckenverhältnis 7:6 für Lollar. Etwa 500—600 Zuschauer wohnten dem Spiel bei.
Fr. I. u. Spo. Meseck Jugend—Fr. I. Loklar Jugend 2:0.
Die Wiesecker 3ugenb bat sich mit diesem SpiÄ di« ersten zwei Punkte redlich verdient. Sie verfügten über die besseren Kräfte, während Lollar die kräftigere Mannschaft stellte. Wenn sie statt mit zehn Mann komplett angetreten wären, würde den Wieseckern der Sieg wohl schwerer gefallen sein. Die erste halbe Stunde sah die Mannschaften beim Staitde 0:0 und einem Cckenverhältnis 5:0 für Wieseck. Die beiden Tore erzielte Wieseck in der zweiten Hälfte nach Seiten« wechsel, die Lollarer konnten dem nur eine ergebnislose Ecke entgegensetzen Die beiden Tore waren für die Jugend wahre Glanzleistungen.
Fr. I. Alsfeld I — Fr. I. Heuchelheim I 4:4.
Gleich zum ersten Serienspiel mußte Heuchelheim seine Reise nach der äußersten Ecke des Bezirks antreten Der Alsfelder Sportplatz, der in einem spielunfähigen Zustand ist, muhte leider mit einem grünen Rasen vertauscht werden. Heuchelheim, mit Ersatz antretend, konnte trotzdem kurz nach Anstoß in Führung gdjen. Mit einem prächtigen Schuh des Mittelläufers wurde der Torreigen eröffnet. Ein telfeÄ Tasten der Alsfelder
Corvey.
Don Herbert Eulenberg.
Der alte Paul Lindau hat einmal in seiner gut plaudernden Art erzählt, wie er den noch älteren Poeten Hoffmann von Fallersleben aus seinem Ruhepöstchen in Corvey an der Weser ausgesucht hat. Dort war dem Sänger unseres heutigen Rationalliedes „Deutschland über alles" von dem Herzog Viktor von Ratibor eine Stelle als Verwalter seiner riesigen Bibliothek mit 150 000 Bänden angetragen worden. Dieser Fürst, der selber die Rechtswissenschaften und neueren Sprachen studiert hatte, verargte seinem Bibliothekar nicht, daß er ehedem ein sogenannter Demagoge gewesen war. der nach 1848 eine Weile ein ungeregeltes Zigeunerleben als weggejagter liberaler Professor geführt und „deutscheGassenlieder" gepfiffen hatte. Verargte ihm auch nicht, daß er mit Freiligrath, dem roten Poeten, bis zu feinem Tod treue Freundschaft hielt. „Dos mühte ein netter schlapper Bruder sein, der nicht wenigstens in seiner Jugend freiheitlich geschäumt hätte." erklärte der kluge Edelmann seinen Standesgenossen, die ihn gegen den volksaufwieglerischen Reimeschmied aufhetzen wollten. Lind lieh den Alten von Fallersleben ruhig in Muße seines Amtes walten. „Sechs Monate im Jahr verreise ich. filnd die übrigen sechs Monate ist die Bibliothek geschlossen", sagte Hoffmannpfiffig zu Lindau, filebrigens hat er sich mit diesen Worten wohl etwas zu schlecht als Bibliothekar gemacht. Denn er verstand etwas von seinem Fach und hat sich als ein höchst anregender Forscher aus dem Gebiet der deutschen Sprache, insbesondere durch seine vielen glücklichen Funde aus unferm alten Schrifttum, einen nicht minder guten Ruf als Gelehrter errungen denn als Dichter.
Heute ruht er, von dessen Liedern die meisten schon verklungen und in seinem Volk verloren gegangen sind, auf dent schmalen Friedhof zu Eorvey. Reben der uralten Kirche mit den beiden romanischen Türmen, deren graues Bruchstein- gemäuer noch aus der Zeit Ludwigs des From-
nach des Gegners Schwächen führte bald darauf zum Ausgleich. Alsfeld konnte sich auch schneller an den weichen Rasen gewöhnen, als die H. Elf, welche deshalb ihre Technik nicht zur trollen Höhe entwickeln konnte. Das Spiel, das in der zweiten Halbzeit vorgeführt wurde, war ein ausgeglichenes, nur dürfte das Publikum nicht auch mit» spielen wollen, und sei es nur durch laute Zurufe.
Fr. T. Naunheim I — Männerturnverein Marburg I 4:1.
Die größte äleberraschung des Sonntags kommt aus Raunheim. Daß die dorttge junge Mannschaft sich in recht kurzer Zett zu einer ungewöhnlichen Höhe entwickelt hat, war allseifig bekannt. In dem erzietten Resultat gegen die Mar- btrrger Männerturner kommt aber eine solche fileberlegenheit zum Ausdruck, daß man gut tut, diese Mannschaft von vornherein mit zu den ernsthafteren Bewerbern um den Meistertitel zu rechnen.
Weitere Ergebnisse aus Süd- deuts^rand.
Bayern München gegen Karlsruher Sportverein 6:3 (1:1). V. f. R. Mannheim gegen Fußballverein Saarbrücken 2:1 (1:1).
Mitteldeutschland.
InHalle wurde gestern die Zwischenrunde um die Mitteldeutsche Fußballmeisterschaft zwischen Sports'runde Halle und Germania Halberstadt aus- getragen. Halle konnte das Spiel mit 8:1 gewinnen. Halbzeit 1:1.
Fußball - StädtewetLkampf Paris - Berlin.
Paris, 14. März. Heute fand hier der Fuß- b a ll - S t ä d t e w e t t k a m p f Berlin — P a - r i s vor etwa 25 000 Zuschauern statt. Die Berliner Mannschaft siegte mit 2:1 (Halbzeit 1:0 für Paris). Der Havasbericht hebt hervor, daß die deutsche Verteidigung bemerkenswert gewesen sei, während der Torwächter einige Fehler gemacht habe, die allerdings durch die übrigen Spieler wieder ausgeglichen worden seien.
Fußball-Länderkampf Belgien- Holland«
Vor der außerordentlich großen Zahl von 48 000 Zuschauern trafen sich gestern in Antwerpen die Ländermannschaften von Holland und Belgien. Holland war gezwungen, zwei Mann Ersatz einzustellen. Die Niederländer gehen bereits in der 5. Minute durch ihren Mitelsturmer in Führung. Mit 1:0 geht es in die Halbzeit. Nach Wieder- beginn hat Belgien mehr vom Spiel und kann ausgleichen. Weitere Erfolge konnte es aber durch die sichere Arbeit der holländischen Hintermannschaft nicht erzielen, so daß das Spiel unentschieden 1:1 endete.
Leichtathletik.
Zwei Reue deutsche Hallenrekorde.
Beim Hattensportfest des nordbaherischen Verbandes für Leichtathletik In Dürnberg wurden gesternt zwei neue deutsche Hallenrekorde auf- gestellt. P e l tz e r - Stettin lief die 800 Meter in 1.64,8 und die 400 Meter in 51,9 Sek.
Hockey.
Die Kämpfe um den Hockey- stlberschild.
In Hamburg spielte gestern Berlin gegen Rorddeutschland 4:0. In Breslau siegte Mitteldeutschland gegen Südostdeutschland. In Düsseldorf siegte Süddeutschland gegen Westdeutsch» land 4:1.
Internationales Hockeyturnier in Frankfurt.
WSR. Frankfurt a. M., 13. März Der Frankfurter Turnverein von 18 6 0 veranstaltet an den Ostertagen auf den Sandhöfer Wiesen ein internationales Hockeh- Turnier, cm dem, soweit bis jetzt feMteht, nur Mannschaften der ersten Damen- und Herrenklasse, darunter drei ausländische Mannschaften, teil» nehmen werden. Im ganzen werden 17 Vereine an den Start gehen. Die Veranstaltung bürste Süddeutschlanks bedeutendstes Hockeyereig- nis int Frühjahr werden.
men flammt. „Wie könnt' ich dein vergessen", so leuchtet der Dank des Vaterlandes, das er so häufig als seine Braut besungen hat, nun von seinem Grabdenkmal, das über der Gruft errichtet worden ist, die er mit seiner Gattin Ida teilt, die zugleich seine Richte war. Rach ihm hat sich der Sohn der beiden, Franz Hoffmann von Fallersleben, als Maler oft für das stille ernste Corvey eingesetzt, das sein Vater so lieb gewonnen hatte, daß er auch nach seinem Tode als sechsundsiebzigjähriger Greis sich nicht von ihm trennen mochte, sondern alldort beisetzen ließ.
In der Tat, es verdient solche Anhänglichkeit, dieses älteste Denediktinerkloster, das wir in Deutschland haben, und das der westfälische Dichter Weber, dessen Werke in diesem Jahre freigeworden sind, zum Schauplatz seines Epos „Dreizehnlinden" gemacht hat. Roch jetzt erinnert der Rame des biedern alten Gasthauses, das am Ende der ehrwürdigen Kastanienallee vorn Bahnhof Höxter vor der Abtei sich angenehm breit macht, an die Dichtung Webers. Gleich wenn man das wunderliche Tor, auf dessen Pfeilern römische Krieger in Stein gebildet ihre Schwerter gegen uns zücken, durchschritten hat und auf dem von Gras durchwachsenen Pflaster vor der Abtei steht, umfängt uns der Reiz der Vergangenheit. Von Dorbie in der Pikardie gegründet, woher sich der unfern deutschen Ohren fremd klingende Rame „Corvey" erklärt, hat diese Abtei an der Weser mehr zur Christianisierung der alten Sachsen beigetragen als alle blutigen Kriegszüge, die Karl der Große zugunsten der neuen Lehre und noch mehr zur Ausbreitung seiner 2Nacht über das östliche Deutschland geführt hat. „Einzig durch den Geist der Milde", wie es in dem EpoS „Dreizehnlinden" heißt. Freilich hat der ganze weitläufige Dau von seinem ursprünglichen Wesen manches verloren. Er gleicht jetzt mehr einem riesigen verlassenen Schloß, einer alten ehemaligen deutschen Residenz, zu der die Abtei nach der Verweltlichung der Kloster in Deutschland gemacht worden ist. In der Länderlotterie des Wiener Friedens war es an Preußen gekommen, wurde jedoch von diesem an einen
Radsport.
WEN. Köln, 14. März. Heute mittag wurde auf der hiesigen Rennbahn dieRadrennsaison 1926 durch ein Radrennen eröffnet. Der erhoffte Massenbesuch blieb infolge des unbestimmten Wetters aus. O ß m e l l a - Köln gewann vier erste Preise. Bei der fünften Wertung des Stundenmannschaftsfahrens ereignete sich ein Massensturz, wobei her Fahrer Möller eine Gehirnerschütterung erlitt. Ergebnisse: 1. Rennen: Begrüßungspunktefahren: Oßmella. 2. 800-Meter-Beqrüßungsfahren: nchorn-Köln. 3. Malfahren der ^-Klasse: Oßmella. 4. 4000-Meter-Punktfahren: Krämer-Köln. 5. 400- Meter-Punktefohren( ^-Klasse): Wockseh-Dortmund. 6. 2000-Meter-Zweisitzer-Hauptfahren: Oßmella- Schorn. 7. Großer Eröffnungspreis für nationale Mannschaften über eine Stunde: 1.' Teil: Oßmella und Schorn.
Wintersport.
Die deutsche Skimeisterschaft 1926
München, 15. März. ($H.) Am gestrigen Sonntag konnte in St. A n t o n am Arlberg (Tirol) die deutsche Sfirneisterschaft zum Austrag gebracht werden, die infolge der schlechten Wetterverhältnisse von den Winterkampfspielen und den Staffelläufen des Deutschen Skiverbandes von Garmisch-Partenkirchen abgetrennt worden war. Bei guter Beteiligung und guten Schneeverhältnissen siegte Martin Renner, Partenkirchen, der damit gleichzeitig die Meisterschaft 1926 erwerben konnte.
Am -er ProvinMhauptstadt.
Gießen, den 15. März 1926.
Jur Hypothekenausrvertung.
Von einem Aufwertungsrichter erhalten wir nachstehende Zuschrift:
Die unter obiger Ueberfcfarift im „Gießener Anzeiger" vom 11. d. M. enthaltenen Ausführungen sind leider geeignet, trügerische Hoffnungen und später Enttäuschungen hervorzurufen, weshalb sie nicht unwidersprochen bleiben können.
Es heißt in dem erwähnten Artikel: „Für die Anmeldung der Forderungen bei den Aufwertungs- stellen wird wesentlich sein, daß sie vor dem demnächst wichtigen Aufwertungstermin, dem 31. März 1926, geschieht . . . Diese Bemerkung ist falsch, denn die Frist für die Anmeldung zur Aufwertung zurückbezahlter Hypothekenforderungen ist bereits am 31. Dezember 1925 abgelaufen, so daß also, wenn bis zu diesem Zeitpunkte eine Anmeldung nicht erfolgt mar, der Gläubiger jetzt nichts mehr unternehmen kann.
Der in dem erwähnten Zeitungsartikel in Anführungszeichen enthaltene Auszug aus der Entscheidung des Reichsgerichts vom 25. November 1925 enthält einen (vielleicht Druck-) Fehler insofern, als es statt „vorbehaltliche" „vorbehaltlose" Annahme heißen muß, ist auch sonst ungenau und aus dem Zusammenhang gerissen. Die darauf aufgebauten Folgerungen sind daher in der Allgemeinheit nicht zutrefiend. Dies wird klar, wenn man auf den ganz anders gelagerten Fall zurückgeht, welcher dem Reichsgerichtsurteile zugrunde lag: Ein Gläubiger hatte im Februar 1923 feinem Hypothekarfchuldner die Hypothek zur Rückzahlung auf den 30. September gekündigt und der Schuldner hatte am 24. September den Betrag der Schuld (18 000 Mk.) auf das Postscheckkonto des Gläubigers eingezahlt, wovon der Gläubiger durch die Post Nachricht erhielt. Am 10. November 1923 teilte der Gläubiger dem Schuldner mit, daß er den ihm überwiesenen Betrag nicht zum Ausgleich der Hypothekforderung verwenden könne, weil er in keinem Verhältnis zum dargeliehenen Betrage stehe. Der Schuldner erhob daraufhin Klage auf Bewilligung der Löschung der Hypothek und Herausgabe des Hypothekenbriefs. Der Gläubiger wandte ein, er habe den bezahlten Betrag nicht als Erfüllung angenommen, im übrigen aber auch mit feinem Schreiben vom 10. November einen Vorbehalt erklärt. Das Reichsgericht hat ausgesprochen, daß das anfängliche Schweigen des Gläubigers auf die Nachricht von der auf fein Postscheckkonto erfolgten Ueberroeifung ber 18 000 Papiermark nicht dahin zu deuten sei, daß sich der Gläubiger mit dieser Zahlung, die nach dem damaligen Stande der Mark einen Goldwert von etwa ein Zwanzigstel Pfennig darftellte, habe für befriedigt erklären wollen. Die Entscheidung führt fort: „Die Vorschrift des § 14 des Aufwertungsgesetzes, datz trotz Bewirkung der Leistung die Aufwertung ftattfinbe, wenn der Gläubiger sich bei der Annahme der Leistung seine Rechte vorbehalten
Landgraf Viktor Amadeus von Hessen-Roten» bürg ausgetauscht, der. ein Bücherfreund, jene später von Hoffmann verwalteten 150 000 Bände aufstapelte. Später geriet es dann durch Erbfall an die Rattborer Linie der Hohenlohe-Schillingsfürst. Die zahllosen Aebte, die früher hier über ihre dreihundert adligen RWnche schalteten, hängen jetzt nur in effigie im Dildergang des Schloßvierecks. Aus fünfundsechzig Gemälden schauen sie wie aus vergangenen Jahrhunderten auf uns hernieder und zittern in ihren Rahmen, wenn drunten durch eine Einfahrt das Auto des heutigen Herrn von Corvey in den Schlohhvf rattert. Roch ragt das Teehaus der vornehmen Aebte, die einst als fürstliche Gnaden über Corvey thronten, durch die Bäume des Parks. Es ist erst nach dem Dreißigjährigen Krieg entstanden, der mit dieser frommen friedlichen Abtei noch roher umgegangen ist, als er schon im allgemeinen in Deutschland gewütet hat. Ist doch damals selbst der silberne Sarg des heiligen Vitus, des Schutzpatrons des alten Sachsenvolkes, geraubt und sein Gebein in die Weser und in die Winde verstreut worden: damals, da von dem ganzen alten Kloster Corvey, das lange Zett wie ein Vorposten der Christenlehre in dem waldigen Westfalen gestrahlt hatte, nur ein wüster Trümmerhaufen übrig geblieben war, überragt von den Türmen der romanischen Kirche als den zwei einzigen Zeugen alter Herrlichkeit.
Die Ratur, die nach Schiller „jugendlich immer in immer veränderter Schöne züchtig das alte Gesetz ehrt", ist in Park- und Weserlandschaft, die sich um das turmreiche Schloß dehnen, schön geblieben wie am Tage, da Corvey als vornehmstes Denedttfinerstift erstanden ist. Sie umkränzt mit uralten Bäumen und wetten duftenden Wiesen diesen alten ausgedienten Dildungs- sitz, den der verklärende Rost der Jahrhunderte mit einem rührenden Schimmer der Vergänglichkeit umzogen Hai. Zumal im Herbst, der schönsten Zeit für Corvey, in der es auch von seinem Maler Fallersleben am meisten gemalt worden ist, weht eine wunderbare traumhafte Stimmung um diese Abtei, diese ausregierte Residenz.
habe, schließt sich an die in 8 11 der 3. Steuernotoerordnung getroffene Regelung an. Eine vorbehaltlose Annahme der Leistungen, die die Aufwettung ausschließt, ist daher auch hier nur dann als vorliegend anzusehen, wenn das Verhalten des Gläubigers den Willen zum Ausdruck bringt, daß er die an ihn bewirkte Geldleistung als eine Erfüllung seiner Forderung annehme. Ist eine solche Annahme in diesem Sinne nicht erfolgt, so darf es feines Vorbehaltes zur Erhaltung des Aufwerfungsrechts. Da eine solche Annahme der Zahlung nicht stattgefunden hat, braucht der Beklagte die Löschung der Hypothek nur gegen Zahlung der sich nach dem Auswertungsgesetze bestimmenden und im Streitfälle durch die Aufwertungsstelle der Höhe nach festzustellenden Aufwertungsbettags zu bewilligen.* Dementsprechend wurde der Kläger mit seiner Klage ab= gewiesen.
Schon die vorstehende Darstellung des dem Reichsgerichtsurteile zugrundeliegenden Tatbestandes — es handelt sich um eine während der sog. Rückwirkungszeit von 15. 6. 22 bis 14. 2. 24 erfolgte Rückzahlung, bei der es zur Erhaltung des Aufwertungsrechts keines Vorbehalts bedurfte — zeigt, daß es verfehlt ist, diese Ausführungen zu verallgemeinern und insbesondere auch auf Ötr vor dem erwähnten Zeitraum liegenden Rückzahlungen anzu- wenden.
Soweit Anmeldungen auf Grund vor dem 15. 6. 1922 „unter Vorbehalt" erfolgter Zahlungen geschehen sind, hat, wenn der Schuldner behauptet, daß eine vorbehaltlose Annahme vorliege, das Prozeßgericht auf Klage des Gläubigers zu entscheiden, jedenfalls warnen wir aus den oben ausgeführten Gründen vor Hoffnungen, da sich solche voraussichtlich nicht erfüllen werden. Wenn, wie im Regelfälle, der Gläubiger Quittung erteilt hat, ohne zum Ausdruck zu bringen, daß er die Zahlung nicht als Erfüllung seiner Forderung ansehe, so wird von einem „Vorbehalt bei der Annahme" nicht die Rede sein können.
Wir warnen ferner vor neuen A n - melbungen zur Aufwertung auf Grund des oben erwähnten Artikels, weil die Anmeldefrist ad- gelaufen ist und sich die Anmeldenden der Gefahr aussetzen, daß die Anmeldung kostenpflichtig zurückgewiesen wird.
Anmerkung der Redaktion: Den angefochtenen Artikel hatten wir einem wirtschaftlichen Nachrichtendienst entnommen, desien Material bisher stets zuverlässig war.
Bornotizen.
— Tageskalender für Montag. Schützenverein Gießen: 8 Uhr, Schützenhaus, Frühjahrs-Generalversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Pietro, der Korsar". — Palast-Lichtspiele, Kirchenplatz: Persönliches Auftreten des Filmkomikers Charly in dem Filmsketsch „Ein Blick hinter die Kulissen". — Astoria-Lichtspiele: „Edles Blut".
*
** Die Krastpost Feldkrücken — Mücke verkehrt von heute ab nach einem geänderten Fahrplan: Feldkrücken ab 5.50 Uhr früh, Msicke an 6.53 Uhr; Mücke ab 9.20 Uhr, Feldkrücken an 10.30 Uhr; Feldkrücken ab 5.10 Uhr nachm., Mücke an 6.18 Uhr; Mücke ab 7.45 Uhr abends, Feldkrücken an 9.08 Uhr; Mücke ab 9 Uhr abends, Feldkrücken an 10.27 Uhr.
Leichenfund im Stadtwald. Der Pvlizeibericht meldet: Am Freitag nachmittag gegen 6 filhr wurde im hiesigen Stadtwald eine Leiche, die schon längere Zeit dort lag, gefunden. Rach den polizeilichen Feststellungen handelt eS sich um einen früheren, von auswärts stammenden Jnsajsen der piefigen Prorinzial-Pflegeanstalt. SS wurde einwandfrei teftgeftellt, daß Selbstmord durch Erhängen vorliegt.
** Bezirksverein Nordost. Man schreibt uns: Der seit 1889 bestehende Bezirksverein Nordost hielt dieser Tage bei Gastwirt Henkel, Walltorftraße, seine diesjährige Hauptversammlung ab. Nachdem der l.Vorsitzende, Stadto. Schmieder, den Geschäftsbericht erstattet und die Neuwahl des Vorstandes die Aemter zum größten Teil in den seitherigen Händen bestätigt hatte, wurde in eine lebhafte Erörterung vieler städtischer Fragen, besonders aber der Lage der nordöstlichen Altstadt eingetreten. Die den Zeitumständen durchaus Rechnung tragenden, längst gehegten Wünsche der Mitglieder gipfelten in Erstrebung gebührender Berücksichtigung der Interessen des so sehr vernach- lässigten Stadtteils, u. a. bei der Errichtung bewil- ligter Neubauten und Straßenherstellungen und sonstiger unabweisbarer Anliegen.
* Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 421 Öchsen, 41 Dutten, 1015 Färsen und Kühe, 367 Kälber, 3631 Schweine.
Also, daß man Wohl beim Klang der Kirchenglocken, deren Geläut an die weiland berühmte Domglocke Corveys, die sogenannte „Cantabona" erinnert, abends durch die bunten Laubgänge die Gestalt Adelhards, des heiligen Gründers des Klosters, wandeln zu schauen glaubt, so wie ihn noch Menschenalter nach feinem Tode die Mönche durch die hohen Kirchenräume schreiten sahen, die er auf gebaut hatte, filnd wenn dann vor der Rächt die uralten Buchen und Ulmen an der Weser ihr Geflüster anheben, wird es einem, als wenn man wieder die Engelstimmen vernähme, die ehemals nach der frommen Sage ost lieblich unö geheimnisvoll über der Stelle lispelten und fangen, wo der Leib des heiligen Vitus in der Erde Westfalens ruhte.
Blutübertragung bei Neugeborenen.
Der frairzösische Arzt Paul Gaeniot hat in der letzten Sitzung der Pariser Akademie für Medizin seine Erfahrungen mit Blutübertragungen mitgeteilt, die er bei schwächlichen Frühgeborenen vorgenommen hat. Er glaubt, daß dadurch zu früh geborene Kinder, die sonst nicht lebensfähig sind, vor dem Tode bewahrt oder jedenfalls rasch gekräftigt werden können. Die von ihm beobachteten Wirkungen der Dlutzusuhr bestehen in erster Linie in einer Erhöhung des Gewichts, die oft schon am Rachmittag der Operation eintritt und bann anhält, und in einer Rückkehr der normalen Temperatur, wenn diese bei den Reugeborenen nicht vorhanden war. Bei einigen überaus schwächlichen Säug» lingen, besonders von Müttern, die an schwerer Tuberkulose litten, und kurz nach der Entbindung starben, hat er beobachtet, daß die Blutübertragung eine sofortige Besserung des Zustandes herbeiführte und ein rasches Wachstum der Kinder zur Folge hatte. So ist die Blutübertragung bei Reugeborenen sehr segensreich; sie ist aber freilich wegen der außerordentlichen Vorsicht und Behutsamkeit, mit der die Operation vor sich gehen muh, nicht unbedenklich.


