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Gegenüber der Frage, ob nicht die Gefahr be­steht. Mfj sich Deutschland, wenn es einmal Mit­glied des Dölkerbundsrates ist, gegen jede tun­tige Vermehrung der Ratssihe und besonders gegen -Zuwahl Polens aussprechen wird, ver­wies der Reichsauhenminister auf seinen Vor­schlag über die Einsetzung einer die Einsetzung einer mit bestimmten Richtlinien versehenen Kvm- mission. In einem Interview erklärte der Mini­ster dem Vertreter desOeuvre" noch folgen­des: Man hat uns aufgefordert, in den Völker­bund einzutreten, damit das Abkommen von Locarno in Kraft treten könne. Wir sind nach Genf gekommen. Seit Montag läßt man uns warten. Cs wird hier viel weniger von der -Zulassung Deutschlands gesprochen als voir der Polens, Brasiliens und Spaniens zum Völkerbundörat. Warum zerrt m an uns denn, da wir noch nicht Mitglied des Völkerbunds sind, in diese Debatte? Der Völkerbund möge über uns Beschluß fassen. Aber man sieht ja, das) er ohnmächtig ist. dies in einer Krise, die er durchmacht, zu tun, da er nicht die erforderliche Ein - ftimmigkeit erzielen kann. Richt wir legen ein Veto im Völkerbundsrat ein. Dies ist schon dadurch ausgeschlossen, das wir ja noch gar keinen Sih im Rat haben. Schweden legt dagegen sein Veto ein. Wenn man uns von vornherein binden will durch eine Verpflichtung für eine -Zeit, da wir im Völker­bundsrat sitzen, so möchte ich fragen, warum man uns diese Bedingungen stellt. Wir sind be­reit, die ülmbildung des Völkerbundsrats ohne Feindseligkeit gegen irgend jemand zu studieren und an der Frage auch unsererseits nritzuar- beiten. Das haben wir erklärt und haben cs schriftlich vorgeschlagen. Aber inan fordere nicht, daß wir uns ohne vorherige Prüfung äußern. Man möge uns aufnehmen, da ja die außerordentliche Völkerbundsversammlung nur zu diesem 3wedc einberufen worden ist.

Ein Kompromißvorschiag Banderveldes.

Schiebung zu Guusteu Polens. - Chamberlains Pessimismus.

Genf. 14. März. (Reuter.) Aufmerksame Beobachter weisen darauf hin. das; der gegen­wärtige Konflikt im Gegensatz zu der Erklärung Stresemanns vor den hier versammelten Ver­tretern der Presse mehr als eine bloße G e schä ft so r dn un g sf r a g e ist. Cs ist in Wirklichkeit eilt Kampf zwischen dem Geist des Völkerbundes und indivi­duellen nationalen Interessen.Richts- destoweniger liegt im gegenwärtigen Augenblick eine etwas optimistischere Auffassung der Lage vor. und es scheint die 'Aussicht aus eine Lösung zu bieten, die das Prestige aller Parteien wahrt. Wie verlautet, berät der Völterbundsrat zur Zeit über einen Vorschlag Vonderveldes, nach dem Deutschland einen ständigen Sitz im Völkerbundsrat erhalten und sich unmittelbar danach zugunsten der Schaffung eines weiteren nichtständigen Sitzes aus­sprechen würde, wobei es der Sitzung der Völker­bundsversammlung im Sevtember überlassen bleiben würde, das Land zu wählen, dem dieser nichtständige Sih eingeräumt werden soll. Die Frage der Reuschaffung weiterer st ä n d i - ger Sitze im Völkerbundsrat scheint im Augen­blick völlig fallen gelassen zu sein.

Eine Berliner Meldung erweitert den Reuter- bericht dahin, daß nunmehr der größte Teil der nichtständigen Mitglieder des Rotes beschlossen * haben soll, auf ihreRatssitze zu verzich- » len und noch in dieser Session Reu­wahlen vornehmen zu lassem Dies würde be­deuten. daß Polen unter allen Umstän­den in dieser Session in den Rat gewählt würde. Es stehe noch nicht fest, welche Macht auf diese Weise aus dem Rat herausgewählt wer­den würde, um dann im Herbst wieder in. den Rat hineingewählt zu werden. Vandervelde habe Stre- fernenn gestern von dieser neuestenchi e b u n g" unterrichtet.

ei * In den Rachmitiagsstundeu war im Völker­

bundpalais die Anschauung verbreitet, daß es sich bei dem Verzicht eines Ratsmitgliedes nur um die Tschechoslowakei oder Belgien handeln könne. Der Vertreter desReuyork Herold" in Genf berichtet, es sei keineswegs sicher, daß. wenn die Frage der Erweiterung des Dölker- bundsrates vor die Vollversammlung gebracht werden sollte, eine Mehrheit für die Zulassung Polens erzielt werde. Die briti­schen Dominions seien ollem Aitschrin nach gegen die Zulassung Polens ebenso wie viele andere kleine Rationen. Die Franzosen suchten mit allen Mitteln zu verhindern, daß die Angelegenheit vor die Dolkerbundsverfammlung gebracht werde.

Rach einer anderen Meldung aus ©enf soll man am Sonntag von einer Lösung gesprochen haben, die allgemein als verhängnisvoll angesehen werbe. Es heißt, man wolle die De- rLatung des deutschen Aufnahmean­trags in der Vollversammlung am Dienstag auf den September verschieben lassen. Chamberlain habe sich am Sonntagabend zu englischen Journalisten sehr pessimistisch ausgesprochen. Er soll die Verhandlungen feit Sonntagabend für vollkommen aussichts­los halten und sich dahin geäußert haben, daß er es D r i a n d überlasse, sie weiter zu führen, wenn der französische Ministerpräsident noch Opti­mismus genug besitze, die Gegensätze ausgleichen zu können.

Das Ehepaar Chamberlain im Metropole".

Genf, 13. März. (XU.) Das Frühstück, das der Reichskanzler um 1 Uhr mittags Sir Austen und Lady Chamberlain gab. dauerte bis 3.30 Uhr. An dem Essen nahmen von feiten der deutschen Delegation der Reichskanzler, der Reichsaußenminister, die Staatssekretäre von Schubert und Kemvner, Gencralkonsul Aschmann und Gemahlin und die Ministerioldireltvrcn Gauß und Kiew teil. Während des Zusammenseins hatten sich der Reichskanzler, Dr. Stresemann, Chamberlain und Siaatsfekretär von Schubert zurückgezogen und führten eine längere und an­geregte Unterhaltung, die etwa zwei Stunden bis zum Aufbruch Chamberlains dauerte. Don unter­richteter Seite erfährt der Vertreter der XU., daß die Zusammenkunft einen befriedigenden Eindruck hinterließ, jedoch sei materiell keine Aenderung der gestrigen Situation erzielt worden. Ob die Verhandlungen eine Fort­setzung erfahren werden, könne zur Zeit noch

nicht festgestellt werden, jedoch sei der Eindruck vorherrschend, daß weitere Besprechungen inner­halb der Locarno-Mächte stattfinden werden.

Der Sonntag in Gens.

Genf, 14. März. (WTD.) Wie der Sonder­berichterstatter des WTD. erfährt, haben die heutigen Besprechungen eine materielle Fortentwicklung der Lage gegenüber gestern abend nicht erbracht. Der französi­sche Ministerpräsident erwiderte den Besuch des Reichsaußenministers Dr. S t r e s e m ä n n im Hotel Metropole. In der Besprechung wurden die verschiedenen Lösungsocrsuche, insbesondere auch der deutsche Vorschlag, durchgesprochen, die Frage einer Erweiterung des Rates eines be­sonderen Kommission zu unterbreiten. Am Rach­mittag unternahmen Reichskanzler Dr. Luther und Dr. S t r e s e m a n n eine Autofahrt nach Ouchp bei Lausanne und folgten dann einer Einladung des schwedischen Außenministers Un- d 6 n zum Abendessen.

Prager Brief.

Prag, 13. März.

Die Aufmerksamkeit der hiesigen Oeffentlichkeit war in der vergangenen Woche einerseits auf den Wiener Besuch D r. B e n e s ch s und den Abschluß des österreichisch - tschechoslowakischen Schieds Vertrags, andererseits auf die Vor- gänge in Genf konzentriert. Die freundliche Auf­nahme, die Benefch in Wien fand, wurde von der Presse mit großer Genugtuung vermerkt, und die Artikel, die' den Abschluß des Schiedsvertrags rühmten, versäumten nicht, darauf hinzuweisen, daß Ungarn nunmehr der einzige Nachbarstaat sei, mit welchem die Tschechoslowakei noch zu feinem Vertragsverhältnis gelangt ist. Oesterreich hat, wie hier verlautet, nicht' die Absicht, den 1922 für fünf Jahre abgeschlossenen Vertrag von Lana zu ver­längern und hat daher schon jetzt mit Dr. Benefch den für Oesterreich ivesentlich vorteilhafteren Schiedsverlrag abgeschlossen.

In der Frage der Erweiterung des Nülkerbundsrat» wird hier auch weiterhin für eint Kooptierung Polens und auch anderer Staaten Stimmung gemacht, und es erhält sich auch das Gerücht, daß' Dr. Benefch feinen Sitz im Völkerbundsrat ' an einen anderen Staat der Kleinen Entente abtreten werde. Die tschechische Außenpolitik vertritt nach Artikeln inspirierter Blätter das Prinzip, daß im Völkerbundsrat zwi­schen ständigen und gewählten Mitgliedern Tein Unterschied obwalten solle. Im Sinne von Beneschs Politik der N e g i o n a l p a k te wünscht man hier, daß einzelne Interessengruppen von Staaten stän­dige Vertreter im Rate haben sollten, wobei, was die Person des Vertreters anbeiangt, die einzelnen Staaten jeder Gruppe untereinander zu alternieren hätten. Die nationaldemokr. Presse versolgt die Tak­tik, die Bedeutung des Völkerbundes herab;usetzen, und glaubte in den letzten Tagen hervorheben zu sollen, daß die sudetendeutschen Hoffnungen auf ein Einschreiten Deutschlands in Gerts zugunsten der Sudetendeutschen cntttäuscht werden mürben.

In der Presse sind Gerüchte über den bevor­stehenden Abschluß eines italienisch-jugo­slawischen Bündnisvertrages verbrei­tet, der sich hauptsächlich mit Balkansragen (Grie­chenland, Albanien und Bulgarien), aber auch mit der Frage des Anschlusses Oesterreichs an Deutschland beschäftigen würde. Die nationaldemo- kratischeNarodni Politika" prophezeit sogar einen mitteleuropäischen G a r a n t i e p a k t, in welchem die Siegerstaaten einander gegen alle Ver­suche der Abänderung des durch die Friedensver­träge geschaffenen Zustandes Hilfe zusichern wür­den: kein neues Locarno, aber Allianzver- tro g zwischen Italien, Frankreich und der Kleinen Entente gegen den Anschluß Oesterreichs und gegenEinmischungen" Deutsch­lands in die Politik der übrigen mitteleuropäischen Staaten. Auf welche Weise die angeführten mut­maßlichen Partner auf diesen gemeinsamen außen­politischen Nenner gebracht werden sollen, ver­schweigt das Blatt.

Die furchtbare Prager Handgranaten- Explosion hat in der Oeffentlichkeit merkliche Mißstimmung gegen die Heeresverwaltung hervor­gerufen. Dies macht sich bereits in der Stellung der Parteien zu der Frage bemerkbar, ob die acht- zehnmonatige Präfenzzeit beizubehalten oder, wie es das Wehrgesetz vorschreibt, jetzt die 14monatige einzuführen wäre. Die nationalsozialistische Partei scheint sich trotz ihres Führers Stribrny, der als Armeeminister die Beibehaltung der IBinonatinen Dienstzeit fordert, neuestens unter dem Einfluß oer durch die Explosionskatastrophe erregten Volksstim­mung vollends zugunsten der Hmonatigen Dienst­zeit zu orientieren.

Das Parlament hat seine Tagung am 12. d. M. fortgesetzt. Innerhalb der Koalitionpar­teien ist jedoch in mehreren prinzipiellen Fragen noch keine Einigung herbeigeführt worden. Der Gegen­satz zwischen den feste Agrarzölle fordernden tsche­chischen Landwirten und den tschechischen Sozial­demokraten verschärft sich täglich. Auch in einer Reihe anderer Fragen fühlen sich die tschechischen Sozialdemokraten an den Rand der Opposition ge­drängt, weshalb Ministerpräsident Svehla seine schon seit Wochen stattfindenden Verhandlungen mit der slowakischen Volkspartei beschleunigt, um ge­gebenenfalls die an sich schwächliche Regierungs­mehrheit zu festigen. Die Slowaken ihrerseits, die sich der Bedeutung ihrer 23 Mandate bewußt sind, haben bisher den Boden ihrer auf Grund des be­kannten Pittsburger Vertrages erhobenen Auto­nomieforderungen nicht verlassen. Wie lange dieser Widerstand anhält, ist zweifelhaft. Die Schwierig­keiten dieser Situation lassen in den letzten Tagen die Nachricht aufkommen, daß es zu Neuwahlen im Oktober dieses Jahres kommen werde. Im Mar 1927 soll die verfassungsmäßige Neuwahl des Präsidenten der Republik stattfinden, und nach der Verfassung darf das Parlament sechs Monate vor diesem Termin nicht aufgelöst werden.

Kundgebung freiheitlich- nationaler Arbeitnehmer.

Berlin, 14.März. (Wolff.) Im Landtags- ge6äube begann der dritte freiheitlich- nationale Gewerkschaftskongreß des Gewerkschaftstinges deutscher Arbeiter-, Ange­stellten- und Bcamtenverbände mit einer großen Kundgebung, bei der u. a. der preußische Handels- Minister Dr. Schreiber, der Präsident des Reichswirlschastsrats Lei Pakt und Ministerial' Direktor Dr. Ritter in Vertretung des Reichs­arbeitsministers anwesend waren. Der Reichs- tagsabgeordnete Gustav Schneider übte in feinem Referat über ..Soziale Steuergesetzgebung" Kritik an dem Anwachsen der indirekten

Steuern. Die größten Einnahmen des Staates flössen jetzt aus indirekten und Lohnsteuern. In dem neuen Steuerprogramm in dem auch eine andere Veranlagung der Vermögenssteuer vorge­schlagen sei, sei die Lohnsteuer für die unteren Lohnstufen bis zu 4000 Mark noch zu hoch. Die Umsatzsteuer mußte überhaupt beseitigt wer» t*en. In der einstimmig angenommenen Reso­lution wurde im Sinne des Referats gegen d i e Steuer Überspannung,die ohne wirksame Einschränkung der öffentlichen Aus­gaben die Steuerguellen bis zunr Versiegen erschöpfte," Stellung genommen. Der Kongreß, wird alle Maßnahmen des neuen Reichsfinanz­ministers unterstützen, die auf eine angemessene Verteilung der Steuerlasten zwischen direkten und indirekten Steuern hinzielen. Max Fürsten- berg, Mitglied des Reichswirtschaftscats, sprach über Reformwünsche bei den sozialen Ar­beitsgerichten. Auch hierüber wurde eine den Ausführungen des Redners entsprechende Resolution angenommen. Schließlich sprach eRichstagsabgeordneter Erkelenz überReue Aufgaben dec Gewerkschaftspolitik".

Ernährungsfragen im Haushattsausschuß.

Berlin, 13. März. Der Haushaltsaus­schuß des Reichstages setzte die Beratung des Etats des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft in Verbindung mit der Vor­lage der Reichsregierung betreffend älebernahme einer A u s f a l l g a r a n t i e für Kaliphos- phor säure-Liefer un gen fort.

Abg. B a ch m e i e r (Wirtsch. Vereinigg.) er­klärte: Rach meiner Meinung hat die Landwirt­schaft schon zu viele Kredite auf­genommen. Ohne Steuererleichterungen kommt sie aus ihrer Belastung nicht heraus. Auf dem Gebiete der Ranflcblungcn sollte man vorsichtig sein, weil die ReuanstMer zur Zeit kaum bestehen können.

Abg. Frau Wurm (Soz.) setzte sich für Erweiterung des Kontingents der Gefrier­fleischeinsuhr ein, besonders das besetzte Gebiet brauche eine Erhöhung des Vieheinfuyr- konlingents.

Reichsminister für Ernährung und Land­wirtschaft, Dr. Haslinde: Der Reichstag hat im vergangenen Jahre dankenswerterweise erst­malig nicht unerhebliche Mittel insgesamt 5 Millionen - für eine Reihe von Maßnahmen bewilligt, durch die eine stärkere Inten­sivierung namentlich der bäuerlichen Betriebe herbeigeführt oder ermöglicht werden soll. Die Ausschüttung an die Landesregierun­gen hat erst kürzlich vorgenommen werden können, so daß über das Ergebnis der eingeleiteten Maßnahmen Erfahrungen noch nicht vorsiegen. Ich hege aber die bestimmte Hoffnung. daß die Maßnahmen von ausgezeichneter Wirkung sein werden, um uns dem Ziel der Eigenversor­gung des deutschen Volkes mit Lebensrnitteln näher zu bringen. In dieser Richtung bewegen sich auch die Bestrebungen auf

Rationalisierung und Typisierung der land­wirtschaftlichen Maschinen und Geräte, für die im vorjährigen Etat vom Reichstage ein­malig eine Million bewilligt wurde. Ein Gesetz­entwurf über die Bildung eines Ausschusses zur .Untersuchung der Absatzbedingungen ter deutschen Wirtschaft ist ausgearbcitet und dem Reichstage zugegangen. Die Reichsregierung ist entschlossen, die bäuerliche und Arbeitersiedlung in den volks­armen Teilen des Ostens beschleunigt zu fordern. Ich bin zusammen mit dem Reichswirtschafts­minister bemüht, wenn irgend möglich durch eine Kreditaklivn die Abnahme des Flachses als auch die flachsverarbcitende Industrie wieder in Gang zu bringen.

Staatssekretär Hagedorn: In der Frage der Ausbildung der Landarbeiter ist vorgesehcn, mit den Organisationen der Land­arbeiter und der Unternehmer einen Plan auf- zustellen. der die Veranstaltung von Unter­richt s k u r s e n für landwirtschaftliche Arbeiter vorsieht. Wir sind wegen der Motor pflüge nach Fordfchem Muster mit den Fabriken in Der- bintung getreten. Es ist uns gelungen, die Nor­malisierung und Typisierung erheblich zu fördern unb den Preis der Motorpfluge herabzusehen. Erneute Verhandlungen zur Gewährung von Be­triebsmitteln sind eingeleitet, um uns nicht den amerikanischen Fabrikaten auszuliefern. Die Vor­würfe gegen mts wegen angeblicher Vernach­lässigung des Tabakbaues müsten wir als ungerechtfertigt zurückweisen.

Ministerialdirektor De per lein: Das Kon­tingent für Gefrierfleisch konnte nicht nach dem Jahre 1925 bemessen werden, weil vor In­krafttreten neuer Zölle immer eine erhöhte Ein­fuhr statisindet. Wir nahmen deshalb das ge­ringere Kontingent des Jahres 1924. Dieses haben wir vierteljährlich ausgeschüttet, und wir glauben, vorläufig damit auszukommen. Der Stickstoff ist jetzt billiger als im Frieden. Das Ministerium bittet um Zustimmung zu dem Anträge der fol­gendes bestimmt: Der Haushaltsausschuß wolle sich damit einverstanden erklären, daß das Reich gegenüber dem deutschen Kalisyndikat G. m. b. H. und der Superphvspyatindustrie

eine Ausfallgarantie der Kali- und Phosphor- fäureiiefecungen,

die auf langfristige Wechselkredite erfolgen, bis zur Höhe von zehn Millionen Reichsmark über­nimmt.

Ministerialrat v. Quasse wski betont, es seien zusammen sechs Milliarden Kredit­schulden vorhanden. Die weiteren zwei Mil­liarden Rentenbankgrundschuld könne man nicht dazu rechnen, weil es eine Rentenschuld sei, die man hoffe, in sieben bis acht Jahren erledigt zu haben. Bis nach der nächsten Ernte fönnten etwa, eine Milliarde Personalkredite gestundet werden. Eine Milliarde mühte aber nach den Vorschriften abgedeckt werden, wenn sie nicht in langfristige Kredite übergeführt würde. Eine Er­höhung der Summen für die Landwirtschaft fei erwünscht.

Angenommen wurde eine Entschließung des Abg. Dr. Klöckner, auf eine Ermäßigung des Zinsfußes der Rentenbankkre­ditanstalt von <* ? auf S/b Prozent hinzu­wirken und geeignete Maßnahmen zu treffen, um auch Pächtern landwirtschaftlicher Betriebe Per- svnalkredite zu gewähren. Ferner wurde durch Annahme einer Entschließung des Abg. Blum lKrefeld) die Reichsregierung ersucht, bei Zwangsverkäufen sämtlicher großer Güter die Möglichkeit des Ankaufs zu erwägen zwecks Erhaltung der Güter für die Kultur in geschlosse­ner Bcw'vtschaftungsweise oder zur zweckmäßigen

Austeilung in Siedlungen. Als Beihilfe zur För­derung der bäuerlichen Wirtschafts­beratung sind im Etat 1900 000 Mark vor­gesehen. Anträge auf Erhöhung dieser Summe wurden dem Sparausfchuß zur weiteren Beratung überwiesen. 50 000 Mark sollen als Beihilfe für die von Berufsvereinigungen der laickrwirtschaft- lichen Arbeitnehmer veranstalteten Fortbil- dungsturse für Arbeiter und Angestellte abgezweigt werden. Zum Schluß erklärte sich bei Ausschuß damit einverstanden, daß das Reich gegenüber dem Deutschen Kalisyndikat G. m. b. H. und der Superphosphatindustrie G. m. b. H. eine Ausfallgarantie für Kali- und Phvphor- säurelieferungen, die für langfristigen Wechsel- Ireöit erfolgen, bis zur Höhe von zehn Millionen Reichsmark übernimmt.

Für Abbau im Hessischen Landtag.

WSN. Darmstadt, 14. März. Die demokra­tische Landtagsfraktion hat im Landtag einen An­trag eingebracht, in dem die Regierung ersucht wird, alsbald einen Gesetzentwurf vörzulegen, der unter Aufrechterhaltung der Verhältniswahl die Schafstmg von Einzel Wahlkreisen vorsieht, die Zahl der Landtagsabgevrdneten herabsetzt und die Legislaturperiode von drei auf vier Jahre erhöht.

Aankreichs syrische Sorgen.

Frankreich hat auf bet M audatskon- f erenä in Rom einen Reche.sicha>rsbericht über­feine Tätigkeit in Syrien abgelig' Der Bericht war natürlich sehr optimistisch uni) günstig ab­gefaßt, es war darauf l)ingeivickn, daß über dreivieriel Syriens ruhig sei und sich unter verfassungsmäßigem Regime befände. Wenn nicht auch eine Reihe von Delegationen aus Syrien in Ronr Beschwerbeschriften überreicht hätten, die allerdings von der Kommission ab­gelehnt wurden, hätte der Eindruck entstehen können, daß es de Iouvenel tatsächlich ge­lungen wäre, in der kurzen Zeit seiner Amts- tätigtet < Syrien einem Zustand der Ruhe und Befriedigung entgegerizuführen. Zur Zeit der Mandatskonferenz konnte be Iouvenel auch be­richten, daß mit dem letzten Viertel Syriens, mit den Drusen, FriedenSverhandluirgen im Gange seien. Natürlich wäre ein Erfolg von Friedens- Verhandlungen mit dein bedeutenden Führer Atrach ein Ereignis von besonderer Bedeutung gewesen. Hätte Atrach die Oberhoheit Frank­reichs anerkannt, dann hätte de Iouvenel mit vollem Rechte behaupten können, in Syrien herrsche vollkommener Friede. Die Fried easve-> fjanblungen sind gescheitert. Täglich sind in den Blättern Berichte über Gefechte mit Drusen - Abteilungen zu lesen, die nicht immer sehr erfolg­reich für die Franzosen verlausen, ihnen aber erhebliche Verluste beibringen. Bei dem über- ragenden Einfluß des Sultans Atrach kann man es als ziemlich selbstverständlich annehmen,. daß die Drusen weiterhin Tlnterstühung erhalte i wer­den, und daß es den französischer Truppen in ab­sehbarer Zeit nicht gelingen wird, der Lage Herr zu werden.

Es ist klar, daß diese Lage auch gewisse Rück­wirkungen auf die Ndandatskommissionen und eine Entscheidung über die weitere Dauer des Man­dats haben muß. Italiens Kolonial­expansionsbedürfnis spielt dabei sicher eine besondere Rolle. Es würde es sicher nicht ungern sehen, wenn es vielleicht an Stelle Frank­reichs das Mandat über Syrien bekommen könnte. Die Besorgnisse, die deshalb in der französischen Presse aufgetaucht sind, sind jedenfalls bezeich­nend. Entscheidend wird dabei natürlich der eng­lische Einfluß sein. London war wegen des türkisch-französischen Vertrages, den de Iouvenel in Angora abgeschlossen hat, sehr beunruhigt, da vor allen Dingen gegen eine Grenzrcgelung starke Bedenken aufgetaucht sind. Frankreich hat es bisher verwunden, den Vertrag zu veröffentlichen, hat allerdings darauf hin- getoicfeit, daß England durch seinen Botschafter in Konstantinopel ständig über die Verhandlungen und den Vertrag auf 6ent Laufenden gehalten wörden fei. Bei der Veröffentlichung des Ver­trages wirb sich erst zeigen, wie weit dabei Interessen Citglands berührt werden, das wegen der immer noch ungelösten Mossulfrage in dieser Beziehung empfindlich ist. Wie weit der Bündnisvertrag zwischen Griechenlanb und Italien, der seine Spitze gegen die Türkei richtet, auch gegen Frankreich sich richtet, wird sich int Lause der allernächsten Zeit zeigen müssen. Aus alle Fälle werden die syrischen Sorgen Frankreichs dadurch nicht verkleinert. Es wird vielleicht, um seine Lage zu verbessern, ernst­lich an eine Vermittlungsattton zwischen England und der Türkei denken müssen, da es durch einen bewaffneten Konflikt in der Mossulfrage nur in die allerschlimmste Lage geraten würde.

Die Erschließung der eit glischen Archive.

Die Mitteilung der britischen Regierung vom November 1924. daß sie sich entschlossen habe, die wichtigsten Aktenstücke ihrer Archive über den Ursprung des Krieges von 1914 bis 1918 zu veröffentlichen, hat, im Hinblick auf das Problem der Kriegsschuldfrage, größtes politisches Interesse erweckt. Es ist deshalb von erheblicher Wichtigkeit, über die dicht bevor­stehende bedeutsame Publikation itähere Einzel­heiten zu erfahren. Bemerkenswerterweise hat das britische Auswärtige Amt, anstatt den üb­lichen Weg zu wählen, seinen eigenen Brief­wechsel unter Verantwortlichkeit des Staatsmini­steriums zu veröffentlichen, die Herausgabe ihrer Dorkriegsakten zwei hervorragenden unabhängi­gen Geschichtsschreibern übertragen, den Herren Dr. G. P. Go och und Dr. Harold Temperley, die völlig freies Derfugungsrecht über das Dokumentenarchiv des britischen Aus­wärtigen Amtes erhal.ea haben. Die Vorarbeiten sind bereits weit gediehen, und es kann jetzt Ge­naueres über Umfang, Inhalt und Gliederung des Werkes mitgeteilt werden.

Das Werk wird insgesamt 11 Bände um­fassen, bereit Inhalt folgendermaßen eingeteilt ist:

Band 1 bis 2: 1889 bis 1904 Der Lieber- gang zumKontinenlalismus" mit Einschluß des englisch-japanischen Bündnisses;

Band 3 bis 4: 1904 bis 1906 Frankreich, Deutschland und Marokko;

Band 5 bis 6: 1906 bis 1909 Rußland und der Nahe Osten;

Band 7 bis 8: 1906 bis 1912 Verhandlungen mit Deutschland

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Zruä bi zur 2er Ausgab lichen 5 1914.

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