ausaeführi, weshalb gerade die deutsche Flotte und nicht ewa auch die gering geachtete jravArsische oder die weitab liegende amerikanische Flottv yler als Gefahr empfunden wird, daß ich mir dmä)1 gestatten darf, hieraus nicht zurückzugreifen. Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, anzunehnrai, daß die vorhandene Furcht England schließlich on^yi treiben wird, sich uns in die Arme zu werft». Die Furcht wird ganz andere Fruchte zotigen. Sie wird England gewappnet uns entgegeiHtellen. P. Metternich.
Pariser Brief.
PariS, 14. Februar 1226.
Die dritte Woche der Diskussion üt*r die Finanzsanierungsgesetze hat angesichts der immer größer werdenden Verwirrung der widerspruchsvollen Abstimrrvmgen und der Kämpfe, die in einzelnen Fraktionen der Regierungsparteien innerhalb ihre» eigenen Reihen zu führen haben, dahin erführt, daß Briand diesem Zustand ein Hiel setzen mußte. Aber er hat diesen Mu- nicht aus eigenem Antrieb aufgebracht, sondern ist hierzu durch einen Druck von außen, durch einen Druck, der vom Senat herkam, gtjrouiv gen worden. Wenn man unter diesen Mistän- den von einer Gefährdung des parlamentarischen Regimes spricht, braucht man sich mcht zu wundern, denn tatsächlich wird diese Frqge, ob der Parlamentarismus in seiner jetzigen. Form aufrechterhalten werden kann, ernstlich Diskutiert', sonst würde sich der französische Kammerpräsident Herriot nie dazu hergegeben haben, eine Abänderung der Geschäftsordnung mit Vertretern der ebiRelnen Kammerfraktionen zu erörtern. Aber dLe v^rage der Abänderung der Geschäftsordnung iß auch eine Frage der Einschränkung der Diskupions- freiheit und der den Parlamentariern zuLehen- den Initiative. Die Reform des Wahlrechts soll dann ein übriges tun.
Am Montag wird nach den bis jcht getroffenen Dispositionen Briand die li^istenz seines Kabinetts durch Vertrauensfrage Wären, ober er will seiner Mehrheit nicht rodle tun und hat daher beschlossen, durch einen Jemen chirurgischen Eingriff ihr eine BefriediAMtg zu geben. Während sein Fmanzminister D o u - m e r sich vor einigen Wochen dagegen stwubte, die Frage des B u d g e t a u s g l e i ch>s von der Frage der F i n a n z s a n i e r u n.g zu trennen, ist er jetzt hierzu in gewissem Sinne bereit, und dies soll dazu führen, ddß der Senat rascher, als man bis jetzt angenommen hat, sich mit dem Finanzgesetz beschäftigen wird. Ende Februar soll alles unter Dach und Fach sein.
Inzwischen ist der Eintritt Deutsch- lands in den Völkerbund zur Kardinalfrage geworden. Die rechtsstehenden Blätter, die so sehnsüchtig gewünscht hatten daß Deutschland in seiner Mitteilung an den Völkerbund Vorbehalte gebracht hätte, bangit sie in der Lage gewesen wären, gegen seine-, Aufnahme Stellung zu nehmen, sind sehr enttäuscht und verschwenden eine Menge Kraft, um der französischen Regierung klvr zu machen, daß der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund neutralisiert werden wüsse. Besonders erbost zeigen sie sich gegen die, englische Presse, die sich scharf gegen eine erzwungene Umdeutung des Völkerbundsstatnt^ und gegen die Umfälschung des Grundgedcpikens des Völkerbundes wendet, der keine Aölker- verbindung innerhalb des Völkerbundes verträgt, fei es auch eine Iwletmsch- slawische gegen den deutschen und, englischen Einfluß. Die locarnofeindlich^ französische Presse erklärt übrigens ausdrücklich, daß sie diese Frage, die sie als lebenswichtig für die Zukunft hält, nur deshalb erörtere, weil dar Antrag zur Vermehrung der ständigere Sitze im Völkerbundsrat von der französischem Negierung gestellt werde. Wird diese Fruge im Monat März vor Eintritt Deutschlands in den Völkerbund oder erst auf einer späteren Tagung erörtert werden? England bemüsht sich um eine Vertagung, um der Gefahr Zu begegnen, die es besonders darin erblickt, daß nach der letzten Affäre Mussolini der Versuch gemacht wird, die Bewegungsfreiheit des deutschen Delegierten innerhalb des Völkerbundes, wenn nicht zu behindern, so doch ^„kontingentieren".
Das Herannahen des Frühjahrs hab A b d e l Krim zur Wiederaufnahme seiner 'Tätigkeit veranlaßt. Er hat mit einem flehten Erfolg begonnen, durch den das wichtige Bibane- gebirge wieder befetzt wurde. Außerdem werden Truppenbewegungen nach Westen festgestellt, so daß auch mit kriegerischen HMdlun- gen in der Gegend von Wezzan gerechnet werden kann. Kann Abd el Krim die Initiative . an sich reißen, ehe Marschall Pstain in Marokko die nötigen Dispositionen getroffem hat? Das ist die Frage, die man augenblWich in Paris erörtert.
In Syrien ist der erste Versuch, zu einer sogenannten autonomen Regierung zu kommen, unternommen roorben. Ein Urteil darüber zu fällen, inwieweit dieser Versuch zu einer Pazifizierung des Landes führen wird, wäre verfrüht, schon deshalb, u*eil bis jetzt nicht bekanntgegeben wurde, wie div Auto n o m i e aussieht, die man zugestanden hat. Auf jeden Fall handelt es sich um ein Provisorium, da die maßgebenden Stämme in Syrien über die ihnen zu gewährende Verfassung selbst ein Wort mitzureden ge-enken.
Oberhesfen.
Landkreis Gießen.
k. G r o h e n - L i n b e n, 13. Febr. Bei der Dorftirchenvorstehertagung wurden die musikalischen Leistungen sehr beacht«. Die Schulkinder sangen im Gottesdienst zwei Motetten, die nicht nur klar und rein t>oirgetragen wurden, sondern auch dynamisch gut Jbetont
waren. Bemerkenswert waren auch die Chöre des Kirchengesangvereins sowohl im Gottesdienste, als auch im Gemeindeabend, und ganz besonders die Frauenchöre, unter denen der Altdeutsche Maiengruß sehr großen Beifall fanden. Auch die Dvrträge des Quartetts gefielen. Die Heine Nachtmusik Mozarts findet immer dankbare Zuhörer, zumal wenn sie, wie hier, eine sorgsame Wiedergabe findet. Daß in Grohen-Linden das musikalische Leben blüht, ist mit ein unbestrittenes Verdienst der beiden Organisten, der Dirigenten Lehrer Römer und Blaß. Sie haben unter den jungen Leuten vielversprechende Schüler gefunden, und so ist es auch möglich gewesen, daß zu Weihnachten eine Kantate mit einem kleinen aus 9 Musikern bestehenden Orchester in der Kirche aufgeführt werden konnte.
L Wi eseck, 15. Febr. Bei außerordentlich starker Teilnahme der Mitglieder fand am gestragen Sonntag im Schneiberschen Saal die Generalversammlung der Spar - und DarlehNskasse Wieseck statt. 3n ehrenden Worten gedachte Bürgermeister S ch o m be r als Versammlungsleiter eingangs des vor kurzem verstorbenen langjäh igen Rechners der Kasse, wobei er besonders hervorhob, daß Heinrich Decker, wie selten ein Mensch, sich die Sympathien aller Bevölkerungskreise erworben hatte. Die Versammlung ehrte das Andenken des Der- torbenen in der üblichen Weise. Weiter stellte Bürgermeister Schomber den Anwesenden den Vertreter des Hessischen Genossenschaftsverbandes, Sih Darmstadt, den Oberrevisor Hartmann, vor, der es übernommen hatte, in inanztechnischer Beziehung die notwendigen Aufklärungen zu erteilen. Eine reichhaltige Tagesordnung harrte der Erledigung. Aus der Jahresbilanz, die genehmigt wurde, ist hervorzuheben, daß die Spar- und Darlehnskasse Wieseck mit ihren 295 Mitgliedern mit zu den stärksten Vereinen Hessens zählt. 3m Geschäftsjahr 1925 betrugen die Aktiven 95 334,29 Mark, die Passiven 94 512,63 Mark, so daß ein Reingewinn von 821,66 Mark verblieb. Der eigentliche Umsatz im letzten Jahre wurde leider nicht vorgetragen, obige Zahlen beziehen sich nur aus die Vermögensbilanz. Die Forderungen aus Kriegsanleihe, Hypotheken und Darlehen, ^ie der Kasse auf Grund d.s Aufwertungsgesehes zust chen, sind hierbei nicht enthalten, schätzungsweiie ui mit 60 bis 70 000 Mark zu rechnen. Diese Summe soll nach Beschluß der Versammlung restlos den früheren Sparern zugutekommen. Mit welchem Prozentsatz die früheren Spargelder aufgewertet werden, läßt sich heute noch nicht bestimmt sagen, aber jedenfalls soll alles getan werden, um das Vertrauen der Sparer zurückzugewinnen und jedem, der einigermaßen hierzu in der Lage ist, einen Anreiz zum weiteren Sparen zu geben. Die Spareinlagen belaufen sich auf 31600 Mk., wovon allein 10000 Mark auf die Sparkarteneinrichtung entfallen. Dieses Svstem dem Sparens hat sich sehr gut bewährt, durch ben Vereinsdiener wird in regelmäßigen Abständen das Svargeld eingesammelt, wodurch es ermöglicht wird, auch die kleinsten Beträge für ben Sparer unb für die Allgemeinheit nutzbringend anzulegen. 3n klarer, allgemeinverständlicher Weise erläuterte Oberrevisor Hartmann die Jahresbilanz, manche an sich unverständliche Ziffer wurde in volkstümlichster Art erklärt. Die Entwicklung der Kasse sei durchaus zufriebenstellend, wenn auch für die Zukunft noch viel zu tun übrig bleibt. Eine außerordentliche Belebung des kassenmäßigen Geschäftsveriehrs tritt ein, wenn von bet Einrichtung des Konto- Korrentverkehrs in stärkerem Maße Gebrauch gemacht wird. Der nächste Punkt, der wichtigste für die Entwicklung der Kasse, betraf die Wahl eines Rechners, die durch das Ableben des seitherigen notwendig wurde. Eine größere Zahl Bewerbungen lag vor. Don 161 abgegebenen Stimmen erhielt der Landwirt Karl Lang, der als seitheriger Direktor die Kassengeschäfte vertretungsweise versah, 132 Stimmen unb war somit gewählt. Da die Geschäftsführung des Vorstandes zu irgendwelchen Beanstandungen keinen Anlaß gab. erfolgte die einstimmige Entlastung desselben. Aus dem Reingewinn sott nach dem Vorschlag des Aufsichtsrats auf die eingezahlten Geschäftsanteile eine Dividende von 12% verteilt werden. Der verbleibende Rest soll zum Teil dem Reservefonds, zum Teil der Rechnung vorgetragen werden. Eine besondere Besprechung erforderte noch die Neueinrichtung des Zinsendienstes, obwohl man sich von vornherein klar war, daß es unmöglich ist, bei ben gegenwärtig schwankenden Verhältnissen die Zinsen für eine längere Zeitspanne festzulegen. Für eingezahlte Gelder sollen in Zukunft 9 Prozent an Stelle von seither 10 Proz. gezahlt werden, während der Zinssatz für entliehene Gelder ebenfalls um 1 Proz., von 15 auf 14 Proz. herabgesetzt wurde. Irgendwelche besonderen Zuschläge für Geldbeschaffung, Provisionen usw. werden nicht gemacht, was gegenüber günstiger scheinenden Geldanaebvten zu beachten ist. Für Konto» Korrent-GeDer werden 6 Proz. vergütet. An Stelle des zum Rechner gewählten seitherigen Direktors Karl Lang wuroe Kaufnrann Karl Kolb als solcher gewählt. Mit Worten des Dankes an den Oberrevisor Hartmann und der Bitte an die Anwesenden, am Wiederaufbau der Kasse mit ihrer segensreichen Wirkung auch in Zukunft mitzuhelfen, schloß Bürgermeister Schomber die Tagung.
: Beuern, 13. Febr. 3n der letzten Woche wurden die Holzhauerarbeiten im hiesigen Gemeindewald beendigt. Cs wurden insgesamt rund 2400 Festmeter Holz geschlagen. Am Mittwoch wurde die erste Vrennholz- versteigerung abgehalten. Die Preise erreichten nicht ganz die Höhe, wie sie von anderen Orten bereits gemeldet worden sind, sind aber, mit den Kohlenpreisen verglichen, noch viel zu hoch. Es wurden bezahlt für je 2 Raummeter: Buchenscheitholz 26 bis 26 ML., für Buchen- knüppel 16 bis 22 Mk., für Duchenstock 8 bis 10 Mark. Das Meter Vuchenreisig stellte sich au 2 bis 3 Mk. — Infolge der Beendigung der Holzhauerarbeit stieg die Zahl der Erwerbslosen von 30 in der letzten Woche auf rund 70 in dieser Woche: eine erschreckend hohe Zahl, wenn man bedenkt, daß Beuern noch nicht ganz 1000 Einwohner zählt. 3n nächster Zett wird aber ein großer Teil dieser Leute lohnende Beschäftigung finden können beim Instand- setzen der in den letzten paar Jahren ausgebauten Scheibengasse. Infolge eines größeren Zuschusses, welcher der Gemeinde für die Beschäftigung der Erwerbslosen zugestanden wird, rann die Gemeinde diese Arbeit vornehmen lassen. Die Bewohner der Scheibengasse werden diese Nachricht mit Freuden vernehmen. — Wie groß das Bedürfnis
unserer weiblichen Landjugend nach einer Ausbildung im Kochen ist, beweist der Um- tanb, daß sich für den nach Ostern beginnenden Kochkursus der Pflichtforibildungsschülerin- nen weitere 17 Mädchen freiwillig gemeldet haben. gewiß ein ehrendes Zeugnis für den Eifer unserer Mädchen, aber auch zugleich ein Zeugnis dafür, wie notwendig die Errichtung solcher Kochkurse ist. Um diese Mädchen nicht zurückzuweisen, hat sich die Gemeinde bereit erklärt, gleich zwei Kurse nach Ostern beginnen zu lassen. Den Unterricht wird wahrscheinlich Frau Schneider von Großen-Duseck übernehmen. Auch hat die Gemeinde in anerkennenswerter fortschrittlicher Weise die Anschaffung einer zweiten Nähmaschine für die hiesige weibliche Fortbildungsschule genehmigt.
:—: Climbach, 13. Febr. Aach längerer Ruhepause hat der hiesige Mannergesangverein Liederkranz, der einzige unseres Ortes, seine Vereinstätigkeit wieder ausgenommen. Als Dirigent wurde Musiker Karl Kaspar ©omm erlab I. von Beuern gewonnen. der den Verein vor 1925 schon viele Jahre geleitet hat.
t. Harbach, 13. Febr. Wer jetzt durch unsere Gemarkung geht, sieht überall Haufen von Tonröhren lagern. Mit der Feldbereinigung sollen zugleich größere Teile der Gemarkung entwässert werden. Infolge der Schwierigkeit der Geldbeschaffung wird die Feldbereinigung iwch längere Zeit in Anspruch nehmen. Ein bestimmter Termin für die endgültige Zuteilung kann noch nicht in Aussicht gestellt werden. Die Gemeinde hofft, die Kosten durch Verkauf von Massegrundstücken decken zu können.
t Grünberg, 13. Febr. Im Kalenderjahr 1925 sanden hier 13 Trauungen statt, Sterbefälle sind 22 zu verzeichnen, Geburten 30, und zwar 18 Knaben und 12 Mädchen.
> Holzheim, 13. Febr. Gestern kam auf dem hiesigen Rathause die Jagd der Feldgemar- k u n g Bergheim auf weitere neun Jahre zur Verpachtung. Sie ging zum Preise von 710 Mark jährlich an die hiesige Jagdgesellschaft über. Der bisherige Pachtpreis betrug 80 Mark. Der Jagdbezirk umfaßt ungefähr 800 Morgen, die sich auf die Gemeinden Holzheim, Dorf-Gill und Grüningen verteilen.
> Dorf-Gill, 13. Febr. Die der hiesigen Gemeinde zustehende F e l d j a g d wurde auf weitere neun Jahre zum Preise von 541 Mark jährlich an die hiesige Jagdgesellschaft verpachtet.
:|: Hungen, 13. Febr. Dieser Tage fand im „Solmftr Hof" eine Zusammenkunft des Bezirks-Lehrervereins Hungen statt. Lehrer Jockel- Hungen hielt einen Vortrag über „Eerziehungsprobleme be'.LHotzky" Nach einer kurzen Aussprache wurden noch verschiedene schulische Fragen erörtert. U. a. wurde beschlossen, von Ostern ab allgemein wieder Schulzeugnisse in den Gemeinden, wo dies noch nicht geschehen ist, einzuführen, da das Zeugnis zweifellos ein Mittel ist, manche Eltern mehr an der Schule und ihrer Arbeit zu inter- essieren. Ferner wurden Winke über die Behandlung der Simultanfchule im Unterricht gegeben. Weiterhin erstattete der Vorsitzende Bericht über eine Besprechung, die der Vorstand des Kreislehrervereins mit dem Superintendenten der Provinz hatte.
Kreis Friedberg.
ss. Friedberg, 13. Febr. Die jüngste Stabtveriorbneten-Versammlungbe- schästigte sich in ihrem ersten Punkt mit der Benennung zweier Straßen: der sogenannte „Grüne Weg" soll als Forisehimg der Dieffenbachstrahe auch diesen Namen führen, eine andere Straße in der „Dorstadt zum Garten" soll die Bezeichnung „Am Nauheimer Weg" erhalten. Der Gefchichts - und Altertums-Derein hat um Entfernung einer großen, vor dem vorderen Burgtor stehenden Esche nachgesucht, da dadurch die architektonische Wirkung des Burgtors beeinträchtigt würbe: die Dersammlung ist gegen bie Entfernung. Der nächste Punkt beschäftigte sich mit einer weiteren Zuwendung für die Erwerbslosen (der Raum für das Publikum war überfüllt mit solchen). Der Finanzausschuß hat in einer Sitzung beschlossen, diesmal eine Unterstützung in bar zu gewähren, und zwar als 3. Rate Verheirateten je 10 Mk., Ledigen mit eigenem Haushalt je 5 Mk., solchen ohne Haushalt 3 Brote. Die sozialdemokratische Fraktion, die ursprünglich mit diesem Vorschläge einverstanden war, stellte jetzt mit Rücksicht au die große Notlage einen weitergehenben Antrag, unb zwar für 8 Alleinstehende je 15 Mk., für solche, bie für eine Familie zu sorgen Haben, ebenfalls 15 Mk. für bie übrigen 10 Mk. unb solche, bie noch bei ihren Eltern sinb, 5 Mk. Die baburch entstehenden Mehrkosten betragen 800—1000 Mk. Da sich die Vertreter bet verschiedenen Parteien für diesen Antrag aussprachen, wurde er einstimmig genehmigt. Der Antrag, eine Wärmehalle für bie Er- werbslofen bereitzustellen, 6er aber mangels eines geeigneten Raumes nicht zur Ausführung kommen konnte, soll nochmals in Erwägung gezogen werben. Eine Anfrage der Reichsvermo- gensverwaltung, ob bie Stadt bereit fei, Wohnungen für Reichsbeamte zu bauen, wenn ihr zu biefeux Zwecke durch Hergabe von Kapital zu billigem Zinsfüße Unterstützung gewährt würde, wurde ab g el ehnt. Der Kreis fragte an, ob die Stadt bereit fei, die Frankfurter Straße und die Fauerbacher Straße mit Kleinpflafter zu versehen, wenn ihr durch die Kraftwagenfteuer eine Beihilfe gewährt würde. Da die Kosten der beiden Projekte sich auf ca. 100 000 Mk. belaufen wurden, ist eine Ausführung zur Zeit unmöglich, die Sache würbe einstimmig abgelehnt. Bei ber Vergebung bec Arbeiten für bas Wohnhaus für bie technischen Beamten ber Stabt entspann sich bei der Vergebung der 3u™ermannd- arbeiten eine längere Debatte. Die Arb^ken werden in zwei Losen vergeben, Mindestsor^rn- ber für beide Lose ist Zimmermeister Jean Füller. Ein Teil der Stadtverordneten ttt der Ansicht, im Interesse des Handwerks die Arbeit an zwei Bewerber zu bergeoen. trotzdem ber nächste etwa 15 Proz. teurer ist: na^ längerer Debatte wurden beide Lose an Jean Fuller vergeben: die übrigen Arbeiten (Schreiner- unb Glaserarbeiten) würben an je zwei Bewerber vergeben, ba ber Unterschieb bet diesen nur etwa 5 Proz. beträgt. Die Marttkommisswn stellte den Antrag, hier in jedem Herbst einen größeren Obst- und Gemüsemarkt abzuhalten, dem Antrag soll nähergetreten werben. Da viele Pächter von Kleingärten keinen Wert mehr auf solche legen, muß eine Zusammenlegung stattfinden, doch sollen dabei Schädigun
gen der übrigen Pächter nach Möglichkeit vermieden werden. — Auf einer DortragSreise durch Oberhessen sprach der kettende Arzt der Clev- norenheilftätte in Winterkasten Dr. Sell über „®lc Tuberkulose". Der Vortrag, ber in dem Hörsaale deS Polytechnikums stattfanb, war überfüllt. Trotzdem ber Vortrag über drei Stunden bauerte, folgten die Erschienenen dem Redner mit gespannter Aufmerksamkeit.
WSN. Friedberg, 13. Febr. Auf 13er anlassung der Turngemeinde sanden hier mehrere Vorführungen des von der Deutschen Turnerschaft herausgebrachten Films vom Her° mannslnus statt. Ein zahlreiches Publikum olgte den herrlichen Ausnahmen deutscher Städte und Landschaften mit Begeisterung.
2$. Bad-Nauherm, 13. Febr. Wit der Neugestaltung des Kurhauses beschäftigt sich der Allgemeine deutsche Bäderverband In einer Mitteilung in sehr anerkennender Weise. Bekanntlich haben hessische Regierung und Landtag die Mittel bewilligt für die Erneuerungsmaß- nahmen, die zur Zeit im Kurhaus ausgeführt und bis zu Beginn der Hauptsaison es in neuem künstlerischen Innenschmuck zeigen werden. U. a. wird eine Neugestaltung des großen neuen Speisesaals erfolgen, dessen Böden und Wände mit Teppichen unb Wandbespannungen neu ausgestattet werben. Das Opern- unb Konzerthaus wirb durch eine neue Bestuhlung eine zeitgemäße Verbesserung erfahren. Für die Neuausmalung dieses großen Saales unb bie Anlage eines Foyers ist ein beschränkter Wettbewerb veranstaltet worben. Dem dazu zugelassenen Kreis namhafter Künstler gehören an: Prof. Linnemann- Frankfurt, Pros. K e m p i n - Darmstadt, Kunstmaler Troll-Offenbach a.M. unb der heimische Maler unb Graphiker Otto Franz Kutscher.
U Nieder-Florstadt, 13. Febr. Bei der Werkholzversteigerung im hiesigen Gemeindewald würben gute Preise erzielt. Eichen- stämnie von i bis 1 Festmeter Inhalt kosteten etwa 100 Mark pro Festmeter. Stärkere Stämme bis 2 Festmeter kamen 120 bis 150 Mark pro Festmeter, für die größten Stämme von über 3 Fstm. wurden 200 Mark und darüber für den Festmeter angelegt. So kostete ein Stamm von 3,25 Fstm. Inhalt 637 Mark, ein solcher von 3,49 Fstm. 731 Mark .ein schöner Stamm von 2,25 Fstm. brachte etroa 600 Mark ein. Allerdings waren dies vollständig astfreie, erstklassige Stämme, die sich zu Fournier eignen. Käufer waren größere Firmen von auswärts. Einheimische Schreiner, Wagner unb Zimmerleute hielten sich an mittlere Qualitäten und konnten bei der vorhandenen Menge ihren Bedarf decken.
Kreis Schotten.
-v Ulfa, 13. Febr. Die schon gemeldete zweite Versteigerung der Masse- grunbftütfe unserer Feldbereinigung erbrachte einen Erlös von etwa 140 000 Mark, so daß der Morgen Land im Durchschnitt auf 750 Mk. zu stehen kommt. Die Feldbereinigunaskosten in Höhe von 220 000 Mark übersteigen also die Einnahmen um etwa 80000 Mark. Der Fehlbetrag wird auf die Grundeigentümer im Verhältnis ihres Grundbesitzes ausgeschlagen und verrechnet. Zur Zeit sind noch eine ganze Anzahl Arbeiter damit beschäftigt, Wege zu «haussieren unb Verschleifungs- arbeiten vorzunehmen. Die Ausführung dieser Arbeiten dürfte noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Im allgemeinen aber ist das große Kulturwerk der Feldbereinigung für unsere Gemeinde beendet. Die nachfolgenden Generationen werden seinen Wert erst richtig zu schätzen wissen.
—.— Vom Vogelsberg, 13. Febr. Eine auffallende Erfcheinung bei allen Holzoerstetgerungen sind trotz der Geldknappheit die hohen Holz- preise. So kam in Ulrich stein der Verkaufspreis durchschnittlich 80 Prozent über die Taxe, ja mitunter sogar 100 und mehr Prozent. Für zehn Raummeter Reisig wurden bezahlt 30 Mark (Taxe 15 Mark), Buchenschnittholz 41 bis 43 Mark (Taxe 32 Mk.), Buchenstöcke 6 bis 7 Mk. (Taxe 4 Mk.>, Buchenknüppel 14 bis 15 Mk. (Taxe 12 Mk.), Fichtenschichthausen von 6 Raummeter 11 Mark (Taxe 6 Mark)
Kreis Büdingen.
y. Nidda, 12. Febr. Gestern abend sprach hier in einer gut besuchten Versammlung der Liga zum Schutze der deutschen Kultur Dr. Stier aus Gießen über das Reparativnspcoblem. Dem Redner wurde lebhafter Beifall gespendet.
)( Ortenberg, 13. Febr. Am Donnerstag wurde in unserer Kirche der L u t h c r f i l m vorgeführt. Leider waren beide Vorführungen infolge verschiedener Umstände sehr schlecht besucht. Die Bilder waren sehr gut und ließen die Zuschauer einen tiefen Eindruck von dem Leben Luthers, seinem tiefen Kämpfen und Ringen milnehmen. Die Erläuterungen trugen wesentlich zum besseren Verständnis bei. Rach jedem Akt sang die Gemeinde passende Lutherlieder. Mit einem Schlußwort des Ortsgeistlichen und dem Lukherlied schloß die schöne Veranstaltung.
Kreis Als/eld.
WSN. Alsfeld. 14. Febr. Die sogenannte Fettmühle in Köddingen brannte bis auf die Grundmauern nieber. Da in ber Mühle Raps zu Oel geschlagen wird, fand das Feuer an den Vorräten reiche Nahrung. Die Bemühungen der Feuerwehr waren vergeblich. Das Vieh konnte noch gerettet werden. Die Ursache des Brandes soll in Kurzschluß liegen.
Rheinhessen.
WSN. Mainz, 13. Febr. Der Dom wird wegen der am oberen Teil vorzunehmenden Renovierungsarbeiten vom Montag ab v o l l st ö n d i g geschlossen.
Starkenburg.
* Darmstadt, 14. Febr. In Bensheim an der Bergstriße war am Samstag der 23 Jahre alte Arbeiter Heinrich Schmitt beauftragt eine elektrische Anschlußleitung nach einer Schiffsschaukel herzuftellen. Er befand sich auf dem Dache der Stadt Turnhalle und berührte aus Unvorsichtigkeit die S t a r k st r o m l e i t u n g. Der Tod des Unglücklichen trat auf der Stelle ein.
WSN. Darmstadt, 13. Febr. Wie von der Staatsanwaltschaft mitgeteilt wird, ist in dem Strafverfahren gegen den Studenten Josef M e o n von Bensheim die Voruntersuchung nunmehr abgeschlossen und Anklage wegen Totschlages erhoben worden.
Q ® a t m ft a b t, 13. Febr. Der Kreistag des Kreises Dieburg hat in einer aufjerorbentlidjen Sitzung beschlossen, Protest gegen ben Plan einer Aufteilung des Kreises unter bie angrenzenben Kreise zu erheben.
WSN. Weinheim, 13. Febr. Die Manbei b ä u m e flehen seit einigen Tagen überall an


