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feien, ihre Kraft auf to-eitcre 4 Jahre dem Dohle unterer Stadt zu widmen. Es fet für die Verwaltung von hohem Wert, eine beträchtliche Zahl von Mitarbeitern vorzufinden, die durch mehrjährige Tätigkeit mit den Aufgaben eines Stadtverordneten vertraut seien. Sodann ent­bietet der Redner herzlichen Willkommengruh den 16 neuen Stadtverordneten, die heute zum erstenmal das Amt eines Stadtverordneten über­nehmen. Bei regem Interesse und voller Hin­gabe werde es ihnen hoffentlich bald gelingen, Die Kenntnisse und Erfahrungen, zu gewinnen, dir für eine gedeihliche Ausübung ihres Amtes unerläßlich feien. Möge die Tätigkeit der neuen StadtverorHneten-Dersammlung unserer Stadt zum Wohle gereichen.

Anschließend nimmt der Oberbürgermeister die Verpflichtung der 16 neuen Mitglieder des Hauses vor. Daran schlicht sich die Vereidigung deS Schriftführers der Stadtverordneten-Ver- sammlung, Verwaltungsinspektors M i cf e 1.

Bausachen.

Eine Abänderung des genehmigten Bau­fluchtlinienplanes bei der Lupusheil- statte an der Gaffkystrahe wird glatt ge­nehmigt. Infolge der Vergrößerung deS Lupus- Heimes, für das ein wesentlich größerer Gelände- kompler erforderlich ist, muh die in dem Baublock liegende Straße beseitigt werden. Diesem Zweck dient die jetzt vorgelchlagene Maßnahme.

3m übrigen werden vier Baugesuche an­tragsgemäß erledigt.

Ofeneinbauten im Gaswerk.

Der Detriebsausschuß beantragt: Für den Einbau eines Ofens wird ein Betrag von 9000 Mark aus Betriebsmitteln zur Verfügung gestellt und der Einbau des Ofens der Stettiner Eha- mottefabril übertragen.

Beigeordneter Dr. Hamm weist die Rotwen- digkeit.dcs Einbaues nach durch den etwaigen DÄricbsstörungen im Gaswerk vorgebeugt wer­den soll .

Ein Vertreter der M i 11 e l st a n d s - Ver­einigung fragt die Verwaltung, ob die Stet­tiner Ehamottcfabrik Spezialfirma auf diesem Gebiete sei ober ob die Arbeit auch von einem hiesigen Handwerker gemacht werden könne.

Beigeordneter Dr. Hamm weist in Beant­wortung der Frage darauf hin, daß die bis­herigen Oefen im Gaswerk von dieser Firma eingebaut wurden und daß es zweckmäßig sei, diese Einheitlichkeit beizubehalten. Der Preis sei durchaus angemessen. Eine Submission habe keinen Zweck, denn diese Firma nehme eine Art Monopolstellung ein, da sie die Aufsicht über 75 Prozent der deutschen Chamottesabriten aus­übe und dort beteiligt sei. Es sei also richtig, die Arbeit dorthin zu geben.

Der Wortführer der S o z i a l b e in o f r a i i c erklärt, man könne der Vorlage unbedenklich zu­stimmen. denn in dem Betrieb dieser Firma sei in hohem Maße die Verwendung von Spezial­material erforderlich. Im übrigen unterstreicht er die Darlegungen des Beigeordneten und betont, eine Schädigung des Gießener Handwerks werde bei der vorgeschlagenen Erledigung nicht eintreten.

Das kommunistische Mitglied spricht sich gegen die Vorlage aus.

Die Abstimmung ergibt die Annahme des Ausschußantrags mit allen Stimmen gegen die eine des Kommunisten.

Eine neue Polizeiverordnung.

Der vom Polizeiamt zu erlassenden Polizeiver- drdnung betr. die Anlage von Sammelplätzen und Lagerräume für tierische A b - fiHe wird ohne, weiteres zugestimmt.

Ziegenzuchtoerei n.

1 Für die Wiederherstellung der Decke an dem jBtaöe des Ziegenzuchtoereins wird ein Kredit von 375 Mk. bewilligt. In der Be­ratung taucht der Gedanke auf, einen Neubau des Ziegenstalles in einer geeigneteren Lage als setzt ins Auge zu fassen.

Zur Linderung der Hochwasserschäden.

Die sozialdemokratische Fraktion de- dntragt, den durch das Hochwasser der Lahn er- bebli* geschädigten Mitbürgern darunter solche, die feit längerer Zeit arbeitslos find und denen die Winteroorräte an Gemüse in den überschwemmten Garten vernichtet wurden mit städtischer Hilfe betzustehen. Es wird gefordert: Feststellung des Schadens hinsichtlich der Art und H-he. Vorstel­lungen bei der Reichsregierung, daß auch Gießen

Franziska.

Roman von Liesbet Dill.

44. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

3n ihren großen dunklen Augen flackerte die Angst.

Hasse überlegte. Die Operation würde sicher eine Stunde dauern Vorbereitungen bedurfte es nicht, nur eines Telephongespräches mit seinem ersten Assistenten: in seinem Krankenhaus stand immer der Saal bereit.

Er 'gab der Jungfer den Auftrag, einen Krankenwagen zu bestellen, und ging ans Tele­phon, um feinem Assistenten von der Operation Mitteilung zu machen.

Setzen Sie sich noch einen Augenblick", bat Franziska und wies auf einem Sessel neben ihrem Bett.Ich weih, es ist nicht Sitte, einen be­rühmten Arzt aufzuhalten, aber ich denke, es ist etwas anderes... bei uns", fügte sie leise Hinzu. ilnb er nahm neben ihrem Bett Platz. Unter der Spitzenhaube sahen ihre Augen dunkler und größer aus. 3n ihrem Lächeln war etwas von dem früheren Liebreiz, und selbst jetzt ver­mochte er sich nicht dagegen zu wehren, und als sie seine Hand in der ihren hielt unb sagte: »Was halten Sie von meinem Zustand, ist er gefährlich, mutz ich sterben?" brachte er das Lächeln des Arztes fertig, der seinen Patienten auf ihren letzten Weg einen Trost mitgeben will, und sagte mit jener Bestimmtheit, die man sich in diesem Berufe angewöhnt: »Daran werden Sie nicht sterben, Franziska."

Sie schaute ihn an, ihre Brust hob sich, stoß­weise kam ihr Atem, als habe sie soeben etwas gehört, das sie lang entbehrt. Aber dieses »Franziska" gab ihr zu denken. Sie sagte sich so spricht er, weil es mit mir aus ist, und eine -entsetzliche Furcht ergriff sie. Sie richtete sich Heftig auf, mit einer Kraft, die sie trotz ihrer Schmerzen noch befaß:Fred! Fred!"

Gs klang wie ein Aufschrei.

Er zuckte zusammen, er fühlte diesen jagen» hen, fiebernden Puls in seiner Hand.

Seien Sie ruhig, Franziska", sagte er,ich werde Ihnen helfen. Es gibt ja doch noch ehre Hilfe."

bei der Verteilung von Reichsgeldern an die Hoch- maWcrna^öbigten berücff;*tigt werde. Wird das abgelehnt so soll aus städtischen Mitteln geholfen werden. Auf Vorschlag des Oberbürgermeisters Keller wird der Antrag dem Finanzausschuß überleben mit der Ermächtigung, in gegebenen und brinalunen Fällen an Stelle desStadtparlaments zu beschließen und Hilfe zu gewähren.

Ein weiterer sozialdemokratischer Antrag auf Verlegung einer Vorlage der nichtöffentlichen Sinung in die öffentliche Verhandlung wird nach geheimer Beratung, die durch die Geschäftsord­nung vorgeschrieben ist, abgelehnt. Das Publikum, das hierauf wieder den Saal betritt, erfährt durch die Mitteilund des Vorsitzenden alsbald, daß es auf der otelle wieder umkehren und heimgeheu kann, da die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung er­schöpft ist.

Oderheffen.

Landkreis (Sickert.

/- -Reiskirchen, 14. Jan. Am Dienstag- abend kam in unterer Kirche der 2. Teil des B e- t 5 c I f i l m d zur Vorführung. War scheu die Vorführung für unsere Kinoer, zu der auch einige Schulklassen aus Rachbarorten sich ein- gefunden hatten, ausgezeichnet besucht, so konnte das Gotteshaus den Zustrom der Besucher abends um 8 ülhr kaum fassen. Die außerordentlich Haren und deutlichen lebenden Bilder vermittelten wie­der einen lebendigen Einblick in die verschiedenen Zweige der großartigen und von Gatt reich ge­segneten Liebesarbeit, die in Bethel und seinen Tochteranstalten geleistet wird. Der durch An­sprachen und Gesänge noch bereicherte Abend dürfte bei vielen eine tiefe, nachhaltige Wirkung hinterlassen haben. An Eintrittsgeldern und Kol­lekte konnten für das Liebeswerk der Inneren Mission 216 Mark abgeführt werden.

: Stangenrod, 14. Jan. Unsere Bauern sind mit dem Düngen ihrer Felder beschäftigt. Ein eigenartiges Wehgefühl beschleicht manchen Land­wirt, wenn er daran denkt, daß er in diesem Jahr voraussichtlich zum letztennml diese von seinen Vorfahren ererbten, oder aber durch Kauf jahrelang im Besitz gehabten Felder ausstellt. Denn bis zum kommenden Herbst wird unsere Feldbereini­gung so weit fortgeschritten sein, daß die Neu einteimng der Fluren und damit die Uebergabe der neuen Aecker erfolgen Fann. Allerdings wird noch manche Aufregung über diese Angelegenheit unsere Einwohner beunruhigen, bis auch sie, wie an allen anderen Orten, in späteren Jahren die Vorteile der Feldbcreinigung schätzen werden.

: Beltershain, 14. Jan. Unsere Feld­bereinigung geht ihrem Ende entgegen. Die Gemüter haben sich bald beruhigt, und mancher ehemalige Gegner muh doch allmählich die Vorteile der Bereinigung eingestehen. Gegenwärtig werden noch die Einfahrten der neuen Feldwege in die Landstraße nach Vorschrift ausgebaut.

: Reinhardshain, 14. Jan. Wie riesig groß die Wassermengen in den letzten Wochen gewesen sind, beweist der Umstand, daß heute noch viele Quadratmeter nicht etwa Wiesen, nein Wald an der Straße zum (leilshausener Batixitbergwerk unter Wasser stehen. Zu bei den Seiten dieser Waldstraße stehen dichte Fich- tenbestände an einzelnen Stellen bis 30 Zenti­meter im Wasser. Infolge dichten Lehmuntergrun- des sickert das Wasser nur langsam in den nadel- bedeckten Waldboden ein.

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg, 14. Jan. In Ausführung des Beschlüsse- der letzten Stadtverordneten- sitzung befaßte sich der vereinigte Dau- und Finanzausschuß unter Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Seyd mit der Grwerbslosenunter- ft u h u n g. Man war einstimmig der An­sicht, eine Unterstützung in Geld nicht zu ge­währen, tendern lediglich in Raturalien. Es sollen demnach Verheiratete erhalten: einen Gut­schein über einen Zentner Briketts, 4 Laibe Schwarzbrot ü 4 Pfund und Lieferung von Gas, Wasser, oder elektrischem Licht im Werte von 4 Mk.: ledige Erwerbslose ohne eigenen Hausstand erhalten einen Gutschein über einen Laib Brot zu 4 Pfund und 1 Zentner Briketts, eigenem Hausstand einen Gutschein über einen Laib Brot zu 4 Pfund 1 Zentner Briketts. Wegen Inangriffnahme von Rvtstands- arbeiten schweben noch Verhandlungen mit dem Staate, nach deren Lösung zur sofortigen Ausführung geschritten werden soll. Vor dem

Sie fiel in die Kissen zurück. »Bleiben Sie bei mir", stammelte sie.Roch eine Weile... Ich hab- Ihnen viel zu sagen..."

llnb sie erzählte mit leiser Stimme, die Hand immer auf dem klopfenden Herzen, wie um es zu beruhigen, wie sie in den letzten Jahren herumgereist, auf Gastspielreisen, im Ausland mit einer Wandertruppe. Als Salome war sie zweimal nach Amerika hinübergekommen. Sie besaß den herrlichsten Schmuck, dort in jenem eisernen Kasten tag ein Vermögen, nebenan hin­gen Schränke voll kostbarer Toiletten, so zart wie Hauch, von Spitzen durchsetzt, mit Pelz­werk verbrämt, auf einem Stuhl lag hingeworfen ein Mantel aus Zobelfellen.Ein Geschenk aus- Rußland", sagte Franziska und strich mit der Hand über das zarte Pelzwerk, das goldig schimmerte und sich tnifterub unter der weichen Berührung wie geschmeichelt hob. Gott, und daß sie den Octavian nicht singen durste. Er hatte doch sicher auch schon das Billett.

Er schüttelte den Kopf. Er stand dem Thea­ter fern, nur selten tarn er dorthin.

Ach, warum nicht mehr?"

Er mußte lächeln. Es war dieselbe Fran­ziska, die mit Sicherheit annahm, daß das Thea­ter im Brennpunkt des Interesses einer ganzen Stadt stand und jedermann die Geschichte eines jeben Schauspielers oder Sängers kannte und sich dafür interessierte.

Warum? Weil ich keine Zeit mehr dazu habe", sagte er einfach.

Franziska schaute ihn lange mit ihren klaren, dunklen Augen an.Man hat zu alledem Zeit, zu dem mgn Lust hat", sagte sie.Das wird's wohl sein..

Der vor ihr sah in dem tadellosen grauen Rock, dem blanken hohen Kragen, dem goldenen Kneifer war der, den sie kannte, und doch, so beherrscht er auch ihr gegenübersaß, er war verändert.

Er warf ihr mit Heftigkeit vor, daß sie sich nicht in acht nahm, und es endete gewöhnlich mit einem Streit.Ich habe Halsweh", sagte sie einmal.Wo denn?" rief er wütend.Im Hals natürlich", hatte sie lachend gesagt. In Erinnerung daran glitt heute noch ein Lächeln über ihr Gesicht.

städtischen Mieteinigungsamt kamen im verflossenen Jahre 116 Streitfälle zur Ver­handlung, zur Erledigung waren 19 Sitzungen, 132 Termine und 41 Ortsbesichtigungen nötig. Von den eingegangenen Anträgen wurden 82 durch Entscheidungen. 13 durch Vergleich, 9 durch Verständigung vor dem Termin und 12 durch Zurücknahme erledigt. In 22 Fällen wurde Be­schwerde eingelegt und die Akten nach Darmstadt an die Beschwerdestelle (O. L. G.) weitergegeben, hiervon wurden zurückgewiesen 20, ftattgege* ben 2.

L Rieder-Florstadt, 14. Ian. Die Ridda ist wieder vollständig in ihr Bett zurückgegangen, die Dorfstraßen sind frei von Wasser, nur aus den Kellern wird noch täglich mit der Feuerspritze Wasser ausgepumpt. Die überschwemmten Wiesen, von denen das Wasser nur langsam abfließen kann, bilden eine riesige, spiegelglatte Eisfläche, auf der sich die Jugend tummelt. Dem Lehrer l. R. Ludwig Hechler wurde vom Tier­schutz verein eine schöne älrcunde für lang­jährige treue Dienste überreicht. Er hat 38 Jahre lang im Ort für Öen Verein geworben und stets eine stattliche Anzahl Mitglieder und Bezieher der Tierschutzzeitschrift ausgebracht. Sein eifriger Nachfolger ist Lehrer Lang geworden. Rach der letzten Viehzählung waren hier noch 2 Schafe, während bei der vorigen noch 38 vor­handen waren. Damit ist die hiesige Schä­ferei erledigt, der Hirte arbeitet seit Sonrmer 1925 im Steinbruch. Im Krieg und in der Inflation hatte Florstadt eine sehr große Schafherde, fast in jedes Haus gehörten 2 bis 3 Schafe, daher zeigte sich auch hier nie so starr der Mangel an wollener Winterkleidung. Trotz der schlechten Einkommen in vielen Familien konnten die Kinder reichlich mit gestrickten Sachen aus selbstverarbeiteter Wolle gekleidet werden. Das Spinnrad surrte in den Häusern wie in alten Zeiten, ältere Frauen und junge Mädchen lernten das üb innen von einigen ganz alten Frauen, denn schon jahrelang war solche Beschäftigung hier nicht mehr üblich. Die starke Herde fand in der Gemarkung nicht Nahrung genug, sie ging in den Wald und schadete auch dort, weil die zur Verfügung stehende Weide für einen solchen Bestand nicht groß genug war. Auch schlichen sich allmählich Mißstände ein, denn mancher Besitzer ging über die vorgeschrie­bene Zahl von 2 bis 3 hinaus und hielt statt dessen 10 bis 12 Schafe. Damit wurde das Prinzip, nur für den eigenen Bedarf zu züchten, verletzt und die Herde für die Gemarkung zu groß. In letzter Zeit kamen nun noch Krank­heiten hinzu. Einig .iai mußten die Schafe ge­gen Räude vergast werden, in nassen Jahren forderte der Leberegel seine Opfer, so daß, nachdem wieder Wolle zu kaufen war, manche Familien ihre Schafe abschassten. Auch setzte da­mit ein verschärfter Druck der Gemeindevertte- rung gegen die Schafherde ein, die nach An- 'icht der Mehrheit nur noch der Allgemeinheit schadete und nur einzelnen nützte. Bei. dem ge« ringen Bestand, der allmählich noch verblieb, .Ilten sich die Ausgaben zu hoch, und die Ge- >'. ossenfch a ft löste sich auf. Der gute Zweck aber, der die Gründung veranlaßt hatte, wurde Volt und ganz in den schlimmen Jähren der Rohstoffknappheit erreicht.

Kreis Büdingen.

Änter-Schmitten 14. Ian. Wie außerordentlich ungünstig die Verhältnisse auf dem Grundstücks markte augenblicklich sind zeigte eine Versteigerung die vor einigen Tagen hier stattfand. Gs drehte sich um einen seither verpachteten größeren Landbesitz, der zwecks Ausbaus eines industriellen Unternehmens von seinem Besitzer abgestohen werden sollte. Die Versteigerung war eine Enttäuschung. Von den ausgebotenen Grundstücken wurde der größte Teil überhaupt nicht mit einem Angebot bedacht, während die übrigen Steigpreise erzielten, die wohl kaum zum bereitwiUigen Zuschlag reizen können. Bei den kleineren und mittleren Land­wirten ist wohl nod) Interesse für Vergrößerung ihrer Betriebe vorhanden, aber die schwierige wirtschaftliche Lage gestattet cs ihnen nicht, Ver­pflichtungen geldlicher Art zu übernehmen, denen nachzukommen ihnen zur Zeit unmöglich ist.

Kreis Schotten.

XlX Schotten, 14. Jan. Auch in unserem Kreise hat die Arbeitslosigkeit einen be­deutenden Umfang angenommen. Zirka 3 0 0

Die rosige Bettlampe neben dem Tisch warf ein goldig leuchtendes Licht auf ihr Gesicht und beschattete es halb.

Warum 6oben Sie nicht geheiratet?" fragte sie plötzlich.

Hasse hatte den Kneifer abgenommen und putzte ihn mit einem seidenen Tuch, langsam unb gründlich rieb er die ®Iä,er blank. Es war dies eine Angewohnheit von ihm, die sie ihm früher oft nachgemacht hatte, weil sie diese pe­dantische Bewegung nicht leiden mochte, aber sie sah, daß sie ihm allmählich zur Angewohnheit geworden war.

Daraus könnte ich Ihnen so ziemlich dieselbe Antwort geben, als wenn Sie mich fragen, wa­rum ich das Theater nicht mehr besuche. Man verliert das Interesse daran."

Auch am Heiraten?" sagte sie und sah ihn unter der Spitzenhaube von der Seite an. Sie lächelte mit ihrem Grübchen und sah so schelmisch aus, daß er einen Augenblick vergaß, wie es um sie stand.

Wenn man eine solche Lehre mit auf den Weg bekommt wie ich, vergeht einem der Mut"

An Mut hat es Ihnen nie gefehlt", warf sie ein.

An dem Mut, etwas zu wagen, woran man schon einmal gescheitert ist, doch", ant­wortete er, ohne sie anzusehea.

Es entstand eine tleine Stille, in die eine kleine goldene, mit blitzenden Brillanten be­setzte Taschenuhr ihr eiliges Ticken vernehmen ließ, die neben ber Lampe auf dem Tisch neben einem Buch lag, als wolle sie an die rinnende Zeit mahnen.

Ich glaube," sagte Franziska, nach der Uljr blickend,Sie hatten recht. Ein großer Mann darf weder Frau noch Kinder haben. Er gehört der Welt. Aber mit uns ist es noch etwas anderes. Daß ich Sie noch einmal ge­sehen hab'! Ich bin Ihnen viel Dank schuldig. Es ist nicht angenehm, wenn man jemand et­was schuldig bleibt, aber ich war damals zu unreif dazu, um das zu wissen."

Er machte eine abwehrende Bewegung mit dieser' merkwürdig kleinen Hand, die so fest

Arbeitslose erhalten die Erwerbslosenunter­stützung, während ungefähr 40 auf diesen Genuß verzichten müssen, weil sie die nötigen Bedin­gungen nicht erfüllt haben. Cs ist zu hoffen, daß bei Eintritt milderen Wetters die ErwerbSlosen-- 8 i ff er Im Kreise Schotten fällt.

Ulfa, 14. Jan. Die in der letzten Samstagsnummer gebrachte Rotiz über die hie­sige Feldbereinigung ist dahin zu be­richtigen, daß das Massen^elände nicht, wie angegeben, verpachtet, sondern am 2. Febr. und in den Rachtagen versteigert werden soll. Man geht dabei von der Voraussetzung aus, wenn nicht das ganze, so doch wenigstens einen Teil des Geländes zu erträglichen Preisen los- schlagen zu tonnen, was immerhin vorteilhafter erscheint, als sich mit einer Zinsenlast zu bürden, die nur zum Teil durch den Pachtpreis auf- gewogen wird.

X!X Feldkrücke n, 14. Ian Nächsten Sonntag findet hier die 3. Stichwahl um den Bürgermeisterposten statt. Die vorhergehenden Stichwahlen wurden vom zustän­digen Kreisausschuß wegen Wahltreibereieu ver­worfen. Es stehen sich wieder blc -beiden Kan­didaten Gastwirt Louis Kaiser und Jakob Rühl gegenüber. Bei der ersten Sttchwahl er­hielten Kaiser 85 Stimmen und Rühl 90 Stimmen. Bei der 2. Stichwahl siegte Kaiser mit 89 gegen 84 Stimmen. Um die Nachfolge des Bürgermeisters S ch l e u n i n g, der sich große Verdienste während seiner 43jährigen Tätigkeit erworben hat, ist ein großer Kampf entbrannt. Schleuning, ein 74jähriger Mann, führt noch in geistiger und körperlicher Frische die Geschäfte. Hoffentlich bringt dieser Sonntag nun endlich wieder Ruhe in unsere Gemeinde und einen tüchtigen Bürgermeister.

Kreis Alsfeld.

M Alsfeld, 14. Ian. Gestern abend hielt Reallehrer Dotter auf Veranlassung des Zweig- Vereins Alsfeld des Vogelsberger Höhenklubs einen Lichtbildervortrag über »Rom als Kunststadt". Der Vortragende, der Im vergangenen Herbst eine Reise nach Rom unter­nommen hat, wußte auf Grund seiner persön­lichen Studien über die Verhältnisse der ewigen Stadt ein sehr interessantes und anschauliches Bild über die Bedeutung Roms als Kunst» und Kulturstätte zu geben. Er behandelte Rom als Kunststätte in der römischen Kaiserzeit, im Mittel- alter und in der Zeit der Renaissance. Eine Reihe sehr hübscher Lichtbilder ergänzte den lehrreichen Dorttag in wirksamer Weise. Der Vortrag sand in dem neuerbauten kleinen Saale des HotelsDeutsches Haus" statt, der bis auf den letzten Platz besetzt war. Am Nachmittag war der Vortrag für die Schüler der hiesigen Schulen gehalten worden.

-er. Homberg a. d. Ohm, 14. Jan. Die Ver­sorgung unseres Städtchens mit gutem Leitungswasser war in der letzten Zeit unzureichend. Sei es nun, daß die Quellen nicht mehr die frühere Menge an Wasser liefern, oder daß das Rohrnetz an manchen Stel­len schadhaft wurde, so daß unbemerkt Wasser austreten konnte. (Die Wasserleitung wurde von 19001901 erbaut.) Zu dieser Annahme liegt jedoch kein Grund vor. Durch einen Vertrag seitens der Stadt mit der Kolonie Neu-Ulrichstein führt diese nach Bedarf von ihrem Wasserbehälter Wasser nach dem städtischen Behälter gegen Bezahlung über. Auch diese Zufuhr erweist sich als ungenügend. Die Hauptursache der Wasserknappheit liegt darin, daß das Bassin nur 150 Kubikmeter saßt, von denen 75 Kubikmeter zu Löschzwecken stets reser­viert werden müßen. Der Gemeinderat sucht nun diesem Uebelftanbe abzuhelsen und hat sich in seinen Sitzungen wiederholt eingehend damit be­faßt. Nach lange« Hin und Her kam fnan zu dem Entschluß, die oberhalb Hombergs, in der Rich­tung nach dem Hohen Berg liegende gefaßte Quelle, das sog Oberbörnchen, das einen an der Straße nach Dannenrod errichteten Brunnen derart speist, daß er Tag und Nacht fließen kann, dem allgemeinen Verbrauche zugänglich zu machen. Die technische Ausführung dieser Arbeiten wäre Sache der Kulturinspektion. Das Forstamt Hom­berg hat die Bürgermeisterei in Kenntnis gesetzt, daß das Ministerium für Forst- und Kameralver- waltung den Preis pro Raummeter Knüppelholz auf 8 Mk. und den für Scheitholz auf 10 Mk. festgesetzt habe. Der Preis des Losholzes beträgt 95 Proz. davon. Dem­nach kostet den Bürger 1 Rm. Knüppel 7,60 Mk.

anpacken tonnte und wieder so weich, fein wie die eines Kindes.

Sehen Sie," führ sie lebhaft fort, und auf ihren Wangen brannte eine leichte Röte, ich habe mir ja eigentlich niemals Illusionen gemacht über die Ehe und ihr Verhältnis zur Kunst... Verheiratete Künstlerinnen, das ist ein schweres Problem, und unverheiratet bleiben geht auch wieder kaum.

Cs gibt bedeutende Wagnersängerinnen mit sieben Kindern, aber das sind meist die heroischen Elemente. DaS Heroische verträgt sich mit dem Bürgerlichen, mit Ehe und Kinderstube und was damit zusammenhängt, aber mein Fach, das Eventualfach das hab' ich eingesehen, schon da» mals, als wir feien wir doch offen und lassen Sie mich wiederdu" sagen"

Wie Sie wollen."

Die Ebenhausen hat's verstanden, Äünft» lecin zu sein und anständig, wie man das nennt, zu bleiben. Aber ch frag euch, wais hat sie euch denn gegeben?

Sie kann die Dame in derZauberflöte", die Gräfin im Figaro" entzückend singen. Mo­zart hab' ich immer am liebsten von ihr gep hört. Sie singt wie ein Instrument, so rein und pünktlich wie aufgedreht," fuhr Franziska fort, auf deren Wangen es flammte.Solch mensch­lichen Instrumente braucht man sogar, aber es gibt doch auch Zigeunermädeln darzusteilen, Ver­derbtheit, Dekadenz und Rausch und die Ekstase. Dazu gehört ein anderes Geben* Ich hab' sie nicht beneidet unt ihre allgemeine Beliebtheit, einen Ruhm, den man zwanzig Jahre lang in derselben Stadt genießt, und einen Erfolg, den man seiner ordentlichen Lebensführung verdankt, ach nein. Durch die Salome hab ich Karriere gemacht und, durch meine unglückliche Neigung hab' ich gelernt fingen, um einen Kops tanzen. Und wenn ich meiner Kunst auf den Grund gehe, so seh' ich in jeder Rolle eine Geschichte, ein Erlebnis. Mit der Redda ist mir zum ersten­mal auf gegangen, daß uns das Leben nur dann gehört, wenn wir uns ihm restlos verschenken, 'ann kann rnan's wiedergeben, das Großartigste. rs es gibt, nämlich das Leben. Ja. mit der Redda sing's an. Von da an ging's bergan mit mir. IFottsetzung folgt.)