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von der Reichsbahn berechnet wird. (Lebhastes hört, hört.) Diese Tarifpolitik sei eins schwere Hypothek auf die deutsche Wirtschaft.

Abg. Schumann (Soz.) bezeichnet daS Ver­halten der Reichsbahndirektion als eine einzige Kette von gebrochenen Versprechun­gen, Verletzungen von Dechtsgrundsätzen, Recht- losmachung deS Personals. Auslegung der Gesetze zuungunsten des Reiches im Gegensatz zu der früheren Zusage der leitenden Personen, das) die Reichsbahn im Interesse des deutschen Volkes und des Reiches verwaltet würde. Besonders zu verurteilen sei die Richtdurchfuh- rung des vom Reichsarbcitsministerium verbind" lich erklärten Schiedsspruches. Bei dem jüngste» H n g l ü ck im Tunnel bei Ober Hof habe sich gezeigt, wie unverantwortlich bei der Reichsbahn gewirtschaftet werde. Für die ; Verunglückten sei nicht einmal genügend Ver­bandszeug vorhanden gewesen. Der Redner er­sucht den Reichsverkehrsminister, seinen ganzen Ginflust aufzuwenden, um die unerträglichen Zu­stande bei der Reichsbahn abzustellen.

Abg. Gngberding <D.Vpt.) bedauert, daß die Reichsbahngesellschaft den Wünschen des Reichsverkehrsministeriunrs und den Bedürfnissen der deutschen Wirtschaft in keiner Weile Rechnung trage. Rücksichtslos seien beispielsweise a n ge­fangene B a I) n b a u t e n st i l l g e l e g t wor­den. 3m Wasserstraßenbau solle der Minister dafür sorgen, daß die angefangenen Kanal bauten fortgeführt und vollendet werden. Rentabilitäts­berechnungen dürften dabei nicht allein entschei­dend sein, sondern auch die Rücksicht auf die Be­dürfnisse der Wirtschaft.

Abg. Giesberts <Z.) weist daraus hin. daß die gesamte öffentliche Meinung einig sei in der Verurteilung des Verhaltens der Rcichsbohnverwoltung. Das Verkehrsministerium sollte schleunigst ein Mittel anwenden, um nach Möglichkeit den unhaltbaren Zuständen in der Personalpolitik und in anderen Verwaltungszwci- gcit der Reichsbahn ein Ende zu machen. Die Richtdurchführung des rcchtsverbindlichenSchieds- spruches sei nicht zu billigen. Rotwendig sei eine st a a t l i ch e Kontrolle darüber, ob die Reichsbahn wirtschaftlich arbeitet und ob die Substanz der Reichsbahn erhalten bleibt.

Neichsverkehrsminifter Dr. Kröhne hält es für notwendig, die scharfen Differenzen zwischen Reichstag und Reichsbahnverwaltung durch eine Dermittlungsaktion beizu- legen. Er, der Minister, sei zur Einleitung einer solchen Vermittlung gern bereit. Trotz dieser entgegenkommenden Haltu.rg, so fährt der Mi­nister fort, muh ich an dem grundsätzlichen Stand­punkt festhalten, den ich in den Fragen der Per­sonalpolitik und des Schiedsspruches bereits im Reichstage vertreten habe Augenblicklich ist die finanzielle Loge der Reichsbahn allerdings schlecht im Zufamnrenhang mit der allgemeinen Rotlage der Wirtschaft. Zu einer allgenreinen Tarifseirtung wird die Gesellschaft nicht in der Lage sein. Aber wir werden darüber wachen, daß keine Erhöhung der Güter- und Personentarife eintritt. Die voin Bericht­erstatter angeführten Beispiele über das Ver­hältnis zwischen den aus und inländischen Tarifen wirken grotesk. Es muh aber berücksichtigt wer­den daß das Valuta-Dumping der aus- käi, >ifchen Eisenbahnen die Deutsche Reichsbahn zwingt, niedrigere Durchfuhrtarife zu nehmen, damit beim Transport ausländischer Waren die deutschen Dahnen nicht unrgangen werden. Es must zugegeben werden, daß wir im vongen Jahre einen ganz guten Fahrplan und gaiiz günst^e Fahrzeiten gehabt haben. Wir werden dafür eintreten, daß alles getan wird, um die Betriebssicherheit zu erhöhen. Wir verlangen, dah die Ileberschüsse der Reichsbahn benutzt werden, um den Betrieb und den Zu st and der Bahn sicherzu- st eilen. Bei der Umgestaltung und Zusammen­legung der Werkstätten hat das Ministerium auf die Reichsbahn in dem Sinne eingewirkt, dost auf das Personal Rücksicht genommen und Härten möglichst unterbleiben sollten. Deutsch­land werde sehr bald bei einer großen inter­nationalen Ausgestaltung des Luftverkehrs mit­wirken.

Abg. Dauer lBayr. Vp.) spricht den Wunsch aus, daß die Reichsbahnverwaltung mehr als bisher daran denken möge, dah die Deutsche Reichsbahn ein Instrument der deutschen Volks­wirtschaft fein soll. In dieser Verwaltung fehle es offenbar an gutem Willen zu verständ­nisvoller Zusammenarbeit mit dem Reichsver- kehrsministerium. Der Redner tritt dann noch für die Elektrifizierung der bayerischen Bahnen ein.

Abg. Seibert (Dl. Vp.) fordert eine Aende- rung der Reichsbahngesetze mit dem Ziele, die

I Rechtsverhältnisse der Reichsbahnbeamten denen | der übrigen Reichsbeamten wieder anzugleichen.

Weiterberatung Montag nachmittag.

Der Kampf um die Ratssitze. Der Widerspruch Englands gegen eine Erweiterung des Völkerbundsrats

London, 15. Febr. (TU.) Der diplomatische Korrespondent desObserver" bringt heute an­scheinend halbamtliche oder zum mindesten in­spirierte Ausführungen über die Pariser Ver­sprechungen Chamlerlains. Er schreibt: Die ganze europäische Presse sei in den letzten Wochen mit Pariser Rachrichten über angebliche Aeußerungen Chamberlains angefüllt. Darum sei es notwendig, den englischen Standpunkt genau darzulegen. Die englische Regierung gHe von der Voraussetzung aus, daß die Völkerbundsversammlung am 8. März zur Wahl Deutschlands zum Mit­glied des Völkerbundes zusammentritt. Der Völkerbundsrat werde gleichzeitig zusammentreten und da die Signatarmächle des Locarnv-Ver­trages zur sofortigen Wähl Deutschlands ver­pflichtet sind, werde diese Wahl im März stattfinden und gleichzeitig von der Völkerbunds- Versammlung ratifiziert werden. Das sei der ge­samte Inhalt der englischen Verpflichtungen. Die französische Diplomatie habe indessen in der Zwischenzeit den Versuch gemacht, die Wirkung des deutschen Eintritts in den Völker­bund durch einen Plan zur Verwehrung der ständigen Völkerbundssitze aufzuheben. Der englische amtliche Standpunkt sei der, dah die Zuweisung von ständigen Ratssitzen an Poleir und Spanien eins völlig neue Frage darstellt. Ehe in dieser Hinsicht eine englische Meinung oder Stimme abgegeben werden tonn, müssen andere Kandidaten und außerdem die Ansichten Frankreichs gehört werden.

Im gegebenen Augenblick werde die englische Politik durch Treue zur Locarno-Politik, ferner durch eine ehrliche Auslegung der versprochenen Wiederaufrichtung der Groh- machtSstellnng Deutschlands und durch Rück­sichten auf die Interessen des Völkerbundes geleitet werden.

Wenn überhaupt eine derartige Zuwahl in Frage komme, so könne sie nicht vor dem Herbst erörtert werden, wo die ordentliche Ver­sammlung des Völkerbundes stattfindet. Wenn der sahungsmähige Weg gewählt werde, so ent­spreche das den englischen Interessen. Wenn aber Frankreich, Polen und Spanien den Versuch machen sollten, einen anderen Weg zu wählen, das heißt in der Märzversammlung be­reits die Frage der Vermehrung der ständigen Sitze aufzuwerfen, fo würde die englische Regie­rung in eine sehr schwierige Lage kommen, und zwar vor aflent deshalb, weil Deutschland einer Vermehrung der Ralssitze nicht z u st i m° m c n würde. Eine Zurücknahme des deutschen Antrags oder' eine Verzögerung des deutschen Eintritts käme aber einer Aufhebung des Locarno Vertrages gleich.

Der diplomatische Korrespondent derSun- day Expreß" schreibt, Chamberlain habe bei feinem letzten Ausenthalt in Paris Briand keine bindende Zusage in der Frage der. polni­schen Ansprüche gegeben. Vielmehr habe Cham­berlain erklärt, daß er nichts weiter tun könne, als den Vorschlag dem englischen Kabi­ne t t zu unterbreiten. Aber er hat, lote es scheint, auf die Dienste Spaniens hingcwiesen, das bei der letzten Völkerbundssihung Mesopota­mien England zugesprochen hat. Außer diesen Einflüssen und Schwierigkeiten gibt es, wie der Korrespondent meint, iwch weitere Schwierigkeiten. Zwei dec leitenden englischen Beamten im Völkerbund, nämlich Sir Eric Drummond, der Generalsekretär, und Sir James Salta r, der Wirtschaftsdirektor, ha­ben einander widersprechende Denkschriften über die Frage der Erweiterung des Rats abgegeben. Sir Eric Drunrmond ist für eine Vermehrung der Ratssitze, Sir James Sältar gegen eine solche. Zu diesen Schwierigkeiten treten noch poli­tische Bestrebungen der Kurie. Bei den gegen­wärtigen Plänen zur Vermehrung der Ratssitze spielt noch die Tatsache mit, daß mit dem Eintritt Polens, Spaniens rind Brasiliens, die alle rö­misch-katholische Mächte seien, im Dölkerbunds- rat eine römisch-katholische Mehrheit entstehen würde.

Der spanische Anspruch.

Berlin, 14. Febr. DemBerliner Tage­blatt" zufolge wird von unterrichteter spanischer Seite in Berlin nachdrücklich in Abrede gestellt, dah Spanien seine Zustim­mung zu dem ständigen Ratssitz an Deutschland

Frankfurter Theater.

Robert de Flors und Francois deCcois° s e t plus Otto W a l l b u r g und Hilde Hilde­brand (Berlin) schlossen sich zu einem recht angeregten Abend im Reuen Theater zu­sammen. ..Die neuen Herren" ist der Titel des vieraltigen Lustspiels von Robert de Flers und Francois de Croisset: ein unterhaltsames Spiel von Politik untP Frauen treue, oder besser gesagt Untreue. Minister werden gewählt und wieder gestürzt, ein Graf betrogen und am Schluß eilte ehemalige Modistin, über den Weg der so­genannten Kunst, Frau Gräfin. ES ist eine sehr gute Satire auf unsere heutige Zeit und Politik. Die ncufcn Herren kommen und kaum find sie im Amt, so gebärden sie sich als vollkommen dikta­torische Machthaber und sind keinen Deut anders, als die vorher heiß bekämpften Parteien. Es -liegt ein seiner, immer treffender Spott über Diesem Lustspiel und doch ist es stellenweise voll großer Ernsthaftigkeit Die Gestalt des Jaques Gaillac, der bis zum Arbeitsminister aufsteigt, ist vorzüglich gezeichnet: eine Rolle, um die sich die Darsteller reißen werden, sein Gegenspieler ist der alternde Graf von Montiere-Grandpre. Zwischen diesen beiden Männern steht die Ge­liebte des Grafen, die kleine Suzanne Derrier, ihr Herp zieht sie zu dem jungen Gaillac, als er gar Minister ist, liebt sie ihn geradezu, aber später kehrt sie lieber zu ihrem Grafen zurück. Der sie zur Frau Gräfin macht. Otto Wall- burgs Gaillac war glanzend in der Charakteri­sierung, voll prachtvoller Frische, auch Alfred S ch e r z e r wußte den betrogenen Grafen mit Geschmack und ruhiger Vornehmheit, fern jeder Lächerlichkeit zu gestalten. Hilde Hildebrand, als 'Dritte im Bunde, fand sich mit Ele^rnz und Laune in die Rolle dec wankelmütigen Freundin und wußte durch ihre Toiletten zu entzücken Heinz Goldberg zeigte sich w.eder als feinsinniger Regisseur, und alle die übrigen, waren ihrer

sehr viele, verhalfen denneuen Herren" zu einem vollkommenen Erfolg. L. W.

Die Insel des Odysseus.

Wo sollte wohl die Insel des Odysseus, die uns Homer so anschaulich schildert, anders gelegen haben als da, wo das heutige Ithaka liegt, die kleinste der vier großen Inseln vor dem west­lichen Eingang zum Meerbusen von Korinth? Dies Ithaka galt als das Ithaka Homers schon im klassischen Altertum und bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts, aber verschiedenen Ge­lehrten fiel allmählich auf, baß die Angaben Homers in bezug auf die Lage und Gestalt der Odysseus-Insel mit dem heutigen Ithaka gar nicht übereinstimmten. Manche suchten das alsdichte­rische Freiheit" des großen Poeten zu entschuldi­gen, die aber so gar nicht zu seiner so streng beobachtenden Kunst paßt: andere rieten herum und wollten z. D. Korfu für die Insel des Odysseus erklären. In dieses vielerörterte Pro­blem hot jetzt der große 'Archäologe Wilhelm Dörpseld Klarheit gebracht, und zwar durch neue Grabungen, die er auf der heutigen Insel Leukas vorgenommen hat. In einem Aufsatz von ReclamS Universum" führt er die wichtigsten Beweisgründe für seine Annahme an, daß Leukas das alte Ithaka ist, und er wird diese Ausfüh­rungen in einem demnächst erscheinenden Buche Alt-Ithoka" noch eingehender erläutern. Als Dörpseld vor einem Vierteljahrhundert auf dem heutigen Ithaka oder Thiaki Ausgrabungen vor­nahm, sand er dort nichts, was auf eine Sied­lung in der homerischen Zeit schließen lassen konnte, und überhaupt paßten weder die Lage der Insel noch ihre Berge. Häfen und Quellen -u Homer. Run gibt der Dichter an mehreren Stellen an. daß vier große und vier kleine Inseln, wie sie tatsächlich beute bei Ithaka liegen, zum Reich des Odysseus gehörten. Die vier

von einem entsprechenden Vorrecht für sich selbst abhängig gemacht habe. Obwohl Spanien meint, daß die Aufnahme Deutschlands die passende Gelegenheit sei, um selbst einen ständigen Rats- sih zu erhalten, ist es bereit, seine Ansprüche zurückzu stellen. QI? an erwarte auf spani­scher Seite, daß Deutschland als Mitglied des Rates sich der Verleihung eines ständigen Ratssihes an Spanien nicht widersetzen werbe, besonders wenn Spanien als Wort­führer der latein-amerikanischen Staaten auftreten könnte.

Scharfe Opposition Schwedens gegen die pariser Pläne.

Gens, 13. Febr. (TU.) Wie dasJournal de Genöve" mitteUt, hat gestern noch vor Beginn der Ratssitzung eine Aussprache zwischen den Ratsmitgliebern über die Erhöhung der Zahl der ständigen Ratssitze stattgefunden. Der Ver­treter Schwedens, der Berner Gesandte Hen- n i g, habe seinen Kollegen zu verstehen gegeben, dah d i e schwedische Regierung unter keinen IImstänoen der Verwehrung der ständigen Ratssitze z u st i m m e n werde, abgesehen von dem Deutschland zu» i'onimenden Ratssitz. Er sprach gleichzeitig die Hoffnung aus. daß auch die englische Re­gierung, die sich bisher in keiner Weise ge­bunden habe, de ni schwedischen Stand­punkt zu stimm en werde, aber auch wenn Schweden mit seiner Anschauung allein bleiben sollte, würde es sich der Vermehrung der ständi­gen Ratssitze widersetzen.

Für die Vermehrung der ständigen, wie der nichtständigen Ratssitze ist die Zustimmung der Versammlungsmehrheit erforderlich. Die Kabi­nette der Ratsmächte können also unter sich ver­einbaren, was sie wollen: wenn die Mehrheit der Versammlung nicht will, so kann kein neuer Ratssitz geschaffen werden. Das Blatt schlägt den Staaten aber vor, es nicht auf die Zufällig­keiten des Abstimmungstages ankommen zu lassen, sondern schon bereits jetzt auf diplomatischem Wege ihre Widersprüche geltend zu machen.Die Vertraue n s m a ch t der europäischen Neutralen", sagt das Blatt zum Schluß,ist Schweden. Wir glauben nlcht, daß die schwe­dische Regierung es ablehnen würde, eine ehr­liche Opposition zu vertreten. Der gerade Weg wäre auch in diesem Fall der beste." Sir Eric Drummond in Berlin.

Berlin, 15. Zebr. (lvTB. Junkspruch.) Der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drum­mond, ist heule früh 8.14 Uhr auf dem Anhalter Bahnhof eingelrosfen. Er wurde am Bahnhof vom Vertreter des Auswärtigen Amtes empfangen und wird wahrscheinlich nach im Laufe des Montag oder Dienstag eine Unterredung mit dem Außenminister Dr. Strcfemann haben.

Rußland und die Abrüstungskonferenz.

Die Sorvjetregiernng lehnt die Teilnahme ab.

Moskau, 14. Febr. (Telegrapheuagentur der Sowjetunion.) Heute wurde die Antwort Tschitscherins auf die vom Völkerbund er­gangene Einladung zur vorbereitenden Abrü stungskommission veröffentlicht. Tschitscherin führt darin aus: Wie die Sowjetregierung mehrmals erklärt hat, mißt sie jeden Versuch, die Kriegs­gefahr und die auf den Völkern liegende Rü­stungslast zu vermindern, so große Bedeutung bei, daß sie bereit ist, an jeder dieses Ziel ver­folgenden Konferenz teilzunehmen. Der Ent­schluß der Sowjetregierung. sich aus humanitären Gründen in einer vom Völkerbunde einberufenen Versammlung vertreten zu lassen, bedeutet nicht, daß sich ihre ablebenende Haltung gegenüber dem Völkerbunde irgendwie geändert hat.' Die Sowjetregierung kann nur bedauern, daß die Versammlung, die sich eine solche Aufgabe von Weltbedeutung zum Ziele setzt, wie es die allge­meine Abrüstung ist, von einer Einrichtung wie dem Völkerbünde einberufen wird, der von meh­reren Staaten nicht anerkannt ist. Es ist ver­wunderlich, daß der Völkerbundsrat, in dem er die Teilnahme der Sowjetunion an der Kon­ferenz für wünschenswert erklärt, Genf als Tagungsort der vorbereitenden Stomimffi.on bestimmt und dadurch jede Möglichkeit einer Beteiligung der Sowjetunion faktisch ausschließt. Dem Völkerbunds- rat können die wiederholten Erklärungen der Sowjetunion nicht unbekannt sein, in denen diese auf die Unmöglichkeit hingewiesen hat, Delegierte nach der Schweiz zu entsenden, solange der durch

die Ermordung Worowskis entstandene Konflikt noch nicht beigelegt ist. Der Völkerbund kann jedoch von den eingeladenen Mächten nicht ver­langen, daß sie ihre Politik gegenüber anderen Staaten von technischen Gesichtspunkteir des Völ­kerbundes abhängig machen. Die Teilnahme eines so großen Staates wie die Sowjetunion sollte doch mehr Gewicht haben als technische Bequem­lichkeit des Völkerbundes. Die Sowjetregierung erklärt den Völkerbundsrat für ihren Ausschluß von der Teilnahme an der Kommission verant­wortlich. Tschitscherin schließt, indem er der Hoff­nung Ausdruck gibt, dah sich diese Hindernisse beseitigen lassen werden.

Kleine politische Nachrichten.

Der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Professor Dr. H o e tz s ch, unser hochgeschätzter außenpolitischer Mitarbeiter, hat am Sonntag sein 50. Lebensjahr vollendet. Die großen Ber­liner Blätter weisen aus diesem Anlaß be­sonders daraus hin, daß Professor Hoetzsch als Historiker weit über Deutschland hinaus un­bestrittenes Ansehen genießt und btfaabere in allen Fragen der Ostpolitik als Sachkenner ersten Ranges gilt. Pryfessor Hoetzsch ist geborener Leipziger, habilitierte sich 1906 in Berlin und wurde 1920 als Rachfolger Schiemanns Pro­fessor für osteuropäische Geschichte an der Uni­versität Berlin.

Wie dieMünchener Reuesten Rachrichten" erfahren, wird die 3 n f a n t e r i c - S ch n l e am kommenden Donnerstag München verlassen und von neuem den Standort auf deni Truppen­übungsplatz Ohrdruf beziehen.

In München ist Graf Friedrich August von Crailsheim, der von 1890 bis 1903 unter der Regentschaft des Prinzen Luitpold bayerischer Ministerpräsident war, int 85. Lebensjahr gestorben. Er war auch Mitglied des Präsidiums des Reichsrats, Präsi­dent des Ausschusses für auswärtige Angelegen­heiten und gehörte dem Aufsichtsrat verschiedener Aktiengesellschaften an.

Die Schadenersatzklage der Firma Himmels- bach wegen angeblichen Boykotts, die sich gegen das Reich, Preußen, Bayern und Hessen richtet, ist nunmehr auch in Hessen eingegan­gen. Bekanntlich hat die hessische Regierung während der Verhandlungen des parlamentari­schen Untersuchungsausschusses erklärt, daß sie keinen Boykott über die Firma verhängt habe.

Aus aller Welt.

Von Einbrechern erschossen.

Am Sonntagabend gegen 1 ..9 Uhr wurde ein Einbruch in die Wohnung eines Studienrates in Katern berg bei Essen verübt, der mit seinen Angehörigen das Haus verlassen hatte. Ein Baumeister und ein anderer Studienrat, die die Einbrecher überraschten, wur­den von ihnen mit S chüssen empfangen. Der Studienrat ist inzwischen gestorben, der Bau­meister dürfte gleichfalls kaum mit dem Leben davonkommen.

Ein englisches Schloß abgebrannt.

London, 15. Febr. (WTB. Funkspruch.) Gestcrn wurde daS Schloß Sir Philipp Grey E g e r t o n s in Cheshire durch eine Feuers­brunst vollkommen cingeäschert. Bier Ange­hörige des Hauspersonals und ein Feuerwehr- ofsizier sind in den Flammen um gekom­men. Zahlreiche kostbare Kun st schätze, dar­unter Gemälde von Dan Dyck, Romney, Breughel, sielen den Flammen zum Opfer, desgleichen wurde die gesamte Bibliothek mit über 1000 Bü­chern und wertvollen Manuskrivten ein Raub bei Flammen. Der entstandene Schaden wird auf 250 000 Pfund Sterling geschäht,

Liscttervor'KttHsaüc.

Milde bei stärkerer Bewölkung und leichten Riederschlägen, südliche Winde.

3m Bereich eines mitteleuropäischen Hoch­druckgebietes trat gestern Aufklären ein. das in der Rächt zu stärkerem Temperaturfall führte. Mit Ausnahme des Westens und Rordwestens trat in Deutschland wieder leichter Frost auf. 3m Westen hat sich ein stärkeres Tiefdruckgebiet entwickelt, das über den britischen 3nfelu zu stürmischem, regnerischem Wetter geführt hat. lins dürften nur seine Ausläufer erreichen.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 3° Celsius. Minimum 0.4" Celsius. Heutige Morgen- temperatur 0,9° Celsius.

großen tragen seit dem klassischen Altertum die Namen Leukas, Kephallenia, 3thaka und Za­kynthos. Nun wollten aber früher die Homer- forscher die nördlichste dieser 3nseln, das heutige Leukas, nicht zu den vier homerischen Inseln rechnen, weil sie zu Homers Zelten eine Halb­insel gewesen sei. Aber ganz abgesehen davon, daß jede Halbinsel auch von den Alten als 3nsel bezeichnet wurde, ist neuerdings auch geologisch vollkommen sicher festgestellt worden, daß Leukas schon im zweiten 3ahrtausend vor Christus ebenso eine 3nsel war wie im klassischen Altertum und heute. Leukas muß also unbedingt zu den hpmeri- schen 3nseln gerechnet werden, und zwar ist es die wahre Heimat des Odysseus, denn nur auf sie passen alle Angaben, die sich in der Odyssee über die 3nsel sinden.

Rach Dem Epos ist Ithaka die allerwestlichste Der vier großen unD vielen kleinen oDyssecischen Inseln unD liegt allein Dicht an Der Küste des Festlandes. so daß man unter Benutzung einer Fähre zu Fuß nad) Ithaka gelangen konnte. Die anderen drei homerischen Inseln, nämlich Duli- chion, Same und Zakynthos, liegen von Ithaka nach Osten und Süden und zugleich fern von der Küste des Festlandes. Man muß aber bei dec Lage dieser Inseln die alten Karten berück­sichtigen. Die noch vor ErfinDung Des Kompasses gemacht sinD. Dann zeigt sich, daß nur Leukas ganz dicht an der Küste und am westlichsten liegt. Wie konnte aber nun der Raine Ithaka von Leukas auf die heutige Insel Thiaki über­gehen? Dieser Rameuwechsel hat nach Dörpfelds Forschungen zur Zeit Der dorischen Wanderung um 1100 v. Ehr. stattgesundeu, als die Dorer nad) der heutigen Insel Leukas hinüberzogen und die Ithakesler vertrieben, Die auf der Insel Same eine neue Stadt Ithaka gründeten. Das homerische Same erhielt dann davon den Namen Ithaka, und die Insel Dulichion bekam ihren Ramen Kephallenia dadurch, daß die Kephal-

lenen, die nach Homer auf der Halbinsel des Festlandes gegenüber Ithaka wohnten, von den Dorern vertrieben wurden und sich auf Dulichion festsetzten. Ist so der Rame Ithaka für das heutige Leukas in homerischer Zeit gesichert, so sind andere bedeutsamere Beweise für Dörp- selds Annahme die Tatsachen, daß Leukas mit den Angaben Homers über die Lage unD Gestalt Der Insel ODysfeus' vollkommen übereinstimmt, unD Daß Die Ausgrabungen Das Vorhandensein einer Stadt im zweiten Jahrtausend beweisen. Der Phorkyshafen, in den die Phäaken Odysseus bringen, ist die an der Südostseite von Leickas gelegene Syvotabucht, die, wie Homer es schildert, von zwei vorspringenden Vorgebirgen vollständig eingeschlossen ist und neben alten Oelbäumen Tropfsteinhöhlen enthält. An die Schweinezucht des ..göttlichen Sauhirten" Cumäus erinnert noch heule Der Rame Stzvota. Die t>c* Den Freiern der Penelope als Hinterhalt benutzte Insel Aste­ris ist Die heutige mitten im Meer gelegene Insel Arkudi. Auch über Die Lage Dci Stadt Ithaka kann lein Zweifel sein. Rur Dit Ebene von Ridri und der 3 Kilometer tiefe Hafen von Dlicho in der Milte der Ostseite der Insel kommen dafür in Betracht. Das ergibt sich ein­wandfrei aus den vieljährigen Grabungen Dörp- «elds, die in der mehrere Quadratkilometer großen Ebene von Ridri neben Resten der- nrischen und klassisch-griechischen Zeit viele Mauern von einfachen Bauwerken und von einem Königshaus des zweiten vorchristlichen Jahr­tausends sowie zahlreiche Reste deS alten Haus­geräts zu Tage gefördert haben. Alle diese Funde zeigen die alle Kultur und ^Kunst dec Achäer des zweiten Jahrtausends, Die noch die einfache Sd)lichtheit bewahrte und von der reichen, aus dem Orient stammenden Kunst, Die auch bereits bei Homer geschildert wird, ganz verschieden ist.